Hanne-Lore Kuhse, Sopran (1925-1999)

  • Hanne-Lore Kuhse wurde 1925 in Müritz geboren und verstarb 1999 in Spree.
    Aufnahmen mit dieser Sängerin zu finden gestaltet sich nicht ganz einfach.
    Es gibt einen Lohengrin Querschnitt mit einem der besten Tenöre aus DDR Zeiten, Martin Ritzmann (Arien Recitel Eterna ), der nicht so blaß und Ausdrucksloß klang wie manch andere Sänger der DDR ( z. B. Eberhard Büchner ).
    Ärgerlich das es diese Aufnahme nur als Querschnitt gibt.
    Dann bietet uns eine vierer CD Box herrliche Duettaufnahmen der beiden aus Fidelio ( O namenlose Freunde), Il Trovatore ( Herr erbarm dich mein), Othello ( Gott soll dein...), Tosca ( der Messner....), welche von hohem sängerischen Niveau zeugen.
    Der Höhepunkt ihrer Diskographie ist sicherlich der Livemitschnitt Siegfried Wagners Friedensengel wo sie neben Martha Mödl ( unvergleichlich) sang und ein kompletter Tristan auch wenn ihre Isolde weder an Kirsten Flagstad, Helen Traubel noch an die junge Martha Mödl heran reicht, ist es dennoch eine hörenswerte Interpretation.
    Unbedingt sollte man auch ihre Arien aus Oberon Ozean du Ungeheuer ( anderer Tip: Gertrude Grob Prandl ), oder die Arie der Agathe wie nahte mir der Schlummer gehört haben.
    Bewundernswert auch ihre Aufnahmen der 4 letzten Lieder von Richard Strauss und Richard Wagners Wesendonk Lieder.
    Überaus gelungen auch ihre Tieflandaufnahme und eine Ariensammlung mit Wagner, Beethoven, Händel und Verdi Arien auch wenn die blaue Nacht von Händel von Lucia Popp charmanter angehimmelt wurde.
    Im großen und ganzen zählte diese Frau zu den zentralen Opernsängerinnen, trotz der mageren Ausbeute auf LP und CD auf die ich zu mindest auf keinen Fall verzichten möchte.


    LP / CD: Tiefland, Radamisto, Friedensengel, Tristan und Isolde, Lohengrin ( Querschnitt ), Porträt Hanne Lore Kuhse, Opernabend mit Hanne Lore Kuhse, Lieder ( Vaclav Neumann ), Lieder von Wolf, Reger und Berg

  • Zitat

    Original von Sven Godenrath
    Hanne Lore Kuhse wurde 1925 in Müritz geboren und verstarb 1999 in Spree.


    Du meinst sicher
    1925 in Schwaan, Mecklenburg
    1999 in Berlin

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Hallo, Forianer,
    ich bin "Zeitzeuge" der frühen Bühnenjahre von Hanne-Lore Kuhse. Nach ihrem ersten Engagement in Gera 1951 wechselte sie ans Staatstheater Schwerin. Dort habe ich sie in "Fidelio", "Tristan und Isolde", "Zauberflöte", "Troubadour" und "Tosca" erlebt. Bis auf Gastsänger wie Helge Rosvaenge sang sie in Schwerin alle an die Wand, um es salopp auszudrücken. Schwach dagegen war ihre darstellerische Leistung. Sie war sehr dick und wankte immer von einer Säule zur anderen, an der sie sie festkrampfte, um Dramatik auszudrücken. Das mag auch an der Regie gelegen haben. Man tat jedenfallls gut daran, die Augen zu schließen und nur zu hören, vor allem in ihrer Hosenrolle als Fidelio. Als das neue Opernhaus in Leipzig 1959 eröffnet wurde (es wird behauptet, dass viele Spendengelder für die Semperoper Dresden nach Leipzig umgeleitet wurden, um in der Messestadt Gästen etwas bieten zu können) , wurde sie nach Leipzig berufen, was ihr nicht leicht fiel, da sie ihrer Mecklenburger Heimat (wie Reinhard berichtigte: Geboren in Schwaan, in der Nähe Rostocks) sehr verbunden war. In Leipzig war sie dann d i e hochdramatische Sopranistin. Als Gastsängerin kehrte sie in den Folgejahren gerne nach Schwerin zurück.
    Ihre spärliche Discographie hat Sven Godenrath bereits aufgezählt. Ich habe so nach und nach die CD-Viererbox angehört, es sind sehr schöne Aufnahmen dabei, u.a. von Kurt Masur dirigiert, der damals als GMD in Schwerin wirkte.
    Gruß
    Lohengrin

  • So spärlich ist die Hinterlassenschaft von Frau Kuhse nicht, wie hier beklagt wird. Kennengelernt habe ich die Aufnahmen mit der Sängerin durch meine Beschäftigung mit dem aus Wien stammenden Heldentenor Ernst Gruber, der seine Karriere größtenteils in der DDR gemacht hat. So kam ich auch - zur Wendezeit vor über 20 Jahren - zu dieser Einspielung - 2 DDR-Künstler 1967 auf Gastspielreise in den USA, hier in Philadelphia:



    Richard Wagner (1813-1883)
    Tristan und Isolde

    Gruber, Kuhse, Densen, Kraus, Thebom, Vinay, Knelar,
    Philadelphia Grand Opera Company,
    Smith
    Label: Ponto , ADD/LA, 1967


    (in Boston sang sie auch noch die Leonore im "Fidelio" unter Leinsdorf)


    ++++++++++++++++++


    .... und hier noch ein Beispiel aus dem Bereich Liedgesang:



    Hanne-Lore Kuhse singt Lieder
    Wolf: Auch kleine Dinge; Morentau; Blumengruß; Bedeckt mich
    mit Blumen; Verborgenheit; Anakreons Grab; Über Nacht
    +Berg: 7 frühe Lieder
    +Reger: Abend; Um Mitternacht blühen die Blumen; Auf
    mondbeschienenen Wegen; Der Maien ist gestorben; Süße Ruh';
    Waldeinsamkeit; Wenn die Linde blüht; Warte nur; Die Mutter
    spricht


    Mit Helmut Oertel, Klavier,
    Label: Eterna , ADD, 1971/1972


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • In Leipzig war sie dann d i e hochdramatische Sopranistin


    Hallo,
    da ich merke, daß einige von Euch ein großes und berechtigtes Interesse an Hannelore Kuhse haben, möchte ich einiges ergänzen:
    In Leipzig war sie von 1959 bis 1964. Von da ab war sie Ensemble- Mitglied der Deutschen Staatsoper Berlin.
    1973 war sie als Gastprof. in Weimar tätig.
    Ab 1974 lehrte sie als Gesangsprofessorin an der Berliner Musikhochschule.
    Bereits 1954 wurde sie zur Kammersängerin ernannt.
    Gastspiele führten sie in die BRD, USA, Italien,CSSR, Paris, Budapest, Sofia, UdSSR.
    Sie war auch als Konzertsängerin erfolgreich tätig.
    Am 28. 3. ist ihr Geburtstag. Sie würde 86 Jahre alt werden.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Hallo, chrissy!


    Ich habe von Hanne-Lore Kuhse mehrere Aufnahmen. Z. Bsp. "Tiefland", mit Heinz Hoppe, Ernst Gutstein, Theo Adam und Harald Neukirch.


    Die MARTHA singt sie sehr eindrucksvoll.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Ich habe von Hanne-Lore Kuhse mehrere Aufnahmen.


    Hallo, lieber Wolfgang
    Ich habe von Hanne-Lore Kuhse keine Aufnahmen. Habe sie aber früher im Rundfunk auch gehört. Live habe ich sie leider auch nicht erlebt. Zu ihrer aktiven Zeit war ich noch zu jung. Ich weiß aber vom Erzählen, sie muß eine großartige Sängerin gewesen sein.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY, Görlitz / Sa.

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Ich habe von Hanne-Lore Kuhse keine Aufnahmen. Habe sie aber früher im Rundfunk auch gehört. Live habe ich sie leider auch nicht erlebt. Zu ihrer aktiven Zeit war ich noch zu jung. Ich weiß aber vom Erzählen, sie muß eine großartige Sängerin gewesen sein.


    Ich habe Hanne-Lore Kuhse immer wieder mal an der Staatsoper in Berlin gehört. Sonderbarerweise habe ich sie damals nicht besonders geschätzt. In den Partien, in denen sie auftrat, waren für mich Elisabeth Grümmer und Pilar Lorengar, Christel Goltz oder Leonie Rysanek die Idole. Im Vergleich dazu fand ich Kuhse immer gut aber auch etwas - ich sag es mal ganz ehrlich - provinziell.
    Erst über ihre Aufnahmen habe ich sie richtig entdeckt und zu würdigen gelernt. Entscheidend war für mich Wagners Wesendonk-Lieder und Bergs Sieben frühe Lieder. Danach habe ich mir weitere Aufnahmen von ihr besorgt und das waren durchweg große Entdeckungen!
    In der Rezia-Arie aus dem Oberon würde ich sie glatt vor Inge Borkh, Eileen Farrell und Gertrude Grob-Prandl stellen, direkt neben Gertrud Bindernagel und Gre Brouwenstijn!
    Sogar mit ihrer Agathe, Elsa und Elisabeth konnte ich mich anfreunden, obwohl die Partien für mich total durch die vielen Aufführungen geprägt sind, die ich von Elisabeth Grümmer gehört habe.
    Ganz ausgezeichnet finde ich sie auch als Fidelio-Leonore. Wer bitte wird mit den technischen Anforderungen in der Arie so mühelos fertig, klingt so gut und gestaltet so intensiv und anrührend wie Kuhse? Da kann man doch alle Leonoren, die zuletzt für Gesamtaufnahmen herangezogen wurden, nur vergessen. In der oben bereits erwähnten Kassette mit 4 CDs gibt es einen kurzen Schnipsel, der absolut sensationell ist: sie singt da - noch in ihrer Zeit in Schwerin - das Rezitativ der Arie "Abscheulicher, wo eilst Du hin" Vielleicht ist das Material aus einem Radiobericht über eine Schweriner Premiere. Auf jeden Fall reißt es vor dem Beginn der Arie ab - aber trotzdem sind diese wenigen Augenblicke schon die Anschaffung der ganzen Kassette wert. Kuhse stürzt sich mit einem Furor in die Empörung Leonores, wie ich das in noch keiner anderen Aufnahme gehört habe. Und auch der "Farbenbogen" leuchtet so hell und erhellend, dabei zugleich mit so viel Wärme, wie kaum bei einer anderen Leonore. Einfach zum Niederknien!!! Die Aufnahme der ganzen Arie, die sie dann ein paar Jahre später gemacht hat (unter Masur), ist noch immer ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet sogar, aber sie hat nicht mehr diese Unbedingtheit und Intensität des Fragments aus Schwerin!


    Ich habe gelernt, dass es lohnt, sich auf Hanne-Lore Kuhse einzulassen. Schade, dass es fast keine Gesamtaufnahmen von ihr gibt. Die Freude an ihrer Isolde ist ja leider durch die miese Klangtechnik arg beeinflußt. Und ihr Martha im Tiefland finde ich nicht so überzeugend. Da klingt die Stimme oft nicht gut fokussiert, da machen ihr Registerwechsel zu schaffen und ihre Linienführung neigt ziemlich stark zu Unstetigkeit. Aber die ganze Aufnahme ist natürlich ohnehin nicht gerade ein starkes Plädoyer für das Werk.


    Jetzt habe ich auch noch eine Frage: verschiedentlich habe ich Andeutungen gehört, Kuhse habe ziemlich ernste Konflikte mit der Führung in der DDR, zumal mit der Kulturbürokratie gehabt und deshalb Auftrittsverbote hinnehmen müssen. Stimmt das? Wer kann dazu was sagen?

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Jetzt habe ich auch noch eine Frage: verschiedentlich habe ich Andeutungen gehört, Kuhse habe ziemlich ernste Konflikte mit der Führung in der DDR, zumal mit der Kulturbürokratie gehabt und deshalb Auftrittsverbote hinnehmen müssen. Stimmt das? Wer kann dazu was sagen?


    Lieber Caruso,
    zunächst mal danke für Deinen guten und ausführlichen Bericht.
    Deine Frage kann auch ich Dir leider nicht beantworten. Da habe ich nie etwas davon gehört, bzw. drang nichts an die Öffentlichkeit, vor allem nichts bis zu mir in die " Provinz ". Ich werde aber mal meinen Bruder beim nächsten Treffen fragen. Vielleicht weiß er noch etwas, er ist ein paar Jahre älter als ich.
    Meine persönliche Meinung tendiert aber eher zu " nein ". Jemand, der als Professorin an einer Hochschule tätig war, konnte selbstverständlich seine eigene negative politische aber private Meinung haben, durfte diese aber nie öffentlich vertreten und gegen die vom Staat und der Partei vorgegebene Linie verstoßen. Man mußte zwar bestimmt nicht in jedem Fall zwingend der Partei angehören, aber gegen den Strom schwimmen in bestimmten Positionen ging nicht. Das wollen einige der jetzt führenden Politiker /- innen, die aus der früheren DDR stammen und seinerzeit in diesem Staat Karriere gemacht haben, nicht wahr haben. Sie geben sich gerne als frühere aktive Kämpfer gegen Staat und Partei aus. Das stimmt so aber nicht.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY, Görlitz / Sa.

    Jegliches hat seine Zeit...

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  • Ich kopiere hier mal den Text, den Kutsch-Riemens in ihrem Sängerlexikon veröffentlicht haben.



    Ihr Nachlass wird von einem befreundeten Journalisten verwaltet, von dem auch das Material für die bei Mitridate/Ponto erschienenen CDs stammt.


    LG


    :hello:

    Harald


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    (Vinícius de Moraes)


  • Das kann man ja überall selber einsehen. Mich hätte interessiert, etwas über die Frage zu erfahren, ob es stimmt, dasssie Ende der 70er Jahre erhebliche Konflikte mit dem SED-Regime hatte.

    ;) - ;) - ;)


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  • ......ob es stimmt, dasssie Ende der 70er Jahre erhebliche Konflikte mit dem SED-Regime hatte.


    Wenn ja, würde ich dies bestimmt nicht in einem öffentlichen Forum breittreten.


    8)

    Harald


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    (Vinícius de Moraes)

  • Es spräche ja wohl eher für die Persönlichkeit von Frau Kuhse als gegen sie!


    Das könnte man vielleicht so sehen.
    Die Vermutung, bzw. das Gerücht ist aber eher unwahrscheinlich, s. meinen obigen Beitrag 10.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

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  • Das könnte man vielleicht so sehen.
    Die Vermutung, bzw. das Gerücht ist aber eher unwahrscheinlich, s. meinen obigen Beitrag 10.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Ja, lieber Chrissy, Deine Argumente haben vieles für sich.
    Andererseits habe ich in Philadelphia, wo sie ja vielfach gesungen hat, immer wieder gehört, sie habe sich vom SED-Regime eingeschränkt gefühlt und etliche Musikfreunde in den USA stilisieren sie direkt zu einer Dissidentin, die observiert und schikaniert wurde. Ob da was dran ist, weiss ich natürlich nicht.
    Auffällig ist immerhin, dass sie an der Staatsoper in Berlin in keiner einzigen Premiere eingesetzt wurde.

    ;) - ;) - ;)


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  • Es ist ein Glück und eine Freude, dass ich meinen ersten Beitrag hier im Tamino-Forum Hanne-Lore Kuhse widmen darf. Ich habe sie selbst noch auf der Bühne erlebt, nur nicht mehr in ihren zentralen Partien. Ihre Karriere an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, ihrem letzten Stammhaus, hatte einen seltsamen Knick. Sie wurde lange vor dem Ende ihrer sängerischen Laufbahn nicht mehr in dem Maße eingesetzt, wie sie es der Leistung nach verdient hätte. Das hatte mehrere Gründe. Dem Typ – auch dem stimmlichen Typ nach – passte sie offenbar nicht mehr ins Raster des schon bald aufkommenden Regietheaters. Sie war ja doch eher die klassische deutsche Kammersängerin. Die Hohe Frau, die ohne Perlen und Pelz nicht aus dem Hause ging. Im Ausland kam sie wohl auch deshalb gut an. Dort wurde sie wesentlich mehr geschätzt als am eigenen Haus. Während sie beispielsweise unter Erich Leinsdorf in den USA im Konzert Brünnhilde oder Sieglinde sang, wurde sie in Berlin als Stimme des Falken in der „Frau ohne Schatten“ eingesetzt. Sie ertrug es mit Grandezza. Sie gastierte übrigens mehrfach in den USA, sang die Isolde in Philadelphia - der veröffentlichte Mitschnitt wurde hier hoch gelobt - die Busonische Turandot in New York. Sie war oft in England zu Gast, in Paris, in den skandinavischen Ländern. Ihr Debüt als Isolde an der Met scheiterte jedoch an der DDR-Bürokratie. Inwieweit Schikanen im Spiele waren, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen, sie selbst hielt sich bei diesem Thema diskret bedeckt. Jedenfalls wurden die Pass-Formalitäten nicht rechtzeitig abgewickelt. Ernste Konflikte mit dem Regime, über die im Forum gemutmaßt wurde, würde ich daraus nicht ableiten wollen.



    Ihre Diskographie - über die hier gesprochen wurde - ist nur auf den ersten Blick relativ schmal, weil nicht alle Dokumente auf Platte bzw. CD gelangten. Die meisten Aufnahmen entstanden beim DDR-Rundfunk und werden inzwischen im Deutschen Rundfunkarchiv in Babelsberg aufbewahrt. Bei der BBC haben sich Mitschnitte der Siegfried-Wagner-Opern „Der Friedensengel“ (auf CD veröffentlich) und „Der Kobold“ erhalten, in den USA der erste Aufzug der „Walküre“ mit Jess Thomas als Siegmund, die Beethovensche „Leonore“, im französischen Rundfunk wurde erst kürzlich der Mitschnitt eines Konzertes unter Leinsdorf ausgestrahlt, bei dem auch der Schlussgesang der Brünnhilde aus der „Götterdämmerung“ auf dem Programm stand. Dazu kommen private Mitschnitte. Immerhin gibt es mit Hanne-Lore Kuhse 17 Operngesamtaufnahmen – live und Studio. Mitgerechnet ist eine Rundfunk-„Fidelio“-Produktion, von der nur die Szenen der Leonore überlebten. Auch die im Rahmen der DVD-Felsenstein-Edition veröffentlichten „Hoffmanns Erzählungen“ gehören in diese Aufzählung. Die Kuhse ist die Stimme der Mutter, wird aber im Vor- bzw. Abspann nicht erwähnt, was peinlich ist. Wer also die Edition besitzt, mache sich eine ergänzende Notiz. Zudem existieren etliche Werke als so genannter Querschnitt. 14 Titel sind Chorwerke im weitesten Sinne, darunter Beethovens „Neunte“, Bruckners „Te Deum“, die „Glagolitische Messe“ von Janacek, das „Deutsche Requiem“ von Brahms oder das bedeutende „War Requiem“ von Britten. Die Zahl der einzelnen Arien, Duette und Szenen aus Opern beläuft sich auf fast fünfzig.
    Sehr umfangreich ist die Hinterlassenschaft von Liedern. Bei der RCA wurde eine sehr schöne LP mit Schubert, Wolf, Brahms und Dvorak aufgenommen, die in gut sortierten Antiquariaten manchmal noch zu haben ist. Als Privatpressung gibt es einen sehr üppigen Liederabend aus dem Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth, einen anderen aus London. Im Funk wurden beispielsweise die Liebeslieder von Brahms eingespielt. Die „Wesendonck-Lieder“ gibt es mehrfach, neben der Studioaufnahme auch einen akustische eingeschränkten Mitschnitt der „Vier letzten Lieder“ aus New York. Die Kuhse hat dem Lied neben der Oper immer große Beachtung beigemessen, was sich in dieser Konsequenz heute nicht mehr so zeigt.




    So viel fürs erste.



    Rüdiger

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Hallo Rheingold1876!


    Ich möchte Dir für Deinen umfangreichen Beitrag danken. Das war eine sehr interessante Diskographie. Damit hast Du Dich ja schon toll eingeführt. Eine Frage: Woher kommt Dein AVATAR? Da ich in dem Siebengebirge wohne, wo der Nibelungenschatz (das Rheingold) verborgen sein soll, würde mich das mal interessieren.


    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Lieber Wolfgang, für Deine Antwort danke ich sehr. Rheingold1876 leitet sich schlicht von der Tatsache her, dass Richard Wagners "Ring des Nibelungen", dessen erster Teil (Vorabend) "Das Rheingold" ist, erstmals komplett bei den ersten Bayreuther Festspielen 1876 aufgeführt worden ist. Das Einfache liegt meist so nahe. Schließlich ist dieser fulminante Auftakt der großen Tetralogie bis heute eines meiner liebsten Stücke geblieben.


    Das Siebengebirge kenne ich leider nur dem Namen nach. Beneidenswert, dass Du dort leben kannst in dieser mythischen Nähe zum echten Reingold.


    Dir einen herzlichen Gruß
    Rüdiger

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Hallo, lieber Rüdiger
    Zuerst mal ein herzliches Willkommen von mir und danke für Deinen überaus interessanten und ausführlichen Bericht über Hannelore Kuhse. Ich vermute mal, daß Du noch mehr aus den Zeiten der Berliner Staatsoper weißt. Da würde ich mich freuen, wenn wir uns da über das eine oder andere austauschen könnten.

    des schon bald aufkommenden Regietheaters.


    Hier möchte ich Dir allerdings aus eigenem Erleben, vor allem die ital. Oper betreffend, höflich widersprechen. So schnell hatte das zum Glück nicht gegriffen. Zumindest was die Aufführungen bis 1985 betreffen. Da wurde noch großartiges traditionellesTheater, bzw. Oper gemacht, wie man das auch normalerweise erwartet. Für skandalösen Regie- Klamauk und Experimente war da kein Platz. Ich glaube, dies wäre mit dem damaligen Intendanten Prof. Hans Pischner, dem Chefregisseur Prof. Erhard Fischer und auch dem Ensemble der Oper, nicht zu machen gewesen.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

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  • Hallo Chrissy,


    nach meinem Eindruck war Regietheater nicht immer das, was wir heute landläufig und meist abschätzig darunter verstehen. Die Anfänge waren durchaus spannend und vielversprechend. Mir scheint, Regietheater ist ursächlich eine Ost-Erscheinung, hat anfangs viel mit Brecht zu tun und in Teilen sogar mit Felsenstein, der nur bestimmte Werke gelten ließ und auch in die Stücke eingriff. Von Ruth Berghaus sind starke Impulse ausgegangen. Schon in den Siebzigern. Ihre ersten Opernarbeiten waren in ihrer Radikalität bedeutend und wurden sehr angefeindet. "Elektra" ist sofort abgesetzt worden, "Freischütz" und "Feldermaus" endeten als Skandal. Die Radikalität musste aber immer radikaler werden. Die Büchse der Pandora war geöffnet. Und da bin ich beim Thema. Die Berghaus hätte niemals eine Hanne-Lore Kuhse eingesetzt. Und wenn sie wie die Callas gesungen hätte. Wichtiger als die Stimme wurden Äußerlichkeiten. Stimme und Musik traten immer mehr zurück.


    Dankbar und etwas ratlos grüßt Rüdiger

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Dankbar und etwas ratlos


    Hallo, Rüdiger
    wieso ratlos? Du hast doch recht, vor allem was Ruth Berghaus betrifft und nachfolgend Kupfer und Hertz. Das waren die namhaften Anfänge damals, aber noch nicht so häufig. Felsenstein würde ich hier noch ausnehmen. Der hat in seiner Komischen Oper schon großartiges geleistet, wenn auch vieles zu übertrieben akribisch war. Dort kam es vordergründig nicht auf Stimmen an. Da hast Du auch recht. Die Solisten waren ja auch nicht " Opernsänger ", sondern " Sängerdarsteller ". Ich kann mich auch, wie ich schon schrieb, in der Hauptsache vornehmlich zu den ital. Opern in der Staatsoper äußern, die ich alle gesehen habe. Und die waren alle gut gemacht, egal welche. Großartige stimmige Inszenierungen und ein hervorragendes Gesangsensemble. Die Tosca, seinerzeit von Prof. Carl Riha a. G. inszeniert, läuft seit dem 3. März 1976 nach nunmehr 35 Jahren heute noch so.
    Herzlichst
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...


  • Wer sich auf Hanne-Lore Kiuhse einlassen möchte - Gründe dafür gibt es viele - dem sei diese CD, die ich mal großzügig noch unter Neuerscheinung einordnen möchte, empfohlen. Sie ist nicht ganz identisch mit der LP, die einst in gleicher Aufmachung beim DDR-Label Eterna erschien. Das Programm wurde um drei Nummern erweitert, nämlich um die Arie der Elisabeth aus "Don Carlos", die Szene der Marina "Nein, ich glaub nicht euren Liebesworten" aus "Boris Godunow" und eines der so genannten Drei Drei Bruchstücke aus "Wozzeck". Diese Bruchstücke halte ich für eine ihrer besten und eindringlichsten Aufnahmen. Schade, dass hier geknausert wurde, der Platz hätte es hergegeben, alle drei zu veröffentlichen. Sie sind aber in einer Edition enthalten, die dem Dirigenten Herbert Kegel gewidmet ist. Der Autor des beiliegenden Textheftes hat sich - was ja grundsätzlich sehr schön ist - offenbar an Fakten bedient, die in einem Tamino-Beitrag weiter oben zusammengetragen wurden. Er hat allerding auch einige Ungenauigkeiten und Fehler in seinen Text hineingeschrieben.


    In aller Kürze: Die Kuhse hat sehr wohl eine Premiere an der Berliner Staatsoper gesungen, nämlich die Turandot, die aber kein Erfolg war. In Philadelphia sang sind die Isolde, nicht die Brünnhilde (immer noch mit zwei n!). Die Brünnhilde gab sie vielmehr 1969 geimsam mit Bjoner (Sieglinde), Vickers (Siegmund) und Thomas Stewart (Wotan) bei der renomierten Connecticut Opera Association in der Nähe von New York. Zu den Bayreuther Festspielen wurde sie - entgegen den Angaben im Textheft - nicht eingeladen. Sie hat allerdings im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth einen von Friedelind Wagner organisierten Liederabend gegeben, von dem auch eine sehr schöne private Schallplattenpressunge existiert. In einer eben erst erschienen Biographie von Friedelind Wagner kommt auch die Kuhse gebührend vor. Beide Frauen waren eng befreundet.


    Es grüßt Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Zum Schluss ein runder Geburtstag:


    Hanne-Lore Kuhse wurde am 28. März 1925 geboren und starb am 11. Dezember 1999. Zu ihrem Ehrrentag habe ich eine Aufnahme von Eugene D'Alberts Oper "Tiefland" in einer großartigen Einspielung mitgebracht:


    Heute ist ihr 90. Geburtstag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Auffällig ist immerhin, dass sie an der Staatsoper in Berlin in keiner einzigen Premiere eingesetzt wurde.

    Die Kuhse hat sehr wohl eine Premiere an der Berliner Staatsoper gesungen, nämlich die Turandot, die aber kein Erfolg war.

    Die Kuhse hat auch 1964 in der "Macbeth"-Premiere unter Lamberto Gardelli die Lady gesungen, das lief bis 1970, und zwar immer mit ihr, außerdem hatte sie 1976 noch eine Premiere am Haus, wenn auch nur in der kleinen Rolle der Kartenaufschlägerin in "Arabella".


    Ob die "Turandot"-Inszenierung an der Deutschen Staatsoper Berlin von 1967 ein künstlerischer Erfolg war oder nicht, kann ich nicht beurteilen, weil ich sie nicht mehr gesehen habe - ich weiß nur, dass diese Inszenierung immerhin bis 1982 gezeigt wurde.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Hanne-Lore Kuhse debütierte (noch als Gast) am 7. April 1956 als "Fidelio"-Leonore an der Deutschen Staatsoper Berlin (unter der Leitung von Franz Konwitschny waren Erich Witte ihr Florestan und Theo Adam ihr Rocco).


    Am 3. Mai 1956 sang sie ihre erste und einzige Berliner Tosca (unter Horst Stein mit Erich Witte als Cavaradossi und Gerhard Niese als Scarpia)
    und am 5. Januar 1957 ihre erste Berliner Donna Anna (mit Kurt Rehm als Giovanni und Gerhard Stolze als Ottavio).


    Ihre nächste Vorstellung und Rolle am Haus war dann erst die Wiederaufnahme-Vorstellung von "Tristan und Isolde" am 27. Oktober 1963 (unter Arthur Apelt sangen Ernst Gruber den Tristan und Theo Adam den König Marke, ebenso bei der 2. Vorstellung am 9.11.1963, der 3. Vorstellung am 15.2.1964 und der 4. Vorstellung am 11. April 1964).


    Am Beginn der Spielzeit 1964/65 gab es dann folgende "Mitteilung der Intendanz":
    Folgende Mitglieder wurden mit Spielzeitbeginn neu an die Staatsoper verpflichtet:
    Otmar Suitner, Hanne-Lore Kuhse, Annelies Burmeister, Ernst Gruber, Henno Garduhn, Horst Hiestermann, Erich Siebenschuh
    .


    Dass Suitner und Kuhse gleichzeitig ans Haus engagiert wurden, entbehrt nicht einer gewissen tragischen Ironie, denn er setzte zunehmend auf andere Sängerinnen, bei den hochdramatischen Partien des deutschen Fachs eher auf die Dvorakova, bei der Donna Anna und in anderen Mozart-Rolle auf die frisch aus Italien importierte Celestina Casapietra usw. Dass die Kuhse nicht noch mehr große Rollen in Berlin sang, soll schon sehr mit auf Suitners Kappe gehen, wie mir mehrere glaubwürdige Quellen berichteten.


    Hanne-Lore Kuhses erster Auftritt als Ensemblemitglied war dann gleich am 3. Oktober 1964 die Lady Macbeth in der "Macbeth"-Premiere unter Lamberto Gardelli (mit Kurt Rehm als Macbeth, Gerhard Frei als Banco und Martin Ritzmann als Macduff). Sie sang in jeder der 33 Vorstellungen dieser Inszenierung die Lady!
    Am 18. Oktober 1964 sang sie (nach bereits vier "Macbeth"-Vorstellungen in diesem Monat am 3., 5., 10. und 15.10.) ihre erste Lied-Matinee im Apollo-Saal.


    Weitere Rollen der Kuhse neben der Lady Macbeth (33x) waren als Ensemblemitglied des Hauses:
    Donna Anna (insgesamt 5x), Abigaille (44x!!!), Isolde (insgesamt 9x), 3. Norn, Turandot (15x),
    Stimme des Falken und - nur selten zusätzlich - eine Stimme eines Ungeborenen in "Die Frau ohne Schatten" (beides hinter der Szene, um 1970 hat es eine Rückstufung auf Nebenrollen gegeben, der letzte Hauptrollen-Auftritt war am 16.10.1970 die Lady Macbeth in der letzten "Macbeth"-Vorstellung, danach trat sie kaum am mehr Haus auf, höchstens zehn Abende pro Spielzeit, eher nur fünf),
    die Stimme aus der Höhe in "Don Carlos", Mutter in "Hänsel und Gretel" (ab 1972), Larina (in der B-Premiere 1975 hinter Gisela Schröter als A-Besetzung) und als letzte neue Rolle die Kartenaufschlägerin in "Arabella" (Premierenbesetzung!).


    Am 4. September 1965 sang sie unter Suitner Beethovens IX., am 1. Juni 1966 sang sie unter Helmut Koch in Mendelssohns "Elias", am 24. Oktober 1967 einen Liederabend im Apollo-Saal, am 7. Oktober 1969 das "Mansfelder Oratorium", am 11. Mai 1970 und am 29. März 1971 weitere Liederabende, am 7. Juli und 12. September 1971 wirkte sie be Opernkonzerten zum Klavier im wiedereröffneten Schlosstheater Potsdam mit, am 27. November 1972 folgte im Apollo-Saal ein weiterer Liederabend, am 19.1.1974 sang sie ebenda in einem Sonderkonzert für Chile.


    Ihre letzte regulären Auftritte am Haus fanden im Herbst/Frühwinter 1977 statt (letzte Larina-Auftritte am 30.11 und 14.12.1977, Kartenaufschlägerin am 18.12.1977, letzte Mutter Gertrud am 26.12.1977), zum 1.1.1978 schied sie offenbar aus dem Ensemble aus - um dann am 17. April 1981 noch ein letztes Mal als Kartenaufschlägerin auf diese Bühne zurückzukehren, vielleicht ein Freundschaftsdienst für ihre alternierende Kollegin Jutta Vulpius. Danach verschwindet der Name der Kuhse endgültig auf den Besetzungszetteln des Hauses.


    Soweit mein kleiner Memorial-Beitrag anlässlich ihres heutiges 90. Geburtstages.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Wahrlich eine BERÜHMTE Stimme :pfeif:


    Warum nur ist sie nie zu hören?

    Vermutlich sollte es unter meiner Würde sein, auf einen solchen Beitrag überhaupt zu reagieren, nur soviel: Wer sich im Ölbronner Umkreis wirklich für Gottlob Frick interessiert, sollte diese Aufnahme eigentlich kennen:



    Hier singt sie wunderbar dramatisch das Quartett im Arbeitszimmer des Königs (das ja lange ein Duett zwischen Königin und König ist) und die große Arie der Elisabeth im letzten Akt, die finde ich wirklich ganz hinreißend gesungen!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Zitat

    Hier singt sie wunderbar dramatisch das Quartett im Arbeitszimmer des Königs (das ja lange ein Duett zwischen Königin und König ist) und die große Arie der Elisabeth im letzten Akt, die finde ich wirklich ganz hinreißend gesungen!


    Das kann ich hier bestätigen. Diese Aufnahme besitze ich auch.

    W.S.

  • Schön, dass Stimmenliebhaber das Wirken von Hanne-Lore Kuhse an der Berliner Staatsoper so lückenlos dokumentiert hat. In der Tat war es so, dass GMD Otmar Suitner, gleichzeitig mit ihr an das Haus berufen, von der Kuhse offenkundig nicht sehr viel hielt. Es geistern da die verschiedensten Geschichten herum. Schwamm drüber, beide sind tot. Ungeachtet dessen hatte sie eine recht beachtliche Karriere im Ausland. Erich Leinsdorf mochte und förderte sie sehr. Er lud sie mehrfach zu Gastspielen in die USA, nach Frankreich und nach London ein. Davon haben sich einige sehr schöne Tondokumente erhalten. Hier ein Foto der beiden:



    Ihren ersten internationalen Erfolg hatte die Kuhse bereits 1956 in Nice in einer prominent besetzten Aufführung des "Holländer". Ich stelle mal den Programmzettel ein:



    1967 gastierte sie in London mit den "Vier letzten Liedern" von Strauss und dem ersten Aufzug der "Walküre". Diesen Programmzettel habe ich deshalb herausgesucht, um auch auf den Dirigenten Norman Del Mar abzuheben. Vielleicht liest ja Joseph II. diesen Beitrag und fühlt sich zu einen ihm gewidmeten Thread ermutigt. Ich möchte Joseph nicht vorgreifen, denn es kann ja gut sein, dass er Norman Del Mar längst auf seiner Liste hat. Mich sollte das genau so freuen wie mich seine vielen anderen neuen Dirigenten-Threads beeindrucken.


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Schön, dass Stimmenliebhaber das Wirken von Hanne-Lore Kuhse an der Berliner Staatsoper so lückenlos dokumentiert hat.

    Da war doch noch eine kleine Lücke! ;)


    Hanne-Lore Kuhse debütierte (noch als Gast) am 7. April 1956 als "Fidelio"-Leonore an der Deutschen Staatsoper Berlin (unter der Leitung von Franz Konwitschny waren Erich Witte ihr Florestan und Theo Adam ihr Rocco).

    Das war zwar ihr erster Auftritt im wiedereröffneten Stammhaus Unter den Linden, aber sie hat tatsächlich bereits zu ihrer Schweriner Zeit zwei Mal als "Fidelio"-Leonore im Ausweichquartier Admiralspalast gastiert:


    Ihr Debüt fand bereits am 29. Januar 1953 unter dem Dirigenten Karl-Egon Glückselig statt, ihre Partner waren an diesem Abend Ruth Keplinger als Marzelline, Kurt Schüffler als Florestan, Willi Heyer-Krämer als Pizarro, Otto Hopf als Rocco, Gerhard Unger als Jaquino, Heinz Friedrich als Minister Don Fernando sowie Hilbert Kahl und Eugen Fuchs als Solo-Gefangene.
    Auf dem Besetzungszettel steht unter ihrem Namen der Zusatz "Staatstheater Schwerin" in Klammern, auch noch bei ihrem zweiten Auftritt im gleichen Haus und in gleicher Rolle am 22. Februar 1954,
    wieder unter der musikalischen Leitung von Karl-Egon Glückselig, wieder mit Keplinger, Unger, Kahl und Fuchs, jetzt allerdings mit Erich Witte als Florestan, Gerhard Niese als Pizarro, Heinrich Pflanzl als Rocco und Walter Großmann als Minister.


    Ihr nächster Auftritt war dann wirklich erst die schon erwähnte "Fidelio"-Leonore am 7. April 1956 im wiedereröffneten Stammhaus Unter den Linden. :)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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