"Where is home?" Benjamin Brittens PETER GRIMES

  • Liebe Forianer,


    seit meinem Einstieg in die klassische Musik ist die Moderne leider bisher von mir stark vernachlässigt worden: ein Zustand, der sich ändern soll!
    Benjamin Britten schätze ich als Pianisten und Dirigenten außerordentlich, deshalb habe ich mir als Einstieg seinen PETER GRIMES ausgesucht.


    Die Oper hat bisher ja noch keinen thread hier im Forum, und Brittens spätere Werke wie BILLY BUDD, DEATH IN VENICE und THE TURN OF THE SCREW werden ihr, so glaube ich wenigstens, wohl häufig vorgezogen, vielleicht weil der PETER GRIMES formal noch eine recht "konventionelle" Oper ist, mit Rezitativen, Arien, Duetten, Ensembles?


    Da Peter Pears im Liedgesang zu meinen Lieblingssängern gehört, und da er ja auch die "Stimme des Komponisten" war, habe ich als erste Aufnahme die von Britten selbst dirigierte von 1958 gewählt (leider hat die Decca-Aufnahme kein Libretto beiliegend):


    Also hier meine ersten Eindrücke aus der Sicht eines zwar musikbegeisterten, aber eben nicht mit Profi-Kenntnissen ausgestatteten Amateurs (Experten mögen mich bitte korrigieren, falls ich Unsinn schreibe!):


    Ich hatte in musikalischer Hinsicht noch mehr Verismo erwartet (da ich nicht unbedingt ein Anhänger der veristischen Oper bin, war´s auch keine Enttäuschung):
    Die Figuren werden hier meiner Meinung nach scharf und prägnant gezeichnet, wozu wohl auch die Betonung des Rhythmus in der Musik beiträgt, sind aber eher Typen oder Karikaturen als Individuen.


    Oft erscheint hier alles "bigger than life":
    Der großartige Chor erinnert mich z.B. in "Oh! hang at open doors the net the cork!" zunächst an Shanty-Musik, dann an einen hymnischen Gesang.


    Bei dem genialen "Assign your prettiness to me" des lüsternen Swallow hatte ich zunächst die Assoziation eines komischen Musical-Songs, auch noch als die Mädchen ihn flankieren. Durch die zunehmende musikalische Disharmonie in dem Stück wirkt das Ganze jedoch immer bedrohlicher, und die Komik kippt.


    Ellen erscheint in ihren klaren, oft sehr melodischen Linien zunächst ja als sympathische Lichtgestalt: "Let her among you without fault cast the first stone!"
    Sie wirkt in ihren Versuchen, Peter zu helfen, jedoch zunehmend dominant und auch musikalisch einengend, ist meiner Meinung nach jedenfalls auch eine recht ambivalente Figur.


    Den rauen Fischer Peter Grimes gibt es in dieser Aufnahme nicht - jedenfalls nicht mit stimmlichen Mitteln:
    Peter Pears singt ihn als gequälten, erstaunlich fragil wirkenden Außenseiter, der, so finde ich, gerade dadurch in seiner Gewaltbereitschaft und seinem übermäßigen Anspruch, das Meer leer fischen zu wollen, umso verstörender wirkt.


    Es wird eher eine mythische Figur dargestellt, ein modernerer FLiegender Holländer, als ein real wirkenden Fischer:
    "Now the Great Bear and the Pleiades ...";
    "What harbour shelters peace";
    "Where is home?"


    Umso erschreckender die Zerstörung in der Wahnsinns-Szene, vor allem das immer lallender wirkende "Peter Grimes, Peter Grimes,Peter Grimes" als Antworet auf die Rufe, oder die schauerliche Imitation des Anfangsmotivs in "accidental circumstances".


    Es gibt ja auch bei dieser Figur wohl sehr unterschiedliche Interpretationsansätze. Ich habe vor einiger Zeit Ausschnitte aus einer Aufnahme mit John Vickers gehört, der auf mich viel rauer und ungefügter wirkt und dadurch vielleicht der Figur in der Vorlage etwas näher kommt?


    Da ich gern vergleiche: Welche Einspielungen bevorzugt ihr, habt ihr Erinnerungen an großartige Live-Aufführungen?


    Viele Grüße


    Petra :hello:

  • ...na danke - bin sehr geehrt :] :yes: =)


    ...da ich ja ausdrücklich über das Thema OPER (soo sehr bevorzuge ich sie gar nicht !!) an u. in dieses Forum geraten bin, fand ich einen entspr. nick-name dann quasi Ehrensache !
    ...u. der "Grimes" ist einfach eine von 4 Opern, die ich bisher 3mal gesehen habe - u. mir von diesen vieren mental(?) am nächsten......


    Britten war bei mir mit "interessanter Typ - demnächst mehr davon !!!" "gespeichert", seit wir (so ca. `78 wirds gewesen sein) uns im Schulorchester an seine "Simple Symphony" machten...
    `83 zog`s mich dann studienhalber nach Duisburg - seit damals bis hier und heute hat`s die Rheinoper nur zu einer Inszenierung von "Rape of Lucretia" gebracht :angry: (die IMO zu den Kammeropern gehört, die in einem normal-grossen Opern-Saal einfach nicht wirken)


    aber Krefeld / M´gladbach (Yakov Kreizberg war damals dort GMD !) u. Essen waren ja nicht weit...
    den "Grimes" habe ich dann vor ca. 15 Jahren 1mal in M`gladbach u. vor ca. 7, 8 Jahren 2mal in Essen gesehen - letzteres mit-angeregt durch eine Rezension von Ulrich Schreiber selig im WDR, der mit Inszenierung (Adolf Dresen), Bühne, u. Sängern (u.a. Kurt Schreibmeier als Peter - in der 2. von mir besuchten Aufführung u. IMO überzeugender Jeffrey Dowd) so recht nicht glücklich war, umsomehr aber vom Spiel der Essener Philharmoniker unter ihrem (bis heute) GMD Stefan Soltesz !!!
    ...u. letzterem konnte / kann ich wahrlich nicht widersprechen...........


    JA IN DER TAT
    bzgl. meiner 3 "Grimes"-Besuche denke ich (neben dem erwähnten Dirigat - u. einem über beide Backen strahlenden Jeffrey Dowd vor dem Vorhang) am ehesten an die packenden Chöre u. die "scharf" gezeichneten Figuren (wobei mir - letzteres betreffend - die M´gladbacher Personenregie als NOCH ausgefeilter in Erinnerung ist)



    naja,
    keine soo substantiellen Erinnerungen (u. auch ein bisschen Geplauder, was nicht umbedingt hier zum Thema passt), aber IHR versteht, dass das jetzt raus musste jo ???


    ;)
    :hello:
    piet


    ps
    ach ja, irgend`ne Britten-Oper (sei`s der "Grimes" oder sonstwas...) findet sich übr. bis heute nicht in meiner CD-Sammlung - wie ich i.A. SEHR zurückhaltend hinsichtl. des Erwerbs von Opern-Cd`s bin...

  • Zitat

    Zitat: ..na danke - bin sehr geehrt :] :yes: =)


    ... aber bitte doch, gern geschehen :] :yes:;)


    Wenn du als Nicht-Opern-Fan dir 3x den Peter Grimes angesehen hast, muss dich ja doch etwas daran interessiert haben ...
    Ich gehe zwar gern in die Oper, habe mich vor "moderneren" Komponisten aber leider lange Zeit gedrückt :wacky:


    Ca 78 war ich zwar auch in der Oberstufe; was die Moderne angeht, sind wir im Musik-Unterricht, soweit ich mich erinnere, einmal mit Ravel und einmal mit Strawinsky konfrontiert worden; Britten stand bei uns leider nie auf dem Programm.


    Und nachher geriet die klassische Musik bei mir leider erst einmal etwas ins Hintertreffen; der Wiedereinstieg erfolgte allerdings über Oper und Lied, ich bin eher ein Gesangs- als ein Instrumentalfan.
    Entsprechend opernlastig ist auch mein CD-Regal.


    Wie auch immer, bei mir heißt es jedenfalls, was Britten angeht, auch:


    Zitat

    Zitat: "interessanter Typ - demnächst mehr davon !!!" "

    :yes:



    :hello: Petra

  • ... pieter.grimes ein "nicht-Opern-Fan" :no:
    --- das kann ich jetzt so nicht stehenlassen ;);) (auch wenn ich kurz OT gerate - Moderatoren mal kurz wegsehen !!!)


    so geschätzte 70-80 Opernbesuche werde ich wohl hinter mir haben - u. die gelungensten sind sicher HIGHLIGHTS meines Lebens :yes::yes:
    "bloss" höre ich zu Hause eben - warum auch immer - eher wenig Oper (u. der Jazz :D ist auch noch da.......)
    SO war das gemeint........


    HIGHLIGHTS meines Lebens waren übr. auch meine 2 10tägigen Fahrradausflüge bis an die holl.Nordsee so um `90 herum
    (deswegen ja auch "p I e t e r.GRIMES" ;) - u. so sehr ich Debussys "La Mer" achte, am Herzen liegen mir erst B.B.`s Schilderungen - DA spüre ich noch die Klippen u. Felsen und die den Wassern ausgelieferten Anwohner......


    einen Thread "Das Meer in der Musik" gibt`s hier übr. auch - u. unter "Zugänge zu Janacek" (ein andrer grosser :jubel: von mir !! / als Frau hiesse ich hier wohl JENUFA) bringt @Edwin B. diesen u. B.B. in einen ganz spannenden Zusammenhang........


    man liesst sich ?!!
    BYE
    piet

  • Ich werde wohl irgendwann einmal als "Meister des Missverstehens oder Missverstandenwerdens" in dieses Forum eingehen! :untertauch::angel:


    Ich hatte dich wirklich so verstanden, dass du zwar sehr gern klassische Instrumentalaufnahmen, aber allgemein nicht unbedingt gern Opern hörst, was ja durchaus vorstellbar ist, wenn ich z.B. meinen Bekanntenkreis betrachte.


    Janacek gehört auch zu denen, die bisher sträflich von mir vernachlässigt wurden, danke für den Tipp mit dem thread!
    Da liest man sich auf jeden Fall,


    :hello: Petra


    (und über ein bisschen OT sehen unsere Moderatoren stimmt hinweg)

  • Hallo Petra,
    ein interessantes Thema, denn bei Britten spielt sich ja unter der Oberfläche immer noch etwas mehr ab, als man beim ersten Hören meint.


    Dein Eindruck, daß "Peter Grimes" - trotz des Sujets - nichts Veristisches enthält, ist völlig richtig. Britten haßte den Verismo, eine Arie im "Rape of Lucretia" wurde gestrichen, weil auf der Premierenfeier jemand (anerkennend) zu Britten sagte, diese Arie sei in bester Puccini-Nachfolge.


    Britten hat im "Grimes" zwei weit voneinander entfernte Ansätze: Die Deklamation Henry Purcells einerseits und andererseits die Musik von Dmitri Schostakowitsch. Tatsächlich folgt der "Grimes" in vielen Zügen der "Lady Macbeth", und daß in beiden Opern eine instrumentale Passacaglia den Mittelpunkt bildet, ist sicher kein Zufall.


    Interessant ist, daß es zwischen Britten und seinem Textdichter Montagu Slater große Differenzen gab, die dazu führten, daß Slater die Veröffentlichung seines Originaltextes verlangte. Ronald Duncan, der später das "Lucretia"-Libretto schrieb (und die meiste negative Kritik auf sich zog), bearbeitete ungenannt das "Grimes"-Libretto, bis Britten zufrieden war. Dabei wurden etwas Sozialkritik und einiges vom homoerotischen Unterton geopfert, um Brittens Idee von einem Konflikt eines Individuums gegen die Masse besser zu entsprechen. Offenbar empfand Britten diesen Konflikt als ausreichend autobiografisch.


    In der Musik merkt man Brittens Vorgeschichte als Filmkomponist: Mit präzisen Tonsignalen wird eine Stimmung eingefangen und über lange Strecken im Hintergrund festgehalten. Ein Geniestreich in diesem Zusammenhang ist die Szene im Pub, wenn der Sturm immer wieder bei der Tür hereinfährt; dazu merkt man die eigentümlich nasse, wohl auch alkoholgeschwängerte Atmosphäre mit ihrer aufgestauten und schließlich in dem einmaligen Chor "Old Joe has gone fishing" losbrechende Aggression. Völlig unvergleichlich ist dann die Szene am Strand, wenn Grimes ungebgleitet singt und nur die Rufe der Menschenjagd und das Nebelhorn zu ihm dringen. Das gehört für mich zum stärksten, was die gesamte Operngeschichte zu bieten hat.


    Relativ oft übersehen werden - angesichts der Stimmungsdichte - die vielen präzisen Charakterzeichnungen. Und es gibt einen wundervollen Moment der Annäherung zwischen Ellen und Grimes am Ende des Prologs: Auch das ist eine unbegleitete Stelle. Ellen und Grimes singen zuerst in unterschiedlichen Tonarten. Und dann folgt die Annäherung: Grimes übernimmt die Tonart Ellens, während Ellen den für Grimes charakteristischen aufwärts geführten Nonensprung übernimmt. Trotz aller Zärtlichkeit bleibt die Spannung.



    Zu den Aufnahmen: Meiner Meinung nach sind die beiden Pole, die man kennen sollte, Peter Pears und Jon Vickers. Pears als der in fantastischen Visionen lebende, am Leben scheiternde Grimes, wie ihn Britten wollte; und Vickers als leidender, dem Wahnsinn naher Grimes, der nirgends eine Heimat hat und seine Verzweiflung herausschreit. Die Vickers-Interpretation sollte man sich übrigens auf DVD gönnen: Die Inszenierung ist zwar etwas altbacken und betulich, aber Vickers ist in der Darstellung so unglaublich stark, daß man diese Interpretation musikalisch und schauspielerisch als Modell bezeichnen kann.


    :hello:

    ...

  • Meine erste Begegnung mit "Peter Grimes" war die Philipps-Aufnahme unter Colin Davis mit Jon Vickers in der Titelrolle. Ich war sofort von diesem Stück begeistert. Es gibt unglaublich beeindruckende Momente in dieser Musik, Edwin hat bsplsw. schon auf das Ende des Prologs hingewiesen, aber ich finde auch die See-Bilder exzellent.


    Ja, und dann Vickers: das ist so eine Leistung, die mich immer wieder schier in den Sessel drückt: ich finde das phänomenal, was dieser Sänger da zeigt. Stellen wie: "What harbour shelters peace" oder "Now the great bear", das ist grosse Kunst, wie Vickers diese Passagen gestaltet.


    Es gibt selten eine solche Übereinstimmung zwischen der stimmlichen Ausgestaltung und der dargestellten Rolle in dieser Qualität, wie sie Vickers als Peter Grimes zeigt, da stimmt alles.


    Gesehen habe ich bisher zwei Aufführungen: eine aus Saddlers Wells, mit John Mitchinson als Peter. Auch er eine gute Besetzung, gerade auch wegen seiner körperlichen Präsenz. Die Inszenierung war solide, nicht überragend, aber allemal sehenswert.


    Besser gelungen war die Frankfurter Aufführung, die David Mouchtar-Samorai inszeniert hat. Der Peter hier: John Treleaven, für mich die beste Leistung dieses Sängers, die ich von ihm gehört habe (besser also als Stolzing, Tristan oder Lohengrin).


    Jetzt im September kommt Hannover dazu: Barrie Kosky wird den "Peter Grimes" dort inszenieren (Premiere: 20.09.2007), die Titerolle interpretiert Robert Künzli, eine interessante Besetzung.

  • Hallo Edwin und Alviano,


    vielen Dank für eure detaillierten Ausführungen!


    [QUOTE] Zitat Edwin: Trotz aller Zärtlichkeit bleibt die Spannung.[QUOTE]


    So ähnlich habe ich einmal einem erstaunten Gegenüber begründet, warum mir das Klavierspiel Brittens in den Liedaufnahmen manchmal die Kehle zuschnürt: Es ist eine unglaubliche Zärtlichkeit, Klarheit und Spannung darin; und hier brauche ich wirklich manchmal das berühmte Taschentuch, dass man bei Puccini-Opern so gern empfiehlt (wo ich es allerdings nie benötige!).
    Und ich glaube, dass sich diese Mischung auch in Brittens eigenen Werken widerspiegelt.


    Die von euch erwähnte Stelle am Ende des Prologs gehört zu meinen Lieblingsstellen in dieser Oper, ohne dass ich allerdings hätte begründen können, was daran so faszinierend ist. Ich werde sie mir in einer ruhigen Stunde noch einmal auf den Wechsel und die Übernahme der jeweils anderen Tonsprache hin anhören.


    Mit dem musikalischen Verismo habe ich manchmal meine Probleme:
    Ich weiß, dass man ihn mit dem literarischen Naturalismus nicht 1:1 setzen kann, aber er hat ja auch den Anspruch, das "wirkliche Leben" (was auch immer das sein mag) abzubilden. Aber gerade die Abbildung der Realität mit musikalischen Mitteln ist doch ein Paradox:
    Singe ich, wenn ich schimpfe oder weine?
    Ein großes Missverständnis, das gerade im Operngesang zu unsäglichem, von den Komponisten sicherlich so nicht beabsichtigtem, Geplärre geführt hat! Eine stärkere Stilisierung, wie Britten sie vornimmt, ist für mich persönlich ein besserer Ansatz, Beziehungen zwischen Personen darzustellen.


    Brittens Verbindung mit Purcells Musik kann ich gut nachvollziehen; von Schostakowitsch kenne ich leider noch nicht genug, um Parallelen ziehen zu können, aber derartige Vergleiche interessieren mich immer, also wird es nachgeholt!


    Ich habe in einer Biografie einmal gelesen, dass Britten im Vergleich zur literarischen Vorlage das homoerotische Moment im PETER GRIMES etwas abgeschwächt und dafür die Figur der Ellen und ihre Beziehung zu Peter stärker betont hat.
    Ellen scheint mir etwas ambivalent zwischen Peter und der Gesellschaft zu stehen: Zunächst auf seiner Seite, wird sie später am Schluss durch seinen Schrei "To hell with all your mercy!" näher an die Dorfgesellschaft herangerückt, und sie bringt sich selbst durch die Wendung "We come to take you home" in die Nähe dieser Seite.


    Zu den Aufnahmen: Ich bin, was Operneinspielungen angeht, gern Extremist: So höre ich Callas und Pagliughi als Lucia, oder Ferrier und Horne als Orfeo, oder Björling und manchmal auch Corelli als Manrico, einfach um die Pole auszuloten.
    Die DVD mit Vickers werde ich mir daher nicht entgehen lassen!


    :hello: Petra

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  • Die Oper „Peter Grimes“, das Meisterwerk, das Benjamin Britten als rund 30-jähriger komponierte und das 1945 in London zur Uraufführung kam, ist nicht gar so selten auf den Spielplänen der Opernhäuser zu finden, aber längst nicht so oft, wie es dieses Stück verdient hätte.


    Britten erzählt im „Peter Grimes“ die Geschichte eines Aussenseiters, der als Fischer in einem Küstendorf lebt und – nachdem zwei seiner Lehrjungen unter nicht restlos geklärten Umständen zu Tode kamen – von einem aufgebrachten Mob gejagt und letztendlich von seinem vermeintlichen Freund und ohne Verhinderung durch die einzige Freundin in den Selbstmord getrieben wird.


    Eigenartig ist er, dieser Peter Grimes. Ein Träumer, einer, der keine wirklichen Freunde hat, der alleine in seiner Hütte lebt, mit wenig Kontakt zu den anderen im Dorf. Einzig die verwitwete Lehrerin Ellen Orford versucht Verständnis für Peter aufzubringen. Die anderen im Ort tuscheln über Grimes: was ist das mit diesen Jungs, die sich Grimes aus dem Waisenhaus holt, die von ihm geschlagen werden. Missbraucht er sie sexuell? Bringt er sie dann um?


    Diese Fragen werden im Stück nicht eindeutig beantwortet. Allerdings könnte das Dilemma von Peter Grimes darin liegen, schwul zu sein, ohne, dass er sich das eingestehen könnte. Die massiven Schläge, mit denen Grimes die Lehrjungen maltraitiert wären dann ausgelöst worden durch den Hass, den Grimes auf die Jungs empfindet, weil sie jene Gefühle in ihm auslösen, die er glaubt, nicht haben zu dürfen.


    Die Dorfgemeinschaft braucht allerdings keine eindeutigen Antworten: da reicht das Gerücht, um zu verurteilen, um Jagd auf einen Menschen zu machen, der nicht in die Gemeinschaft passt, nicht in sie hineingehört.


    Das Infame in Brittens Stück ist allerdings, dass in diesem Dorf keiner ohne Fehl und Tadel ist: hinter der Maske der Wohlanständigkeit verbergen sich Abgründe: die denunziatorische Klatschtante Mrs. Sedley, der bigotte Pastor, der religiöse Eiferer Bob Boles, alle haben sie ihre Nachtseiten und so sehr sie auf Anstand und Moral nach aussen bedacht sind: die Dienste der Puffmutter „Auntie“ und ihrer willigen „Nichten“ werden gerne in Anspruch genommen.


    Aber Peter Grimes, der Mann, der mit sich selbst nicht zurecht kommt, der Grenzen überschreitet, der trotzig schreit, dass er Ellen heiraten will (auch das kann als Abwehr von Homosexualität gelesen werden), der muss weg.


    Nachdem Peter Grimes in seinem Boot untergegangen ist, beginnt im Dorf ein neuer Tag: geradezu, als sei gar nichts geschehen.


    Vertont wird das Ganze von Britten exzellent: immer gegenwärtig ist das Meer in der Musik, aber auch die Ensembles, die liedhaften Elemente und vor allem die Zerrissenheit der Titelfigur, das gelingt Britten perfekt.


    In Hannover inszenierte Barrie Kosky: die Bühne ist weitgehend leer, einzig 120 Holzkisten, wie sie in Häfen zu sehen sind, und in unterschiedlicher Grösse, werden als Dekoration in vielfacher Zusammensetzung eingesetzt.


    Die Kleidung der handelnden Personen verlegt die Geschichte in die niedersächsische Küstenregion, sagen wir, nach Ostfriesland. „Hannover 96“-Schals sind da zu sehen, der Polizist trägt das niedersächsische Wappen auf dem Oberarm, zwei (männliche) Choristen dürfen als Hausfrauen auftreten, ein Statist gibt den Dorfjunkie, drei andere die spätadoleszierende Jugend – und ich will es hier schon mal erwähnen: so nuttig waren Junx auf der Opernbühne schon lange nicht mehr zu sehen. Allein, wie die drei an jeweils einem Eis lutschen in lasziv-gelangweilter Manier, lässt eigentlich keine Frage offen, aber auch ihre knappe Kleidung an spindeldürren Körpern sprechen für sich.


    Während der Gerichtsverhandlung zu Beginn (es wird der Unfalltod des ersten Lehrjungen von Grimes verhandelt, Peter wird vorgeworfen, daran nicht gänzlich schuldlos zu sein, allerdings kann ihm nichts nachgewiesen werden) lernen wir Peter Grimes kennen: gelbe Fischerhose, Kassenbrille, immer eine Plastiktüte knetend, Angst im Gesicht, aber auch etwas Entrücktes ist da zu spüren.


    Der nackte Leichnam wird vorgeführt: der Lehrjunge ist mindestens 17 oder 18 Jahre alt, kein Kind mehr – und seine Kopfwunde lässt schon die Frage aufkommen, ob da nicht einer zugeschlagen hat.


    Der neue Azubi wird deutlich kleiner und jünger sein: er scheint sich in suizidaler Absicht in die Tiefe zu stürzen – möglicherweise aus Angst vor weiteren Quälereien durch Grimes.


    Die Dorfgemeinschaft, ein zentral-wichtiger Punkt dieser Oper, wird von Koskie nicht hinreichend erfasst: zu plakativ, zu sehr aus einem Bilderbuch stammen die oberflächlichen Charaktere – von denen geht keine Bedrohung aus und es fällt dem Zuschauer leicht, hier nicht gemeint sein zu können – der Mob, das sind die anderen.


    Da ein konkreter, erkennbarer Raum fehlt, bewegen sich die Figuren auch zeitweise nur noch hilflos auf der Bühne. Das bischen Beischlafgymnastik der „Nichten“ mit den Honorationen des Dorfes ist so aufregend wie das Sandmännchen im Fernsehen. Sexuelle Freizügigkeit oder biedermännliche Geilheit sieht anders aus.


    Auch dort, wo Koskie andeutet, dass die Jugendlichen von heute die Peters von morgen sein können, bleibt er im Ungefähren – zu wenig zwingend wirkt das Bild eines fast nackten Jungen in Grimes Maske als Leidensfigur.


    Als die Hexenjagd losbricht, wird zuerst eine Peter-Grimes-Puppe geschändet, die Dorfjugend uriniert z. B. auf sie, die Grimes-Puppe wird an einem Kreuz hängend kopfüber in den Bühnenhimmel gezogen, dann wird dem echten Grimes ein Damenhöschen und ein BH übergestreift, dazu werden ihm grellrote Lippen geschminkt und ein Faschingshütchen aufgesetzt. Als Gipfelpunkt folgt dann noch eine hüftlange Kapuze und in jede Hand kommt eine Wunderkerze. Grimes steht auf einer der Kisten: jawohl, wir sind in Abu Ghuraib – und hier stimmt nichts mehr. Der Regisseur verwechselt hier zwei Situationen: die Menschenjagd in Peter Grimes ist substanziell etwas anderes, als die Folter durch Soldaten in einem Gefängnis. Hier werden Bilder unserer Gegenwart missbraucht und entwertet.


    Am Ende steigt Peter Grimes in eine Holzkiste: es ist die einzige auf der ganzen Bühne. Der Bühnenraum ist völlig offen. Ein Bühnenarbeiter kommt und trägt die Kiste weg. War was?


    Gewicht gewinnt diese insgesamt schwache Aufführung durch den Titelrollensänger Robert Künzli: das, was Künzli darstellerisch zeigt, ist enorm: das ängstlich-gedrungene, die Gewalteruptionen, die Sehnsucht und die Verzweiflung, grandios. Auch sängerisch ist Künzli sehr gut, jenseits vom Schöngesang verkörpert hier jemand glaubwürdig seine Rolle.


    Dank gilt Brigitte Hahn: sie ist in letzter Minute als Ellen Orford eingesprungen. Die vorgesehene Sopranistin Kelly God war erkrankt – sie spielte die Partie, während Brigitte Hahn von der Seite aus sang.


    Die übrigen Partien bleiben weitgehend blass, der Chor agiert routiniert.


    Das Hannoveraner Orchester gibt sich grosse Mühe, der anspruchsvollen Partitur gerecht zu werden und GMD Wolfgang Bozic versucht, die Musiker/innen mächtig anzutreiben – allerdings bleibt doch viel an Kolorit, an Power, an Abstufungen, an Feinheiten auf der Strecke.

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  • Hallo Alviano,


    wir waren zur selben Zeit am selben Ort. Vieles, was du hier über die Premiere geschrieben hast, habe ich genauso empfunden. Trotzdem würde ich insgesamt ein etwas positiveres Fazit ziehen.


    Barry Kosky wählt drastische, suggestive Bilder, die allerdings wirklich einige Fragen unbeantwortet lassen. Letztlich gut gefallen hat mir, dass Kosky in seiner Inszenierung die Fragen der Homosexualität oder Pädophilie des Titelhelden offen gelassen hat und eher, wie möglicherweise schon im Werk angelegt, mit Andeutungen gearbeitet hat: Die Leiche des ersten toten Lehrjungen wird zuerst am Unterleib enthüllt. Die Halbstarken - auch (potentielle) Opfer von Grimes? - lutschen am Wassereis (Flutschfinger!). Und dann diese ganzen Jungs in Unterhosen. Das waren für mich durchaus geglückte Anspielungen auf eine sexuelle Motivation von Grimes. Aber hat er die Kinder wirklich missbraucht? Ich würde mir nicht zutrauen, darüber zu richten. Für die Dorfgemeinschaft allerdings steht fest, dass Peter Grimes ein Kinderschänder ist. Deshalb ziehen sie ihm auch den Damenschlüpfer und hochhackige Schuhe an. Ob die Hexenjagd letztlich in der Sache berechtigt war oder nicht, bleibt offen, und darauf kommt es nicht mehr an. Alle gegen einen ist schließlich immer unfair. Mich hat das schon überzeugt.


    Total daneben fand ich dann allerdings auch die Al-Qaida-Kapuze. Diese politische Dimension wirkte auf mich auch konstruiert und unpassend. Dabei hätte das eigentlich ein starkes Bild werden können, als der Haken des Hafenkrans (neben den Kisten der einzige Bestandteil des Bühnenbilds) plötzlich reinrauschte. Das war für mich vor allem eine vergebene Chance.


    Der Regisseur lässt im Programmheft verbreiten, sein Interesse habe vor allem der Dorfgemeinschaft gegolten. "Keiner ist sauber", meint Kosky. Trotzdem bleiben die Verfehlungen der Städter im Wesentlichen darauf beschränkt, dass jeder mal an den "Nichten" rumfummeln darf. Die einzelnen Charaktere sind doch fast alle ziemlich austauschbar. Besonders Captain Balstrode, Ned Keene und Swallow haben vom Regisseur überhaupt kein für mich erkennbares eigenes Profil bekommen.


    Die Solisten und der Chor treten mit Ausnahme von Ellen eigentlich fast immer nur als dicht geballte Menge auf, die wie eine menschliche Welle auf Peter Grimes hereinbrandet. Wie eine Naturgewalt, gegen die Grimes, was er auch tut, machtlos ist. Dadurch geht den Solisten natürlich etwas an Individualität verloren. Andererseits war der Pöbel als solcher für mich aber auch ziemlich überzeichnet. Gerade die öffentliche Erniedrigung von Grimes war doch etwas dick aufgetragen.


    In musikalischer und darstellerischer Hinsicht war Robert Künzli sicherlich ein entscheidendes Plus der Aufführung. Ein vierschrötiger, ziemlich verklemmter Typ im gelben Ölzeug, dem man durchaus alles zutraut, der aber andererseits auch Verständnis für seine Gefühle wecken konnte. Dass die Ellen Orford so kurzfristig umbesetzt werden musste, war sicherlich misslich, da so zwischen den beiden Hauptdarstellern einiges an Spannung verloren ging. Die übrigen Sänger waren aber durchgehend gut bis solide. Auch bei Wolfgang Bozic hat man meines Erachtens gehört, dass er mit dem Niedersächsischen Staatsorchester intensiv gearbeitet hat.


    Für mich also eine Inszenierung mit Stärken und Schwächen. Musikalisch war das dank Künzli aber doch besser als das meiste, was ich in den letzten Jahren in Hannover gesehen habe.

  • Hallo Zauberton,


    Du hattest immerhin ein Problem nicht, das mir zu schaffen machte: Dir konnte die Messe in Hannover reichlich egal sein.


    Wieso die Staatsoper ausgerechnet unter der Woche und dann auch noch während einer Messe ihre Eröffnungspremiere machen musste, ist mir schleierhaft. Schon am Freitag wären die Zimmerpreise erträglich gewesen, während der Messe waren sie für den normalen Opernfreund kaum erschwinglich.


    In Bad Nenndorf bin ich in einem durchaus fragwürdigen Etablissement noch untergekommen - zu einem bezahlbaren Preis.


    Zur Aufführung:


    Zitat

    Die Halbstarken - auch (potentielle) Opfer von Grimes?


    Das ist so eine Sache. Koskie betont im Programmheft, dass ihm die Uneindeutigkeit in Bezug auf Grimes Sexualität wichtig ist. Er inszeniert aber etwas anderes: diese Jungs sind wohl kaum als Opfer geeignet - dazu sind sie viel zu selbstbewusst. Sie agieren mit einer sexuellen Konotation, die mehr als nur provozierend wirkt. Sie "wirken" auf Grimes, stellen mit ihren Körpern die völlig richtige Frage, das ist reichlich eindeutig.


    Zitat

    Dabei hätte das eigentlich ein starkes Bild werden können, als der Haken des Hafenkrans (neben den Kisten der einzige Bestandteil des Bühnenbilds) plötzlich reinrauschte


    Mehrere Bilder in dieser "Peter Grimes"-Inszenierung sind auch in anderen Koskie-Produktionen zu sehen: dieser pendelnde Haken ist schon in seiner Berliner "Iphigenie" mit dabei, allerdings hängt dort kopfüber ein Opfer am Haken.


    Die Holzkistenwand mit ihren Fensteröffnungen während des Gottesdienstes sind ganz ähnlich auch im Essener "Holländer" zu sehen.


    Koskie scheint nur über ein begrenztes Repertoire an Bildeinfällen zu verfügen, die er gerne wiederholt.


    Zitat

    Die einzelnen Charaktere sind doch fast alle ziemlich austauschbar. Besonders Captain Balstrode, Ned Keene und Swallow haben vom Regisseur überhaupt kein für mich erkennbares eigenes Profil bekommen.


    Dem stimme ich uneingeschränkt zu: das ist eine der grossen Schwächen dieser Aufführung. Die Personenführung ist relativ eindimensional geraten - und genau damit verliert der Mob für mich ein Stück weit seine Gefährlichkeit. Aber auch Auntie bleibt blass und Mrs. Sedley ist völlig ohne Gemeinheit angelegt.


    Zitat

    Gerade die öffentliche Erniedrigung von Grimes war doch etwas dick aufgetragen.


    Ja, das ist Theater - da hätte der Regisseur wesentlich härtere Bilder finden können.


    Zitat

    Auch bei Wolfgang Bozic hat man meines Erachtens gehört, dass er mit dem Niedersächsischen Staatsorchester intensiv gearbeitet hat.


    Auch für mich ist Wolfgang Bozic der interessantere Dirigent im Vergleich zu seinem Vorgänger Lü. Und das Staatsorchester gibt sich alle Mühe - aber da gibt es die Wackeleien der hohen Streicher, das etwas pauschale laut-leise-Schema, ohne Zwischentöne. Das geht besser.


    Künzli ist ganz klar das Zentrum der Aufführung - und er lohnt den Besuch allemal.


    Das Stück verdient, da wiederhole ich mich gerne, eine breite Beachtung.


    Gruss an die Leine

  • Danke, Alviano, für die Antwort. Ich sehe Deine Kritikpunkte, konnte der Vorstellung aber, wie gesagt, auch positive Seiten abgewinnen. Dass das Hannoveraner Orchester kein Spitzenorchester ist, ist uns beiden klar. Und bei der Inszenierung hast du mir voraus, dass Du gleich mehrere frühere Arbeiten dieses Regisseurs kennst. Dass sich Kosky bereits selbst zitiert, finde ich interessant. Das ermüdet und langweilt dann natürlich. Für mich war das die erste Begegnung mit dem Regisseur, die Bilder waren daher noch nicht abgegriffen.


    Ich ziehe aber den Hut vor der Bereitschaft, für eine Donnerstags-Premiere aus Mörfelden (ich musste nachschauen, wo das ist) nach Hannover zu kommen. Schau, sogar noch einen Abstecher ins schöne Bad Nenndorf hast Du gemacht! Mit so viel Einsatz und der damit verbundenen Wiedererkennungsgefahr konnte Kosky ja auch schwerlich rechnen. ;)


    :hello:

  • Hallo Alviano und Zauberton,


    ich habe Eure Beschreibungen der Kosky-Inszenierung mit Interesse verfolgt, weil ich mir diese Oper auch gern mal auf der Bühne anschauen würde, leider noch keine Gelegenheit dazu hatte.
    Und ob ich es in dieser Saison schaffe, nach Hannover zu kommen, weiß ich auch nicht ...


    Die poltische Anspielung finde ich auch sehr an den Haaren herbeigezogen; und die einzelnen Personen der Dorf"gemeinschaft" sind ja in der Oper selbst musikalisch sehr prägnant gezeichnet worden, gerade nicht als einheitliche Menge; die sind sie ja eigentlich erst zum Schluss.


    :hello: Petra


    Alviano, ich sehe gerade, dass Du heute Geburtstag hast. PNs kann ich leider noch nicht verschicken (bin wohl noch zu neu), daher an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch, alles Gute und viel Freude fürs neue Lebensjahr!


    :hello: Petra

  • Zitat

    Original von petra
    Alviano, ich sehe gerade, dass Du heute Geburtstag hast. PNs kann ich leider noch nicht verschicken (bin wohl noch zu neu), daher an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch, alles Gute und viel Freude fürs neue Lebensjahr!


    Liebe Petra,


    den OT-Bereich zuerst: ganz herzlichen Dank für Deinen Gruss zu meinem gestrigen Geburtstag, so schön das ist - man wird ja nun leider an diesem Tag immer nur eines: älter :D


    Naja, Kiel-Hannover ist natürlich schon auch eine Strecke, die bewältigt sein will. Aber vielleicht bist Du sowieso mal in Richtung Niedersachsen unterwegs - und kannst den Besuch einer Vorstellung einplanen. Erfahrungsgemäss ist Britten einer jener Komponisten, bei denen die Frage, auch kurzfristig eine Eintrittskarte zu erwerben, keine wirkliche ist. Es bleiben meistens Plätze frei.


    Mir hat das Stück wieder ausnehmend gut gefallen. Ich will sozusagen als Nacharbeit jetzt nochmal die Davis-Aufnahme hören, die Frankfurter Musikbibliothek verfügt über den Klavierauszug der Oper, das ist eine schöne Sache.


    Lieber Zauberton,


    ich begreife mich eigentlich immer noch als Frankfurter, wo ich einige Zeit gelebt habe, bevor wir hier "aufs Land" gezogen sind. Hannover liegt eher günstig für mich: die reine Fahrtzeit mit dem Zug ist mit gut zwei Stunden ok, weiterfahrt nach Berlin oder Richtung Hamburg bequem möglich, das Schauspiel attraktiv, die Oper interessant, das sind doch gute Gründe, mal wieder vorbeizuschauen. Diesmal war ich noch im Busch-Museum, wegen der aktuellen Ausstellung, hat Spass gemacht.


    Gruss gen Norden an petra und Zauberton


    :hello:

  • Samstag, 15. März 2008, 18:30 Uhr - Radio-Übertragung:


    hr2-kultur | Das Musikereignis
    LIVE aus der MET in New York:



    Benjamin Britten:


    PETER GRIMES


    Conductor: Donald Runnicles
    Ellen Orford: Patricia Racette
    Peter Grimes: Anthony Dean Griffey
    Balstrode: Anthony Michaels-Moore



    Wird auch in einige Kinos live übertragen!


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • ... wird auch noch auf "Bayern 4 Klassik" LIVE übertragen !


    ... da nervlich z.Z. angeschlagen, werd ichs heut wohl auf den letzten Akt (ab ca.21.10) beschränken...


    werde die Angelegenheit aber weiterverfolgen :yes:
    ... hoffe mal, dass ich für den Herrr Regisseur nicht NUR ein Finsterling bin ;)


    ... schön dass es andernorts wohl häufiger als bei uns Oper mit 2 Pausen gibt !
    ... grade beim GRIMES fände ichs schon angebracht !
    In 2 der 3 bisher von mir besuchten GRIMES-Vorstellungen hab ich dann auch glatt nach Akt 1 - zugegeben ziemlich "solistisch" :P - losgeklatscht ...
    tut mir bis heute nicht leid - auch wenn sich in einem Fall der Essener GMD Stefan Soltesz ein wenig zu ärgern schien.........


    :hello:

  • Endlich habe ich nun auch diese Britten-Oper gehört und sie hat mich, ähnlich wie Billy Budd, unglaublich berührt. Da wäre ich jetzt gerne wenigstens in einem der Kinos gesessen, um auch das Bühnengeschehen mitzubekommen.


    Das Publikum war ja offensichtlich total begeistert und mußte natürlich gleich wieder in den letzten Ton reinklatschen :boese2:


    War jemand dort (im Kino) oder hat jetzt die Übertragung gehört?


    :hello: Ingrid

  • ...mein Schicksal vorgestern scheint ja die TAMINO-Massen gerührt zu haben :wacky:
    (der Frankfurt-Stammtisch ist natürlich entschuldigt ;))


    Letztendlich meinte ich DOCH, mir zumindest 2 der 3 Akte zumuten zu können
    - um mich am Ende bisserl drüber zu ärgern, dass ich mich für die Akte 2 und 3 entschieden hatte:
    Akt 2 ist zwar keineswegs schwach, aber mgl.erweise ggb. Vorspiel/1 u. 3 doch etwas abfallend...


    JO - "unglaublich berührt": Dieses Stichwort übernehm ich sofort !!
    Ich fands wieder so packend wie während meiner bisherigen 3 Vorstellungsbesuche ...
    Das ist einfach (u.a.) MEINE Musik - und mir ungleich näher als alle Zauberflöten und Thannhäuser dieser Erde :yes: :yes:


    Interessanterweise stachen mir diesmal 2 der "stillen" Stellen besonders hervor...
    ...das letzte (?) Orchesterzwischenspiel und Grimes`Schlussmonolog !! (bei dem ich mich übr. wirklich gut fand 8))
    Ich scheue mich nicht, Letzteren mit dem Schlussmonolog der Dido aus Purcells "Dido und Aeneas" auf eine Stufe zu stellen
    - ästhetisch sicher der berühmte Apfel/Birnen-Vergleich, aber nu wurde BB nicht selten als Purcell II. gesehen,
    u. bzgl. der jeweiligen Spieldauer passt es ja auch so halbwegs...


    Derzeit mir auch noch besonders erinnerlich Felicity Palmer (auf diesen Namen stoss ich wohl auch nicht das 1.Mal ??) als fatalistische Mrs. Sedley:
    Ich konnte es förmlich spüren, wie sie - die Dorfgemeinschaft aufhetzend - quer über die Szene wetzt ...


    Ob nu gleich das ganze Publikum "total begeistert" war, wissen wir nicht
    - aber die Zustimmung schien mir wenigstens doppelt so stark (und so laut) wie seinerzeit - mit mir im Publikum - in M`gladbach und Essen


    In diesem Sinne
    :] :]
    Micha

  • Scheinbar gibt es tatsächlich noch keinen eigenen Thread zu dieser tollen Oper - ich habe sie erst kürzlich für mich entdeckt und wage es mal, einen Thread dazu zu eröffnen. Vielleicht gibt es ja doch etwas dazu zu sagen... :pfeif:
    Als musiktheoretisch und musikpraktisch absolut ungebildeten Menschen - sagt mir bitte: täusche ich mich sehr, wenn ich mich beim Hören stark an Janàcek, Stravinsky (und teilweise sogar Debussy) erinnert fühle? ?(



    Doch, der Peter G. hatte schon einen thread. Hiermit angefügt. LG, TB

  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose
  • um ein paar bunte Bildchen unterzubringen:


    Ich mag diese Oper auch recht gerne. Meine zwei Aufnahmen stellen mich so sehr zufrieden, dass ich bisher nicht wirklich eine dritten Aufnahme begehre (Janaceks Jenufa oder Katja sind mir etwas lieber, das äussert sich dann auch in der Anzahl der entsprechenden Alternativaufnahmen)



    Da wäre die Studioaufnahme des Komponisten:


    Peter Pears / Claire Wattson / Covent Garden / Britten (1958 )



    und die DVD mit Vickers.


    Jon Vickers / Heather Harper / Covent Garden / Colin Davis (Inszenierung Elijah Moshinsky) (1981 ?)



    Ich denke, dass man mit Pears und Vickers die Rolle Grimes perfekt abgedeckt hat. Die Davis-DVD bietet zudem eine schöne Inszenierung mit beeindruckenden Sänger-Schauspielern.


    am ehesten würde mich noch die s/w-Verfilmung, ebenfalls mit Pears/Britten, interessieren. BBC 1969 mit dem LSO




    Aber jpc listet ja noch erstaunlich viele weitere CDs und DVDs. Na, vielleicht macht mich doch noch jemand auf weitere Peters neugierig.



    Die Orchesterzwischenspiele (sea interludes) lege ich Euch auch mit Bernstein ans Herz. Es handelt sich um den Konzertmitschnitt seines letzten Konzerts (Tanglewood, 19.8.1990, Boston S.O.)


  • Lieber Thomas,
    die DVD mit Pears/Britten ist ein Muß! Sie ist interpretatorisch weit besser als die Studioaufnahme. Britten dirigiert unglaublich - lange nicht so lyrisch, sondern dermaßen aufgewühlt, als ginge es nicht nur auf der Bühne um Leben und Tod.
    Dazu kommt eine grandiose Inszenierung: Lebendig, wild und ungeheuer stimmungsvoll - und natürlich Pears, der 90 Prozent der Filmschauspieler an darstellerischer Intensität übertrifft. Was er in seinem letzten Monolog an Gesichtsmimik bietet, läßt den Atem stocken. Sollte ich jemals jemanden überzeugen müssen, daß Oper spannender sein kann als jeder Thriller, würde ich mit dieser DVD beginnen.
    :hello:

    ...

  • Dieses Werk mag mich derzeit gar nicht mehr loslassen... Die Musik scheint eine unglaublich starke Suggestivkraft auf mich zu haben, die mich in einer Art Spiralbewegung anzieht und thematisch berührt es mich so stark, wie vielleicht in dieser Weise derzeit nur noch die Elektra. Das ist schon beim bloßen Hören sehr starkes (Musik-)Theater und alles darin ist von großer Authentizität. Für mich persönlich endlich mal wieder eine Oper mit großer Identifikationsmöglichkeit...


    :jubel:

  • Die Düsseldorfer Oper eröffnet heute die neue Spielzeit mit der Premiere von "Peter Grimes":


    Opernhaus Düsseldorf
    Freitag, 18. September 2009
    19:30 - 22:30 Uhr / Premiere



    Benjamin Britten
    (1912 - 1976)


    PETER GRIMES
    Opera in drei Akten und einem Prolog
    Libretto von Montagu Slater
    (In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln)


    Musikalische Leitung Axel Kober
    Inszenierung Immo Karaman
    Bühne Kaspar Zwimpfer
    Kostüm Nicola Reichert
    Choreografie Fabian Posca
    Chor Gerhard Michalski
    Dramaturgie Hella Bartnig

    Peter Grimes - Roberto Saccà
    Der Junge - Ivaldo Bessière
    Ellen Orford - Gun-Brit Barkmin
    Balstrode - Tomasz Konieczny
    Auntie - Jane Henschel
    Nichte1 - Elisabeth Selle
    Nichte2 - Anett Fritsch
    Bob Boles - Florian Simson
    Swallow - Sami Luttinen
    Mrs. Sedley - Rebecca de Pont Davies
    Horace Adams - Bruce Rankin
    Ned Keene - James Bobby
    u.v.a.
    Orchester Düsseldorfer Symphoniker


    Zitat

    Die Oper beginnt mit einer energischen Anrufung: Dreimal wird Peter Grimes von dem Bürgermeister Swallow aufgefordert, sich vor der versammelten Gemeinde des kleinen englischen Küstenortes Borough gegen die Anschuldigung, seinen Lehrjungen fahrlässig getötet zu haben, zu verteidigen. Der raubeinige Fischer Grimes ist nicht beliebt bei den biederen Kleinstädtern, doch die Beweise reichen nicht aus, ihn zu verurteilen. Stattdessen wächst unverhohlenes Misstrauen, dem nur die Lehrerin Ellen und der alte Kapitän Balstrode entgegentreten. Sie glauben an Grimes’ Unschuld und wollen ihm helfen. Da entsteht weiterer schlimmer Verdacht. Der neue Lehrjunge, den Ellen als Gehilfen für Grimes aus dem Armenhaus geholt hat, trägt Merkmale von Misshandlungen. Gerüchte verbreiten sich, der Junge sei in Gefahr. Als die Männer des Ortes sich aufmachen, Grimes’ häusliche Verhältnisse zu überprüfen, schickt der Fischer seinen Lehrjungen auf die Klippen hinaus, wo er tödlich abstürzt. War es ein Unfall oder hat Peter Grimes den Jungen bewusst in den Tod getrieben? Balstrode rät Grimes, sich selbst zu richten, um der drohenden Lynchjustiz zu entgehen.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • ... und ich fahre natürlich hin - ist ja Ehrensache :]
    (hab mittlerweile `ne Karte für den 09.10. !)


    ... weiß noch echt nicht, ob ich dann Zeit habe, evtl. den einen/anderen Taministen zu treffen.........


    tschüssi einstweilen (Laptop macht jetzt Wochenendurlaub 8))
    micha

  • Die Debatte über "Peter Grimes" habe ich mit großem Interesse gelesen; wie immer bei Tamino weiß man hinterher einfach alles. Und Harald Král hat natürlich wie immer und wie immer sehr löblich die Deutsche Oper am Rhein ins Spiel gebracht. Von Düsseldorf ist das Werk nach Duisburg gewandert und ist dort, wie immer, wenn es um Strauss oder Britten geht, vor allem vom Orchester eine Klasse besser geworden, was diesmal aber auch für die Solisten gilt. Die Inszenierung ist modern, ohne "Regietheater" zu sein, wobei die Lichtregie, die Choreographie des Chores und das Singen des Chores unglaublich gut waren. Eine perfekte Aufführung, die sicher bald wiederaufgenommen wird (Harald weiß das bestimmt) und die sich jeder Britten-Liebhaber ansehen m u s s , auch wenn er nicht pieter.grimes heißt. Lieber pieter.grimes, besonders hat mich gefreut, dass du bekannt hast, als Frau Jenufa zu heißen, bei mir wäre es eher noch Emilia Marty! Ich nerve hier ja alle ständig mit meinen Janacek-Preisungen, aber es ist so, dass man, wenn man Janacek richtig in sich aufgenommen hat, sehr viele andere Musik, besonders in der Oper, doch etwas herunterstuft.

    Rechtschreibfehler werden über Nacht in den Duden gelegt (?)