"Indepent -Labels" versus "Majors"

  • Im Thread:


    Das Tamino Klassikforum wählt "das beliebteste Independent-Label" des Jahres 2009


    stellt Wulf die interessante Frage:

    Zitat

    Hmm, ich frage mich bei manch genannten Namen, ob man sie noch zu Independents zählen kann, bspw. Chandos, Naxos oder Brilliant.
    Sind die nicht viel zu groß und präsent? Oder soll mit "Independent" etwas anderes gemeint sein??


    Um den oben genannten Thread einerseits nicht zu stören, andrerseits das Thema dennoch zu erörtern habe ich diesen Thread hier eingerichtet.


    Meinem Verständnis nach waren als "Majors" stets UNIVERSAL, EMI und BMG zu verstehen - der Rest war "unabhängig"


    Nun haben sich aber die Machtverhältnisse seit geraumer Zeit gewaltig verschoben - während alle Beteiligten - aber auch ihr Publikum - so tun als wäre nichts passiert.


    Wie schauts nun wirklich aus ?


    mfg aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Hallo Alfred,


    gute Idee. Ich habe ja mal drei Jahre in einem Klassikfachgeschäft gejobbt, die Zusammenhänge zwischen Labels bzw. ihre Zugehörigkeit zu den wenigen großen Firmen war für mich eine interessante Sache. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber die drei von Dir aufgezählten sind sicher die Majors, zu denen ein Großteil der Labels auf dem hiesigen Markt gehört. Kann mich aber nicht erinnern, daß meine Kollegen von Independent-Labels im Zusammenhang mit Chandos und co sprachen.


    Hier könnte aber sicher Peter weiterhelfen, der sitzt ja bekanntlich heute an der Quelle.


    :hello:
    Wulf

  • Als Independent-Label galt einst alles, was nicht den "Majors" zuzuordnen war.
    Und natürlich waren da Chandos, Hyperion und ebenso Naxos dabei.
    Einige davon wurden in der Vergangenheit lediglich deshalb nicht erwähnt, weil sie (damls) nicht bedeutend genug waren...


    Die Frage, die sich stellt ist: Wie sieht das HEUTE aus ?


    Ist nicht Naxos schon längst selbst ein "Major" ?
    Und wenn nein - warum nicht ?
    Und wenn ja - Ab wann gilt ein Label als "Major"
    Wie umschreibe ich (in diesem Zusammenhang) eigentlich den Begriff "Major" - Was ist ein "typisches Kennzeichen ?


    Daraus ergibt sich ferner die Frage:


    Tragen die bisher als "Majors" gehandelten Firmen diesen Titel überhaupt noch zu recht ?


    Ich bin auf Eure Antworten gespannt..


    mfg


    aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem


    Leider nein.


    "independent" (von ihren alten Marktstrategien befreit) sind sie aber auch nicht geworden... :stumm:

  • Zitat

    Tragen die bisher als "Majors" gehandelten Firmen diesen Titel überhaupt noch zu recht ?


    M. E. haben die "Major"-Labels den Anschluß verpasst, insbesondere bei der Alten Musik. Aber auch bei den bekanntesten Komponisten sind es fast nie die "Majors", die Unbekanntes ausgraben, man denke an die frühen Opern Wagners, an einen Großteil der Opern Händels oder auch an fast alle Opern Donizettis: Es sind eigtl. immer die "Independent"-Labels, die sich dieser annehmen, während sich die Großen auf ihren Beständen und ihrer (zugegebenermaßen) glorreichen Vergangenheit ausruhen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Analog zu der Entwicklung der Filmproduktion, deren Majors heute im Grunde zu denselben Konzernen gehören, kann man als "Majors" wohl alle Labels bezeichnen, die zu den multinationalen und multimedialen Konzernen gehören, also nicht selbständig und "independent" sind.


    Die Größe und Ausrichtung des einzelnen Labels spielt dabei erst einmal eine bestenfalls sekundäre Rolle, denn sie alle werden mit der Potenz und nach den Strategien der Majors, die das aber in der Tat immer weniger sind, und die man analog zu ihrem Gegenstück eigentlich als die "Abhängigen" bezeichnen sollte.


