Hugo Alfvén (1872 - 1960)

  • Da es bisher nur einen Thread zu Alfvens 4. Symphonie gibt, wird es Zeit, diesem Komponisten etwas mehr Raum zu geben:


    Hugo Alfvén



    Hugo Emil Alfvén (* 1. Mai 1872 in Stockholm; † 8. Mai 1960 in Falun) war ein schwedischer Komponist und Dirigent.


    Nachdem Alfvén von 1887 bis 1891 am Stockholmer Konservatorium studiert hatte, setzte er seine Studien in den Bereichen Violine und Komposition privat fort. Daneben war er von 1890 bis 1892 Violinist an der Hofkapelle und trat danach solistisch auf. 1897 und 1898 erhielt er weiteren Violinunterricht bei César Thomson in Brüssel. In den folgenden Jahren konnte er dank eines Stipendiums durch Europa reisen und seine Studien dort fortsetzen.


    Seit seiner Jugend hielt sich Alfvén mit seiner Familie im Sommer oft in den Stockholmer Schären auf. Alfvén war ein leidenschaftlicher Segler. Das Meer und die Schärenwelt wurden zu wichtigen Themen seiner musikalischen Werke: die Klavierstücke "Skärgårdsbilder", die sinfonische Dichtung "En Skärgårdssägen", die Sinfonie Nr. 4 "Från Havsbandet" aber auch in der Sinfonie Nr. 2 sind das Meer und das Segeln im symbolistischen Sinne Bilder für Leben und Tod.


    1902 hatte er in Sizilien Marie Krøyer kennen gelernt, die Frau des dänischen Malers Peder Severin Krøyer, die er im Jahre 1912 heiratete. Die Ehe scheiterte aber und wurde nach einem langwierigen Prozess 1936 geschieden.


    In den Jahren 1903 und 1904 war er vorübergehend Kompositionslehrer am Stockholmer Konservatorium. Außerdem reiste er als Gastdirigent durch viele europäische Länder. Als Dirigent führte Alfvén vorwiegend eigene Werke auf. Ab 1910 wirkte Alfvén als Director musices an der Universität Uppsala. Diesen Posten behielt er bis zum Jahre 1939. Um sich von seinen beruflichen Anstrengungen erholen zu können, errichteten sich Alfvén und Marie Krøyer in Tällberg am Siljanssee, Dalarna, ein Sommerhaus im dalekarlischen Stil. Während seinen zahlreichen Aufenthalten in Dalarna entstand eine tiefe Beziehung zu dieser schwedischen Landschaft, die in der Nationalromantik als "Hort der schwedischen Volkskultur" verstanden wurde.


    Auch als Chorleiter war er sehr aktiv, sowohl in Uppsala (Orfei drängar) als auch in Dalarna, wo er die Leitung des Siljanschores übernahm. Für den Siljanschor arrangierte Alfvén schwedische Volkslieder, schrieb aber auch neue Kompositionen mit Anklängen an die schwedische Volksmusik. Mit beiden Chören unternahm Alfvén erfolgreiche Tourneen auch ins Ausland (bspw. Norwegen, USA). Nach der Scheidung von Marie Krøyer heiratete Alfvén 1936 Karin Wessberg, der er unter anderem die berühmte Elegie seiner Musik zum historischen Schauspiel "Vi" über Gustav II. Adolf widmete. Da Alfvén sein Haus in Tällberg im Verlauf der Trennung von Marie Krøyer aufgeben musste, erbaute er sich mit von der schwedischen Öffentlichkeit gesammelten Spenden ein neues Haus in Tibble bei Leksand am Dalälv. Dieses Haus ist heute Museum.


    Alfvén, der als schwedischer Nationalkomponist angesehen wurde, wurde vielfach geehrt; er erhielt unter anderem 1917 die Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala und wurde 1908 Mitglied der Königlichen Musikakademie in Stockholm. Neben seiner musikalischen Begabung besaß Alfvén auch ein großes Talent als Maler. Als Jugendlicher hatte er sich als Maler ausgebildet. Erhalten sind zahlreiche Aquarelle mit Landschaftsdarstellungen, einzelne Porträts und Selbstporträts. Außerdem war Hugo Alfvén ein begabter Erzähler: Er veröffentlichte selbst seine Memoiren in vier Bänden, die in flüssigem Stil von seinen zahlreichen Reisen und Abenteuern erzählen.



    In seiner Heimat machte sich Alfvén v.a. durch seine von der schwedischen Folklore inspirierten Kompositionen wie seinen Chorwerken oder seinem berühmtesten Werk, der "Midsommarvaka" op.19, einen Namen. Mit seinen Sinfonien leistete Alfvén zwar einen bemerkenswerten Beitrag zur schwedischen Sinfonik, konnte sich jedoch als Sinfoniker in Schweden nur schwer etablieren. Vor allem seine vierte Symphonie (Från Havsbandet) wurde wahrscheinlich auch wegen ihrer ausgesprochen deutsch beeinflussten spätromantischen Sprache im Ausland mehr geschätzt als zu Hause. In diesen Werken spielt die Volksmusik aber keine entscheidende Rolle (mit Ausnahme der Sinfonie Nr. 3, die in Italien entstanden ist und in deren langsamem Satz wehmütige Erinnerungen an die schwedische Heimat erklingen). Daneben entstanden als Gelegenheitswerke zahlreiche Kantaten zu Jubiläen und anderen Festivitäten, die unter anderem auch mit der Funktion Alfvéns als Director Musices der Universität Uppsala verknüpft waren.


    Alfvén war ein hervorragender Techniker, der kompositorische Finessen wie Kontrapunktik meisterhaft beherrschte. Er verfügte über eine brillante Instrumentation; insbesondere die äußerst differenzierten Klangfarben seiner Orchesterwerke sind mehr als beachtlich. Hier zeigt er sich einerseits von der französischen Spätromantik (Alfvén weilte zu Studienaufenthalten in Belgien und Paris) und andererseits von Richard Strauss beeinflusst, einem Komponisten, dem er ohnehin stilistisch recht nahe stand. Insgesamt ist Alfvén zusammen mit Wilhelm Stenhammar und Wilhelm Peterson-Berger der markanteste Exponent der schwedischen Spätromantik. Seine Werke sind qualitativ sehr hochwertig; allerdings ließ seine Inspiration in späteren Jahren deutlich nach. Alfvén zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der schwedischen Musikgeschichte.


    (Quelle: Wikipedia)



    Werke:


    Orchesterwerke
    Sinfonie Nr.1 f-moll op.7 (1896/97, rev. 1904)
    Sinfonie Nr.2 D-Dur op.11 (1897/98 )
    Sinfonie Nr.3 E-Dur op.23 (1905)
    Sinfonie Nr.4 c-moll op.39 "Från Havsbandet" (Von den äußersten Schären) für Sopran, Tenor und Orchester (1918/19)
    Sinfonie Nr.5 a-moll op.54 (1942, 1952/53)
    "En skärgårdssägen" (Eine Schärensage), Tondichtung op.20 (1904)
    "Midsommarvaka" (Mittsommerwache), Schwedische Rhapsodie Nr.1 op.19 (1903)
    "Uppsalarapsodi", Schwedische Rhapsodie Nr.2 op.24 (1907)
    "Dalarapsodi", Schwedische Rhapsodie Nr.3 op.48 (1937)


    Bühnenwerke
    "Bergakungen" (Der Bergkönig), Ballett op.37 (1916-23)
    "Den förlorade sonen" (Der verlorene Sohn), Ballett (1957)


    Vokalmusik
    9 Kantaten für Soli, Chor und Orchester
    Chöre, z.B. "Morgendämmerung am Meer" (1933)
    etwa 60 Volksliedbearbeitungen für Chor
    etwa 50 Lieder


    Klavier- und Kammermusik
    "Skärgårdsbilder" (Bilder aus den Schären), 3 Klavierstücke op.17 (1901/02)
    Nocturne Cis-Dur für Klavier (1911)
    "Il primo amore", Walzer für Klavier (1937)
    Violinsonate op.1 (1895)



    So, nun seid ihr dran: welche Werke kennt und schätzt ihr? Welchen Einspielungen sind zu empfehlen?

  • Hallo Taminos,
    da Alfven einer meiner Lieblingskomponisten ist melde ich mich mal zu Wort.
    Die von dir beschriebenen Orchester und Bühnenwerke kenne ich alle und gefallen mir sehr gut. Alfvens Musik hat für mich etwas, was Grieg und Nielsen ( die auch beide genial sind ) mir nicht bieten können. Als Aufnahme kenne ich eigentlich nur die von Järvi



    wobei ich schon eine bessere Aufnahme der 1. Schwedischen Rhapsodie unter Järvi gehört habe, dies findet man in der CD Nordische Impressionen ( I-Net gibt leider kein Bild :-C ) wo diese viel gefühlsvoller und auch die Tempis besser passen. Bei der Sammlung sind die mir teilweise zu unterschiedlich.


    Gruß
    Chrissi

  • Hallo miteinander,


    ich schätze Alfvens Musik ebenfalls. U.a. deswegen, weil sie ein Beleg dafür ist, dass es auch im 20. Jhdt. noch möglich war, ohne jegliche Reglementierung von oben tonal komponieren. Und zwar auf eine sehr gediegene und schöne Art und Weise, ohne in irgendeiner Form sentimental zu werden oder auch noch in die Nähe des Kitsches zu kommen.


    Als Alternative zu der von Christian Biskup angeführten Aufnahme folgende Naxos-Aufnahmen, von denen ich die zweite besitze, welche durchaus einem Vergleich mit der Järvi-Aufnahme standhält:









    Viele Grüße
    John Doe

  • Zitat

    Original von John Doe
    Hallo miteinander,


    ich schätze Alfvens Musik ebenfalls. U.a. deswegen, weil sie ein Beleg dafür ist, dass es auch im 20. Jhdt. noch möglich war, ohne jegliche Reglementierung von oben tonal komponieren.


    Also ich weiß nicht ...


    Führen wir uns einmal Alfvéns Generation vor Augen, sagen wir die Baujahre 1867-1877:


    1867 - 1950 Charles Koechlin
    1867 - 1916 Enrique Granados
    1868 - 1933 Max von Schillings
    1869 - 1949 Hans Pfitzner
    1869 - 1937 Albert Roussel
    1870 - 1939 Charles Tournemire
    1871 - 1942 Alexander von Zemlinsky
    1872 - 1958 Ralph Vaughan-Williams
    1872 - 1915 Alexander Scriabin
    1873 - 1916 Max Reger
    1873 - 1943 Sergej Rachmaninov
    1874 – 1935 Josef Suk
    1874 – 1939 Franz Schmidt
    1874 – 1951 Arnold Schönberg
    1874 – 1954 Charles Ives
    1875 – 1937 Maurice Ravel
    1876 - 1946 Manuel de Falla
    1876 – 1971 Carl Ruggles
    1877 – 1960 Ernst von Dohnanyi


    Die Exoten sind die Experimentellen und Atonalen: Schönberg, Ives und Ruggles. Scriabin und Zemlinksy zählen auch noch zu den "Modernskis", aber dann bleiben im Wesentlichen nur solche, die uns rückblickend fast konservativ oder volkstümlich erscheinen. Von jenen lassen sich noch unzählig viele "ausgraben" zur Freude unserer CD-Regale.


    Bislang ging ich davon aus, die schwedische Produktion dieser Zeit ausreichend mit Stenhammar, Rangström und Atterberg abgedeckt zu haben, zumal diese drei auch keine überregionale Bedeutung in Anspruch nehmen können.
    :hello:

  • Hallo Kurzstückmeister,


    wenn man´s genau nimmt, dann geht das 20. Jhdt. 1901 an und war 2000 zu Ende. D. h. die meisten Werke der von dir aufgeführten Herren fallen ins 20. Jhdt.
    Wenn man sich aber nun die ganzen Threads zur Musik des 20. Jhdts anschaut, dann entsteht doch der Eindruck, dass in diesem Jahrhundert überwiegend dissonant und atonal komponiert worden ist. Oder anders gesagt, das 20. Jhdt. könnte in seiner Gesamtheit durchaus als tonal angesehen werden, wenn denn die tonalen Werke in die Diskussion über die Musik des 20. Jhdts. mit einbezogen werden würden. Stattdessen neigt man aber dazu, sich in die etwas "würzigeren" Sachen zu verbeissen und zwar derart heftig, dass die "konservativeren" Produktionen dieses Jahrhunderts irgendwie übersehen, bzw. überhört werden.


    Und gerade Alfven hat sogar noch in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts komponiert. Sein Ballet "der verlorene Sohn" ist 1957 entstanden und lädt geradezu dazu ein mit dem gleichnamigen Ballet von Prokofieff verglichen zu werden, das knapp 30 Jahre früher entstanden ist.


    Viele Grüße
    John Doe
    :hello:

  • Hätte heute seinen 140. Geburtstag:



    Hugo Emil Alfvén (* 1. Mai 1872 in Stockholm; † 8. Mai 1960 in Falun),
    schwedischer Komponist und Dirigent.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Es ist ziemlich unverständlich, wieso sich der Name Hugo Alfvén international nicht genauso durchgesetzt hat wie Sibelius (Finnland), Grieg (Norwegen) und C. Nielsen (Dänemark). Alfvén gilt wohl zurecht als der bedeutendste schwedische Komponist neben Franz Berwald und auf alle Fälle als der wichtigste der Spätromantik in Schweden. Absolut großartig sind seine drei Schwedischen Rhapsodien, besonders die erste, Midsommarvaka (Mittsommerwache), die ihn 1903 endgültig als schwedischen Nationalkomponisten etablierte. Wir haben das einmalige Glück, dass sich dieses sein vermutlich bekanntestes Werk unter seinem eigenen Dirigat erhalten hat, und zwar in der ersten schwedischen Stereoaufnahme überhaupt, entstanden am 7. Oktober 1954 mit der Königlichen Hofkapelle (gegründet 1526) im Großen Saal der Königlich Schwedischen Musikakademie in Stockholm. Diese Interpretation, die klanglich astrein geraten ist und mit etwa zeitgleichen von RCA und Mercury mithalten kann, ist die absolute Messlatte bei diesem Werk. Idiomatischer geht es sowieso nicht als hier. Alfvén, der sein Werk natürlich in- und auswendig kennt, macht daraus eine regelrechte Tondichtung. Zugleich ist es der beste Beweis dafür, welch ein großartiger Dirigent Alfvén auch war, wofür er zu Lebzeiten ja ebenfalls gerühmt wurde. Die Swedish Society brachte die Einspielung heraus:




    Genauso beeindruckend die ebenfalls enthaltene Stereoaufnahme von Festspel (Festmusik) unter Stig Westerberg von 1957. Das wurde auch schwerlich jemals besser eingespielt.


    Dass Alfvén gerade auch ein Meister des Kontrapunkts war, kann man vor allem in seiner monumentalen Symphonie Nr. 2 D-Dur (1897/98) feststellen. Jan Olof Rudén rückt dieses Werk in die Nähe der Symphonie fantastique und bezeichnet Alfvén gar als eine Art schwedischen Berlioz. Das mag etwas weit gehen, doch spielt die Auseinandersetzung mit dem Tod bei beiden eine Rolle. Der fröhliche Kopfsatz stellt die jugendlichen Hoffnungen dar, der schwermütige langsame zweite Satz den Ernst des Lebens, der scherzoartige dritte Satz die Anstrengungen des jungen Mannes, über dem ständig das Schicksal kreist. Der Finalsatz schließlich ist eigentlich zweigeteilt in eine majestätische Einleitung im Fugatostil und eine mächtige Fuge, zuletzt mit einem beeindruckenden Choral, der das Werk gewaltig abschließt. Man fühlt sich tatsächlich ab und an an Bach erinnert, so schon im langsamen Satz.


    Die Einspielung von Leif Segerstam mit den Stockholmer Philharmonikern (Swedish Society, 1972) ist für sich genommen schon sehr gelungen, allerdings holt Jewgeni Swetlanow mit dem Schwedischen Rundfunk-Symphonieorchester (Musica Sveciae, 1988) tatsächlich noch mehr heraus, ist bedeutungsschwerer und betont noch deutlicher die Größe. Besser kann ich mir das nicht vorstellen.


    Die Spielzeiten im Vergleich:


    Segerstam: 11:13 - 15:33 - 5:59 - 16:43 (6:47 + 9:56)

    Swetlanow: 15:31 - 18:44 - 10:08 - 18:14 (7:13 + 11:01)



    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Von Huga Alfven habe ich die Sinfonien-GA mit Neme Järvi (Brillant) an der ohne Vergleiche eigentlich nichts auszusetzen wäre.

    Allerdings habe ich die Sinfonie Nr.1 mit Stig Westerberg (Svedish Society) und die Sinfonie Nr.2 mit Segerstam (Svedish Society), die auch Josef erwähnt ... und die empfinde ich als noch einmal deutlich besser als die Järvi-Aufnahmen.


    Die Swedischen Rhapsodien Nr. 1-3 sind allerdings auch mit Järvi in der Alfven-GA sehr schöne Int und klangtechnisch einwandfreie Aufnahmen, denen man Hörspass pur attestieren kann.


    Von Swetlanows Alfven 2 hatte ich keine allzu positiven Bewertungen gelesen, sodass ich auf den Kauf verzichtet hatte - ausserdem bestätigte mein Blick auf die ungewöhnlich langen Spielzeiten meine Vorahnung. (Ich tendiere fast immer zu zügigeren Int ! Ich glaube auch bei der Sinfonie Nr.2 liegt mir Segerstam besser !)

    Swetlanow soll zu eigenwillig sein und am Werk vorbei interpretieren.

    Aber Pech für mich, denn jetzt ist die CD (die auch bei WARNER vorliegt) verdammt teuer und damals, als ich sie verworfen hatte, war sie im Centbereich - hätte ich bestellen müssen ...



    8) Gut, Alfven ist ein hörenswerter Komponist, aber an Sibelius; davon bin ich überzeugt ... kommt er für meine Geschmack nicht heran, denn vieles ist mir zu romantisch geprägt ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    ich glaube Du spielst auf die Symphonie Nr. 4 von Alfvén unter Swetlanow an. Die wurde von Russian Disc und auch Warner veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um keine Studioproduktion aus Schweden, sondern um einen Live-Mitschnitt aus Moskau. Tatsächlich ist das dortige Ergebnis nicht so völlig umwerfend. Die Zweite unter ihm finde ich aber hervorragend. Es fehlt in seiner Vierten einfach das nordische Idiom.


    41YJci-ObcL.jpg


    Es gibt noch einen schwedischen Mitschnitt der "leichteren" Dritten, der es bisher nicht auf CD schaffte, und Bergakungen (Der Bergkönig) als Studioaufnahme.



    Übrigens war Swetlanow persönlich von Alfvén, auf den er zufällig im Radio stieß, ganz begeistert und hat sehr viel von ihm im Konzert gemacht - von Sibelius spielte er hingegen nur einmal die Erste.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Bei dieser Gelegenheit stelle ich alle momentan gefundenen Threads über Werke von Hugo ALFVÉN ein. Die meisten sind nicht mal im Thread Directory verzeichnet. Das Einstellen dorthin ist nun noch komplizierte geworden als mit der alten Forensoftware.

    Dennoch werde ich - sobald meine Zeit es mir erlaubt mit der Komplettierung beginnen


    Wenn aber weiter oben jemand fragt, warum Alfvén nicht seiner Bedeutung gemäß gewürdigt wird, so kann ich nur segen, man sehe sich die Beteiligung ans diesen Threads an - dann weiss man es vielleicht.


    Bemerkenswert -aus meiner Sicht - ist auch, dass ich einige Sinfonien bereits gehört und durchwegs positiv bewertethabe, ich mich aber an kein einziges Thema erinnern kann. Das muss allerdings nichts bedeuten, den die "Mainstream-Sinfonien" hört man ja immer wieder.


    Hugo Alfven: Sinfonie Nr 1 op 7


    Hugo Alfvén: Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 11


    Hugo Alfvén: Symphonie Nr. 3 E-Dur Op. 23


    Hugo Alfvén: Sinfonie Nr. 4 ... 'unverhüllt erotisch' - Schweden 1919


    Hugo Alfvén: Eine Schärensage (En skärgårdssägen) op. 20


    mfg aus Wien

    Alfred


    EDIT: Alle Threads über ALFVÉN sind nun via threaddirectory zu finden

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Hallo Wolfgang,


    ich glaube Du spielst auf die Symphonie Nr. 4 von Alfvén unter Swetlanow an. Die wurde von Russian Disc und auch Warner veröffentlicht.

    Hallo Josef,

    ja, richtig. Die eher nicht so gute schwächere Bewertung der Int Swetlanows bezieht sich auf die Sinfonie Nr.4 gemäss den beiden CD-Veröffentlichungen, die Du abgebildet hast.


    Bei der Sinfonie Nr.2 bleibe ich aber bei Segerstam, dessen zügigere Tempi mir dann doch eher liegen. Wie wir ja wissen ist Segerstam in der Regel auch nicht der Schnellste ... und wenn es nun noch langsamer wird ... :/... lieber nicht.

    Segerstams Aufnahme der Sinfonie Nr.2 finde ich umwerfend gut !


    Ich habe diese Svedish Society-CDs von der Sinfonie Nr.2, die fast nicht mehr verfügbar ist. Vor vielen Jahren mal in einem Buchladen in Bad Honnef für wenige Euro (zusammen mit der Sinfonie Nr.1 unter Westerberg) auf dessen Krabbeltisch ergattert, was eher Zufall war. Damit habe ich zwei CDs erworben, die der Neeme Järvi-Sinfonen-GA (Brillant) in jeder Hinsicht überlegen ist.


    21VVJ56NBSL.jpg

    Svedish Society, 1972, ADD


    :) Schön, dass Alfred die Alfven-Threads nun im Komponistenverzeichnis leichter auffindbar gemacht hat --- Alfven lohnt es !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Liebe Taminos,

    Zitat

    von Joseph II.

    Alfvén gilt wohl zurecht als der bedeutendste schwedische Komponist neben Franz Berwald und auf alle Fälle als der wichtigste der Spätromantik in Schweden

    ist dies wirklich so? Als ich in Schweden war, hatte ich vielmehr den Eindruck, dass Wilhelm Stenhammar als bedeutendster Komponist angesehen wird. Am beliebtesten ist Peterson-Berger, am unbeliebtesten wohl Atterberg aufgrund seiner deutschen Vergangenheit.

    Aber von der schwedischen Einstellung abgesehen, so mochte ich am Anfang die Musik Alfvéns sehr gerne und hielt ihn ebenfalls für das Größte, was Schweden in der Romantik hervorgebracht hat. Heute ist dies ein wenig anders. Wenn ich seine Sinfonien höre, habe ich immer das Gefühl, dass es ihm nicht gelingt seine Themen sinnvoll zu verarbeiten. Formal scheint mir alles eher rhapsodisch angelegt zu sein, seine zweite Sinfonie ist da ein wenig die Ausnahme, die ich anlässlich des Threads noch einmal gehört habe (dazu später nochmal). Ansonsten gleicht er natürlich so manches Defizit - besonders in der 5 - durch eine geniale Instrumentation aus, wenn die Inspiration nachlässt. Nichtsdestotrotz ein sicher sehr hörenswerter Komponist.


    Die zweite Sinfonie habe ich mir gestern unter Swetlanow angehört und war von der Sinfonie mehr angetan als erwartet. Sie war immer die Sinfonie, die ich am wenigsten von Alfvén mochte. Besser als Neeme Järvis, ist die Aufnahme alle Mal, aber von meiner anfänglichen Järvi-Begeisterung bin ich nach wenigen Alternativaufnahmen mittlerweile abgerückt. Tatsächlich eine sehr wuchtige und gewaltig-mitreißende Interpretation! Auf jeden Fall besser als die Schärensage unter seiner Leitung, die ich für vollkommen missglückt halte (ich weiß, dass Du Joseph II. diese sehr gerne hast!). Den Bergakungen kenne ich noch nicht unter seiner Leitung - auch ein sehr lohnenswertes Werk, welches Alfvén neben seiner 4. Sinfonie für seine Hauptwerke hielt!


    LG
    Christian

  • Ich muss gestehen, dass mir nach Abtippen des Beitrages der Gedanke, Stenhammar unterschlagen zu haben, selbst kam. Betrachtet man sich die derzeitige Aufführungssituation, ist Stenhammar die letzten Jahre wohl deutlich wieder im Kommen. Herbert Blomstedt und Christian Lindberg haben in kurzer Abfolge eine Einspielung der 2. Symphonie vorgelegt (beide bei BIS). Vielleicht täuscht mich mein Eindruck, aber aufnahmetechnisch scheint in Schweden in den letzten Jahrzehnten eher mehr von Alfvén vorgelegt worden zu sein als von Stenhammar. So gibt es neben Neeme Järvis Gesamtaufnahme von allen fünf Symphonien von Alfvén Stereoproduktionen aus Schweden: Die Erste, Vierte und Fünfte unter Stig Westerberg; die Zweite unter Segerstam und Swetlanow; die Dritte und wiederum die Vierte unter Nils Grevillius. Von Stenhammar fand ich aus der Epoche eigentlich nur die Zweite unter Westerberg und Tor Mann. Swetlanow hat in Schweden das 2. Klavierkonzert aufgenommen und auf YouTube kursierte mal ein Mitschnitt der 1. Symphonie unter ihm. Neeme Järvi spielte halt die beiden Symphonien zweifach ein. Ansonsten weitgehend Fehlanzeige. All dies besagt natürlich wenig über die kompositorischen Qualitäten von Alfvén und Stenhammar.


    Nach langem bin ich derzeit dabei, mich wieder durch alle wesentlichen Alfvén-Werke zu hören. Die 2. Symphonie finde ich schon wirklich sehr stark und von den Dimensionen her auch seine ambitionierteste. Neben der Symphonie fantastique erinnert sich mich ein klein wenig an Bruckners Fünfte. Hätte Bach eine große romantische Symphonie komponiert, vielleicht klänge sie ja so ähnlich. Alfvéns Dritte ist ja deutlich lyrischer und klassischer angelebt, seine Italienische quasi. Die Vierte und Fünfte habe ich ewig nicht mehr gehört.


    Wie (leider) so häufig, sind die Aufnahmen von Neeme Järvi wirklich eher belanglos. Die waren auch mein Einstieg zu Alfvén und haben kaum irgendeinen Eindruck bei mir hinterlassen. Bei Stenhammar holt er vielleicht auch nicht alles heraus, was möglich ist.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid