Die ideale Violetta

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Man kann das drehen und wenden wie man will, die ideale Violetta ist die Callas gewesen.


    Liebe Taminos,


    hier Theodora, ich bin ganz neu hier und stelle mich nochmals vor! Ich möchte hier Herbert Henn zustimmen, über die Callas als ideale Violetta. Callas konnte die leidende Frau wie niemand sonst verkörpern. Ich finde sie grossartig in dieser Rolle.


    Den goldenen Abglanz des tragischen Talentes von Callas kann man meiner Meinung nach Anna Moffo nicht absprechen. Ich finde sie hat die nötige leicht verruchte Aura der Kameliendame und das Leiden "steht ihr gut".


    Doch gesanglich, muss ich sagen, als ich Victoria de los Angeles gehört habe, war ich absolut hin und weg. Diese Herzensgüte und Edelmut, aus welchen Violetta ja eigentlich auf ihren Geliebten verzichtet sowie ihr Glaube an Gott und seine Vergebung, finde ich, konnte nur de los Angeles so zum Ausdruck bringen, dass einem direkt zum Heulen zumute war. Rein subjektiv, versteht sich...


    Was für mich dagegen eine völlig schreckliche Geschichte war, war die Darbietung von Angela Gheorghiu. Ich kann es nicht genau erklären, aber ich hatte gegen ihre Interpretation so eine direkte Abneigung empfunden, dass ich mehrere Anläufe nehmen musste, um das Ganze zu Ende zu hören. Ich war sehr erstaunt zu erfahren, dass sie gerade in dieser Rolle grosse Erfolge feierte. ?( Ich finde sie als Tosca sehr schön, wo sie den Scarpia fast ersticken will bevor sie ihn ersticht, aber Violetta? Nein, um Himmels willen!

  • Ah, Theodora, du schon wieder...
    Also, übernehmen wir Neulinge die alten threads!


    Callas und Moffo. Klar waren die groß. Aber ich habe mich an diesen üppig leidenden Kalter Kriegs-Hochdramatischen, die in jeder Note UNGLÜCK sangen, etwas satt gehört. Ich mag's, wenn die Violetta nicht schon beim "Sempre libera" weiß, dass sie am Ende der Oper sterben wird...


    Eine wirkliche Offenbarung war es für mich, die Rolle von einer echten Koloratursopranistin (vor der Callas-Ära) zu hören: Bidú Sayao in einer MET-Liveaufnahme von 1943, mit Charles Kullman als Alfredo (ein Tenor, der nicht ganz so vergessen gehört, wie er inzwischen ist.). Sayao ist alles andere als eine seelenlose Koloraturen-Nachtigall. Aber sie beherrscht die technischen Mittel und hat eine ganz schlanke, bewegliche und ungeheuer junge Stimme (obwohl sie hier schon 41 war).


    Ich hab die große Szene der Violetta am Ende des 1. Aktes gerade noch mal vergleichsgehört mit Sayao, Callas, de los Angeles und Cotrubas. (Wie könnt ihr eigentlich so viel schreiben, wenn man doch immer erst noch mal nachhören muss, ob's wirklich so war, wie man sich erinnert?) Sayaos "Sempre libera" ist überwältigend. Das ist eine junge Frau, die vor Energie und Sex sprüht und die Nächte durch tanzt. So höre ich das bei keiner anderen (von den neun Aufnahmen, die in meinem Regal stehen). Trotzdem fehlt Sayao nachher nichts an Dramatik. Man muss nur genau hinhören.


    Meine ideale Violetta ist Bidú Sayao.

    Einmal editiert, zuletzt von Michael M. ()

  • Liebe Taminos !




    Die Frage nach der idealen Violetta , sollte auch an der Romanvorlage , worauf Fairy - Queen dankswerterwiese hingewiesen hatte , angelehnt werden .


    Dann die Frage Opernmitschnitt , Studioproduktion oder Filmaufnahme .


    Sehr stark hängt der hinterlassene Eindruck auch von der Inszenierung , auf die Peter ( aus Wien ; oper 337 ) immer wieder bei Opernaufnahmen hinweist , ab . Diese ideale Umsetzung auf der Bühne finden wir in der Mailänder Traviata unter von Karajan mit Anna Moffo , wohl allen Callas - Interpretationen und Zeffirellis Inszennierung in dem Film / der DVD mit Teresa Stratas wieder . Nicht dagegen in der Inszenierung mit Anna Netrebko in Salzburg ; hier habe ich nur die überdimensionale Uhr in Erinnerung mit Dr. Grenvil ( dass Netrebko zeitweise in der Luft flach liegt , steht auf einem anderen , sehr künstlichen , gewollten Blatt ) .


    Dann die Besetzung der anderen Partien . Die stimmliche Leistungen am biologischen Alter festzumachen ,halte ich für sehr problematisch . ( Dann hätte die Violetta als Sopranisten kaum die 25 erreichen dürfen , wenn wir uns an der zugrundel liegenden historischen Persönlichkeit orientieren . )



    Die Orchesterleistungen sind in diesem Thread gar nicht herausgearbeitet worden ! Überwältigen , einfühlsamst den grossen Bogen bis zu Violettas Tod musikalisch spannend höre ich bei Carlo Maria Giulini ( Teatro alla Scala die Milano ; EMI ) .


    Als "d i e" Violetta :



    Maria Callas ( Lissabon und Mailand )


    Anna Moffo


    Ileana Cotrubas ( mit Josef Krips am Pult )


    Teresa Stratas


    Renata Scotto ( mit G. Raimandi und Ettore Bastianini ) .


    F r a g e n an Euch , speziell an 'Fairy Queen' :


    1. Was ist mit Renata Tebaldi , die mir hier im Forum


    doch sehr unterschätzt erscheint ? und


    2. W a s werden wir ( mit wem und welchem Regisseur ? ) von Natalie D e s s a y erwarten dürfen , können ?


    Hätte ich Beziehungen enger Art zu Nicolas Sakzy , so würde ich sofort die die perkekte Neuherrichtung des "Palais Garnier" in Paris anordnen . Vielleicht ist er in Sachen Musik aufgeschlossener als sein pathetischer Vorgänger . Eben so intellektuell wie Päsident Francois Mitterand - j l'espère !


    Grüsse ,



    Frank


    PS.: Und noch einen schönen , besinnlichehn 2. Weihnachtsfeiertag ! F.

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Eine absolut blendende Aufnahme gibt es aus Italien, die früher einmal, in den 1960er Jahren auch bei Decca erschienen ist,


    war "meine"


    Hilde Güden als Violetta :jubel: :jubel: :jubel:


    es gibt jetzt nur noch eine Deutsche Violetta mit ihr, und die ist ein Querschnitt, sie ist ja nicht schlecht, aber die Italienische Aufnahme ist mir lieber,


    verstehe auch nicht warum nie die italienische Aufnahme auf CDs gebrannt wurde,


    da war Aldo Protti der Vater Germont und Giuseppe di Stefano der Alfred.


    Habe sie schon solange, dass mir die LP Gesamtaufnahmen-Kassette kaputt gegangen ist, die LPs nicht.


    Und die alte, schöne Wiener Inszenierung, denke ich mir dazu.


    Denke mir nur, es gab so viele sehr gute Violettas, dass man auf diese Aufnahme vergaß.


    Liebe Grüße und schönen 2. Weihnachtsfeiertag / St. Stephan sendet Euch Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Lieber Peter :



    Ja , Hilde Güden war eine ehr noble , standesgleiche Violetta in der Zeit zwischen etw 1963 und 1967 in der Wiener Staatsoper gewesen .


    Stimmlich ( in Iatlienisch ) sehr gut (!!) , was leider etwas in Vergessenheit geraten ist . Und auch darstellerisch überzeugend .


    Auch der Vater Germont war sehr überzeugend gewesen .


    Giuseppe di Stefano klang da schon teilweise recht angestrengt . Aber vielleicht lag es seiner "Tagesform" .


    Das Bühnenbild war für viele von heute wahrscheinlich zu "konventionell - konservativ" . Aber es war für die Werke von Dumas wie Verdi zeitangemessen .


    Nicht eben in Köln ( Rhein ) , dass sich da der "Zeitgeist" auf einem Asche-Tennisplatz austoben konnte .


    Vielleicht haben in Köln die "Sandplatzwühler" Thomas Muster & Boris Becker die Bühnenbilder als "Spielwiese" entwerfen dürfen . Grausam so etwas . Da fehlt doch jedes Stilempfinden .


    Karajan , dem wir durchaus prägende Operninszenierungen verdanken , hat resignierend im Wien der Bürokretn-Ära Hilpert & Co. einmal geäussert :"Man kann eben nicht jeden Tag Sonntag haben" .


    Und was kam denn nach Karajans Stagione - Prinzip ? Man braucht kein Karajan - Bewunderer zu sein , um hier jedenfalls einen Konsens finden zu können .



    Beste Grüsse Dir unmd alles Gute auch der Weiner Staatsoper !



    Frank


    PS.: Wenn ich mich recht erinnere wars bei den Wagner - und Strauss - Opern nicht viel anders gewesen .


    Und wenn der Rudolf Bing in New York über Karajan einmal sagte :"Dann kann er doch gleich den Hebel ganz umlegen , dann hat er seine totale Dunkelheit!" . Hier hätte ich Bing gefragt : Was wollen Sie eigentlich haben , Mr. Bing , das lichtangstrahlte Geklitzere des Schmuckes Ihrer Damen im 1. Parkett und 1. Rang der Met oder sehr gute Stimmen mit einer zum Werk passenden Inszenierung plus der erforderlichen Beleuchtungseffekte ?


    Bing war keineswegs der "Über-Opernhauschef" gewesen . Die meisten dürften ihn gar nicht mehr kennen . F.

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Bei Sir Rudolf Bing ist es wie heute -


    da zahlen die Leute im Publikum die Inszenierungen, und die nehmen keinen Aschentennisplatz bei der Traviata, also keinen Schund,


    die wollen was für ihr Geld,


    bei uns zahlen alle Leute, auch die, die nie in die Oper gehen, in Österreich vom Neusiedlersee bis zum Bodensee, und die an Oper keine Interesse haben,


    dafür wird einem vorgesetzt, was weder zum Stück passt, da sollte man eine andere Oper dafür komponieren - oder ein anderes Sprechstück dazu schreiben!


    Bei Karajan war auch nicht jeder Tag ein Festtag - aber fast jeder Tag war einer.


    Liebe Grüße Peter aus Wien und ein gutes Jahr 2009. :hello:

  • Lieber Peter,


    die von Dir mehrfach erwähnte italienische "Traviata" scheint tatsächlich verschollen zu sein.


    Kannst Du denn genaue Daten angeben? Als ich diese Frage in einem anderen "Traviata" -Thread stellte, war die Platte gerade verborgt, verschwunden, verkauft o.ä. Wer hat denn dirigiert?


    Merkwürdigerweise gibt es diese Aufnahme in keinem Lexikon, weder im "Hermes", noch bei Karsten Steiger noch bei Dr. Ommer wird sie erwähnt. Aldo Protti erwähnt nur Rebata Tebaldi als Partnerin bei seiner einzigen Decca-Aufnahme als Vater Germont; di Stefano kennt auch keine "Traviata" mit Güden als Partnerin.


    Über die Bartoletti-Aufnahme (Querschnitt, deutsch) haben wir schon gesprochen, die Güden wirkt neben dem viel jüngeren Wunderlich in dieser Einspielung eher wie seine Mutter, obwohl sie doch erst 50 Jare alt war.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald!


    Violetta - Hilde Güden
    Alfredo - Giuseppe di Stefano
    Giorgio Germont - Aldo Protti


    Orchester der Akademia di Santa Cecilia Rom,
    Dirigent: Alberto Erede.


    Standard Richmond London Liner Series RS 63....?, kann ich nicht mehr lesen (3LP) Mono ist schon zu stark verwischt. Muss in den späten 1950er Jahren gemacht worden sein, habe sie schon so lange.


    Habe sie etwa 1961/62 von Hilde Güden selbst geschenkt bekommen, nach einer "Zauberflöte" in der Staatsoper, wo ich den 1. Knaben sang.


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Lieber Harald ,


    lieber Peter !



    Es muss noch einige Zeit nach der Aufnahme aus den späten 1950er Jahren diese in Italienisch gesungene Aufnahme gegeben haben .


    Ein Ehepaar , das ich kannte 8 wohnten übrigens früher in Düsseldorf ) , haben dies LPs (!) und nicht Cds auch besessen gehabt .


    Der Grund war einfach : Sie hatten Hilde Güden auch in Wien auf der Bühne gehört gehabt und dann verständlicherweise alles unternommen , um gerade diese Aufnahme zu bekommen .


    Ob die LPs auf CD übertragen worden sind , das weiss ich leider nicht .




    Un diese ganzen Lexika , vor allem der neue noch umfabgreicher Grove's ist beiweitem nicht vollständig , ja sogar deutlich schlechter geworden ! Das trotz der heute möglichen Datenbanken . Schlimm , dieser Schlamp .


    Ich weiss es in zwei konkreten Fällen ( Nadia Reissenberg und Nina Milkina , beide aus Russland stammende Piansitinnen ) , dass es Aufanhmen von ihnen gibt . Bei Nina Milkina wird der gesamte musikalische Nachlass von ihrem Sohn in London verwaltet und bei Nadia Reissenberg gibt es ebenfalls mehr Aufnahmen als hier in Deutschland bzw. Österreich jemals erwähnt worden sind . Das Buch von Summers ( 2007 ) "Pianists A - Z" enthält mehr an Informationen i n dem Text als unter dem Text an empfohlenen Aufnahmen steht .


    Die alten Bielefelder Kataloge , in Düsseldorf z. B. früher lange in der Stadtbücherei im "Keller" / Archiv enthalten wichtigere Aufnahmen als die neuen .


    Auf die Kataloge der Plattenfirmen darf man schon lange nichts mehr geben .


    Manchmal lohnt sich eine Anfrage bei dem Originallabel !


    Beste Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank! Lieber Harald!


    Diese Gesamtaufnahme ist schon 1960 nicht mehr im Bielefelder Katalog drin gewesen, ich habe sie ja von Hilde Güden geschenkt bekommen,


    und die Aufnahmen verwaltet ihr, im Leben zerstrittener, Sohn.


    Ich glaube die ist seit 1960 nirgendow erhälltlich mehr gewesen, außer im Raritäten-Geschäften.


    Ich kann in Wien bei Teuchler fragen, die haben aber morgen und bis um den 2.1. oder 7.1. Urlaub.


    Meine ist nicht mehr in einem sehr guten Zustand, d.h. sie ist etwas zerkratzt zurück gekommen, aber ich kann fragen, ob ein Kollege von UNI mir sie auf CDs brennt?????


    Versuchen kann ich es ja, nur war sie vor dem Verborgen fast wie neu, jetzt kann ich nicht einmal die Nummern mehr lesen, zu verschmiert ist ich kann gerade die Protagonisten, Gueden, di Stefano und Protti lesen.


    Liebe Grüße und weiterhin eine gute Nacht Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Lieber Frank, Deine Frage zu Renata Tebaldi kann ich leider nciht beantworten, ich habe viel zu wenig von ihr bislang gehört und bin als Callas-Anbeterin wohl da ohnehin verdorben. Was Natalie Dessays geplante Traviata angeht, bin ich mehr als gespannt.


    Ich vertraue erstmal ihrer wunderschönen Stimme und ihrer überragenden Schauspielkunst sowie einer serh guten Gesangstechnik. Wenn ic han das grosse Duett mit Germont denke, wird mir allerdings etwas flau, denn sie hatnunmal bei weitem nicht die dramatische Kraft einer Callas und muss solche Szenen per se ganz anders anlegen. Wenn ihr ein fähiger Regisseur nd dirigent zur Seite stehen und sie über ihrem langgehegten Traum diese rolle zu singen, nicht die gewohnte Klugheit und künstlersiche intelligenz vermissen lässt, kann das wunderbar werden. Das was Micha über Bidu Sayaos jungen Klang schreibt, trifft bei Dessay 100% auch zu.


    Ich möchte aber auch einmal Patricia Petibon in der Rolle erleben dürfen.
    Ihre Stimme ist zwar von Natur nicht so schön timbriert und so unverwechselbar wie die der Dessay, aber nachdem ich nun ihre neue Cd "Amoureuse" endlich ganz gehört habe, traue ich ihr eine serh ausdrucksstarke und technisch bestens beherrschte Violetta mit allen Farben, derer es für diese Rolle bedarf zu. Ausserdem verkörpert sie für mich einen Typus, der ein neues Vioilettabild, passend zum 21: Jh und doch nah an Dumas, sein kann.


    Monsieur Sarkozy hat leider keine Opernsängerin geheiratet...... ;)


    Liebe Grüsse vom Rhein
    Fairy Queen

  • Lieber Peter :



    Zunächst herzlichen Dank für Deine Bemühungen um Hilde Güden , die nicht nur als Violetta uns als eine der prägenden Persönlichkeiten der Wiener Staatsoper in Erinnerung bleiben wird !


