Salzburg, Ende des 17. Jahrhunderts - Heinrich Ignaz Franz Biber und Co.

  • Hallo!


    Vielleicht haben schon einige drauf gewartet, dass ich einen Thread eröffne, in dem es u.a. um meinen Benutzername geht, bzw. um das Werk, auf welches sich das bezieht. Wenn nicht, ist es auch recht. ;)


    Die Zeit zwischen 1680 und 1704 ist in Salzburg eng mit dem Namen Heinrich Ignaz Franz Biber verbunden. Geboren wurde er am 12. August 1644 in Wattenberg in Böhmen. Zunachst finden wir ihn in der erzbischöflichen Hofkapelle von Olmütz wieder. 1670 wurde er nach Salzburg berufen, wo er ab 1679 zunächst Vizekapellmeister war. 1684 wurde er, nachdem Vorgänger Andreas Hofer gestorben war, zum Kapellmeister befördert und 1690 sogar geadelt. Bis zu seinem Tod am 3. Mai 1704 hatte er diese Stellung inne.


    Er war einer der herausragenden Virtuosen auf der Violine zu seiner Zeit. Eine Ahnung seines Könnens und seiner virtuosen Behandlung dieses Instrumenten können wir heute noch bekommen, zB. beim Hören der Rosenkranzsonaten (1674), der Harmonia artificiosa oder der Sonatae Violino Solo von 1681. Wie vollständig er sein Instrument beherrschte, zeigt sich auch im häufigen Gebrauch von Scordaturen, d.h. die Saiten des Instrumentes anders zu stimmen als im sonst üblichen Quintabstand. Das ermöglicht andere Klangfarben und vor allem sonst unmögliche Doppelgriffe. Biber wußte aber nicht nur mit der Violine virtuos umzugehen, auch seine Kammermusik für die Trompete stellt einen Meilenstein für dieses Instrument dar. Dazu zählen teilweise die Sonatae tam aris quam aulis servientes, in noch stärkerem Maße aber die 12 Duette für 2 Trompeten und die Sonatae Sancti Polycarpi.


    Nun aber zum eigentlichen Thema, den prachtvollen Messen, die Biber für repräsentative Feierlichkeiten komponierte und die im Salzburger Dom zur Aufführung kamen. Herausragend, aber nicht die einzig Komposition dieser Art, ist die Missa salisburgensis. Dieses monumentale Werk wurde anläßlich des 1100jährigen Bestehens des Salzburger Erzstiftes am 18. Oktober 1682 aufgeführt. Lange wurde das Werk dem Italiener Orazio Benevoli zugeschrieben, allerdings sprechen stilistische, sowie äußere Umstände sehr für die Urheberschaft Bibers.


    Die Missa salisburgensis ist ein in der Musikgeschichte einmaliges Werk. Biber schreibt 16 Vokal-, 35 Instrumentalstimmen, 2 Orgeln und ein reich besetztes Basso continuo vor, alles in allem 53 Stimmen. Diese teilt er in kleine Gruppen auf und plaziert sie an verschiedenen Stellen im Dom und führt sie in verschiedensten Varianten musikalisch wieder zusammen. Das Ergebnis ist eine äußerst abwechlungsreiche und prachtvolle Messkomposition, die auch den Raum, für den sie komponiert wurde, mit einbezieht.



    Beide Aufnahmen sind durchweg empfehlenswert (es gibt noch eine dritte mit dem Collegium Aureum und dem Tölzer Knabenchor, die ich allerdings noch nicht kenne). Die Aufnahme unter McCreesh entstand in der Romsey Abbey, Südengland. In ihr kommt das Repräsentative und bombastisches sehr zum Tragen. Koopmans Aufnahme hingegen, am orginalen Ort aufgenommen, ist etwas feiner, streckenweise gradezu kammermusikalisch. Auch unterscheiden sich beide Aufnahmen leicht in ihrer Instrumentierung. Koopman verwendet beispielsweise auch Blockflöten, die bei McCreesh fehlen, bzw. dort wird der Part von Zinken gespielt.


