Salomon Jadassohn - ein deutscher Komponist, Pianist und Pädagoge

  • Hallo liebe Taminos,


    Melde mich auch mal wieder...! :O
    Habe auf dem Spielplan des Deutschen Kammerorchesters Berlin das 2.Klavierkonzert dieses mir bis dato vollig unbekannten Kommponisten entdeckt.
    Wikipedie gibt in als Lehrmeister zahlreicher Namenhafter Komponisten aus...


    Weiß jemand näheres über ihn und hat jemand Aufnahmen (womöglich sogar von dem genannten Werk)?


    LG
    Raphael

  • Hallo Raphaell,


    Jadassohn war eine der "Gallionsfiguren" der sogen. "Leipziger Schule" und seinerzeit als Lehrer europaweit gesucht. Die Liste seiner Schüler ist schier endlos. da ich aber keine einzige Komposition von ihm kenne, kann ich getrost
    auf den diesbezüglichen Wikipedia-Artikel verweisen, der mir inhaltlich kompetent scheint.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Salomon_Jadassohn

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo,


    ich habe schon mal etwas von Jadassohn gespielt, und zwar dessen Serenade op. 104. Das Stück ist für Holzbläseroktett plus 2 Flöten komponiert und besitzt bei Musikfreizeiten den Vorteil, daß die Flöten auch beschäftigt werden können.


    Diese Serenade zählt sicherlich nicht zu den ganz großen Meisterwerken, aber sie ist geschmackvoll und handwerklich sehr sicher geschrieben. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn man sie hört, aber sie zu spielen hat durchaus großen Spaß gemacht (danach habe ich mir dann auch die Noten besorgt). Insofern scheint es mir schon schade, daß Jadassohn nahezu komplett vergessen wurde.


    Beste Grüße


    Bernd

  • Hallo, liebe Jadassohn-Entdecker!


    Mir war der Name Salomon Jadassohn auch völlig unbekannt, bis ich kürzlich in der Bibliothek eine sehr verlockend aussehende CD mit Kammermusik aus seiner Feder entdeckte.



    Salomon Jadassohn (1831-1902):


    Klaviertrio Nr. 4 in c-moll, Op. 85
    Klavierquartett Nr. 1 in c-moll, Op. 77
    Klavierquintett Nr. 3 in g-moll, Op. 126


    es spielt das:


    Solisten Ensemble Berlin


    bestehend aus:


    Birgitta Wollenweber, Klavier
    Matthias Wollong, 1 Violine
    Jörg Fassmann, 2. Violine
    Hartmut Rohde, Bratsche
    Michael Sanderling, Violoncello



    Diese CD ist ein echter Leckerbissen für Leute, die gerne Kammermusik mit Schönklang-Attitüde genießen. Wundervolle zum Träumen ermunternde Werke, die mich spontan begeisterten und Lust auf mehr erzeugten. Sozusagen ein Klangbad in Moll :]


    Die doppelte Tragik von Komponisten wie Jadassohn liegt darin, daß sie – neben dem "natürlichen" Vergessenwerden – zusätzlich noch durch den NS quasi "gewaltsam" aus dem öffentlichen Bewußtsein getilgt wurden. Um so wichtiger ist eine CD wie die oben abgebildete, welche es uns heute Lebenden ermöglicht, diese tolle Musik und ihren Schöpfer wieder in Erinnerung zu rufen und beide so dem Vergessen zu entreißen.


    In diesem Sinne!


    Laurenz :hello:

    `
    (...) Eine meiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik betrifft einen Abend, an dem das Rothschild-Quartett bei uns ein hochmodernes Werk von Egon Wellesz spielen sollte. Die Stühle waren den Musikern zu niedrig, so nahmen sie unsere Bände mit Schubertscher Kammermusik, um damit ihre Sitze zu erhöhen. Ich dachte, wieviel schöner es wäre, wenn sie auf Wellesz sitzend Schubert spielen würden (...)


    — aus „5000 Abende in der Oper“ von Sir Rudolf Bing —
    .

  • Im Rahmen meiner Arbeiten am Thread-Directory kommen mir immer wieder Threads unter, die seit vielen Jahren ruhen. Es ist interessant zu beobachten, wie zeitabhängig Informationen doch sind. So ist die von Sonnensucher empfohlen Kammermusik CD- nicht mehr im Programm, der betreffende Link gelöscht.
    Nun aber die gute Nachricht: Seit sind einige Werke wieder der Öffentlichkeit zugängig gemacht worden, wobei ich zunächst auf die im Februar 2015 veröffentlichte CD mit den Sinfonien 1-4 von Salomon Jadassohn hinweise. Das passt gut in meinen "Hörplan", denn Jadassohn passt als Vertreter der Leipziger Schule sehr gut zu einem weiteren prominenten Mitglied dieser Richtung, nämlich Carl Reinecke, mit dem ich mich seit kurzem intensiver befasse. Vielleicht nur ein Tropfen auf den oft zitierten heissen Stein, aber vielleicht auch der erste von vielen. Schliesslich sagt man auch: Steter Tropfen höhlt den Stein....
    Wie dem auch sei: Man wird jedenfalls in nächster Zeit hier etwas mehr über diesen Komponisten und weitere Veröffentlichungen hören....

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Heute habe ich mich -spät aber doch - mit der Sinfonie Nr 1 von Salomon Jadassohn (1831-1902) befasst. Sie stammt aus dem Jahre 1860 und ist Julius Rietz (1812-1877) gewidmet. Am 15. November desselben Jahres wurde sie unter dem Dirigat des Komponisten im Leipziger Gewandhaus erstmals aufgeführt. Die Sinfonie wurde von Publikum und Kritik positiv aufgenommen.


    Der erste Satz (Allegro con brio) beginnt forsch und fröhlich, Dennoch bleibt er ein wenig freundlich-belanglos Im 2. Satz (Scherzo - Allegro vivace) sind Anklänge an Mendelssohn zu hören. Der dritte Satz (largo e mesto) ist ein Trauermarch, dessen Thema immer wieder variiert wird. Das Booklet der hier gezeigten cpo-Aufnahme verweist auf die Ähnlichkeit mit Beethovens dem Allegretto aus Beethoven Sinfonie Nr 7. Der Finalsatz (Allegro molto vivace) ist vielleicht am ausdrucksstärksten. Schwung rasant bringt er die knapp 21 minütige Sinfonie zu Ende.
    Trotz aller Vorbilder und Zitate (Im Booklet ist das geradezu minutiös aufgeführt) hat sich richtige Begeisterung nicht eingestellt, Das mag sich bei mehrmaligem Hören ändern. Trotzdem bin ich schon gespannt auf die weiteren 3 Sinfonien Jadassohns deren letzte 28 nach der ersten entstanden ist,,,


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !


  • Heute habe ich mich der zweiten Sinfonie Jadassohns gewidmet. Prinzipiell ist sie ähnlich freundlich. belanglos wie die erste
    Jadassohn komponierte sie drei Jahre nach seiner ersten und brachte sie am 26. November 1863 mit dem Leipziger Gewandhausorchester zur Aufführung. Das Booklet der cpo Aufnahme weist auf Einflüsse von Robert Schumann hin, ich hätte hier eher gemeint, daß Mendelssohn als Pate gestanden habe, allerdings erreicht Jadassohn nicht dessen musikalische Wirkung. Durchaus positiv würde ich den 2, Satz sehen (andante non troppo lento) der auf mich den besten Eindruck machte.
    Mich wundert, daß Jadassohn - er war erzkonservativ in seiner musikalischen Auffassung - mich nicht wirklich begeistern kann, aber auf mich wirkt er - alles in allem - doch ein wenig zu trocken akademisch. Zudem ist da kein Thema, welchem ich einen hohen Wiedererkennungswert zusprechen möchte. - Schade.....


    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat Alfred Schmidt

    Zitat

    Zudem ist da kein Thema, welchem ich einen hohen Wiedererkennungswert zusprechen möchte. - Schade.....


    Das hattest Du, wenn ich mich recht erinnere, lieber Alfred, auch bezüglich der Klavierkonzerte konstatiert. Die Sinfonien kennen ich nicht, bei den Klavierkonzerten schienen mir gerade im 2. KK (erster und dritter Satz) doch einige Passagen dabei, das recht leicht im Ohr bleiben. Aber jeder springt dann eben doch auf andere Tonfolgen an.
    Herzliche Grüße
    JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Lieber JLang
    Das ist ja der große Vorteil eines Klassikforums, dass hier durchaus sehr subjektive Meinungen geäussert werden können, die zueinander in Widerspruch stehen. Der Leser wird sehr schnell herausfinden mit welchem Tamino Mitglied er quasi auf einer Welle liegt, so habe ich es bei den deutschen Kritikern gehalten. Wenn diese bei einer Aufnahme die Brüche des Werkes und die Zerrissenheit des Werkes, sowie den Verzicht auf jeglichen Schönklang lobten, dann wusste ich, daß ich dieser Aufnahme auszuweichen hatte. Ich finde den Vogen wieder zurück zum eigentlichen Thema: Bin gespannt ob irgendjemand weiterer noch einige Bemerkungen über Jadassohn schreibt......


    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !