Es raschelt im Blätterwald...

  • An Stelle von Jubelmeldungen über Regietheateraufführungen, denen die Häßlichkeit schon ins Bühnenbild geschrieben steht suchen Opernfreunde allmählich nach Alternativen - und es gibt sie immer häufiieger

    Nicht jeder RT-kritische Artikel ist mit Feuer und Schwert geschrieben, aber es genügt ja oft auch ein: Na Ja. Die Reaktionen auf Kritik werden aggressiver - was ich für ein gutes Zeichen halte. Währedn die einen für das Verbot von RT-Instenierungen (natürlich nur indirekt, duch Subventionsstreichungen) plädieren - gehen andere gar nicht mehr ins Theater oder die Oper. Es gibt aber einen dritten Weg - so man ihn sich leisten kann - man sucht gezielt nach akzeptablen Inszenieurngen bzw Opernhäusern wo man solch zu sehen bekommt. Also eine Art Mund- zu Mund Propaganda, was man meiden, was man besuchen sollte.

    Wir haben ja hier schon seit einiger Zeit Threads zu diesem Thema laufen. Einigen Intednaten sehen das gar nciht gern - und das ist gut so.

    Als Kostprobe hier ein Editorial des "Neuen Merker"m der ja unlängst in einem Interview herabgewürdigt werden sollte, IMO eine neher kläglicher Versucht. Da wurde angedeutet, es handle sich um ein "nichtprofessionelles Blatt" - Wie man das auch sehen mag - zumindest gibt es keine "Interessennähe " zu irgendwelche Opernhäusern wo sich "Verpflichtungen daraus ableiten liessen. So etwas ist viel wert.


    Wir empfinden für den "Neuen Merker" Respekt für dessen Engagement und vor allem jenes von Frau Dr Pfabigan und ach vor der Kompetenz seiner Autoren.

    der_neue_merker.gif

    https://www.der-neue-merker.at/


    mfg aus Wien

    Alfred Schmidt

    Tamino Klassikforum

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  • Es gibt aber einen dritten Weg - so man ihn sich leisten kann - man sucht gezielt nach akzeptablen Inszenieurngen bzw Opernhäusern wo man solch zu sehen bekommt. Also eine Art Mund- zu Mund Propaganda, was man meiden, was man besuchen sollte.

    Wir haben ja hier schon seit einiger Zeit Threads zu diesem Thema laufen. Einigen Intednaten sehen das gar nciht gern - und das ist gut so.


    Nur, damit hier keine falschen Hoffnung aufkommen und die Freunde "echter" Insznierungen nicht voreilig buchen : Der "Ring" in Sofia, den der "Merker" ausdrücklich lobt und also empfiehlt, ist so genanntes RT vom allerfeinsten:


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber Rüdiger,


    den Trailer habe ich mir angeschaut und gebe gern zu, daß die Inszenierung gewöhnungsbedürftig ist. Allerdings wäre ich froh, in meinem Einzugsbereich eine Inszenierung erleben zu dürfen, die der bulgarischen Aufführung nahe kommt. Gesanglich dürfte es keine Probleme geben, Bulgarien hat sicher immer noch gute Sänger. Wenn Deine o.g. Inszenierung in Chemnitz laufen würde, wäre ich dabei. Auf die gegenwärtig in Chemnitz laufenden Veranstaltungen unter dem Namen "Der Ring des Nibelungen" habe ich verzichtet (ich hatte sogar Premierenkarten für Rheingold, konnte sie aber glücklicherweise zurückgeben), obwohl befreundete Wagner-Fans die musikalischen Leistungen hoch lobten. Das aber allein reicht mir nicht. Obwphl ich hungrig und gierig bin, wieder einen Ring zu erleben.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • den Trailer habe ich mir angeschaut und gebe gern zu, daß die Inszenierung gewöhnungsbedürftig ist. Allerdings wäre ich froh, in meinem Einzugsbereich eine Inszenierung erleben zu dürfen, die der bulgarischen Aufführung nahe kommt.

    Für mich sieht das ein wenig aus, wie eine Mischung zwischen Wieland Wagner, Achim Freyer und La Fura dels Baus und nach der obigen Äußerung von La Roche bleibt es mir jetzt endgültig ein Rätsel, welche Kriterien hier von den Verfechtern einer sogenannten werktreuen Inszenierung angelegt werden - es scheinen mir in Wesentlichen beliebige zu sein :/

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

    Einmal editiert, zuletzt von MSchenk ()

  • Mein lieber MSchenk,


    als Wagner-Fan bin ich richtig scharf darauf, wieder einen Ring zu sehen. Ich bin sogar bereit, gegenüber meiner Idealvorstellung Abweichungen zu tolerieren. Aber es gibt Grenzen. Das wirst Du wohl nie verstehen, deshalb schlage ich vor, daß wir beide hier keine Diskussion führen. Du verstehst meine Einstellung nicht, und ich nicht die Deine.

    Da ich mit 77 Jahren nicht mehr bereit bin, meine durch den Besuch vieler, vieler Opernaufführungen feststehenden Erwartungen völlig über den Haufen zu werfen, ist jeder Versuch zwecklos, mich dazu zu überreden, etwas anzusehen, was ich nicht sehen will. Wie auch Gerhard mehrfach betonte, ist auch bei mir ein Mindestmaß an Originaltreue erforderlich, daß ich ein Opernhaus besuche. Zu oft wurde ich schon enttäuscht und habe mich gewaltig geärgert, manche sinnlose Ausgabe für einen Opernbesuch nicht für ein reichhaltiges und fleischhaltiges Essen mit meiner Frau verwendet zu haben. Moderate Abweichungen muß man heutzutage aber leider hinnehmen.


    Herzlichst La Roche


    PS - auf Schreibfehler habe ich jetzt nicht so geachtet wie Du.:no:


    La Fura dels Baus

    Ich habe die Inszenierung aus Valencia vollständig gesehen. Abgesehen von der für mich furchtbaren Götterdämmerung wäre ich sogar bereit, mir diese Inszenierung anzusehen. Wenn ich nicht die Empfindung gehabt hätte, daß das Spektakel auf der Bühne von der Musik und dem durchaus guten Gesang abgelenkt hätte. Mir war das zuviel Zirkus auf der Bühne. Mancher wird vielleicht auch sagen, daß das toll war, nur die Musik habe gestört.

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


    Einmal editiert, zuletzt von La Roche () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • als Wagner-Fan bin ich richtig scharf darauf, wieder einen Ring zu sehen.

    Goetterdaemmerung_154.jpg


    Lieber La Roche, morgen um zehn Uhr beginnt der Kartenverkauf für die beiden Durchgänge des Cassiers-Rings im September an der Berliner Staatsoper. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Hans,


    danke für Deinen Tip. Aber ich bin sehr wählerisch, was den optischen Genuß betrifft. Ostern läuft der komplette Ring auch vor meiner Haustür (45 min Auto) in Chemnitz, die Inszenierung würde mich aber ärgern. Und Berlin ist so weit, daß es ohne Übernachtung nicht geht. Und das geht zur Zeit nicht.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Ich gebe zu, daß ich hier ein wenig Probleme haber - und doch wieder nicht.


    Zum einen bin ich - mehr oder weniger . ein "Wagner Verächter", was man nicht zu streng sehen möchte. Mich haben weder seine Geschivten (mit aus nahme des Fliegenden Holländer" noch seine Musik besonders interessiert. Ich kämpfe für "werkgetreuen"Verdi, Belcanto und Mozart-Opern.

    Ein Problematik wird aber hier klar: Vierzig Jahre Regietheater (oder länger) haben uns all beschädigt.

    Moderate Abweichungen muß man heutzutage aber leider hinnehmen.

    Das Zitat bringt es aber auf den Punkt. Wie sind ein wenig abgestumpft. Man muß allerdings sagen, daß es schon um 1920/30 "progressive" Inszenierungen und Bühnenblder gab.

    Die Hochblüte "werkgetreuer Inszenierungen" war um 1955 erreicht als Zeffirelli und vergelichbare Regisseure wunderbare Opernwelten auf die Bühne zauberten.

    Auch hier kann man das Wort "werkgetreu" hinterfragen - es gab Effekte, die zu zeiten der uraufführung etlicher Werke gar nicht realisierbar warenm und denn och realisiert werden musst, weil sie in Libretto standen. Solche Realisierungen wirken auf mich heute pöimp, uingeschickt, dilletantisch und unglaubwürdig. Mann stelle sich eine mit Petroleumlampen beleuchtete Bühne vor !!! Wobei zu Mozarts Zeiten nicht mal das verfügbar war.


    Frau Dr. Pfabigan hat indes in ihrem Editorial beklagt, daß die meisten modernen Inszenierungen HÄSSLICH sind und daß die zumeist ältere, schönere und üblicherweise bessere ablösen. Und das vorzugsweise in Deutschland. Hier bin ich voll d, accord.


    Die Inszenierung aus Sofia ist mit Sicherheit nicht werkgetreu, aber auch nicht hässlich. IMO ist es schade, daß soviel Ideen und handwerkliches Können, sowie tweilweise guter Geschmack an die falschen Opern verschwendet werden. Denn es ist sicher nicht zu leugnen, daß die Gesamtwirkung der durch Clips wiedergegbenen Szenenbilder sehr eindrucksvoll ist. Sehr viel wurde offenbar mit Licht realisisert, was die Kosten, so man mal die Ausrüstung hat und damit umgehen kann erheblich dämpft.


    Ungeachtet dessen ist es - lassen wir Wagner mal zur Seite (wegen der Überlänge und den Kosten) doch anstrebenswert, Opernhäuse und Inszenierungen aufzuspüren, wi traditionelles Theater gemacht wird - und das auf möglichst hohem Niveau, oder der (seltenen) Fähigkeit mit wenig Aufwand ein Maximum an Wirkung zu erzielen-


    Idealfälle wie die in einem anderen Thread von mir verlinkte Dresdner "Entführung" werden wohl die Ausnahme bleiben und ware es wohl auch schon immer....


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Die Hochblüte "werkgetreuer Inszenierungen" war um 1955 erreicht als Zeffirelli und vergelichbare Regisseure wunderbare Opernwelten auf die Bühne zauberten.

    Auch hier kann man das Wort "werkgetreu" hinterfragen - es gab Effekte, die zu zeiten der uraufführung etlicher Werke gar nicht realisierbar warenm und denn och realisiert werden musst, weil sie in Libretto standen. Solche Realisierungen wirken auf mich heute pöimp, uingeschickt, dilletantisch und unglaubwürdig. Mann stelle sich eine mit Petroleumlampen beleuchtete Bühne vor !!! Wobei zu Mozarts Zeiten nicht mal das verfügbar war.

    Bei Zefirelli sieht das Bühnenbild zwar toll aus, droht aber, die Oper zu ersticken. So konnte eine Barber-Oper erst in der Zweitinszenierung Erfolg verbuchen, da die erste unter Zefirelli zu pompös war. Welche Oper also ideal für Zefirelli wäre, ist eine schwierige Frage. Ältere Werke möchte ich so sehen, wie sie zur Entstehungszeit inszeniert wurden. Mozart (und Zeitgenossen) mit Kerzenlicht - oder gefälschtem Kerzenlicht - kann man heutzutage immer wieder sehen - Du hast selbst Inszenierungen von Bienert im Forum gezeigt, wenn ich mich recht erinnere. Diese HIP-Inszenierungen bilden für mich den Höhepunkt werkgerechter Inszenierungen - die aus der Filmästhetik gewonnenen quasi hyperrealistischen Inszenierungen etwa Zefirellis sind mir zwar freilich lieber als Regietheater oder Reduktionismus aber sicher nicht ein Höhepunkt an Werkgerechtheit.

  • Bei Zefirelli sieht das Bühnenbild zwar toll aus, droht aber, die Oper zu ersticken

    Stimme voll zu für seine Traviata mit Stratas und Domingo. Für mich war das fast Kitsch, und ich ärgere mich darüber, mir das gekauft zu haben. Nur 1 x gesehen, steht nun im Regal und wartet auf die Entsorgung. Das werden meine Erben übernehmen dürfen.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Der von Rheingold eingestellte Ring aus Sofia könnte mir auch nicht gefallen. Er ist mit allerhand undeutbarem Kitsch überladen und erinnert mich stark an Las Fura dels Baus. Das ist alles hübsch bunt, aber was bringt es? Da lobe ich mir wieder einmal den guten Otto-Schenk-Ring aus der MET, der mit schlichten Bildern auskommt.

    Es geht doch nicht um pompöse Bilder, sondern um die Darstellung in zum Libretto passenden Bildern uns Kostümen. Leider gibt es keine Aufzeichnungen der Inszenierungen von Wieland Wagner. Die Bilder dieser Inszenierungen haben mich immer wieder fasziniert.

    Auch Zefirelli und andere haben manchmal etwas zuviel des Guten getan, aber immer noch besser als das Meiste was heute so auf die Bühne fabriziert wird.

    Aber das Wesentliche in diesem Thema scheint mir die Aussage von Frau Pflabigan, sinngemäß: Wenn man attraktive Inszenierungen sucht, wo findet man sie heute noch in Deutschland und angrenzenden Ländern?


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Fast zu schön, um wahr zu sein. Der neue Merker bringt eine Liebeserklärung der erfahrenen Opernkennerin und Journalistin, Dr Sieglinde Pfabigan, und ein erfrischend ehrliches Bekenntnis, dass die Wiener stockonservativ wären und plädiert dafür in der Oper altbewährtes Gutes und Schönes nicht für schlechteres Neues zu opfern, sonndern es zu erhalten. Ich erwartete einen Aufschrei der Entrüstung, eine neue Runde im altbekannten Spiel. Was passiert - nichts! Das Rascheln im Blätterwald ist leise, fast nur ein Säuseln. " Mild und leise" Was löste diese Ruhe, diese Duldsamkeit, ja Harmonie aus. Unser Tamino Kollege Rheingold, der es listiger Weise bisher immer geschickt verbergen konnte, dass er in Wirklichkeit Loge ist, der das Feuer bringt und schürt, servierte als Köder eine Ringinszenierung aus Sofia aus dem Jahre 2013. Wir alle schluckten diesen Köder und diskutierten brav über Stärken, Schwächen,tradtionell oder doch eher modern, gelungen oder nicht gelungen am Beispiel dieser Inszenierung. Wir weiteten die Beispiele sogar auf andere Aufführungen aus. Das war eine Auseinandersetzung in der Art, wie sie immer gefordert wurde, analytisch, argumentativ, durchaus fair, jedoch nie polemisch sondern sachbezogen, konkret und konstruktiv. Sollte es uns gelingen, in diesem Geist weiter zu diskutieren schlage ich Frau Dr, Pfabigan für den "Friedensnobelpreis" vor, obwohl sie mit ihrem Leitartikel sicherlich ungewollt, diesen Prozess, der lange überfälig war, auslöste.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich raff's einfach nicht: Wotan segelt auf dem Surfbrett über die Bühne, die Riesen kommen mit dem Kleinbagger, die Walküren "reiten" auf Raketenspritzen und die verwendeten Kostümen haben alles, nur nichts mit dem Libretto zu tun, aber alles ist schicki, weil es ja auch Frau Dr. Pfabigan gefällt ... Das nenne ich mal eine konsequente, konsistente und nachvollziehbare Haltung!

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Wir weiteten die Beispiele sogar auf andere Aufführungen aus. Das war eine Auseinandersetzung in der Art, wie sie immer gefordert wurde, analytisch, argumentativ, durchaus fair, jedoch nie polemisch sondern sachbezogen, konkret und konstruktiv. Sollte es uns gelingen, in diesem Geist weiter zu diskutieren schlage ich Frau Dr. Pfabigan für den "Friedensnobelpreis" vor, obwohl sie mit ihrem Leitartikel sicherlich ungewollt, diesen Prozess, der lange überfälig war, auslöste.

    Tatsächlich, lieber operus, fand hier bislang keine irgendwie nennenswerte Auseinandersetzung statt. Vielmehr herrscht für mein Verständnis große Einigkeit darüber das der Sofia-Ring mindestens akzeptabel ist, weil Frau Dr. Pfabigan ihn akzeptabel findet. - Eine Diskussion wird explizit nicht gewünscht:

    Das wirst Du wohl nie verstehen, deshalb schlage ich vor, daß wir beide hier keine Diskussion führen. Du verstehst meine Einstellung nicht, und ich nicht die Deine.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • als Wagner-Fan bin ich richtig scharf darauf, wieder einen Ring zu sehen. Ich bin sogar bereit, gegenüber meiner Idealvorstellung Abweichungen zu tolerieren. Aber es gibt Grenzen. Das wirst Du wohl nie verstehen, deshalb schlage ich vor, daß wir beide hier keine Diskussion führen. Du verstehst meine Einstellung nicht, und ich nicht die Deine.

    Ich wäre mir da nicht so sicher, ob ich Deine (oder sogar Eure) Einstellung viel besser verstehe, als Euch vielleicht lieb ist. Gerade deshalb meine ich, wenn ich mich auf Basis all dessen, was hier im Forum geäußert wurde, in die Position eines sog. RT-Gegners hineinversetze, fände ich den hier in Rede stehenden Sofia-Ring (sofern man dies anhand des Trailers beurteilen kann, aber man findet beispielsweise auf youtube durchaus auch längere Ausschnitte) in keinster Weise akzeptabel.

    Ich habe die Inszenierung aus Valencia vollständig gesehen. Abgesehen von der für mich furchtbaren Götterdämmerung wäre ich sogar bereit, mir diese Inszenierung anzusehen. Wenn ich nicht die Empfindung gehabt hätte, daß das Spektakel auf der Bühne von der Musik und dem durchaus guten Gesang abgelenkt hätte. Mir war das zuviel Zirkus auf der Bühne.

    Setzt man die für den Valencia-Ring vermutlich zur Verfügung gestanden habenden technischen und pekuniären Mittel in Relation zu den Möglichkeiten, über welche - ebenfalls nur vermutlich - in Sofia verfügt werden konnte, ist der Grad an "Spektakel und Zirkus auf der Bühne" in beiden Fälle dergleiche.


    PS - auf Schreibfehler habe ich jetzt nicht so geachtet wie Du. :no:

    Nur der Vollständigkeit halber: Es ging mir hier nicht wirklich um den Schreibfehler (Touch statt Tutch - und immerhin lese ich auch Alfreds Beiträge, welche bzgl. tatsächlicher Schreibfehler hier so ziemlich alles toppen), sondern um die falsche Verwendung des Begriffes Konsens im Gegensatz zu Kontext.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Eine Diskussion wird explizit nicht gewünscht:

    Das stimmt schon wieder nicht. Eine Diskussion ist schon erwünscht, wo kämen wir denn hin??!! Allerdings konntest Du Dich nicht durchringen, mich vollständig zu zitieren und hast mein Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen:


    als Wagner-Fan bin ich richtig scharf darauf, wieder einen Ring zu sehen. Ich bin sogar bereit, gegenüber meiner Idealvorstellung Abweichungen zu tolerieren. Aber es gibt Grenzen. Das wirst Du wohl nie verstehen, deshalb schlage ich vor, daß wir beide hier keine Diskussion führen. Du verstehst meine Einstellung nicht, und ich nicht die Deine.

    Do solltest Politiker werden, eine große Karriere wäre Dir gewiß. Egal in welcher Partei.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Ach, La Roche, wer hier was wie aus dem Zusammenhang reißt oder wie hinbiegt, ist sicher ein großes Thema. - In diesem Fall jedoch habe ich Dich z.B. in Beitrag 16 doch recht ausführlich zitiert. In Beitrag 15 habe ich das Zitat natürlich verkürzt, da das Thema dort offensichtlich ein anderes gewesen ist, nämlich dass operus meinte, hier fände eine

    Auseinandersetzung in der Art, wie sie immer gefordert wurde, analytisch, argumentativ, durchaus fair, jedoch nie polemisch sondern sachbezogen, konkret und konstruktiv.

    statt, was m.E. einfach nicht der Fall ist. Und tatsächlich hast Du hier geschrieben, dass eine Diskussion, also Auseinandersetzung zumindest zwischen uns beiden Deiner Meinung nach nicht sinnvoll wäre - jedenfalls schlägst Du vor, keine solche zu führen - da wir uns bzw. unsere jeweiligen Meinungen nicht verstünden. Einen Zusammenhang damit, dass Du als Wagner-Fan scharf darauf bist, wieder einen Ring zu sehen und sogar bereit, Abweichungen gegenüber Deiner Idealvorstellung zu tolerieren, vermag ich beim besten Willen nicht zu erkennen.


    Im übrigen hat bei korrekter technischer Zitierweise jeder Nutzer die Möglichkeit, durch auswählen des Links "Zitat von ..." zum Originalbeitrag zu springen um sich den Gesamtzusammenhang zu vergegenwärtigen. Und schließlich als Politiker wäre ich gänzlich ungeeignet, da mich unsaubere oder schlimmer noch gänzlich fehlende Argumentationen viel zu sehr ärgern.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Ich war ein wenig unsicher, in welchem Thread ich einen Link auf eine Recherche zum Intendantenwechsel in Halle unterbringen kann und habe mich dann für diesen entschieden.

    Der Artikel ist lesbar und beleuchtet die Ansprüche, aber auch Schwierigkeiten kleinerer Häuser in der (ost-) deutschen Provinz:


    Opernstreit In Halle muss ein Intendant gehen.


    Zu Händels Julius Cäsar werde ich wohl nach Halle fahren, und wenn die Ariadne vom Publikum positiv aufgenommen wurde, lockt es mich, sie dort zu hören.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Diese Entscheidung begrüße ich mit außerordentlicher Schadenfreude und herzlichen Glückwünschen an die Hallenser! Diesem nun gefeuerten Intendanten habe ich eines meiner furchtbarsten Opernerlebnisse zu verdanken, in dessen Ergebnis ich anschließend alle meine Theateranrechte in Gera gekündigt habe. Nachstehend ein Beitrag von mir zu den Gründen:


    "Der Regisseur Florian Lutz inszenierte 2008 In Gera den Lohengrin. Als Lohengrin wurde der renommierte Tenor Pär Lindskog verpflichtet und in der Presse ein besonderes Ereignis angekündigt. Das wurde zum Anlaß genommen, daß die Richard-Wagner-Gesellschaft Aachen und Mönchengladbach in ziemlicher Stärke in Gera anreiste, das Haus war ausverkauft bis auf den letzten Platz. Im Vorfeld ist nach den ersten Proben Lindskog abgesprungen (offiziell wegen Heiserkeit) und John Hurton Murray sprang ein. Nach den ersten Proben mußte auch der GMD krankheitsbedingt aussteigen, und der 1. Kapellmeister übernahm.


    Ich kenne aus persönlichen Bekanntschaften zu Theaterleuten die wahren Gründe.Vorausgenommen wurde der musikalische Teil ein Höhepunkt in Gera, nur Murray wurde ausgebuht, die Buhrufe kamen aus dem "Gästeblock", wahrscheinlich von enttäuschten Lindskog-Fans. Aber Murray sowie die anderen Sänger und besonders der Dirigent Thomas Wicklein erhielten auch lautstarke Bravorufe. Als das Regieteam kam, verstummte jeder Beifall, und ein bis dato unbekannter Buhorkan ließ das Haus wackeln. Bereits in der Pause kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen den Wagner- Gesellschaftern und dem Regisseur, der die Dummheit besaß, im Foyer zu wandeln, in totaler Unkenntnis dessen, was ihn noch erwarten sollte. Was war passiert?

    Nach dem zauberhaften Vorspiel öffnete sich der Vorhang, eine baufällige, einseitig offene Werkhalle an der Autobahn mit Abfahrtsschild Gera war das Bühnenbild. Der König wurde dargestellt als Helmut Kohl. Alles wartete auf die Rettung aus der Ärmlichkeit des ehemaligen DDR-Daseins, die blühenden Landschaften wurden erwartet. Lohengrin kam, der Schwan kam im alten Fahrstuhl als Gummifigur. Lohengrin war ein Gammler in Gummistiefeln, die dreckigen Hinterlassenschaften der DDR konnte er nur in Gummistiefeln überschreiten. Elsa war eine armselige DDR-Bürgerin, duckmäuserisch, ängstlich. Telramund (unser japanischer Bariton KS Terohuki Komori) war der Heilsbringer, ein lange erwarteter Investor, seine Ortrud sollte wohl ein leichtes Mädchen sein. In der Ecke stand ein Dixi-Klo (zum Glück wurde es nicht benutzt, aber das hatte wohl der Intendant als unzumutbar nicht zugelassen).

    Im 2. Akt kam der König als Gerhard Schröder, im 3. Akt als Angela Merkel. Die Handlung zwischendurch hatte nicht das geringste mit Lohengrin zu tun, Prostituierte traten auf, als Ergebnis der japanischen Investition wurde ein Rostbratwurststand mit Pomp eröffnet und Freibier (nur auf der Bühne) ausgeschenkt. Irgendwie ging die Oper zu Ende. Aufhören-Rufe waren zwischenzeitlich zu hören, Zischen und Buhrufe schon beim Vorhang zum 3. Akt. An keiner Stelle paßten Handlung, Musik und Text zueinander.

    Anschließend hatte der Intendant nicht den Mut, die groß angekündigte Premierenfeier abzusagen. Hier kam es zu Tumulten, fast zu Handgreiflichkeiten gegen das Regieteam. Und bei dieser Gelegenheit habe ich auch Luft abgelassen und dem Regisseur gesagt, wofür ich ihn halte. Meine Worte waren nicht die schlimmsten, andere bedienten sich noch drastischerer Ausdrücke. Ansonsten ist bei mir die Fäkalsprache nicht im Vokabular enthalten.

    Natürlich habe ich Sänger erlebt, die einen schlechten Tag hatten. Aber deswegen, wegen einer zeitlich oder gesundheitlich begrenzten Indisposition buhe ich niemanden aus. Auch Murray habe ich nicht ausgebuht, denn er war gut. Ein Sänger kann nichts dafür, wenn er einmal einen schlechten Tag hat. Aber ein Regisseur, der wissentlich und hoffentlich ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein ganzes Theaterpublikum gegen sich aufbringt, der sollte schon neben dem unverdient erhaltenen Geld seinen Lohn vom Publikum erhalten, nämlich das Gegenteil von Applaus. Übrigens haben wir am Tag danach unser Theateranrecht gekündigt und waren seither kaum noch 4-5 mal in der Oper in Gera (im Konzert waren wir oft), weil sich unsere Erwartungshaltung keinesfalls erfüllt hätte."


    Das War´s. Herzlichst La Roche

    "Ach, wie will ich triumphieren, daß (ist falsch, das weiß ich) sie euch zum Richtplatz führen"

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Diesem nun gefeuerten Intendanten [...]

    "Opernintendant Florian Lutz, dessen Vertrag nach diversen Querelen Ende Februar durch die Entscheidung des Aufsichtsrats der Halleschen Theater GmbH (TOOH) nicht über 2021 hinaus verlängert wurde, [...]"


    :?:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Opernintendant Florian Lutz, dessen Vertrag nach diversen Querelen Ende Februar durch die Entscheidung des Aufsichtsrats der Halleschen Theater GmbH (TOOH) nicht über 2021 hinaus verlängert wurde, [...]"

    Wann er gehen muß, ändert doch nichts an der Tatsache. Ich habe 12 Jahre im Raum Halle/Merseburg gelebt, und habe immer noch etliche Studienkollegen und Freunde dort. Mit einigen telefoniere ich regelmäßig, und auch wenn nicht alle Theaterfreunde sind, so kommt als Antwort bei Fragen nach dem Opernhaus nur noch lapidar "Da kann man nicht mehr hingehen". Darunter fällt auch das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt, welches bis nach 2010 für neue Regieideen unantastbar war. Zumindestens unantasbar ist es nicht mehr (zur Zeit wird wohl saniert).


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Wann er gehen muß, ändert doch nichts an der Tatsache.

    Wohl nicht. Und ob bzw. wie gut Du oder Deine Bekannten das finden, ist mir eigentlich auch vollkommen egal. Nur besteht nun mal ein Unterschied darin, ob jemand gefeuert wurde (was wohl ohne ausreichende Gründe auch im Theaterbetrieb rein juristisch nicht ohne weiteres möglich ist) oder ob jemandes Vertrag nicht verlängert wurde. - Immerhin wird sich hier im Forum ja auch gerne mal in einem Nebensatz über die angeblich verfälschende oder auch tendenziöse Berichterstattung der Medien echauffiert. Da sollte doch so viel Zeit sein, die Dinge auch in einem kommentierenden Beitrag richtig wiederzugeben!?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Nur besteht nun mal ein Unterschied darin, ob jemand gefeuert wurde (was wohl ohne ausreichende Gründe auch im Theaterbetrieb rein juristisch nicht ohne weiteres möglich ist) oder ob jemandes Vertrag nicht verlängert wurde. -

    Sicher spielt es eine Rolle, daß der Mann ein juristisches Recht auf sein Gehalt bis zum Vertragsende hat.

    Übrigens hat sich auch der Orchestervorstand öffentlich gegen eine Vertragsverlängerung ausgesprochen. Hier muß mehr passiert sein, als die Presse schreibt.

    In einer Überschrift heißt es auch, daß Herr Lutz max. bis 2021 bleiben wird. D.h. ja nichts anderes, als daß ein früherer Abschied nicht unmöglich sein wird. Ich wünschte mir, daß dieses Beispiel Signalwirkung haben möge.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Sicher spielt es eine Rolle, daß der Mann ein juristisches Recht auf sein Gehalt bis zum Vertragsende hat.

    Vielleicht; würde es für mich sicherlich auch. Und so viel wird er auch nicht verdienen. - Und jetzt bitte nicht wieder die Diskussion um den armen, armen Steuerzahler, der all dies finanzieren muss ...

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Nein, Michael, das nicht. Aber man kann lesen, daß seit dem Amtsantritt von Lutz 50 % (!!!!) Aboinhaber gekündigt haben. Er wollte als Antwort darauf die fast 20000 Studenten der Stadt erreichen - bisher ohne Erfolg. Ein Theatermann, der am Publikum vorbeiinszeniert hat sein Studium verfehlt!

    Übrigens gibt es einen ähnlichen Fall an den Kammerspielen München, wo ein avantgardistischer Chef auch keine Zukunft an diesem Theater hat. Auch an Konwitschnys Scheitern in Leipzig sei erinnert.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Nein, Michael, das nicht. Aber man kann lesen, daß seit dem Amtsantritt von Lutz 50 % (!!!!) Aboinhaber gekündigt haben. Er wollte als Antwort darauf die fast 20000 Studenten der Stadt erreichen - bisher ohne Erfolg. Ein Theatermann, der am Publikum vorbeiinszeniert hat sein Studium verfehlt!

    Das weiß ich nicht, jedenfalls liest es sich in dem von Hans Heukenkamp verlinkten Artikel schon etwas differenzierter und Herr Lutz wird ja nun nicht jedes Stück inszeniert haben. Ich kenn sogar eine seiner Inszenierungen (siehe hier) und kann mirt gut vorstellen, dass seine Arbeiten in Teilen des Publikums mindestens für Irritationen sorgen. Aber das kann m.E. auch ein Qualitätsmerkmal sein!

    Und was Deinen Verweis auf Konwitschny angeht (nach dem avangardistischen Chef der Münchner Kammerspiele zu suchen, dazu bin ich jetzt zu faul - Warum nennst Du die Sache nicht einfach beim Namen? :rolleyes:), so gehe ich da insofern mit, als dass ich glaube, es ist zumeist keine gute Idee ist, einen (in diesem Falle ganz hervorragenden) Regisseur zum Intendanten zu machen. Da liegen die originären Aufgabenfelder vielleicht doch zu weit auseinander!

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • ... so gehe ich da insofern mit, als dass ich glaube, es ist zumeist keine gute Idee ist, einen (in diesem Falle ganz hervorragenden) Regisseur zum Intendanten zu machen. Da liegen die originären Aufgabenfelder vielleicht doch zu weit auseinander!

    Konwitschny war auch nie Intendant der Oper Leipzig, sondern lediglich Chefregisseur.