Josef Greindl - eine Stimme für Wagner

  • Lieber Armin,


    da kann und will ich Dir nicht widersprechen.


    Das Bessere ist ja bekanntlich immer des Guten Feind. :D


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Lieber Alviano,
    ich muß sagen, daß ich viele Sängerinnen und Sänger partensiell schätze. Das trifft auch auf Greindl zu. Ich schätze z.B. seinen Osmin; weil er der alte grobe Bengel ist, als den ihn Belmonte bezeichnet. Bei Wagner schätze ich seine Interpretationen des Hunding und des Hagen,
    weil er diese böse fahle Stimmgebung rüberbringen kann, aber seine deutschsprachigen Interpretationen von z.B. Philipp, Guardian oder Sparafucile finde ich auch phänomenal. Ansonsten gibt es Sängerinnen und Sänger, die ich wegen einer einzigen Rolle schätze (Welitsch, Salome oder Vinay, Otello). Mein absoluter Lieblingssänger, dem ich auch seine Fehler und Eskapaden verzeihe ist L.Warren.


    :hello:herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Lieber Herbert,


    Mit Leonard Warren favorisierst Du tatsächlich eine der schönsten Stimmen aller Zeiten. Wobei ich bei Warren nicht viele Fehler und Eskapaden wahrnehmen kann. Ich empfinde Wohlklang und Belcanto in Vollendung. Eine meiner Lieblingsaufnahmen ist das Duett: "Der Tempel Brahmas strahlt" mit Björling und Warrren. Unübertrefflich! Übrigens was soll's Gigli, Schock, Elisabeth Schwarzkopf ja selbst Maria Callas waren trotz oder gerade wegen ihrer Manierismen großartige, unvergessliche Sänger.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Operus,


    Es wäre sehr schön, wenn Du mir mitteilen könntest, bei welchem Label das Perlenfischer-Duett mit Björling/Warren erschienen ist, da ich "nur" die Studio-Einspielung Björling/Merrill kenne.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Lieber Herbert,


    da es sich bei diesem Duett um ein beliebtes Wunschkonzert-Stück handelt habe ich es nur als Mitschnitt in einer nicht allzu guten Qualität. Trotzdem hinreißend. Es müsste allerdings im Archiv des SWR sein. Vielleicht hat es ein anderer Tamino als CD. Würde auch mich brennend interessieren, weil ich dann die Aufnahmen nicht nur unbefriedigend auf Band hätte.
    Gruß
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    Original von operus
    Lieber Herbert,


    da es sich bei diesem Duett um ein beliebtes Wunschkonzert-Stück handelt habe ich es nur als Mitschnitt in einer nicht allzu guten Qualität. Trotzdem hinreißend. Es müsste allerdings im Archiv des SWR sein. Vielleicht hat es ein anderer Tamino als CD. Würde auch mich brennend interessieren, weil ich dann die Aufnahmen nicht nur unbefriedigend auf Band hätte.
    Gruß
    Operus


    Es gibt ja eine ausgezeichnete Björling-Diskographie von Henry Henrysson ; ich werde sie mir bei Gelegenheit mal kommen lassen und nachsehen... Aus dem Stand habe ich aber auch das Gefühl, daß Du Dich da irrst ; allenfalls könnten die beiden ja bei einem der "Voices of Firestone"-Konzerte mal zusammen aufgetreten sein.

  • Harald Krahl hat mir heute persönlich geantwortet. Selbst er kennt die von mir erwähnte Aufnahme mit Björling/Warren nicht. Er weist ebenfalls darauf hin, dass bei der bekannten Aufnahme des Duetts "Der Tempel Brahmas strahlt" aus den Perlenfischern der Bariton Robert Merrill gewesen sein könnte. Nachdem auch Armin Zweifel anmeldet glaube ich, dass ich mich geirrt habe. Sorry!
    Ich werde aber irgend wann in meinen alten Bandaufnahmen stöbern, ob ich nicht doch noch fündig werde. Danke für's Mitdenken und die Richtigstellung.
    Herzlichst
    Operus

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  • Auf keinen Fall sollten wir den Sänger Josef Greindl in der deutschen Spieloper vergessen, hier z.B. als Waffenschmied und Tierarzt Stadinger bei Albert Lortzing:



