Fritz Wunderlich - Ein seltener Glücksfall für die Schallplatte

  • Hallo Wolfgang,


    Das klingt ja verständlicherweise sehr betrübt, und der Ausblick sehr defätistisch! Aber einen JOSEF TRAXEL gibt es ja auch noch, der mit einigen Partien dokumentiert ist, die FRITZ WUNDERLICH nicht sang. Vielleicht kann ja dieser etwas Trost spenden! Und sein "Chapelou" ist ja auch nicht so ganz ohne!!


    Viele Grüße und ein sonniges Wochenende!


    wok

  • Lieber Wolfgang,
    diese Gefühle kenne ich nur zu gut. Mir geht es regelmäßig so, wenn ich eine CD von ihm auflege.
    Und was uns heute so alles als "Weltstar" zugemutet wird...

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat Siegfried:

    Zitat

    Und was uns heute so alles als "Weltstar" zugemutet wird...


    Hallo, Siegfried!


    Das sehe ich genauso. Ich will nicht alles schlechtreden, es gibt einige vielversprechende junge Sänger oder Sängerinnen, die vor einer großen Karriere stehen. Nur ist es bis dahin bei den meisten noch ein weiter Weg. Aber was uns heute alles als Weltstar präsentiert wird, das läßt einen nur staunen. Fritz Wunderlich war einer und der von wok genannte Josef Traxel ebenfalls. Nachfolger dieser beiden Tenöre sehe ich noch keinen am Horizont.



    Herzliche Grüße an euch Beide


    Wolfgang

    W.S.

  • Ein unverhofftes Wiedersehen mit Fritz Wunderlich gab es dieser Tage im Fernsehen - und zwar in dieser Sendung auf Bayern Alpha:


    Die Fernsehtruhe
    Der Liederkomponist Richard Strauss
    Am Klavier: Ludwig Kusche


    1. Einkehr (Benno Kusche)
    2. Begegnung (Anneliese Rothenberger)
    3. Die Nacht (Benno Kusche)
    4. Barcarole (Fritz Wunderlich)
    5. Schlagende Herzen (Anneliese Rothenberger)
    6. Himmelsboten zu Liebchens Himmelbett (Fritz Wunderlich)
    7. Freundliche Vision (Fritz Wunderlich)
    8. Das Lied des Steinklopfers (Benno Kusche)
    9. Die Händler und die Macher (Fritz Wunderlich)
    10. Ich wollt‘ ein Sträußlein binden (Anneliese Rothenberger)
    11. September (Anneliese Rothenberger)


    Die Liedaufnahmen aus den frühen 60er-Jahren zeigen Wunderlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Kunst. Wüsste man es nicht besser, man würde darauf wetten, dass das Lied seine eigentlich künstlerische Domäne gewesen ist. Es sollte ihm nur noch wenig Zeit bleiben. Das erschüttert mich noch immer, gerade auch angesichts dieses Dokuments, das völlig in Vergessenheit geraten war. Die Aufnahmen in hervorragend aufbereiteter technischen Güte vermitteln ein solches Maß an Frische und Jugendlichkeit, dass nur ein Gedanke aufkommt, nämlich Unsterblichkeit. So ist es ja nun auch geworden.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Sagitt meint.


    die Nostalgie eines Fans,die kenne ich, ein wenig habe ich sie auch. Meine Favoriten lyrischen Gesangs singen schon lange nicht mehr. Aber. es gibt immer wieder sehr anhörbare jüngere lyrische Tenöre.Topi Lethipuu ist ein solcher, Kobow ist sehr gut anhörbar,Güra und Maximilian Schmitt.


    Sicher solche Ausnahmestimmen wie die von Wunderlich sind selten, aber die anderen machen auch sehr gute Musik.

  • Lieber Sagitt,


    es gibt immer wieder Hoffnungsträger. Höre Dir bitte einmal die eingestellten Hörproben im Thread "Vincent Schirrmacher - und es blitzen die Sterne" an. Mich elektrisiert die Stimme. Hoffentlich kann der junge Sänger das Versprechen einlösen, das er gibt.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Mein lieber Hans!


    Wie du sicher aus meinen Zeilen gelesen hast, habe ich auch nicht in Abrede gestellt daß es auch vielversprechende junge Talente gibt. Dies habe ich in Ölbronn (Z. Bsp. im "Barbier von Sevilla") schon mit eigenen Ohren erleben können. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß es bis zum "Weltstar" für die Meisten noch ein langer Weg ist. Die Stimme von Vincent Schirrmacher finde ich auch sehr gut und geschmeidig, daher werde ich seinen weiteren Werdegang aufmerksam beobachten.




    Herzlichst
    Wolfgang

    W.S.

  • Heute, am 17. September 2016, wird der 50. Todestag von Fritz Wunderlich begangen. Ein seltsames Ereignis ist das schon. Durchaus Anlass zur Einkehr und zum Nachdenken. Ihm, Wunderlich, nachzudenken. Zu fragen, was er uns heute noch bedeutet, ob er Maßstäbe gesetzt hat, an die sich die Nachfolgenden halten sollten - und können. Wenn ja, welche? Hat er Nachfolger gefunden? Nach meinem Eindruck will dieser Tag des Gedenkens so gar nicht richtig zu ihm, dem ewig jung Gebliebenen, passen. Er macht ihn so alt, so historisch. Und uns mit. Dabei ist er immer das Gegenteil davon. Er ist viel länger tot, als dass ihm Zeit zum Leben - und zum Singen blieb. Mit scheint, zwischen beiden Begriffen steht bei Wunderlich ein Gleichheitszeichen. Das Erbe, das er hinterließ, ist gingantisch. Nicht alles ist allererste Wahl. Es ist auch Massenware dabei. Nun hat sein Hauslabel Deutsche Grammophon alle dort entstandenen Aufnahme in einer Box mit 32 CDs zusammengefasst:



    Warner lässt sich auch nicht lumpen:



    Der SWR hat sich bei dieser neuen CD aus seinem eigenen Archiv bedient:



    Und der Bayerische Rundfunk fasst auf einer CD im Eigenlabel Auftritte von Wunderlich in den Münchner Sonntagskonzerten zusammen.



    Diese Dokumente beziehen ihren Charme aus der Live-Atmosphäre, die diesem Tenor nach meinem Dafürhalten sehr entgegen kommt. Die Studioaufnahmen wirken zwar nicht verkrampft, lassen mitunter aber in meinem Ohren das Bemühen erkennen, ja alles richtig zu machen. Und er macht es ja richtig!


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Sagitt meint. Gibt es irgendeinen Sänger,der so umfassend medial dokumentiert ist,wie Fritz Wunderlich? Auch
    nach 50 Jahren eine Premium Klasse


  • Schon wieder kommt eine CD mit Fritz Wunderlich über uns. Die ihn lieben und schätzen, werden dankbar danach greifen. Seine Gemeinde ist noch immer sehr groß. In den fünfzig Jahren nach seinem Tod dürften neue Verehrer hinzugekommen sein – und immer noch hinzukommen. Wunderlich scheint zeitlos wie kaum ein anderer. Zugleich aber bewahren seine vielen Aufnahmen den Geist der Zeit, in der er von Erfolg zu Erfolg eilte. Liegt in dieser Mischung der Grund für seine anhaltende Popularität? Wie dem auch sei. Wunderlich kann singen, was er will – Oper, Lied, Oratorium, Operette, Schlager -, er gefällt. SWR music hat diesmal "Romantische Arien" zusammengestellt, die bei dem Sender produziert worden sind und in Teilen auch schon auf anderen Labels zu haben waren. Diesmal gibt es sie von originalen Bändern. "Horch, die Lerche singt im Hein!" aus Nicolais "Lustigen Weibern von Windsor", gleich vier Nummern aus Opern von Lortzing, darunter "Vater, Mutter, Schwestern, Brüder" aus "Undine", das Duett "Mein Sohn, sei Allahs Friede hier auf Erden" aus dem "Barbier von Bagdad" von Cornelius mit Kurt Böhme, das magische Finale des ersten Aktes "Zu Straßburg auf der Schanz" aus der Oper "Der Kuhreigen" von Kienzl. Abgerundet wird das Programm mit Arien und Szenen aus "Rigoletto", "Tosca" und der "Verkauften Braut", deutsch gesungen, wie damals Brauch. Wunderlich hatte gut gelernt, mit dem Text umzugehen. Alle Titel sind eine akustische Lehrstunde in Deutlichkeit. Er pflegte einen sehr natürlichen Stil. Niemals hebt er intellektuell ab, er bleib bodenständig. Stilistische Marotten waren ihm fremd. Sein Vortrag hat immer einen volksliedhaften Ton. Solche Eigenschaften kommen beim deutschen Programmteil an stärksten zum Tragen, weshalb die Fenton-Arie besonders gut gelingt. Großer Wert wurde auf das Remastering gelegt, das auch im informativen Booklet genau erklärt ist. So präsent, so klar und einschmeicheln dürfte Fritz Wunderlich selten geklungen haben.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • So präsent, so klar und einschmeicheln dürfte Fritz Wunderlich selten geklungen haben.


    Lieber Rheingold,


    Deine Bemerkung bezieht sich vermutlich nur auf CD???


    Wunderlichs Stimme war zwar ausgesprochen phonogen, aber ihn live zu hören war doch noch eine anderer Eindruck!
    Darüber habe ich ja schon mehrmals geschrieben!


    Liebe Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Ja, lieber Caruso, diese Bemerkungen beziehen sich auf die CD, sie haben nach meiner Auffassung aber auch ganz allgemein Gültigkeit. Wenn man so will, singt Wunderlich ja vieles gleich, gleich schön und gleich betörend. Leider ist es mir nicht gegeben gewesen, ihn live zu hören. Ich bin auf die Aufnahmen angewiesen. Es geht mir aber immer wieder durch den Kopf, wie er wohl geklungen haben mag auf der Bühne und im Konzert. Ich erinnere mich an Deine Beiträge zu Wunderlich. Sie sind deshalb so wichtig, weil aus ihnen der Zeitzeuge spricht.

    Es grüßt Rheingold1876


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  • Lieber Rheingold und lieber Caruso,


    auch ich zähle mich zu den Anhängern von Fritz Wunderlich. Mir geht es wie Rheingold, ich kenne ihn nur von der Bild- und Tonkonserve, leider nicht live.


    Glücklicherweise bietet auch yt große Mengen seiner Aufnahmen, und so läuft er oft bei uns. Seine Operettenaufnahmen gehören zu den besten, die ich kenne (eine Ausnahme: Peter Anders mit dem Gondellied aus der Nacht in Venedig). Er ist wohl einer letzten großen Tenöre, die sich auch in diesem leider nicht mehr so populären Genre verewigt hat. "Du Rose von Stambul" oder "Sei gepriesen Du lauschige Nacht" sind 2 Beispiele, die mir sofort einfallen. Auch der frühe Schock war Klasse, aber in den 60-ern leider nicht auf der gleichen Höhe wie Wunderlich. Sein früher und tragischer Tod war und ist ein unersetzlicher Verlust für die deutsche Oper.


    Danke, daß ihr wieder an ihn erinnert habt. Der Beitrag 218 verdient besondere Beachtung.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.


  • Mit "Musik vor Bach" setzt SWR Music die Fritz Wunderlich gewidmete Edition fort. Die Aufnahmen des aus zwei CDs bestehenden Albums entstanden zwischen 1954 und 1957 in der Villa Berg in Stuttgart. Der hörbare Vorteil besteht wiederum darin, dass sämtliche Titel den originalen Bändern entnommen wurden.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Gibt es irgendeinen Sänger,der so umfassend medial dokumentiert ist,wie Fritz Wunderlich? Auch
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    Hallo Sagitt, damit hast Du eine interessante Frage aufgeworfen. Nach meiner Beobachtung gibt es keinen anderen, auf den das so zutrifft. Das liegt natürlich auch daran, dass Wunderlich genau in die Zeit hinein kam, in der der Rundfunk eine große neue Blütezeit hatte, das Fernsehen als Massenmedium aufkam und die Plattenindustrie sehr aktiv war. Das nütze ihm ungemein. Es gab Akteure der besonderen Art wie Emmerich Smola.



    Oder Produzenten, die diesen Namen wirklich verdienten. Ohne solche Begleitung wäre der Aufstieg von Wunderlich nicht vorstellbar. Talent ist nicht alles. Es muss auch erkannt, gefördert und langfristig begleitet werden. Bevor Wunderlich zu dem wurde, als den wir ihn in Erinnerung haben, hat er schon unglaublich viele Rundfunkproduktionen gemacht. Die sind erst nach seinem Tod auf Tonträger gelangt. Und es kommen immer noch unbekannte Aufnahme hinzu. Es gäbe noch viel zum Thema zu sagen.

    Es grüßt Rheingold1876


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  • Gibt es irgendeinen Sänger,der so umfassend medial dokumentiert ist,wie Fritz Wunderlich? Auch
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    Lieber Sagitt, lieber Rheingold,


    Fritz Wunderlich war durch seine Ausnahmestimme, die immer ein inneres Leuchten und emotionale Glut ausstrahlte, eine Ausnahmeerscheinung. Dieses sich Verströmen rührte aus dem totalen persönlichen Einsatz her, den Wunderich jederzeit brachte. Selbstverständlich stürzten sich die Medien auf ihn und produzierten - Gott sei Dank - in kurzer Zeit zahlreiche Aufnahmen mit dem Jahrhunderttenor. Vielleicht dazu eine kleine Anekdote. Wunderlich und Frick probierten in Fricks Haus "Waldfrieden". Wunderlich war es, der immer wieder Wiederholungen wollte, besonders vom Duett "Komm' mein Söhnchen auf ein Wort" aus der "Verkauften Braut". Ich weiß noch, dass Frick schließlich humorig zu ihm sagte: "Fritz jetzt ist es genug. Wir sollten uns noch einige Töne aufsparen, bis die Leut' zahlen." Gretel Frick war auch schon ganz unruhig, weil sie und meine Ingrid längst die Kaffeetafel vorbereitet hatten.
    Bei der Ausgangsfrage ist zu bedenken, dass Wunderlich sehr viel Einzelaufnahmen gemacht hat. Die großen Aufgaben in Opern- Gesamtaufnahmen wären mit Sicherheit gekommen, bzw. waren bereits in Vorbereitung. Wunderlich und Frick planten, z. B. eine Duett-CD zu produzieren. Durch den frühen, unerwarteten Tod des Tenors kam es zur Realisierung dieser sicherlich großartigen Vorhaben nicht mehr. Durch ihre weit längere Sängerlaufbahn dürften Fischer Dieskau, Hermann Prey, Rudolf Schock und Gottlob Frick mindestens ähnlich viele Aufnahmen gemacht haben wie Fritz Wunderlich. Nur der Tenor Wunderlich ist heute noch in stärkerer Erinnerung. Wobei es uns sehr positiv überraschte, dass die von der Gottlob Frick Gesellschaft - aus Rücksicht auf die anderen Plattenlabels - nicht so sehr gewollte 10er Box "König und Komödiant" als erste von allen diesen preisgünstigen Sammelboxen ausverkauft war und nach dem Verramschen leider auch nicht mehr neu produziert wird.
    Ingrid und mich berühren durch diese persönlichen Begegnungen und Erlebnisse alle Diskussionen über Fritz Wunderlich ganz besonders. Die Aussage von Sagitt, dass Wunderlich auch nach 50 Jahren noch Premiumklasse ist, mehr als alle anderen Großen seiner Zeit, kann also bejaht werden.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ja, mein lieber Hans!


    Auch ich besitze eine ganze Reihe an Aufnahmen mit Fritz Wunderluch. Aber wenn ich darüber nachdenke, was er uns an Gesamtaufnahmen an Opern seines Fachs noch hätte präsentieren können, finde ich dies sehr schade. Oft sehe ich mir diesen köstlichen, wunderbaren "Barbier von Sevilla" an:



    Herzlichst Wolfgang

    W.S.

  • Zitat von »Rheingold1876«
    Gibt es irgendeinen Sänger,der so umfassend medial dokumentiert ist,wie Fritz Wunderlich? Auch
    nach 50 Jahren eine Premium Klasse


    Lieber operus, dieses Zitat ist nicht von mir, es stammt von sagitt - und ich habe nicht die Absicht, mich mit fremden Federn schmücken zu lassen. ;)

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Aber wenn ich darüber nachdenke, was er uns an Gesamtaufnahmen an Opern seines Fachs noch hätte präsentieren können, finde ich dies sehr schade.


    So bescheiden ist ja der Nachlass nicht, lieber Wolfgang. Es gibt ja etliche Operngesamtaufnahmen, die im Studio oder unter Studiobedingungen entstanden. Die verfilmte "Daphne" liegt noch immer im Archiv des Bayerischen Rundfunks - und wer weiß was noch. Die Zahl der inoffiziellen Opernaufnahmen ist überwältigend. Ich habe mir auch oft die Frage gestellt, was, wenn Wunderlich mehr Zeit geblieben wäre? Hätte er seine Karriere mit spätestens fünfzig beendet? Wäre er, wie Schock, in seinen späten Jahren auch der Verführung des Fernsehens unterlegen? Würden wir, die ihn sehr schätzen, dann genau so gestöhnt haben unter den Bergen von lässlichen, gar peinlichen Dokumenten?


    Ich frage mich außerdem, was er denn noch alles hätte singen können? Als er starb, zeichnete sich auf deutschen Bühnen die Hinwendung zu den Originlsprachen ab. Eine typische italienische oder französische Stimme hatte er nicht. Die so genannte Spieloper wurde zurückgedrängt. Was also wäre auf der Opernbühne geblieben für ihn? Ich könnte mir eine ähnliche Karriere wie Werner Hollweg vorstellen. Der Mythos Wunderlich ist eng verknüpft mit seinem tragischen Ende.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Ich frage mich außerdem, was er denn noch alles hätte singen können? Als er starb, zeichnete sich auf deutschen Bühnen die Hinwendung zu den Originlsprachen ab. Eine typische italienische oder französische Stimme hatte er nicht. Die so genannte Spieloper wurde zurückgedrängt. Was also wäre auf der Opernbühne geblieben für ihn? Ich könnte mir eine ähnliche Karriere wie Werner Hollweg vorstellen. Der Mythos Wunderlich ist eng verknüpft mit seinem tragischen Ende


    Ja, lieber Rheingold, die Frage kommt einfach immer wieder!
    Darüber habe ich in verschiedenen Beiträgen hier im Forum auch schon geschrieben. Natürlich weiß ich nicht mehr in welchem Thread - es gibt ja etliche Wunderlichthreads. Vielleicht war es aber auch in einem, der sich grundsätzlich mit den Entwicklungspotentialen von Sängern befaßte. Es könnte auch im Zusammenhang der Suche nach dem idealen Lohengrin gewesen sein. Das zu suchen, will ich mir nicht zumuten.


    Deshalb nur kurz:
    Ich habe Wunderlich in den 50er Jahren gelegentlich und in den 60er Jahren sehr häufig live gehört.
    Ich glaube nicht, dass er so bald über das lyrische Fach hinausgegangen wäre. Er hat sich beispielsweise in München massiv dagegen gewehrt den Edgardo zu singen und stand dann lieber als Arturo auf der Bühne - neben dem Edgardo von Georg Paskuda!
    Und es gab auch objektive Gründe für seine Zurückhaltung in allen Fragen der Repertoireerweiterung. Einer davon ist die von Dir schon erwähnte Praxis, dass zunehmend die Werke nur mehr in den Originalsprachen aufgeführt wurden. Aber das will ich jetzt nicht noch einmal hier ausführen.
    Inzwischen ist die Frage, ob Wunderlich den Lohengrin oder den Stolzing hätte singen können, fast ein Dauerbrenner! Sie wird jedenfalls ständig neu aufgerollt. Erstaunlicherweise ist kaum einer für Argumente offen, vor allem die nicht, die von ihm nur wenige oder gar keine Live-Aufführungen gehört haben. Das allein nach seinen Aufnahmen beurteilen zu wollen, scheint mir absurd!


    Wir sollten immer wieder Wunderlich hören und gewiß uns auch gelegentlich über ihn austauschen.
    Aber man muß auch in postfaktischen Zeiten nicht immer aufs neue darüber spekulieren, was gewesen wäre, wenn er nicht so früh gestorben wäre.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

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  • Liebe Taminos,


    beim Stöbern bin ich auf eine 2018 erschienene CD des Künstlers gestoßen mit Werken von Mozarts Zeitgenossen.

    Kennt jemand diese Aufnahmen näher und kann sie evtl. empfehlen?


    Freundliche Grüße Siegfried

  • Mein lieber Siegfried,

    diese Frage habe ich von einem der größten Wunderlich-Fans kaum erwartet. Du solltest doch alles von Deinem Idol in Deiner Sammlung haben. In Kürze kommt eine neue 3er Box mit Aufnahmen von Gottlob Frick heraus und darauf ist auch ein ganz besonders Bonbon. 1964 sangen nach einem Konzert offensichtlich ganz spotan Frick/Wunderlich als Zugabe das Duett Hans/Kezal aus der "Verkauften Braut", da waren die beiden bereits so aufgedreht, dass es eine ganz besondere Aufnahme wurde. Die ist als Bonus einer CD beigefügt. Erstaunlicher Weise wurden auch von Frick noch eine Reihe von Aufnahmen gefunden, die noch nie veröffentlicht wurden. Ich berichte, wenn die Box erschienen ist.

    Herzlichst

    Hans

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Vielen Dank lieber Hans!

    Ja, ich habe in der Tat die meisten der von FW veröffentlichten Tonträger. Üblicherweise werde ich auch von der FW-Gesellschaft in Kusel auf Neuerscheinungen hingewiesen. Doch in diesem Fall war es wohl nicht so oder es ist mir schlicht durch die Lappen gegangen.

    Auf die GF-Box freue ich mich schon und bin gespannt auf deinen Bericht.

    Sei herzlich gegrüßt und gib diese Grüße bitte auch an deine liebe Frau Ingrid weiter. :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Liebe Taminos,


    beim Stöbern bin ich auf eine 2018 erschienene CD des Künstlers gestoßen mit Werken von Mozarts Zeitgenossen.

    Kennt jemand diese Aufnahmen näher und kann sie evtl. empfehlen?

    Lieber Siegfried, die CD, nach der Du in Deinem Beitrag 231 fragst, kenne ich so nicht, wohl aber alle enthaltenen Titel, die auch Dir bekannt sein dürften. Bei Wunderlich ist es - wie Du bestätigen wirst - nicht ganz einfach, die Übersicht zu behalten. Warum ich trotzdem antworte? Mit der CD setzt SWR Music die Bemühungen fort, Aufnahmen dieses Tenors aus dem eigenen Archiv in restauriertem Klangbild zu präsentieren. Ohne diese Rundfunkanstalt und deren Förderung wäre die Karriere von Wunderlich vielleicht nie so verlaufen wie sie verlaufen ist. Inzwischen sind in dieser Reihe schon etliche Titel herausgekommen. Auf dem Cover steht jeweils: "Original SWR Tapes remasterd". Weiter oben war ich ja schn mehrfach auf diese Edition zu sprechen gekommen.


    Was geschieht hinter den Kulissen, bevor ein Album in den Handel kommt? In den Booklet ist zu lesen: "Federführend bei der technischen Betreuung der originalen Bänder auf ihrem Weg vom Archiv über das Studio bis zum fertigen Master für die CD-Veröffentlichung sind die Tonmeister Gabriele Starke und der Ingenieur Boris Kellenbenz." Sie kommen auch selbst zu Wort: Die einzelnen Stücke würden je nach Notwendigkeit entrauscht, gefiltert und im Lautheitseindruck einander angepasst, Pausen nach musikalischen Gesichtspunkten dimensioniert. "Störende Geräusche wie Knacker, Knarzen, Husten und Trittschall werden mit Hilfe von speziellen elektronischen Mitteln gedämpft und entfernt." Nicht genug. Die Tonmeisterin prüfe anhand der Partituren der Originalvorlage die Aufnahmen. "Falls nötig, werden einzelne Töne oder sehr kurze Passagen musikalisch korrigiert." Schließlich arbeiteten die Experten nach "aufwendiger Recherche alle Informationen wie Komponisten, Satzbezeichnung, Künstler etc. als Metadaten in die Trackmarker" ein. Einen entsprechenden Player vorausgesetzt, werden diese Wasserzeichen als CD-Text beim Absielen angezeigt. Ich bin ein großer Fan dieses frischen Klangbiildes. Ich habe aber auch schon kritische Stimmen gehört, die sich Wunderlich so wünschen, wie er zu seiner Zeit geklungen hat. So wie in dieser Edition habe er nie gelungen.

    Es grüßt Rheingold1876


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    Einmal editiert, zuletzt von Rheingold1876 ()

  • Lieber Rüdiger,

    hab herzlichen Dank für diese Erläuterungen, die mir bisher nicht bekannt waren. Zum Glück war es mir vergönnt, den Sänger einige Male live auf der Bühne erleben zu dürfen. Seine Tonträger sind und bleiben traurige Erinnerung.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo zusammen,


    hat jemand von euch schon den u. a. Mitschnitt gehört? Lohnt sich der Kauf? Habe ihn bislang nur bei ebay gefunden.


    Fritz-Wunderlich-034-Don-Pasquale-Live-Mitschnitt-1962-2-CD-034-Neu-034-Rar-TechneAudio


    Gruß

    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Lieber Manfred,


    die Fritz Wunderlich Gesellschaft in Kusel bewirbt diese Neuerscheinung wie folgt:


    Fritz Wunderlich "Don Pasquale Live Mitschnitt 1962 / 2 CD" Neu"


    Doppel CD incl. bebildertem Booklet vom Mitschnitt der Opernaufführung "Don Pasquale" im Prinzregententheater der Bayerischen Staatsoper vom 18. Januar 1962. Von TECHNEAUDIO))) für alle Fritz Wunderlich Liebhaber mit modernster Technik aufwendig remastert und produziert.


    Ich habe die Aufnahme bisher noch nicht im Handel gefunden. Weder bei Amazon noch jpc wird sie geführt. Meine Anfrage bei der FWG wartet noch auf Antwort.


    Freundliche Grüße Siegfried

  • Lieber Siegfried, das ist eine höchst mysteriöse Ankündigung. Ich bin auch nicht weiter gekommen. Bei Ebay Italien ist sie angheblich im Angebot, der Bestallbutton aber ist nicht aktiviert. Ein deutscher Verkäufer lässt ausrichten, dass er nicht auf Anfragen antworten können, weil überlastet. Bei TechnoAudio, wo angeblich das Mastering besorgt wurde, ist auch nichts zu finden. :no: Wenn das mal keine Fakenummer ist. Wir bleiben aber dran und hoffen auf einen glücklichen Ausgang.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber Rüdiger,

    von Frau Hirschberger erhielt ich heute die Nachricht, dass die Aufnahme über die Fritz Wunderlich Gesellschaft zum Preis von 26 Euro plus 2 Euro Versandkosten erhältlich ist.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Lieber Siegfried, Dank für die Information. Ich bin froh, dass es die Aufnahme doch gibt und werde sie mir bestellen. :) Es handelt sich ja wohl um eine echte Neuigkeit.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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