    Vielleicht sperrt ihr Sohn auch eine Wierveröffentlichung ?


    Hat bezüglich des Copyrights schon die grotestkesten Situationen gegeben .



    Mir sind nicht nur bei den Pianistinnen Nina Mikina oder Nadia Reissenberg Fälle bekannt , dass selbst lebende Interpreten ihre eigenen hoch angesehenen Aufnahmen nicht zur Wiederveröffentlichung freigeben . Und dann die vorhanden Bändern , technisch grossartig , die u. a. bei ORF in Wien liegen . Habe es über die Karajan-Gesellschaft versucht , an Material zu kommen . Keine Chance - leider . Diese bürokratische Kulurarroganz ist unerträglich . Und dafür zahlt man dann noch Rundfunk- und TV - Gebühren .


    Vor 1960 war di Stefano auch noch deutlich besser bei Stimme ( gerade auch auf der Bühne , wie ich dies von älteren Opernfreunden weiss ) als zu meiner Zeit in Wien .


    Beste Grüsse Dir uns in nachweihnachtliche Wien !




    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Fairy Queen :




    Zunächst hoffe ich , dass Du und Deine Lieben Weihnachten , wo auch immer , harmonisch verbracht habt .


    Sicher hat das Christkind Dir Deine Wünsche musikalischer Art erfüllt .


    TEBALDI & CALLAS :


    Ich denke nicht , dass doese künstliche Rivalität es unmöglich macht , die beiden Diven nicht auch vergleichend zu hören .


    Selbst Kesting - unter Bezug auf einen Freund - gibt endlich zu , dass die Bühnenpräsenz der Tebaldi ( im konkrten Fall in Chicago ) deutlich überzeugender gewesen ist als die allgemein beschrieben wird . Dies dürfte auch mit der damaligen Regie zusammenhängen . Selbst ein seh guter Sänger - Schauspieler wie Cesare Siepi hatte nicht wenige seltsam anmutende statischen Szenen selbst im "Don Giovanni" gehabt .



    Interessant finde ich Deinen Hinweis auf die Rückbesinnung auf Dumas' Orginalroman ! Dies ist wichtig , weil darin auch eine zeitnahme gesellschafts- wie Individualkritik zum Ausdruck kommt . Das grosse Duett Violetta - Giorgio Germont wird Natalie Dessay bei einem intelligenten Partner klug meistern können . Es geht ja hier in erster Linie um das innere Zerbrechen Violettas wie auch der doch bestehenden , hoch gefährdeten Hoffnungen auf eine ( dauerhafte ) Liebe mit Alfredo . Wenn sich der Père Germont zurücknimmt und seine Wünsche , Forderungen , Hoffnungen Violetta gegenüber singt , dann ist dies durch eine intelligente Diktion ( vergleichbar etwa Toto Gobbi ) durchaus möglich , ohne seine Leidenschaft zu unterdrücken . Man muss nur die Rolle des alten Germonts aufmerksam unter psychologischen Gesichtspunkten analysieren .


    Hoffentlich findet sie einen Regisseur wie Visconti oder Zeffirelli .


    Wo möchte Natalie Dessay den ihre Violetta - Premiere singen ? Steht dies schon fest ?



    Cordialement ,



    Frank


    PS.:


    (1) Carla Bruni ( - Sarkozy ) ist doch schon "L'amoureise" von Monsiur le Président ... Zwitschert sie jedenfalls ... erfolgreich .


    (2) Ihr Lebenprogramm hat sie bei "naive" 2006 schon klar gesungen :"No promises"


    (3) Und auch ihr ( ? ) Ende hat sie bereits festgehalten :"Als wäre nichts geschehen " .


    Was möchte Nicolas S. denn mehr wissen ?


    Ab 1. Januar 2009 hat er nicht mehr so viel europäisch zu tun und kann der Grande Nation dann zu Brunis ersehntem "Geschenk an die Nation" verhelfen .
    F.

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin


  • Lieber Frank!


    Hilde Güdens Sohn sperrt sich bei vielen LP Aufnahmen gegen die Veröffentlichung von vielen Einspielungen,


    wie auch dem "Pelleas" und die "Margarethe" und wahrscheinlich auch bei der "Violetta".


    Ich habe meine so zerkratzt zurück bekommen, das ich kaum Freude daran habe, es geht halt so.


    Ich borge keine LPs mehr her. Aus Schaden wird man klug.


    -------------------


    Übrigens habe ich auch eine Aufnahme von Renata Tebaldi als Violetta, sie beherrscht spielend die Koloraturen im 1. Akt, es ist eine Aufführung der MET vom 6.4.19757:


    Violetta - Renata Tebaldi
    Alfredo - Guiseppe Campora
    Giorgio Germont - Leonard Warren
    Guiseppe - JamesMc Cracken u.a.


    Dirigent ist Fausto Fleva.


    Melodram 13 2er LP.


    Renata Tebaldi kann man sich heute gar nicht mehr als Violetta vorstellen, Maria Callas schon.


    Dürfte es auf CDs gar nicht geben, habe nachgeschaut.


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Für mich war die junge Renata Tebaldi immer eine der besten Violettas - unabhängig von Hypen um Callas, Stratas, Cotrubas usw....
    Es gibt mindestens ein halbes Dutzend Platteneinspielungen von ihr in dieser Rolle, meine liebste Aufnahme ist diese (Cover zeigt nur den Querschnitt, es gibt jedoch eine Gesamtaufnahme davon):



    Aufnahme: Aug. 1954, Studio, Roma
    Spieldauer: 114'17 (G.A., gekürzt)
    Dirigent: Francesco Molinari-Pradelli
    Orchestra dell'Accademia di Santa Cecilia Roma
    Coro dell'Accademia di Santa Cecilia Roma


    Alfredo Germont: Gianni Poggi
    Annina: Rina Cavallari
    Barone Douphol: Antonio Sacchetti
    Dottore Grenvil: Ivan Sardi
    Flora Bervoix: Angela Vercelli
    Gastone de Letoriès: Piero di Palma
    Giorgio Germont: Aldo Protti
    Giuseppe: Mario Bianchi
    Marchese d'Obigny: Dario Caselli
    Violetta Valery: Renata Tebaldi


    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


    Lieber Peter,


    danke für die Daten zu der Güden-Aufnahme, ich werde mal recherchieren.
    Vielleicht ist auch der eine oder andere Mitleser im Forum, der bei der Suche behilflich ist!


    Leider lebt Alberto Erede nicht mehr, den ich gut gekannt habe und der uns hätte etwas dazu sagen können!


    LG


    :hello: :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Peter :



    Danke für Deine prompte Antwort .



    (1) Ich denke , dass der Sohn von Hilde Güden seine Mutter unverständlich wohl in ihrer ihr zukommenden Bedeutung beschädigt .


    Was mag er sich dabei denken ?



    (2) Es gibt auch von der Callas Aufnahmen , in denen sie Rollen verkörpert , die wir uns durch sie auf der Bühne nicht so gut vorstellen können in ihrer frühen Zeit .


    Tebaldi hatte schon die "Stimme vom Himmel" , die Arturo Toscanini so geschätzt hat . Sie war bene eine ganz andere Persönlichkeit gewesen .


    Hat sie nicht eine wundervolle Butterfly gesungen , eine verinnerlichte Tosca , eine überzeugende Mimi z. B. ? Oder ihre Leonren im Trovatore oder in La Forza del Destino bei Verdi . Ihre Desdemonna , ihre Aida bei Verdi ?


    Hier im Forum geht bei Puccini leider Leontyne Price völlig unter , obwohl es eine Übersichts - Cd ( RCA ) mit ihr gibt über ihre puccini - Aufnahmen . Auch wird mancher Hörer zunächst grosse Probleme haben , wenn er L. Price das erste Mal hört . Auch L. Price's Butterfly unter Leinsdorf mit Tucker hat ihre Meriten . Es kommt wohl sehr darauf an , von welcher persönlichen Vorstellung wir an eine Interpretation hörend harangehen oder eben eine Künstlerin auch auf der Opernbühne erleben können .


    Wer könnte , Du wirst sie ja ooft erelbt haben , eine Gundula Janowitz heute "vertreten" ? Ersetzen ohnehin nicht . Der Subjektivismus ist auch zumindest teilweise obejetivierbar ! Gerade aus den für mich "Goldenen Jahren" der Wienr Staatsoper nach dem Zweiten Weltkrieg gab es doch eigentlich niemanden , der das heutige Repertoire nicht mühelos beherrschen würde in seinem / ihren Fach .


    Ich denke , dass Du dies genauso hörst und siehst .


    Zu Herbert v. Karajan noch eines :


    Du hast es ja angesproch hier . Ob "man" ihn persönlich mag , das ist eine Frage des persönlichen näheren Kennens in erster Linie .


    Er hat sicherlich nicht alle Abende gleich gut dirigiert . Aber seine lange Leistung in Wien bleibt doch einfach grossartig , herausragend . Seine Visionen braucht niemand zu teilen , aber v. Karajan hat wichtigste Impulse immer neu gegeben . Gerade seine doch z. B. von Schwartzkopff oder Christa Ludwig bestätigte Bemühungen um jeden einzelnen Sänger , jede Sängerin muss einfach festgehalten werden .


    Dies lässt sich auch auf die Scala in Mailand zwanglos übertragen . Und wie schaut es in Mailand seit Jahren sängerisch aus ??? Ein Trauerspiel .



    Beste Grüsse ,




    Frank


    PS.: Platten soll man tatsächlich nie verleihen . Habe selbst schon üble Erfahrungen gemacht , weil durch einen Kratzer eine Ganze Seite unwiderbringlich vernichtet sein kann .


    Und den Klang , de von dem Vinyl ausgeht erreicht mindestens die CD-Übertragungen .


    F.

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • LIeber Frank!


    Da ich mit Hilde Güden, auch nach meiner Sängerknaben - Zeit" jahrelang befreundet war,


    weiß ich, dass er eine Art "Haßgefühl", mit ihrem Gatten, aufgebaut hatte, das seine Mutter sehr kränkte und auch die "Nebenfreundinnenschaften" zur Scheidung mit ihrem Gatten führte.


    Sie lebte zuletzt ganz zurückgezogen und schwer erkrankt in Klosterneuburg, neben der Haus eines Mit-Gymnasiums-Freundes, und ich sah sie nicht mehr.


    Zu ihrem Sohn konnte ich nie, eine Art, Bekanntschaft aufbauen, von Freundschaft keine Rede.


    Liebe Grüße sendet Dir, der traurige Peter, der eine total zerkratzte "Traviata" sein Eigen nennt,


    werde schauen, ob es Jemand auf CD brennen kann, aber die Kratzer sind ziemlich tief, ob da noch was zu retten ist?

  • Zitat


    Original von Fairy Queen
    Was Natalie Dessays geplante Traviata angeht, bin ich mehr als gespannt. Ich vertraue erstmal ihrer wunderschönen Stimme und ihrer überragenden Schauspielkunst sowie einer serh guten Gesangstechnik. Wenn ic han das grosse Duett mit Germont denke, wird mir allerdings etwas flau, denn sie hatnunmal bei weitem nicht die dramatische Kraft einer Callas und muss solche Szenen per se ganz anders anlegen. Wenn ihr ein fähiger Regisseur nd dirigent zur Seite stehen und sie über ihrem langgehegten Traum diese rolle zu singen, nicht die gewohnte Klugheit und künstlersiche intelligenz vermissen lässt, kann das wunderbar werden. Das was Micha über Bidu Sayaos jungen Klang schreibt, trifft bei Dessay 100% auch zu.


    Liebe Fairy,
    Ich denke schon, dass alles klug geplant ist. Ihr Violetta-Debut gibt sie im Santa Fe Opera House (New Mexico) im Rahmen des Sommer-Festivals Juli/August 2009.
    Die Wahl der beiden Laurents, Pelly für die Regie und Naouri als Georgio Germont sowie Frederic Chaslin als Dirigent lässt auf das Schönste hoffen.


    LG


    Emotione

  • Liebe Emotione :



    Gibt e sachliche Gründe , die Premiere in das nicht unbedingt berühmte Opernhaus von Santa Fé ( USA ; New Mexico ) zu legen ?


    Oder ist dies nur die grosse Generalprobe für Höheres ?


    Viele Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Original von Theodora
    Diese Herzensgüte und Edelmut, aus welchen Violetta ja eigentlich auf ihren Geliebten verzichtet sowie ihr Glaube an Gott und seine Vergebung, finde ich, konnte nur de los Angeles so zum Ausdruck bringen, dass einem direkt zum Heulen zumute war. Rein subjektiv, versteht sich...


    Ich sehe das anders, liebe Theodora. Sie schildern die Sicht von Germont père, der an dieser Stelle die Größe von Violettas sacrifzio gar nicht ermißt.


    Seine achtlos (oder berechnend) hingeworfene Äußerung zu Beginn über die Vergänglichkeit der Liebe und ihrer Reize erinnert Violetta schlagartig an ihre Situation, die Krankheit, den nahen Tod.


    Ihr "È vero!" ist so geistesabwesend wie möglich gemeint, sie ist ganz weggetreten und erkennt die innere Wahrheit von Germont pères Floskeln.


    Um es drastisch zu sagen: Violetta pfeift darauf, ein gütiges, großherziges Wesen zu sein - das Wort sacrifizo benutzen beide im Folgenden in ganz unterschiedlicher Bedeutung. Violettas "Morrò!" ist keine Metapher, sondern ganz wörtlich gemeint, so wörtlich wie irgend denkbar, so unmitteilbar wie unpassend in einer Konversation.


    Violetta bringt nicht ihre Liebe zum Ofer auf einem Altar der Wohlanständigkeit; sie selbst ist das Opfer (das wird Germont erst am Ende der Oper begriffen haben; da ist es zu spät).


    Hört man nicht ihrem "Dite alla Giovine" das Tonlose, Unbeteiligte, mühsam sich Bezwingende an bis zu dem Punkt, wo sie die Beherrschung verliert und von ihrem Tod spricht?


    Ich denke, sie ist hier weit entfernt davon, Verständnis für Takt, Anstand und die Ehepläne von Alfredos Verwandten aufzubringen. Die Liebe hat ihr ein leztes Mal Mut und Hoffnung gegeben; und ganz unabsichtlich hat Germont père diese Hoffnung zum Einsturz gebracht.


    Sie verläßt Alfredo nicht dem Vater zuliebe (das wäre wohl zu einfach); sondern weil diese Beziehung mit einem Schlag sinnlos geworden ist. Vielleicht, weil sie ihren Anblick im letzten Akt nicht vor aller Welt öffentlich machen möchte. Schon gar nicht vor Alfredo.


    Violetta ist keine ehrbare Dirne, keine edle Kokotte. Sie ist ein Mensch in einer ausweglosen Situation, die einen verzweifelten Entschluß faßt.


    Sie scheinen der Auffassung, Germont habe Violetta zu ihrem Schritt überreden können. Das erscheint mir naiv.


    Vielleicht sehen Sie es ganz anders.



    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Hallo liebe Forianer,


    ich möchte einmal eine Violetta der Gegnwart vorstellen. Es ist Christina Gallardo-Domâs. Hat jemand sie schon einmal auf der Bühne life erlebt? In ihrem Sängerportät dünkt sie mich als die Traurigste aller Violettas. Sie wirkt so, als ob sie in die Rolle der Kurtisane ungewollt hineingeschlittert sei und sie ihre Krankheit als Strafe für unkorrektes Handeln empfindet.



    Die Hamburger Inszenierung der Traviata ist ansprechend, aber uralt. Ich weiß nicht, ob es inzwischen eine neue gibt, ahne aber Schrechliches. In der aufwändigen Dekoration durfte ich zu ihrer Zeit Lucia Alibert erleben.
    Als CD-Gesamtaufnahme würde ich die Gallardo-Domâs sofort nehmen. An ihre Seite wünschte ich mir Daniil Shtoda. Alexia Voulgaridou singt die Partie bestimmt auch sehr gut.


    Wer ist Eure liebste Violetta 2000?


    An LP-Gesamteinspielungen steht mir das übliche zur Verfügung: Scotto - Cotrubas - Freni. Man ergötzt sich halt.



    Gruß
    :angel:
    Engelbert

  • Leidende Frauen zu verkörpern scheint eine Domäne der chilenischen Sopranistin Christina Gallardo-Domâs zu sein. Und die Traviata singt sie besonders trefflich, wie ihre Tondokumente beweisen.


    Dieser Punkt geht also zu 100% an Engelbert :-)


    Leider liegt die DOB nicht in meinem Einzugsgebiet, sonst hätte ich schon eine ihrer Vorstellungen besucht. Eine Eintrittskarte wert wärs allemal...


    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Oh,ich habe sie mehrmals gesehen .


    Aber,die beste Violetta??? Das ist alles Geschmacksache. Jeder sieht und hört anders.
    Meine beste Violetta war Stefania Bonfadelli.


    Rita