Siegfried Vogel - ein universeller, verlässlicher Qualitätsgarant

  • Siegfried Vogel erblickte am 6. März 1937 in Chemnitz das Licht der Welt. Bereits im Alter von 18 Jahren wurden seine stimmlichen Anlagen und seine musikalischen Fähigkeiten erkannt. 1955 -56 erhielt er den ersten Gesangsunterricht. Er studierte dann weiter an der Hochschule für Musik in Dresden und erhielt seinen letzten Schliff im Opernstudio der Semperoper. 1959 begann er dort seine erfolgreiche Bühnenkarriere. Hier hatte er zunächst vor allem als Mozart-Interpret große Erfolge. 1965 wurde er an die Berliner Staatsoper engagiert.An dem renommierten Haus sang er praktisch alle großen Partien des Bassfaches. Seine stimmlichen Möglichkeiten erlaubten es Vogel, sowohl die Tiefen eines Ochs, aber auch die baritonalen Höhen des Figaro, ja selbst die des Escamillo auf hohem Niveau zu meistern. Aus den vielen Partien, in denen Vogel glänzte, seien nur einige wichtige genannt: Boris Godunow, Hans Sachs, Wotan, Kezal, Osmin, Kaspar, König Heinrich, Hunding, Gurnemanz, Pogner, Fasolt, Morosus usw. Mit dem Ensemble der Berliner Staatsoper unternahm er mehrere Auslandstourneen, unter anderem ein Japan-Gastspiel. Vogel war ein gern gesehener Gast, u. a. am Bolschoj Theater in Moskau, der Grand Opera in Paris, der Mailänder Scala, Covent Garden in London, in Wien, Brüssel, New York, San Francisco, Madrid, Palermo, Stockholm. Beachtete Erfolge feierte er auch bei den Salzburger- und Bayreuther Festspielen. Siegfried Vogel war also einer der weltweit gefragten Solisten. Zugleich galt er als hervorragender Konzert- und Oratorienbassist, vor allem als Interpret der Werke von J. S. Bach und G. F. Händel. Seine Stimme ist in zahlreichen Gesamtaufnahmen und ihm gewidmeten Recitals verewigt.
    Privat gewinnt Siegfried Vogel durch seine natürliche, unkomplizierte Art und seine eloquente Kommunikation spontan Kontakt und Sympathie.
    Der Autor dieses Beitrags hat sich bereits über mehrere interessante, persönliche Begegnungen mit dem so gewinnenden Sänger Siegfried Vogel freuen dürfen. Die nähere Beschäftigung mit diesem universellen Bassisten lohnt sich.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Hallo, Operus
    Möchte Deinen Bericht bestätigen und Dir danken. Siegfried Vogel war seinerzeit ein wichtiges Ensemblemitglied der Deutschen Staatsoper, in vielen Partien eingesetzt.
    Ich habe ihn mehrmals im Rigoletto als Sparafucile live erlebt. Er ist mir in guter Erinnerung geblieben.
    Gruß
    CHRISSY

  • Hallo, Taminos!


    Siegfried Vogel hat uns einige sehr schöne Aufnahmen hinterlassen. Ich erinnere nur an seinen MEPHISTO in einem Querschnitt aus "Margarete" von Gounod auf einer CD von Eterna. Mit Celestina Casapietra, Peter Schreier und Wilfried Schaal. Die Ltg. hat Herbert Kegel. Auch auf Eterna gibt es einen Querschnitt mit Siegfried Vogel in der "Macht des Schicksals", unter dem Dirigenten Giuseppe Patané.



    Gruß Wolfgang

  • Hallo zusammen,


    ich kenne Siegfried Vogel von vielen deutschsprachigen Opernquerschnitten. Auch seine Interpretation der "Winterreise" von Schubert gefällt mir ganz gut (Aufnahme v. 1983, Rudolf Dunckel begleitet am Klavier).




    Gruß
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Siegfried Vogel ist ein Bassist, dessen stimmliche Möglichkeiten vom Escamillo in "Carmen" bis hin zu Osmin und Ochs reichen. Selbst den Boris Godunow und einen allseits anerkannten Hans Sachs hat er mit großem Erfolg verkörpert. Zugleich war er ein hervorragender Konzert- und Oratorienbassist. Er wirkte auch in Uraufführungen der Opern "Lanzelot" von Paul Dessau, "Joe Hill" von Alan Bush und "Reiter in der Nacht" von Ernst Hermann Meyer mit.
    Welch ungemein große Spannbreite des sängerischen Wirkens! Aus Rezensionen und vor allem aus den Urteilen von Kollegen ist immer große Wertschätzung für Siegfried Vogel zu hören. Der Tenor der Anerkennung lautet: "Wenn der Siggi auf der Bühne steht ist Sicherheit, Verlässlichkeit und hohe sängerische Qualität garantiert." In den vorhandenen Tondokumenten wird dieses Urteil nachdrücklich bestätigt. Zu hören ist eine warme Stimme, technisch gut geführt, sonor und samtig, voll Schönheit im Klang und im beweglich fließenden Melos des Gesangs. Auch in kleineren Partien bewies Vogel sein großes Können. So läßt er in der berühmten Gesamtaufnahme von Lortzings "Zar und Zimmermann" unter Robert Heger aus dem Jahr 1966 durch besondere Stimmschönheit in der Paritie des Admiral Lefort aufhorchen und das neben Größen wie Gedda, Schreier, Prey und Frick.
    Die Stimme des 1937 in Dresden geborenen Siegfried Vogel wurde im Alter von 18 Jahren entdeckt. 1955 -56 erhielt er ersten Gesangsunterricht in Dresden bei Arletta Hypius. Er studierte dann an der Hochschule für Musik in Dreseden. Er vollendete seine Ausbildung im Opernstudio der Staatsoper Dresden ,begann an diesem Haus 1959 seine Bühnenkarriere. Hier wurde er vor allem als Mozart- Interpret geschätzt. 1965 wurde er an die Berliner Staatsoper verpflichtet und sang dort mit großem Erfolg die wichtigsten Partien im Bassfach. Vogel teilte allerdings das Schicksal der meisten Spitzensänger der ehemaligen DDR, die internationale Karriere war ihnen in velen Jahren ihrer Sängerkarriere weitgehend verwehrt. Erst als der Eiserne Vorhang durchlässiger wurde, konnte die internationale Karriere des Bassisten beginnen. Gastspiele führten den Sänger u. a. an die Grand Opera nach Paris, Lausanne, an die Mailänder Scala, nach Brüssel, Moskau, Stockholm, Venedig, Helsinki, Amsterdam, Budapest, Kairo, Nizza und Wien. Ab 1986 wurden sogar Auftritte an der Metropolitan Opera New York möglich. Bei den Salzburger Festspielen hatte er 1979 einen großen Erfolg als Ochs im "Rosenkavalier". Von 1982 - 1989 erlebte man Vogel, der auch als Wagner-Sänger renommiert war, bei den Bayreuther Festspielen. Siegfried Vogel wird also als ein Sänger in Erinnnerung bleiben, der immer als Garant für hohe sängerische Qualität und beeindruckende darstellerische Leistungen galt und der trotz der großen Schwierigkeiten, die Sänger aus der DDR überwinden mussten, eine beeindruckende Weltkarriere gemacht hat.


    Herzlichst
    Operus

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  • Zitat von Operus

    Siegfried Vogel - ein Garant für sängerische Qualität!

    Ja, mein lieber Hans!


    Siegfried Vogel muß man kennen, wenn man deutsch-gesungene Opern hört. Ich besitze zwar nicht viele Aufnahmen von ihm, habe ihn aber als Mephisto und Timur vor Kurzem erst gehört. Ein sehr guter Baß.


    Gruß Wolfgang

  • 1965 wurde er an die Berliner Staatsoper verpflichtet und sang dort mit großem Erfolg die wichtigsten Partien im Bassfach.


    In den 70-/ 80- er Jahren habe ich ihn mehrmals live an der Berliner Staatsoper z. B. in La Boheme und als "Sparafucile" im Rigoletto erlebt. Selbst in dieser relativ kleinen Partie war er richtig gut und überzeugend und ist mir in sehr angenehmer Erinnerung geblieben.


    Lieber Operus
    Vielen Dank für Deinen Bericht und die verdiente würdigende Anerkennung und Verehrung für diesen großartigen Sänger.
    Was mir aber vor allem gefallen hat, Du gehst auch auf die Hindernisse und objektiven Schwierigkeiten der Künstler ein, die diese in der DDR ertragen mußten. Vielen blieb durch die diktatorische Politik des Staates Ruhm und internationale Bekanntheit versagt. Die Künstler, vor allem der Berliner Staatsoper, und damit meine ich nicht nur die hervorragenden Gesangssolisten, sondern auch Orchester, Dirigenten, Ballett, konnten auch international mithalten. Das setzt sich auch in Bezug auf das Schauspiel fort, wie z. B. das "Deutsche Theater".
    Das mußte hier mal von mir gesagt werden, weil es Leute gab und vereinzelt immer noch gibt, die etwas skeptisch und herablassend auf Künstler der ehemaligen DDR blicken.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

  • Lieber Chrissy,


    mein Gott wie ignorant und eingeengt im Denken, Erfassen und Erfühlen künstlerischer Ereignisse muss jemand sein, der die hervorragenden Leistungen die auf musikalischem Gebiet und vor allem im Opernschaffen in der ehemaligen DDR unter schwierigen Umständen vollbracht wurden nicht vorbehaltlos anerkennt. Selbst die in der Isolation enstandenen Aufführungen, konnten im Vergleich mit höchstem internationalen Standard bestehen, wie ich dies am würdigenden Beitrag für den Bassisten Siegfried Vogel am Beispiel eines Sängers dargestellt habe.


    Herzlichst
    Operus

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  • Auf operus' Wunsch habe ich beide von ihm erstellen Threads zusammengelegt.
    Da der alte Thread bereits Beiträge erhielt, wollte ich ihn nicht löschen.


    Viele Grüße


    Norbert als Moderator

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Schön von Norbert, aber jetzt bin ich aus dem Tamino rausgeflogen. Hoffentlich ist mein Beitrag über Vogel nicht weg.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Immer noch im Programm, bei ebay für 1 € zu bekommen:



    Schuberts Winterreise mit Siegried Vogel, am Klavier ist Rudolf Dunckel.


    LG

  • Habe Siegfried Vogel sehr oft an der Staatsoper Wien gehört und schätze diesen Sänger sehr!!!
    Er sang in Wien La Roche, Gurnemanz, Ochs, Morosus, Sarastro.
    In sehr guter Erinnerung ist er mir als Morosus in der Schweigsamen Frau.
    Auch sang er den Raimondo in Lucia mit der Gruberova!


    :hello:^^

  • Ich habe ihn einmal live als Don Alfonso in Cosi fan tutte in Essen erlebt. Überragend!

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)


  • Auch in diesem großartigen "Zar und Zimmermann" sang er mit.


    Heute feiert Siegfried Vogel seinen 78. Geburtstag.


    Herzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Danke, dass du daran erinnerst, aber muss das wirklich mit einer Aufnahme sein, bei der er als Lord Syndham und in der Sprechrolle des Offiziers dabei ist, während Gottlob Frick die Hauptrolle singt? ?(


    Das wäre zum Beispiel eine angemessene Aufnahme gewesen, da singt er immerhin den König Heinrich in Bayreuth:


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Die hatte ich auch im Visier, lieber Stimmenliebhaber, aber ich habe mich dann doch für Zar und Zimmermann entschieden.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Kammersänger Siegfried Vogel wurde in Chemnitz geboren, begann seine Sängerkarriere 1959 an der Staatsoper Dresden und wechselte 1965 an die Deutsche Staatsoper Berlin, deren Ensemble er bis zum Erreichen des Rentenalters im Jahre 2002 angehörte.


    Seinen ersten Auftritt an der Deutschen Staatsoper Berlin hatte Siegfried Vogel am 16. Februar 1965 (also vor ziemlich genau 50 Jahren) als Leporello im - noch deutschsprachigen - "Don Giovanni" neben Theo Adam in der Titelpartie, Hanne-Lore Kuhse als Donna Anna, Elisabeth Rose als Dona Elvira und Peter Schreier als Don Ottavio unter der Leitung von Otmar Suitner.


    Bereits am 6. Mai 1973 stand er als Kaspar im Berghaus-Freischütz" zum 500. in einer Opernvorstellung auf dieser Bühne, wieder mit Suitner am Pult.


    Bis zu seinem 1000. Auftritt an der Staatsoper Berlin dauerte es dann etwas länger, da Vogel ab Mitte der 1970er Jahre auch viel international gastierte, etwa an der Wiener Staatsoper, wo auch einiges zusammen kam:


    https://db-staatsoper.die-antwort.eu/search/person/3026


    Am 19. November 1988 war es so weit: In der "Lohengrin"-Inszenierung von Theo Adam sang Siegfried Vogel den König Heinrich - neben Magdalena Hajossyova als Elsa, Uta Priew als Ortrud, Eberhard Büchner als Lohengrin und Ekkehard Wlaschiha als Telramund.


    Da er noch bis 2004 weiter am Haus sang, dürftenes deutlich mehr als 1000 Auftritte gewesen sein. In den 29 Jahren ist Vogel also weit über 1000 Mal an der Berliner Staatsoper aufgetreten.


    Im April 2002 wurde er während der Wagner-Festtage, bei denen Harry Kupfers zehnteiliger Wagner-Zyklus zweimal komplett zyklisch aufgeführt wurde, nach dem 2. Akt "Siegfried", in dem er als Fafner mitwirkte, offiziell aus dem Ensemble verabschiedet.
    2004 folgten noch einige Gastauftritte als Moses in zwei Serien von Schönbergs "Moses und Aron".


    Vogel hat allein an der Staatsoper Berlin bis 2004 etwa 60 Rollen gesungen (bis Sommer 1989 genau 54 Rollen), zu seinen meistgesungenen Rollen gehören: weit über 100 Mal Sarastro (bis 1989 waren es genau 94x, da kam aber noch einiges dazu, ich tippe auf knapp 150 Mal), 84x Figaro und 73x Don Alfonso, etwa 70x Baron Ochs auf Lerchenau (54x bis Sommer 1989),42x Sparafucile, 38x Leporello, ca. 55 Mal Rocco (33x bis Sommer 1989) und 68x Don Basilio im Berghaus-"Barbier", ca. 50x Daland, 35x Pogner, 33x Collin, 30x Kezal, ca. 45x König Heinrich, ca. 35x Landgraf, knapp 30x Gurnemanz.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Danke, dass du daran erinnerst, aber muss das wirklich mit einer Aufnahme sein, bei der er als Lord Syndham und in der Sprechrolle des Offiziers dabei ist, während Gottlob Frick die Hauptrolle singt?


    Lieber Sitimmenliebhaber,


    ich habe ja den Thread über den hervorragenden Bassisten Siegfried Vogel eröffnet und ihn darin mehrfach aus Überzeugung gewürdigt. Übrigens hat sich Gottlob Frick nach den Aufnahmen von "Zar und Zimmermann" anerkennend über die Leistungen von Siegfried Vogel geäußert. Der unbestreitbare Erfolg dieser Aufnahme unter Robert Heger ist nicht zuletzt auf die hervorragende Besetzung aller Rollen zurückzuführen. Sicherlich spielte bei der Besetzung der Hauptrollen auch der Bekanntheitsgrad und die Vermarktungschancen eine Rolle. Da hatte Frick in dieser Zeit durch seine Popularität sicherlich die Nase vorn. Das hat nicht unbedingt etwas mit der sängerischen Leistung zu tun. Siegfried Vogel hätte ebenfalls einen hervorragenden Van Bett gesungen. Übrigens war Siegfried Vogel ein lieber,ständiger Gast bei den Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft und es ist eine freundshaftliche Beziehung zwischen der Gesellschaft und besonders von mir zum großen, lieben Siggi entstanden.


    Herzlichst
    Operus

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  • Übrigens hat sich Gottlob Frick nach den Aufnahmen von "Zar und Zimmermann" anerkennend über die Leistungen von Siegfried Vogel geäußert.

    Das ist schön - und für Vogel war es eine große Ehre, eben Gottlob Frick singen zu dürfen, wie er mir selbst sagte.


    Der unbestreitbare Erfolg dieser Aufnahme unter Robert Heger ist nicht zuletzt auf die hervorragende Besetzung aller Rollen zurückzuführen.

    Das ist zweifellos richtig.


    Da hatte Frick in dieser Zeit durch seine Popularität sicherlich die Nase vorn. Das hat nicht unbedingt etwas mit der sängerischen Leistung zu tun. Siegfried Vogel hätte ebenfalls einen hervorragenden Van Bett gesungen.


    Natürlich hatte Frick damals die Nase von, weil er in seinem Zenit stand, während Vogel noch ein relativer Anfänger war und damit eigentlich noch viel zu jung für den van Bett. Vogels erste, leider vor ein paar Jahren verstorbene Ehefrau hat mir gegenüber mal sehr bedauert, dass Vogel nie den van Bett auf der Bühne gesungen hat. Bei der ersten Inszenierung zu seiner Berliner Zeit (1969?) war sein kürzlich verstorbener Fachkollege Reiner Süß dafür prädestiniert, bei der zweiten Neuinszenierung (1988?) wäre Vogel gerade im richtigen Alter dafür gewesen, gastierte damals aber viel vor allem im Wagner-Fach und hatte vielleicht deshalb keine Zeit und keine Lust, diese Rolle zu übernehmen, da Lortzing und damit auch sein wunderbarer "Zar und Zimmermann" an den großen Häusern längst auf dem Rückzug waren, der neue Bassbuffo Gerd Wolf machte dann den van Bett.


    Vogel hat zumindest bei einem Festkonzert zur 750-Jahr-Feier Berlin im Januar 1987 die Singschule gesungen, das habe ich als CD und DVD und da ist er wirklich sehr gut, wodurch umso bedauerlicher wird, dass er den van Bett nie auf der Bühne gesungen hat.


    Also: Ich wollte überhaupt nicht zum Ausdruck bringen, dass mir Vogel als van Bett unter Heger lieber gewesen wäre als Frick, Gott bewahre, Frick ist da absolut ideal und Vogel wäre damals bei weitem noch nicht so gut in dieser Rolle gewesen - mir ging es nur darum, dass bei einer Würdigung seines Geburtstages lieber eine Aufnahme hätte verlinkt werden sollen, die ihn in einer wirklichen Hauptrolle dokumentiert und nicht als Nebenrollensänger. :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Ich habe übrigens schon heute nach Mitternacht, also vor dem Schlafengehen, des Geburtstages des prägendsten Opernsängers meines Operngängerlebens (mehr als 200 Mal habe ich ihn live erlebt) gedacht, indem ich in die DVD's von den Japan-Gastspielen der Deutschen Staatsoper Berlin 1977 mit "Don Giovanni" und 1980 mit "Die Zauberflöte" angesehen habe. Von seinem Leporello habe ich mir den Anfang bis einschließlich Register-Arie angesehen, von seinem Sarastro das Finale des 1. Aktes und beide Arien.


    Diese DVD's waren bzw. sind in Japan erhältlich - "aber fragt mich nur nicht wie!" (Heine).


    Mein Japanisch ist leider nicht so gut, als dass ich sagen könnte, ob dieser Link wirklich weiterhilft oder nicht:


    http://ci.nii.ac.jp/ncid/BB02367120

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Dann habe ich ja im Nachhinein, wenn ich die letzten Beiträge betrachte, doch nicht alles falsch gemacht, als ich Siegfried Vogel in Zar und Zimmermann empfohlen habe. ^^
    Ich habe ihn selbstverständlich auch als König Heinrich im Lohengrin in meiner Sammlung sowie mit seiner ausgezeichneten Winterreise.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Noch einige Anmerkungen nach dem kompletten Durchsehen dieser Rubrik:

    Er studierte dann weiter an der Hochschule für Musik in Dresden

    Ja, bei Kammersänger Johannes Kemter.


    Osmin

    Sicher? Ich bezweifle das, dass er jemals Osmin gesungen hat. In Berlin hat er ihn definitiv nie gesungen, obwohl "Entführung" rauf- und runter lief. Ich wähne mich zu erinnern, dass er mir mal sagte, diese Rolle nie gesungen zu haben - ich werde bei Gelegenheit nochmal nachfragen.


    mehrere Auslandstourneen, unter anderem ein Japan-Gastspiel.

    Sogar mehrere Japan-Gastspiele: 1977, 1980, 1983, 1987 und 1990. 1977 war er als Figaro, Leporello (Videoaufzeichnung) und Don Alfonso dabei, 1980 als Sarastro (Videoaufzeichnung), Don Basilio im Berghaus-"Barbier" und Ptolemäus, 1983 wohl als Landgraf und Daland und Rocco, 1987 als Pogner (Videoaufzeichnung) und 1990 als König Marke (Videoaufzeichnung), Sarastro, Ochs und Kaspar.
    1994 gastierte er dann nochmal gemeinsam mit Reiner Goldberg ohne die Deutsche Staatsoper Berlin in Japan: als Moses in "Moses und Aron".


    So läßt er in der berühmten Gesamtaufnahme von Lortzings "Zar und Zimmermann" unter Robert Heger aus dem Jahr 1966 durch besondere Stimmschönheit in der Paritie des Admiral Lefort aufhorchen

    Nein, er singt nicht den Lefort, sondern den Lord Syndham (und spricht daneben auch noch den Offizier). Den Lefort singt Fred Teschler.


    Ab 1986 wurden sogar Auftritte an der Metropolitan Opera New York möglich.

    Leider blieb es bei zwei Auftritten als Hunding 1986, danach kam nichts mehr nach.


    In den 70-/ 80- er Jahren habe ich ihn mehrmals live an der Berliner Staatsoper z. B. in La Boheme und als "Sparafucile" im Rigoletto erlebt.

    Den letzten Sparfucile und den letzten Collin an der Deutschen Staatsoper Berlin sang Vogel im Jahr 1976, alle Erlebnisse müssen also in den 1970er Jahren stattgefunden haben, nicht mehr in den 1980er Jahren, wo Vogel außer Don Basilio kaum noch italienisches Fach sang, sondern vor allem deutschen Fach (Rocco, Kaspar, Daland, Langraf, Heinrich, Marke, Pogner, Sachs, Gurnemanz, Ochs, Waldner, La Roche u.v.a. - dazu natürlich auch weiter den nur schwer in nationale "Fächer" einzusortierenden Mozart: Figaro, Leporello, Don Giovanni, Don Alfonso, Sarastro).


    Ich habe ihn einmal live als Don Alfonso in Cosi fan tutte in Essen erlebt. Überragend!

    Ganz sicher? Oder war das vielleicht doch sein Kollege und Freund Siegfried Lorenz?
    Dass Vogel bei Hauschild in Essen Hunding sang, weiß ich, ich weiß auch, dass Lorenz dort Amfortas sang - beim Alfonso bin ich mir nicht ganz sicher, tippeaber eher auf Lorenz als auf Vogel. Beide wären möglich, vielleicht haben auch beide die Rolle dort gesungen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Nachdem ich weiter oben bereits die in Japan entstandenen Fernsehmitschnitte von "Don Giovanni" (Leporello, 1977), "Die Zauberflöte" (Sarastro, 1980), "Die Meistersinger von Nürnberg" (Veit Pogner, 1987) und "Tristan und Isolde" (König Marke, 1990) hingewiesen habe (Gibt es weitere? "Freischütz"? "Rosenkavalier?"), die teilweise als Kauf-Video und oder Kauf-DVD im japanischen Handel kursieren, hier noch einige offizielle Fernsehaufzeichnungen von Opernübertragungen mit Siegfried Vogel, die alle beim DRA liegen müssten und bei der RBBmedia bestellbar sein könnten.


    - Ptolemäus in "Julius Cäsar" (Deutsche Staatsoper Berlin 1978, Dirigent Peter Schreier, Inszenierung Erhard Fischer, mit Celestina Casapietra, Annelies Burmeister, Theo Adam, Eberhard Büchner, Siegfried Vogel u.a.)


    - Figaro in "Die Hochzeit des Figaro" (Deutsche Staatsoper Berlin 1974, Dirigent Otmar Suitner, Inszenierung Theo Adam, mit Anna Tomowa-Sintow, Renate Hoff, Ingeborg Springer, Theo Adam, Siegfried Vogel, Horst Hiestermann u.a.)


    - Don Basilio in der legendären Berghaus-Bettlaken-Inszenierung (Deutsche Staatsoper Berlin 1971, Dirigent Otmar Suitner, Inszenierung Ruth Berghaus, Bühnenbild Achim Freyer, mit Renate Krahmer, Peter Schreier, Wolfgang Anheisser, Reiner Süß, Siegfried Vogel u.a. - leider existiert davon - angeblich - nur noch der 1. Akt... :(


    - Veit Pogner in "Die Meistersinger von Nürnberg" (Deutsche Staatsoper Berlin 1980 bzw. 1981, Dirigent Otmar Suitner, Inszenierung Werner Kelch, mit Celestina Casapietra, Annelies Burmeister, Theo Adam, Spas Wenkoff, Günther Leib, Siegfried Vogel, Peter Schreier, Peter Olesch u.a.)



    - Festkonzert zur Eröffnung des Festjahres "750 Jahre Berlin" am 1. Januar 1987 im Schauspielhaus Berlin, wo Siegfried Vogel gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin als van Bett konzertant die Singschule aus "Zar und Zimmermann" sang.


    - Mephisto in Schumanns Szenen aus Goethes "Faust" 1989 im Schauspielhaus Berlin (Dirigent Dieter-Gerhardt Worm, mit Siegfried Lorenz als Faust, Siegfried Vogel als Mephisto, Eberhard Büchner u.a.)


    - 1991 produzierte der noch nicht zerschlagene DFF eine Verfilmung der Nicolai-Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" mit Siegfried Vogel als Falstaff, also in einer Rolle, die er meines Wissens nicht auf der Bühne verkörpert hat, zumindest nicht in seiner Berliner Zeit seit 1965.


    Anfragen sind unter dra-mitschnitt@rbb-media.de möglich.


    - Im April 1994 übertrug arte live den "Wozzeck" aus der Staatsoper Berlin (Dirigent Daniel Barenboim, Inszenierung Patrice Chereau, mit Waltraud Meier, Franz Grundheber, Graham Clark, Günter von Kannen, Siegfried Vogel war als Handwerksbursche dabei, der, der mit "Ich hab ein Hemdlein an, das ist nicht mein" den Löwenanteil an der Szene der beiden Handwerksburschen im Wirtshaus zu singen hat.)



    Den heute in der früh auf DVD eingelegten Leporello habe ich übrigens gerade bei youtube entdeckt, zumindest den Anfang:



    In der Inszenierung von Heinz Arnold singen unter der Leitung von Otmar Suitner Siegfried Vogel (Leporello), Anna Tomowa-Sintow (Donna Anna), Theo Adam (Don Giovanni) und Motomu Itzuki (Komtur) in italienischer Sprache.


    Der Bayreuther "Tannhäuser" von 1989 in der Inszenierung von Hügelleiter Wolfgang Wagner findet sich aktweise ebenfalls bei Youtube. Vogel ist hier als Biterolf mit von der Partie. Hier der 2. Akt:



    Schade, dass es keinen offiziellen Landgrafen von ihm gibt, den er zu dieser Zeit außerhalb von Bayreuth längst überall sang, denn bei der Fernsehaufzeichnung der Fischer-Inszenierung der Deutschen Staatsoper Berlin im Juni 1982 sang Fritz Hübner den Landgrafen, weil Premierenbesetzung Siegfried Vogel durch seine Übernahme des König Heinrich bei den Bayreuther Festspielen nicht zur Verfügung stand, sondern dort probieren musste. Immerhin ist dadurch eine schöne Aufzeichnung seines Königs Heinrich entstanden.
    Dass es keinen offiziellen Video-Mitschnitt von Vogels Landgraf gibt, heißt natürlich nicht, dass ich keinen (inoffiziellen) hätte! :D
    Das Gleiche gilt für viele seiner anderen Hauptpartien: Sachs, Colonna, "Siegfried"-Fafner, 4 Bösewichter in "Hoffmanns Erzählungen", Zar Saltan, Ochs, Morosus, La Roche, Totenrichter... :rolleyes:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Mit Siegfried Vogel verbindet sich für mich einer meiner stärksten Eindrücke auf Opernbühnen. Wenn er auftrat, passierte etwas, war etwas anders. Nicht, dass er zum Herumtollen neigte und zur übertriebenen Geste. Nein, das nicht. Würde und Präsenz waren es, die ich bei ihm spürte. Ich werde nie vergessen, wie er als Pogner im ersten Aufzug der "Meistersinger" in der Berliner Staatsoper im Gespräch mit Beckmesser auf die Bühne kam und dabei die gesellschaftlichen Unterschiede beider Figuren allein durch Bewegung und Gesichtsausdruck deutlich machte. Es hätte gar keiner entsprechenden Kostüme bedurft. Beide hätten auch in Säcken gehen können. Mir schien es, als ob er mit manchen Bewegungen immer etwas zu früh gewesen ist - wie zeitversetzt. Dadurch reichte seine Wirkung auch darstellerisch bis in die letzte Reihe und den obersten Rang. Vogel, dessen königliches Timbre ich ganz genau im Gedächtnis habe, war ein Profi allerersten Ranges. War er angesetzt, war die Vorstellung gelaufen. Ich musste immer auf ihn sehen, auch wenn er nichts zu tun hatte. Leerläufe gab es bei ihm nicht. Er wusste sich immer aktiv zu verhalten. Ich wette, dass er dabei auch aus einem ganz persönlichen Fundus schöpfte, manches nicht Teil der Inszenierung war. Das machte jeden seiner Auftritte zu einem Unikat. Unvergesslich wird mir der Gurnemanz bleiben in seiner Menschlichkeit und Güte, versehen mit einer Portion Hinterlist, wie sich das auch bei Hans Sachs findet, mit dem ich ihn an der Komischen Oper Berlin erlebte. Meistens bin ich nur wegen Siegfried Vogel in den "Parsifal" an der Berliner Staatsoper gegangen. Zum Glück bestehen die beiden Eck-Aufzüge faktisch aus ihm. :)

  • Unvergesslich wird mir der Gurnemanz bleiben in seiner Menschlichkeit und Güte, versehen mit einer Portion Hinterlist, wie sich das auch bei Hans Sachs findet, mit dem ich ihn an der Komischen Oper Berlin erlebte.

    Gerade in diesem beiden Rollen, von denen du schreibst, hat er sich mir unauslöschlich eingeprägt. :rolleyes:
    Allerdings habe ich ihn leider nicht mehr als Hans Sachs in der legendären Antrittsinszenierung von Harry Kupfer an der Komischen Oper Berlin erlebt, dafür aber noch mehrfach an der Staatsoper Berlin (wo er die Rolle zwischen 1982 und 1995 auch sang, und zwar etwa 15 Mal), an der Semperoper Dresden und dann noch häufig zwischen 1997 und 1999 in Chemnitz.
    In der alten, ersten Kupfer-Inszenierung des "Parsifal" an der Deutschen Staatsoper Berlin war Siegfried Vogel in deren vorletzter Vorstellung im März 1991 mein erster Gurnemanz (so wie er im März 1990 am gleichen Haus mein erster Hans Sachs war), später erlebte ich ihn als Gurnemanz auch an der Semperoper Dresden, in der zweiten Kupfer-Inszenierung an der Staatsoper Berlin und im November 2000 seine letzten beiden Auftritte in dieser Rolle in Washington D.C. (wie schon bei meiner Erstbegegnung 1991 unter der musikalischen Leitung von Heinz Fricke).
    Im Übrigen hat mir auch meine Musiktheorieprofessorin erzählt, dass sie in den 1980ern fast in jede "Parsifal"-Aufführung an der Deutschen Staatsoper Berlin gegangen ist, "wegen Siegfried Vogel". Du warst also nicht der Einzige! :) :yes: :hello:


    Heute nachmittag habe ich mir den Film "Die lustigen Weiber von Windsor" von Birgit von Gagern von 1991 angesehen (der auch mal bei Youtube einstand, aktuell aber wohl leider nicht), wo Vogel den Falstaff singt und spielt - einer Rolle, die er (wohl) nie auf der Bühne gegeben hat. Rein stimmlich hat es gewiss schwärzere Bässe mit imposanterer Tiefe gegeben, aber Vogel hat sowohl die Tiefe als auch die Höhe, kann auch mal rollengerecht poltern (bei immer bester Textverständlichkeit), aber wenn er dann auf Linie singt, höre ich so etwas wie eine (lächelnde) Sonne in seiner Stimme - das mag jetzt absurd klingen und ist völlig subjektiv und unwissenschaftlich, aber es charakterisiert genau das gewisse Etwas, das mich bei ihm immer ganz besonders angesprochen hat - im Gegensatz zu den reinen Tönern mit den eindrucksvolleren Donnerstimmen, die es auch gab und zunehmend gibt, während die Vogels sehr selten geworden sind...
    Hinzu kommt im Film (wo quasi Playback zum eigenen, vorher im Studio aufgenommenen Gesang agiert wurde) eine ungeheure darstellerische Präsenz, ein mimisches Feuerwerk - er spielt einen prallen Menschen aus Fleisch und Blut, der durchaus ernstzunehmen ist und nicht von vornherein als Knallcharge abgetan werden kann. Ich habe diesen Film heute sehr genossen. :)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Schön, ist Eure Begeisterung für einen Sänger zu erleben. Schöner ist, wenn diese auch so schwärmerisch und beweisbar begründet wird. Ich habe es da etwas schwerer, denn ich bin als Präsident einer Gesellschaft, die den Namen eines Sängers trägt, geradezu verpflichtet diesen hochzuhalten. Aber mein großes Anliegen war und ist es, bei der Gottlob-Frick-Gesellschaft um Gottes Willen keinen einseitigen Personenkult zu treiben. In unser Gedächtnisstätte sind fast alle Sängerinnen und Sänger der Nachkriegsgeneration in irgendeiner Form vertreten. Genau diese Haltung wäre im Sinn von Gottlob Frick gewesen und deshalb ist sie für uns Maßstab unseres Handelns. Anders wäre es auch gar nicht möglich, dass andere große Bassisten, wie zum Beispiel Siegfried Vogel Mitglieder und enge Freunde von uns geworden ist. Etwas unbescheiden übernehme ich eine Aussage aus der Presse: "Das Operndörfle Ölbronn ist zum Mekka der Bassisten geworden." Wenn das stimmt sind wir alle glücklich und unsere Arbeit hat sich gelohnt. Also ein Hoch auf alle unsere großen Vertreter des Bassfaches.


    Herzlichst
    Operus

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  • Sicher? Ich bezweifle das, dass er jemals Osmin gesungen hat. In Berlin hat er ihn definitiv nie gesungen, obwohl "Entführung" rauf- und runter lief. Ich wähne mich zu erinnern, dass er mir mal sagte, diese Rolle nie gesungen zu haben - ich werde bei Gelegenheit nochmal nachfragen.

    In der letzten Woche war ich von Kammersänger Siegfried Vogel zum Essen eingeladen und ich habe diese Gelegenheit natürlich genutzt, um ihn zu fragen, ob er denn nun je den Osmin gesungen habe, wie so oft zu lesen sei? Seine Antwort: er hat ihn nie gesungen, wovon ich ja auch immer ausgegangen bin. Das ist echt ein Kutsch-Riemens-Fehler, der sich leider immer weiterverbreitet...


    Kammersänger Siegfried Vogel hat mir dazu noch eine schöne Geschichte erzählt:


    "Als ich in München mit Everding Sarastro gemacht habe, war Kurt Böhme, mein großes Vorbld als Komödiant, einer der Priester und er sagte einmal zu mir: "Du musst Osmin singen!" Und ich sagte ihm, dass ich das nicht könne, weil mir für die Arie im 3. Akt das tiefe D fehle, worauf er zu mir sagte: "Das habe ich doch auch nicht. Du musst dich bloß einfach voller Inbrunst und Überzeugung vor das Publikum hinstellen und beim langen tiefen "Ruh" einfach nur den Mund aufmachen, während das Orchester weiterspielt - dann hören die Leute diesen Ton, obwohl er gar nicht da ist."."

    Trotz dieses gutgemeinten Rates von Kurtz Böhme hat Siegfried Vogel den Osmin aber lieber nicht gesungen... ;)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Für Siegfried Vogel ist diese Aufnahme etwas ganz Besonderes: nicht wegen der beiden kleinen Rollen von ihm, sondern weil er damals neben und mit Gottlob Frick singen, sprechen und aufnehmen durfte. Erstaunlicherweise hat Vogel den van Bett selbst nie live gesungen, nur die Singschule im Rahmen eines Fest-Konzerts im Schauspielhaus Berlin im Berlin-Jahr 1987. Es wurde auch im Fernsehen übertragen (zuletzt vor einigen Jahren auf Eins-Festival) und die Singschule neben anderem auch auf CD veröffentlicht. Ich selbst habe das Konzert inklusive Singschule hier auf CD und DVD vorliegen. :rolleyes:


    Lieber Stimmenliebhaber,


    Siegfried Vogel ist bei Gottlob Frick zumindest einen guten Eindruck gemacht, denn als wir damals im Freundeskreis die Aufnahme abspielten machte er eine Bemerkung zur schönen Stimme von Siegfried Vogel.


    Noch schöne weitere Weihnachtstage und ein gesundes, erfülltes Jahr 2017 mit vielen interessanten Diskussionen im Forum.


    Herzlichst
    Operus

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