Die Eifersucht ist eine Plage...Eifersucht in der Oper

  • Liebe Opernfreunde,


    was wäre die Oper ohne der Liebe dunkle Schwester? Ihr Name: Eifersucht. Sie hat uns die großartigsten Momente auf der Musikbühne beschert.


    Welche Favoriten fallen Euch in diesem Zusammenhang ein?


    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo Siegfried,


    wie schon im Titel:
    Zar und Zimmermann, Arie der Marie "Die Eifersucht ist eine Plage"


    Othello, eine Eiferuscht die von Jago inszeniert ist und mit einem Mord und Selbstmord endet.


    Der Bajazzo, Canio ist der eifersüchtige Liebhaber von Nedda


    die fielen mir spontan ein.... :hello:

  • Meine Lieben,


    Dazu fällt mir vor allem die Tosca ein, bei die Eifersucht glücklicherweise immer nur kurz aufschäumt.


    Dann wechsle ich zum Don José, bei dem das nicht gut ausgeht.


    Lockerer zu geht's in der deutschen Oper, wie bei der schon erwähnten Marie und ihrem Peter Iwanow zu merken ist. Im "Waffenschmied" ist Konrads Eifersucht nur gespielt (weil auf sich selbst).


    Besonders trist: "Wozzeck".


    LG


    Waldi

  • Eine schöne threadidee, lieber Siegfried!



    Ganz spontan fällt mir das Fest in EUGEN ONEGIN ein, auf dem Onegin die Eifersucht seines Freundes Lenski schürt, indem er mit dessen Braut Olga (zu) häufig tanzt.



    LG, Elisabeth

  • Da fallen mir doch gleich noch zwei Operetten ein, in der die Eifersucht eine Rolle spielt.


    Im weißen Rößl ist der verliebte Oberkellner eifersüchtig auf Dr.Siedler, der von der Wirtin des weißen Rößls Josepha schon sehnlichst erwartet wird. Dieser aber hat längst ein Auge auf die schöne Tochter Ottilie des Industriellen Giesecke geworfen hat. "Zuschaun kann i net", singt Leopold und ist verzweifelt.


    Eine Nacht in Venedig, Caramello muss zusehen wie seine Annina vom Herzog umgarnt wird, wobei er selber Schuld hat, denn er hat Annina selber zum Palast des Herzogs geführt.


    Doch wie (fast) immer, finden sich die Paare am Ende doch zusammen.


    :hello:

  • Lieber Siegfried,


    es gibt auch diesen Spruch:
    Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schafft.
    Franz Grillparzer


    Mir fallen diese Operetten und Opern zu dem Thema ein.


    "Der Vogelhändler" - Adam sieht sich aus Eifersucht gleich nach einer Notlösung in Form von Marie um.


    "Die lustige Witwe" - Danilo ist eifersüchtig weil er denkt das Hanna ein Verhältnis mit Rosillon hat.


    "La Sonnambula" - Elvino beendet aus Eifersucht seine Verbindung mit Amina. Diese Eifersucht lässt sich aber verzeihen, schließlich findet er seine Geliebte im Bett des vermeintlichen Rivalen.


    "L'elisir d'amore" - Ohne Eifersucht hätte Nemorino wahrscheinlich nie den Mut gefunden sein Glück mit Hilfe des "Liebestranks" zu versuchen.


    LG


    Maggie

  • Vielleicht wäre es leichter, Opern zu suchen, in denen Eifersucht KEIN Thema ist??????
    Einer der ganz grossen Motoren und Leiden- Schaf(f)ten vom Barock bis zur Moderne.


    F.Q.

  • Ein interessanter Fall von Eifersucht findet sich in Gaetano Doniziettis eher unbekannter Oper "Poliuto". (Im Handel war einmal der Live-Mitschnitt einer Aufführung aus der Mailänder Scala zu bekommen, mit Maria Callas, zu einem Zeitpunkt, als sie nicht mehr allzu gut bei Stimme war, aber noch zu beeindrucken verstanden, Franco Corelli und Ettore Bastianini, vor allem wegen des 3. Aktes hörenswert. Allerdings handelt es sich um eine der damals üblichen Mischfassungen).


    Die Handlung: Poliuto, der zum Christentum übergetreten ist, stirbt für seinen Glauben zusammen mit anderen Christen den Märtyrertod. Seine Frau bekennt sich ebenfalls zum Christentum (in "Poliuto" stirbt sie im Unterschied zur Vorlage an seiner Seite). Verkompliziert wird die Handlung dadurch, dass sie eigentlich einen anderen liebt, den sie damals aus Standesgründen nicht heiraten durfte und den sie in der Oper wiedertrifft. Sie entscheidet sich schließlich für ihren Ehemann.


    In der literarischen Vorlage, die von Corneille (auch "Le Cid" von Massenet geht auf ein Drama dieses Dichters zurück) stammt, spielt das Motiv Eifersucht keine Rolle, Corneiilles Protagonsten sind gewöhnlich über solch eine Eigenschaft erhaben.


    Das Drama wurde außer von Donizetti auch von Gounod vertont, dessen Libretto hält sich sehr genau an die Vorlage, Eifersucht ist kein Thema. Außerdem hat Donizetti die Oper für Paris überarbeitet, die Oper heißt in dieser Fassung "Les Martyrs" und das Libretto wurde dafür ebenfalls überarbeitet und weicht durchaus von jenem ab, dass dem "Poliuto" zugrunde liegt und hält sich auch genauer an die Vorlage.


    Das Libretto für "Poliuto" schrieb Salvatore Cammarano (von dem auch die Libretti für "Lucia di Lammermoor", "Luisa Miller" und "Il trovertore", letzteres unvollendet sind) und bei ihm ist Eifersucht sehr wohl ein Thema, sogar eine sehr wichtige Motivation für seinen Titelhelden, der sich schon im 1. Akt bei der Taufe gegenüber seinem christlichen Mentor beklagt, dass er überzeugt ist, dass seine geliebte Ehefrau einen anderen liebt. Dessen Argument, der Informant, der ihm das bestätigt hat, wäre nicht zuverlässig, denn immerhin ist er ein heidnischer Priester, mag Poliuto nicht so recht davon überzeugen. dass seine Eifersucht unbegründet sein soll. Überhaupt entsteht der Eindruck, dass seine Hinwendung zum Christentum und sein übriges Handeln in der Oper weniger aus Glaubensgründen geschieht als durch seine Eheprobleme motiviert ist ... Der Märtyrergeschichte bekommt das bestens, ohne die Liebes- und Eifersuchtsgeschichte wäre die Oper sicher halb so spannend ...


    Herzliche Grüße
    Waltrada

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Mir geht's da wie Fairy, mir fällt eigentlich auf Anhieb keine Oper ein, die ganz ohne Eifersucht auskommt.
    Mein gestriges Eifersuchtsdrama: "Händls "Orlando", wo eigentlich jeder auf jeden eifersüchtig ist. Gut, das ist etwas übertrieben, aber wenn von zwei Männern und zwei Frauen jeder/jede die/den liebt, der/die sie/ihn NICHT liebt, feiert die Eifersucht fröhliche Feste.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Vielleicht wäre es leichter, Opern zu suchen, in denen Eifersucht KEIN Thema ist??????
    F.Q.


    Die Frage greife ich gerne auf: Welche Opern kennt Ihr, in denen keine Polizeikommissare, Harlekine, Sergeanten, Mohren, Prinzessinnen oder Feenköniginnen ihre dunklen Triebe ausleben?
    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Siegfried


    Die Frage greife ich gerne auf: Welche Opern kennt Ihr, in denen keine Polizeikommissare, Harlekine, Sergeanten, Mohren, Prinzessinnen oder Feenköniginnen ihre dunklen Triebe ausleben?
    :hello:


    "Le nozze di Figaro" von Mozart:
    Wer lebt hier seine Eifersucht aus beziehungsweise ist eifersüchtig?
    Ein Graf (obwohl er seine Frau betrügen will)
    eine Beschließerin (ehe sie herausfindet, dass der Mann, den sie gerne einer Rivalin abspenstig machen möchte, ihr Sohn ist und sich daraufhin mit der Rivalin (nun Schwiegertochter) in spe sogar verbündet)
    Ein Kammerdiener




    Herzliche Grüße
    Waltrada

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Meine lieben Taminos !


    Es gibt doch eine Anzahl von Opern, in denen Eifersucht keine Rolle spielt.


    Beim ersten Nachdenken fallen mir dazu ein:


    Dame blanche, Lohengrin, Tannhäuser, Postillion von Lonjeumau, Regimentstochter, Conte Ory,


    mehr fallen mir im Moment nicht ein, aber es gibt sie sicher (nicht bei Verdi, Puccini oder überhaupt im Verismus).


    Liebe Grüße - euer Operngernhörer :hello:

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Zitat

    Original von Operngernhörer
    nicht bei Verdi, Puccini oder überhaupt im Verismus.


    Doch: Suor Angelica.
    Gianni Schicchi ist auch nicht gerade ein Eifersuchtsdrama.


    Da gibt es noch viele andere - das Problem ist bloß, daß diese oft nicht aus dem allgemein bekannten, klassischen Belcanto-Repertoire stammen, so z.B. Santa Poesia von Cortopassi. Keine Eifersucht, sondern astreines Risorgimento. Oder Il Piccolo Marat von Mascagni. Oder Volo di notte von Dallapiccola... die Liste der Opern ohne Eifersucht wäre sicher genauso lang wie die der Opern mit Eifersucht...


    Irgendwie eine Frage wie: listet mal alle Gerichte auf, wo Salz dran ist... oder Zucker.


    :hello:
    M.

  • Es gibt ein Singspiel, das die Eifersucht schon im Titel hat:


    Lebe und Eifersucht von E.T.A. Hoffmann nach der Erzählung "La banda y la flor" von Calderon de la Barca.
    Die Handlung ist ein kleines bisschen verworren, das Stück ab voller schöner Melodien.

    If you don't make mistakes, you're not trying hard enough. (Jasper Fforde)

  • Ich höre und sehe ziemlich oft "Tosca" und würde mir mal eine Inszenierung wünschen, die stärker herausstellt, daß Tosca mit ihrer blindwütigen Eifersucht das eigentliche Problem darstellt und letztlich verantwortlich ist für das ganze Unglück, nicht etwa Scarpia (der ja auch nicht aus seiner Haut kann).
    Cavaradossi ist ja, als sie zum wiederholten Male von ihm verlangt, er solle der unbekannten Schönen doch bitte schwarze Augen malen, ziemlich genervt und reagiert entsprechend (Seufzend:"ancora?). Und Scarpia ist m.E. von der Leichtigkeit, mit der er durch ein paar halbe Andeutungen und Fragen Toscas Eifersucht von Null auf Hundert bringen kann, angenehm überrascht und faßt erst danach und gerade wegen dieses leidenschaftlichen Eifersuchtsausbruchs den Plan, sich Toscas ein wenig intensiver anzunehmen - die Story gibt nicht her, er habe schon vorher ein Auge auf sie geworfen.
    (Einschub: Dazu würde es auch passen, Tosca und Scarpia im 2. Akt mal keinen Ringkampf veranstalten zu lassen, wie es leider mittlerweile in jeder Inszenierung üblich geworden ist, um zu zeigen, wie brutal Scarpia ist; brutal ist er sicher, aber eben nicht physisch, sondern in seiner manipulativen Art - er ist keiner, der selbst foltert, sondern seine Schergen dazu außer Sicht- und Hörweite in den Keller schickt.)
    Und was ist "Vissi d'arte" anders als eine Rechtfertigung dergestalt, man wisse leider auch nicht so genau, warum alles so schlimm gekommen sei, man habe ja nur die hehrsten Absichten gehegt; ich halte dies für eine klassische Form des Suchens nach einer Ausflucht, wenn man es mit der eifersüchtigen Rage tatsächlich einmal zu weit getrieben hat und hilflos vor dem eigenhändig fabrizierten Scherbenhaufen steht... Kein Wunder, daß Maria Callas die Arie nicht mochte.


    Grüße! :hello:


    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing"
    Busman's Honeymoon

  • Hee, Mozarts "Entführung" noch nicht genannt? Oder habe ich da was überlesen.
    Jedenfalls wurde Dittersdorf "Doktor und Apotheker" noch nicht genannt. Und sah ich auch noch nicht Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor".


    Ich muß auch mal wieder bei Gluck schauen, denn da ist zweifelsohne auch noch was. Sein "Orpheus" ist aber m.E. eine Oper, wobei nicht Rede ist von Eifersucht. Oder ist es der Eifersucht eines Gottes?


    LG, Paul

  • Nachdem Rita bei den Verismo-Opern angekommen ist, lege ich gleich nach:


    Cavalleria Rusticana, die ewige Geschichte direkt aus dem leben gegriffen.

    Freundliche Grüße Siegfried