    (with kind permission of fischer @dreamwiz.com)


    Albert Lortzing: Der Waffenschmied (Qu.)
    Aufnahme: 1964, Studio, Berlin
    Dirigent: Christoph Stepp
    RIAS Symphonie-Orchester Berlin


    Georg: Martin Vantin
    Graf von Liebenau: Thomas Stewart
    Hans Stadinger: Josef Greindl
    Irmentraut: Sieglinde Wagner
    Marie: Gundula Janowitz


    LG


    :hello: :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Nachdem ich jetzt den Knappertsbusch-"Ring" aus dem Jahr 1958, aufgenommen in Bayreuth, gehört habe, ist meine Einschätzung von Greindl keine wesentlich andere geworden. Aber: während ich an seinem Fafner und Hunding nicht unbedingt Gefallen gefunden habe, fand ich seinen Hagen vom Ausdruck und der Stimmfarbe her wirklich interessant, da habe ich trotz der bekannten Einschränkungen gerne zugehört und ich fand diesen Hagen phasenweise sehr gelungen. Es ist halt eine - ich meine das beschreibend - recht konventionelle Interpretation, stimmstark, ein Bilderbuchbösewicht.

  • Lieber Alviano,


    ich bin überzeugt, dass Aufnahmen von Josef Greindl Dein Urteil über diesen berühmten Bassisten kaum ändern werden. Den voll überzeugenden Greindl konnte man wirklich nur auf der Bühne in Verbindung mit seiner Darstellungskunst erleben. Sein Hagen war in seinen besten Zeiten durch Stimmstärke durchaus beindruckend. Hört man Ridderbusch in den Mannenrufen, oder Ludwig Webers Posaunentöne, treten eben die stimmlichen Unterschiede deutlich zutage. Ganz zu schweigen von Gottlob Frick, der für mich die Inkarnation des Hagen ist. Seine sängerischen Leistungen zum Beispiel im berühmten Solti-Ring oder noch besser in der bei ORFEO erschienenen Live-Aufnahme aus der Bayerischen Staatsoper (1. September 1955) mit dem mitreißenden Dirigat von Hans Knappertsbusch sind grandios. Besonders Hagens Wacht singt Frick mit solch einer Bedrohlichkeit, Schwärze, dabei aber mit Stimmschönheit - so weit dies in dieser Partie möglich ist - das ist maßstabsetzend.
    Herzlichst
    Operus

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  • Lieber Operus,
    wir wissen ja mittlerweile alle, gottlob durch Deine Beiträge,
    daß Gottlob der Größte war.
    Wir danken Dir dafür.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Ach, lieber Herbert, nun bin ich traurig! Ich habe mich doch in all meinen Beiträgen sehr bemüht, die unbetreitbaren Qualitäten von Josef Greindl ins rechte Licht zu rücken. Nicht umsonst war er einer der bedeutendsten Bässe des letzten Jahrhunderts.Diese Würdigung musste ich schon deshalb machen , weil Gottlob Frick seinen Kollegen, mit dem er sehr häufig auf der Bühne stand, sehr schätzte und bei jeder pauschalen Kritik an Greindl heftig widersprach. Ich schrieb vor vielen Jahren einmal eine harte Kritik über Greindls Rocco. Da wurde ich von Frick schön rund gemacht. Bei Hagen habe ich auch ausdrücklich die Leistungen von Karl Ridderbusch und Ludwig Weber herausgestellt.
    Sicherlich geht es mir bei Frick, wie Dir bei Leonard Warren. "Wess das Herz voll ist läuft der Mund über." Ich will aber aufpassen, dass meine Aussagen nicht zu missionarisch werden, sonst verlieren sie an Überzeugungskraft. Deshalb danke für Deine "milde. ironisch nett verpackte Kritik". Ich gelobe Besserung -Rückfall leider nicht ausgeschlossen. Ich bitte alle Taminos schon im voraus um Nachsicht.
    Herzlichst
    Operus
    :hello::hello:

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  • Lieber Herbert,


    während draußen ein Schneesturm ums Haus tobt, habe ich mir eine Platte aufgelegt, die in die südlichen Gefilde und in die Geschichten aus tausendundeiner Nacht entführt:


    Christoph Willibald Glucks kleine Oper: "Der betrogene Kadi"
    in einer Rundfunkproduktion aus dem Frankfurt der Nachkriegszeit, leider nie kommerziell erhältlich gewesen. Das ist die Besetzung:


    Der Kadi - Josef Greindl
    Fatime, seine Frau - Lore Hoffmann
    Nouredin - Petre Munteanu
    Omega - Anneliese Rothenberger
    Zelmire - Maria Stader
    Omar - Horst Güter


    Frankfurter Rundfunkorchester
    Leitung: Walter Martin


    Aufgenommen im Jahre 1953 in Frankfurt.


    Ein nicht namentlich genannter Erzähler führt durch die Handlung.
    Die Sänger sind ganz vorzüglich, eine absolute Luxusbesetzung für ein so kleines Stück - unser Gluck-Experte Peter weiß dazu sicher mehr!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald,
    vielen Dank für Deine Vorstellung dieses entzückenden kleinen Singspiels. Es ist ja auch ein Wiederhören mit dem großartigen rumänischen Belcanto-Tenor Munteanu und des vielbeschäftigten soliden Baritons Horst Günter.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Lieber Operus,
    wir wissen ja mittlerweile alle, gottlob durch Deine Beiträge,
    daß Gottlob der Größte war.
    Wir danken Dir dafür.


    Lieber Herbert,


    ausgerechnet von Dir kommt so eine Anmerkung :D. Versuchen wir nicht alle irgendwie, unsere Lieblingsaufnahmen vorzustellen? Möglicherweise taucht dann der eine oder andere Sängername etwas häufiger auf... Allerdings fand ich, dass operus dass hier recht sympathisch gemacht hat, in dem er Vergleiche gezogen und verschiedene Vorzüge von zwei prominenten Sängern
    gegeneinander abgewogen hat, mir hat das Spass gemacht.

  • nun muss ich "Jetzt-Berliner" auch mal etwas über Josef Greindl schreiben, der der Berliner Opernwelt fast seine ganz Sängerlaufbahn treu geblieben war(Staatsoper,Städt.Oper,Dt.Oper).Beeindruckt hat mich immer seine Vielseitigkeit,:Ich erlebte ihn als König Heinrich,als andgrafen,aber auch als Osmin und Sarastro, König Philipp II und als Simon in Haydns "Jahreszeiten".Ich h.
    Ein ERzkömödiant wie der oft überzeichnendeabe darüber hinaus etliche Aufnahmen mit ihm,u.a. als Sparafucile in der legendären Aufnahme aus 1944 mit schlusnus.
    Ich fand ihn darstellerisch als auch gesanglich immer hervorragend, mag ihm ach die Interpretation desy Osmin in der Rundfunkaufnahme RIAS 1949 besser gelungen zu sein als in der wenig später erschienenen Studioaufnahme, übrigens beide unter Fricsay.
    Ein ERzkömodiant wie etwa der oft überzeichnende Kurt Böhme war er sicher von seinem Naturell nicht.
    Ich htte als Jungendlicher mal auf NDR die Arie des Kaspar "Schweig,damit Dich niemand warnt" gehört und habe das unheimlich Diabolische sener Darstellung eigentlich bis heute nicht vergessen.

    friedrichsfelde

  • Zitat

    Original von vitelozzo-tamare
    Gerade als Sachs rechne ich ihn zu den überzeugendsten Interpreten. Er bietet keinen eleganten belcantistischen Schusterpoeten, dafür eignete sich die Stimme nicht, sondern einen ironischen, sehr differenzierten und nachdenklichen Handwerker, der Eva eher väterlich genenübertritt und auch für einen fränkischen Ritter eine Autorität darstellen kann. Wer Gelegenheit hat, an eine der Aufnahmen (Bayreuth 60 unter Knappertsbusch oder 64 unter Böhm, beide bei Golden Melodram) zu kommen, sollte sich unbedingt überzeugen.


    Dem kann ich nur beipflichten, kenne jetzt die Knappertsbusch-Aufnahme, die auch anderweitig großartig ist.
    Kann auch keinen "merkwürdig pathetische[n] Ton", wie hier schon geschrieben wurde, feststellen; ganz im Gegenteil gestaltet Greindl den problematischen Schlußmonolog ohne jede Deutschtümelei, vielmehr sehr ruhig, fast schon verinnerlicht.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hier wurde erwähnt, daß Greindl auch den Holländer sang. Bisher gelang es mir allerdings nicht, eine Aufnahme ausfindig zu machen – nur immer als Daland.
    Nicht, daß mir das nicht passen würde, aber offensichtlich gibt es ihn ja auch in der Titelrolle.


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Joseph II.
    Hier wurde erwähnt, daß Greindl auch den Holländer sang. Bisher gelang es mir allerdings nicht, eine Aufnahme ausfindig zu machen – nur immer als Daland.
    Nicht, daß mir das nicht passen würde, aber offensichtlich gibt es ihn ja auch in der Titelrolle.


    :hello:


    Das dürfte lt Ommer diese Aufnahme sein:


    Aufnahme: 16.10.1966, live, Tokio
    Dirigent: Lorin Maazel
    Orchester der Deutschen Oper Berlin
    Chor der Deutschen Oper Berlin
    Product Code: Omega Opera Archive 1642 (2 CD)


    Daland: Peter Lagger
    Der Holländer: Josef Greindl
    Erik: Hans Beirer
    Mary : Sieglinde Wagner
    Senta: Nadézda Kniplová


    [Richard WagnerZeno.org: A. Ommer: Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen, S. 22429]


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Alviano
    Als Mozart-Interpret ist Greindl deplaziert - da stösst der Sänger doch schnell an Grenzen [...]


    Na, ich weiß nicht. Er sang den Komtur unter Fricsay '61 sehr gut, meine Meinung.


    Wer kennt diese Aufnahme von 1948?



    Mit dem 23jährigen (!) Fischer-Dieskau. Greindl singt scheinbar den König.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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  • Zitat

    Original von Alviano
    Als Mozart-Interpret ist Greindl deplaziert - da stösst der Sänger doch schnell an Grenzen


    Ich hätte Greindl aber sehr gerne als Osmin gesehen. Denke, daß er eine fabelhafte Darstellung gegeben hätte. Er galt ja als Bühnentiger. :yes:


    LG, Paul

  • Also es gibt mindestens drei "Entführungen" mit Greindl:



    Fricsay 1949



    Fricsay 1954



    Böhm 1956 (laut JPC 1856 :D)

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von musicophil


    Ich hätte Greindl aber sehr gerne als Osmin gesehen.



    Lieber Paul,



    SEHEN dürfte schwierig werden ;), hören sollte sich in dieser Aufnahme aber bald machen lassen:


    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Die Entführung aus dem Serail


    Erika Köth, Anton Dermota, Hanny Seffek, Murray Dickie, Josef Greindl, RSO Hessen, Karl Böhm
    Label: Walhall , ADD/m, 1956




    LG, Elisabeth

  • "König des Baßfachs ist Josef Greindl. In ihm hat Josef von Manowarda seinen legitimen Nachfolger gefunden. An Greindls Seite wächst zum anderen Bayreuther Bassisten Arnold van Mill auf."


    – DIE ZEIT, 08.08.1957 Nr. 32



    "Umstellungen waren auch im Baßfach Zu beobachten. Neben dem wahrhaft führenden Josef Greindl (Daland, Pogner) rückte Theo Adam auf, der nun dem König Heinrich Wohlklang und Profil gab."


    – DIE ZEIT, 31.07.1959 Nr. 31



    "Es gab unter den bisher absolvierten Aufführungen der Neubayreuther Jubiläumsspielzeit noch ein weiteres Hörerlebnis: Knappensbuschs „Meistersinger", die Eröffnungsvorstellung. In dieser Vorstellung macht ein großer Sänger ein Experiment mit sich selber: Der Bassist Josef Greindl sang erstmals den Hans Sachs. Es war seine 13. Bayreuther Partie, und die Zahl 13 bedeutet für Theaterleute (anders als für Hotelgäste) eine Glückszahl.


    Deshalb muß man's wohl Herrn Greindl, diesem hochbedeutenden Sänger und Darsteller, sagen: Mißtrauen Sie dem Dreizehner-Glück, und bleiben Sie bei Ihren tiefen Baßpartien. Gewiß, Sie waren gut, viel besser, als hundert andere Sachse sich's träumen. Aber Ihr eigener Pogner früher war doch viel geschlossener, baßgewaltiger, als das jetzt Ihrem Nachfolger Theo Adam möglich ist. Muß denn das Bäumlein durchaus gewechselt werden, weil jeder Bassist lieber eine Etage höher singen möchte, weil jeder Bariton lieber Tenor wäre? Darf ich Sie erinnern: Ihr großer Vorgänger Josef von Manowarda, den Sie vollauf ersetzt haben, durfte den Sachs nur in Dresden singen; in Berlin und Bayreuth war er, weil Tietjen seine Sänger lieb hatte, tiefer Bassist. Bleiben auch Sie auf Ihrer einsamen Höhe, die in der Tiefe liegt."


    – DIE ZEIT, 29.07.1960 Nr. 31



    Was mich am meisten wundert, ist, daß der Name Frick nirgends fällt ...

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich bin ein großer Bewunderer von Josef Greindl. Er hat zahlreiche sehr gute Aufnahmen hinterlassen, ich mag vor allem seinen Pogner.


    Mein Eindruck ist aber, dass er nach seinen Sachsen (die er ja in mehreren Jahren sang) nachließ, weil das wohl doch zu schwer war. Teilweise klingt er dort arg nasal, aber natürlich ist die Textverständlichkeit exzeptionell.
    Wenn man sich dagegen seinen Daland zu Gemüte führt, den er ebenfalls in den Sechzigern in Bayreuth sang, läuft es einem kalt den Rücken herunter. Das ist- Verzeihung bitte!- nur noch heiser gebrüllt. Aber wie gesagt: Das mindert seine Lebensleistung kaum.



    :hello:

  • Bei Greindl komme ich immer ins Schwärmen, zugegeben. Die oft harsche Kritik an ihm konnte ich nie so recht nachvollziehen. Ich habe ihn anfangs gemieden, da man ja wenig Gutes über ihn (hier) liest. Als ich ihn dann aber doch mal hörte, fand ich ihn wirklich gut, ja sogar hervorragend. Eine markante Stimme, die man sofort erkennt.


    Basti spricht von seinen Sachsen (er sang sie 1960–64 in Bayreuth). Zumindest 1960 ist er in Top-Form. Für mich ist Greindl in diesem Mitschnitt nicht nur Sänger des Sachs, er ist Sachs (sorry, Herr Schöffler :D). Will ich Sachs als Schuster mit durchaus tiefsinnig-intellektuellen Momenten (Schlußansprache!) hören, ist Greindl meine erste Wahl. Angestrengt klingt er mir hier übrigens gar nicht; es mag sein, daß die Partie auf Dauer zu viel war für einen "echten" Baß, deswegen trennte er sich wohl auch recht früh wieder davon.


    Ich habe vor einigen Tagen einen Vergleich einiger bedeutender Hagen-Interpreten gemacht, u. a. Greindl (Böhm '67), Frick (Solti '64), Salminen (Levine '90). Ich müßte lügen, würde ich sagen, daß mir Greindl nicht gefiel, mehr noch: er gefiel mir am besten. Es ist wohl etwas an seinem Timbre, was mich fasziniert. Da er mir noch 1967, also eigtl. relativ spät, so gut gefällt, bin ich auf seine früheren Hagen aus den 50ern noch sehr gespannt.


    Weitere Rollen, die Greindl m. E. mehr als adäquat sang, sind König Heinrich, Gurnemanz und Daland (zurecht bereits erwähnt). Er konnte also die gesamte Bandbreite vom teuflischen Hagen über den geldgierigen Daland, den gewitzten Sachs, den imposanten König Heinrich bis hin zum väterlich-gütigen Gurnemanz abdecken. Und das ist wahrlich eine Leistung! (Seinen Holländer kenne ich noch nicht.)

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Joseph II.


    Dein Urteil über Josef Greindl ist von emotionaler Wertschätzung, Verehrung, ja Liebe geprägt. Wunderbar - bleibe dabei. Du verehrst einen Großen und Würdigen. Nur akzeptiere bitte, dass andere Kenner der Szene und auch die internationale Kritik (Steane, Mann, Kesting) gerade beim Hagen differenzierter urteilen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Operus,


    danke für die treffende Beschreibung meiner "Greindl-Philie".


    Mein Landsmann Josef Greindl ist streitbar, heute habe ich es wieder erfahren, als ich einem Bekannten, durchaus beschlagen in der Oper, diverse Auszüge mit Greindl in einigen Rollen (Sachs, Hagen, Gurnemanz) zeigte. Er fand ihn "deklamatorisch" (Sachs) und etwas "schreiig" (Hagen). Seinen Gurnemanz fand er dagegen sehr gut.


    Wie man hier wiederum sieht, ist doch auch der eigene Geschmack immer ein wichtiges Kriterium. Greindls Kollege Hans Hotter, von vielen hier im Forum als "unerträglich" bezeichnet, hat aber selbst sehr junge Verehrer. Sein "wobble" macht ihn charakteristisch, einzigartig, sofort erkennbar, nicht austauschbar. Sakrosankte Stimmen (wir hatten das Thema ja neulich), bei denen jede Kritik im vornherein quasi unmöglich erscheint, sind m. E. auch nicht das Wahre. Sie sind vielleicht sogar langweilig dadurch. Greindl erkenne ich etwa sofort, was ich von manch anderem nicht behaupten würde.


    Wieland Wagners bevorzugter Baßist war Josef Greindl, das geht aus den Besetzungsstatistiken dieser Jahre hervor. Mit dem Ende der Ära Wieland kam auch fast zeitgleich das Ende der Ära Greindl in Bayreuth. Er ist nicht wegzudenken aus dem goldenen Neu-Bayreuth der 50er und 60er, eben ein Original. Und dem verzeiht man so manche Schwäche.


    Hier noch ein schöner Auszug, der es, wie ich meine, gut auf den Punkt bringt:


    "Für Josef Greindl bedeutete der Hans Sachs in Bayreuth 1960 eine Krönung seiner Karriere. 1943 hatte er als Pogner in Bayreuth begonnen, um nun die schweren Partien des Heldenbaritons zu übernehmen. Greindls Sachs ist seit 1960 für Jahre ein Ereignis für jeden gewesen, der ihn in dieser Partie erleben konnte. Für die Inszenierung Wieland Wagners war er der vierte Darsteller der Partie, nach Hans Hotter, Gustav Neidlinger und Otto Wiener. Zweifellos entsprach er dem Typ, den der Regisseur anstrebte, am meisten: seine Stimme war ausladender als die des helltimbrierten Otto Wiener, klarer in der Diktion als Hotters verhaltene Tongebung von 1956 und nuancenreicher als Gustav Neidlingers mehr dem Charakterfach zuneigender Schusterpoet. Vielleicht hat sich Greindl einige Jahre zu spät entschlossen, die Baritonpartien zu übernehmen, für die ihn seine stimmlichen Mittel bereits Anfang der fünfziger Jahre prädestinierten: Weniger in den 'Meistersingern', wo sich die Figuren Pogner und Sachs nicht so grundlegend unterscheiden, sondern im 'Fliegenden Holländer' und im 'Ring' war das Publikum zu sehr an Greindl als Daland, Hunding und Hagen gewöhnt, um ihn nun so schnell in den Partien Holländer und Wotan anzunehmen. Als Hans Sachs jedoch ist Greindl eine Institution des Neuen Bayreuth geblieben, solange die Ära Wieland Wagners andauerte." (zit. aus: Beiheft zu "Die Meistersinger von Nürnberg", Dir.: H. Knappertsbusch, Bayreuther Festspiele 1960, GM 1.0029)


    Liebe Grüße
    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Joseph II,
    Als grossen Greindl-Fan angesprochen möchte ich Sie auf die Video-Aufzeichnung der Schusterstuben-Szene der Meiststersinger von 1963 ansprechen. Bei Bedarf melden Sie sich bei mir und ich mache Ihnen gerne eine DVD.
    Mit freundlichen Grüssen

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