Busoni: Bach-Bearbeitungen

  • Hallo Taminoaner,


    am Wochenende habe ich wiedereinmal Bachwerke in der Bearbeitung von Busoni gehört.
    In diesem Fall in einer Aufnahme von Demidenko.


    Muß sagen, daß mir die bisher gehörten Werke durchaus sehr gut gefallen und in mir das interesse nach entsprechenden Aufnahmen geweckt wurde.


    Über Empfehlungen würde ich mich natürlich freuen :D
    Welches sind eurer Lieblingsaufnahmen ?


    Also, nur zu :yes:

  • Tag,


    da ist es Pflicht eines Hörers, zu nennen die Chaconne mit Arturo Benedetti-Michelangeli (ursprünglich japanische LP).


    MfG
    Albus

  • Sagitt meint:


    Es gab zwei Platten, die m.W. nicht als CD wieder erschienen sind, aber beide, auf ihre Weise, großartig waren.


    Leidenschaftlich virtuos Bruno Leonardo Gelber,zB mit der Bearbeitung der Chaconne BWV 1004


    Kühl, aber auch sehr überzeugend: Alexis Weissenberg.


    Ich würde mich freuen, wenn ein Taminer diese Aufnahmen als CD ausgegraben hätte( von Gelber weiss ich, dass er bei der Emi war, von Weissenberg habe ich leider sogar das label vergessen, aber es waren Stücke wie Bearbeitung von BWV 565 darauf, m.E. auch die Chaconne)

  • Bei Bach/Busoni denke ich zunächst natürlich an Orgel- und Violintranskiptionen. Nicht vergessen sollte man aber auch Busonis Fantasia Contrappuntistica für ein bzw. zwei Klaviere. Das Werk basiert auf der Kunst der Fuge, stellt eine zum Teil recht atonale, für manche vielleicht gewöhnungsbedürftige, gleichwohl eine für meinen Geschmack großartige Auseinandersetzung mit und Vollendung von Bachs Fugenkunst dar. Alfred Brendel hat hierzu angemerkt:


    "Man beschäftige sich längere Zeit hindurch mit der 'Fantasia Contrappuntitica', dieser monumentalen Zusammenschmelung von These und Antithese, Kontrapunkt und Phantasie, Bach und Busoni, ungeahnter Verfeinerung des Klavierklangs und barocker Unabhängigkeit von den Klangmitteln - und man wird vielleicht eine neue Sphäre der Instrumentalkunst vor sich ausgebreitet finden."


    Recht hat er. Für mich jedenfalls zählt die Fantasia zu den beeindruckendsten Werken für Tasteninstrumente eingangs des 20. Jhdts.


    Sehr gut eingespielt wird dieses Werk von Grau/Schumacher oder von Peter Serkin/Schiff (ECM).

  • Lieber Richard,
    wir sind ja offenbar beide Demidenko-Fans. Seine Bach/Busoni-Chaconne gehört wirklich zu den besten. Demidenko holt in Puncto Dynamik derart viel aus dem Flügel, dass einem schlichtweg die Spucke wegbleibt. Er ist einfach ein hochintensiver Gestalter - die visionäre Chaconne-Transkription kommt ihm in ihrer Vielfalt und Weiträumigkeit da bestens entgegen.


    Auf demselben Niveau bewegt sich eine schöne Decca-Platte aus dem Jahre 2000 mit dem Koreaner Kun Woo Paik - es ist ebenfalls eine reine Bach/Busoni-Platte - du solltest sie dir unbedingt zulegen.


    Dann liebe ich noch die Bachbearbeitungen, die Angela Hewitt auf ihrem hervorragendem Album "Bach Arrangements" (Hyperion) versammelt hat. Hier besticht vor allem der schiere Wohllaut von Angies Spiel.


    Der nicht zu überbietende Klassiker ist natürlich die Bearbeitung von "Jesu bleibet meine Freude" durch Myra Hess in der göttlichen Lipatti-Einspielung - das ist so überirdisch schön, dass man's fast nicht aushält...


    Beste Grüße!
    Daniel

  • hallo,


    ja die bearbeitungen von 'jesu bleibet meine freude' sind wunderschön, aber eben nicht von busoni (hess und auch kempff). vielleicht sollte man daher den thread 'klaviertranskriptionen von bach-werken' nennen. denn da gäbe es einiges mehr (z.b. von liszt, friedman und grainger). ich könnte da folgende neuere einspielungen enthusiastisch empfehlen:




    bei allem respekt, diese beiden projekte sind noch interessanter und pianistisch eine steigerung gegenüber den beiden demidenko-platten.


    und was die bach-busoni chaconne angeht, halte ich die interpretationen benedetti michelangelis, pletnevs (live, DG) und oppitz' für die beeindruckendsten. es gibt allerdings reichlich andere gelungene interpretationen der chaconne, die ich noch kenne (rubinstein, gelber, bolet, kissin, serdar).


    die bach-busoni-platte kun woo paiks finde ich etwas langweilig. die dynamik konzentriert sich überwiegend bei mezzoforte mit reichlich pedaleinsatz.


    gruß, siamak

    Siamak

  • Hallo nochmal,
    Ja, die Platte von Piers Lane habe ich auch - er spielt toll (übrigens auch einen super Skrjabin), aber die Arrangements sind nicht sonderlich stark - am prächtigsten ist da vielleicht noch die Friedman'sche Adaption des 1.Satz aus dem 3 Bbg. Konzert.


    In den Oppitz habe ich bei saturn etliche male reingehört und meinen Kaufimpuls bislang noch ganz gut kontrollieren können - vielleicht ändert sich das ja umgehend...


    Schönen Gruß!
    daniel


    P.S.: Eine reine Bach/Busoni-Platte hat auch Maria tipo für EMI gemmacht - gar nicht übel, jedenfalls um längen besser als ihre schrulligen Partiten.


  • ein wirklich interessanter Interpret, vielleicht nicht ganz in der gleichen Klasse wie ein ABM und andere genannten Busoni Bachspezialisten. In dieser Box auch mit einer Bach-Ersteinspielung der Grossen Fuge, BV 255 (1910)...


    Viele Grüsse
    Pianomania

    "Die Welt ward ihm Klavier. In Terzen, Quinten, Oktaven sprang sein Denken, Dur und Moll spannte sein Herz."
    Carl Sternheim


  • Gerade Weissenberg mag ich, wie oben dargestellt, mit seinen Bach-Transkriptionen sehr. Bei 1004 (das er nach meiner Erkenntnis nicht eingespielt hat, zumindest nicht auf der von Dir erwähnten Scheibe) sehe ich das allerdings anders, das Piano ist zu wuchtig, um dem Stück gerecht zu werden. Ich ziehe - auch dem Original - die Interpretation von Pepe Romero auf der Gitarre vor, da kommt die Chaconne so atemberaubend filigran, so berauschend virtuos und so scheinbar mühelos dahergeschwebt, daß ich es als eine der Sternstunden der Gitarrenmusik bezeichnen möchte.

  • Sagitt meint:


    gerade konnte ich Gelber ausgraben. Da kniet man schon nieder. BWV 1004. Leider hat die EMI diese Aufnahme versenkt und holt sie da nicht heraus.


    Schade , es ist beste.

  • Pepe ist auf youtube mit 1004 nicht vorhanden, einigermaßen nahe kommt


    http://www.youtube.com/watch?v=JNEnzNHTkd8&feature=related,



    Gelber ist auch nicht zu sehen, aber Grimaud (auch keine Schlechte) bietet:


    http://www.youtube.com/watch?v=sw9DlMNnpPM



    Nach wie vor bin ich der Meinung, daß sich 1004 (hier ist allerdings nur jeweils die Chaconne zu hören) auf der Gitarre besser anhört.



    Selbst wenn man es mit dem Original vergleicht


    http://www.youtube.com/watch?v=l9x0dE5Rda4


    kann die Gitarre bestehen.

  • hallo,


    ich habe von den transkriptionen nur die hewitt aufnahme die ich sehr gut finde. wurde diese hier schon genannt ?


    die hörschnipsel klingen gut , vielleicht etwas (zu?) virtuos....


    gruss


    kalli