Turandot Premiere, München, 3.12.2011

  • Wenn man bis vor einigen Jahren eine Führung durch das Münchner Nationaltheater machte, kam man auf der Seitenbühne immer an einem riesiegen Chinesenkopf vorbei, in den ein kleiner Balkon eingelassen war. Dieser Kopf stammte aus der 1999 zum letzten Mal gespielten Turandot-Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle von 1987. immer wieder wurde das Publikum mit der Aussicht auf eine Wiederaufnahme dieser beliebten Inszenierung vertröstet. - Vergeblich! und wie sehr hätte ich mir gewünscht, die Vorgänger-Produktion wäre wieder aufgenommen worden, denn dass, was heute Abend da über die Staatsopern-Bühne ging war, drastisch gesagt nichts als Schrott.
    Als beim Einlass ins Opernhaus, jedem Besucher eine 3D-Brille in die Hand gedrückt wurde, schwante mir bereits Böses. Die völlig abgewandelte Inhaltsangabe, welche die Staatsoper vor einigen Tagen veröffentlichte, hatte mich aber eigentlich schon vorgewarnt. Nun, die Handlung spielte im Jaht 2046 in einem China, das nach dem Niedergang des Euros zur Weltmacht aufgestiegen war. Die spanische Truppe La Fura dels Baus hatte etwas auf die Bühne gestellt,das die Bezeichnung "Inszenierung" gar nicht verdient. Die Sänger standen im wesentlichen den ganzen Abend ohne jegliche Interaktion an der Bühnenrampe und sagen, während ein gewaltiger Apparat aus Statisten, Seiltänzern, Eisläufern, Tänzern etc. etc.etc. alles tat, um möglichst von der Musik abzulenken. Irgendwas bewegte sich immer. Das Bühnenbild war eigentlich nur eine Projektionfläche im Hintergrund, auf die Eis, diverse Muster, der Himmel, Gesichter und die Skyline von Shanghai projiziert wurden. Irgendwas schwebte immer durch die Luft. Manchmal wurde ein Auge heruntergelassen, in dem dann Sänger, der Mandarin und was weiss ich noch alles darin auftraten. Die Kostüme waren eine schrille Mischung zwischen traditionell-chinesisch, pseudo-sexy, Cheerlearder-Uniform, futuristisch und Manga-Stil und zu jedem Zeitpunkt sehr schrill. Immer wieder wurde das Publlikum per Übertitelungsanlage aufgefordert, die 3D-Brillen aufzusetzen, was dann immer unter lautem störendem Geraschel passierte. Im zweiten Akt gab es dann wieder ein Totenschädelfeld wie in Macbeth, mit dem Unterschied, dass dieses nun fliegen konnte. Unter einem grossen Torbogen, auf den schmelzendes Eis projiziert wurde, gab es dann eine immerhin optisch ansprechende Rätselszene, aber wirklich Stimmung kam nie auf. Jede aufkommende Atmosphäre durch die Musik wurde im Ansatz zu Nichte gemacht.
    Liu wurde, anstelle sich umzubringen, auf einen Bambusstaab aufgespiesst und starb unter grössten Blutverlusten qualvoll. Der Trauerchor wurde gespielt, Turandot und Calaf schritten aufeinander zu - und aus war die Oper. Indendant Bachler hatte Zubin Mehta angeblich während der Proben wohl verboten, den einstudierten Alfano-Schluss zu spielen. Das bereute ich sehr, denn musikalisch war die Aufführung trotz allem eine Sternstunde.
    Das Orchester unter seinem berühmten ehemaligen GMD hätte besser gar nicht spielen können. Man spürte die jahrzehntelange Erfahrung, die Mehta mit dem Werk hat. Jede einzelne Note stimmte. Ein unglaubliches Meer an klangfarben zauberte Mehta aus dem Orchester - mit unglaublicher Präzision und Spannung. Wie schön wäre es doch mit Alfano-Schluss gewesen.... wie konnte man den nur weglassen.... :cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing::cursing:
    Auch der Chor (Einstudierung von Sören Eckhoff) sang heute Abed sensationell! Die Besetzung hat mir auch durchgehend sehr gut gefallen: Marco Berti, den ich im April an der Scala schon in dieser Rolle gesehn habe sang einen sehr guten Calaf. Mit schönen Timbre, strahlender Höhe und stimmlichen Glanz sang er durchgehend auf höchstem Niveau, nur dem Nessun Dorma fehlte vielleicht das gewisse Etwas. Mit ihrem wagnergestählten Sopran gefiel mir auch Jennifer Wilson sehr gut, auch wenn die Stimme in der Höhe etwas eng wurde. Leider hatte sie wegen des fehlenden Schlusses kaum die Möglichkeit irgend etwas von der Wandlung der eisigen Prinzessin zu verdeutlichen und sich zu stimmlich zu entfalten. Nach ihrem sansationellen Auftritt an der Scala sang Ekaterina Serbachenko einmal mehr eine wunderbare Liu, mit herrlichen Piani und einer mitreissenden Darstellung. Gut sangen Fabio Previati, Kevin Conners und Emanuele D'Aguanno das Ping-Pang-Pong-Trio, auch Ulrich Ress war ein ansprechender Kaiser. Im Rollstuhl mit orangenen Rädern trat Alexander Tsymbalyuk als alter Timur rollendeckend auf. Der Mandarino von Levente Molnar blieb hingegen blass.
    Musikalisch hat sich der Abend also voll gelohnt. Bis zum Jahr 2046 wird es diese Schrott-Priduktion sicher nicht aushalten. :D Ein weiterer Beweis dafür, wie schnell sich so ein Schmarrn selbst überholt. Wenn bereits Ende Dezember ein anderer Dirirgent übernimmt und die ersten Umbesetzungen stattfinden, gibt es keinen Grund mehr, sich diesen Zirkus ein weiteres Mal anzutun....


    Link zu meiner Besprechung zu Turandot an der Scala im April:
    Teatro alla Scala, Turandot, 13. April 2011


    Viele Grüsse & Gute Nacht
    :hello:

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Danke für dien Bericht Figarooo


    Da ich heute Abend arbeiten musste habe ich mir Turandot aufgenommen und war doch froh mir den ganzen Reigeschwachsinn nicht angetan haben zu müssen. Sängerisch fand ich gab es Licht und Schatten. Sehr gut fand ich das Dirigat von Zubin Metha und den Chor sowie die Liu von Ekaterina Serbachenko. Schwach die beiden Sänger der Titelpartien. Warum Marco Berti an allen großen Opernhäusern singen darf wird mir immer ein Rätsel bleiben. Die Höhen beim Ness un dorma traf er überhaupt nicht und Frau Wilson brüllte sich mehr recht als schlecht durch die Rolle. Ich frage mich nur so sehr ich Herrn Metha als Dirigenten schätze. warum er zugelassen hat das der Alfano Schluss nicht gespielt wird. Der Kritiker vom DLR bezeichnete diese Inszenierung jetzt schon als Ärgernis der Saison und eines Hauses wie der Bayerischen Staatsoper nicht würdig.

  • Nun, Berti fand ich nicht schlecht...Ich fand er hat eigentlich nur das Nessun Dorma verhauen. So viele Calafs gibt es ja nicht und zudem ist ja jetzt auch Salvatore Licitra gestorben, sodass es jetzt noch weniger gibt. Frau Wilson hatte ohne den Schluss kaum etwas zu singen, sodass ich sie kaum beurteilen kann...
    In den letzten Jahren ist es ja an der Staatsoper öfters vorgekommen, dass in die Musik eingegriffen wird: man denke an den Holländer, Fidelio, die selsam zusammen gestückelte Hoffmann-Fassung und jetzt eine Turandot ohne Ende!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Das schreibt die Bayerische Staatsoper heute morgen auf ihrer facebook-Seite:


    Zitat

    Jubel und Standing Ovations (und zwei einsame Buher) für die Neuinszenierung von TURANDOT!


    ?(?(

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Das schreibt die Bayerische Staatsoper heute morgen auf ihrer facebook-Seite:



    ?(?(


    Nun, Jubel hört sich anders an. Für die musikalische Seite war der Jubel ja vorhanden... Als die Fura auf die Bühne kam, gab es deutliche Buhs... Und es waren viel viel mehr als zwei :thumbsup::thumbsup::thumbsup:

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Es ist natürlich "ein alter Hut", dass Musikkritiker, angeblich Fachleute, die Dirigentenleistung wie z.B. bei dieser TURANDOT-Premiere völlig unterschiedlich, ja extrem gegensätzlich beurteilen.


    Über Mehtas Dirigat gibt es in der deutschen Presse "unkritischen" Jubel, aber auch vernichtende Zensuren (wie eine schlecht vorbereitete Repertoirevorstellung). Vermute küchenpsychologisch, dass hier nicht nur große Teile des Publikums, sondern auch einige Rezensenten indirekt Kritik an Mehtas Nachfolger, Kent Nagano, äußern. Der ist mit seinen analytischen Interpretationen das genaue Gegenteil von Mehtas undifferenziertem, volltönenden Klangrausch ("menschliches Metronom", "dirigierender Kühlschrank").


    Habe mich selbst ins Bockshorn jagen lassen, weil ich bei der Rundfunktübertragung einige Wackler, mangelnde Koordination zwischen Orchestergraben und Bühne bemerkte (unvorbereitete Repertoirevorstellung), aber bei diesem Jubel an mir selbst zweifelte.

  • Auf die Vorstellung habe ich mich sehr gefreut und würde mich gern hinsichtlich der Inszenierung dem oberen Autor "Figarooo" anschließen, was mich jedoch verwundert ist die Rezension über die Sänger. Calaf war aus meiner Sicht lediglich bemüht an diesem Abend, angestrend, was den Hörgenuss dann negativ beeinflusste. Bei der Turandot von Jennifer Wilson habe ich die mit dieser Rolle verknüpfte Drammatik vermisst. Auch war ihre nur kurz gehaltene Höhe relativ dünn; bei der Höhenlage des Parts der Turandot wäre es doch geboten gewesen, eine Sängerin zu engagieren, die eine satte Höhe hat. Die Liu hat dann fühl- und sichtbar vor allem in ihrer zweiten Arie ihre Stimmprobleme nicht mehr in Griff bekommen, als sie einen hohen Abschlusston einfach durch einen Ton eine Octave tiefer ersetzte. Das alles war sehr unbefriedigend. Da konnte auch Zubin Mehtas extraklassiges Dirigat nicht mehr helfen, denn man musste immer wieder mit den Mängeln der Sänger konfrontiert werden. Sehr schade.

  • Wie traurig! Die alte Ponnelle-Inszeneirung war mein erstes Opernerlebnis im Nationaltheater. Ich hatte eine Studentenkarte ergattert. Die wurden damals erst zehn Minuten vor Aufführungsbeginn veräußert. Dann hieß es Beine in die HAnd nehmen und den Platz einnehmen. Ich saß in der ersten Reihe, genau in der Mitte. Normal hätte die Karte weit über 100 Mark gekostet. ich hatte nur zehn Mark bezahlt und die Herrschaften links und rechts von mir freuten sich mit mir, obwohl sie alle für mich haben aufstehen müssen.



    Es war eine Trauminszenierung! Ponnelle hatte den gleichen Ansatz bei seiner Kölner Arbeit gewählt. Wie idiotisch diese gelungene Inszenierung für dieses Trash-TV-Spektakel zu verschrotten!!!!

  • Meine Lieblings Turandot Inszenierung ist die von Zeffirelli die ich mit Pavarotti als Calaf an der Met sehen durfte. Allein schon wenn man im zweiten Akt den detailgetreuen Kaiserpalast zu sehen bekommt und es kommt zu spontanem Zwischenapplaus von den Zuschauern, das ist Gänsehaut pur. Und dort gibt es den Alfano Schluss zu hören und nicht diese langweilige Berio Schlussfassung oder eine andere Notlösung..

  • Wie traurig! Die alte Ponnelle-Inszeneirung war mein erstes Opernerlebnis im Nationaltheater. Ich hatte eine Studentenkarte ergattert. Die wurden damals erst zehn Minuten vor Aufführungsbeginn veräußert. Dann hieß es Beine in die HAnd nehmen und den Platz einnehmen. Ich saß in der ersten Reihe, genau in der Mitte. Normal hätte die Karte weit über 100 Mark gekostet. ich hatte nur zehn Mark bezahlt und die Herrschaften links und rechts von mir freuten sich mit mir, obwohl sie alle für mich haben aufstehen müssen.



    Es war eine Trauminszenierung! Ponnelle hatte den gleichen Ansatz bei seiner Kölner Arbeit gewählt. Wie idiotisch diese gelungene Inszenierung für dieses Trash-TV-Spektakel zu verschrotten!!!!


    Hallo Knusperhexe! Du Glücklicher hast hast noch die Ponnelle-Turandot gesehn! Wow! Ich bhabe jahrelang auf eine Wiederaufnahme gewartet und immer wieder hiess es nächste Saison vielleicht. Und dann waren die Kostüme irgendwann im Kostümverkauf...Wie gerne hätte ich diese Inszenierung gesehn....
    Kannst du mir evtl von damals etwas berichten, wie das Bühnenbild ausserdem grossen Chinesenkopf in etwas aussah und wás es sonst noch zu sehen gab bei dieser Turandot?


    GregorAnton: Fandst du die Sänger wirklich so schlimm? Wie gesagt, ich habe Berti und Serbachenko bereits an der Scala gehört und fand Berti in München deutlich gesteigert? Frau Serbachenko hat in Milano wirklich grossartig gesungen, jetzt fand ich sie hingegen (darstellerisch) ein wenig blass, was ich aber der Übermacht Inszenierung zugeschrieben habe. Und Frau Wilson, hatte, wie gesagt, durch die Fragment-Fassung kaum noch entfaltungsmöglichkeiten. Im Prinzip nur die Rätselszene und der kurze Auftritt im dritten Akt....


    :hello:

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Also, ich meine, da wären zwei Köpfe gewesen - einer größer als der andere. und der größere mit dem Goldaufsatz kam erst im letzten Akt zum Einsatz. links und rechts davon führetn Treppen herab. Und der erste Prinz wurde von einem Gong, der von oben herabschnellte, enthauptet. Sehr farbenfroh war die Szene von Ping, Pang und Pong. Die sind ständig herumgesprungen. Die Kostüme waren allesamt sehr detailverliebt, Viel blau- und Goldtöne, teilweise durchsetzt mit Jadegrün. Die Msuik war sehr, sehr gewaltig. Ich war hin und weg. Das große Thema Bamm-Pam-Bamm-Zong;-) hat mich tagelang verfolgt und ich höre es noch jetzt im Ohr. In dem Buch "Die Kölner Oper unter Michael Hampe" findest Du vier Szenenfotos, die aussehen, als seien sie aus München. Tatsächlich hat Ponnelle bei uns wohl fast alles wiederholt. Ich habe die Kölner Inszenierung leider nie gesehen, erinnere mich aber, dass es einem Kritiker zu viel war, dass der Riesnkopf am Ende rote Tränen weinte. Das gab es in München nicht.

  • Ich kenne leider die Ponelle-Inszenierung nicht, kann mir aber nach alle dem, was ich von Ponelle gesehen habe, vorstellen, dass sie sehr prachtvoll war. Meine libste Inszenierung der Turandot ist die Inszenierung in der verbotenen Stadt in Peking - auch mit Zubin Metha als Dirigenten. Auch an eine Turandot auf der Bregenzer Seebühne in den 70er Jahren - es war meine erste Begegnung mit dieser - erinnere ich mich sehr gerne. Nicht schlecht fand ich auch die Inszenierung aus Valecia. Die Maschinenkomödie aus München werde ich nicht einschalten, sollte sie einmal im Fernsehen gezeigt werden.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Leider war ich am Samstag, eine Woche nach der Premiere in der Folge-Aufführung.


    Um es kurz zu machen: Ich war am Ende insgesamt von allem enttäuscht. Die Inszenierung ist regelrechter Unsinn - hier findet kein Drama statt. Natürlich ist es nicht leicht, diese insgesamt statische Handlung dieser Oper umzusetzen. Aber ein zusammenhangloses Geturne, schlechte 3D-Effekte (die sowieso nicht von allen Plätzen aus wirken), Eiskunstläufer, etc., etc. bieten einen visuellen Overkill, der sich neben der Musik abspielt.


    Musikalisch schade, dass das Alfano-Ende nicht stattfand. Obwohl immer wieder kritisiert, gehört es für mich einfach dazu (Hörgewohnheit). Mehta schließt mit einer Art Requiem ab, der Verklärung der Liu, auf einem Bambusspießchen.


    Dass Mehta nach Calafs Arie den Konzertschluss wählt, ist nur noch anbiedernd. Leider braucht der Tenor, der insgesamt nur eintönig forte drückend die Partie bewältigt, diese Hilfsmaßnahme, damit der Applaus auch wirklich einsetzt. Peinlich!


    Turandot ist passabel gesungen, jedoch ohne Erotik, ohne wirkliche Kälte. Die lichten Momente in der Aufführung kommen dann zustande, wenn Liu singt. Dann kehrt auch auf der Bühne etwas Ruhe ein und man kann endlich mal die Musik genießen. Beim Minister-Trio kommt leider, auch musikalisch, keine Spannung auf.


    Der Chor verrichtet seine Aufgabe prächtig. Aber alles in allem: Das ist wahrlich zuwenig für München.


    Weil die Ponnelle-Inszenierung angesprochen wurde: Diese wurde seinerzeit in den Münchner Medien auch teilweise verrissen. Ich fand sie großartig. Und Giuseppe Patané (dort bei Turandot eine Aufführung später am Pult verstorben!), machte in meinen Ohren einen besseren Job als Mehta.


    Im übrigen gab es vor ein paar Wochen im "Provinz-Theater" Regensburg ebenfalls eine neue Turandot. Und die war in allen Belangen besser als die Münchner!

  • Ich bin froh, Ciociosan, dass du diese Inszenierung so ähnlich wie ich beurteilst. Gut zu hören, dass ausser mit noch andere den Alfano-Schluss vermisst haben....

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Wer gestern die WDR-Sendung gesehen hat: "Die Oper und ihr Publikum: Klatschen, Buhen, Schlafen"


    Wer geht eigentlich in die Oper - und warum ?


    dem ist vielleicht am Ende der Sendung zum Thema "Buh-Rufe gegen die Regie" ein Satz des Münchner Intendanten Nikolaus Bachler aufgefallen, der [sinngemäß] ungefähr so lautete:


    "Wir sind keine Dienstleistungsgesellschaft. Wir machen die Oper nicht fürs Publikum. Der Künstler liefert sein Werk, und der Zuschauer hat sich darauf einzustellen."


    Bei soviel Arroganz dem zahlenden Kunden gegenüber geht einem das Messer in der Tasche auf!


    LG


    ?(

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • "Wir sind keine Dienstleistungsgesellschaft. Wir machen die Oper nicht fürs Publikum. Der Künstler liefert sein Werk, und der Zuschauer hat sich darauf einzustellen."


    Hallo, Harald
    Da ich die Sendung nicht gesehen habe, bin ich dankbar für diese Info. Es bestätigt mir, daß ich mit meinen Meinungen und meinen Äußerungen im "Regie- Thread" richtig liege. Und ich grüße besonders alle meine "Brüder im Geiste" hier im Forum, mit denen ich mich auf einer Wellenlänge herzlich verbunden fühle.
    Was glauben denn eigentlich diese arroganten und bornierten Dilettanten und Verunstalter, äh... Entschuldigung, ich meine natürlich "Künstler", wer ihnen ihre finanziell/wirtschaftliche Existenz ermöglicht!!! Da kann einem doch nicht nur ein Messer in der Tasche aufgehen...
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...


  • Herr Bachler irrt. Er vergisst in seiner Arroganz, dass die Werke dieser "Künstler" mit öffentlichen Mitteln (Steuergelder) finanziert werden und deshalb er die Aufgabe hat mit diesen Mitteln verantwortungsvoll umzugehen....Wenn man wie im entsprechenden Threat das Künstlersein des Regisseurs in Frage stellt, würde das diesbezüglich viele Probleme lösen, da er sich dann auch nicht mehr auf die Freiheit der Kunst berufen kann...

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Ich habe die Sendung gesehen. Mir ist dieser Satz auch aufgefallen. Herr Bachler hat ja sooo recht, denn die Künstler liefern ja wirklich die Werke und die Zuschauer stellen sich gerne darauf ein. Aber die Künstler, die das Werk geliefert haben, sind der Librettist und der Komponist und nicht irgend ein Dilettant, der diese Werke verunstaltet. Wenn Herr Bachler seine Worte beherzigt und die echten Werke der Autoren liefert, kommen wir gerne wieder in die Oper.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Herr Bachler steht mit seiner Meinung bekanntlich nicht allein. Ich habe von mehreren Opernregisseuren und solchen, die sich dafür halten, gehört, dass sie das Publikum überhaupt nicht interessiert. Aber sie lassen sich gern von ihm aushalten und beißen frechin die Hand, die sie füttert. Ich lasse mich nicht gern beißen (das besorgt allenfalls mal aus Versehen mein Kater), denn ich habe nicht die geringste Neigung zum Masochismus. Ich gehe einfach nicht mehr hin. Seit ich das erkannt habe für mich, interessiert mich Theater nicht mehr. Und ich lebe gut damit.


    Kontroverse Inszenierungen sollen, müssen sein, bitte schön. Inzwischen sind Aufführungen aber nicht einmal mehr kontrovers, denn das würde ja Macher voraussetzen, die etwas verstehen von Kunst oder zumindest die Stücke kennen. Ich habe den Eindruck, als würde nach der Inhaltsangabe eines schlichten Opernführers inszeniert. Und das in München! Igitt! Was ist nur mit den Bayern los? Sie lassen sich nichts am Zeuge flicken wenn es um Tradition geht, um Bier, Weißwürste, Haxen und Lederhosen. Dafür schätze ich sie. Aber sie lassen sich Herrn Bachler gefallen. :thumbdown:


    Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Ich fand heute endlich einmal die Zeit die Auftrittsarie der Turandot und die Rätzelszene aus München 2011 zu hören und man muß schon sehr starke Nerven haben oder den Hang zum Sadomaso um sich dieses, ich weiß gar nicht als was ich das bezeichnen soll, was mir da um die Ohren gesun..worden ist, ertragen zu können.
    Es glich einer Zumutung.
    Frau Wilsen sang stellenweise nicht mehr sondern fing an mit ihrer dünner Stimme zu schreien oder war es ein kreischen, zumindest war es alles andere als angenehm.
    Eine bekannte Sängerin prägte einmal den Satz: Never sing louder than beautiful.
    Dieses schien aber sowohl an Frau Wilson wie auch an Herrn Berti sang und klanglos vorrüber gerauscht zu sein.
    Unbegreiflich wie man diese zwei Sänger für diese Oper verflichten konnte.
    An diesem Abend hätte man sich gewünscht Puccini wäre schon gestorben bevor er die Auftrittsarie der Turandot hätte komponieren können.

  • Herr Bachler steht mit seiner Meinung bekanntlich nicht allein. Ich habe von mehreren Opernregisseuren und solchen, die sich dafür halten, gehört, dass sie das Publikum überhaupt nicht interessiert. Aber sie lassen sich gern von ihm aushalten und beißen frechin die Hand, die sie füttert. Ich lasse mich nicht gern beißen (das besorgt allenfalls mal aus Versehen mein Kater), denn ich habe nicht die geringste Neigung zum Masochismus. Ich gehe einfach nicht mehr hin. Seit ich das erkannt habe für mich, interessiert mich Theater nicht mehr. Und ich lebe gut damit.


    Martin Kusej - einer der größten Opernfeinde überhaupt - hat einmal gesagt: "Das Publikum ist immer mein Feind."


    Und trotzdem - oder gerade deshalb - gibt es Intendanten, die ihn verpflichten. Was ist das denn für eine Mafia? Zum Kot......


    Viele Grüße von La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.