Anstand oder Aufstand? Was dürfen Regisseure (nicht)?

  • Lieber Michael,

    Zitat

    dieser thread hat inzwischen einen Grad an Abstraktion erreicht, den ich erschrecklich finde...


    Zitat

    ein Kunstwerk ist, was ein Autor zum Kunstwerk erklärt und somit in den Kunstdiskurs einspeist, also zur öffentlichen Debatte stellt. Indem du aber öffentlich sagst: Das ist doch gar keine Kunst!, beteiligst du dich natürlich bereits am Kunstdiskurs und hast den Kunstcharakter des Werkes abermals legitimiert, indem du bestätigst, dass es Teil eines Diskurses über Kunst ist...


    Pardon, aber das mußte sein - wobei ich Dir inhaltlich rückhaltlos zustimme!
    :hello:

  • Nichts zu pardonnieren. Ich fand schon selbst, dass ich mich mal am Abstrahieren (allerdings lieber in eine andere Richtung) beteiligen sollte, und warum nicht auch, selbst beim Schreiben schon, über sich selbst erschrecken?


    Grüße,
    Micha

  • Wir sind - wie immer - ein wenig vom Thema abgekommen - und auch ich werde mich nicht mit der noch nicht stattgefundenen Inszenierung befassen, sondern mit Randfragen - die jedoch dazugehören.


    Ursprünglich hatte ich nicht vor mich an diesem Thread zu beteiligen, insbesondere deshalb weil in meiner Eigenschaft als Forenbetreiber jedes meiner Worte auf eine Art Goldwaage gelegt wird, aber einige immer wieder zu lesenden Argumente, die hier gebracht wurden haben denn doch meinen Blutdruck ansteigen lassen und ich möchte mich hiezu äussern


    (Übrigens habe ich mich im Moderatorenforum dafür ausgesprochen diesen doch sehr zu persönlichen An- und Untergriffen neigenden Thread nicht zu schließen und ihn wieder in den allgemein lesbaren Teil zu verschieben - ich hoffe, daß ich diese Maßnahme nicht bereuen oder revidieren muß)


    Ich will hier gar nicht zum konkreten Anlass Stellung nehmen - in der Tat hat noch niemand die Inszenierung gesehen.


    Allein, daß ein Teil der Mitwirkenden den Regisseur die Gefolgschaft verweigert, und die dafür angegebenen Gründe - werfen schon ein merkwürdiges Licht auf das künftige "Ereignis"


    Was mich in diesem Zusammenhang stört, ist, daß immer wieder verlangt wird, man möge eine Inszenierung ansehen, bevor man sie be- bzw verurteilt.
    Das ist aus meiner Sicht ein Sophismus, denn es würde bedeuten, daß die Gegner solcher Inszenierungen vorerst ihr gutes Geld ausgeben müssen, obwohl sie auf Grund einiger Kernaussagen schon a priori wissen, daß es sich um eine Verbalhornung handelt. Man würde auf diese Art derlei Projekte noch indirekt unterstützen.


    Gehen wir auf die Kernfrage:
    Was darf ein Regisseur NICHT ?
    (und ich beziehe hier den Ausstatter mit ein)


    Ganz einfach:


    Keine Abweichung von der im Libretto angegebenen Zeit
    keine hässlichen, dem Thema ferne Kostüme
    keine politischen Um.- oder Ausdeutungen des Themas
    keine Verlegung an librettofremde Orte
    keine Hinzufügung von im Original nicht vorkommenden Personen oder Personengruppen
    kein "Herausarbeiten" von "Hässlichkeiten"
    keine Veränderung der eigentlichen Bühnencharaktäre
    ___________________________________


    Das war nur eine kleine essentielle Liste.


    Wenn hier nun einige dieser Tabus gebrochen wurden, dann braucht man die Inszenierung gar nicht gesehen zu haben um sie abzulehen


    Geröstete Maden gelten in manchen Neureich-Restaurants
    als köstliche Spezialität.
    Ich weiß jedoch OHNE vorherige Kostprobe, daß ich derlei nicht essen WILL !!!
    (Ich erinnere mich an des Fernsehintervie mit einem Koch, als man ihn fragte, wie er zum Geschmack dieser Speise stünde:
    "Meine Aufgabe ist, die Dinger zuzubereiten, ESSEN muß ich sie NICHT!")


    Eine interessante Aussage.


    Am Musiktheater hat es sich nun eingebürgert, daß die Ausübenden immer öfter Dinge vollbringen sollen, die man früher als unzumutbar betrachtete hätte.


    Irgendjemand hat weiter oben im Thread die Frage gestellt, warum eine Opernsängerin/ein Opernsänger denn nicht nackt auftreten sollte


    Die lakonische Antwort hierauf könnte lauten:


    Weil Opernsängerinnen keine Huren, und Opernsänger keine billigen Gigolos sind. Weil sie Ansprucht auf Respekt in der oberen Gesellschaft haben, ein Anspruch der bei einem Gutteil dieser Leute bald verspielt wäre. Die Opernsängerin Anna M brach vor einigen Jahrzeihnten mit diesem Tabu - und bekam die Folgen bitter zu spüren. Seither wurde sie auf dieses Ereignis reduziert. Sie konnte damit leben, weil sie sich ihrer Schönheit bewusst war, und ihre Nacktheit eine freiwillige war,
    aber ein Hauch von Makel blieb stets an ihr.
    -----------------------------------------------------------------


    Nächster Punkt:


    "Aufstand der Mitwirkenden"


    Sowas geht in der Regel niemlas ohne Konsequenzen für die Revoluzzer ab, es sei denn sie brächten Premiere und Regisseur unter Mitwirkung der öffentlichen Meinung und der Medien zu Fall.


    Meine besten Glückwünsche begleiten sie


    mfg aus Wien


    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Um auf das Thema dieses Threads zurück zu kommen.


    Meine Frau war 15 Jahre bis 1990 im Extrachor der Städtischen Bühnen


    Bonn und hat nie Probleme mit Regisseuren bemerkt, sie hat nur


    positive Erinnerungen an diese Zeit; also sind diese Auswüchse des


    Regie-Theaters doch in den letzten 10 Jahren entstanden. Der Begriff


    Regie-Theater ist an sich schon ein Unwort. Die Oper ist nicht Regie-


    Theater, sondern Musik-Theater !


    :hello:Herbert.

  • Lieber Alfred,


    du sprichst mir in wesentlichen Punkten aus dem Herzen...


    Zitat Alfred Schmidt:

    Zitat

    Was mich in diesem Zusammenhang stört, ist, daß immer wieder verlangt wird, man möge eine Inszenierung ansehen, bevor man sie be- bzw verurteilt. Das ist aus meiner Sicht ein Sophismus, denn es würde bedeuten, daß die Gegner solcher Inszenierungen vorerst ihr gutes Geld ausgeben müssen, obwohl sie auf Grund einiger Kernaussagen schon a priori wissen, daß es sich um eine Verbalhornung handelt. Man würde auf diese Art derlei Projekte noch indirekt unterstützen.


    Genauso sehe ich das auch: deswegen schaue ich mir immer vorher Aufführungsbilder an, erst dann entscheide ich für mich, ob ich mir diese Inszenierung überhhaupt ansehe. Schließlich sind Karten für die Oper nicht gerade preiswert.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:


  • Was sicher kein Verlust für die Kunstform Oper wäre..... Respekt verdient man sich durch seine Leistung, und nicht, indem man den Geschmack irgendwelcher Leute befriedigt, für die das Wesen der Kunst in erstarrten Konventionen besteht. Nein, Opernsängerinnen sind keine Huren, aber sie spielen gelegentlich Huren, und die gehen ihrem Gewerbe bekanntlich dürftig bis gar nicht bekleidet nach - ich finde eine bis oben zugeknöpfte Kurtisane unglaubwürdig und lächerlich.
    Ein heutiger Künstler lacht dir wahrscheinlich ins Gesicht, wenn du ihn fragst, ob er für den "Respekt der oberen Gesellschaft" spielt/singt/inszeniert. Kunst ist für Menschen da, und Menschsein definiert sich nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsschicht!!
    lg Severina :hello:


  • Lieber Alfred,


    ein lebendiges Kunstwerk bedarf der Interpretation. Die von Dir aufgezählten Postulate bewirken das Gegenteil. Kunst unter der Glasglocke.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • zum Menschsein gehört aber auch, dass ein Individuum selbst entscheiden kann, wo bei hm die Grenzen des persönlichen Geschmacks liegen..., ob er sich für ein neuerliches Schauerstück instrumentalisieren lässt (egal ob aktiv oder passiv) oder nicht.


    Große Opernstars lehnen es ab mit bestimmten Regisseuren zu arbeiten.


    Die Mitarbeiter des Chores können es (leider) nicht ablehnen, daher melden sie sich krank. Es ist ihr Weg zu zeigen, bis hierher und nicht weiter.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:


  • Da stellt sich höchstens die Frage, wie lebendig ein Kunstwerk sein darf/soll? Denn selbst bei Beachtung von Alfs Gegenmaßnahmenkatalog bleibt es doch immerhin noch Kunst... wäre ja auch doof, wenn nicht...


    :hello:


    Ulli

  • Lieber Caesar73,


    sieh dir die Inszenierungen von Walter Feslsenstein an (einige sind auf DVD erhältlich). Bei seiner Arbeit kannst du erleben, dass Musiktheater kein angestaubtes Procedere ist, schon gar keine Glasglockenkunst. Und dennoch wahrt er die wesentlichen Punkte, die Alfred genannt hat.



    Es geht halt auch ohne vordergründige Provokation.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Womit der Thread wieder bei seinem Ausgangskonflikt angekommen wäre, um den es doch letztlich in allen derartigen Auseinandersetzungen geht.



    Das Schöne an unserer Gesellschaft ist ja, dass sich jede/r im Prinzip die Oper (bzw. deren Darstellungsform) wünschen und bei gegebenem Angebot ansehen kann, die ihr/ihm behagt. Das Pläsir sei ihnen gegönnt. Wenn genügend von ihnen regelmäßig genug in die Oper gehen, wird es auch angeboten werden. Komischerweise scheint das nicht der Fall zu sein - wahrscheinlich, weil die bösen Neuerer es ihnen nicht gönnen.


    Dergleichen zum absoluten Postulat zu erklären, ist in meinen Augen noch schlimmer, als die ganze Kunstform unter eine Glasglocke zu setzen, in der ihr zwangsläufig die Luft ausgeht. Mich erinnert das eher an jene zum Glück nicht mehr so häufigen, vermeintlichen Schmetterlingsliebhaber, die ihre Sammelobjekte aufspießen um deren Gestalt nach Gusto bewundern zu können ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass sie das Objekt ihrer Bewunderung damit umbringen - mit allen entsprechenden Folgen für ihr Nachleben.


    Wie die meisten werde auch ich im Alter konservativer, aber konservativ zu sein kann doch nicht bedeuten, dass man automatisch für die Mumifizierung der Schönheit plädieren muss.


    :hello: Jacques Rideamus


  • Sorry, aber das liegt im Auge des Betrachters - für andere ist es schlicht und einfach unerträglicher Kitsch. (Das gilt natürlich nicht für alle konservativen Inszenierungen, aber zumindest für die meisten an der WSO)
    lg Severina :hello:

  • Lieber LT,


    Regietheater nur als vordergründige Provokation zu begreifen wäre ein grundlegendes Missverständnis- wobei ich jetzt einmal davon ausgehe, dass Du diesem Missverständnis nicht aufsitzt.


    Wogegen ich grundsätzlich etwas habe ist Dogmatismus in der Kunst- und zwar jeglicher Couleur.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Zitat

    Original von severina


    Sorry, aber das liegt im Auge des Betrachters - für andere ist es schlicht und einfach unerträglicher Kitsch. (Das gilt natürlich nicht für alle konservativen Inszenierungen, aber zumindest für die meisten an der WSO)
    lg Severina :hello:


    Da hieße dann aber im Umkehrschluß, daß die Urheber (also Librettist und Komponist) keine Künstler gewesen wären...


    Dadurch, daß sich ja Menschen auf der Bühne bewegen und Musik läuft, ist es ja garnicht so tot, wie manche das gerne sähen... es ist dann eher lebendiges Museum! Und komm mir jetzt nicht damit: "Ich will aber kein lebendiges Museum..." - dann komm ich Dir nämlich (vermutlich zum 104. Male) mit: "Dann schau Dir was anderes an". Ich unterstelle mal provokant, daß Menschen, die derlei moderne Inszenierungen sehen wollen, sich garnicht für das originäre Kunstwerk als solches interessieren...


    :untertauch:


    ...sondern es lediglich dazu benutzen, sich mit dem rühmlichen Namen des originären Künstlers zu schmücken, etwas anderes daraus zu machen, was ihnen besser in den Kram passt. Das halte ich aber nicht für sonderlich geistreich.


    Logisch wäre ja, um es auch in diesem Thread nochmals zu wiederholen, dann auch neben den Librettoänderungen Instrumentierungsänderungen (also anstelle einer Theorbe eine E-Gitarre, anstelle von Holzbläsern ein Saxophonensemble etc.) einzusetzen. Und um die Logik dann abzuschließen, müßte man ja eigentlich auch die Musik selbst noch modernisieren - letztlich und kurz gesagt führt das ganz logisch dahin, das gesamte Kunstwerk in die Tonne zu treten und ein neues zu machen.


    Alles andere sind dann nur Teilmodernisierungen - sozusagen ein tiefergelegter 1930er Ford A mit Heckspoiler...


    Eine HIP-Inszenierung von Hindemiths Cardillac würde doch genauso panne wirken, wie eine zeitgemäße Händelinszenierung. Oder wie wäre es mal damit, Bergs Wozzek ins ausgehende 17. Jahrhundert zu verlegen (Scheiß' doch der Hund drauf, was im Libretto steht...): Allongeperrücken, Tuff, Taff, Seide, Schnallenschuhe - dann gäb es wenigsten etwas zum Sehen. Und bitte unbedingt von Harnoncourt dirigiert, damit alle Tempi verzerrt sind und man möglichst wenig vom Original mitbekommt. So könnte mir das durchaus gefallen.... Nein, Im Ernst: die Musik muß m. E. zum zu Sehenden passen (bzw. umgekehrt).


    Wenn man sich (aus Ideenmangel?) nicht immer nur an die 10 bis 20 'Dauerbrenner' begeben würde, würde es auch im Opernbetrieb sicherlich nicht langweilig... schließlich stehen 40.000+x fertigkomponierte Opern zur Verfügung (und selbst 1% davon wären mehr, als man je in einem Leben inszenieren und sehen könnte).


    :hello:


    Ulli

  • Alfred,


    nein, ich denke nicht, daß hier gesagt wird, daß man ein Stück sehen muß, um es beurteilen zu können.


    Hier nur haben wir es mit einem Stück zu tun, daß NOCH NIEMAND gesehen hat, und daher kann KEINER VON UNS eine Aussage über die Inszenierung treffen.


    Wenn die Premiere stattgefunden haben wird, und die ersten Kritiken auftauchen, DANN können wir uns aufgrund verschiedener Sichten und Berichte eine Meinung bilden, und darüber trefflich streiten...


    Bisher sind es aber, wie schon des Öfteren gesagt, ungelegte Eier...


    Matthias

  • Lieber Caesar73,


    ich bin nicht grundsätzlich gegen das Regietheater.


    Doch wenn übertriebene extreme Sex- und Gewaltszenen ein Bestandteil der Aufführungen sind, die womöglich erst für Besucher ab dem 12. oder gar 16. Lebensjahr zu empfehlen sind, dann halte ich das doch alles für sehr fragwürdig.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Hallo.


    Ich habe mit Interesse die abwechslungsreiche Diskussion hier verfolgt. Ich denke, dass es ein wirklich spannendes Thema ist, wie viel beispielsweise ein Regisseur seinen Darstellern/Mitwirkenden zumuten kann oder sollte. Eine generelle Antwort darauf kann es gewiss nicht geben.


    Mich erstaunt es jedenfalls auch, wenn sich Mitglieder eines Chors durch eine Inszenierung traumatisiert fühlen sollten. Traumatisiert? Bitte.


    Eine andere Frage ist es da schon, inwieweit man an etwas mitwirken sollte, das man zutiefst ablehnt. Edwins Bemerkung, dass eine schöne Gesangsstimme nicht daran hindert, eine Zweitkarriere als Taxifahrer einzuschlagen, ist heftig - sie hat aber einen wahren Kern. Wenn es partout nicht gelingt, sich mit etwas zu identifizieren, dann sollte man es eben auch nicht mittragen.
    (Andererseits dürftest Du, Edwin, dann nicht Deinen Kollegen exkulpieren, der sich wider seine eigene Überzeugung dem Chefredakteur beugt - zumal ein Journalist verschiedensten Kräften ausgesetzt ist; anders formuliert: Wenn ich meine Meinung nicht vor meinem Chefredakteur wahre, wie sieht es dann beispielsweise gegenüber einem einflussreichen Politiker aus?)


    :hello:


    Gruß, Ekkehard.

  • Lieber Alfred,

    Zitat

    Allein, daß ein Teil der Mitwirkenden den Regisseur die Gefolgschaft verweigert, und die dafür angegebenen Gründe - werfen schon ein merkwürdiges Licht auf das künftige "Ereignis"


    Also: Wenn Künstler einem anderen Künstler die Gefolgschaft verweigern, dann ist das ein Zeichen, daß dieser auf dem falschen Dampfer ist.
    Hat man ja schon bei Bruckner gesehen, bei diesem Wappler.



    Also spielen wir die Sophokles-"Antigonae" nur im Zusammenhang mit einem Dionysos-Fest. Ich bin dafür. Aber es könnte welche geben, die dann "Pornographie" schreien.


    Zitat

    Ich weiß jedoch OHNE vorherige Kostprobe, daß ich derlei nicht essen WILL !!!


    Ißt Du eigentlich Wurst? Und weißt Du, welche Inhaltsstoffe da dabei sind?
    Dann schon lieber Maden, da weiß ich wenigstens, was es ist.


    Zitat

    Irgendjemand hat weiter oben im Thread die Frage gestellt, warum eine Opernsängerin/ein Opernsänger denn nicht nackt auftreten sollte ... Weil Opernsängerinnen ... keine Huren sind.


    Also ist jede Frau, die nackt auftritt, eine Hure?
    Alfred, ich bitte Dich...!
    :hello:

  • Ich bin der Auffassung, daß die Freiheit der Kunst stets als Vorwand für Vorgänge dienen, die mit Kunst im engeren und sogar weiteren Sinne ABSOLUT gar nichts zu tun haben. Die Nutzniesser lachen sich ins Fäustchen - das Publikum ärgert sich (oder- je nachdem : fällt darauf rein) und die Staatskassen werden geleert.
    Es war ja schon immer so, daß Kunst ihren Preis hatte -
    Allerdings hatten die Auftraggeber Ihre Freude daran.
    Eine Kunst, die aber von weiten Kreisen der Musik- und Kunstfreunde abgelehnt wird ist nicht schützenswert.
    Man hat es indes durch ein mediales Netzwerk zustandegebracht jeden, der Kritik an verbalhornenden Inszenierungen auch nur im Ansatz äußert im günstigsten Fall der Lächerlichkeit preiszugeben..


    Tamino hat seinen ursprünglichen Vorsatz , ein Bollwerk für "traditionelle Inszenierungen" zu sein auch nicht ganz einlösen können, einfach deshalb, weil die Traditionalisten - von Ausnahmen mal abgesehen - ehr nicht allzu schreibfreudig sind.


    Auch hier konnte ich Leute wie "Knusperhexe" nicht schützen - einfach weil er sich nicht schützen lassen wollte - er verließ frustriert das Forum.


    Im Gegensatz zu ihm sehe ich einiges etwas anders, ich halte es für nicht opportun mit erhobener Lanze gegen ein Regietheater Sturm zu laufen, dessen Anhänger längst in den Direktionsetagen daheim sind, beste Connections zum Medienwald haben und auf diese Weise "Geschmacksbildung" betreiben.


    Meine Strategie ist eine andere.
    Ich gehe davon aus, daß das Überleben von Theatern und Opernhäusern sehr von Subventionen abhängen wird, die eigentlich gar nicht mehr finanzierbar sein werden. Sollten hier leere Säle die Posten der Herren Direktoren ernstlich gefährden, so werden sie vermutlich irgendwann ihre "künstlerische Linie" dem Publikumsgeschmack anpassen - oder werden durch Direktoren mit anderen Leitbildern ersetzt werden.


    Manchmal frage ich mich ernstlich, ob die moderenen Regisseure nicht beabsichtigen die Kunstform Oper WISSENTLICH zu zerstören - oder ihrem angestammten Publikum madig zu machen.
    Auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen - Oper wurde stets von der "besseren Gesellschaft" besucht und finanziert - daran hat sich bis heute wenig geändert, bis auf die Tatsache vielleicht, daß heute in etlichen Schlüsselpositionen Leute sitzen, wo man in früherer Zeit abgestrittenhätte, so jemanden überhaupt zu kennen.
    Die derzeitige "Krise" - ich sehe sie eher als Cäsur-
    wird viele davon aus ihren Sätteln werfen - und dann werden die Karten neu gemischt.
    Und dann wird wieder GENAU festgelegt werden was ein Regisseur darf - und was NICHT.
    Womit wir beim Thema wären


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

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  • Zitat


    Also spielen wir die Sophokles-"Antigonae" nur im Zusammenhang mit einem Dionysos-Fest. Ich bin dafür. Aber es könnte welche geben, die dann "Pornographie" schreien.
    :hello:


    Dann müßte Alfred ja ein erbitterter Gegner von Jean-Pierre Ponnelle sein. Was bei dem so alles vorkam:
    - "Fliegender Holländer auf dem Dampfschiff, "Cardillac" in der Stummfilmzeit
    - Kostüme von Pet Halmen
    - Hinzufügungen von nackten Damen beispielsweise in der "Turandot"
    - diverse abgeschlagene Köpfe in der gleichen Oper
    - Darstellung Don Josés als brutaler Mörder, der den gefesselten Zuniga im zweiten Akt kurzerhand absticht...


    Und von Wieland Wagner wollen wir dann gar nicht erst anfangen!!!