AMADEUS - Der Film

  • Zitat

    Original von GalloNero
    den Film angesehen zu haben. Warum? Wie viele stellte ich die Glaubwürdigkeit in Frage. Ist das alles so gewesen? Hat mir der Film ein falsches Bild gegeben, dass ich nur schwer wieder aus dem Kopf bekommen würde?


    Ich habe den Film ewig nicht mehr gesehen, daher mag manches aus der Erinnerung ungenau sein. Es ist kein schlechter Film, aber man muß sihc vor Augen halten, dass er historisch etwas so korrekt ist wie Costners Robin Hood. Viele Zuschauer halten die Fiktion im Falle von Amadeus aber für historisch zuverlässig, daher ist mein Verhältnis zu dem Film, untertrieben gesagt, gespalten. Ich müßte ihn wohl wieder ansehen, um fair urteilen zu
    können.



    Das wurde ja fast alles beantwortet. Die beiden wesentlichen Kandidaten für Mozarts tödliche Erkrankung scheinen ein rheumatisches Fieber oder eine Folgeerkrankung (evtl. in Kombination mit der erwähnten Quecksilberbehandlung) einer Syphilisinfektion zu sein (ich tendiere zur ersten Möglichkeit, habe aber das Buch dieses Mathematikers, der kürzlich wieder die zweite stark gemacht hat, nicht gelesen)
    Mozart hatte wohl einen skurrilen Humor, in dem Fäkalausdrücke und Wortspiele ein zentrale Rolle spielten; das scheint aber teils ein familieninternes Spiel gewesen zu sein und lange nicht so außergewöhnlich wie es mitunter dargestellt wird, der Viktorianismus bezüglich gewisser Körperfunktionen war dem 18. Jhd.s noch fremd.
    (Ullis kürzliche Signatur finde ich z.B. großartig: "Das ist der dümmste Brief, den ich je geschrieben habe, aber für Sie ist er gerade recht"...)


    Zitat


    Eine Abschließende Frage sei mir allerdings gestattet. Nicht nur hier wird angeprangert, der Film stelle Salieri als Mörder Mozarts dar. Ist das tatsächlich so? Er ermunterte ihn (im Film) das Requiem zu vervollständigen. Er tat dies wohl wissend, dass er hieran zugrunde gehen würde. Wenn man dies als Mord definiert – OK. Von Gift habe ich aber nichts mitbekommen. Oder hab ich da was verpennt?


    Das Stück von Shaffer, auf dem der Film basiert, beruht auf dem kurzen Einakter von Alexander Puschkin "Mozart und Salieri". Dort fungieren die beiden nur als Prototypen, um den Kontrast zwischen einem letzlich mittelmäßigen Arbeitstier wie Salieri und dem unverdient genialen Mozart darzustellen und es endet damit, dass Salieri Mozart Gift in den Becher tropft. Diese Darstellung war auch von Puschkin nicht als historisch gedacht, er griff nur die bestehende Legende auf. Salieri hat mit Mozarts Tod ncihts zu tun, er war auch nicht anwesend zum Diktat; ihr Verhältnis war nicht haßerfüllt, sondern wohl zwischen Kollegialität und professioneller Konkurrenz angesiedelt. Auch wenn Salieri Mozart z.B. mit "Prima la Musica" ausgestochen hatte, so war Mozart mit anderen Opern durchaus erfolgreich und in der (allerding weniger lukrativen) Instrumentalmusik war Salieri überhaupt keine Konkurrenz für ihn.
    Die unverdiente Genialität eines albernen, notgeilen Spinners ist natürlich weitestgehend Klischee. Mozart hatte bekanntlich eine hervorragende Ausbildung bei seinem Vater genossen, nach allem was wir wissen, war er ein Arbeitstier und Haydn, der es ja wohl beurteilen konnte, attestiert ihm die "größte Compositionswissenschaft", nicht "unverdientes Genie". Mag bei Mozart Genie nicht wie Einstein sagt 1% "inspiration" und 99% "perspiration", sondern vielleicht 30-70 gewesen sein, so wissen wir inzwischen (da können Ulli u.a. sicher genaueres sagen), dass Mozart, besonders in seiner späteren Zeit durchaus Skizzen anfertigte. Die Briefstellen, an denen er sagt, komponiert sei alles schon, es müsse nur noch hingeschrieben werden, sind wohl nicht so zu verstehen, dass er alles im Kopf machte, sondern dass "schreiben" bei ihm eher "instrumentieren einer in den Hauptstimmen und der Struktur fertigen und auch schriftlich vorliegenden Komposition" bedeutet. All dies schmälert Mozarts unglaubliche Leistungen natürlich nur, wenn man eine völlig übertriebene und historisch falsche Idee von Kunst als genialer Inspiration hat.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo!


    Hat wer von Euch eine Ahnung, wo dieser Film gedreht wurde? Zuerst dachte ich wegen den Arkaden und der einen Gasse, die oft in Szenen vorkommen wenn Leute zu Mozarts Wohnung eilen, es handle sich um Feldkirch in Vorarlberg oder Brünn.


    Aber als ich dann las, dass der Film in den frühen 80ern gedreht wurde, ließ ich die Idee mit Brünn wieder fallen - weil sowas hätten die Kommunisten nie erlaubt - deshalb drehte man ja viele in Ungarn/CSSR spielende Filme in Österreich und nicht dort.


    Vielleicht wird das auf einer der DVDs erwähnt.


    Grüße,
    Andi

  • In Prag!


    Die Stadt verfügt über eine weitgehend erhaltene, durch den 2. Weltkrieg nicht zerstörte, historische Bausubstanz.

  • Hallo Fuchur,


    Ich habe die DVD Amadeus Director's Cut (im englischen Original). Dort gibt auch ein anschließendes Special "The Making of" mit sehr netten Anekdoten vom Filmdreh, u.a. der Dreh der Szenen im Ständetheater in Prag mit den vielen Kerzen und teilweisen maroden Gasleitungen (!!!). Der Darsteller des Don Giovanni fing auch noch teilweise an zu brennen, weil die Feder seines Hutes in eine Kerze geraten ist.


    Viele Grüße,
    Susanne

  • Es ist gar nicht so einfach, mich in ein Kino hineinzubekommen. Aber ich bekenne, daß ich den Film "Amadeus" sechsmal im Kino gesehen habe, so oft wie keinen anderen der wenigen Filme, die ich mir überhaupt jemals angetan habe! Auf den Gedanken, hier werde historisch getreu dargestellt, bin ich dabei allerdings nicht gekommen. Für mich war einfach dauernd der Geist spürbar, daß man dem Genie Mozart nähergebracht werde - und das habe ich jedesmal als ein herrliches Erlebnis empfunden. Die musikalische Auswahl ist exquisit, auch interpretatorisch (nach meinem Geschmack jedenfalls). Alle Schattierungen des Lebens kommen zur Sprache, auch eben die, die mancher für unvereinbar mit der Größe Mozarts hält - und ihm gerade dadurch, ohne es zu wollen, Größe benimmt; so sehe ich es zumindest.


    Der Film endet mit dem 2. Satz des Klavierkonzerts d-moll KV466, gespielt von Imogen Cooper. Diese sensible Aufnahme habe ich in kompletter Form seither vergebens zu kaufen gesucht. Kurz nachdem ich den Film wiederholt besucht hatte und ich diese Interpretation nicht mehr aus dem Sinn bekam, gab es nur noch Alfred Brendels Aufnahme aus demselben Hause zu kaufen. Bei aller Wertschätzung (und aufrichtiger Bewunderung, wenn es um Schubert geht) - seine Mozart-Interpretationen haben nur meine Ratio, nicht aber meine Seele erreicht. Das war bei Imogen Cooper anders... Und deswegen bedaure ich noch heute, die Aufnahme mit ihr nur als Bruchstück zu haben.


    Als ich einmal in London war, sah ich ein Bild von ihr im Eingangs-Korridor der Wigmore Hall hängen. Es paßte zu dem Klang, den ich noch immer in den Ohren hatte... Auch war zu der Zeit ein Konzert mit ihr angekündigt. Doch dieses wurde wegen Erkrankung abgesagt. Schade, manche Dinge scheinen einfach nicht sein zu sollen.


    Nein, auf den Mozart-Film lasse ich nichts kommen.


    Und nun übe ich wieder meine


    Lagenwechsel

  • Hallo Alfred, Hallo Johannes,
    ich möchte Euch von meiner Frau Grüßen. Sie ist sonst nicht immer erfreut, wenn ich stundenlang im Tamino Forum hänge. Aber diesmal möchten wir beide unseren Dank aussprechen, für die wertvollen Informationen. Saßen wir am Ende des Films doch beide etwas ratlos und voller Zweifel vor dem Fernsehr. Unser Dank geht natürlcih auch an alle anderen Beitragenden in diesem und anderen sehr informativen Mozartthreads im Tamino-Klassikforum. :jubel:


    Ich hab nun fast alle Thrads durch und stelle fest - Film und Forum haben mein Interesse am Menschen Mozart und seiner Musik gweckt. Ich werde das Pferd aber vermutlich von hinten aufzäumen und mit dem Requiem beginnen. Mir schwebt da die Harnoncourt Aufnahe vor. Vielleicht möcht hierzu ja ein Mozart-Experte einen Thread beginnen. Ich konnte keinen finden.


    Liebe Herzliche Grüße
    Euer Gallo

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

  • Salut,



    Zitat

    Original von GalloNero


    Konnte er sich tatsächlich nicht einmal bei Hofe benehmen?


    Mit ziemlicher Sicherheit konnte er und tat es auch. Schließlich hatte der Vater ihn diesbezüglich an der Leine gehabt.


    Zitat

    War Salieri wirklich so dermaßen hasserfüllt?


    Möglich. Wenn, dann beruhte es auf Gegenseitigkeit - eher Anerkennung als Hass. Mozart pflgete eher einen freundschaftlichen Kontakt zu Maestro Salieri:


    Gestern Donnerstag den 13:ten ist Hofer mit mir hinaus zum Carl, wir speisten daraus, dann fuhren wir herein, um 6 Uhr hohlte ich Salieri und die Cavalieri mit den Wagen ab, unt führte sie in die Loge [...] Man hörte sich die Zauberflöte an.


    Zitat


    War der Mann hinter der Maske tatsächlich der Mann hinter der Maske?


    Der Mann war vermutlich ein Kanzlist von Graf Wlaseggs Wiener Rechtsanwalt Johann Nepomuk Sortschan. Die "Maske" wird es als solche kaum gegeben haben - lediglich ein Symbol für Anonymität.


    Zitat

    Gab es den Mann mit der Maske wirklich?


    s.o.


    Zitat

    Woran ist Mozart gestorben?


    Lies Köppens Buch "Mozarts Tod" und bild Dir Deine Meinung.


    Zitat

    Diktierte er tatsächlich dem Widersacher Salieri?


    Nein. Angeblich soll er Franz Xaver Süßmayr [1766-1803] Instruktionen gegeben haben - so berichtet er jedenfalls selbst. Diese Anekdote wurde zum Anlass für folgendes Bild genommen:



    Dr. phil. Erich Duda schrieb mir einst zu diesem Bild:


    Es handelt sich um eine Lithographie, die im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufbewahrt wird, aber auch in vielen Drucken existiert. Das Original wurde von Friedrich Leybold (nach Franz Schamms) angefertigt und im Jahr 1857 vom Österreichischen Kunstverein angekauft. Da es lange nach dem Tod Suessmayrs entstanden ist, kann man davon ausgehen, dass es nicht dessen tatsächliches Aussehen zu Lebzeiten wiedergibt.


    :hello:


    Cordialement
    Ulli

  • Zitat

    Original von GalloNero


    Eine Abschließende Frage sei mir allerdings gestattet. Nicht nur hier wird angeprangert, der Film stelle Salieri als Mörder Mozarts dar. Ist das tatsächlich so? Er ermunterte ihn (im Film) das Requiem zu vervollständigen. Er tat dies wohl wissend, dass er hieran zugrunde gehen würde. Wenn man dies als Mord definiert – OK. Von Gift habe ich aber nichts mitbekommen. Oder hab ich da was verpennt?


    Salut,


    nein, Du hast nichts verpennt. Im Film wird die Mord-Theorie so ausgedrückt, wie Du es formulierst. Diese Art des Umgangs mit der Theorie finde ich - wenn sie auch nicht nachweisbar der Wahrheit entspricht - sehr ansprechend, wenn auch unwahrscheinlich. "Gift" kann man auch durch Worte versprühen... daran ist schon so mancher gestorben.


    :hello:


    Cordialement
    Ulli

  • Hallo Ulli,
    ich danke Dir für Deine Ausführungen. Und wenn ich jetzt zurückdenke, was ich in der kurzen Zeit, seit ich den Film sah, über Mozart erfahren habe, dann empfinde ich doch sehr große Dankbarkeit. Dem Machwerk gegenüber, weil es mein Interesse weckte, aber auch gegenüber dem Tamino-Forum, für die unendliche Vielfallt an Informationen. Der Film weckte mein Interesse an der Person Mozart und musikalisch zunächst das Interesse am Requiem. Das Requiem weckte mein interesse an der Musik Mozarts im Allgemeinen. Über beides, die Person und die Musik, erfahre ich hier unendlich viel. Zwischenzeitlich sind es schon 4 Werke die ich liebe.


    Das Requiem.
    Die Klavierkonzerte 21 und 27.
    Und seit gestern die Zauberflöte.


    Dennoch bleibt mir noch vieles unerschlossen. Zu leicht, zu süsslich, zu lieblich...


    Aber ich bin guter Dinge und spüre, dass es sich lohnen wird, drann zu bleiben.!


    Den Film sehe ich zwischenzeitlich auch mit anderen Augen. Das geniale an dem Film ist die Tatsache, dass hier eigentlich garnicht versucht wird das Leben des W.A. Mozarts zu rekonstruieren. Was hier auf Zelluloid gebracht wird, ist die Geschichte, die Salieri einem Geistlichen erzählt. Nicht mehr und nicht weniger. Oder liege ich da falsch?


    Wie gut diese Ausagen des Herrn Salieri überliefert sind und wie genau diese im Film umgesetzt wurden kann ich nicht beurteilen, aber vieleicht unser Mozart-Experten?


    Liebe herzliche Grüße
    Gallo

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

  • Hallo Gallo,


    schön, dass Mozart einen neuen Freund gefunden hat. =)


    Zitat

    Original von GalloNero
    Dennoch bleibt mir noch vieles unerschlossen. Zu leicht, zu süsslich, zu lieblich...


    Mozart ist keineswegs immer süßlich, lieblich und leicht - das wirst Du im Requiem bereits bemerkt haben. Interessant, dass sich jemand quasi "von Hinten nach Vorne" durcharbeitet, also von den letzten Werken zu den früheren. Die Art und Weise ist ja egal. Wenn Dir das Requiem so zusagt, solltest Du an der großen Messe c-moll nicht vorbeigehen - die Krönungsmesse ist nichts dagegen, die kennst Du ja auch bereits. Etwas weniger lieblich sind da z.B. das Quartett KV 421, das Quintett KV 516 und die letzten vier großen Sinfonien KV 504, 543, 550 und 551.


    Zitat


    Aber ich bin guter Dinge und spüre, dass es sich lohnen wird, drann zu bleiben.!


    Ich wünsche Dir viel Spaß bei Deiner Entdeckungsreise.


    Zitat

    Den Film sehe ich zwischenzeitlich auch mit anderen Augen. Das geniale an dem Film ist die Tatsache, dass hier eigentlich garnicht versucht wird das Leben des W.A. Mozarts zu rekonstruieren. Was hier auf Zelluloid gebracht wird, ist die Geschichte, die Salieri einem Geistlichen erzählt. Nicht mehr und nicht weniger. Oder liege ich da falsch?


    Wie gut diese Ausagen des Herrn Salieri überliefert sind und wie genau diese im Film umgesetzt wurden kann ich nicht beurteilen, aber vieleicht unser Mozart-Experten?


    Der Film hält sich mehr als nur grob an die überlieferten Aussagen. Wenn Du diesen Link verfolgst, erfährst Du [von mir] eine kleine Zusammenstellung - nicht erschöpfend - über die "Wahrheiten" und "Unwahrheiten" des Filmes.


    Den Rahmen des Filmes bildet tatsächlich der Bericht Salieris an den Geistlichen. Das finde ich auch ganz gut gemacht so - es hätte natürlich auch da Ponte oder Schikaneder sein können, die berichten. Aber der Figur des Salieri haftet schon etwas mehr Mythos an - durch die überlieferten Gerüchte, so war diese Figur gerade dazu prädestiniert.


    Empfehlenswert ist es übrigens, im Vergleich zu Mozart auch bei Gelegenheit einmal ein paar ausgewählte Kompositionen Salieris anzuhören.


    Cordialement
    Ulli

  • Salut,


    an dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass die ARD am Mittwoch, den 01. Februar 2006 um 20.15 h einen brandneuen Mozartspielfilm ausstrahlen wird:


    Mozart - ich hätte München Ehre gemacht


    Ausschnitte gab es in diversen Mythos-Mozart-Reportagen bereits zu sehen, es scheint recht interessant zu werden, obwohl ich auch in diesen kurzen Ausschnitten bereits wieder "Fehler" entdeckt habe: So hat irgendwer diesmal bei der Uraufführung des Idomeneo [der Film behandelt Mozart und München] den Aussprüch: "Zu viele Noten, lieber Mozart..." gemacht. Der Ausspruch stammt aber von Joseph II - und der war zu dieser Zeit nicht in München.


    :hello:


    Ulli

  • Ulli,


    bewirb dich doch einfach mal bei zukünftigen Mozart-
    verfilmungen als Experte. Nur solltest du dich dann
    trotzdem ein wenig zurückhalten, sonst sind die
    bald zu genervt.


    :baeh01:

    "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • Ich habe mir ja jetzt die schöne "Directors Cut Doppel-DVD" (9,99 bei Hgendubel) gekauft, bilde mir allerdings ein, eine Szene (oder zwei) zu vermissen (Mozart springt infantil durch Gebüsche in einem Park und eine Verführungsszene am Klavier).


    Kann mich jemand aufklären, wie sich der "Directors Cut" von einer früheren Fassung unterscheidet?


    Der größte Spaß ist für mich die Szene, in der von der keifenden Schwiegermutter in die Arie der Königin der Nachtübergeblendet wird...


    :D

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard


    Der größte Spaß ist für mich die Szene, in der von der keifenden Schwiegermutter in die Arie der Königin der Nachtübergeblendet wird...


    :D


    Das ist wirklich die filmisch beste Szene...


    :jubel:


    Zitat

    Original von SMOB


    Ulli,


    bewirb dich doch einfach mal bei zukünftigen Mozart-
    verfilmungen als Experte. Nur solltest du dich dann
    trotzdem ein wenig zurückhalten, sonst sind die
    bald zu genervt. :baeh01:


    i r g e n d w a n n


    einmal werde ich meinen eigenen Mozart-Film so drehen, wie er für mich sein muss...


    :hello:


    Cordialement
    Ulli

  • hallo,


    ich muss es ganz klar formulieren: der film 'amadeus' ist einer der besten seiner art. er gehört zu den filmen, die ich am häufigsten hintereinander sah. das alles nicht den tatsachen entspricht, ist hier sekundär. es handelt sich ja wohl auch um die verfilmung eines theaterstückes. wie auch immer, die schauspielerischen leistungen sind grandios, ganz vorne weg f. murray abraham ! regelrechtes kammerspiel mit starker besetzung auch der nebenrollen. atemberaubende kameraführung und exzellente wahl der mozartschen themen, welche wie die 'faust aufs auge' zu den szenen passen. desto häufiger man den film sieht, desto mehr details fallen ins auge.


    gruß, siamak

    Siamak

  • Hallo, Siamak!


    Zitat

    der film 'amadeus' ist einer der besten seiner art. das alles nicht den tatsachen entspricht, ist hier sekundär. es handelt sich ja wohl auch um die verfilmung eines theaterstückes. wie auch immer, die schauspielerischen leistungen sind grandios, ganz vorne weg f. murray abraham ! regelrechtes kammerspiel mit starker besetzung auch der nebenrollen. atemberaubende kameraführung und exzellente wahl der mozartschen themen, welche wie die 'faust aufs auge' zu den szenen passen. desto häufiger man den film sieht, desto mehr details fallen ins auge.


    Ganz genau so sehe ich den Film auch - ein besonderes Film-Kunstwerk, das man nicht mit einem Dokumentarfilm verwechseln darf.
    Der Film hat seinerzeit ja eine Mozart-Popularitäts-Welle ausgelöst. Prominentestes Opfer: Olof Palme, der auf dem Weg zum Kino erschossen wurde. 8o
    Im Zuge des ausgelösten Mozart-Hype ist ja auch Falcos "Rock me Amadeus" entstanden. Über die Musik sind sich hier wahrscheinlich alle einig ( :kotz: ), aber der Clip ist schon irgendwie "cool".


    Ich glaub, ich geh jetzt schlafen...


    Gute Nacht,
    Pius.

  • Ist ein bisschen offthread, aber ich würde es trotzdem gerne wissen.


    Zitat

    Der Film hat seinerzeit ja eine Mozart-Popularitäts-Welle ausgelöst. Prominentestes Opfer: Olof Palme, der auf dem Weg zum Kino erschossen wurde. geschockt


    Meines Wissens ist der Mordfall nicht aufgeklärt worden. Wo ist der Zusammenhang zu dem Film? Hat Polme an der falschen Stelle gelacht oder nicht gelacht oder gesagt, dass Beethoven doch besser ist?

    "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • Zitat

    Original von SMOB
    Ist ein bisschen offthread, aber ich würde es trotzdem gerne wissen.



    Meines Wissens ist der Mordfall nicht aufgeklärt worden. Wo ist der Zusammenhang zu dem Film? Hat Polme an der falschen Stelle gelacht oder nicht gelacht oder gesagt, dass Beethoven doch besser ist?


    :hello:

  • Zitat

    Am 28. Februar 1986 nach 23 Uhr wurde Olof Palme im Alter von 59 Jahren an der Ecke Sveavägen/Tunnelgatan in der Innenstadt von Stockholm ermordet. Er war mit seiner Frau Lisbet ohne Polizeischutz nach einem Kinobesuch („Bröderna Mozart“ [die Brüder Mozart] von Suzanne Osten) auf dem Heimweg, als er aus nächster Nähe erschossen wurde. Obwohl er sehr schnell in ein Krankenhaus gebracht wurde, starb Palme dort kurz vor Mitternacht. Seine Frau erlitt leichte Verletzungen. Am Tatort erinnert eine Gedenktafel an den Mord.


    Steht auf deiner Lieblingsseite http://www.wikipedia.org :D

    "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • Hallo!


    Tut mir leid, das hatte ich falsch in Erinnerung. Vor Jahren hatte ich darüber gelesen, aber inzwischen ist in meinem Kopf aus "nach dem Kino" ein "vor dem Kino" geworden und aus dem einen Mozartfilm ein anderer (wobei der eine möglicherweise vom anderen inspiriert wurde). :wacky:


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Ich habe mir ja jetzt die schöne "Directors Cut Doppel-DVD" (9,99 bei Hgendubel) gekauft, bilde mir allerdings ein, eine Szene (oder zwei) zu vermissen (Mozart springt infantil durch Gebüsche in einem Park und eine Verführungsszene am Klavier).


    Kann mich jemand aufklären, wie sich der "Directors Cut" von einer früheren Fassung unterscheidet? ...


    Hallo Thomas!


    Die Antwort kommt wohl leider ein Jahr zu spät, aber ich bin neu im Forum und habe diesen Thread erst jetzt entdeckt. Ich glaube, die Szene, die du vermisst, stammt aus dem Film "Vergesst Mozart".


    Zu deiner zweiten Frage:
    Der Director's Cut enthält 20 Minuten zusätzliches Material:

    • Die Szene, in der Salieri Constanze klar macht, dass er gewisse Gegenleistungen von ihr erwartet, wenn er Mozart für die Stelle bei Hofe empfehlen soll
    • Die Szene, in der Constanze eben jene erbringt
    • Mozarts 'Job' als Klavierlehrer für adelige Köter :D
    • Die Szene in der Mozart das Herrchen derselben um Geld angeht (findet noch jemand, dass Mozart in dieser Szene aussieht wie Bob Geldorf!?)
    • Der Film wurde für den Director's Cut komplett neu synchronisiert, da der Sprecher des Salieri zwischenzeitlich verstorben war


    Übrigens: sämtliche Ausstrahlungen des Films im letzten Jahr (und das waren einige) wurden als "Director's Cut" angekündigt, gezeigt wurde aber immer die alte TV-Fassung in hundsmiserabler Bild- und Tonqualität!)


    Ich teile die hier verbreitete Auffassung, dass die historischen Ungenauigkeiten verzeihbar sind. Unverzeihbar hingegen ist die Tatsache, dass trotz der Neusynchronisation die deutschen Opern nicht aus dem Englischen zurückübersetzt wurden und dass, anstatt Synchronisationsfehler zu beheben, zusätzliche eingebaut wurden :motz: :no:


    So geschehen in der "Schlüsselszene" des Films: Das Requiem-Diktat.


    Allein in den 4 Minuten zwischen 2:31:00 und 2:35:00 stecken 6 musikalische Peinlichkeiten.


    Ich könnte diese natürlich jetzt auflisten, aber hier wird doch so gerne gerätselt!!
    :D


    Viel Spass und liebe Grüße vom Violoncellchen!

  • Zitat

    Original von Violoncellchen
    Die Antwort kommt wohl leider ein Jahr zu spät, aber ich bin neu im Forum und habe diesen Thread erst jetzt entdeckt. Ich glaube, die Szene, die du vermisst, stammt aus dem Film "Vergesst Mozart".


    Ah! Vielen Dank, Cellisicellchen, da muß ich doch mal nach jenem Film forschen!


    Und wenn ich dran denke, werd ich auch mal die nächsten Tage auf Dein Rätsel anspringen...


    Gruß,
    "TB" aka Markus

  • Salü,


    ich komme gerade von einer freiluftenen Aufführung von Peter Sheffers Theaterstück "Amadeus" aus dem Innenhof des Ettlinger Schlosses. Die 22 Euro teure Darbietung war sehr gelungen und kurzweilig. Allerdings kamen mir einige Zweifel, ob das Stück tatsächlich das Original von Sheffer war?


    Jedenfalls kam es mir eher so vor, dass


    a) Forman lediglich bei einer Theateraufführung die Kamera draufhielt oder [wahrscheinlicher]
    b) bei der heutigen Darbietung bewusst Sheffers Theaterstück mit Filmszenen Formans vermischt wurden.


    Daß Forman Verfilmung das Stück von Sheffer zur Vorlage hat, ist mir wohl bekannt. Es gab interessanter Weise auch Szenen, die im Theaterstück einfach schlüssiger wirkten bzw. erst ihren Sinn zeigten, z.B. Salieris Verführungsversuch [ = Gelöbnisbruch] von Constanze. Dennoch haftete m.E. das Theaterstück u.a. durch die nahezu 1:1 übertragenen Dialoge aus Film zu sehr am Film selbst. Mag sein, dass das einfach so ist...


    Kennt jemand zufällig das Theaterstück im Original und kann etwas über die Relation Film/Theater äußern?


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Dennoch haftete m.E. das Theaterstück u.a. durch die nahezu 1:1 übertragenen Dialoge aus Film zu sehr am Film selbst. Mag sein, dass das einfach so ist...


    Kennt jemand zufällig das Theaterstück im Original und kann etwas über die Relation Film/Theater äußern?


    Hallo,


    umgekehrt wird ein Schuh daraus - das Dramolett "Amadeus" von Shaffer war zuerst da, also sind die Dialoge 1:1 in den Film übertragen worden, was auch nicht zufällig ist, der Drehbuchautor hieß wiederum Peter Shaffer. Das Drehbuch hat übrigens einen Oscar bekommen als bestes adaptiertes Drehbuch ...


    LG Peter

  • Zitat

    Original von pbrixius


    umgekehrt wird ein Schuh daraus - das Dramolett "Amadeus" von Shaffer war zuerst da, also sind die Dialoge 1:1 in den Film übertragen worden, [...]


    Salü,


    das weiß ich. Ich bezog mich - etwas unglücklich in Buchstaben gefasst - allerdings speziell auf die gestrige Vorstellung:


    Zitat

    Daß Forman Verfilmung das Stück von Sheffer zur Vorlage hat, ist mir wohl bekannt.


    [...]


    Allerdings kamen mir einige Zweifel, ob das Stück tatsächlich das Original von Sheffer war?


    Und das Original kenne ich eben nicht, daher die Frage, die noch unbeantwortet ist.


    Daher war meine Meinung:


    Zitat

    Dennoch haftete m.E. das Theaterstück u.a. durch die nahezu 1:1 übertragenen Dialoge aus Film zu sehr am Film selbst.


    Hier war meine Verutung, dass für die gestrige Darbietung das Theaterstück mit Szenen aus dem wohl bekannteren Film gespickt wurde...


    Wie auch immer - mich interessiert, "wieviel" von dem originalen Theaterstück in den Film eingegangen ist, falls das jemand mit kurzen Worten beschreiben kann.


    Zudem möchte ich allen "Amadeus"- und Mozartfans [da gibt es durchaus Unterscheidungen] aus der näheren Umgebung einen Besuch in Ettlingen empfehlen: Die Schauspieler waren sehr gut - Theater ist nicht langweilig! Wenn ich vergleiche, wie "stark" der Theater-Thread frequentiert ist, darf man wohl diese Meinung unterstellen...


    Nähere Informationen verbergen sich hinter diesem link, der allerdings derzeit am hitzigen Frieselfieber leidet...


    :hello:


    Ulli

  • Nun, ich war ja zufällig auch da ...


    Jedenfalls ist ganz klar, dass die Dialoge aus dem Film aus dem Theaterstück entnommen wurden, meist in gekürzter Form. Einige Dialoge und Szenen scheinen jedoch auch eigens für den Film entwickelt worden zu sein. Ich denke da in erster Linie an das Requiem-Diktat, welches im gestrigen Theatersück nicht enthalten war.


    Ein weiterer Unterschied zum Film, der allerdings nur durch das Auslassen eines Salieri-Monologs zustande kam ist jener, dass Salieri im Theaterstück erklärt, dass Mozart ihm von seiner Angst vor dem grauen Boten, der das Requiem in Auftrag gab, berichtet. Salieri macht sich diese zu Nutze und psychoterrorisiert Mozart in Verkleidung des Boten. Im Film hingegen tritt Salieri selbst als der Auftraggeber selbst auf.


    So gesehen kann man dem Theaterstück eigentlich kaum eine Verdrehung oder Fälschung historischer Tatsachen anlasten. Salieri selbst sagt, dass er an Mozarts Tod keine unmittelbare Schuld trägt, sondern dass sein Geständnis, ihn ermordet zu haben, lediglich Teil seiner Strategie ist, durch Mozart zu seiner eigenen Unsterblichkeit zu gelangen.


    Im Theaterstück wird allerdings mehr noch als im Film der Umstand strapaziert, dass Salieris Musik platt und mittelmässig gewesen sei. Ob das nun historisch so korrekt ist, darüber kann sich ja jeder der hier Anwesenden selbst ein Bild machen. Der musikalisch weniger interessierte Rest des Publikums glaubt eben, dass es so war.


    Ullis Frage bezog sich, wenn ich das richtig verstehe (das weiss man ja nie so genau :P ) weniger auf die Dialoge sondern viel mehr auf die dramaturgische Umsetzung.


    Denn gerade in diesem Punkt waren einzelne Szenen sehr stark an den Film angelehnt.


    Also anders formuliert:
    Enthält das Theaterstück so konkrete Regieanweisungen, dass eine bestimmte Szene nur auf diese eine Art gespielt werden kann, welche dann sowohl im Film, als auch in der gestrigen Aufführung zu sehen war, oder haben sich die Regisserure bei den Ettlinger Festspielen zuvor den Film angeschaut und gesagt: "So machen wir das auch."


    Ausserdem ist es denkbar, dass Szenen aus dem Film, die im Theaterstück ursprünglich nicht vorkamen, hineingenommen wurden, da die Regisseure sie als besonders publikumswirksam einschätzten.


    Gerade beim Salieri-Darsteller war in vielen Szenen offensichtlich, dass er sich den Habitus seiner Figur bei F. Murray Abraham abgeschaut hat.
    Andererseits: Besser kann man die Rolle eigentlich nicht spielen.


    Dennoch ist Theaterstück auch für Leute wie mich, die den Film auswendig aufsagen können, absolut sehenswert. Salieri steht wesentlich mehr im Mittelpunkt des Geschehens, während Mozart eher als Nebendarsteller fungiert.
    Durch den Focus auf Salieri gewinnt dessen Pakt mit Gott, seine Wut und Enttäuschung, und den daraus resultierenden Hass auf Mozart wesentlich mehr Substanz, so dass Salieri weniger als der missgünstige Neider, als der er im Film dargestellt wird, sondern vielmehr als ein Mensch, der an seinem Glauben verzweifelt und seinen Hass auf Gott auf Mozart, in dem er seine Inkarnation zu erkennen glaubt, projiziert, wahrgenommen werden kann.


    Liebe Grüße
    Violoncellchen


    P.S.: Es könnte langsam mal jemand mein Rätsel lösen :boese2: