Memoiren, Biographien, Sachliteratur - Musiker und Bücher

  • Vielen Dank für den Hinweis, durch den ich auch auf die Website des Autors aufmerksam wurde. Das sind sicher interessante und lesenswerte Bücher, allerdings finde ich den Preis doch recht hoch. Vielleicht gibt es ja mal eine günstigere Tb- oder Kindle-Version.


  • Durch Zufall bin ich auf dieses Buch gekommen. Es listet alle Ortsnamen, Figuren und Begriffe - die so genannten Wagner-Wörter - auf, die in seinen musikdramatischen Werke vorkommen. Sie werden erklärte, gedeutet und etmylogisch untersucht. Ein Beispiel:


    Neiding: Eigentlich der Neidische, so auch im Mittelhochdeutschen. Von Neid abgeleitet erschließt sich die Bedeutung, die Wagner dem Neidumg gibt,: ein feinseliger, hasserfüllter Mensch. "Der Neidenge harte Schar" (Walküre 1,2), erzählt Siegmund, brannten nicht nur sein Heim, das Wolfsnetz nieder, sie vergriffen sich auch an Frauen und Kindern: Erschlagen der Mutter mutiger Leib, verschwunden in Gluten der Schwester (Sieglinde) Spur. Selbst auf der Flucht waren Siegmund und Wolfe auch noch ihrer Verfolgung ausgesetzt; ein starkes Jagen auf uns stellten die Neidinge an. Im germanischen Recht führte eine "Neidingstat" zur Verbannung aus dem Gemeinwesen. Der Neiding wurde für friedlos und gesetzesfrei erklärt und war nicht mehr von den Rechtsordnung geschützt. Jedem war es untersagt, einem Neiding zu helfen, ihm aufzunehmen oder ihm Nahrung zu geben. Er musste im Wald Schutz suchen, und sein Hab und Gut verfiel der Sippe. Seine Frau galt rechtlich als verwitwet. Die Kinder des Neiding wurden Waisen.


    Die rot markierten Wörter sind es auch im Buch als Kennzeichnung für eine weiterführende Verknüpfung. Zitate aus den Werken sind kursiv gesetzt.


    Ein sehr anregendes, bildendes und auch unterhaltsames Buch, das auch einen große Einführung in Wagners Sprache enthält. Ich bin froh, es gekauft zu haben.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hallo Rheingold!


    Das liest sich interessant. Ich gebe zu, dass ich bei Tristan und Isolde und Lohengrin - trotz Untertiteln - streckenweise kein Wort verstanden habe.


    "Dein harret Unsieg" (schwäbisch: Des klappt net!)


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo WoKa, leider ist es heutzutage weit verbreitet, unverständlich zu singen. Wagner selbst hat ja seinen Sängern bei jeder Gelegenheit Deutlichkeit eingeschärft. Und das gilt natürlich ganz besonders für seine Sprache und Wortwahl. Was hat man nicht alles schon gehört. Es ist aber gewiss auch unglaublich schwer für einen Nicht-Muttersprachler, Wagners Texte zu erfassen und richtig wiederzugeben.


    Ich kenne mich mit den Texten eigentlich ziemlich gut aus. Schon als Zehnjähriger hatte ich die Reclam-Hefte. Noch bevor ich die Musik dazu kannte. Ich lernte vieles auswendig. Verstanden aber habe ich zunächst fast nichts. Kurz um, ich habe gestern bei der ersten Lektüre auch noch vieles dazugelernt.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Schon als Zehnjähriger hatte ich die Reclam-Hefte.


    Lieber Rüdiger,
    ich könnte mich in den Hintern beißen!! Auch ich habe die Reclamhefte gesammelt, pro Stern auf der Rückseite 40 Pfennige. Alle Pflichtliteratur (selbst "Der Streit um den Sergeanten Grischa" mit 5 Sternen kostete nur 2,- DDR-Mark) bis zum Abi waren Reclams, auch ich hatte sicher 100 Textbücher zu Opern, dazu sicher 50 Schauspiele. Schiller, Shakespeare usw.


    Irgendwann habe ich bei einem meiner insgesamt 5 Umzüge alles aus Platzgründen weggeworfen, genau wie die für 25 Pfennige zu habenden Hefte der Reihe "Das neue Abenteuer" und die in A6 erschienenen Hefte für 35 Pfennige (der Name der Reihe ist mir entfallen). Mist.
    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Ich lese gerade die solide Korngold-Biografie von Brendan Carroll.

    Für eine detailliertere Wertung habe ich noch nicht genug gelesen.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Hans Heukenkamp, wenn du über Korngold weiterlesen möchtest sei dir diese Literatur weiterempfohlen.....


    .....und vorallem dies hier, nicht so ganz einfach zu lesen aber interessant, ich habe es gekauft wegen diesem Artikel, der dich wohl auch interessiert....

    Zitat von Amazon

    Man findet ein flammendes Plädoyer für "Das Wunder der Heliane", eine schlüssige Erklärung, warum Korngolds letzte Oper "Die Kathrin" zu Recht scheiterte,

    Zitat von Amazon

    Alles in allem eine "runde Sache" und überaus kaufenswert, alleine wegen dem inzwischen schon recht bekannt gewordenen Satz Jens Malte Fischers, man müsse "jedes Operntheater, das es wagt, 'Die Frau ohne Schatten' anzusetzen, unter Androhung einer gewaltigen Geldstrafe dazu zwingen, stattdessen 'Das Wunder der Heliane' zu spielen."

    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Hans Heukenkamp, wenn du über Korngold weiterlesen möchtest sei dir diese Literatur weiterempfohlen....


    .....und vorallem dies hier, nicht so ganz einfach zu lesen aber interessant, ich habe es gekauft wegen diesem Artikel, der dich wohl auch interessiert....


    LG Fiesco


    Lieber Fiesco,

    den von Arne Stollberg herausgegebenen Band habe ich schon auf die Leseliste gesetzt. Den nehme ich mir in diesem Jahr auch noch vor. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Fiesco,

    den von Arne Stollberg herausgegebenen Band habe ich schon auf die Leseliste gesetzt. Den nehme ich mir in diesem Jahr auch noch vor. Es grüßt Hans

    :thumbup:

    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Vor ein paar Tagen habe ich die Korngold-Biografie von Brendan G. Carroll ausgelesen, deren Einband ich in Beitrag 39 verlinkt habe.


    Gedenktafel_Erich_Wolfgang_Korngold%2C_1060_Theobaldgasse_7.jpg


    Carroll ist lange Vorsitzender der Internationalen Korngold-Gesellschaft gewesen und ist es evtl. immer noch - das habe ich nicht herausbekommen. Er ist jedenfalls ein Kenner des Werks und der Biografie des Komponisten. Die Biografie nennt viele Daten und Details, ist aber ein durchaus unliterarisches Buch. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Carroll enthält sich aller Spekulation über Korngolds Gedankenwelt, Motive oder seinen künstlerischen Dämon. Das empfinde ich als Leser angenehm. Andererseits gelingt es dem Autor kaum, das Wien der ersten Jahrzehnte nach der Jahrhundertwende, die Umgebung, in der das Wunderkind K. heranwuchs und mit der noch viele andere berühmte Namen aus Kunst und Wissenschaft verbunden sind, zum Leben zu erwecken. Das mag Carrolls Anspruch auch nicht gewesen sein, aber die Atmosphäre des vergehenden Kaiserreichs hat eben auch Korngold geatmet und sicher auch geprägt.

    Während die Wiener Jahre sich stellenweise als Schilderung der Erfolge und Konzerte lesen, ist die Darstellung von Korngolds Zeit in Hollywood, seine Arbeit für den Film, wesentlich besser gelungen und liest sich interessant und stellenweise vergnüglich.


    Carroll läßt ein durchaus plastisches Bild von der Persönlichkeit K. vor dem Leser entstehen: Neben seinem musikalischen Genie wird es durch seine Schlagfertigkeit und seinen Witz, seine Treue zu Frau und Freunden, sein schwieriges aber auch produktives Verhältnis zum dominanten Vater, seine Hilfsbereitschaft in der Emigration, aber auch seine scheinbar völlige politische Abstinenz geprägt. Gerade letzteres läßt mich nach der Lektüre der Biografie, die immerhin einem Mann gilt, der in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts lebte, fast ungläubig zurück.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz