Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze - und den Interpreten auch nicht (??)

  • Zitat

    Zitat Harald Kral: Da stehen Sänger drauf wie Inge Borkh, Ernst Kozub, Sandor Konya, Josef Traxel, Maria Cebotari usw.
    Die Frage ist nur, ob man auch genug Mitstreiter findet, die dazu beitragen bzw. sich überhaupt für die "Vergessenen" interessieren....


    Ich melde mich auch als Mitstreiter: Ob ich mit meiner noch eher bescheidenen Sammlung viel dazu beitragen kann, weiß ich nicht, aber das Interesse ist unbedingt vorhanden, ich würde mich über einen entsprechenden thread freuen!


    Ich interessiere mich sehr für die Geschichte des Opern- und Liedgesangs, soweit sie auf Tonträgern dokumentiert ist und hatte gerade vor einigen Tagen über einen thread im Schellack-Forum nachgedacht, in dem ich gern Künstler vorstellen würde, deren Wurzeln noch im 19. Jh. lagen. Ich hatte mich aber auch gefragt, ob für solche Themen Interesse vorhanden ist.



    :hello: Petra

  • Liebe Maggie,


    Danke vielmals, genau das war gemeint. Wie gefällt D i r diese Box? (das Bild habe ich versucht, vorschriftsmäßig hereinzustellen, aber da ist wieder irgendwo ein Sicherheitsmechanismus dazwischengekommen, vielleicht klappt es das nächste Mal, ich gebe nicht auf).)


    Zitat

    Original von Emotione


    Da tauchen dann Namen auf wie "Walther Ludwig, Karl Schmitt-Walter, Erna Berger, Margarete Klose usw". Ich habe zwar keine Tonträger mehr von diesen Sängern, die ich aber alle irgendwo gehört habe (bei Maria Cebotari fallen mir vor allem Filme ein, in denen sie mitgewirkt hat), würde aber gerne wieder einmal über sie lesen.


    Liebe Emotione,


    Von Margarethe Klose gibt es glücklicherweise recht viele Aufnahmen. Sie war nicht nur im deutschen Raum, sondern auch international eine der führenden Altistinnen, nicht nur im Wagner-Fach, auch bei Mozart und in der Operette. Ihr Repertoire war sehr breit. Sie wurde als Frida Klose 1902 in Berlin geboren, wo sie auch 1968 gestorben ist. Ihr Aufstieg begann in den späten zwanziger Jahren, später war sie die Altistin von Bayreuth schlechthin. 1961 zog sie sich von der Bühne zurück und widmete sicher der Lehrtätigkeit (u.a. Sommerkurse im Mozarteum). Für die Aufzählung ihres OEuvres ist Harald sicher der ideale Mann. Ich erwähne nur zwei Aufnahmen, wo sie kleinere Rollen singt, aber beide sind sowohl sehr empfehlens- wie preiswert: Ferenc Fricsays "Rigoletto" (mit Schock und Metternich, Kl. singt die Maddalena) und die "Zauberflöte" desselben Dirigenten (mit Haefliger, Stader, Streich, Greindl; Kl als Dame der Königin).
    Der "Rigoletto" ist bei Line Music erschienen (und im Forum meiner Erinnerung nach schon wiederholt erwähnt worden), die "Zauberflöte" gibt es in verschiedenen Ausgaben. Ich habe sie als Teil der 10CD-Mozartopern-Box von Membran, die ich seinerzeit um weniger als 15 Euro bekommen habe (die anderen Opern dirigieren Böhm, Kleiber und Krips, alles in dieser Box: :jubel: :jubel: :jubel: ).


    LG


    Waldi

  • Lieber Waldi,


    Zitat

    Wie gefällt D i r diese Box?


    Kann ich nicht sagen, ich habe sie erst nachdem ich Dein Posting las auf meinen Wunschzettel befördert.


    Die Box muss noch etwas dort verweilen.:(


    LG


    Maggie

  • Noch ein Sänger fällt mir ein,von dem man auch schon sehr selten etwas hört. ERICH KUNZ.
    Für mich einer der liebenswertesten Sänger in der Ära des herrlichen Wiener Mozartensemles.
    Sein Figaro ist für mich immer noch Maßstab.


    Lotosblume

  • Hallo Lotosblume,


    für mich war er "der" Figaro überhaupt. Wie ich heute darüber denken würde, weiß ich natürlich nicht. Ich stelle gerade fest, dass ich keine Gesamtaufnahme mit ihm als Figaro habe. Ich habe ihn allerdings ein einziges Mal unter Böhm in der Besetzung Schwarzkopf, Güden und der ganz jungen Christa Ludwig anlässlich der Wiesadener Maifestspiele 1956 oder 1957 live erlebt.


    Liebe Grüße


    Emotione

  • Liebe Emotione!
    Es gibt eine Gesamtaufnahme im Label Orfeo.
    Das ist ein Mitschnitt der Salzburger Festspiele mit Fischer dieskau,E.Schwarzkopf,Ch.Ludwig,I.Seefried und Erich Kunz.
    Ich habe die CD leider im Moment verliehen aber JPC od.Amazon haben sie im Programm.
    LG Lotosblume

  • Maria Callas hatte als Amina in Bellinis "La Somnambula" in Cesare Valetti einen wunderbaren Elvino (live 1955 unter Leonard Bernstein), und dieser Tenor ist ja schon häufiger hier im Forum als jemand genannt worden, dessen Nachruhm zu Unrecht etwas verblasst ist.


    Ich habe jetzt eine Studioaufnahme unter Antonio Votto aus dem Jahre 1957 mit Callas als Amina erstanden, und höre gerade einen Tenor, den ich noch nicht kannte, nach dessen weiteren Aufnahmen ich jedoch sicherlich Ausschau halten werde:


    Nicola Monti, einigen Kritikern als "tenorales Leichtgewicht" in Erinnerung geblieben, fehlt vielleicht in den dramatischeren Szenen der Oper etwas Durchschlagskraft. Dafür singt er im ersten Akt wunderbar lyrisch und elegant, mit elegischem Timbre und einer Klarheit, die ihn z.B. von dem leicht schmachtenden Singen Tagliavinis (den ich aber trotzdem gern höre, hier schweigt die Logik!) unterscheidet.


    Bei Kutsch/Riemens habe ich folgendes über Nicola Monti gefunden:


    - geboren am 21.11.1920 in Mailand
    - kam aus sehr einfachen Verhältnissen und ließ neben einem praktischen Beruf seine Stimme in Abendkursen ausbilden
    - debütierte 1941 als Herzog von Mantua
    - 1950 Schüler der Opernklasse der Mailänder Scala. An diesem Opernhaus hatte er 1955 seine ersten größeren Erfolge; danach Gastspiele in Paris, Brüssel, Verona, in den Niederlanden und beim Maggio musicale von Florenz.



    Als Elvino mit Maria Callas ist er in 4 weiteren Live-Aufnahmen aus dem Jahre 1957 zu hören; 1962 hat er diese Partie auch neben Joan Sutherland gesungen.
    Weitere Rollen auf Schallplatte und CD:
    - 1952 Nemorino in "L´elisir d ´amore" (Gabriele Santini)
    - 1952 und 1960 Almaviva in Rossinis " Il barbiere di Seviglia" (Tullio Serafin und Bruno Bartoletti)
    - 1954 Beppo in "Il Pagliacci" (Tullio Serafin)
    - 1958 Ramiro in "La Cenerentola" (Mario Rossi)
    - 1959 Oronte in "Alcina" (Ferdinand Leitner) mit Sutherland und Wunderlich
    - 1959 Almaviva in Paisellos "Il barbiere di Siviglia" (Renato Fasano)
    - 1959 Milfort in "La cambiale di matrimonio" (Renato Fasano)



    :hello: Petra

  • Weiß nicht es ist sehr schwer zu schreiben, aber
    wir leben in einer so schnell lebigen Zeit da sind
    so viele Künstler vergessen......
    Das stimmt mich manchmal bedenklich. Zum
    Beispiel Dirigenten wie (wahllose Auswahl)
    Kempe, Keilberth, Jochum, Barbirolli ,Erede,
    Hollreiser und viele mehr....


    Bei der Regie Gustav Rudolf Sellner, Carl Ebert, Barlog,
    Rennert und auch Götz Friedrich schon.


    Natürlich auch Sänger will hier aber absichtlich keine
    Namensnennungen beginnen.


    Ich meine damit Künstler mit denen ich "groß"
    geworden bin.


    Es erschreckt mich zum Beispiel die Frage der jüngeren
    Generation. "Wer war Birgit Nilsson oder Christa Ludwig?"
    :untertauch:

    mucaxel

  • Man wird es kaum für möglich halten, aber so manchem in meinem Alter ist selbst der Name Herbert von Karajan unbekannt. :no:
    Das sollte einem doch zu denken geben ...

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ja genau auch ihn hatte ich im Hinterkopf.
    Das ist mir bei einer Diskussion passiert, da
    kannte jemand diesen Namen nicht.
    Ich muß sagen ich war s p r a c h l o s.
    Herbert von Karajan.
    Das ist ja das Phänomän
    manche Namen bleiben länger in der Musikwelt
    liegt das am Überliefern der älteren Generation?
    Zum Beispiel der Name Wilhem Furtwängler ist
    bekannter als Karajan. Bei Karl Böhm wird das
    schon wieder anders.
    Ein weites Feld und ich glaube aber dran das
    Namen von heute wenig bleiben werden.
    Es fallen mir eine Menge ein, aber will hier
    keine Namensnennungen beginnen.


    :yes::pfeif::pfeif::pfeif::pfeif:8)

    mucaxel

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  • Ein Sänger konnte wor wenigen Tagen seinen 90. Geburtstag feiern:


    Der Tenor (und Hautarzt) GERT LUTZE (* 30.09.1917 in Leipzig)


    Gottfried Cerwenka errinnerte vor kurzem in seiner Sendung "Apropos .. Oper" bei Oe1 an diesen Sänger, der bis 1960 in der damalige DDR erfolgreich war und später in Leonberg bei Stuttgart seßhaft wurde.


    Meine Frage an die Forianer: kennt jemand noch diesen Tenor, der nie auf einer Opernbühne stand aber mit seiner kraftvollen Naturstimme im Rundfunk die Hörer in vielen (auf deutsch gesungenen) Opernrollen begeistern konnte?


    Als Operettensänger und in Unterhaltunssendungen trat er unter dem Pseudonym "Charles Geerd" auf.


    Als Oratoriensänger ist er auf verschieden Einspielungen mit dem Münchner Bach-Orchester unter Karl Richter der Nachwelt erhalten geblieben.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Gert Lutze hat in den 50-er und 60-er Jahren viele Bach-Kantaten eingespielt (Berlin Classics)....


    Ein heute vergessener Sänger: MIHÁLY SZÉKELY (1901-63):
    Dieser Basso profondo war von 1923-62 an der Ungarischen Staatsoper tätig; erfolgreich an der Met, in Glyndebourne, Paris.
    Auf CD ist ein Recital erhältlich (Hungaroton).
    In der Edition "Klemperer in Budapest" ist er als Rocco/Leporello/Sarastro/Pogner/Osmin zu hören.
    Seine berühmteste Partie: Herzog Blaubart in Bartóks Oper (in drei Aufnahmen zu hören).
    Eine Stimme, die mich immer wieder fasziniert.


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB


  • Lieber Heldenbariton,


    Diesem Urteil kann ich mich nur anschließen. Zufällig habe ich gerade Székelys Sarastro angehört - eine sehr warm strömende Stimme, nicht so sehr schwärzlich als väterlich-weiser Schönklang. Tja, die Ungarn hatten etliche kostbarste Kehlen, die bis auf wenige Ausnahmen viel zu wenig bekannt sind.


    LG


    Waldi

  • Mitte Dezember 2005 schlug ich morgens meine Tageszeitung auf - wie immer von hinten - da fiel mein Blick auf eine Todesanzeige:


    Prof. Valerie Bak, geb. Korpás
    * 19.7. 1914 - + 09. 12. 2005
    Opernsängerin
    Trauerfeier am 27.12.2005 Stoffeler Friedhof, Düsseldorf


    Als ich vor etlichen Jahren mein Büro noch in der Düsseldorfer Innenstadt hatte, verbrachte ich meine Mittagspause oft in einem Lokal, in dem es preiswert "Abo-Essen" gab. In dem Lokal sass oft in der Ecke eine unscheinbare ältere Dame, die dort ebenfalls mittags das Stammessen einnahm. Irgendwann erzählte mir jemand, die Dame sei ehemalige Operetten-Soubrette. Ab und zu wurden ein paar Worte gewechselt, wobei ihr harter ungarischer Akzent auffiel, obwohl sie fließend Deutsch sprach. Seit dem Tod Ihres Mannes, erzählte sie, lohnte es sich nicht, zuhause zu kochen. Später erfuhr ich ihren Namen und ihren Lebenslauf. Als Sammler hatte ich sofort begonnen, nach Aufnahmen Ausschau zu halten und mußte feststellen, dass sie weit mehr als eine Soubrette, sondern zu ihrer Zeit ein bekannter Opernstar war. Soweit ich konnte, habe ich mir ihre Platten besorgt.


    Dies alles fiel mir wieder ein, als ich die Todesanzeige las. Im Kutsch-Riemens habe ich nachgelesen, hier nun das, was über sie zu lesen ist:


    Zitat:


    Bak, Valérie, Sopran, * 19.7.1919 Budapest; eigentlicher Name Valéria Korponay-Korpas; sie studierte sechs Jahre lang am Konservatorium von Budapest und debütierte 1944 an der dortigen Nationaloper. Sie sang dann am Landestheater von Gera (Thüringen), setzte ihre Studien in München fort und war 1949-51 am Stadttheater von Augsburg engagiert. Über die Staatsoper München (1951-52) und die Hamburger Staatsoper, zu deren Ensemble sie 1951-55 gehörte, kam sie 1955 an das Opernhaus von Düsseldorf, die spätere Deutsche Oper am Rhein, deren Mitglied sie bis 1972 blieb. Gastspiele in Deutschland wie im Ausland brachten ihr große Erfolge ein. 1952 gastierte sie an der Londoner Covent Garden Oper und bei den Festspielen von Edinburgh als Königin der Nacht in der »Zauberflöte« im gleichen Jahr sang sie im Haag die Gräfin in »Figaros Hochzeit«. 1954 hatte sie große Erfolge an der Oper von Rio de Janeiro. Weitere Gastspiele führten sie an das Teatro Liceo Barcelona, an das Teatro Fenice Venedig, an die Oper von Rom (1952), an das Teatro Fenice Venedig (1955), an das Teatro Carlo Felice Genua, an die Wiener Volksoper, nach Zürich, Genf, Bern und Amsterdam und an das Teatro San Carlos Lissabon (1955). Beim Maggio musicale Florenz gastierte sie 1955 in der Oper »Die Witwe von Ephesos« von Hermann Reutter. Sie galt als bedeutende Interpretin von Sopranpartien in Opern von Mozart, Verdi und Richard Strauss (Traviata, Pamina in der »Zauberflöte«, Fiordiligi in »Così fan tutte«, Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, Gilda im »Rigoletto«, Sophie im »Rosenkavalier«). Auch als Konzertsängerin hatte sie eine erfolgreiche Karriere. Verheiratet mit dem Pianisten und Komponisten Ludwig Bak. 1958 nahm sie in Düsseldorf an der Uraufführung einer Neufassung von E. Kreneks »Karl V.« teil.
    Schallplatten: Bertelsmann (Querschnitte »Rigoletto« und »Carmen«), MGM (Arien-Recital), Polydor (Operettenm), Decca. Myto (Tatjana im »Eugen Onegin« mit George London als Partner).
    [Lexikon: Bak, Valérie. Großes Sängerlexikon, S. 1077]


    Man beachte, dass das Geburtsdatum der Todesanzeige 5 Jahre älter ist als im Sängerlexikon - typische Künstler-Eitelkeit, sich 5 Jahre jünger auszugeben!


    Meine Sammlung umfasst z.Zt. folgende Aufnahmen mit Valerie Bak: "Der Kalif von Bagdad", Orffs "Circe", Lortzings "Undine", Meyerbeers "Hugenotten", Die Zauberflöte, La Boheme, "Der Goldene Hahn" von R.-Korsakoff, Verdis "Falstaff" und natürlich ihre bekannteste Aufnahme, den "Eugen Onegin" mit George London und Anton Dermota.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo Harald,


    auch ich habe den "Onegin" in meiner Sammlung (bei d e r Tatjana und d e m Onegin...).
    Eine wunderschöne Stimme, die ich nicht missen möchte.


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Zitat

    Original von heldenbariton
    auch ich habe den "Onegin" in meiner Sammlung (bei d e r Tatjana und d e m Onegin...).
    Eine wunderschöne Stimme, die ich nicht missen möchte.


    :yes:


    Eine wuderschöne Aufnahme, die es zum Glück seit einiger Zeit wieder auf CD gibt - Richard Kraus ist der Dirigent.


    Herzlichen Dank an Harald für diesen Beitrag!


    LG, Elisabeth


    PS @ Fairy: Diese Stimme musst Du hören, nicht (nur) darüber lesen!

  • Lieber Harald,


    Danke vielmals für diesen hochinteressanten Beitrag. Beinahe möchte ich jetzt sagen, no natürlich, eine Ungarin (man merkt, ich bin halber Wahlungar und als solcher natürlich ein bisserl Chauvi). Jetzt kann ich nur hoffen, daß irgendwann eine Baksche Traviata ausgegraben wird. Ihre Stimme muß besonders auch für diese Rolle sehr gut gepaßt haben.


    Unersättlich wie ich bin: Hast Du entsprechende Geheimakten auch über Maud Cunitz und Eta Köhrer? Über die erste weiß ich wenig, über die zweite fast nichts.


    LG


    Waldi

  • Fairy Queen


    Liebste Feenkönigin, über die Stimme von Valerie Bak kann man eigentlich nicht so richtig schreiben, man muss sie hören!
    Wenn bei mir zuhause jemand danach fragte habe ich immer ihre Aufnahme von "Klänge der Heimat", dem Csardas uas der "Fledemaus" aufgelegt. Da kann man alles hören - die perfekte Technik, den schönen Klang der Stimme - und ihr ungarisches Temperament! - Was will man mehr?


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • Walter Krause


    Lieber Waldi,


    mit Informationen zu Eta Köhre kann ich leider nicht dienen. Ich kenne sie nur aus der besprochenen Meyerbeer-Aufnahme als Page Urbain. Eine uralte Tonbandaufnahme (Salzburger Festspiele 1958 ) liegt bei mir im Keller: Arabella von Strauss, da singt sie die "Fiakermilli" (ist aber inzwischen offiziell als CD erschienen).


    Zu Maud Cunitz demnächst mehr an dieser Stelle, da gibt es doch einiges zu erzählen.....


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Hallo


    Ich habe es schon einmal irgendwo erwähnt, aber es passt hier wieder sehr gut. Bela Bartók war von Székely derart begeistert, dass er die Partie des Blaubart umschrieb damit sie optimal seiner Stimme entsprach. Székely war dann für Jahrzehnte der unbestrittene "Besitzer" dieser Partie.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Der Bariton Thomas Tipton ist am 22. September 2007 in München gestorben.
    Geboren am 18.11.1926 Wyandotte (Michigan); er entstammte einer eingewanderten polnischen Familie, sein eigentlicher Name war Thomas Max Pointkowski. Er studierte am Michigan State College bei Herbert Swanson, dann an der Universität von Ann Arbor bei Chase Baromeo. Vor seiner Ausbildung war er als Postangestellter und als Taxifahrer beschäftigt gewesen. Bühnendebüt 1952 an der New York City Centre Opera als Bob in »The Old Maid and the Thief« von Menotti. Er blieb während zwei Spielzeiten an diesem Opernhaus und kam dann 1956 nach Europa, wo er in Deutschland nochmals bei Hedwig Fichtmüller studierte.
    Er sang 1957-58 mit einem Anfänger-Vertrag am Nationaltheater von Mannheim, dann 1958-59 als Solist am Stadttheater von Hagen (Westfalen), 1959-64 wieder am Mannheimer Nationaltheater. Hier nahm er u.a. an der Uraufführung von »Das lange Weihnachtsmahl« von P. Hindemith (17.12.1961) teil. 1964-66 wirkte er an der Stuttgarter Staatsoper und war seither Mitglied der Bayerischen Staatsoper München. Regelmäßige Gastspiele an der Wiener Staatsoper und am Deutschen Opernhaus Berlin sowie an der Staatsoper Hamburg (1964). 1965-66 sang er bei den Festspielen von Salzburg den Nardo in »La finta giardiniera« von Mozart, 1967 bei den Bayreuther Festspielen den Wolfram im »Tannhäuser« und den Heerrufer im »Lohengrin«.
    1972-74 an der Covent Garden Oper London zu Gast, wo man ihn als Rigoletto hörte. Er gastierte auch an der Oper von San Francisco (1962, 1968 ), an der Oper von Rom (1968 ) und am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1970) und war nicht zuletzt ein gesuchter Konzert- und Oratoriensänger. Auf der Bühne schätzte man ihn vor allem im italienischen Repertoire, u.a. in den Titelrollen der Verdi-Opern »Nabucco« und »Macbeth«.
    Erfolge feierte Thomas Tipton, der eine mächtige Stimme besaß und auch eine imposante Bühnenerscheinung war, nicht nur als Sänger, sondern auch als Schauspieler. So z. B. in der Fernsehserie "Kir Royal" und in dem Film "Schtonk".


    Auf Platte zu hören ist er u.a. als Heerrufer im Lohengrin aus Bayreuth 1967. Ich selbst habe Aufnahmen von ihm: "Lucia di Lammermoor, Qu. von 1960 unter Fricsay, "Die Macht des Schicksals" 1966 unter Schüchter, sowie eine Recital-CD (mit Widmung und Original-Unterschrift).


    Jetzt ist er 80-jährig überraschend an einem Blutgerinnsel gestorben. Für mich wird seine Stimme und seine symphatische Persönlichkeit in Erinnerung bleiben!

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Von einer weiteren – meiner Ansicht nach zu Unrecht – vergessenen Sopranisten soll an dieser Stelle heute die Rede sein:


    Cunitz, Maud, Sopran, * 3.4.1911 London (als Tochter deutscher Eltern), † 22.7.1987 bei München.
    Am Beginn meiner persönlichen Laufbahn als Sammler von Stimmen stehen einige 17-cm-Singles und –EP’s, auf denen sie Opernarien singt. (Für Langspielplatten reichte das Taschengeld damals noch nicht)


    Kutsch-Riemens hat ihre Vita ausführlich dokumentiert; sie kam mit drei Jahren nach Nürnberg, studierte Gesang (bei Stoja von Millinkovic) und Tanz und trat 1930 dem Nürnberger Opernchor bei, wo sie seit 1932 kleinere Solopartien übernahm. Eigentliches Debüt als Solistin 1934 an den Vereinigten Bühnen Gotha-Sondershausen in der Rolle der Agathe im »Freischütz«. 1935-38 war sie am Landestheater Coburg, 1938-39 am Stadttheater Lübeck, 1939-40 am Stadttheater Magdeburg, 1940-44 an der Staatsoper Stuttgart engagiert. Seit 1945 Mitglied der Staatsoper München. Sie gastierte 1945 erfolgreich als Elisabeth im »Tannhäuser« an der Wiener Staatsoper und blieb diesem Haus bis 1960 verbunden; sie hatte dort als Sieglinde in der »Walküre«, als Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, als Pamina in der »Zauberflöte« und als Aida ihre Erfolge. Sie trat bei den Festspielen von Salzburg als Donna Elvira im »Don Giovanni« (1943 und 1946), als Zdenka in »Arabella« (1943) und als Octavian im »Rosenkavalier« (1946) auf.
    Am 16.8.1944 sang sie in der Generalprobe zu der Oper »Die Liebe der Danaë« von R. Strauss in Salzburg die Partie der Semele. (Die eigentliche Uraufführung wurde wegen der Kriegsereignisse abgesagt). Gastspiele am Opernhaus von Düsseldorf, an der Grand Opéra Paris, in Nizza, Brüssel und Rom; sie sang beim Maggio musicale Florenz 1951 die Titelrolle in Robert Schumanns »Genoveva«, 1953 an der Londoner Covent Garden Oper die Titelpartie in »Arabella« und die Gräfin in der englischen Premiere der Oper »Capriccio« von Richard Strauss. 1965 beendete sie ihre Bühnenlaufbahn.
    Sie trat in einem umfangreichen Repertoire auf, aus dem noch die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, die Liu in Puccinis »Turandot«, die Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«, die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Desdemona in Verdis »Othello«, die Traviata, die Rosalinde in der »Fledermaus«, die Elsa im »Lohengrin«, die Leonore in »La forza del destino« von Verdi, die Ariadne auf Naxos von R. Strauss und die Jenufa in der gleichnamigen Oper von Janá
    ek hervorzuheben sind. – Verheiratet mit dem Bariton Albrecht Peter (* 1914).


    Heute befinden sich in meiner Sammlung zahlreiche Opern-Gesamtaufnahmen mit ihr, auch einige Operetten. Einige seien hier erwähnt:
    - Beethoven, Fidelio - Frankfurt 1957: Cunitz, Köth, Kozub, Frick, Frantz – Matzerath
    - Giordano, Andrea Chenier - Frankfurt 1950: Friedrich, Cunitz, Kronenberg, Heimpel, Ludwig – Zillig (dt.)
    - dto., Fedora - Frankfurt 1953: Cunitz, Friedrich, Madsen, Gester, Mill, Ludwig – Schröder
    - Korngold, Tote Stadt - Frankfurt 1953: Cunitz, Friedrich, Madsen, Gester, Mill, Ludwig – Schröder
    - Künneke, Große Sünderin - Frankfurt 1953: Cunitz, Friedrich, Madsen, Gester, Mill, Ludwig – Schröder
    - Meyerbeer, LES HUGUENOTS - Wien 1955: Berry, Terkal, Frick, Bak, Cunitz – Heger (dt.)
    - Mozart, Don Giovanni - Köln 1955: London, Zadek, Cunitz, Simoneau, Weber – Klemperer
    - PUCCINI - LE VILLI - Frankfurt 1952: Gester, Cunitz, Feiersinger – Schmitz (dt.)
    - Puccini, Manon Lescaut - Frankfurt 1949: Cunitz, Bensing, von Rohr, Marschner – Schröder (dt.)
    - VERDI, Troubadour - Frankfurt 1950: Bensing, Cunitz, Gonszar, Rohr, Eustrati – Zillig (dt.)
    - VERDI, Maskenball - München 1957: Simandy, Cunitz, Metternich, Steffek, Benningsen – Fricsay (dt.)
    - VERDI, Falstaff - Köln 1950: Reinmar, Cunitz, Fischer, Peter, Lasser, Lipp, Holm – Solti (dt.)
    - Wagner, Lohengrin - Hamburg 1953: Schock, Cunitz, Klose, Metternich, Frick, Günter – Schüchter
    - Weber, Freischütz - Stuttgart 1950: Bensing, Cunitz, Nentwig, Hann, Sarmland – Müller-Kray
    - Weber, Freischütz - Wien 1951: Poell, Hopf, Rus, Dönch, Cunitz, Loose – Ackermann
    (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
    Ich glaube nicht, dass es heute noch Sängerinnen gibt, die es in punkto Vielseitigkeit mit Maud Cunitz aufnehmen könnte.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mit dieser Überschrift hat Paul vor ein paar Wochen an eine Altistin erinnert, die bei uns fast ganz vergessen ist.


    Als Sammler von Stimmen (vorwiegend tiefere Stimmlagen, vorwiegend Oper) habe ich das sträflicherweise einfach überlesen.
    Dabei stellt eine Aufnahme mit dieser Sängerin einen wichtigen Teil meiner (Nicht-Opern-)Sammlung dar:


    Johannes Brahms
    Rhapsodie op. 53

    für eine Altstimme, Männerchor und Orchester
    (Goethes "Harzreise im Winter")


    Aafje Heynis, Alt
    Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde
    Wiener Symphoniker
    Leitung: Wolfgang Sawallisch
    Stereo, Aufnahmedatum nicht bekannt (p = 1967)


    Eine wirklich schöne Aufnahme, die allein ist es wert, diese Sängerin in bester Erinnerung zu behalten!


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Nach dem Tod von Luciano Pavarotti war in vielen Nachrufen zu lesen, wieviel der Sänger seinem Lehrer ARRIGO POLA verdankt. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass Arrigo Pola nicht nur Lehrer war, sondern zu seiner Zeit ein berühmter Tenor, der vor allem im asiatischen Raum die italienische Oper - besonders die des Verismo - populär machte.


    Kutsch-Riemens schreibt dazu:
    Pola, Arrigo, Tenor, * 5.7.1919 Finale bei Modena: Schon als Kind trat er singend hervor, studierte später jedoch Trompete, schließlich aber doch Gesang bei der Pädagogin Mercedes Accianti in Modena. Während des Zweiten Weltkrieges war er Soldat, konnte aber in Deutschland als Sänger auftreten, u.a. in Danzig. Seine eigentliche Karriere begann er 1945 am Teatro Sociale von Modena als Cavaradossi in »Tosca« mit Sara Scuderi als Partnerin. Nachdem er einen Concours des italienischen Rundfunks RAI gewonnen hatte, sang er am Teatro Fenice Venedig in »Tosca« als Partner der berühmten Renata Tebaldi, dann auch an der Oper von Rom, am Teatro San Carlo von Neapel, 1949 an der Mailänder Scala (Faust von Gounod) und 1951 als Partner von Maria Callas am Teatro Regio von Parma in Verdis »La Traviata«. 1945/46 Gastspiele an französischen Bühnen, in Brüssel (in »Manon« von Massenet) wie am Teatro Liceo Barcelona, 1956 in England. Nachdem der Präsident der Philippinen ihn 1955 zu einer Tournee durch dieses Land einlud, blieb er in den fernöstlichen Ländern und hatte große Erfolge als Opern- wie als Konzerttenor in Tokio und Hongkong. Acht Jahre hindurch wurde er an der Fujiwara Oper von Tokio gefeiert, wo er das ganze klassische italienische und französische Tenorrepertoire sang und Tourneen durch Japan und Korea unternahm. Er übernahm 1957 die Direktion der Fujiwara Opera Company, die er bis 1965 leitete. 1965 kam er wieder nach Italien zurück und betätigte sich pädagogisch in Cagliari, Verona und Bologna; sein Meisterschüler war der bekannte Tenor Luciano Pavarotti! aber auch Vincente la Scola und viele andere bekannte Sänger.


    Schallplatten: Remington (vollständige »La Traviata«), Cime (Recital); sang auf Nippon- Victor in den vollständigen Opern »La Traviata« und »Tosca« und auf japanischer Columbia italienische und neapolitanische Lieder.
    [Lexikon: Pola, Arrigo. Großes Sängerlexikon, S. 19370
    (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2768 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Seine Recital-Platte (1993 auf CD erschienen) enthält neben einem Interview mit Bruno Cernaz 12 Arien, die in Japan aufgenommen wurden, mit dem Orchester der Universität Tokio unter der Leitung von Franco Capuano. Vergleicht man Einspielungen des jungen Pavarotti mit diesen Aufnahmen, so ist eine große Ähnlichkeit an Technik und musikalischem Ausdruck festzustellen.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Wenn man vor 20 oder 25 Jahren im Stadtpark von Hagen/Westfalen einen Spaziergang machte, passierte es oft, dass einem eine möndäne (ältere, aber alterslose) Dame begegnete, die sich durch extravagante Kleidung und riesige Hüte von den übrigen Passanten abhob. Das war Rita Zorn, der Star des Hagener Stadttheaters. Sie grüßte freundlich und nahm es keinem der Spaziergänger übel, der sich neugierig nach ihr umdrehte.


    Nachstehend ein Portrait dieser großen Dame der Stadt Hagen.


    Rita Zorn (1921 – 1991)
    Hagener Operettendiva
    (von Dr. Inge Michalowski)


    Rita Zorn, 1921 als Tochter einer Bäckerfamilie geboren, machte ihre ersten Bühnenschritte als Chorelevin auf der heimischen Bühne in Leipzig. Zwar hatte sie nach Abschluss der Schulzeit – wohl im Hinblick auf das elterliche Unternehmen – mit einer Lehre als Buchhalterin begonnen und selbst auch im elterlichen Betrieb mitgeholfen, dennoch begann sie trotz Kriegsausbruch 1939 mit dem Musikstudium.
    Ihr erstes Engagement hatte sie an der Bühne in Greiz/Thüringen, wo sich ihre musikalische Begabung und das Timbre ihrer Stimme voll entfalten konnten und wo sie bereits im ersten Jahr den Durchbruch zu Hauptrollen in der Operette schaffte. Nach einem Zwischenengagement in Zwickau wurde sie 1955 Mitglied der Staatsoperette Dresden. Dort avancierte sie sehr bald zur umjubelten Operettendiva. Es gab keine Rolle im Operetten-Repertoire, die sie nicht gesungen hätte. Die politische Lage nach den Ereignissen in Ungarn 1956 ließ in ihr jedoch den Wunsch reifen, sich in den Westen abzusetzen.
    1958 wurde Rita Zorn, durch den damaligen Intendanten der Hagener Bühnen, Werner, aus Dresden nach Hagen/Westfalen geholt. Damit gelang aus Hagener Sicht ein großer Coup für das städtische Theater und seine Entwicklung. Der Intendant Werner hatte den Triumph der gebbürtigen Leipzigerin auf der Dresdner Operettenbühne erlebt und war begeistert.
    Durch ihre Begabung und ihr Engagement konnte sie, wie schon in Dresden, viele Menschen für das Theater gewinnen. Man liebte sie, man verehrte sie. Es flogen Blumensträuße! Kurzum, die war für das Theater ein großer Gewinn.
    Obwohl sehr gefeiert, zeigte sie im Umgang mit den Kollegen und in der Zusammenarbeit mit ihnen keinerlei Allüren oder gar Launenhaftigkeiten. Stets war sie diszipliniert und zuverlässig – bisweilen sogar etwas zaghaft, beinahe schüchtern. So erzählte ein ehemaliger Mitarbeiter, dass nur ganz allmählich und oft beinahe zufällig etwas über ihre großen Erfolge in Dresden bekannt wurde. Davon erzählt habe sie nie.
    Es machte ihr große Freude, bei unzähligen Festlichkeiten, Geburtstagen oder Jahresfeiern für die Kollegen zu kochen und zu backen. So entwickelte sich eine vertraute, familiäre Atmosphäre des Miteinanders. Einstige Kollegen sprechen noch heute in tiefem Respekt von ihr als der letzten Operettendiva. Großen Wert legte sie auf Mode und erlesene Kleidung. Sie verstand es, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Ihr Stil war unverwechselbar. Man schätzte an ihr, dass sie sich stets ihrem Beruf verpflichtet fühlte. Die Bühne war ihr Leben.
    Das 25jährige Bühnenjubiläum wurde für sie und für alle Theaterfreunde in Hagen ein großer Triumph, brachte es doch die Erfüllung ihres größten Wunsches: zusammen mit Johannes Heesters als Partner in der „Lustigen Witwe“ aufzutreten. Dies war in der Spielzeit 1966/67.
    Die hervorragende Darbietung ihrer Partie als Hanna Glawari wurde von den Zuschauern enthusiastisch aufgenommen und machte diese Aufführung zu einem unvergesslichen Ereignis in der Theatergeschichte der Stadt Hagen.
    Doch die Jahre vergingen. Auch bei Rita Zorn stellten sich die unvermeidlichen Veränderungen des Alters ein, die sie gerade in ihrem Fach als besonders hart empfand und an denen sie zunehmend schwer zu tragen hatte. Mit der Rolle der „Alten“ wollte sie sich nicht anfreunden. So war ihr Einsatz vom Theater her in anderer Weise gefordert: Sie wirkte in unzähligen Märchen und Weihnachtsstücken mit und spielte sich so in die Herzen der Kinder. Trotzdem zog sie sich immer mehr zurück und verstarb still und leise, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, im Januar 1991.


    (Aus: Frauen in der Hagener Geschichte, 1995)


    Ich habe auch ein schönes Photo von ihr, kann es leider mangels eigener Website nicht hier einstellen.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald,


    Danke vielmals für diese Informationen über Rita Zorn, von der man nur hoffen kann, daß es nicht nur ganz wenige Rundfunkmitschnitte gibt.
    Irgendwie ist das eine Operettengeneration, die erst wieder mühsam entdeckt werden muß. Auch in Wien sind viele Namen in Vergessenheit geraten, die eigentlich in Gold gerahmt an der Tempelwand hängen sollten (z.B. Hilde Brauner, Friedl Loor, Else Liebesberg). Über die Personen selbst weiß ein Normalverbraucher wie ich gar nichts. Das wurmt und reizt die archäologische Neugier. Bitte mein Bohren und Fragen in solchen Fällen also als milde Manie weiterhin so freundlich therapieren!


    LG


    Waldi

  • Lieber Waldi,


    auch ich bedauere es, dass solche Sängerinnen wie Else Liebesberg oder Friedl Loor so in Vergessenheit geraten sind, aber immerhin gibt es ja etlich Operettenquerschnitte, auf denen ihre Stimmen erhalten sind.


    Bei "meiner" Rita Zorn sieht das leider nicht so gut aus. Dass die beiden mir vorliegenden Operettenaufnahmen überhaupt erhalten sind, ist wohl in erster Linie dem Dirigenten Herbert Kegel zu verdanken. Andere Aufnahmen von Rita Zorn konnten wir bisher in den alten DDR-Archiven nicht finden, was wohl daran liegen mag, dass sie nach dem Ungarnaufstand 1956 die DDR verliess, um im Westen zu leben. Daraufhin wurde anscheinend ihr Name und ihre Aufnahmen aus den DDR-Archiven gelöscht.


    LG
    Harald

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Harald Kral



    Bei "meiner" Rita Zorn sieht das leider nicht so gut aus. Dass die beiden mir vorliegenden Operettenaufnahmen überhaupt erhalten sind, ist wohl in erster Linie dem Dirigenten Herbert Kegel zu verdanken. Andere Aufnahmen von Rita Zorn konnten wir bisher in den alten DDR-Archiven nicht finden, was wohl daran liegen mag, dass sie nach dem Ungarnaufstand 1956 die DDR verliess, um im Westen zu leben. Daraufhin wurde anscheinend ihr Name und ihre Aufnahmen aus den DDR-Archiven gelöscht.


    Lieber Harald,


    Nach meiner - kunsthistorischen - Erfahrung war man hinter dem Eisernen Vorhang mit dem Wegwerfen viel vorsichtiger als diesseits. Die kommunistischen Behörden haben oft ganz erstaunliche Dinge sorgfältig bewahrt, wenn auch hermetisch verborgen. Ich würde also eher vermuten, daß man solche Tondokumente nicht ganz eliminiert, sondern an irgendeinen Sonderort verräumt hat, wo man sie jetzt natürlich nicht sucht. Zumindest steht es zu hoffen.


    LG


    Waldi

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