    Weitere vergleichbare Kompositionen Bibers für ähnliche Anlässe haben sich erhalten, zB. die 23-stimmige Missa buxellensis, die ihren Namen nach dem Fund- bzw. Aufbewahrungsort erhielt, aber eindeutig für Salzburg komponiert wurde. Daneben wären noch zu nennen: Missa Alleluia zu 26 Stimmen, die Missa Christi resurgentis zu 19 oder Verspervertonungen zu 32 Stimmen. Aber auch andere Komponisten haben ähnliches geschaffen, wie zB. Georg Muffat die Missa In labore requies a 23 oder Francisco Valls´ (1665 -1747) Missa Scala aretina, die übrigens wegen einer unvorbereiteten Dissonanz, ein Sakrileg gegen damals gültige Kompositionsregeln, einen über 100 Jahre anhaltenden Disput verursachte und deswegen nicht ganz vergessen wurde. Dieses Werk gehört allerdings nicht zum Salzburger Dunstkreis, sondern nach Barcelona.


    Aufnahmen hierzu:


    Biber: Missa Bruxellensis
    La Capella Reial de Catalunya, Le Concert des Nations, Savall auf AliaVox


    Biber: Missa Alleluja
    Gradus ad Parnassum, Junghänel auf DHM


    Muffat: Missa In labore requies zusammen mit Bibers Litaniae de Sancto Josepho
    Concerto Palatino, Cantus Cölln, Junghänel auf harmonia mundi


    Valls: Missa Scala Aretina zusammen mit Bibers f-Moll Requiem
    Koor & Barokorkest van de Nederlandse Bachvereniging, Leonhardt auf DHM


    viel Vergnügen beim Hören wünscht
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo Salisburgensis, nicht nur im Komponieren von Mess-Ordinarien für besondere Anlässe war Biber eine Kapazität; auch das "Requiem" fand immer wieder seine besondere Aufmerksamkeit und die überlieferten
    Vertonungen der Totenfeier stehen an Opulenz den Fest-Messen keinesfalls nach. Ähnlich wie bei Schütz empfiehlt es sich in Bibers Fall, die groß angelegten Werke am Schauplatz ihrer Aufführung (soweit das heute noch möglich ist) zum Klingen zu bringen; denn gerade beim Arbeiten mit 15 Stimmen und mehr, was bei Biber keine Seltenheit ist,
    kommt dem Raum als zusätzlicher "Klang-Dimension" eine bedeutende Rolle zu. Unter diesem Aspekt bevorzuge ich bei der Salzburg-Messe eher die Aufnahme Savalls als die Mc Creeshs/Goebels.


    Meine Empfehlung ist die Requiem-Einspielung von McCreesh, gekoppelt mit einer Messe in B und Instrumentalstücken anderer, zeitnaher Komponisten. Die von mir schon hervorgehobenen wichtigen Aspekte
    erfüllt diese Aufnahme ganz.


    Biber:Requiem, DGG McCreesh 20003




    Koopmans Einspielung eines Requiems in C-Dur verblüfft vor allem durch die Wahl der Tonart, (spontan fällt mir als Requiem in C nur noch das von J.A. Hasse ein !) Leider ist Koopmans Aufnahme (Ende der 80 bei Erato erschienen)
    aus dem Katalog verschwunden.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Ich werd´ verrückt:



    Biber, Missa Salisburgensis, La stagione armonica unter Sergio Balestracci, erschienen beim Label Amadeus




    Noch eine vierte Aufnahme dieser großartigen Messe. Ein live-Mitschnitt von 2003 aus der Chiesa di Santa Maria in Villa Lagarina. Und die Aufnahme ist gar nicht schlecht!! Kann gut mit den "Großen" (siehe oben) mithalten. Ich kann mein Glück immer noch nicht fassen... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:



    Thomas

    Da freute sich der Hase:
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    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo allerseits,


    Ja, ich liebe die Mc Creesh- und die Koopman-Aufnahmen der Missa Salisburgensis auch sehr - die Koopman-Fassung hat für sich, dass sie tatsächlich im Dom zu Salzburg gemacht wurde (wenn ich nicht irre, habe mich jetzt nicht noch mal vergewissert). Auch klingt sie eine Spur räumlicher, was die Mehrchörigkeit besonders plastisch erscheinen lässt. Als ich die Missa das erste Mal gehört habe, flog sie mir förmlich um die Ohren - da entläd sich die schiere orgiastische Pracht. Ich bin jedes Mal zutiefst bewegt und hinterher fix und fertig!


    Aber auch das "Requiem" bewundere ich sehr. Zwei schöne Aufnahmen: Gustav Leonhardt und die Niederländische Bachvereinigung (Deutsche Harmonia Mundi)
    und -ganz besonders- Philip Pickett und das New London Consort (L'Oiseau - Lyre).


    Schöne Grüße!
    Daniel

  • Hallo Thomas,


    Zitat

    Biber, Missa Salisburgensis, La stagione armonica unter Sergio Balestracci, erschienen beim Label Amadeus


    Hm und weshalb find ich da sin keinem Katalog ????


    Grummel, BBB

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Daniel Behrendt:


    Zitat

    Aber auch das "Requiem" bewundere ich sehr. Zwei schöne Aufnahmen: Gustav Leonhardt und die Niederländische Bachvereinigung (Deutsche Harmonia Mundi)


    Wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht im Stich gelassen hat, handelt es sich bei dem unter Pickett eingespieltem um jenes in fmoll während das von leonhardt in dmoll steht. Es dürfte sich also um verschiedne Werke handeln und das von Koopman eingespielte ist nch ein anderes !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Ja, natürlich richtig! Es sind zwei verschiedene, aber das von Leonhardt steht in A-Dur - korrigier mich wenn's nicht stimmt... Ich habe den Pickett erst ziemlich neu, während der Leonhardt schon ziemlich lange bei mir lagert - habe ihn weiß Gott nicht oft gehört und nur noch in dumpf Erinnerung, dass ich von der Aufnahme sehr angetan war - Ich werde ihn mir nachher vielleicht reinlegen.
    Ich habe übrigens, angeregt durch diesen Thread, gerade die Koopman-Missa laufen - die Räumlichkeit der Aufnahme ist wirklich eine Wucht.
    Schönen Gruß!
    Daniel
    P.S.: Wie ist denn die Missa Alleluja? - liegt hier noch ungehört rum.

  • Zitat

    Original von BigBerlinBear


    Hm und weshalb find ich das in keinem Katalog ????



    Keine Ahnung, ich hab gestern auch lange gebraucht, bis ich ein zeigbares Cover gefunden habe. Gekauft hab ich bei ebay.



    Thomas

    Da freute sich der Hase:
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    - H. Heine -

  • Hallo, Thomas!


    Vor kurzem habe ich diese CD gekauft:



    Grund: Ich wollte Bibers Missa Salisburgensis kennenlernen. Ich hatte die CD kurz erspäht, genommen und erst zu Hause gemerkt, daß da gar nicht der Name Biber draufsteht.


    Es handelt sich um eine Messe für 16 Vokal- und 35 Instrumentalstimmen sowie 2 Orgeln - so weit, so identisch. Aber laut Text im booklet ist der Komponist unbekannt, eine Autorenschaft von Biber oder Andreas Hofer wird vermutet.


    Nun meine Fragen: Handelt es sich überhaupt um dasselbe Werk?
    Falls ja: Ist der Text im booklet so alt wie die Aufnahme (1974) und ist inzwischen Biber als Komponist identifiziert? Oder ist Biber als Komponist der Messe tatsächlich umstritten?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Das dürfte Thomas warscheinlich besser beantworten, aber die Missa Salisburgensis hat tatsächlich keinen bekannten Autoren, man geht Heute aber davon aus, dass diese Pompmessen allesamt von Biber stammen.


    Vor kurzem galt noch Orazio Benevolo als Urheber.
    Man vermutet das diese Messe deshalb anonym geblieben ist, weil Biber zu dieser zeit noch nicht das höchste musikalische Amt am Hof hatte, da es aber um eine zentrale Komposition ging wollte man den eigentlichen Hofkapellmeister nicht unnötig kompromitieren.


    Meine Vermutung geht in eine etwas andere Richtung, ich schätze, dass es sich hierbei um eine Gemeinschaftswerk diverser Komponisten handelt. Das war im Barock und auch später ja niemals etwas ungewöhnliches - wenn es um höfische Auftragswerke ging war das fast schon normal.


    Aber ich kann Dir versichern es gibt nur ein Wer mit dem Namen "Missa Salisburgensis" die anderen Messen haben meist als Zusatznamen den Ort ihrer Auffindung ( Missa Bruxellensis )


    :hello:

  • Ich hätte da auch noch ein paar wirkliche schöne Aufnahmen von Bibers Musik:




    Die Rosenkranzsonaten
    Tragicomedia / Holloway





    Requiem in A-Dur + Steffani - Stabat Mater
    Koor & Barokorkest van de Nederlandse Bachvereniging / Leonhardt


    ...selten habe ich so ein freudiges Requiem gehört....



    Violinsonaten
    Romanesca / Manze


    ( Preis der deutschen Schallplattenkritik )




    Bibers einzige Oper: Arminio
    Salzburger Hofmusik / Brunner



    vom Stil her lehnt er sih noch stark an Cesti und Cavalli an, aber auch die neuen Einflüsse von Scarlatti und Caldara sind deutlich hörbar.
    Schade eigentlich, dass er nur eine Oper geschrieben hat...



    ebenfalls sehr nett die beiden CD's mit dem Freiburger Barockorchester Consort:




    Einmal mit Biber & Schmelzer ( hier kommen noch Trompeten dazu )



    und dann mit Biber und Muffat


    :hello:

  • Im Moment habe ich nur das Kyrie zum hören, aber das finde ich schon so schön. Wenn man sich das mal so vorstellt wie das damals war, da wünsche ich mir eine Zeitmaschiene, da war die Musik noch was.
    Wenn man heute sowas zu ehren von irgendwem schreiben würde, würden manche sagen ganz nett, und die breite masse würde sagen, was soll denn sowas. Also ich gehe jedenfalls immer voll auf in der Barocken schwulst.
    Einfach wunderbar dieses Meisterwerk.

  • Zitat

    Original von kleinershredder
    Im Moment habe ich nur das Kyrie zum hören, aber das finde ich schon so schön. Wenn man sich das mal so vorstellt wie das damals war, da wünsche ich mir eine Zeitmaschiene, da war die Musik noch was.
    Wenn man heute sowas zu ehren von irgendwem schreiben würde, würden manche sagen ganz nett, und die breite masse würde sagen, was soll denn sowas. Also ich gehe jedenfalls immer voll auf in der Barocken schwulst.
    Einfach wunderbar dieses Meisterwerk.


    Hallo, kleinershredder!


    Meinst Du das Kyrie aus der Missa Salisburgensis? Das ist ja auch göttlich, wie die ganze Messe, meiner Meinung nach.
    Tja, tempus fugit - leider. ;(
    Liegt wohl daran, weil die breite Masse kein Gespür für so etwas Herrliches hat. :rolleyes:


  • Hallo Pius,


    auf der CD, die du gekauft hast, ist die Biber zugeschriebene Messe drauf. Soviel ist sicher. Zur Autorenschaft dieser Messe: Es gibt kein überliefertes Exemplar aus Bibers Hand, und auch nicht aus der der möglichen anderen Komponisten. Auf uns ist eine Partitur aus der Hand eines Kopisten gekommen.


    Reinhard Goebel schreibt im booklet zu seiner Aufnahme (in Kooperation mit McCreesh), dass es auch keine eindeutigen stilistischen Hinweise auf den Autor in der Messe gibt. Im selben booklet steht aber im Kommentar von McCreesh, dass stilistische Gründe eindeutig für Biber spächen. Die Herren sind sich also selbst nicht einig. Immerhin läßt sich mit der Stilfrage Orazio Benevoli ausschließen, der lange Zeit aufgund eines Vermerkes eines Archivars auf der Partitur als Autor galt.


    Das stärkste Indiz, welches für Biber spricht, ist paradoxerweise grade der fehlende Name auf der Partitur. Auch in den Berichten zu dem Fest, für welches die Messe komponiert wurde, gibt es keinen Namen eines Komponisten. Wäre der 1682 amtierende Kapellmeister Andreas Hofer der Autor, so hätte er sich diese Ehre niemals entgehen lassen, als Urheber der größten jemals geschriebenen Messe bekannt zu werden. Als Kapellmeister stand es ihm zu, solche Festmusiken zu machen. Die Auslassung seines Namens kann also nur bedeuten, dass es ein anderer war. Die Nennung eines anderen wäre eine Schmach für ihn gewesen. Und da bleibt eigentlich nur Biber, der zum fraglichen Zeitpunkt der Vizekapellmeister war, und sich beim Erzbischof u.a. durch die Widmung gleich mehrerer seiner Werke beliebt gemacht hatte. Goebel schreibt, dass Biber wohl nicht nur schnelle Finger und einen flinken Bogen hatte, sondern ebensolche Ellbogen. Dass der Auftrag an ihn und nicht an Hofer ging, war wahrscheinlich ein solches Ergebnis seiner Durchsetzungsstärke.


    Fazit des Ganzen: Biber wird allgemein als Komponist angenommen, letztendlich zu beweisen ist es aber nicht.



    Zu den beiden Aufnahmen mit dem Collegium Aureum und den Tölzern (Missa Salisburgensis) bzw. Regensburger (Missa Sancti Henrici) Knaben: Gott sei Dank gibt es heute wesentlich bessere Aufnahmen von Bibers Vokalwerken. :jubel: Wer Koopmans oder Goebel/McCreeshs Aufnahme der Salisburgensis mal gehört hat, der wird die Aufnahme von 1974 in eine finstere Ecke verbannen. Einen Eindruck von der Pracht und der Klanggewalt der Missa Salisburgensis kann sie aber dennoch vermitteln.


    Der größte Schwachpunkt dieser Aufnahme sind IMO die beiden Knabenchöre. Der eine (Escolania de Montserrat) artikuliert mit einem ganz eigenartigen Akzent. Naja, und die Knabensolisten sind oft auch hoffnungslos überfordert. Was vom Orchester kommt, gefällt mir da schon wesentlich besser.



    :hello:
    Thomas

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    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -


  • Hallo, Thomas!


    Gut, der Akzent stört ein wenig, aber irgendwie finde ich die Aufnahme der Missa Salisburgensis fast schöner als die von McCreesh - bei dem fehlen irgendwie die Pauken (?), es klingt so kalt.

  • Zitat

    Original von Felipe II.
    ...aber irgendwie finde ich die Aufnahme der Missa Salisburgensis fast schöner als die von McCreesh ... es klingt so kalt.



    Wahrscheinlich hast du eine andere Pressung als ich. :D:baeh01: Ich finde den Klang der Goebel/McCreesh-Aufnahme viel runder und voller als den der Collegium Aureum-Aufnahme. Das ist überhaupt eine Eigenschaft fast aller McCreesh-Aufnahmen die ich kenne.



    :hello:
    Thomas

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    - H. Heine -


  • Die gefällt mir auch, keine Frage, war wohl etwas subjektiv, mein Eindruck. :hello:

  • Hallo, Matthias und Thomas!


    Danke für Eure Antworten! :hello:


    Kann ich dann auch davon ausgehen, daß der Hymnus "Plaudite Tympana", der auch auf der CD ist, ebenfalls von Biber stammt?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Pius,


    Das Plaudite tympana hat die gleiche Besetzung hat wie die Missa, auch in den riesigen Dimensionen. Messe und Hymnus gehören also mit Sicherheit zusammen, wurden für den gleichen Anlaß komponiert (1100jähriges Bestehen des Salzburger Stiftes). Da liegt es nahe, die Autorenschaft Bibers auf den Hymnus auszuweiten, zumal es auch stilistisch keinen Unterschied zwischen beiden Teilen gibt.



    :hello:
    Thomas

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    - H. Heine -

  • Hallo,


    ich habe auch die Goebel/Mc Creesh Aufnahme, für mich eine der besten Biber-Einspielungen! Was für ein voller, prächtiger Klang!
    Die Collegium Aureum- Aufnahme kenne ich auch: Mein Problem (oder auch nicht) Ich mag Knabenchöre nicht besonders, finde auch oft, daß es den Jungs an Reife mangelt, solche Werke richtig zu verstehen und zu interpretieren; generell mag ich den Klang nur selten.
    Ergo, ein Knabenchor kann mir ein ansonsten sehr geschätztes werk ziemlich vermiesen!
    @ Kleinershredder
    ich hätte auch gern eine Zeitmaschine!
    In welche Zeit ich reisen würde, wäre für mich überhaupt keine Frage!
    Vielleicht wären wir aber auch geschockt zu hören wie sich die Uraufführungen geschätzter Werke damals wirklich angehört haben!
    Eins ist jedenfalls klar: heute kann quasi jeder Musik aller Gattungen und Coleur anhören, damals war das ein Luxus für nur wenige.
    trotzdem würde ich gerne mal gucken und hören gehen! :yes:


    LG
    Juli

  • Guten Tag


    heute sendete das Bayerische Fernsehen eine ausgezeichnete Sendung mit demTitel:


    Hofkapellmeister aus Reichenhall - Der Komponist Andreas Hofer


    über dem Amtsvorgänger von H.I.F. Biber.
    Andreas Hofer wurde in Reichenhall/Bayern 1629/30 geboren und studierte Theologie und Musik. 1651 übernahm er das Organistenamt in der Benediktinerabtei St. Lambrecht in der Steiermark. Ab 1654 war er als Vivekapellmeister und Chorvikar und ab 1679 als Hofkapellmeister bei den Fürstbischöfen in Salzburg bis zu seinem Tod 1684 tätig. Erhalten haben sich von A. Hofer nur geistliche Werke.


    In der Sendung wurden Musikausschnitte gezeigt, die wohl von dieser



    Einspielung stammen könnten ? Herrliche Musik, hervorragend dargeboten :jubel:
    Gibts weitere hörenswerte Einspielungen dieses Komponisten ?


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Ich habe keine weitere Aufnahme von Hofer entdeckt, leider!
    Allerdings wird dieses Konzert am 13.januar im fernsehen gezeigt:
    Ich habe die Sendung heute leider verpasst und mir jetzt diesen termin gemerkt!


    Zitat

    So 13.01.08 10.30 Uhr Bayerisches Fernsehen BFS
    Andreas Hofer: Musikalische Vesper


    Diese Vesper von Bell´arte Salzburg scheint die einzige verfügbare Aufnahme mit Werken von Hofer zu sein. Ich habe jedenfalls nichts anderes gefunden.


    LG
    Juli

  • Guten Tag


    einen bunten Querschnitt über H.I.F. Bibers instrumentalmusikalisches Schaffen am Salzburger Hof gibt diese



    CD mit "Sonaten u. Balletti für Trompeten u. Streicher".


    Stilsicher vom Clemencic Consort eingespielt.
    Ein besonders Lob den beiden Trompetern Andreas Lackner und Herbert Welser, ihre Virtusität kommt im herrlichen "Baletti a 6" voll zur Geltung :jubel: :jubel:


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Guten Taq



    Die Berufung des als Sohn des Flurschützen Martin Biber geborenen H.I.F Biber als Vizekapellmeister an die Hofkapelle zu Salzburg schien abenteuerlich verlaufen und mehr eine von langer Hand geplante Flucht gewesen zu sein. Der hochfürstliche gnaden Musicus und Cammerdiener Biber hat -insalutate hospite sich fortbegeben-, also ohne Abschied und Erlaubnis seines Dienstherrn unter einem Vorwand, er sollte Violinen bei Jacob Stainer in Absam in Tirol zu holen, sich aus dem Staub gemacht. Sein Musikerkollege Johann Heinrich Schmelzer wußte schon Monate vorher über Bibers Fluchtpläne, er schrieb schon am 2.11.1670 über einen schendlichen Mißbrauch..dero cammerdiener Franz bibern.. ausgesetzt war, die Musiker hatten damals in der Regel den Status niederer Dienstboten und mussten sich botmäßig benehmen um beruflich weiterzukommen.
    Anscheinend hat aber sein früherer Dienstherr, der Olmützer Fürstbischoff Karl Lichtenstein-Kastelkorn seinen entlaufenen Cammermusicus die Flucht verziehen, hat Biber doch weiterhin seinen ehemaligen Arbeitgeber mit virtuoser Musik versorgt, und in Wien sollen sie sich mehrmals getroffen haben.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Guten Tag


    Zitat

    Original von miguel54
    Da hat Biber mehr Glück gehabt als Bach in Weimar, der ja für seine Stellenwechselambitionen in den Kerker wanderte ...


    Der Sozialstatus der Musiker im 17. u. 18. Jhd. war teilweise sehr niedrig und fast Leibeigenen vergleichbar. Neben J.S. Bach musste ein Arbeitgeber- bzw. Wohnortwechsel auch Franz Benda, der dreimal floh (und zweimal wieder eingefangen wurde), und auch noch W.A. Mozart mit Unwidrigkeiten am eigenen Leib erfahren.
    Bibers Flucht läßt sich Datum- und Quellenmäßig nicht genau bestimmen, sein Lebenslauf ist lückenhaft überliefert. Jedenfalls musste Biber seinen Olmünzer Diensthern belügen und betrügen um zu seiner Anstellung nach Salzburg zu gelangen, wer da wohl noch alles mitgemauschelt hat :D.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Guten Tag


    Zitat

    Original von Bernhard
    Guten Tag


    Jedenfalls musste Biber seinen Olmünzer Diensthern belügen und betrügen um zu seiner Anstellung nach Salzburg zu gelangen, wer da wohl noch alles mitgemauschelt hat :D.


    Bibers Flucht aus Liechtensteins-Castelkornschen Diensten scheint ein wohl vorbereiteter Coup des Salzburger Fürsterzbischofs Maximillian Gandoph von Kuenburg gewesen zu sein, der sich so einen vielversprechenden Musiker aus fremden Diensten in seine Hofkapelle zu gewinnen erhoffte. Man versuchte zwar von dort noch dem flüchtigen Musiker habhaft zu werden, dero Cammerdiener Franz Biber die empfangenen Gnaden in so schendlichen Mißbrauch genomben habe, fand sich dann aber mit den Realitäten ab und pflegte später wieder ein freundliches Verhältnis zu Biber. Jedenfalls nutze Biber die Dienstreise zum Geigenbauer Jacob Stainer um in Salzburger Dienst zu gelangen. Ein Salzburger Lakai reiste auch umgehend nach Absam um die Überbringung der von Kremsier bestellten Violinen zu übernehmen.
    Was Biber aber letzentlich bewogen hat von Olmünz nach Salzburg zu wechseln um dort weiterhin als Kammerdiener und Musicus zu wirken läßt sich schwer ausmachen. Waren es bessere Arbeitsbedingungen, finanzielle Anreize oder die Aussicht in der Hierachie der dortigen Hofkapelle aufzurücken ? Jedenfalls machte sich Biber einen Namen als Musiker weit über Salzburgs Grenzen hinaus, selbst die musikliebenden Habsburger Kaiser in Wien schätzten Bibers Werke.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard