Schadet das Regietheater der Beliebtheit und dem Einkommen von Sängern?

  • Gott sei Dank - das Thema REGIETHEATER ist bei Tamino noch nicht eingeschlafen - so werden einige jubeln.
    Um Gottes Willen - Schon wieder das leidige Thema Regietheater - entet das denn NIEMALS ? - so werden andere denken.


    Letzere kann ich beruhigen, das Thema endet sofort - wenn wir alle Theaterzerstörer aus unseren Opernhäusern vertrieben haben. Und die Chancen stehen nicht schlecht, denn schliesslich formieren sich langsam aber sicher auch die Gegner ausserhalb des Forums. Aus welchen Gründen immer, seien es lautere oder... ähh leisere :hahahaha:
    Aber das Thema wird auf diese Weise zum Thema worüber man spricht - ja die Anzahl derer, die sich ÖFFENTLICH gegen das Regietheater wendet nimmt kontinuierlich - wenn auch nicht gerade umwerfend schnell - zu.
    Steter Tropfen höhlt den Stein....


    Das heutige Thema ist mir schon im Oktober 2012 eingefallen - und ich habe es auf Jänner 2013 verschoben. Aber damals gab es nicht nur interessanten Themen en masse - auch die Beteiligung war exorbitant. Nun ist wieder "Business as usual" eingekehrt. - und thematische Farbtupfer können dem Forum im Augenblick nicht schaden.


    Ich habe mir im Zusammenhang mit dem Thementitel gleich mehrere Fragen gestellt.
    Beispielsweise was ich - wäre ich Opernsänger - empfände, wenn ich an einer (bleiben wir allgemein) "ungustiösen" oder "entstellenden" teilnehmen müsste.
    "Man muß ja nicht" - werden die Zyniker sagen (ausser mir selbt finde ich Zyniker meist widerwärtig ;) )"Die Teilnahme an einer Inszenierung sei ja freiwillig" - Aber natürlich MUSS ein Sänger seinen Beruf ausüben wenn er Geld verdienen will.


    Die zweite Frage wäre - wie reagiert die Fangemeinde eines - sagen wir es mal freundlich - leicht korpulenten Sängers - wenn dieses bewunderte Idol plötzlich in Unterhosen über die Bühne läuft . Aber das ist zugegebenermaßen schon ein krasseres Beispiel, bleiben wir beim harmloseren: Wie reagiert das Fanpublikum, wenn ihr Lieblingssänger plötzlich ausschliesslich in entstellenden, karikierenden und hässlichen Aufführungen zu sehen ist.


    Ich erinnere mich, dass ich einige Sänger als "unangenehm" empfand, die ich nur in moderenen Aufführungen gesehen hatte (mein Bericht über die "Traviata" von den Salzburger Festspielen existiert noch im Forum).
    Von vielen Inszenierungen gibt es Videos auf DVD und Blue-Ray-Disc. Gerade jetzt, wo man in erstklassiger HD Qualität aufnehmen und veröffentlichen kann - ist das meist leider optisch nicht mehr veröffentlichungswürdig. Das dürften auch die großen Ton- und Videoträgerfirmen schon langsam herausgefunden haben - denn allmählich kommen immer wieder Aufzeichnungen alter Inszenierungen (leider in eher mäßiger Bildqualität) auf den Markt - Ein kleines Trostpflaster.


    Gegen eine Sängerin, die sich offen für das Regietheater ausgesprochen, und das "verstaubte" konventionelle Theater angegriffen hat (uns somit zumindest indirekt dessen Publikum) habe ich eine derartige Aversion entwickel, daß ich jede Aufnahme mit ihr meide. Darüber kann man zwar prinzipiell lächeln - oder meinetwegen sogar lachen - aber ich galaube, daß ich nicht der einzige bin, der so reagiert, und wenn der Tonträgermarkt - der ja nicht subventioniert ist, das mal spürt - dann wird das Lachen schwierig.... :baeh01:
    So - die Fragestellung ist prinzipiell definiert - An Feinheiten können wir noch arbeiten.
    Das Foreninhaltsverzeichnis weist seit einiger Zeit einen neuen Menüpunkt ("Regietheater") auf, um das Suchen spezieller Threads zu diesem Thema zu erleichtern. Da Forenfremde zu diesem Verzeichnis keinen Zutritt haben, habe ich die wichtigsten Links zu den Tamino-Regietheaterthreads hier angehängt (Es sind noch nicht alle eingetragen)


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred




    Regietheater - Das Regietheater, eine etablierte Kunstform - wie geht es weiter?
    Regietheater - Derzeit im Spielplan: Die als am schmerzlichsten empfundenen Regietheater-Inszenierungen
    Regietheater - Hans Sotin outet sich als Gegner des Regietheaters
    Regietheater - Peter Konwitschny wirft in Leipzig hin
    Regietheater - Regiethaterinszenierungen locken die Jugend ins Opernhaus!!!!!! :hahahaha:
    Regietheater - Regietheater - Konzepttheater - altbackene versus moderne Inszenierung
    Regietheater - Regietheater und künstlerische Freiheit
    Regietheater - Sänger äussern sich zum Thema "Regietheater"
    Regietheater - Sammelplatz für absurde und lächerliche Inszenierungsidessen
    Regietheater - Schach dem Regietheater
    Regietheater - Was bezweckt es eigentlich ?
    Regietheater - Widerstand gegen das Regietheater wächst unaufhörlich - ist das Ende nah ?
    Regietheater - letzte verbliebene Schrumpfform linker Ideologie ?


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass auch ich sämtliche Aufnahmen Regietheater-verteidigender Sänger grundsätzlich meide. Ich denke aber auch, dass es Sänger gibt, und da gehört die von Alfred gemeinte Dame durchaus dazu (mir fallen spontan noch mehr ein) deren Karriere ohne das RT überhaupt keine Chance hätte - mangels stimmlicher Qualitäten sind diese Sänger bereit, jeden nur erdenklichen Unsinn auf der Bühne mitzumachen und stehen deshalb bei gewissen Regisseuren hoch im Kurs.
    Auf der anderen Seite hat zum Beispiel auch das Ansehen von Edita Gruberova in meinen Augen stark gelitten, da diese Ausnahmestimme glaubte, sich nun doch noch (trotz ihrer Verdienste) an das Verunstaltungstheater anbiedern zu müssen und uns Münchnern gemeinsam mit Christoph Loy zwei Inszenierungen von erlesener Scheusslichkeit zugemutet hat (Roberto Devereux und Lucrezia Borgia). Ich habe nach der Lucrezia Premiere 2009 nie wieder eine Gruberova-Vorstellung besucht (obwohl es in München massenhaft Gelegenheit gab), da ich ihr diese Inszenierungen nicht verzeihen konnte. Einige meiner Münchner Opernfreunde sahen das genauso...

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • An ein Interview mit dem damaligen Chef der Müchner Staatsoper (oder war es Zürich? ist ja nicht wichtig) glaube ich mich zu erinnern. Es ging um die von mir sehr hoch verehrte Editha Gruberova, die in Roberto Devereux eine scheußliche rote Perücke tragen mußte. im Finale des Stückes mußte sie dann langsam die angeklebte Perücke vom Kopfe ziehen, und eine fast kahlköpfige alte Frau kam zum Vorschein.


    Dieser Moment wurde vom Interviewten als grandiose Stelle mit "Gänsehautcharakter" bezeichnet. Für mich war sie an Häßlichkeit kaum zu überbieten.


    Es wäre schon interessant zu erfahren, wie sich Frau Gruberova dabei gefühlt haben mag.


    Ich habe sie in allen konzertanten Aufführungen der letzten 10 Jahre in Dresden erleben dürfen. Sie war, ist und bleibt grandios. Zumindest in konzertanten Aufführungen.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • An ein Interview mit dem damaligen Chef der Müchner Staatsoper (oder war es Zürich? ist ja nicht wichtig) glaube ich mich zu erinnern. Es ging um die von mir sehr hoch verehrte Editha Gruberova, die in Roberto Devereux eine scheußliche rote Perücke tragen mußte. im Finale des Stückes mußte sie dann langsam die angeklebte Perücke vom Kopfe ziehen, und eine fast kahlköpfige alte Frau kam zum Vorschein.


    Dieser Moment wurde vom Interviewten als grandiose Stelle mit "Gänsehautcharakter" bezeichnet. Für mich war sie an Häßlichkeit kaum zu überbieten.


    Es wäre schon interessant zu erfahren, wie sich Frau Gruberova dabei gefühlt haben mag.


    Das interessiert mich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht. Eine Gruberova, die nach einer solchen Karriere, nach solch sensationellen Erfolgen (auch und gerade finanziell) es nötig hat, sich für solch einen Schrott herzugeben, wird wissen, warum sie das tut oder tun will. Verständnis kann ich dafür jedenfalls nicht aufbringen.


    Was die Fragestellung des Threads betrifft: Nein, ich denke nicht, dass man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass das RT den Sängern schadet, zumindest denen, die bereit sind (und die es sich ob ihrer Berühmtheit aussuchen können!), sich dafür herzugeben. Solange sie nämlich die Königsdisziplinen Anpassungsfähigkeit (= wenn es drauf ankommt, kann ich auch ohne Rückgrat leben), Teamfähigkeit (= ich habe keine eigene Meinung, sondern bin mit meinem Dasein als Schwarmfisch zufrieden) und Geschäftstüchtigkeit (= wenn es um Kohle geht, mache ich alles) perfekt beherrschen, werden sie zumindest mit dem RT und seinen Befürwortern keine Probleme bekommen....

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Man mag mich für empfindlich halten...doch mir scheint, dass sich hier eine ganze Menge Misanthropie Gehör verschafft...woran mag das liegen!? :(


    LG
    Fides :hello:

    La vita è bella!

  • Misanthropie


    Misanthropie = Menschenhaß. Kennst Du diese Definition nicht oder wen und was meinst Du konkret mit Deiner Behauptung??


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zitat

    Was die Fragestellung des Threads betrifft: Nein, ich denke nicht, dass man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass das RT den Sängern schadet, zumindest denen, die bereit sind (und die es sich ob ihrer Berühmtheit aussuchen können!), sich dafür herzugeben. Solange sie nämlich die Königsdisziplinen Anpassungsfähigkeit (= wenn es drauf ankommt, kann ich auch ohne Rückgrat leben), Teamfähigkeit (= ich habe keine eigene Meinung, sondern bin mit meinem Dasein als Schwarmfisch zufrieden) und Geschäftstüchtigkeit (= wenn es um Kohle geht, mache ich alles) perfekt beherrschen, werden sie zumindest mit dem RT und seinen Befürwortern keine Probleme bekommen....


    SOOO war das auch nicht gemeint......
    Natürlich gibt es Künstler die sich beim Regietheater nicht wohl fühlen - es aber trotzdem akzeptieren müssen - weil Rückgrat oft unfinanzierbar ist.


    Aber grundsätzlich meinte ich, daß durch das Regietheater einerseits die Auslastung der Opernhäuser eminent verschlechtert wird, und allfällige Videomitschnitte schwer bis nicht verkäuflich sind. All das müsste sich irgendwann auf die FINANZIELLE Situation des Personals und der Sänger auswirken, da die Subventionierungen ja schon lange heruntergefahren werden - und Produktionen auf Medien an sich überhaupt keine bekommen. Ein privater Sponsor hingegen will durch Sponsoring nicht die Welt beglücken, sondern vorzugsweise sein Image, bzw seine Beliebheit bei gewissen Zielgruppen verbessern. Mit Sponsoring von Regietheater verfehlt er mit hoher Wahrscheinlichkeit den anzeielen Effekt nicht nur - im Gegenteil.
    Der zweite Negativeffekt ist, daß ich in Sängern die vorzugsweise in Regietheaterproduktionen mitwirken, irgendwie im Unterbewusstsein "Verräter" sehe - und ihnen einen gewissen WIDERWILLEN entgegenbringe.
    Und ich habe ja die Auswahl beim Kauf meiner CDs. Vierzig Jahre Aufnahmen unverfälschter Opernaufnahmen mit Sängern, die kaum zu übertreffen sein dürften, stehen zum Kauf bereit.


    SO habe ich den Threadtitel hauptsächlich gemeint - aber das Thema ist natürlich vielschichtig...


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Nun, lieber La Roche, ich habe exakt das gemeint, was ich geschrieben habe...ich habe meinem Eindruck Worte verliehen und nichts behauptet...aber solche Kleinigkeiten spielen ja keine Rolle.


    Wenn pauschal mit durchaus als herabwürdigend zu verstehenden Worten Künstler beleidigt werden (Post Nr.4) , dann kann durchaus eine gewisse Menschenfeindlichkeit herausgelesen werden....aber vielleicht bin ich auch zu empfindlich?!


    LG
    Fides :hello:

    La vita è bella!

  • Ich sehe in Beitrag Nr.4 lediglich eine sachliche Analyse der gegenwärtigen Situation an zahlreichen Opernhäusern.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Wenn pauschal mit durchaus als herabwürdigend zu verstehenden Worten Künstler beleidigt werden (Post Nr.4) , dann kann durchaus eine gewisse Menschenfeindlichkeit herausgelesen werden....aber vielleicht bin ich auch zu empfindlich?!


    Vielleicht, aber Du bist damit zumindest nicht alleine :hello:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Wenn man z.B. Pausengespräche mit den Sängern hört, fällt immer wieder der Satz: Der Regisseur hat mir eine neue Sichtweise auf meine Rolle eröffnet. Mag ja alles sein, nur was ist das für eine Sichtweise wenn ein Sänger auf der Bühne nackt herumlaufen muss oder mit irgendjemanden den Geschlechtsakt ausüben muss. Ich denke mal das das RT der Beliebtheit des Sängers keinen Abbruch tut, denn dann müsste Frau Gruberova nach der unsäglichen Roberto Devereux in München auch viel weniger Fans haben. Die Fans gehen hauptsächlich wegen ihrer Lieblinge in die Oper, die Regie ist da eher nebensächlich.

  • Gerade jetzt, wo man in erstklassiger HD Qualität aufnehmen und veröffentlichen kann - ist das meist leider optisch nicht mehr veröffentlichungswürdig. Das dürften auch die großen Ton- und Videoträgerfirmen schon langsam herausgefunden haben - denn allmählich kommen immer wieder Aufzeichnungen alter Inszenierungen (leider in eher mäßiger Bildqualität) auf den Markt - Ein kleines Trostpflaster.


    Ich glaube, dass diese Behauptungen nicht haltbar sind. Es werden mehr neue Opernvideos veröffentlicht als je zuvor. Zwangsläufig sind da sehr viele sogenannte Regietheaterinszenierungen darunter, wahrscheinlich sogar die große Mehrheit. Ich sehe keine Zurückhaltung der Firmen. Und dass auch alte Opernvideos wieder veröffentlicht werden ist weiter nicht verwunderlich. Werden doch auch praktisch alle alten Audiobestände auf den Markt geworfen - warum sollte das bei den Musikvideos anders sein? Davon Rückschlüsse auf die Einstellung der Produzenten zu aktuellen Produktionen zu ziehen ist meines Erachtens reines Wunschdenken.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Aber grundsätzlich meinte ich, daß durch das Regietheater einerseits die Auslastung der Opernhäuser eminent verschlechtert wird, und allfällige Videomitschnitte schwer bis nicht verkäuflich sind. All das müsste sich irgendwann auf die FINANZIELLE Situation des Personals und der Sänger auswirken, da die Subventionierungen ja schon lange heruntergefahren werden - und Produktionen auf Medien an sich überhaupt keine bekommen.

    Dann ist der Threadtitel falsch formuliert. Wenn wirklich "Regietheater" die Auslastung von Opernhäusern reduziert - was bislang bestenfalls punktuell und nicht allgemein nachgewiesen werden kann; so hat z.B. die Wiener Staatsoper mit einigen neuen Regietheaterinszenierungen gerade mit über 99% Jahresauslastung einen neuen Rekord aufgestellt und merkt überhaupt nichts - dann werden zuerst die Intendanzen und Häuser selbst Probleme bekommen, die Sänger erst in späterer Folge. Solange Sänger erstklassige Leistungen bieten, werden sich die Inszenierungen kaum negativ auf ihre Karriere auswirken.



    Der zweite Negativeffekt ist, daß ich in Sängern die vorzugsweise in Regietheaterproduktionen mitwirken, irgendwie im Unterbewusstsein "Verräter" sehe - und ihnen einen gewissen WIDERWILLEN entgegenbringe.

    Das wird die Sänger vermutlich auch nicht nennenswert tangieren. Zumindest bin ich der Meinung, dass nur wenige Musikliebhaber derart pathologische Reaktionen zeigen, womit die Auswirkungen zu vernachlässigen sind.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Teamfähigkeit (= ich habe keine eigene Meinung,...

    Wenn Teamfähigkeit mit "ich hab keine eigene Meinung" gleichgesetzt wird



    Ich sehe in Beitrag Nr.4 lediglich eine sachliche Analyse der gegenwärtigen Situation an zahlreichen Opernhäusern.

    dann ist für mich vorstehendes Zitat sowas von daneben!


    Hallo Fides,

    ich habe meinem Eindruck Worte verliehen und nichts behauptet...aber solche Kleinigkeiten spielen ja keine Rolle.

    :jubel:



    Wenn pauschal mit durchaus als herabwürdigend zu verstehenden Worten Künstler beleidigt werden (Post Nr.4) , dann kann durchaus eine gewisse Menschenfeindlichkeit herausgelesen werden....aber vielleicht bin ich auch zu empfindlich?!

    Nein, überhaupt nicht - und damit verbunden an Fides


    viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Tja, von zweiterbass, der mit Oper bekannterweise kaum was am Hut hat, der schon ehemals Wolframs Schatten gewesen ist, war wohl kaum was Anderes zu erwarten. Beschäftige Dich doch eher mit Chorgesang, statt dem Regietheater stets Deine Sympathie (verbunden mit political correctness) zu erweisen!

  • Lesen sollte man schon können.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler


  • Wenn Teamfähigkeit mit "ich hab keine eigene Meinung" gleichgesetzt wird



    dann ist für mich vorstehendes Zitat sowas von daneben!
    zweiterbass

    Das ist ja ungeheuerlich! Da zitiert zweiterbass einen aus dem Inhalt gerissenen Viertelsatz (ist ja nicht zum erstenmal!), der dadurch den Sinn bewußt entstellt, erweckt er doch den Eindruck, La Strana hätte keine Meinung. Das ist destruktive Demagogie!


    Daß ich ihren Antworttext und nicht das eingeschobene Zitat als Analyse der gegenwärtigen Situation bezeichnete, ist schlicht Realität. Also kann von "sowas von daneben" nur jemand geifern - seine Beißwut ist ja hinlänglich bekannt -, der schlicht ahnungslos, aber hochgradig böswillig Rundumschläge produziert.


    si tacuisses ...

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)


  • Das interessiert mich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht. Eine Gruberova, die nach einer solchen Karriere, nach solch sensationellen Erfolgen (auch und gerade finanziell) es nötig hat, sich für solch einen Schrott herzugeben, wird wissen, warum sie das tut oder tun will. Verständnis kann ich dafür jedenfalls nicht aufbringen.


    Was die Fragestellung des Threads betrifft: Nein, ich denke nicht, dass man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass das RT den Sängern schadet, zumindest denen, die bereit sind (und die es sich ob ihrer Berühmtheit aussuchen können!), sich dafür herzugeben. Solange sie nämlich die Königsdisziplinen Anpassungsfähigkeit (= wenn es drauf ankommt, kann ich auch ohne Rückgrat leben), Teamfähigkeit (= ich habe keine eigene Meinung, sondern bin mit meinem Dasein als Schwarmfisch zufrieden) und Geschäftstüchtigkeit (= wenn es um Kohle geht, mache ich alles) perfekt beherrschen, werden sie zumindest mit dem RT und seinen Befürwortern keine Probleme bekommen....


    Zu Gruberova: Genutzt hat ihr diese Anbiederung an das RT, für die ich kein Verständnis habe (Strana hat alles was es dazu zu gibt, gesagt), letztendlich gar nichts. Herr Bachler hat diese Sängerin ungeachtet ihrer jahrzehntelangen Verdienste in einer schmutzigen, in der Münchner Tagespresse ausgetragenen Schlammschlacht quasi vor die Türe der Münchner Staatsoper gesetzt. Und ihr Ansehen und Rückgrat hat diese Sängerin in meinen Augen verspielt. Dafür darf sie jetzt bei dem Züricher Intendanten Homoki und seiner Regietheater-Farce auftreten......
    Strana, danke auch ansonsten für die übrigen Ausführungen. Besser hätte ich die Situation nicht ausdrücken können. Leider gibt es zu wenige Sänger, die es sich leisten können, gegen dieses Establishment der Regiesseure zu protstieren. Umso erfeuter bin ich, wenn ich sehe, dass immer mehr grosse Namen offen sagen, was sie vom RT halten.

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Daß ich ihren Antworttext und nicht das eingeschobene Zitat als Analyse der gegenwärtigen Situation bezeichnete, ist schlicht Realität.


    Richtig! - Was aber bezeichnenderweise nichts über die Realität der sogenannten Analyse aussagt ... :angel:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Was die Fragestellung des Threads betrifft: Nein, ich denke nicht, dass man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass das RT den Sängern schadet, zumindest denen, die bereit sind (und die es sich ob ihrer Berühmtheit aussuchen können!), sich dafür herzugeben. Solange sie nämlich die Königsdisziplinen Anpassungsfähigkeit (= wenn es drauf ankommt, kann ich auch ohne Rückgrat leben), Teamfähigkeit (= ich habe keine eigene Meinung, sondern bin mit meinem Dasein als Schwarmfisch zufrieden) und Geschäftstüchtigkeit (= wenn es um Kohle geht, mache ich alles) perfekt beherrschen, werden sie zumindest mit dem RT und seinen Befürwortern keine Probleme bekommen....

    Ich sehe in Beitrag Nr.4 lediglich eine sachliche Analyse der gegenwärtigen Situation an zahlreichen Opernhäusern.


    Vielleicht mag mir altem Klippschüler mal jemand erklären, was genau an Stranos Beitrag und insbesondere an ihren sehr "eigenwilligen" (m.E. populistischen) Begriffsdefinitionen das Prädikat "analytisch", geschweige denn "sachlich" verdient?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Vielleicht mag mir mal jemand erklären, was genau an Stranos Beitrag(m.E. populistischen) Begriffsdefinitionen das Prädikat "analytisch", geschweige denn "sachlich" verdient?

    Z. B. ihre richtige Definition von... Zitat Strano:
    die Königsdisziplinen Anpassungsfähigkeit (= wenn es drauf ankommt, kann ich auch ohne Rückgrat leben),
    Teamfähigkeit
    (= ich habe keine eigene Meinung, sondern bin mit meinem Dasein als Schwarmfisch zufrieden) und
    Geschäftstüchtigkeit
    (= wenn es um Kohle geht, mache ich alles)
    Was ist daran falsch? Sie kritisiert und verweist zurecht auf den gesellschaftlich moralischen und charakterlichen Werteverfall , der in der heutigen Zeit leider immer mehr zum Normalen wird. Da macht auch der künstlerische Betrieb keine Ausnahme.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY


    PS.: Es ist auch sehr wohltuend die Beiträge hierzu von "Milletre, m.- joho, Figarooo und Rodolfo" zu lesen.

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Z. B. ihre richtige Definition von... Zitat Strano:
    die Königsdisziplinen Anpassungsfähigkeit (= wenn es drauf ankommt, kann ich auch ohne Rückgrat leben),
    Teamfähigkeit
    (= ich habe keine eigene Meinung, sondern bin mit meinem Dasein als Schwarmfisch zufrieden) und
    Geschäftstüchtigkeit
    (= wenn es um Kohle geht, mache ich alles)
    Was ist daran falsch?

    Lieber chrissy, ich fragte nicht nach richtig oder falsch, sondern nach dem analytischen und sachlichen Gehalt dieser "Definitionen", den z.B. Milletre ja durchaus als gegeben anzusehen scheint.



    Sie kritisiert und verweist zurecht auf den gesellschaftlich moralischen und charakterlichen Werteverfall , der in der heutigen Zeit leider immer mehr zum Normalen wird.

    Sorry, aber im Moment nehme ich hier nur den Verfall ganz anderer Dinge wahr ...

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.


  • Sorry, aber immoment nehme ich hier nur den Verfall ganz anderer Dinge wahr ...


    Bevor es zu unnötigen Nachfragen kommt: Namentlich in den Diskussion rund ums sogenannte Regietheater den Verfall einer adäquaten intellektuellen Trennschärfe.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Eine Trennung, lieber MSchenk, erübrigt sich deshalb, weil keine Inszenierung des sog. Regietheaters, so unterschiedlich die jeweiligen Ergebnisse auch sein mögen, sich nach den im Libretto vorgegebenen Angaben für Bühnenbild, Zeit und Kostüme richtet. Dies wären aber für "uns Gegner" unabdingbare Forderungen, wobei allfällige Abstraktionen durchaus zugelassen sind.

  • Zu Gruberova: Genutzt hat ihr diese Anbiederung an das RT, für die ich kein Verständnis habe (Strana hat alles was es dazu zu gibt, gesagt), letztendlich gar nichts. Herr Bachler hat diese Sängerin ungeachtet ihrer jahrzehntelangen Verdienste in einer schmutzigen, in der Münchner Tagespresse ausgetragenen Schlammschlacht quasi vor die Türe der Münchner Staatsoper gesetzt. Und ihr Ansehen und Rückgrat hat diese Sängerin in meinen Augen verspielt. Dafür darf sie jetzt bei dem Züricher Intendanten Homoki und seiner Regietheater-Farce auftreten......
    Strana, danke auch ansonsten für die übrigen Ausführungen. Besser hätte ich die Situation nicht ausdrücken können. Leider gibt es zu wenige Sänger, die es sich leisten können, gegen dieses Establishment der Regiesseure zu protestieren. Umso erfeuter bin ich, wenn ich sehe, dass immer mehr grosse Namen offen sagen, was sie vom RT halten.


    Danke, lieber Figarooo :hello: Ich habe diese Geschichte mit der Gruberova genau verfolgt und fand es sehr schade, dass eine so großartige Sängerin sich aus freien Stücken so erniedrigen lassen muss - finanzielle Gründe (die einzigen, die man nachvollziehen könnte) konnte man dabei wohl getrost ausschließen. Was sie in diesem Fall angetrieben hat, dürfte wohl das "Nucci-Syndrom" sein - das ist meine Wortschöpfung für Sänger, die nicht aufhören können und (wieder) zu ziemlich allem bereit sind, um noch singen zu dürfen und nicht durch jüngere Stimmen ersetzt zu werden. Ob das RT nun diesen Sängern schadet? Ihrem Einkommen wohl kaum, denn das ist in diesem Fall eine Marginalie. Der Beliebtheit? Ja, das kann man wohl sagen. Sicherlich mag es Fans geben, die ihr Sängeridol gottgleich verehren und alles, was er oder sie anstellt, in den höchsten Tönen loben oder zumindest billigend in Kauf nehmen. Die Domingo-Fangemeinde, die wahrscheinlich auch dann noch jubeln wird, wenn Placido beschließt, ab jetzt nur noch als Bass aufzutreten und noch einige Jahre später vielleicht als Koloratursopran, dürfte so ein Fall sein. Da ist es dann auch uninteressant, in welchen Produktionen der Gottgleiche sich zeigt - RT hin oder her. Auf die Kaufkraft wird das keinen Einfluss haben. Es gibt aber sicherlich auch eine ganze Menge, die das kritischer sehen, und zwar auch und gerade, was die finanzielle Unterstützung betrifft.


    chrissy, Milletre, Rodolfo: :hello:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Sorry, aber im Moment nehme ich hier nur den Verfall ganz anderer Dinge wahr ...
    Namentlich in den Diskussion rund ums sogenannte Regietheater den Verfall einer adäquaten intellektuellen Trennschärfe.

    Lieber Michael


    Meinerseits "sorry", aber ich kann hier keinerlei Schärfe erkennen. Und was Strano Sognator betrifft, sie hat stets einen klaren erkennbaren Stil. Sie äußert ihre Meinung selbstbewußt und fach- und sachlich fundiert. Dafür achte und schätze ich sie ganz sehr und wohl nicht nur ich. Hinzu kommt, daß wir in unseren Meinungen und Ansichten oft übereinstimmen.
    Und was ich meinte ist, daß der Werteverfall in unserer Gesellschaft erschreckend zunimmt. Und damit meine ich nicht nur den Opern- und Musikbetrieb. Die immer größer werdende Gier nach dem schnellen und schnöden Mammon öffnet Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Gleichgültigkeit und Gefühlskälte immer mehr Tür und Tor. Stolz und Ehre, Verantwortung, Demut, Berufsethos verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Und da hat unsere Strano schon leider recht.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Sorry, aber im Moment nehme ich hier nur den Verfall ganz anderer Dinge wahr


    Lieber MSchenk,


    an anderer Stelle habe ich schon einmal ausgeführt, daß ich Deine Konstanz der Meinung achte, auch wenn ich sie nicht teilen kann. Es wäre sicher nicht verkehrt, gleiches auch von Dir zu erwarten.


    Nicht alle, die gegenteilige Meinungen vertreten, sind in der Betrachtungsweise objektiver Gegebenheiten dem ""Verfall"" geweiht!! Sie sind nur genauso standhaft wie Du es in Deinen Überzeugungen bist.


    Unabhängig davon bin ich erfreut, daß im Forum wieder "etwas los" ist!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Nicht alle, die gegenteilige Meinungen vertreten, sind in der Betrachtungsweise objektiver Gegebenheiten dem ""Verfall"" geweiht!!


    Lieber La Roche, das war nicht gemeint! - Um es also mit aller Deutlichkeit zu sagen: Ich finde es schlicht hanebüchen, die von Strano hier gegebene Begriffsinterpretationen als analytische bzw. sachliche Definitionen zu bezeichnen. Es sind nicht mehr und nicht weniger, als persönliche Belegungen der verwendeten Begriffe! - Wir können nun gerne über diese (eigenwilligen) Interpretationen diskutieren, aber - und das ist dann mit intellektueller Trennschärfe gemeint (nicht zu verwechseln mit Schärfe z.B. in einer Auseinandersetzung) - sollte hier doch wohl jeder in der Lage sein, eben zwischen einer Definition und einer persönlichen Befindlichkeit zu unterscheiden!?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • M.Schenk, der sich besonders lustvoll auf mich (auch andernorts) eingeschossen hat, ist offenbar nicht zu erklären, daß Stranas Begriffe in Klammern die dazugehörige Definition derselben enthalten. Was soll daran falsch sein?

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • M.Schenk, der sich besonders lustvoll auf mich (auch andernorts) eingeschossen hat,

    Lieber Milletre, sollte es tatsächlich so sein bzw. scheinen (Belege?), täte es mir leid, aber



    ist offenbar nicht zu erklären, daß Stranas Begriffe in Klammern die dazugehörige Definition derselben enthalten. Was soll daran falsch sein?

    wenn so etwas hier als Begriffsdefinition akzeptiert wird, bin ich raus :hahahaha:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.