    Allerdings ist nach wie vor der Großteil der Branche von diesen Dependents selbst abhängig, denn von den Margen selbst der großen Billiglabels wie Brilliant oder Naxos können allenfalls Drogeriemärkte leben, weil die das als Zusatzgeschäft betreiben und ihr eigentliches Geld anderswo machen.


    Dass die Multis zunehmend ihr Tafelsilber an die Independents verscherbeln, was kurzfristig größeren Umsatz mit wenig Aufwand erzielt, mag für uns Musikliebhaber sehr angenehm sein (es sei denn, wir wollten oder müssten unsere einst teuer gekauften Scheiben verscherbeln), verhindert aber jetzt schon eine, für den Erhalt der Industrie notwendige, hinreichende Zahl interessanter und gut ausgestatteter Neuaufnahmen. Hier wird ein langfristiges Harakiri auf Raten erkennbar, an deren Ende die komplette Auslieferung an und durch das Internet stehen könnte, das jetzt schon der einzige "Major" ist, der diesen Namen noch verdient.


    Schon jetzt zeichnet sich ja ab, dass Orchester und Opernhäuser, aber auch Kammermusiker und Liedersänger ihre eigenen Konzerte aufnehmen und vermarkten und damit von Dinstleistern zu Produzenten werden. Wenn es also künftig noch Majors gibt, werden die vom Vertrieb von Produktionen Dritter leben, was ja auch heute schon zunehmend der Fall ist. Jedenfalls zeigt die historische Erfahrung, dass Kulturpessimismus immer verfrüht, weil nicht in der Lage ist, das Neue zu erkennen, das im zunächst nicht wahrgenommenen Winkel aus dem Niedergang einstiger Größen empor wächst. Warten wir's also getrost ab. Solange Nachfrage nach Musik besteht, und da sehe ich keinen ernst zu nehmenden Einbruch, wird sie auch bedient werden und damit Karriere zu machen und Geld zu verdienen sein.


    Auch das Dinosauriersterben hatte ja nicht nur Nachteile.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Zitat

    M. E. haben die "Major"-Labels den Anschluß verpasst, insbesondere bei der Alten Musik. Aber auch bei den bekanntesten Komponisten sind es fast nie die "Majors", die Unbekanntes ausgraben...


    Na gut, das war aber immer schon so....


    Dennoch waren sie aber jahrzehntelang Markführer..


    Wenn man nun aber sieht, wie "Kleinlabels" (der Name steht bewusst in Anführungszeichen) nun Bereiche wie Bach, Beethoven, Haydn, Mozart und Schubert, aber auch Brahms und Bruckner abzudecken beginnen, und das oft mit namhaften Künstlern, dann fragt man sich WER hier denn eigentlich die "Majors sind"


    Die einst mächtigsten Plattenkonzerne der Welt versuchen unbekannte Künstler mit "Muß" über Nacht aufzubauen.


    Schön und gut - aber das kann ich bei Naxos billiger haben, wobei deren Künstler zumeist "gewachsen" sind - aus einst unbekannten Interpreten wurden "Naxos-Stars".


    Nun haben die Majors aus meiner Sicht auch noch die letzte Bastion aufgegeben:


    War es bis vor einigen Jahren noch der "Backkatalog" der diese Labels unverzichtbar machte, so werden nun Lizenzen am Laufenden Band vergeben. Brillant gewinnt Monat für Monat an Reputation.


    Und sollte cpo dereinst ins Mainstraem Geschäft einsteigen (obwohl die das gar nicht notwendig haben) so wäre ihr jahrelang erarbeiteter guter Ruf eine gute Grundlage für die Akzeptanz auch dieses Bereiches durch die Käufer, denn auch hier ist ein Pool von "Stars" entstanden.


    Hänssler geht ja diesen Weg schon seit einiger Zeit - dank Norrington - uind einiger anderer.


    Tacet hat klugerweise nach langem Zögern seine 2 CD mit Beethoven-Sonaten (Markus Schirmer) herausgebracht und bei MDG spielt nun Christian Zacharias..


    Aber dafür gibt es ja einen eigenen Tread:


    Große Werke auf kleinen Labeln


    Er ist heute aktuelle als vor nunmehr nahezu 5 Jahren, als er estellt wurde.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Na gut, das war aber immer schon so....


    Dennoch waren sie aber jahrzehntelang Marktführer..


    War das wirklich schon immer so?
    Ich bin mir über die Abhängigkeiten in den 60ern und 70ern nicht ganz klar. Aber die Archiv Produktion und Telefunken/Teldecs "Das Alte Werk" waren lange Zeit, trotz damaliger "Independents" wie harmonia mundi o.ä. führend bei der alten Musik. Das betraf teils auch wenig bekannte Komponisten und noch mehr weniger bekannte Werke halbwegs bekannter wie Händel oder Telemann. Diese Abteilungen sind ja auch immer noch ziemlich gut bei der Alten Musik.


    Ich bin noch immer der Ansicht, daß man sich in den 80er Jahren grandios verzockt hat: Man wurde schon damals durch die Erfindung der CD aus einem Engpaß gerettet und hat dann, bei vorübergehend explodierendem Umsatz, mindestens drei Fehler gemacht: Man hat zu viel Standardrepertoire zu schnell noch einmal eingespielt, um auch jedenfalls eine DDD-Aufnahme, oder eine mit Studer, Carreras, oder wer gerade Star gewesen ist, anbieten zu können. Das führte zu einem Überangebot, obendrein zu mittelfristig nicht unbedingt konkurrenzfähigen Einspielungen. Man hat Gagen und Gewinnerwartungen zu hoch steigen lassen und man hat anscheinend gedacht, daß das alles immer so weiter gehen könnte, obwohl aufgrund der Qualität und Haltbarkeit der CD klar war, daß sich die Sättigungsprobleme noch verschärfen würden. "Laser-Disc", SACD etc. haben auch bewiesen, daß ein erneuter Formatwechsel nicht funktionieren wird.


    Was man verpennt hat, ist: 1) neue Kundenkreise zu erschließen: der wohlhabend-mittelständische CD-Käufer der 80er, der seine LP-Sammlung ersetzte, ist inzwischen im Ruhestand oder kurz davor und hat eben die CD-Sammlung, die er vielleicht noch ergänzt, aber eine Sättigung ist da. Die nachwachsenden Generationen haben zum einen tendenziell Kaufkraftverluste (oder jedenfalls Stagnation) hinnehmen müssen und wurden überdies weniger mit Klassischer Musik sozialisiert, sondern hören eben anderes.
    2) neues Repertoire zu erschließen, das hat man den Independents überlassen.


    Zitat


    Nun haben die Majors aus meiner Sicht auch noch die letzte Bastion aufgegeben:


    War es bis vor einigen Jahren noch der "Backkatalog" der diese Labels unverzichtbar machte, so werden nun Lizenzen am Laufenden Band vergeben. Brillant gewinnt Monat für Monat an Reputation.


    Das verstehe ich auch nur teilweise. Zwar droht die 50-Jahre-Frist die Backkataloge teilweise zu entwerten (aber auch hier waren die Lobbyisten teilweise erfolgreich und es drohen Verlängerungen dieser Frist) und es ist ja auch nicht einzusehen, warum ein Label beliebig lange Gewinn aus alten Aufnahmen schlagen dürfen sollte. Aber es scheint mir unklug, die Kontrolle über diese aus der Hand zu geben, bevor es notwendig war. Solange man die alten Aufnahmen selbst vertreibt, könnte man sie vergleichsweise teuer (und ggf. nostalgisch-edel ausgestattet) verkaufen, um auch den Neuproduktionen eine Chance einzuräumen.


    Es gibt hier einen Artikel zum Thema Billigangebote in der Klassik und downloads:


    "http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/beethoven_im_weltweiten_netz_1.2284445.html"


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Johannes,


    von meiner Seite her Zustimmung, dass Archiv Produktion und Telefunken/Teldecs "Das Alte Werk" (in meiner Wahrnehmung) lange Zeit führend bei alter Musik waren!


    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    ...mindestens drei Fehler gemacht: Man hat zu viel Standardrepertoire zu schnell noch einmal eingespielt, um auch jedenfalls eine DDD-Aufnahme...


    Also hier habe ich zumindest Verständnis für die Majors von damals. Wäre das eigene Label hier zurückhaltend geblieben, so gab es doch genug Konkurrenz, dass dies dann die anderen gemacht hätten und so die Gewinne alleine eingestrichen hätten.


    Ansonsten finde ich es irreführend die Begriffe Major und Independent als Gegensätze aufzustellen.
    Heutzutage ist Naxos für mich (im Klassikbereich) ein "independent Major"!


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.

  • Zitat

    Original von Frank1970


    Also hier habe ich zumindest Verständnis für die Majors von damals. Wäre das eigene Label hier zurückhaltend geblieben, so gab es doch genug Konkurrenz, dass dies dann die anderen gemacht hätten und so die Gewinne alleine eingestrichen hätten.


    Verständnis vielleicht. Wäre auch nicht die erste oder letzte Rationalitätsfalle im Kapitalismus gewesen (3% Zinsen aufs Sparkonto? die frißt ja die Inflation zu 2/3, sehen Sie, ich habe hier ein ganz anderes tolles Finanzprodukt, hohe Rendite, kein Risiko... :D). Aber daß es ein Überangebot werden würde, war klar (genauso klar, wie es in zwei Jahren oder so den nächsten Einbruch in der Autoindustrie geben wird, wegen der heuer vorgezogenen Käufe dank Abwracksubvention :wacky: ). Und man hätte vielleicht etwas sorgfältiger produzieren, jedenfalls irgendwie was Originelles bieten sollen, was nicht einzig durch DDD oder die Teilnahme eines (mitunter hochgepuschten) Stars ausgezeichnet war. So hat man (angeblich) eine ganze Reihe Zeug produziert, was sich nie amortisiert hat (Gagen explodiert und kein langer Atem, was vielleicht auch nichts genutzt hätte).


    Genau weiß ich es natürlich auch nicht. Aber daß der Boom durch die Ersetzung der LP-Sammlungen (und vielleicht auch das Mozartjahr '91) von begrenzter Dauer sein würde, um das einzusehen, braucht man kein Wirtschaftsdiplom...


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
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    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Ich bin mir über die Abhängigkeiten in den 60ern und 70ern nicht ganz klar. Aber die Archiv Produktion und Telefunken/Teldecs "Das Alte Werk" waren lange Zeit, trotz damaliger "Independents" wie harmonia mundi o.ä. führend bei der alten Musik.


    Wie viele Langzeitprojekte worden auch diese von der Zeit eingeholt.
    Ichj beschränke mich hier weitgehend auf die "Archiv-Produktion", einem Sublabel der Deutschen Grammophon Gesellschaft.


    Die 1949 gegründete Serie hiess ursprünglich


    Archiv Produktion des musikhistorischen Studios der Deutschen Grammophon Gesellschaft


    und gab sich einen wissenschaftlichen Anstrich.


    Es gibt einen vorzüglichen Artikel bei Wikipedia zu diesem Thema, der jedoch in einigen Punkten von meinem Wissen abweicht (welches allerdings nur mündlich überliefert wurde)
    Soweit MIR bekannt sollten URSPRÜNGLICH lediglich die Werke von Johann Sebastian Bach dokumentiert werden, zwar mit wissenschaftlich gesichtetem Notenmaterial - aber keineswegs (wie bei WIKIPEDIA behauptet) ausschließlich mit Originalinstrumenten. Sonst hätte ja Karl Richter keinen Platz dort gehabt - aber er war sehr präsent.
    Auch Bachs Werk ist irgendwann abgegrast - und so kam (so hatte ich es gehört) Händel an die Reihe - Nach und nach erwiterte man das Programm auch durch seltenes Repertoire - die Reputation der Serie verlangt dies letztlich.


    Ich behaupte mal kühn, die "Klassikkrise" welche diesen und anderen Bemühungen den Garaus machte war keine reale, sondern eine durch IMO unfähige Mangaer oder gierige Shareholder verursachte - man begann "Klassische Musik" zu vermarkten wie ein Massenprodukt - und erwartete sich dementsprechende Gewinne. Sowas geht über kurz oder lang in die Hose. Man wird nie ein Produkt erfolgreich verkaufen können, wenn der potentielle Abnehmer mehr davon versteht als der Vermarkter......!!!!


    Zur ANGESTREBTEN Verlängerung von Schutzfristen.


    Abgesehen, daß ich der Meinung bin, daß es nicht so weit kommen wird, so ist der Markt sein etlichen Jahren bereits mit Billigpressungen der meisten interessanten Aufnahmen überflutet, sodaß solch eine Maßnahme ins Leere ziielt.


    CD sind nur dadurch verkäuflich, daß sie durch ihre Verpackung den Eindruck von Wertigkeit und Beständigkeit vermitteln .
    Sollte dereinst der KOSTENPFLICHTIGE Download kommen (ich gehe nicht davon aus), dann werden viele derzeitige Käufer keinen Sinn mehr sehen, ein Original zu erwerben, wenn sie die gleiche Leistung umsonst haben können. Das "Unrechtsprinzip" von unlauter erworbenen Kopien ist in der Bevölkerung nicht akzeptiert - das geht bis hin in die höchsten Kreise (ich hab mal Software verkauft, weiß also wovon ich rede) - und ist somit nicht durchsetzbar, da es immer wieder aus dem Hinterhalt torpediert wird, notabene weil multinationale Konzerne in der Regel kaum einen Sympathiebonus haben.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Hallo,


    erst einmal sollte man unterscheiden zwischen Label und Vertriebsfirma. Letztere sind nämlich im Prinzip die großen Majors, die den Markt und teilweise das Labelprogramm beeinflussen. Ich würde also alle Labels als Independent Labels bezeichnen, die von ihrem Vertrieb unabhängig sind. Ich versuche mal eine Übersicht zu geben, welche Labels in welchen Vertrieben vertrieben werden. Ich berücksichtige auch teilweise Labels, die es nicht mehr gibt.


    Universal Music


    - Deutsche Grammophon (inkl. Archiv, 20/21 usw.)
    - Philips
    - Decca
    - ECM
    - Koch-Schwann


    EMI Music


    - EMI
    - Virgin


    Sony Music (ehemals Sony BMG)


    - Sony
    - RCA
    - deutsche harmonia mundi
    - BMG
    - Arte Nova
    - Ariola / Eurodisc


    Warner Music


    - Warner / Teldec
    - Erato
    - apex
    - elatus


    Harmonia Mundi / Helikon


    - harmonia mundi france
    - Calliope
    - Soli Deo Gloria
    - Alia Vox
    - Oehms


    Edel


    - Berlin Classics
    - Winter & Winter
    - audite


    Note 1


    - Carus
    - aeon
    - Christophorus
    - Ondine
    - alpha
    - Genuin
    - Testament
    - Kairos
    - Wergo


    Codaex


    - Chandos (inkl. Chaconne)
    - hyperion
    - helios
    - Pentatone
    - MDG
    - Supraphon


    INDIGO


    - Naive


    KLASSIK CENTER KASSEL


    - BIS Records


    NAXOS


    - Naxos
    - Marco Polo
    - Hänssler
    - Capriccio


    Gebhardt


    - Walhall
    - Myto
    - Bongiovanni
    - Tactus
    - Tacet


    ORFEO


    - Orfeo


    Foreign Media Group


    - Brilliant Classics



    Das ist keine vollständige Liste, ich versuche sie aber, demnächst zu erweitern, da ich momentan nicht alles im Kopf habe.


    Als Majors in den letzten Jahren galten Universal, EMI, Warner und Sony.
    Da die Warner nicht mehr produziert, sondern nur noch vertreibt (oder neue Serien auf den Markt schmeißt) scheidet sie also langsam aus diesem Kreis aus. Marktführer in Deutschland ist Universal. Danach kommen Sony und dann EMI.


    Naxos (als Label) ist Weltmarktführer, hat aber in Deutschland einen schweren Stand. Trotzdem könnte man Naxos allmählich zu den Majors zählen. Harmonia Mundi ist auch auf dem Weg zu den ganz Großen. Der Rest ist in Deutschland eher noch unbedeutend. (Man muss immer die große Kaufmasse sehen und nicht uns Spezialisten. Chandos beispielsweise ist in der Masse kein großer Renner wie es hier im Forum ist).



    LG, Peter.

  • Ganau diese Art von Sachkompetenz habe ich gesucht, bevor überhaupt diskutiert wird:


    Zitat


    erst einmal sollte man unterscheiden zwischen Label und Vertriebsfirma. Letztere sind nämlich im Prinzip die großen Majors, die den Markt und teilweise das Labelprogramm beeinflussen


    Irgendwie so hatte ich das noch in grober Erinenrung, kannte aber längst nicht mehr die Zugehörigkeiten.
    Von den von Dir aufgelisteten Labels könnte man welche als "Independent", also als weitestgehend unabhängig von ihrer Vertriebsfirma sehen? Ist nicht MDG bspw. ein ziemlich unabhängiges Label, das über seine eigene Programmpolitik entscheidet??


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Joseph II.
    M. E. haben die "Major"-Labels den Anschluß verpasst, insbesondere bei der Alten Musik. Aber auch bei den bekanntesten Komponisten sind es fast nie die "Majors", die Unbekanntes ausgraben, man denke an die frühen Opern Wagners, an einen Großteil der Opern Händels oder auch an fast alle Opern Donizettis: Es sind eigtl. immer die "Independent"-Labels, die sich dieser annehmen, während sich die Großen auf ihren Beständen und ihrer (zugegebenermaßen) glorreichen Vergangenheit ausruhen.


    Dass ein Großteil der wirklichen Innovationen in KMUs stattfinden, ist doch nach allen Ergebnissen der ökonomischen Innovationsforschung geradezu ein allgemeines ökonomisches Gesetz ( und z.B. auch als akzeptiertes Ergebnis in EU-Forschungsförderrichtlinienen eingegangen. In den realen effektiven Wertflüssen gibt es allerdings immer noch einen Werttransfer von der KMU-dominierten Binnenökonomie in die Konzern-dominierte Exportindustrie.) Ausnahmen: Subfirmen großer Konzerne, die quasi wie unabhängige KMUs funktionieren, aber mit dem Vorteil der größeren Kreditwürdigkeit/Liquidität.


    Wieso sollte das in der Musikindustrie anders sein?


    Ein gutes Beispiel für die genannte Ausnahme: Das Jazz-Sub-Label JMT von Herrn Winter, das unter seiner Leitung künstlerisch, wie vom Marketing bis zum Design sehr innovativ und durchaus ökonomisch erfolgreich war, solange es als Unterlabel eines großen Majors zeitweilig wie ein Independent-Label funktionieren durfte. Lediglich, dass Winter auch damals schon gerne noch genreübergreiffender auch in Übergagngsbereiche zur Klassik/Alten Musik gearbeitet hätte, da einige seiner von ihm verpflichtetetn Jazzmusiker auch in der Alten-Musik-Szene aktiv waren oder wie Uri Caine Crossover-Projekte anstrebten, war ihm damals noch nicht möglich.
    Dann waren irgendwelchen Management-BWL-Heinis in der sehr vorrübergehenden Pop- und teilweise auch Klassik-Hausse im Übergang zur CD, daran gemessen, Winters JMT-Renditen zu gering und das ganze Label wurde eingestellt, auch der Back-Katalog komplett gestrichen.


    Heute ist Winter & Winter eine relativ gesunde Independent-Firma, die in Jazz und Klassik (und noch etwas darüber hinaus) tätig ist, der es sogar gelungen ist, den alten JMT-Back-Katalog zurückzukaufen und die auch mit diesen Wiederveröffentlichungen Geld verdient, - im Rahmen von realistisch, langfristig kalkulierten Renditeerwartungen.


    Ungefähr zur selben Zeit der Einstellung von JMT hörte man von den Großbanken, das Privatkundengeschäft lohnt sich gar nicht, der irrsinnige Traum von der immerwährenden Prosperität ließ sie ganz auf´s Investmentgeschäft setzen. :D


    Und wie wurde Naxos in der einschlägigen ökonomischen Fachpresse anfangs zumeist belächelt, dabei hat ihre hochinnovative Vertriebs-, Preisgestaltungs- und Programmpolitik sie heute in der Tat zu einem erfolgreichen Major gemacht, der solide Renditen erwirtschaftet, von denen die alten Majors heute nur träumen können, auch wenn sie ihnen damals - die Hausse als Maßstab - als viel zu gering erschienen wären. Während die Naxos-Strategie gleich zu Anfang auf die neuen I & K-Technologien setzte, nur unter denen ihre Strategie aufgehen konnte, z.B. globalisierter Vertrieb mit vergleichsweise geringem traditionellem Werbeaufwand, haben die Majors die Veränderungen durch die neuen I & K-Technologien komplett verschlafen.


    Alles ganz nach Lehrbuch klügerer Schumpeterianer.


    :hello: Matthias

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    CD sind nur dadurch verkäuflich, daß sie durch ihre Verpackung den Eindruck von Wertigkeit und Beständigkeit vermitteln .


    Lieber Alfred,


    das hast Du blendend formuliert!


    Es stimmt wirklich. Wieso kaufe ich mir etwa eine längst gemeinfreie Aufnahme dennoch lieber teurer vom Original-Label (sofern überhaupt noch dort angeboten; ich persönlich versuche dann ja sogar lieber, vergriffene Aufnahmen des Original-Labels irgendwie aufzutreiben, dem Amazon Marketplace sei Dank, geht das oftmals): Weil die Aufmachung hochwertiger und beständiger wirkt, weil es sich im Schrank besser macht als eine billigere Pressung, der ich noch nicht mal ihre "inneren" Qualitäten damit absprechen will, nein, aber m. M. nach kauft das Auge mit.
    Von daher glaube ich gar nicht, daß die "Majors" einen so großen Einbruch haben werden, wenn jetzt bei vielen Aufnahmen (sogar den ersten Stereo-Aufnahmen!) langsam die Schutzfristen ablaufen, zumal es noch viele Sammler gibt, die genauso denken und lieber das Original wollen statt einer (wenn auch noch so guten) Kopie.


    Liebe Grüße
    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich kaufe auch lieber CDs vom Original-Label,weil ich davon ausgehen kann,daß man die Original-Aufnahmebänder als Quelle für die CD genommen hat. Bei einem "Billiglabel" laufe ich Gefahr,daß die Aufnahme von einer LP oder CD -jedenfalls nicht von den Originalbändern- abgekupfert wurde.
    CD Neuauflagen der Original-Label können vom Originalband remastert sein und besser klingen als die unremasterten Altauflagen.Ob ein "Billiglabel" die remasterte Neuversion des Original-Labels benutzt,müßte vor dem Kauf geklärt werden.Oft benutzt das "Billiglabel" ein eigenes Remaster.

    mfG
    Michael


  • Geht mir anders. Egal wie schick aufgemacht: CDs sind und bleiben in Plastik verpacktes Plastik, das sich wie Plastik anfühlt, wie Plastik riecht und (beim Öffnen und Rausnehmen, nicht beim Abspielen) wie Plastik klingt. CD-Hüllen quietschen, die kleinen Plastikzähnchen, die die Plastik-Platte halten sollen, brechen heraus - nichts wirkt da für mich hochwertig, egal, wie teuer das Ganze war. Deshalb kaufe ich bei CDs möglichst die billigste Ausgabe und bewahre sie zunehmend ganz ohne die Plastikhüllen auf. Ein Gefühl von Hochwertigkeit habe ich bei meinen alten Vinyls, die etwas wiegen, wenn ich sie in der Hand halte, deren Cover-Art groß genug ist, dass ich etwas sehe, und die nicht nach Krankenhaus riechen, sondern ähnlich wie alte Bücher. Immer öfter kaufe ich wieder alte LPs auf. CDs sind Datenträger; es gelingt mir nicht, ein emotionales Verhältnis zu ihnen zu entwickeln wie zu LPs oder Büchern. Bin ich wirklich schon so alt?!


    Grüße,
    Micha

  • Zitat

    Original von Schneewittchen
    Ich kaufe auch lieber CDs vom Original-Label,weil ich davon ausgehen kann,daß man die Original-Aufnahmebänder als Quelle für die CD genommen hat. Bei einem "Billiglabel" laufe ich Gefahr,daß die Aufnahme von einer LP oder CD -jedenfalls nicht von den Originalbändern- abgekupfert wurde.
    CD Neuauflagen der Original-Label können vom Originalband remastert sein und besser klingen als die unremasterten Altauflagen.Ob ein "Billiglabel" die remasterte Neuversion des Original-Labels benutzt,müßte vor dem Kauf geklärt werden.Oft benutzt das "Billiglabel" ein eigenes Remaster.


    Ach, wie gut, daß niemand weiß, daß Rapunzel Hänsel heißt...


    ?(


    Än... jedenfalls sind die Independend-Label, die hier gemeint sind, nicht zwingend Billiglabel.


    :hello: