Neben- und Fulltime-Job: Opernsänger im Film

  • Die Auftritte von Opernsängern in Spielfilmen haben eine lange Tradition. Entweder übernahmen sie selbst tragende Sprechrollen - vornehmlich nach Beendigung ihrer musikalischen Karriere. Oder sie absolvierten als Episoden angelegte Auftritte. Es finden sich auch Filme, in denen die Hauptdarsteller eine Opernvorstellung besuchen und bei dieser Gelegenheit namhafte Vertreter der Oper zu hören und zu sehen bekommen. Vielleicht fällt ja dem einen oder anderen etwas dazu sein. Über das Forum verstreut findet sich wohl schon dieses oder jenes Beispiel. Einen speziellen Thread zum Thema habe ich nicht gefunden. Beginnen möchte mit einem Film, auf den dieser Tage Joseph II. im Thread über Ingeborg Hallstein hinwies: "Wälsungenblut" nach der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann.


    Der Film in der Regie von Rolf Thiele kam 1965 in die westdeutschen Kinos und fand geteilte Aufmerksamkeit. Bis jetzt trägt er den Vermerk "FKS ab 18". Das Lexikon des Internationalen Films kam laut Wikipedia zu folgendem Urteil: "Schwüle Erotik und genüsslich zelebrierte Dekadenz …" Am Drehbuch war die Tochter des Schriftstellers, Erika Mann, beteiligt. Einbezogen in das Geschehen wurde die frühe Erzählung ihres Vaters "Ein Glück", um den Handlungsspielraum zu erweitern. Die Novelle selbst war dafür zu unergiebig, weil sie über weite Strecken als bissige Wagner-Persiflage angelegt ist. Wenngleich einige Namen und Anlagen der handelnden Personen im Film verändert wurden, blieb der Kern der Geschichte bewahrt: Die Zwillinge Sieglinde und Siegmund aus gutem Hause besuchen eine Vorstellung von Wagners "Walküre" und entdecken bei dieser Gelegenheit, was sich längst angebahnt hatte – eine erotische Zugneigung, die den Rahmen geschwisterlicher Liebe sprengt.


    Die schon erwähnte Ingeborg Hallstein ist Märit, eine Schwester der Zwillinge, die im Film entgegen der Vorlage im Rollstuhl sitzt. In der Novelle wird sie als „ein strenges Mädchen von achtundzwanzig mit Hakennase, grauen Raubvogelaugen und einem bitteren Mund“ nicht eben charmant porträtiert. Die Hallstein ist freilich das glatte Gegenteil. Sie ist auch im Film sie selbst – trotz der Behinderung. Und sie singt zwei Stücke, auf die der Zuschauer natürlich selbst kommen muss, sie werden nicht erklärt. Zunächst hört man das Lied "Vergebliches Ständchen" von Brahms und schließlich die Arie "Hast du mich ganz berauscht" aus Händels "Caesar". Beide Filmszenen habe ich soeben gebündelt auf YouTube gefunden:



    Und dann wäre ja noch der Besuch der "Walküre". Es gibt für mich keinen Zweifel, dass die entsprechenden Szenen mit der Musik aus einer Studioproduktion des ersten Aufzuges mit Wolfgang Windgassen, Maria Müller und Josef Greindl unterlegt wurden. Im Abspann ist diese Quelle allerdings auch nicht genannt.


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    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

    Einmal editiert, zuletzt von Rheingold1876 ()

  • In deinen Ausführungen, lieber Rüdiger, beschreibst du auch, dass der Hauptdarsteller bisweilen eine Opernvorstellung besucht.

    Im Film "Fitzcarraldo" von Werner Herzog ist das der Ausgangspunkt für die gesamte Story. Die Hauptperson (Klaus Kinski) ist von der Opernaufführung und vor allem vom Protagonisten Enrico Caruso derart beeindruckt, dass sie eine eigene Oper mitten im Amazonas bauen will, um auch dorthin Caruso einzuladen.

    Nun brauchte man für diesen Film von 1982 jemanden der so schön singt, dass man ihm abnimmt der maßlos beeindruckende Caruso zu sein.

    Veriano Luchetti sang den Caruso in der Titelrolle des Banditen "Ernani".


    In einem neueren Film wird wieder Caruso gezeigt, als er vor armen italienischen Einwanderern singt, die auf Ellis Island darauf warten, entweder in die Staaten hineingelassen, oder aber abgeschoben zu werden. Diese armen Kreaturen sollen durch den Wohlklang der Stimme des bekanntesten Opernsängers der Welt zumindest für kurze Zeit von ihren Sorgen abgelenkt werden. Wer übernimmt in "The Immigrant" (2013) in Bild und Ton die Aufgabe, der große Caruso zu sein? Joseph Calleja

  • Bis jetzt trägt er den Vermerk "FKS ab 18".

    Es ist einige Zeit her, dass ich mich mal als über 18 ausweisen musste. Nun ist es mir wieder passiert. Amazon, wo ich das "Wälsungenblut" erwarb, wollt ausdrücklich wissen, ob ich das dafür nötige Alter habe. ;) Entgegen üblichen Gepflogenheiten durfte der Postbote die Sendung nicht an einen Nachbarn aushändigen. Da ich nicht zu Hause war, musste ich persönlich bei der Ausgabestelle erscheinen und mich unzarte Vorlage des Personalausweise als volljähriger Käufer zu erkennen geben. Wenn also ein Film einmal den Vermerk "FKS 18" trägt, bleibt das wohl die nächsten hundert Jahre so. 54 Jahre sind schon rum. Gegen das, was man heute in Kinos und im TV über sich ergehen lassen muss - wenn man denn nicht gleich abschaltet - ist das "Wälsungenblut" Micky Maus. Oder ist es doch das Inzest-Thema, dass die Herausgeber so nervös macht?

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Es ist einige Zeit her, dass ich mich mal als über 18 ausweisen musste. Nun ist es mir wieder passiert. Amazon, wo ich das "Wälsungenblut" erwarb, wollt ausdrücklich wissen, ob ich das dafür nötige Alter habe. ;) Entgegen üblichen Gepflogenheiten durfte der Postbote die Sendung nicht an einen Nachbarn aushändigen. Da ich nicht zu Hause war, musste ich persönlich bei der Ausgabestelle erscheinen und mich unzarte Vorlage des Personalausweise als volljähriger Käufer zu erkennen geben. Wenn also ein Film einmal den Vermerk "FKS 18" trägt, bleibt das wohl die nächsten hundert Jahre so. 54 Jahre sind schon rum. Gegen das, was man heute in Kinos und im TV über sich ergehen lassen muss - wenn man denn nicht gleich abschaltet - ist das "Wälsungenblut" Micky Maus. Oder ist es doch das Inzest-Thema, dass die Herausgeber so nervös macht?

    Toll! Vor allen Dingen bei Berücksichtigung dieses ach so wahren Satzes:


    Gegen das, was man heute in Kinos und im TV über sich ergehen lassen muss - wenn man denn nicht gleich abschaltet - ist das "Wälsungenblut" Micky Maus.

    ;(

    .


    MUSIKWANDERER

  • Lieber Rüdiger,

    Gestern ist der Film bei mir angekommen und ich habe ihn mir gleich angeschaut.

    Kurz gesagt: Eine unsagbare Schmonzette. Natürlich ist Ingeborg Hallstein entzückend wie immer und Gerd Baltus spielt die Rolle des Aussenseiters überzeugend, aber über den Rest sei der Mantel des Schweigens gehüllt! Über die Einstufung "ab 18 Jahren" kann man sich wirklich nur wundern.

    Die Walkürenausschnitte hast Du richtig erkannt.

  • Ein paar besondere Filmauftritte von Opernsängern, die mir spontan einfallen:


    Mit Hans Moser spielten zwei der berühmtesten Tenöre: Leo Slezak (Der Herr im Haus, 1940) und Beniamino Gigli (Mutterlied, 1937).

    Köstlich finde ich den Auftritt von Jan Peerce als Gefängniswärter in dem amerikanischen Film "Something in the wind". Er singt mit seiner Gefangenen (Deanna Durbin) ein Duett aus "Il trovatore" und lässt sich dabei die Schlüssel stehlen.

    Beim Mario-Lanza-Film "Der große Caruso" taucht Dorothy Kirsten öfter als Partnerin auf der Bühne auf.

  • Und nicht zu vergessen Lauritz Melchior in "Flitterwochen zu dritt" und einigen anderen Filmen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Bis auf weiteres keine neuen Beiträge mehr von mir außerhalb meiner Besetzungsrubriken!

  • Lieber Rheingold!


    Das ist ein besonders charmantes Thema.

    Vermutlich werde ich nicht so viel dazu beisteuern, da ich kaum Filme kenne

    Die Auftritte von Opernsängern in Spielfilmen haben eine lange Tradition. Entweder übernahmen sie selbst tragende Sprechrollen - vornehmlich nach Beendigung ihrer musikalischen Karriere. Oder sie absolvierten als Episoden angelegte Auftritte. Es finden sich auch Filme, in denen die Hauptdarsteller eine Opernvorstellung besuchen und bei dieser Gelegenheit namhafte Vertreter der Oper zu hören und zu sehen bekommen. Vielleicht fällt ja dem einen oder anderen etwas dazu sein.

    Mir ist ganz spontan das belgische Filmdrama von Gérard Corbiau aus dem Jahr 1988 mit José van Dam in der Hauptrolle eingefallen. Es lief unter verschiedenen Titeln: Der Originaltitel war „Le maître de musique“.

    In Deutschland lief der Film unter „Maestro“ oder „Das Duell“.


    Van Dam spielt einen Sänger der sich von der Bühne zurückgezogen hat und als Lehrer eine vielversprechende noch sehr junge Sopranistin (Sophie Maurier) ausbilden will. Ihm begegnet dann ein junger Straßensänger (Jean), in dem er einen ungeschliffenen Diamanten sieht, sodass er auch ihn mit in sein Haus nimmt um ihn auszubilden. Beide bereitet er schließlich auf einen Gesangswettbewerb vor. Daher der deutsche Titel „Das Duell“. Aber die Handlung brauche ich hier nicht detailliert zu erzählen.


    José van Dam (der damals als Opernsänger noch aktiv war) singt in dem Film selber. Vor allem Lieder von Schumann und Mahler. Unglaublich bewegend „Ich bin der Welt abhanden gekommen“.



    Sophie und Jean werden von Schauspielern verkörpert. Wenn Sophie singt, hören wir Dinah Bryant, dem Jean leiht Jerome Pruett seine Stimme. Der Kontrahent in dem Wettstreit (Arcas) ist auch ein Schauspieler. Auch für ihn singt orginellerweise Jerome Pruett.

    Der Film wurde übrigens 1988 bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Es gibt ihn natürlich auf DVD. Die verschwenderische Ausstattung des Films, die wunderbar melancholischen Bilder und vor allem die herrliche Musik sind starke Argumente für Opernaficionados, sich ihn zu besorgen. Melomanen werden ihn wegen José van Dam natürlich sowieso haben!



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    Den kompletten Film gibt es auch im Original (französisch) auf YouTube.


    Liebe Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Die drei großen Tenorhelden der 80er-Jahre wurden natürlich alle auch für den Film vermarktet. Carreras und Pavarotti sind jeweils in einem Spielfilm als Hauptdarsteller aufgetreten.

    Während die seichte Komödie "Geliebter Giorgio" (1982) auch hierzulande lief (hab ich mal im TV gesehen), ist der Carreras-Film eine Rarität. Der Tenor stellt die historische Figur Julian Gayarre dar, der Streifen mit dem Titel "Romanza final" (1986) ist ein biographischer Film, der aber fast nur in Spanien lief. Weibliche Hauptdarstellerin ist immerhin die bekannte Schönheit Sydne Rome.

    Domingo spielt natürlich in vielen echten Opernverfilmungen mit, die auch im Kino liefen. Außerhalb seines angestammten Genres habe ich einmal einen charmanten Auftritt in "Die Cosby Show" mit ihm gesehen, wo er in der Wohnung der TV-Familie Huxtable auftaucht und dort im Wohnzimmer auch a capella Lieder zum Besten gibt.

  • Domingo spielt natürlich in vielen echten Opernverfilmungen mit, die auch im Kino liefen. Außerhalb seines angestammten Genres habe ich einmal einen charmanten Auftritt in "Die Cosby Show" mit ihm gesehen, wo er in der Wohnung der TV-Familie Huxtable auftaucht und dort im Wohnzimmer auch a capella Lieder zum Besten gibt.

    Und es gibt - wie jüngst schon mal erwähnt - sogar eine "Simpsons"-Folge, in der er bzw. sein Trickfilm-alter ego auftritt! ^^

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Bis auf weiteres keine neuen Beiträge mehr von mir außerhalb meiner Besetzungsrubriken!

  • Lieber Rheingold!


    Ich fand diesen Thread spontan ausgesprochen interessant. Darum habe ich auch was eingestellt. Zugleich aber hatte ich bekannt, kein großen Filmkenner zu sein und folglich nicht wirklich viel beitragen zu können. Aber auf weiter Beiträge und Diskussionen war ich neugierig. Darum fände ich es schade, wenn der Thread versanden würde, ehe er recht angefangen hat.


    Aufmunternde Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Robert Lloyd als Gurnemanz in Syberbergs Parsifal-Film.

    Ausschnitte davon kann man im Keller der Villa Wahnfried sehen, ich denke also, daß er die offiziellen Weihen der Wagner-Erben hat.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Herr Goldberg durfte als Parsifal nicht selbst spielen, sondern nur einem Knaben seine Stimme leihen - was dann in der Kombination von Bild und Ton auf mich etwas albern wirkt. :D

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Magic Fire – Die Richard Wagner Story


    Leonie Rysanek als Brünnhide? Das war zunächst nur ein Gerücht. Wer sich schließlich den sündhaft teuren Bildband über die Sängerin leisten konnte, der 1990 bei Hoffmann und Campe herausgekommen war, wusste es aber bald genau: Eher beiläufig war dort in der Diskographie eine Schallplatte mit den Tonaufnahmen aus dem (auch im deutschen Fernsehen gezeigten) Film Frauen um Richard Wagner nach dem Roman Magic Fire von Bertita Harding aufgeführt. Das Label? STV. Das klang nach limitierter Privat-Club-Pressung. Und so ist es auch! Inzwischen wurde die LP bei eben dieser Club-Firma auf CD umgeschnitten und wiederum in einer Edition von tausend Exemplaren auf den Markt gebracht. Nicht nur das. Das Label Filmjuwelen zog dann im Wagner-Jahr 2013 mit dem Film gleich nach – nun mit dem Titel Magic Fire – Die Richard Wagner Story. Die Rysanek als Brünnhilde ist jedoch leicht übertrieben. Da gibt es einen kleinen Ausschnitt aus dem Schlussgesang der Götterdämmerung, die letzten zehn Zeilen von "Fühl‘ meine Brust auch, wie sie entbrennt". Lohnt sich das? Es lohnt sich! Aufgenommen wurde 1955. Die Rysanek begann gerade ihre große internationale Karriere, in der die Brünnhilde aber nicht vorkommen sollte. Was damals leicht, leuchtend und sehr vielversprechend klang, war abgetrotzt. Ganz sicher wäre diese Sängerin nicht so lange im Geschäft geblieben, hätte sie eine hochdramatische Richtung eingeschlagen. Am Ende ist so eine kurze Sequenz vielleicht doch mehr wert als hundert Mitschnitte als Brünnhilde, wäre es denn dazu gekommen. Die Fans können sich verzehren. Ach, hätte sie doch… Sie hat nicht und das war sehr klug. Im krachbunten Film ist die Musik einem Schnelldurchlauf der ersten geschlossenen Aufführung des Ring des Nibelungen 1976 in Bayreuth untergelegt. Mit echtem Pferd Grane, reitenden Walküren und der finalen Katastrophe, bei der die Balken der Gibichungenhalle in den Flammen des Weltenbrandes zusammenkrachen. So dürfte das vorher und nachher nie auf einer Bühne zu sehen gewesen sein. Musikalisch ist das Potpourri nur machbar, weil Erich Wolfgang Korngold das Original den filmischen Erfordernissen angepasst hat. Das klingt flott, irgendwie anders, und ist doch immer Wagner. Korngold hat Respekt vor dessen Musik, jubelt nichts Eigenes unter. Sein Werk ist das Arrangement. Davon versteht er sehr viel. Einige fremde Zutaten beziehen ihre Verwendung aus der Handlung des Films.


    Das oben erwähnte Rysanek-Buch gibt es inzwischen antiquarisch sehr viel preiswerter.


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    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Kurz zur leichteren Muse. René Kollo in "So liebt und küßt man in Tirol"

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Magic Fire – Die Richard Wagner Story

    Musikalisch ist das Potpourri nur machbar, weil Erich Wolfgang Korngold das Original den filmischen Erfordernissen angepasst hat. Das klingt flott, irgendwie anders, und ist doch immer Wagner. Korngold hat Respekt vor dessen Musik, jubelt nichts Eigenes unter. Sein Werk ist das Arrangement. Davon versteht er sehr viel. Einige fremde Zutaten beziehen ihre Verwendung aus der Handlung des Films.

    Lieber Rüdiger, dann ergänze ich Deinen ausführlichen Beitrag noch um ein paar Sekunden Korngold, der am Klavier Wagner spielt. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Mario del Monaco ist als Hauptdarsteller in einem ganzen Spielfilm zu bewundern:


    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Lieber Rüdiger, dann ergänze ich Deinen ausführlichen Beitrag noch um ein paar Sekunden Korngold, der am Klavier Wagner spielt. Es grüßt Hans

    Lieber Hans, das ist wirklich eine schöne Ergänzung. Danke.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber Rüdiger,

    Gestern ist der Film bei mir angekommen und ich habe ihn mir gleich angeschaut.

    Kurz gesagt: Eine unsagbare Schmonzette. Natürlich ist Ingeborg Hallstein entzückend wie immer und Gerd Baltus spielt die Rolle des Aussenseiters überzeugend, aber über den Rest sei der Mantel des Schweigens gehüllt! Über die Einstufung "ab 18 Jahren" kann man sich wirklich nur wundern.

    Die Walkürenausschnitte hast Du richtig erkannt.

    Lieber m.joho, wir stimmen da völlig überein. Dennoch habe ich die Anschaffung nicht bereut. Man muss sich sein eigenes Bild machen. Schön, dass Du mir bei dem "Walküren"-Szenen zustimmst. Ich hatte die Quell-CD, die ich habe, sehr lange nicht gehört und fand Maria Müller als Sieglinde immer etwas zu reif. Nun aber war ich ganz erstaunt, wie genau sie singt und was sie aus dem Text zu machen in der Lage ist. Da gehen nicht ein Konsonant, nicht ein Interpunktionszeichen verloren. Das ist - wie ich finde - hohe Schule des Wagner-Gesangs. Hinsichtlich der Qualitäten von Windgassen liegen wir ja ohnehin gleich auf. :)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Nie wieder Oper - Ein Tatort

    Das größte Aufgebot von Opernsänger in einem Film, das mir bekannt, findet sich in einem Tatort aus der bekannten ARD-Reihe. Diese 404. Folge, die der ORF beisteuerte, trägt den Titel "Nie wieder Oper". Sie wurde erstmals am 17. Januar 1999 ausgestrahlt und führt die Zuschauer in ein gehobenes Seniorenheim für Opernsänger und andere Künstler. Die Mitwirkenden spielen nicht direkt sich selbst. Sie verkörpern aber allesamt Rollen, die ihnen auf den Leib geschrieben wurden. Wen sehen und hören wir also? Die größte Aufgabe hat Marta Eggerth als eine Babette Schöne. Außerdem Dabei: Christel Goltz, Gerda Scheyrer, Walter Berry, Waldemar Kmentt, Adolf Dallapozza und Otto Edelmann. Als skurriler Herr Bugatti tritt Marcel Prawy auf. Absicht ist es gewesen, durch deren Einsatz die Atmosphäre in diesem Seniorenhaus so authentisch wie möglich zu gestalten. Das ist - wie ich finde - sehr gut gelungen. Der Film ist auf YouTube zu sehen, allerdings in ziemlich mieser Qualität. Ein Stream ist auch zu finden im Netz, den ich aber besser nicht verlinke. Außerdem werden diese Tatort-Folgen regelmäßig wiederholt. Wen es interessiert, der kann ja mal darauf achten.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Zu diesem Thema würde ich eine Bitte äußern. Es gibt Hunderte Opernverfilmungen, auch Operetten aus den 40-er bis in die 80-er Jahre (z.B. die Londoner Hoffmanns Erzählungen mit Metternich und Schock, eine Nacht in Venedig mit de Ridder und Sylvia Geszty uva), die in irgendwelchen Archiven vergammeln.


    Manches kann man mit viel Geduld und Zufall bei youtube finden, z.B. die kürzelich von mir erwähnte Daphne mit James King, Gottlob Frick u.a.


    Kennt jemand noch andere youtube-Einstellungen von Opern- oder Operettenfilmen (so soll Gobbi in mehr als 40 Filmen mitgespielt haben) oder Filme wie die 3 Lanza-Filme, die man youtube sehen kann?? Ich wäre sehr dankbar, wenn derartige Links auftauchen würden. Habe mir z.B. gestern den ober erwähnten (sehr seichten) Film mit del Monaco angesehen, wobei ich das nur der Stimme wegen tat.


    Herzlichst La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • so soll Gobbi in mehr als 40 Filmen mitgespielt haben)

    Von Gobbi kenne ich "Barbier", "Rigoletto", "Forza" und "Bajazzo", mehr nicht, weshalb mir 40 etwas übertrieben vorkommt. Der 2. Akt "Tosca" ist ja keine Verfilmung im eigentlichen Sinne.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Bis auf weiteres keine neuen Beiträge mehr von mir außerhalb meiner Besetzungsrubriken!

  • Mir kommen spontan noch folgende drei Filme mit Tito Gobbi in den Sinn: A glass mountain, I condottieri, E avanti a lui tremava tutta Roma

  • Nie wieder Oper - Ein Tatort

    Ja, diese Folge empfehle auch ich jedem Opernfan!

    Kennt jemand noch andere youtube-Einstellungen von Opern- oder Operettenfilmen (so soll Gobbi in mehr als 40 Filmen mitgespielt haben) oder Filme wie die 3 Lanza-Filme, die man youtube sehen kann??

    Mit Mario Lanza gibt es sieben Filme als Schauspieler in der Hauptrolle. Hier ist einer davon (allerdings in der amerik. OF):

    https://www.youtube.com/watch?v=jxCy1xIbNGc


    Und nun eines der witzigsten und kuriosesten Beispiele eines Opernsängers als Filmstar. Woody Allen hatte in seinem Episodenfilm "To Rome With Love" eine für ihn typisch absurde Idee, nämlich einen italienischen Familienvater unter der Dusche als wahren Caruso darzustellen. Allen selbst spielt einen Opernproduzenten, der diesen Mann aus dem Badezimmer trällern hört und ihn natürlich gleich engagiert. Das Problem ist: Der Tenor kann nur singen, wenn er unter der Brause steht. Daher müssen sich alle Inszenierungen (im Film beispielsweise "Pagliacci") so abspielen, dass der Tenor-Held beim Singen duschen kann. Das führt natürlich - sofern man Allens Humor mag - zu wahren Lachsalven. Den Tenor spielt Fabio Armiliato (der Bruder des Dirigenten) und er singt wirklich betörend schön. Einige Jahre später habe ich ihn in Wien an der Staatsoper erlebt und musste feststellen, dass er lieber dem Kino treu bleiben sollte ...


  • Aus DEFA-Produktion gelangte 1956 ein Film mit dem Titel Zar und Zimmermann in die Kinos, der etwas frei der Handlung der gleichnamigen Oper von Albert Lortzing folgt. Die Hauptpersonen wurden von seinerzeit namhaften Schauspielern dargestellt. Willi A. Kleinau gab den Bürgermeister van Bett, Lore Frisch die Marie, Bert Fortell den Peter Michailow und Günther Haak den Peter Iwanow. Sie sangen aber nicht selbst. Diese Aufgabe wurde in der Reihenfolge der Aufzählung von Heinrich Planzl, Ingeborg Wenglor, Josef Metternich und Gerhard Unger übernommen. Eine der Änderungen im Vergleich zum Original besteht daran, dass nicht der Marquis Charteauneuf sondern Peter Michailow beim Abschied aus Saardam mit der Stimme von Metternich die brühmte Arie "Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen" singt. Das wirkt etwas putzig, da das markante Timbre von Metternich nicht so recht zum Darsteller passen will. Den Film umweht eine gewisse Tragik, weil drei Hauptdarsteller ums Leben kamen: Kleinau und Haak 1957 bzw. 1965 bei Autounfällen, die Frisch 1962 durch Selbstmord.


    Auf YouTube gibt es einige Szenen in beklagenswerter Bildaualität zu sehen. Ich stelle sie dennoch ein, um einen Eindruck von der Ästhetiuk des Film zu vermitteln:

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Willi A. Kleinau gab den Bürgermeister van Bett


    Den Film umweht eine gewisse Tragik, weil drei Hauptdarsteller ums Leben kamen: Kleinau und Haak 1957 bzw. 1965 bei Autounfällen

    Wie der Zufall so spielt, stand ich gerade heute am Grab von Willi A. Kleinau.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Solange es noch nicht verboten ist, von Weibern zu sprechen, möchte ich noch schnell und kurz einen Film nach einer Oper abhandeln, in dem diese Geschöpfe eine tragende und titelgebende Rolle spielen: Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai. Es ist einer jener Streifen, die die Opernhandlung frei erzählen. Die Rollen werden von Schauspielern gestaltet werden, denen professionelle Opernsänger ihr Stimme geben. Der Film entstand bei DEFA und gelangte 1950 in die Kinos. Es handelt sich wieder eine deutsch-deutsche Produktion. Damals wurde auch von Ostseite noch an der Einheit des Landes als politisches Ziel festgehalten. Den Falstaff spielte Paul Esser, gesungen wurde er von Hans Krämer. Als Frau Fluth ist optisch Sonja Ziemann zu sehen. Die Stimme gibt ihr Rita Streich. Die Frau Reich spielt Camilla Spiro, der Martha Mödl ihre Stimme leiht. Den sängerischen Part für die Anna von Ina Halley übernimmt Sonja Schöner. Herbert Brauer ist die Gesangstimme für den Herrn Fluth von Claus Holm.


    Zum Echo zitiere ich Wikipedia: Die Kritik reagierte gespalten auf den Film: Während Kritiker der DDR den Film verrissen, da "die Handlung [der Oper] durch eigene Zutaten [der Drehbuchautoren] vergröbernd ins possenhaft Vulgäre" gezogen werde und daher "vom Standpunkt der Volksbildung aus abzulehnen" sei, lobte die Kritik der BRD den Film. Er sei "mit optischen Zutaten so geschickt aufgelockert […], daß alles konventionell Opernhafte geschwunden ist. Kein orthodoxer Opernfilm, sondern ein pralles, sprudelndes Filmlustspiel mit Musikeinlagen!


    Wie man sieht, ist das Thema Spieloper nicht erst seit heute ein kontroverses. Es war es schon vor fast siebzig Jahren.


    Die Auftritte von Opernsängern in Spielfilmen haben eine lange Tradition. Entweder übernahmen sie selbst tragende Sprechrollen - vornehmlich nach Beendigung ihrer musikalischen Karriere. Oder sie absolvierten als Episoden angelegte Auftritte. Es finden sich auch Filme, in denen die Hauptdarsteller eine Opernvorstellung besuchen und bei dieser Gelegenheit namhafte Vertreter der Oper zu hören und zu sehen bekommen.

    Indem ich ein eigenes Zitat aufgreife, möchte ich den einleitenden Beitrag etwas erweitern. Es sollte auch um Opern-Filme gehen, in denen Sänger Schauspielern ihre Stimme geben - wie es in einigen Beispielen schon deutlich wurde.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • im Internet habe ich eine Verfilmung von "Il Tabarro" gefunden. Es handelt sich um eine Aufführung aus dem alten Theater la Venice (vor dem Brand) mit Tito Gobbi als Marcel. Die Bild- und Tonqualität ist angesichts des Alters des Filmes recht ansprechend. Ich finde es sehenswert.



    Herzlichst La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!


  • Der dritte Opernfilm aus den frühen Tagen der DEFA ist Figaros Hochzeit nach der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Erstmals wurde er 1949 in Kinos sowohl im Osten als auch im Westen gezeigt. Die Aufnahme war positiv. Diesmal spielen und singen zwei Sänger gleichzeitig: Mathieu Ahlersmeyer als Graf und Willi Domgraf-Fassbaender als Figaro. Der Gräfin von Sabine Peters lieh Tatiana Lemnitz ihre Stimme, der Susanna von Angelika Hauff Erna Berger. Margarete Klose singt für die Marcellina von Elsa Wagner, Eugen Fuchs für den Bartolo von Victor Janson. Ein Besonderheit dieses Film besteht daran, dass der Cherubino von dem damals fünfzehnjährigen Willi Puhlmann dargestellt, von Anneliese Müller aber gesungen wurde.



    Auf YouTube findet sich dieser Ausschnitt, auf dem zunächst die Susanne während ihrer so genannten Rosenarie erscheint. Später tritt das die Gräfin hinzu. Wenn sich Brigitte Fassbaender, die unlängst ihren 80. Geburtstag beging, diesen Fiilm ansähe, würde sie ihren Eltern - Sabine Peters und Willi Domgraf-Fassbaender - gleichzteig in bewegten Bildern begegnen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


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