Ruggero Raimondi - nicht nur der "Don Giovanni"

  • Zitat

    Original von Basti
    ... singt Herr Raimondi "Scintille, diamant"- exzellent, wenn auch in etwas drolligem Französisch.


    Ich denke, Honoria hat Recht. Wenn man Raimondi schon live gehört hat, weiß man, wie kraftvoll selbst jetzt noch seine Stimme ist.
    Übrigens spricht Ruggero Raimondi fließend französisch. Vor Jahren konnte ich noch einen französischen TV Sender empfangen und da kam eine Talkshow mit Raimondi.
    Übrigens hat er in dieser Sendung live die Sterbeszene aus Boris Godunow gesungen. Es war das Beste, was ich je von ihm gehört habe. Er hatte gegen Ende die Augen geschlossen und erwachte wie aus einem Trancezustand am Ende seines Vortrags. Unter den Talkshowgästen befand sich ein Regissuer, der wohl mit ihm diese Oper verfilmt hatte. Er war derartig gerührt von Raimondis Vortrag, dass er ihn mit Tränen in den Augen umarmte.


    LG
    Jolanthe

  • Mein „Erlebnis“ mit Raimondi ist ziemlich aktuell: Im Internet schnappte ich mir günstig die DVD der Losey-Verfilmung von „Don Giovanni“ (1979), auch deshalb, weil mein erster persönlicher Kontakt mit einem anderen Interpreten der legendären Operninszenierung bald bevorstand. Sicher ist nicht alles Gold, was in dieser Aufnahme glänzt (z.B. bei YouTube findet man sehr konkrete Einwände), aber wer kann sich diesem Sinnesrausch schon entziehen? Allenfalls doch nur Puristen, die darauf beharren, dass das Musiktheater auf die Bühne und nicht ins Freie gehöre.


    Mitte Oktober in Köln war zu meiner faustdicken Überraschung just der inzwischen 68-jährige Starbassist aus Italien mit der charismatischen Mimik in Rossinis „Die Italienerin in Algier“ für die große Partie des Mustafa, des Bey von Algier, besetzt. Es handelte sich um jene 1987 für die Wiener Staatsoper ausgearbeitete Inszenierung des – im darauffolgenden Jahr vor der Zeit verstorbenen – unvergessenen Regie-Genies Jean-Pierre Ponnelle. Meine Vorfreude auf das Live-Erlebnis mit dem Star der Losey-Verfilmung platzte jäh, als gemeldet wurde, dass Ruggero Raimondi kurzfristig seine Teilnahme abgesagt hatte und durch – den zugegeben erstklassigen – Simone Alaimo ersetzt werde.
    Bemerkenswert ist indes die offizielle Begründung für Raimondis Absage: Er habe die Rolle des Mustafa "aus seinem Repertoire genommen"! Rund zwei Wochen vor der Wiederaufnahmevorstellung gehörte diese Rolle noch zu seinem Repertoire, und das Kölner Publikum rechnete fest mit dem legendären „Don Giovanni“-Sänger.


    Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist, was Raimondi in einem – m.E. von beiden Seiten sehr intelligent geführten – Interview mit dem Magazin Opernwelt (http://www.dieter-david-scholz…lz_portraits_raimondi.htm) anlässlich seines 60. Geburtstags anno 2001 zu eben jener Rolle erklärte:
    "Wenn ich den Mustafa in der 'Italienerin in Algier' singe, dann muß ich zunächst dramatisch, dann sehr komisch und am Ende sehr traurig sein. Von außen betrachtet, ist das eine Buffopartie, aber für mich eine sehr menschliche, in der ich alle Facetten meiner persönlichen Erfahrungen als Mensch einbringen kann. Und das Schöne ist, daß ich darüber lachen darf, singend!"

  • Heute wird er 70:
    Ruggero Raimondi (* 3. Oktober 1941 in Bologna) ist ein italienischer Opernsänger (Bass-Bariton) und Filmschauspieler.
    Er studierte in Mailand und Rom und debütierte 1964 in Spoleto als Colline in La Bohème. 1968 debütierte er an der Mailänder Scala und 1970 an der Metropolitan Opera.
    Raimondi, der als Nachfolger Cesare Siepis gilt, wird seit 30 Jahren international als einer der größten seines Fachs angesehen



    :jubel::jubel::jubel:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Raimondi, der als Nachfolger Cesare Siepis gilt, wird seit 30 Jahren international als einer der größten seines Fachs angesehen

    Das ist eine Behauptung, die erst einmal bewiesen werden müsste. Kurze Statements oder small talks, na ja! Ich weiß natürlich sehr wohl, was er für ein überragender Sänger er war und immer noch ist. Leider habe ich ihn nur via TV und auf Tonträger (DVD und CD) gesehen und gehört. Hoffentlich reicht es diesmal. Zum Siebzigsten auch von mir die besten Wünsche mit Dank an Harald. Manchmal frage ich mich. was Harald eigentlich nicht weiß? Danke.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Von Harald Kral:

    Zitat

    Raimondi, der als Nachfolger Cesare Siepis gilt, wird seit 30 Jahren international als einer der größten seines Fachs angesehen


    Hallo!


    Das kann ich so auch nicht bestätigen. Für mich war Cesare Siepi ein excellenter Basso profondo, während Raimondi mehr ein Baß-Bariton ist. Natürlich überschneiden sich die Stimmfächer. Siepi sang auch den "Don Giovanni", während Raimondi für diese Rolle viel prädestinierter ist.


    Ich hatte das große Glück, Raimondi in Bonn zweimal als Mephisto in Gounods "Margarethe" zu erleben. Diese Rolle gestaltete und sang er hervorragend.

    W.S.

  • Zitat

    Raimondi, der als Nachfolger Cesare Siepis gilt, wird seit 30 Jahren international als einer der größten seines Fachs angesehen


    Ich war nie ein Fan von Raimondi, auch wenn man seine Leistungen als Interpret durchaus anerkennen kann (weit mehr als seine sängerischen). Als Sänger hat er mit immer zuviel gegrölt, zu viele Unsauberkeiten, diese ständige Verfärben der Vokale, oft geradezu vulgär - da wird er allerdings von Furlanetto noch weit übertroffen. :rolleyes:
    Ich habe auch den Vergleich mit Schaljapin gelesen - dem ist er zwar alles in allem im Zweifelsfall noch ähnlicher als Siepi - aber doch meilenweit entfernt.

  • Ich war nie ein Fan von Raimondi

    Auch ich konnte und kann der Stimme Raimondis nicht übermäßig viel abgewinnen. Alles klingt irgendwie gleich. Dramatische Szenen singt er mit dröhnendem Einheitsklang, messa di voce ist gar nicht seine Sache.
    Dennoch besitzt er eine markante Stimme und macht auf der Bühne durch seine imposante Erscheinung meist auch mächtig Eindruck.

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Hallo Manfred,


    mir geht es ganz genauso. Ich habe Raimondi nie live gesehen und kenne ihn nur aus Opernverfilmungen (Don Giovanni, Scarpia). Als singender Schauspieler ist er grandios, wenn man ihn nur hört, finde auch ich seine Darbietungen reichlich monochrom, und von der dargestellten Figur kommt kaum was rüber.


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Das hat es immer gegeben, daß Sänger auf der Opernbühne überzeugten - und auf der CD "farblos" wirkten. Ich habe "farblos" bewusst unter Apostroph gesetzt, weil es das ja nicht wirklich trift, bzw übertrieben ist.
    Andere Sänger indes betören auf Tonaufzeichnungen geradezu, aber wenn man sie dann live in der Oper hört oder ein Video von ihnen sieht, dann ist man (mehr oder weniger) enttäuscht.


    Aber seine wir ehrlich - im Bereich der Oper zählt der Gesamteindruck. Und unter diesem Aspekt gesehen ist Raimondi einfach ganz vorne mit dabei. Ich weise gerne auf die Videaufzeichnung von "Les contes d´Hoffmann" in der Inszenierung und Aussatattung von Pier Luigi Pizzi hin, wo er die Bösewichter-Rollen GESTALTET, nein nicht singt oder spielt GESTALTET.
    Und das mit einem Minimum an mitteln. Da wird nicht aufgetrumpft, sonder elegant agiert, und dennoch hat man sofort beim ersten Auftritt die Sicherheit: "Das ist der Teufel in Person"...... (Die Aufnahme stammt von 2005 und wurde von mir im entsprechenden Forenbereich besprochen)






    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hallo, Alfred!


    Ich gebe dir in allen Punkten recht. Diese Partien kann Raimondi perfekt gestalten und singen. Aber der obige Vergleich mit Siepi ist mir suspekt. Siepi war ein "echter Baß" und hatte garnicht die Höhe, um solche Partien singen zu können. Daher konnte Raimondi nicht mit Siepi verglichen werden und war daher nicht dessen legitimer Nachfolger.



    Gruß Wolfgang

    W.S.