Verdi & Wagners 200. Geburtstag - Bilanz eines Opernjahres

  • Liebe Taminos,


    Wir gedenken in diesem Jahr besonders zweier großer Komponisten, die vor zweihundert Jahren - im Jahre 1813 geboren wurden. Guiseppe Verdi und Richard Wagner. Wie haben wir diese großen Komponisten – speziell in diesem Jahr wahrgenommen? Gab es eigentlich ein Verdi, ein Wagner Jahr?


    Was mich angeht, habe ich mein Augenmerk auf die CD- Aufnahmen gelenkt, die oft jahrelang in der Versenkung verschwunden waren und in diesem Jahr natürlich neu und verstärkt auf den Markt gebracht wurden. Oft neu überarbeitet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht (Digital Remastering etc.etc….)


    Dabei erinnere ich mich eines Threads von Alfred, der kürzlich über die Tontechnik und deren Wichtigkeit sprach. Ich habe nämlich einige Aufnahmen in diesem Jahr erworben, die man schlicht tontechnisch als „Nicht akzeptabel“ deklarieren könnte, auch wenn man mal reingehört hat, ließ sich nicht auf die ganze Aufnahme schließen (Oder es gab erst gar nichts zum Reinhören.) Ich möchte diese Aufnahmen hier nicht benennen, da mich sonst die Firma amazon und jpc hier evtl. rechtlich in die Enge treiben könnte.


    Es „Tummelt“ sich anscheinend jedoch zur Zeit so manch „Makabres Label" auf den Internetseiten herum. Wir Klassikliebhaber wollen aber auch Qualität kaufen und keinen Ramsch. Wir erwarten vom Verkäufer, dass er diese Aufnahmen im Voraus entsprechend prüft. Es geht hier ausschließlich um Live-Aufnahmen.


    Was hat uns das Verdi & Wagner Jahr 2013 im Fernsehen gebracht? Bisher nichts was die Durchschnittskost übertreffen könnte. RT lasse ich hier völlig aus der Kritik, da ich an dieser Diskussion keinen Gefallen finde, denn diese entgleist regelmäßig!!


    Was bleibt also Positives zu berichten? Großes Interesse hat scheinbar bei den Taminos der „Junge Verdi“ erzeugt. Bravo! Es lohnt sich auch diesen zu entdecken. Für die meisten Verdi Liebhaber beginnen ja seine Kompositionen erst beim „Rigoletto!“


    Ein absoluter Wagner – Fan bin ich nie gewesen, jedoch gehören alle Opern von ihm zu meinem Bestand. Ich muss sagen, bis auf den "Tristan" bin ich ihm im Laufe der Jahre näher gekommen. Besonders gefiel mir die Veröffentlichung des Swarowsky Ringes, den ich auch neu erworben habe.


    Alles in allem hat mich das Verdi-Wagner Jahr 2013 nicht künstlerisch überzeugt. Man hätte mehr daraus machen können. Wie habt ihr dieses Jahr erlebt?


    Gruß


    Bernard :hello:

    Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief wie die MUSIK,
    eben weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt



    Arthur Schopenhauer

  • deinen Hinweis finde ich interessant. Was hat dir denn besonders an dieser Einspielung gefallen?


    Lieber Klaus,


    In meinem Besitz befinden sich vier Gesamtaufnahmen des "Ringes" (incl. Swarowsky) Der Solti, der Karajan - und der Janowski Ring. Jeder hat seine Vorteile, seine Nachteile. Den Swarowsky Ring kannte ich bisher überhaupt nicht, wagte aber das Experiment, das mich über alle Maßen positiv überraschte. Für mich hat der Swarowsky Ring die beste Textverständlichkeit und auch die Stimmen sind im wahrsten Sinne des Wortes nur als sehr gut zu bezeichnen. Für mich war dieser Ring wirklich eine Überraschung und mit das Beste, was in diesem Jahr von der CD kam.


    Gruß


    Bernard :hello:

    Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief wie die MUSIK,
    eben weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt



    Arthur Schopenhauer

  • Für mich war dieser Ring wirklich eine Überraschung und mit das Beste, was in diesem Jahr von der CD kam.


    Der Swarowski-Ring kam im Herbst 1968 heraus - auf Musikkassetten, bzw. auf 32 LPs (10" bzw. 25 cm) von einer ital. Firma namens "Fratelli Fabbri", die eigentlich "Wundertüten" vertrieb.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mir sei es gestattet, einige persönliche Bemerkungen zum Wagner-Jahr zu machen. Nicht, dass mich Verdi nicht interessierte. Ich habe mich ganz einfach 2013 zu wenig mit ihm beschäftigt. Also Wagner! Mich freut, dass sich seine Geburtsstadt Leipzig wieder stärker ihres größten Sohnes besinnt. Es gibt Ausstellungen, und es wurde sogar ein großes Denkmal enthüllt in der Nähe seines nicht mehr vorhandenen Geburtshauses. Es zeigt den jungen Wagner, nicht schlecht gelungen für meinen Geschmack, wenngleich gewöhnungsbedürftig. Im Gegensatz dazu hat meine Heimatstadt Berlin ihr großes Wagner-Denkmal im Tiergarten weiter verkommen lassen. Es zeigt sich verdreckt, besudelt, beschädigt. Dabei wird in der Berlinischen Galerie mit dem monumentalen Gemälde über die Einweihung dieses Denkmals von Anton von Werner geprotzt. Die drei hoch subventionierten Opernhäuser der Stadt haben nicht eine Inszenierung herausgebracht, die Nachhaltigkeit besitzt. Es gab kein Frühwerk wie in Leipzig und in einigen anderen Städten. "Rienzi" blieb im Heimatland Wagners auch 2013 ein weitgehend unbekanntes Werk. Die längst überfällige vollständige Aufführung der Originalfassung fand nicht statt. Um sie zu hören, muss man auf eine Produktion der BBC aus dem Jahre 1976 (!) zurückgreifen, die es zum Glück mal auf CD gab. Die Musikindustrie hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Es wurden weitgehend sattsam bekannte Produktionen neu aufgelegt bzw. in mehreren Editionen zusammengefasst. Nach wie vor gibt es auch im Wagner-Jahr keine Gesamtausgabe auf CD. Vor allem die Gelegenheitswerke sind nie vollständig eingespielt noch aufgeführt worden. Nach dem original besetzten Siegfried-Idyll, einem durchaus zentralen Werk, mit 13 Instrumenten muss man mit der Lupe suchen. Ein Tamino hat mich dankenswerter Weise auf eine Klemperer-Box aufmerksam gemacht, die es enthält. Danke nochmals an dieser Stelle! Ein anderer führte die Aufnahme unter Gould an. Will sagen: Das ist Tamino von seiner besten Seite!


    Bayreuth hat das Jubiläum verschlafen. Der neue „Ring“ ist nicht der Rede wert. Die ständige Ausstellung ist geschlossen, der Umbau des Museums in die Zukunft verlegt. Von der Wagnerstadt gingen 2013 keine Impulse aus. Geschweige denn, dass die Familienarchive geöffnet worden wären. Dresden blieb auch merkwürdig zurückhaltend. Christian Thielemann hat zwar einige interessante Titel ins Konzertprogramm aufgenommen - viel mehr nicht. Mit den einzelnen Fassungen des „Fliegenden Holländer“, der in Dresden uraufgeführt wurde, hat man sich schwer getan. In Berlin gab es ein konzertante Aufführung unter Runnicles, die aber fast unbeachtet blieb, weil nicht als solche beworben. Weit abgeschlagen wurde die Holländer-Oper von Dietsch gegeben, für die Wagner in Paris seinen eigenen Entwurf verkauft hatte. Interessant ist, dass beide Werke jetzt auf CD unter Minkowski herausgebracht wurden. Das ist ein bemerkenswertes Ereignis.


    Auf dem Buchmarkt habe ich wenig Interessantes gefunden, viele alte Themen neu gewälzt. Am besten haben mir die Bayreuther Tagebücher von Alfred Pringsheim gefallen. Der Schwiegervater von Thomas Mann war einer der Mäzene der ersten Festspiele und ging bei Wagners in Wahnfried aus und ein. Er hat genau beschrieben, wie Wagner was sprach. Das ist so genau, als hätte der plötzlich wie von einer Schallplatte seine Stimme zurückbekommen. Ein weiteres Buch von Werner P. Seifert, das ich mit Hingabe las, dokumentiert alle Wagner-Aufführungen in der ehemaligen DDR, vom Beginn in der sowjetischen Besatzungszone an bis zum Niedergang. Es zeigt, wie unverkrampft der Umgang mit Wagner zunächst gewesen ist und wie er immer mehr in die ideologische Mühle geriet.


    Das nur ein paar Eindrücke, ganz subjektiv.


    Ein schönes Thema wurde da von Bernard angestoßen. Mögen sich viele beteiligen mit ihren Eindrücken und Erlebnissen.


    Herzliche Grüße
    Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber amadeus45,


    fürwahr ein schöner thread. Ich muß gestehen, daß dieses Doppeljubiläum bei mir in Hinsicht auf Einspielungen etc. keinen so großen Eindruck hinterlassen hat. Da ich vor Kurzem nach Leipzig gezogen bin, hat sich Wagner denn auch präsenter gezeigt in meinem Umfeld. In der Alten Nikolaischule, in der Wagner ein eher schlechter als rechter Schüler war, ist eine hübsche Ausstellung zu seiner Jugend eröffnet worden, Rheingold1876 hatte erfreulicherweise bereits darauf hingewiesen. Ebenso wie die Zuwendung Leipzigs zu Wagner Frühwerk und den Beginn eines neuen Ring (mit Rheingold und Walküre, deren Premiere noch ansteht). Ich habe hier bisher Die Feen, Das Liebesverbot sowie Rienzi gesehen/ gehört. Bleibend ist meine Begeisterung für die Feen, das hinsichtlich der Geschichte herrlich naive, hinsichtlich der Musik recht heterogene Werk, das ich aufgrund der vielen darin vertretenen Einflüsse so mag. Vom Denkmal bin ich allerdings nicht so recht überzeugt, obgleich mir die Idee mit dem großen Schatten/ kleinen Wagner gut gefällt.
    Hinsichtlich Verdi war hier leider nicht so viel zu holen. Die Traviata wurde bereits im letzten Jahr gegeben, Nabucco habe ich leider immer verpasst (aufgrund anderer Termine), Rigoletto war ebenso bereits im Vorjahr auf dem Plan (hat mir sehr gut gefallen). Leider keines der Verdi Frühwerke, das hätte mir als Parallele gefallen. Also habe ich ich mit den Gardelli Einspielungen getröstet. Da ich ohnehin beruflich so viel lese, habe ich leider von den zahlreichen Biographien etc. nicht so viel mitbekommen.
    Obwohl ich eigentlich viel eher zu Verdi tendiere habe ich meinen neuen Standort genutzt und mich verstärkt Wagners Repertoire gewidmet. In diesem Sinne hatte das Jahr für mich dann doch einige schöne Momente. Wer weiß, ob man ohne Jubiläum hier die Frühwerke auf die Bühne gebracht hätte.


    Mit herzlichem Gruß
    JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Meine Einschätzung des Jubiläumsjahres entspricht der von amadeus45. Allerdings erwarte ich persönlich von den Öffentlich-Rechtlichen auch nichts mehr, von den Privaten ohnehin nicht.


    Kultur wird heute anders definiert: Quote und Zote. Das Bedauern über das scheußliche Niveau hält sich bei mir schon seit Jahren in Grenzen, Fernsehen und Radio bringen das, was das Publikum will und die Theater schließen sich dem in Gänze an. Das neulich gehörte Wort, daß Theater-Inszenierungen bald mit "Jugendverbot" belegt werden müssen, halte ich für völlig neben der Sache. Im Fernsehen wird tagtäglich das angeblich wahre Leben exerziert, im Internet ist es noch schlimmer und die Spirale nach unten wird in den nächsten Jahren weiter gehen.


    Ich zucke nur noch mit den Schultern und mache mein eigenes Programm. Und da haben Verdi und Wagner soviel gute Musik produziert, daß mir persönlich ein Leben nicht ausreicht - von der Musik der anderen "Compositeurs" mal ganz abgesehen.


    Und der Thread-Starter hat da schon wieder eine Geldausgabe bei mir provoziert: den "Ring" von Swarowski. Der scheint, nach dem hier gelesenen Statement, aber auch nach Kritiken, dem "Tannhäuser" unter dem gleichen Dirigenten sehr gelungen zu sein.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Zum Wagner-Jubiläum


    Liebe Forianer,


    es ist immer auch ein Prozess der Wahrnehmung, etwas zur Kenntnis zu nehmen (wollen), oder gar um sich mit dem, was so alles im Wagner-Jahr erschienen ist, auseinander zu setzen (wollen). Deshalb kann ich dieser Einschätzung nicht ganz folgen:


    Zitat von Rheingold1876

    Die Musikindustrie hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Es wurden weitgehend sattsam bekannte Produktionen neu aufgelegt bzw. in mehreren Editionen zusammengefasst. Nach wie vor gibt es auch im Wagner-Jahr keine Gesamtausgabe auf CD. Vor allem die Gelegenheitswerke sind nie vollständig eingespielt noch aufgeführt worden.

    Mit diesen beiden Boxen hat man den Wagner fast komplett:



    Aus Frankfurt stammt eine völlig neue Einspielung sämtlicher Opern Wagners.
    Janowski beendet 2013 seinen Wagner-Kanon vom "Holländer" bis "Parsifal" in einer orchestral wohl derzeit kaum zu überbietenden Qualität! Dazu kommen interessante neue Einzelveröffentlichungen:



    Im visuellen Bereich ist es ähnlich:



    Am 15. Februar 2014 erscheint dann noch der MET-"Parsifal" mit Kaufmann unter Gatti.



    Man bedenke: Zum Wagner-Jubiläum 1983 (100. Todestag) gab es audio-visuell nur diese Produktionen neu:



    Auch auf dem Buch-Markt gibt es interssante Neuerscheinungen:



    Fazit: Es gibt im Wagner-Jahr 2013 vieles Neues zu hören, zu sehen und zu lesen!



    :hello: LT

  • Mir scheint es naiv, allzuviel von solch einem Jubiläumsjahr zu erwarten. Offensichtlich ist die Situation bei einem Wagner/Verdi-Jubiläum kaum mit Haydn, Händel, Liszt, Mendelssohn zu vergleichen, bei denen es für viele Hörer noch einiges zu entdecken gab. Von einigen Frühwerken abgesehen ist bei diesen Opernkomponisten der Katalog voll mit hochklassigen Aufnahmen. Dazu kommt, dass nicht wenige Opernfreunde die Gesangsstars der Vergangenheit in diesem Repertoire ohnehin für unübertrefflich halten, was zusätzlich zu den immensen Kosten Neuproduktionen der Opern kommerziell wenig aussichtsreich macht.


    Niemand kann und will heute eine kommerzielle Rienzi-Einspielung bezahlen, weil das nur ein großes Verlustgeschäft werden kann. Wie es mit Verdis Galeerenopern aussieht, wage ich nicht zu beurteilen, aber vermutlich ist das recht begrenzte Interesse an diesen Stücken ebenfalls ganz gut mit den schon vorliegenden Aufnahmen abgedeckt.


    Dass in Leipzig die drei frühen Opern Wagners auf die Bühne gebracht wurden, finde ich schon ziemlich beachtlich.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Im Wesentlichen hast du recht, Johannes. Aber Wagner bietet immer noch genug Reibungsfläche, die auch immer wieder zu Neuproduktionen führt. Gerade im visuellen Bereich mit HD-Qualität sind bei mir noch so einige Wünsche offen...


    :hello: LT

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  • Lir Amadeus 45. warum diese Angst bestimmte Aufnahmen als das zubezeichnen was sie sind nämlich Schrott, weil hier die LP bzw. CD verlage erklatant versagt haben.
    Ring der Nibelungen utner Haiting, sterbenslangsweilig
    Don Carlos unter Haitunk nichts als pure Pflichterfüllung des Dirigenten.
    La Traviata mit Domingo unter C. Kleiber , ( Stretta gekürzt, das C zum Ende , irgenteine beschleunigte Note wurde diletantisch hintenran geklascht.
    Il Trovatore, Domingo, Millo unter Levine ( Stretta, wie sich die Bilder gleichen
    Rigoletto, Pavarotti, Studer, in Abständen von mehreren Jahren aufgenommen, wie die Stimmen doch innerhalb weniger Jahre rapide Altern können erlebt man hier.
    Letzter Studio Otello mit Domingo nicht mehr als ein müder Abklatsch.
    Meistersinger unter Varviso Livemitschnitt bei Phillips, eine einzige Unverschämtheit.
    Boulez Ring mit Hofmann bei Phillips unglaublich das so etwas überhaupt veröffentlicht werden durfte.


    Das sind jetzt nur ein paar Aufnahmen wo , sofern verhanden, man nur mit dem Kopf schütteln kann.
    Viele werden übrigens noch heute als das Nonplusultra gelobt, wahrscheinlch habe es diese Menschen versäumt hier einmal genauer hineinzuhören.
    Zuhören scheint ja nicht nur in der heutigen Zeit manche Menschen vor schier kaum zu überwätigende Hindernisse zu stellen.

  • Aus Frankfurt stammt eine völlig neue Einspielung sämtlicher Opern Wagners.


    Hallo Liebestraum, ist mir da etwas entgangen? Wirklich sämtliche Opern von Wagner aus Frankfurt? Ich habe Deinen Beitrag mit seiner Kritik an meinen Ausführungen sehr gern und aufmerksam gelesen. Ja, ich gebe Dir Recht, was die Wahrnehmung anbelangt. Meine ist offenbar eine andere. Vielleicht erwarte ich zu viel. Bei den von Dir aufgelisteten neuen Aufnahmen handelt es sich - so ich mich nicht irre - durchweg um Mitschnitte, die ja immer nur einen Moment festhalten, von dem ich fürchte, dass er schnell verfliegt. Die Besetzungen sind meist problematisch, es gibt oft nur hervorragende Einzelleistungen. Viele sind auch eine Prüfung wie Frau Bullock als Brünnhilde im Frankfurter "Ring" oder Frau Voigt in der gleichen Rolle im Mitschnitt von der Met. Auch Thielemanns Brünnhilde Linda Watson ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Im Theater will ich solche Leistungen noch gelten lassen, nicht aber auf CD. Du hast Veröffentlichungen von 1983, auch einem Wagner-Jahr genannt: Tristan unter Kleiber und den Dresdener Ring unter Janowski! Beide Studio, beide mit einem völlig neuem Interpretationsansatz. Der LP-Tristan sogar mit einer neuen Methode, um die Schnitte in dem durchkomponierten Werk erträglich zu halten. Es wurde am Ende einer Plattenseite aus- und zu Beginn der folgenden eingeblendet. Eine Idee, die sich nicht durchsetzte, die ich aber sehr spannend fand. Ja, das waren Leistungen. Heute macht sich Janowski selbst Konkurrenz, dazu noch mit einer wesentlich schlichteren Besetzung. Warum? Ich habe mir die große Box von der DG noch einmal genau angesehen. Opern werden nicht zur Originalversion, wenn man das im Booklet schreibt. Die "Rienzi"-Einspielung ist natürlich stark gekürzt. Von Original kann gar keine Rede sein. Das ist nur ein Beispiel. "The other Wagner" ist wirklich eine gute editorische Leistung, die ich auch sofort angeschafft habe. Das originale Siegfried-Idyll fehlt auch hier, die Klaviermusik ist nicht komplett. Die Doppelproduktion des Holländer von Wagner und Dietsch unter Minkowski, die Du auflistest, hatte ich auch genannt und mich sehr darüber gefreut. Das ist ein echter Beitrag zu einem Wagner-Jahr, wie ich ihn mir vorstelle. :) Den DVD-Rienzi lasse ich nicht gelten, der gehört auf dem Index. X( Das Werk wurde mutwillig verhackstückt, um es als Parabel vom Aufstiegs und Falls eines Diktators - gemeint ist hier, wie aus der inszenierten Ouvertüre ersichtlich, Hitler. Wer sonst. Wenn es denn eine große Zahl von abgefilmten Inszenierungen des Werkes gäbe, die die Auseinandersetzung mit ihm dokumentieren, würde ich diese Variante noch durchgehen lassen. So aber geht das wirklich nicht. Die Oper ist auf Lärm und Barbarei zusammengestrichen, dass sie nicht mehr anzuhören ist. Wer sich nicht ganz genau auskennt mit dieser Oper, wird sie lässlich und unerträglich finden. Die Szene der Friedensboten, eine der größten Erfindungen von Wagner und die musikalische Vorwegnahme der romantischen Oper, ist gestrichen, weil sie nicht in das politisch verbohrte Konzept passt. Hitler und Frieden, das geht eben nicht. Das geht wirklich nicht, weshalb die eigene Idee dem Regisseur ja auf die Füße fällt.


    So viel vorerst. Herzlich grüßt Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lir Amadeus 45. warum diese Angst bestimmte Aufnahmen als das zubezeichnen was sie sind nämlich Schrott, weil hier die LP bzw. CD verlage erklatant versagt haben.
    Ring der Nibelungen utner Haiting, sterbenslangsweilig.


    Wäre es bitte möglich, hier ein gewisses sprachliches und orthographisches Mindestniveau zu pflegen? Es gibt die technische Möglichkeit der Rechtschreibkorrektur, und es gibt die Kulturtechnik, sich einen Beitrag noch einmal durchzulesen, bevor man ihn abschickt.


    Danke.


    Herzliche Grüße


    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Hallo Rheingold1876,


    zwischen Studio-Aufnahmen und Live-Mitschnitten gibt es ja kaum noch einen Unterschied. Nur eben diesen: dass bei Studioproduktionen die Sänger tricksen können, in dem sie die Opern an verschiedenen Tagen aufnehmen, während ein Livemitschnitt (auch bei Zusammenschnitten) den realen Leistungsstand eines Abends abliefert.


    Rollenbesetzungen sind immer auch problematisch, das ist im Studio nicht anders als bei Live-Aufnahmen. Beide Studio-Aufnahmen aus dem 83.-Jubiläumsjahr sind ja auch gerade hinsichtlich der Besetzungen stark kritisiert worden.


    Bei der "Rienzi"-Produktion auf Bul-ray/DVD die ich hier weiter oben einstellte, handelt es sich eben nicht um den Mitschnitt aus der Deutschen Oper Berlin, der tatsächlich stark umgedeutet wurde. Da hat dir deine Wahrnehmung erneut einen Streich gespielt!



    :hello: LT

  • Bei der "Rienzi"-Produktion auf Bul-ray/DVD die ich hier weiter oben einstellte, handelt es sich eben nicht um den Mitschnitt aus der Deutschen Oper Berlin, der tatsächlich stark umgedeutet wurde. Da hat dir deine Wahrnehmung erneut einen Streich gespielt!


    Sorry, ich hatte mich durch den Sänger der Titelpartie, der in beiden Fällen der Gleiche ist, nämlich Thorsten Kerl, selbst in die Irre geführt. Dass Du daraus bei mir ein Wahrnehmungsproblem machst, finde ich zwar nicht sehr charmant, aber ich kann gut wegstecken. ;) Wo Du Recht hast, hast Du Recht.


    Grüße von Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Also ich möchte mich nicht beklagen!


    Richard Wagner


    - Rienzi (HH, konzertant)
    - Parsifal (HL)
    - Die Meistersinger von Nürnberg (HH)
    - Tannhäuser (HH)


    Sowie zwei Konzerte des NDR-Sinfonieorchesters unter T.Hengelbrock bzw. C.Eschenbach u.a. mit Ouvertüren und dem Schluß der Götterdämmerung. Schließlich noch zum Ende des Jubiläumsjahres am 29.12.2013 Tristan und Islode wieder in Lübeck.


    Giuseppe Verdi


    Leider mit den Frühwerken I due Foscari (mäßig) und I Lombardi (hervorragend) etwas unterrepräsentiert. Dafür im März des kommenden Jahres noch ein Don Carlo in Lübeck.


    Benjamin Britten (Vielleicht könnte man diesen m.E. nicht bedeutenden Jubilar noch nachträglich im Thread-Titel aufnehmen?)


    - Gloriana


    Sowie ein großartiges War Requiem unter Simone Young mit Matthias Goerne u.A. und kommend am 05.12.2013 Peter Grimes in Hamburg.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.