Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9

  • Swiatoslaw:
    Nimm bitte nicht nur zur Kenntnis, was Dir in den Kram passt.
    Hurwitz hat mehr Ahnung von Mahler als der EMI Stammschreiber Duggan. Im Übrigen haben Dibelius, Blaukopf und Rosenberg seinerzeit in der HiFi Stereophonie ähnliches geschrieben.
    Kollege Huss (Classicstodayfrance.com) macht nicht mal vor Klemp halt :D
    Gruß aus Kiel
    S.

  • Zitat

    Zitat von s.bummer:


    Hurwitz hat mehr Ahnung von Mahler als der EMI-Stammschreiber Duggan.

    Da du dich ja wohl bei der Nennung von Herrn Hurwitz auf mein Posting bezogen hast, muss ich, nur mal so als Korrektur, anmerken, dass ich nicht von Herrn Duggan gesprochen habe, sondern David Gutman zitiert habe, der ja mit deinem Herrn Hurwitz dann wenigstens doch den gemeinsamen Vornamen hat.


    Viele Grüße


    Willi ;)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Auch diese Einspielung erstand ich kürzlich im Rahmen eines Czeská Filharmonie-Kaufrausches. Ausschlaggebend war sicher auch die Diskussion hier im Forum.



    Klanglich ist die Neunte zwar etwas „enger“ aufgenommen wie die Erste von Ancerl, aber absolut authentisch und gut hörbar. Das etwas Raue im Klangbild passt gut zu seinem eher trockenen Interpretationsbild dieser Sinfonie.


    Willi hat weiter oben vollkommen zu Recht gefragt, ob sich denn Mahler und Emotionen ausschließen müssen; ich kann das nur bestätigen – zumal es ja auch meist um eine persönliche Konditionierung in Sachen Emotion geht. Im Normalfall gefallen mir – gerade bei der Neunten – die trockeneren Zugänge etwas besser. Nicht nur, weil sie die Strukturen der Musik anders aufdröseln. Aber in Momenten, in denen ich vielleicht mal bisserl, na sagen wir mal ‚lätscherter‘ drauf bin, da ists mit dann doch zuviel „Blauer Wildbacher“ und ich greife zum Gegenstück, nämlich Giulinis Interpretation - da kann man dann richtig schön drin baden. Oder gleich zu Levines viertem Satz seiner Münchner Einspielung.


    Ancerls erster Satz wird dem Gehalt der Partitur vollkommen gerecht, der zweite ist mir insgesamt einen Tick zu rasant, der Dritte ist was für starke Momente und der himmlische Vierte (in dem er eine ganze Portion mehr Gefühl hineinlegt) ein ausgesprochen gefangen nehmendes Stück Musik. Eine Einspielung nicht für jede Stimmungslage, aber wenn die passt, dann gibt’s kaum was Besseres.

  • Mein heutiges Posting betrifft eine Neuerwerbung, die Mahler-Sinfonien in der Einspielung von Gary Bertini (1927-2005), einem israelischen Dirigenten, der diese Sinfonien mit dem WDR-Rundfunk-Sinfonie-Orchester aufnahm, das er von 1983 bis 1991 leitete.


    Da ich die anderen Sinfonien noch nicht gehört habe, aber wegen vieler in der letzten Zeit gehörten "Neunten" nun auch hier mit dieser begonnen habe, kann ich sagen, dass die Lesart Bertinis ganz ander ist als die mancher seiner Kollegen. Er sucht in der Partitur nicht die dramatischen Aspekte, das Hinweisen auf die Moderne, lässt die Emotionen nicht überborden, verfällt aber auch nicht ins Gegenteil.
    Er sucht und findet die Schönheit in der Partitur. Der Klang ist exzellent, die Schönheit, ob der Streicher oder der Bläser, bleibt aber nicht an der Oberfläche, wie man es den Interpretationen Karajans manchmal (ob zu Recht oder Unrecht, mag dahingestellt sein), nachgesagt hat. Die Schönheit seiner Darstellung geht durchaus in die Tiefe, rührt an, weckt also durchaus auch Emotionen. Wenn ich dagegen Interpretationen Karel Ancerls, Vaclav Neumanns oder Leonard Bernsteins sehe und diese dagegenhalte, muss ich sagen, dass hier augenfällig wird, dass die Musik Gustav Mahlers, in diesem Falle der Neunten, das durchaus hergibt. Ich will an dieser Stelle mal den Rezensenten des Booklets zu Wort kommen lassen:

    Zitat

    Zitat von Kyo Mitsutoshi:


    ......Auch die Aufführung der neunten Sinfonie ist überragend. Bertini glänzte mit diesem komplexen Werk, das er mit Orchestern in vielen Ländern aufführte. Die Interpretation mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester ist besonders wegen ihres Glanzes und ihrer Stabilität bemerkenswert. Das gesamte Orchester wogt und brandet, während es in der Wiedergabe der Details absolute Genauigkeit walten lässt. Der erste Satz ist von einem üppigen Glanz gefärbt: Oft liegt bei seiner Darstellung die Betonung auf Zwist und Kampf; eine solch reife Schönheit wie hier ist heute allerdings eine Rarität; überhaupt hat man das Werk seit der Aufnahme mit Bruno Walter und den Wiener Philharmonikern aus dem Jahre 1938 nur selten so hören können.
    Im zweiten und dritten Satz greift Bertini nicht die rauhen, gezackten Kanten auf, die Mahlers Zeitgenossen billig und vulgär vorkamen. Das lange Finale ist echtester Bertini: ein ständiger lyrischer Strom von beinahe 30 Minuten. Die reichen Streicherharmonien umhüllen alles mit ihrer Umarmung. Es gibt keinerlei Hinweise auf eine gefühlskalte Landschaft. Wenn es etwas gibt, so ist es Zärtlichkeit und Liebe. Die Instrumente durchdringen einander mit der Zierlichkeit einer Korbflechterei, bis die Coda in schmachtenden Tönen vergeht.

    Natürlich kann hier keine Rede davon sein, dass hier alles weichgezeichnet ist, dass die Dynamik eingeebnet ist. Die ganze dynamische Bandbreite von ppp bis fff ist auch hier vorhanden, es geht an den entsprechenden Stellen mächtig zur Sache, allerdings nicht so schroff und grell, voll berstender Dissonanzen wie in manch anderer Interpretation, aber voll unendlicher Schönheit vor allem in den beiden langsamen Ecksätzen. Ich weiß nicht, ob ich das Finale schon einmal so schön gehört habe und bin jetzt schon gespannt, wie Rattle es in der neuen Saison in Berlin spielen wird.
    Auch bei Bertini findet am Schluss der Rondo Burleske eine von s.bummer so bezeichnete Höllenfahrt statt, aber nicht mit Angst und Verzweiflung und Augen und Herzen der Fahrenden, sondern mit einem gewissen "Vergnügen", wenn man so etwas überhaupt sagen kann. Zum Schluss hier noch die Spielzeiten:


    28'12-16'00-13'54-28'34 (86'40);


    Liebe Grüße


    Willi :thumbsup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die nebenstehende Aufnahme habe ich am Wochenende bekommen, und sie zählt mit 87:55 Minuten (31:45-17:05-13:53-25:12) zu den langsamen im Lande. Doch wer Giulini kennt, wer vor allem seine Aufnahmen der 7., 8. und 9. Sinfonie Bruckners kennt, der weiß, wovon ich rede. Bei Giulini ist "langsam" nicht gleichbedeutend mit Langeweile, sondern das Gegenteil ist der Fall. Seine Aufnahmen bersten vor Spannung, und bei seiner Neunten Mahler, jedenfalls bei den beiden ersten Sätzen, die ich bis jetzt gehört habe, kommt noch die "positive" Sichtweise hinzu dieser Partitur, die mancher andere viel negativer, tragischer sieht, was auch seine Berechtigung hat. Die Partitur lässt m. E. beides zu.
    Klanglich ist das Chikago Symphony Orchestra über jeden Zweifel erhaben, wie wir es ja auch von den Aufnahmen Sir Georg Soltis bestens kennen. Intersssant ist bei dem sehr gemächlichen Tempo im Ländler der ungeheuer parodistische Effekt, der durch das langsame Tempo entsteht. Das habe ich bisher bei den anderen Aufnahmen, seien es nun Ancerl, Neumann, Bernstein Tennstedt oder Karajan, nicht so empfunden. Dies fügt der Rezeption dieses Satzes eine weitere Facette hinzu.
    Über meine Höreindrücke der Rondo-Burleske und des Adagios werd ich berichten, wenn ich sie gehört habe.


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Nun habe ich die beiden Sätze gehört und kann das zuvor gesagte nur bestätigen. Diese Interpretation ist in der Tat ganz großartig, obwohl in einem bedächtigen Tempo, keineswegs langatmig, äußerst klangschön musiziert und eine äußerst postive Sichtweise propagierend. Da ist nichts Negatives, nichts Verzweifelndes. Es herrscht eine positive Grundstimmung, was aber nicht dazu führt, dass die dynamischen Ausbrüche in der Partitur unterdrückt würden, sie werden lediglich ein wenig abgemildert, nicht so auf die Spitze getrieben wie etwa bei Ancerl oder Tennstedt.
    Natürlich liegt dieser postive Gesamteindruck nicht zuletzt an dem ganz großartigen Orchester.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • lch darf an dieser Stelle auf eine, wie ich meine, ausgezeichnete Live-Aufnahme der "Neunten" Mahler aufmerksam machen, die im Jahre 2009 in der Berliner Philharmonie zur Aufführung kam. Daniel Barenboim konzertierte dort mit seiner Berliner Staaatskapelle, die mir bis dahin als explizites Mahler-Orchester noch gar nicht bekannt war, aber in diesem Konzert bewiesen hat, das sie auf jeden Fall dazu gehört.
    Im Tempo zu der obigen Hälfte hinzugehörend, kristallisierte sich im Verlaufe der Aufführung noch der Eindruck hinzu, dass hier eines der führenden Berliner Orchester auch zu einem der führenden zumindest europaweit geltenden Mahler-Orchster hinzugehört.
    In keiner Phase der gesamten Aufführung war zu erkennen, dass in dieser komplexen Partitur ein Instrument nicht weiß, was das andere tut. Eine selten erlebte Hamonie tat sich hier auf, initiert von einem Dirigenten, der vor etlichen Jahren, als er eine maßstäbliche Geamtaufnahme der 9 Sinfonien Beethovens vorlegte, in der Besprechung dieser Aufnahmen und auch wohl als seine ureigenste Überzeugung kundtat, dass die Harmonik das Credo all seiner Bemühungen sei.


    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Genug gehört, mind. 30-mal Mahler rauf und runter.
    War schon anstrengend.
    Aber heute ist mir
    Vasily Petrenko Royal Liverpool Philharmonic Orchestra: Mahler 9 vom 8.12.2011! in die Quere gekommen.
    Und ich höre nun zum zweiten Mal und bin immer noch aus dem Häuschen!
    Sowas!

    Der 1. Satz ist schon ok, was mir Spaß macht sind Tempoverschärfungen und Instrumentfarben, die ich so noch nicht gehört habe und die endlose Traurigkeit, die dieses Werk ausstrahlt. 29:07 sind recht lang, aber nie langweilig
    Im 2. Satz, der übrigens endlich mal ein sinnvolles Tempo hat, passiert dann etwas Unübliches. Der Walzer wird gegen Ende immer schneller, wie ein Karussell, welches abdreht; ein völlig surrealer Effekt wie in einer Traumsequenz. Das habe ich noch so nicht gehört. 15:53 passen gut
    Dann der 3. Satz. Der absolute Hammerl Da die lyrischen Stellen sehr sehr langsam sind, sind die 13:01(nach Abzug der Pausen) dem Treiben in den Abgrund zuzuschreiben: eine Teufelsjagd, wie ich sie vorher nur von Scherchen kannte, aber nun mit bestem(!!) Orchester bei sehr guter Klanqualität.
    Aber so einen Veitstanz hat meines Wissens noch keiner hinbekommen, selbst Scherchen nicht.
    Tja und der 4. Satz. Sowas irres!
    Leider drehen am Ende die Ingenieure von der BBC die Potis so auf, dass man jeden Pups hört. Dadurch entstehen Störgeräusche, das nervt.
    Aber die Streicher. Ich kam mir zeitweise vor, wie im Largo von Schostakowitsch Nr. 5 oder im 1. Satz seiner 8.
    Trostlos!!
    Eine wunderbare Aufnahme, die zurecht abgefeiert wird. Sie kann kostenlos geladen werden, siehe meinen Beitrag in "was hört..."


    Ach, das Orchesterspiel der Briten ist superb. Bald sind die Liverpooler nicht nur im Fußball besser als Berlin und Wien!
    Die Kontrolle von Vasily Petrenko ist unglaublich. Kein Vergleich zu Aufnahmen aus den 60igern aus Europa, wo es doch bei Mahler noch arg "wurstig" zuging.


    Gruß S.

  • Merci, für die Liverpooler ...


    macht neugierig!


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Habe nach Old Klemp noch mal Petrenko gehört.
    Die Kombination 3. Satz und dann der 4. topt alles, was ich kenne.
    Der Petrenko läßt dermaßen ins Idyllische "reinschneiden", ich glaub es nicht und bin völlig (ich hätte jetzt "betroffen" schreiben können, bin aber kein Hippie, daher) begeistert von dieser Interpretation.
    Man könnte heulen wie ein Schloßhund.


    Da stimmt alles! Und dieses Orchester ist einfach die Schau!
    Sowas von genau! Man fasst es nicht.
    Und der Kerl da vorne ist erst 35!


    Gruß aus Kiel

  • Hallo Hans,


    jetzt hast du mich neugierig gemacht. Ich hatte mir ohnehin vorgenommen, mich nach meiner Beethoven-Rallye wieder mehr mit Mahler zu beschäftigen, zumal nach dem Konzert am 17. Essen mit Mahler Zwei unter Jonathan Nott und dem Berliner Sinfonie-Orchester. Bei der Gelegenheit hatte ich im dortigen CD-Shop die Zweite und die Neunte unter Nott (mit seinen Bamberger Sinfonikern und die Dritte unter Gielen mit den SWR-Sinfonikern "mitgehen lassen". Die muss ich ja auch noch hören, außerdem eine Klemp-Kassette mit den Nummern 2, 4, 7 und 9 sowie 2 Wunderhornliedern und 3 Rückertliedern mit Christa Ludwig und dem "Lied von der Erde" mit Christa Ludwig und Fritz Wunderlich. Aber das habe ich ja schon seit vielen Jahren und ist mir bestens bekannt.


    Viele Grüße aus Coesfeld


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • schönen abend !
    ich hatte bisher nur die giulini aufnahme,
    und da ich mahler selten höre hat mir diese wunderbare aufnahme gereicht. nun habe ich heute von meiner mutter eine SACD geschenkt bekommen die sie an der gardarobe für 8€ mitgenommen hat - Badische Staatskapelle Justin Brown Live juli 2011. mit einer gesamtlänge von 79:54 ist sie schneller als giulini und wenn man auch das orchester nicht mit den von mir geliebtem CSO nicht vergleichen kann ( habe ich deshalb soviel von Solti ?) so gefällt mir die cd doch sehr gut ( bin erst beim 2.satz ) . leider wird wohl niemand diese aufnahme kennen , es hätte mich interessiert wie ihr "kenner" ( positiv gemeint) sie berurteilt. wenn jemand sich die arbeit machen würde könnte ich ihm ja mit "material" aushelfen. adresse dann per pin ?


    gruss


    kalli

  • die datei habe ich heruntergeladen, ist flac, aber wie ich sie zum hören bringe.....media player, nero...noch anderes probiert, ach ja - das ist schon spät jetzt .....ich bin momentan hilflos.......


    kalli

  • Hallo Kalli,


    flac-Dateien (also verlustfreies Format) funktionieren in der Regel mit dem Winamp Media Player und 100%ig sicher mit dem VLC Media Player. Letzterer liest wirklich alles. Findest du kostenlos durch Googlen.


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • ich lade vlc gerade.....
    die datei flac datei ist ja gross - muss ich das dann auf eine dvd brennen, cd reicht ja wohl nicht.....ich möchte das schon über meine anlage hören, meine computerboxen - schwamm drüber.


    kalli

  • Ich glaube, es sind sechs einzelne Dateien (4 Sätze plus Intro und Outro). Sind über 80 Minuten. Aber du kannst es auf zwei CDs brennen. Würde eben je zwei Sätze auf eine CD empfehlen.


    LG

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • sie läuft gerade---ich werde es versuchen.....mal sehen wie ich das hinbekomme.......alles nicht so einfach.


    aber lieben dank schon mal !


    gute nacht


    kalli

  • Im 2. Satz, der übrigens endlich mal ein sinnvolles Tempo hat, passiert dann etwas Unübliches. Der Walzer wird gegen Ende immer schneller, wie ein Karussell, welches abdreht; ein völlig surrealer Effekt wie in einer Traumsequenz. Das habe ich noch so nicht gehört. 15:53 passen gut


    Hallo,


    Claudio Abbado hat diesen Satz in seiner Berliner Live-Aufnahme mit den Philharmonikern ähnlich zugespitzt dirigiert (in Luzern hingegen nahm er das Tempo wieder etwas zurück). Finde den Karussell-Vergleich stimmig, das trifft es sehr gut!


    Viele Grüße,
    Christian

  • Ich ebenfallas, ich hatte meiner Beigeisterung kurz und kjnapp, was sonst nicht meine Art ist, im DVD-Thread Ausdruck verliehen.


    Liebe Brüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zitat: Ich bekenne offen, daß ich mit Mahlers 9. bisher zwar nicht auf
    Kriegsfuß stehe, daß sie mich aber nicht begeistern konnte, übrigens
    nicht die einzige Mahler Sinfonie, der ich eher reserviert (nicht
    ablehnend!!) gegenüberstehe...


    Ehrlich ist besser als süchtig. Meine Mahlerkenntnis begann vor dem entsetzlich ausartenden Boom seit den Siebzigern. Damals gab es geradmal die Vierte und das Lied von der Erde. Dieskau-Furtwänglers "Lieder eines fahrenden Gesellen" betörten. Ein Ereignis in den frühen Fünfzigern in Hamburgh: Mahlers Neunte an zwei Sonntagen hintereinander von den beiden Ortsorchestern. Na, da rauschte etwas befremdlich an einem vorbei, ich weiß nicht, welche Aufführung die bessere war.
    Ja, woher kam denn der Boom seit den Siebzigern, daß man nicht genug kriegen konnte? Da wuirde in Mannheim die Zweite unter Wallat gespielt, befremdlich außer in den schönen Mittelsätzen. In Berlin machte Barbirolli die Dritte - entsetzlich dolce habe ich sie in Erinnerung, bis heute kann ich das Stück nicht ausstehen. Aber dann mal die Sechste mit Cleveland/Maazel in Landau, dann in Berlin die Fünfte mit Karajan, dann in New York die Siebte und die Neunte mit Boulez, und später die hinreißend guten Aufführungen der Siebten mit Abbado und mit Rattle. Aber die befremdlich katholisch-künstlich-goethesche "Achte", von der mich weder Chailly noch Abbado überzeugen konnten. "Wand: ich bin mir selbst zu problematisch um eine so hochproblematische Musik aufführen zu können". Die Mahlersucht macht mich jetzt auch krank - in strengster Dosierung alle paar Jahre eine einzige, das ertrage ich, am liebsten die Erste, Fünfte, Sechste, Siebte, auch die Neunte - aber nicht alle in Serie. Ja, begeistert hat mich dann Norringtons Vierte: ohne Vibrato war es plötzlich ein neues und ernsthaftes Stück.
    Aber insgesamt rate ich mir selbst zu eiserner Beschränkung. Nicht jede Sinfonie darf "eine ganze Welt" sein, Haydn ist haushoch überlegen von wegen der formalen Beschränkung. Und wieviel Geist und Witz darin! Dann noch eher Schostakowitsch, schon wegen seines ehrlichen abrgrundtiefen Unglaubens und Pessimismus'" Vielleicht kann man so sagen: Mahler brauchte mal wieder eine Schonzeit. Die Nachtmusiken in der Siebten sind schon unerhört schön, und die Erste darf schon im Repertoire vorkommen, ist ja auch die Gebändigteste der neun. Ja und das Adagio der Zehnten als Torso, das darf man auch nicht aus dem Ohr verlieren.
    Vielleicht liege ich ja auch falsch mit meiner Skepsis. Aber Sinfonik als Massenware und rettungslose Herzensergießung eines Gequälten?? Sind die bei Mahler immer überfüllten Säle nicht ein gewaltiges Mißverständnis? Immerhin: Haitinks Amsterdamer Weihnachtskonzerte mit allen neun, aber nur einer pro Jahr, das muß man anerkennen.

    KVS


  • Ich möchte doch das Eine oder Andere aus meiner Sicht dazu sagen. Zunächst einmal gab es auch in den Siebzigern schon alle Sinfonien, denn schließlich war Mahler da schon sechzig Jahre tot.


    Richtig ist, dass Leonard Bernstein mit dem New York Philharmonic ab 1960 (Vierte), 1961 (Dritte), 1963 (Zweite, Fünfte), 1965 (Siebte, Neunte), 1966 (Erste, Achte), 1967 (Sechste) eine erste Gesamtaufnahme vorlegte, die m. E. heute noch Referenzstatus genießt. Hinzu kam 1972 das Lied der Erde und 1975 das Adagio der Zehnten. Leonard Bernstein darf sich anrechnen lassen, dass er dem letzten großen Symphoniker unserer Zeit den Platz verschaffte, der ihm m. E. gebührt. Die von dir, lieber KVS, als negativ angesehene Einlassung, "daß man nicht genug kriegen konnte", sehe ich im Gegenteil positiv, dass man sich bis heute immer wieder mit diesen großartigen Sinfonien auseinandersetzt, u.a. auch, weil es in den 1920er bis 1950er Jahren (in der Aufnahme-Rezeption) nur wenigen Dirigenten gab (hauptsächlich aus politischen Gründen), die Mahler überhaupt aufführten, wie Bruno Walter, Willem Mengelberg oder Otto Klemperer. Zur Zeit entsteht gerade eine neune Geamtaufnahme in Köln (oder ist schon fertig), mit dem Gürzenich-Orchester unter seinem Chefdirigenten, dem Gürzenich-Kapellmeister Markus Stenz (übrigens einem Nachfolger im Amt von Günter Wand). Stenz fand im Gegensatz zu Günter Wand, (der trotzdem mein Lieblingsdirigent ist), sehr wohl einen Zugang zur Musik Gustav Mahlers.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber KVS, so richtig verstanden habe ich nicht, worauf Du hinaus willst in Deinem Beitrag Nr. 146. Mit Verlaub, aber er liest sich für mich ein bisschen wie eine "Packungsbeilage" zu einer Mahler-Edition, die in einer Apotheke verkauft wird. ;)


    Schönen Gruß von Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876

  • Vielleicht liege ich ja auch falsch mit meiner Skepsis. Aber Sinfonik als Massenware und rettungslose Herzensergießung eines Gequälten?? Sind die bei Mahler immer überfüllten Säle nicht ein gewaltiges Mißverständnis?


    Begreife ich nicht. Sind alle dumm, die in ein Mahler-Konzert gehen? Oder sind die dumm, die nicht in ein Haydn-Konzert rennen? Sollte man dann nicht auch Bruckner meiden, oder gar Beethoven?


    Du machst es Dir da zu einfach, Deinen Geschmack und Deine Wünsche auf andere zu übertragen. Ich habe Deine Meinung zur Kenntnis genommen. Schade, daß Dir Mahler nichts gibt. Aber zu behaupten, daß überfüllte Säle bei Mahler-Konzerten ein Mißverständnis sind, das geht mir doch zu weit. Ich nehme nicht an, daß Du den Mahlerfreunden schlechten Musikgeschmack vorwerfen willst, weil er dem Deinen nicht entspricht. Ich nehms als persönliche Meinung von Dir. Und ich freue mich schon auf das nächste Mahler-Konzert. Leider ist im Moment in meinem Einzugsgebiet gerade die Mahler-Pause, die Du Dir gewünscht hattest, 2011 läßt grüßen.


    Aber ich kann mir immer noch jede Woche eine Sinfonie anhören, besonders gern auch die erste, die zweite, die dritte und die achte!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • KVS' Beitrag lese ich mit einem gewissen Vergnügen und kann seine Gedanken, seine Skepsis als Blick in seine Wahrnehmung nachvollziehen.
    Persönlich teile ich nichts davon, ich bin ein großer Mahler-Fan und kann gar nicht genug von ihm bekommen. Gleichwohl dosiere ich Mahlers Musik ebenso - dauernd Mahler ginge nicht. Es gibt, wie bei anderen Komponisten, immer wieder Phasen, in denen ich Mahler höre, teils sogar exzessiv - ich kann mich daran berauschen.
    Ich jedenfalls fühle mich weder als dumm, noch als geschmacklos angegrifffen - warum auch? Sollte ich in meinem Geschmack so unsicher sein, dass mir die Ablehnung Mahlers etwas ausmacht?


    Darauf ein Stück Toblacherone,
    Accuphan :hello:

    "Das Thema, welches die Pauke zuletzt hat, findet gewiß keiner heraus!" (Gustav Mahler)