Ruinieren der Stimmen

  • Zitat

    Original von Antracis
    Bei Melchior hast Du hinsichtlich der Aussbildungssorgfalt sicher recht, allerdings ist er halt auch einfach physisch eine Ausnahmeerscheinung gewesen.
    Solche sängerischen Wunder schaffen es manchmal sogar ohne Ausbildung, wie exemplarisch Helge Roswaenge vorführt: Weitgehend Autodidakt, der sich am Karriereende noch mehr Vorstellungen und hohe Töne zumuten konnte, als die meisten Kollegen in ihrer Blütezeit.


    Lieber Sascha,


    Schau mal mein Zitat aus 2006 an.



    LG, Paul

  • Zitat

    Hallo Theiresias, Kannst Du technische Defizite bei Schorr benennen ? (-> nicht provokant sondern interessiert gefragt Augenzwinkern )



    Meine feinen Ohren ;-) hören bei Schorr eine stets mit zuviel Druck gebildete Höhe. Er verschmälert die Atemspur und die Stimme nicht ausreichend, wenn er in die Hochoktave geht. Die Höhe war es dann auch, die als erstes nicht mehr gut funktionierte.


    In diesem Falle würde ich allerdings folgendes behaupten: Die Stimme war keineswegs ruiniert. Schorr hatte schon eine gesunde Technik. Vermutlich ist seine Stimme im Alter etwas gewachsen und er konnte die Höhe nicht mehr wie gewohnt bilden. Prinzipiell hätte er nur seine Technik für die Höhe bzw. den Übergan besser lernen müssen und hätte dann problemlos bis zum weitersingen können ;-)


    Bei Völker teile ich deine Analyse. Trotzdem - beides natürlich keine "ruinierten" Stimmen. Völker hätte mit einer besseren Technik vermutlich auch weitermachen können.

  • Zitat

    Original von vedriel
    Nun, wie bereits gesagt wurde: Selbst wenn die Stimme gut ausgebildet ist, sie muss regelmäßig "gewartet" werden! Erstens, weil sich sonst immer mehr "Fehler" einschleichen, und zweitens, weil sich Stimmen ja weiterentwickeln! Ich bin immer erstaunt, wenn Sänger ganz stolz meinen "Ich brauche keinen Gesangslehrer mehr, ich höre mir Aufzeichnungen an und höre genau, woran ich arbeiten muss!"


    Hallo Vedriel,


    Eher habe ich zwei doch nicht unbekannte Sänger (Brouwenstijn und Van Kesteren) zitiert. Beide beharrten auf "Übe, übe und nochmals übe dein Instrument". Gré Brouwenstijn behauptete sogar, sie hätte sich ohne das tagtägliche Üben mindestens fünf Jahre eher von der Bühne verabschieden müßen.
    Interessant fand ich aber das Zitat über ihren Lehrer, der das bei ihr einhämmerte.


    Gibt es D.E. denn Lehrer, die dieses Aspekt vernachlässigen (wenn nicht gar verschweigen :untertauch: )?


    LG, Paul

  • Ich möchte dies alles auf eine Frage zuspitzen "Könnte es sein, das Sänger sich nicht bewußt sind (aus welchen Gründen denn auch), daß sich im Laufe des Lebens die Stimme ändert? Daß dadurch der Technik angepaßt werden muß!


    LG, Paul

  • Auch beim Singen macht - oder besser erhält - Übung den Meister. Die Stimme als ein Teil der Physis ändert sich selbstverständlich mit dem Alter. Da Sänger sich oft selbst nicht objektiv hören und beurteilen können, ist zumindest gelegentliche Arbeit mit einem Gesangslehrer oder stimmenverständigem Korrepetitior neben dem übenden Trainieren der Stimme ebenfalls unerläßlich.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Sehr einprägsam (und so wahr!) fand ich immer Beniamino Giglis berühmte Aussage, dass der Sänger niemals sein Kapital antasten dürfe, sondern von den Zinsen leben bzw. singen sollte.


    Ein anderes Beispiel für frühen Verschleiß in früheren Zeiten war auch Giuseppe Di Stefano, der allerdings auch keine vernünftige Ausbildung genossen hatte.

  • Es gab neuerdings einen Tenor aus Malta (Name vergessen). Der scheint schon jetzt, obwohl er kaum begonnen ist, die Anforderungen nicht gewachsen zu sein.


    Wenn ich dann daran denke wie Flórez seine Stimme hegt... :lips:


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil
    Es gab neuerdings einen Tenor aus Malta (Name vergessen). Der scheint schon jetzt, obwohl er kaum begonnen ist, die Anforderungen nicht gewachsen zu sein.


    Wenn ich dann daran denke wie Flórez seine Stimme hegt... :lips:


    LG, Paul


    Du meinst jetzt aber nicht Joseph Calleja ?(


    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Siegfried


    Du meinst jetzt aber nicht Joseph Calleja ?(


    Genau, den meine ich.
    Ich hörte vor einigen Monaten, er meine auf weiteres Unterricht verzichten zu können... !!

  • Die Stimme ruiniert derjenige, der auf jeder Hochzeit meint dabei sein zu wollen, im falschen Fach singt, nicht behutsam mit dem Kostbarsten das jeder Sänger hat, umgeht, die Lebensweise, Alkohol, Zigaretten usw.


    :hello:

  • Zitat

    Original von musicophil


    Ich hörte vor einigen Monaten, er meine auf weiteres Unterricht verzichten zu können... !!



    Es wäre sehr schade, wenn Calleja sein recht schönes Material leichtfertig aufs Spiel setzte.


    Nach dem, was ich von ihm höre (meist via Radio, nur einmal live als Duca im Rigoletto) hab ich das Gefühl, dass er zu schnell zuviel will und ins (noch) zu große Fach drängt. Und ich bilde mir ein, das man das auch der Stimme schon anmerkt (meine Hörmeinung) - sie verliert mE an Geschmeidigkeit und Schmelz.


    Frage an die Fachleute: könnte das vermieden werden, wenn ein regelmäßigen Abständen der Rat eines Lehrers gesucht würde?



    LG, Elisabeth


  • Ein Sänger braucht hin und wieder Kontrolle der eigenen Stimme, doch es gibt viele Sänger die meinen das nicht nötig zu haben. Es schleichen sich schnell Fehler ein, die man selber nicht wahr nimmt. Ganz gefährlich ist es über Fach zu singen, oft wird auf die Stimme gedrückt, gepresst, damit man da hin kommt, wor die Stimme eigentlich nicht für ausgebildet ist.

  • Ich meinte gelesen/gehört zu haben, das Callejas ehemaliger Gesanglehrer behauptete, daß er manchmal Spuren von Verschleiß hörte.
    Interessant ist vielleicht das Lesen des Callejathreads.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil
    Ich meinte gelesen/gehört zu haben, das Callejas ehemaliger Gesanglehrer behauptete, daß er manchmal Spuren von Verschleiß hörte.


    Lieber Paul,


    genau das würde mich nicht wundern. Ich glaube, wenn er so weitermacht, ist bald nicht mehr viel Stimme übrig. Sein ehemaliger Lehrer, das müßte doch Paul Asciak sein? Ich meine, wenn er so etwas schon in der Öffentlichkeit sagt, dann muß schon einiges dahinter sein.


    Schönen Gruß


    M.

  • Liebe Musica,


    die "Sängersünden" hast Du prägnant und treffend auf den Punkt gebracht. Natürlich nützt alles Üben und eiserne Diziplin wenig, wenn
    die Grundanlagen nicht ausreichend sind.
    In Sängerkreisen wird sehr drastisch über die von der Natur Begnadeten fomuliert, und zwar:" Der oder dem hat der liebe Gott in die Kehle gesch......
    Verzeihung über die Wortwahl. Es ist halt ein drastisches Zitat.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • ja, es ist ein Geschenk von Gott, dass gehegt und gepflegt werden sollte...


  • Ich sehe, daß hier, ohne mir etwas zu sagen, ein Zitat entfernt wurde. Es fehlt aber eine Bemerkung eines Mods.
    Es war übrigens ein lobendes Zitat.

  • Lieber Paul,


    welches Zitat fehlt?


    Norbert als Moderator

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Gut, Paul, dann lies' mal ;) .


    Wenn Du das Zitat wieder gefunden hast, dann setze ich es in den entsprechenden Thread ein.


    Ich habe zwar nichts gelöscht, aber einfügen ist genau so einfach wie löschen... ;)


    Norbert als Moderator

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler