Johann Adolf Hasse 1699-1783

  • hallo, ihr müßt schon genau lesen, bitte .. ich habe geschrieben ...WIEDER EIN BEISPIEL ...daß ich nichts mit dieser ... musik anfangen kann; ich würde mich hüten, lediglich von einer cd auf das generelle zu schließen ...


    glaubt mir, ich kenne da schon viel zu viel ... und es gefällt mir bis auf weniges nicht ... :(


    :hello:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Hasses Opern waren ungeheuer populär. Davon zeugt ein in Leipzig aufbewahrtes Manuskript mit Bearbeitungen einiger Opernarien für Laute, die aber spieltechnisch so ansprucksvoll sind, dass sie kaum als Hausmusik gedient haben dürften. Der Verfasser "R" konnte noch nicht identifiziert werden.


    Axel Wolf hat eine Auswahl der Arien und die Transkription einer Cembalosonate für Laute für Oehms Classics aufgenommen:



    Eine wunderbare Aufnahme, die die Sanglichkeit von Hasses Themen unterstreicht - ein Leckerbissen für Hassianer und Lautenliebhaber, vorzüglich aufgenommen und gespielt.


    Oehms Classics

  • Es gibt noch einige andere interessante Werke von Hasse neben seinem Opernschaffen:




    Kennen unsere Hassianer die eine oder andere der gezeigten CDs?


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die Dombrecht- und auch die Rademann-CD kann man unbedingt empfehlen; die Güttler-Einspielungen sind zumindest für meinen Gusto unbefriedigend, ganz abzüglich der tasache, daß ich Güttler nicht mag, bleibt hier alles an der Oberfläche. Wer sich jedoch mit Hasse ernsthaft auseinandersetzen will, kommt an Güttlers Einspielung von Hasses letzter Messe, die die Krönung seines kirchenmusikalischen Schaffens darstellt, nicht vorbei, einfach aus dem Grunde, weil keine andeer auf dem markt ist:



    Meine Hasse-Favoriten:


    Rademann mit dem "Miserere", einem Werk das damals europaweit Furore machte und von dem sich Abschriften von Stockholm bis Neapel finden:






    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Ich kenne die Rademann - CD, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Carus-CDs sind mE auch klanglich erste Wahl, der Chorgesang ist vorbildlich.


    Die Kopplung der beiden bedeutenden Werke soll auch erwähnt werden.

  • Huch? Wie kommt denn der Herr Hasse auf einmal ins Opernforum?


    Seine Sakralmusik interessiert mich mehr als seine Opern (die ich aber leider bis auf wenige Ouvertüren noch nicht kenne).

  • Zitat

    Seine Sakralmusik interessiert mich mehr als seine Opern (die ich aber leider bis auf wenige Ouvertüren noch nicht kenne).


    Hallo TB, im Falle Hasss liegt eine echt bizarre Markt-Situation vor: der gefeierte Opern-Meister ist auf Tonträgern derzeit vor allem mit Kirchenmusik präsent. Bühnenwerke in exemplarischen Einspielungen dagegen gibt es kaum.
    Ob sich hier eine "Umbewertung" des Bergedorfer Vollblut-Italieners anbahnt, sollte man beobachten ! :D

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Nun ich kenne von Hasses Kirchenmusik nur die g-moll Messe und die Kataten die auf der Goebel CD mit aufgenommen würden.


    Die Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts ist nicht unbedingt eines meiner Hauptinteressen.
    So kenne ich Hasses Musik vor allem durch die Oper.


    Allerdings muss ich dazu schreiben, dass ich mich da auf recht viele Radio Mitschnitte beziehen muss, den Opernaufnahmen sind - wie schon erwähnt - kaum zu finden.


    Das ist auch nicht verwunderlich, so sind die sängerischen Anforderungen, selbst bei den Nebenrollen so exorbitant, dass eine Aufführung noch Heute Unsummen kostet.


    Das gleiche Problem hat man auch bei Jommelli, da gibt es zwar einige Opern auf CD, aber wenn die sängerische Qualität nicht stimmt, geht das Ding den Bach runter.


    Aber es gibt auch wirklich beeindruckende Aufführungen, z.B. die Serenata "Marc Antonio e Cleopatra" von J.A. Hasse, durch Rene Jacobs und dem Concerto Köln.
    Als Marc Antonio verpflichtete er Vivica Genaux.
    Es ist wirklich sehr zu bedauern, dass dieser Mitschnitt nicht auf CD gebannt wurde.
    Neben der Cleofide und Piramo e Tisbe, verfügt mein persönliches Archiv noch über folgende Bühnenwerke von Hasse:


    Artemisia
    Eroe Chinesi
    L'Olimpiade
    Miride e Damari
    Larinda e Vanesio
    Atillio
    Soliman


    Nach dem Hören dieser Opern und Serenatas muss ich jedoch sagen, dass es etwas verfehlt ist, Hasse als "Zeitgenossen Mozarts" hier im Forum zu führen.
    Sicher er hat das Wunderkind noch erlebt, aber sein Musikstil ist doch ziemlich an die Mitte des 18. Jahrhunderts gebunden.
    Aber wenn es der Popularität dient....
    Und der Ruf Hasses als größter Opernkomponist dieser Zeit ist absolut berechtigt - schade, dass so viele Werke aber unaufführbar sind.

  • Guten Tag


    Zitat

    Original von der Lullist


    Mehr als 60 Opern hat er verfasst.


    Selbst der Kurfürst Carl-Theodor von der Pfalz fand Gefallen an Hasses Opern. Am 15.06.1757 wurde im Schloßtheater zu Schwetzingen seine Favola pastorale per musica "Leucippo" aufgeführt; die Titelrolle sang der aus Lucca stammende Soprankastrat Mariano Lena, er war auch als Gesangslehrer der Kurfürstin Elisabeth Auguste tätig.



    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Hallo!


    Was macht dieser thread denn hier im Opernforum? :motz: :motz:


    Den habe ich hier gerade nur zufällig hier wahrgenommen.


    Bitte an die Moderation: In die allgemeinen Klassikthemen verschieben, wo die anderen Komponistenportraits auch sind!


    Mich interessiert v.a. die geistliche Musik Hasses - und die wäre hier ja fehl am Platz, es gibt allerdings schon einige Beiträge dazu.


    Bei der Gelegenheit sollte man den thread auch umbenennen und "Mozart und seine Zeitgenossen" weglassen - oder man ist konsequnt und macht diesen Zusatz auch bei Telemann oder Weber dazu. :motz:


    Noch nicht genannt wurde Hasses d-moll-Messe, durch die ich den Komponisten kennengelernt hatte:



    :yes:


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Ich muß gestehen, ich fand die Zuordnung zum Opernforum und zu Mozarts Zeitgenossen auch etwas befremdlich - würde diesen Thread aber eher im Forum "Alte Musik - Barock" ansiedeln, wenn da nicht noch eine weitere Differenzierung in Form eines Unterforums über "Frühklassik" in Betracht kommt - aber im Zweifelsfall steht Hasse dem ausgehenden Barock näher als der sog. Wiener Klassik.


    Habe diesen thread aus dem Opernforum in das Allgemeine Klassikthemen-Forum, wo er vermutlich ursprünglich gestartet wurde, zurückverschoben.
    Komponistenvorstellungen, die nochdazu über herkömmliche Epocheneinteilungen hinausschwappen, sind dort wohl am besten aufgehoben. TB

  • Nachdem ich jetzt die Dombrecht CD von Hasses Requiem quergehört habe, die mir wahrscheinlich sehr gut gefallen wird, wenn ich sie denn bald mal anständig mit aller nötigen Ruhe gehört habe, stellt sich mir doch die Frage, warum die den Vokal "E" so komisch singen, klingt alles nach Edersee-EEEEE!


    "ChristEEEEE EEEELEEEEEisohn" .... :D


    Doch... doch... aber sonst sicher sehr gut.



  • Hallo,


    obschon ich Deine Reeeeeeezension noch gut vor Augen hatte, ist mir das bis jetzt noch nicht so ins Ohr gefallen.


    Ich finde die Interpretation sehr gelungen - das Requiem selbst ist ja schon etwas seltsam, beginnend bei der Wahl der Tonart C-Dur. Aber es war wohl eher auf den glänzenden Nachruhm des zu Betrauernden zugeschnitten, als auf die Trauer selbst. Das Werk selbst muß ja auch binnen 6 Wochen komponiert worden sein: Anlass war das Ableben des Churfürsten Friedrich August II. am 5. Oktober 1763 - aufgeführt wurde das Requiem am 22. November desselben Jahres.


    Dummer Weise steht im Booklet nichts erwähnenswertes zum Miserere in e-moll. Gibt es da mehrere zur Auswahl, oder ist es das, welches Klingsor auf Seite 1 dieses Threads so in die Tonne getreten hat? Mir gefällt das Miserere überaus gut!


    Il Fondamento und Paul Dombrecht sind jedenfalls Namen, die ich mir merken werde [nicht zuletzt hatte mich deren Interpretation der Orchestermusik Juan Crisóstomo de Arriagas fasziniert].


    Die Solisten sollten auch noch genannt werden:


    Greta De Reyghere, Sopran
    Susanna Moncayo von Hase, Alt [nicht 'von Hasse' :D ]
    Ian Honeyman, Tenor
    Dirk Snellings, Baß


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Ulli

  • Guten Tag


    Drei Kantaten J.A. Hasses sind auf dieser



    CD mit dem Ensemble Raccanto und dem Altus Andreas Pehl eingespielt, diese CD enthält die Kantaten


    - La fiamma che nel seno
    - Tra l'odorose piante
    - Il Nome


    Hasse hat diese nur für Singstimme und Cembalo bzw. noch mit Blockflöte und Fagott verstärkten Kantaten wohl während seines Italienaufenthaltes ab 1722 komponiert. In Italien war er mit N. Porora und A. Scarlatti zusammengetroffen, unter deren Einflüßen diese Kantatenwerke entstanden sein mögen.
    La fiamma che nel seno erzählt vom Leben einer Taube in einem trügerischen Waldidylle, in Tra l'odorose piante trauert Cloris um den Hirten Tiris und in der Kantate Il Nome besingt ein Liebender einen Lorbeerbaum, in dessen Rinde der Name seiner großen Liebe geritzt ist :angel:
    Eines enpfehlenswerte Aufnahme dreier Hasse- ( und zweier Händel-) Kantaten.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Auch einige Quellen geben mir da Recht, Hasse ist ein Konservativer, er hält an den alten Formen fest, ohne dabei aus der Mode zu kommen.


    Ich habe gelesen, dass er in den Opern immer konservativer wurde, dem Ideal Metastasios folgend, sonst aber schon die allgemeine Entwicklung mitmachte. Und dass seine späten Opern doch aus der Mode kamen.


    Zitat

    "Cleofide" ist ein Opera Seria im besten Sinne und eine wichtige Alternative zu Händel und Vivaldi!


    Für Cleofide gilt das noch nicht.

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Natürlich ist Hasses Opernstil grundlegend anders als der von Händel.
    Händel hatte das Ziel tiefste Gefühle mit Virtuosität zu kombinieren, ihm ist es gelungen, er ist unbestreitbar ein Meister der Oper.


    Hasse hingegen legt sich ganz auf die Virtuosität fest, ein Forum für Farinelli und die anderen Stars waren seine Opern.
    Dennoch hat er wunderbare Musik verfasst, auch wenn sie oberflächlich sein mag.


    Merkwürdig dieser Gegensatz Gefühl - Oberflächlichkeit.
    Ich würde eher eine abstrakt-klassische Schönheit finden als Oberflächlichkeit.
    Die Arien sind sehr kunstvoll und können deshalb nicht "oberflächlich" sein.
    Leider fehlt mir hierzu der theoretische Apparat, um Sinnvolles über die Arien zu sagen. Die harmonisch-formelle Entwicklung der A-Teile erinnert mich an vorklassische Sonatensätze. Müßte das mal mit A Scarlatti und Händel vergleichen.
    :hello:

  • Zitat

    Für Cleofide gilt das noch nicht.


    ?( wieso nicht ?


    Zitat

    Merkwürdig dieser Gegensatz Gefühl - Oberflächlichkeit.
    Ich würde eher eine abstrakt-klassische Schönheit finden als Oberflächlichkeit.


    ich glaube Heute würde ich auch andere Worte finden wollen.
    Aber der damalige Eindruck, scheint sich bei vielen Leuten die diese Opern hören erstmal wiederholen.


    Mittlerweile empfinde ich Hasses Opern nicht weniger stark emotional aufgeladen. Aber es ist eine etwas andere, unterschwelligere Emotion.
    Das aber für uns ganz klar erstmal die Stimmakrobatik im Vordergrund steht, würde ich jetzt nicht dementieren.

  • Zitat

    Original von der Lullist


    ?( wieso nicht ?


    Wieso eigentlich noch nicht? Ich empfinde es eher als nicht mehr (als 'Alternative zu Händel und Vivaldi'). Stilistisch ist diese 1731 komponierte Oper m. E. schon etwas aus Händels und Vivaldis Stil herausgewachsen (ähnlich den mir bekannten beiden Opern von Thomas Arne (Masque of Alfred, Artaxerxes)). Das geht doch schon eher Richtung Johann Christian Bach, der freilich erst nach der 'Cleofide' geboren wurde... Stilistisch hat sich nach meiner 'Kenntnis' zwischen den 1730er und 1760er Jahren wenig bewegt, bis eben J. Chr. Bach und Chr. Willibald Gluck auf den Plan kamen...


    :hello:

  • jupp, so würde ich das auch eher sehen, wenn man es mal ganz krass formulieren würde, Händel war zusammen mit J.S. Bach vom Stil her eigentlich hinter dem Mond, was die gängige Mode anbelangte.
    Seit 1720 war eigentlich die neapolitanische Schule im Aufstreben, ab 1730 bereits fest in Europa etabliert.


    Man richte da mal sein Augenmerk auf Telemann - er war neuen Einflüssen immer aufgeschlossen (man vergleich einfach mal eine Suite die er schrieb vor 1710 mit der "Grillen-Symphonie" - gleicher Personalstil, aber der gängigen Musikentwicklung angepasst - soetwas findet man bei Bach nicht.



    bis 1760 / 1770 hat sich im Grunde im Bereich Oper wirklich nicht mehr viel getan, selbst die frühen Opern von Gluck sind denen von Hasse mehr als ähnlich.
    Einen ähnlichen Umbruch hat in Frankreich fast zur gleichen Zeit mit dem Aktivwerden Rameaus.


    Wenn man als nach einer stilistischen Alternative zu Händels Opern sucht, dann an erster Stelle wohl Reinhard Keiser ( ..obwohl ... das meiste von Händel ist ja von Keiser :D ) und vielleicht noch Alessandro Scarlatti und Antonio Caldara, das würde eher passen.



    Ich denke auf diesem krassen Gegensatz zwischen Händel und Hasse beruht auch dieser Opernstreit in London.
    Und neben den Werken von Hasse, Porpora und Giacomelli wirkt Händel in der tat weniger modern, um es mal vorsichtig auszudrücken.

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Ich denke auf diesem krassen Gegensatz zwischen Händel und Hasse beruht auch dieser Opernstreit in London.


    Ob der Streit wirklich darauf beruht, wo nicht nachgewiesen ist, ob Hasse je (wirklich) in London war... ?


    Zitat

    Und neben den Werken von Hasse, Porpora und Giacomelli wirkt Händel in der tat weniger modern, um es mal vorsichtig auszudrücken.


    Das kann man schon so ausdrücken, ohne das gleich negativ zu werten.


    :hello:

  • Zitat

    Original von der Lullist


    ?( wieso nicht ?


    Ich meinte, bei Cleofide ist er noch nicht so sehr Metastasios Ideal folgend aus der Mode gekommen (ist nicht meine Beobachtung, sonder lexikalische Auskunft).
    :hello:

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Mittlerweile empfinde ich Hasses Opern nicht weniger stark emotional aufgeladen. Aber es ist eine etwas andere, unterschwelligere Emotion.
    Das aber für uns ganz klar erstmal die Stimmakrobatik im Vordergrund steht, würde ich jetzt nicht dementieren.


    Ich dementiere schon.
    :D
    Mir ist gar nicht aufgefallen, dass das sonderlich schwierig ist. Dann habe ich mich (nachdem ich die Arien der ersten 2 CDs schon alle 2x gehört hatte - und auch zum Großteil genossen und bewundert) gefragt, wieso Du meintest, dass die so schwierig seien. Die Arien selbst kommen mir tatsächlich nicht akrobatisch vor - eher die Verzierungen im da-capo-Teil. Sind die von Hasse oder improvisiert?
    :hello:

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Ich meinte, bei Cleofide ist er noch nicht so sehr Metastasios Ideal folgend aus der Mode gekommen (ist nicht meine Beobachtung, sonder lexikalische Auskunft).
    :hello:


    So 'aus der Mode' war das aber bis in die 1770er garnicht: Metastasio vertrat die Auffassung, akkompagnierte Rezitative nur zu Spannungssteigerungszwecken (also quasi am rezitativischen Höhepunkt) zu verwenden und ansonsten das klassische Secco-Rezitativ zu verwenden. Dies wurde ja auch noch von Mozart z.B. in Lucio Silla und Mitridate umgesetzt.


    Metastasio war Zeit seines Lebens, also bis 1782, maßgebend. Mit seinem Tod endete auch abrupt seine Ära, während der seine Prinzipiendiktate kaum unterwandert wurden (das wäre blasphemisch gewesen): das dt. Singspiel als eigenes neugeschaffenes Genre sei mal eine Ausnahme, wobei z.B. Mozarts 'Entführung' rein zufällig (?) 1782 entstand, wenige Monate nach Metastasios Amtsniederledung. Über sein Verhältnis zu Gluck und Glucks Verhältnis zu ihm weiß ich nichts (und hab auch keine Lust, jetzt danach Mme. Google zu befragen).


    Reden wir jetzt wieder geschickt aneinander vorbei...? :D

  • Ja, das mit dem - verflucht, wie schreibt man den Kram? - begleiteten Rezitativ habe ich gelesen, aber auch so eine Art Verbot selbständiger Begleitstimmen in den Arien besonders was Bläser betrifft - glaube ich - was dann am Ende von Hasses Karriere längst durch Jommelli u.a. eben aus der Mode gekommen war.


    Friedrich II hatte ja mit JG Graun noch einen richtigen Barock-Konzert-Komponisten lange nach 1750 im Dienst - das würde zur Bevorzugung einer aus der Mode gekommenen Opernschreibweise gut passen.
    :hello:

  • Solche Starrköppe gabs ja (zum Glück) immer - ich liebe die :D (es mußte ja auch damals noch was Neues für die Staubis geben...)


    Zum Bleistift Naumann, der quasi parallel zu Beethovens 'Fidelio' noch eine extrem klassische 'Aci e Galathea' komponierte, die nach 1770 passt. Die Gegensätzlichkeiten sind derart krass...


    :pfeif:


    Ich würde aber Hasse erstmal nicht als solchen bezeichnen, gerade wenn man seine 'Cleofide' mit ihren Klassenkameradinnen vergleicht. Gegen Ende seines Schaffens mag das ggfs. hinkommen - nicht jeder Komponist war so schlau, sich durch frühes Ableben nichts vorwerfen lassen zu können.


    :beatnik:

  • Ich kenne halt auch mehr Opern von Hasse, und erstaunlich ist wie er mit fast jedem Werk moderner wurde.


    eines seiner ersten Werke (ich glaube noch in Italien entstanden) Marc Antonio e Cleopatra ist noch ganz im Stile des alten Scarlatti geschrieben. Er war ja dessen letzter Schüler..einen Monat lang oder so, bevor dieser ins Gras biss :hahahaha:


    Allein da glaubt man schon nicht, das Cleofide, Olimpiade, Artemisia etc. vom gleichen Komponisten stammen - dann mit Pirame e Tisbe ( 1768 ) folgt er dem neuen Ansatz vo Gluck unt entfernt sich nochmal komplett von seinem eigenem Resort.



    Und es stimmt schon, in Cleofide gibt es noch nicht so viele "böse" Arien, aber in vielen anderen Werken schon.
    Und ob Hasse in London war, ist eigentlich egal - seine Opern waren es, und wurden da gespielt - durchsetzt mit Arien von Brosci, Giacomelli und Porpora.
    Deshalb bin ich sa so scharf darauf diesen Londoner Artaserse mal auf CD zu bekommen, am besten mit Bartoli, Kermes, Karthäuser und in einer Nebenrolle Jarrousky :D
    Denn das muss wirklich gigantisch gewesen sein, viele Arien daraus hatten bis ins 20. Jh. den Ruf "unsingbar" zu sein.


    Was ich an Hasse so bewundere ist sein enormer Einfallsreichtum, seine wahnsinnig schönen Melodien und diese spezielle Eleganz, die man bei Bach auch nicht unbedingt findet.

  • Zitat

    Original von Ulli
    Gegen Ende seines Schaffens mag das ggfs. hinkommen - nicht jeder Komponist war so schlau, sich durch frühes Ableben nichts vorwerfen lassen zu können.


    Genau, es ging ja um das Ende seiner Karriere.

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Und es stimmt schon, in Cleofide gibt es noch nicht so viele "böse" Arien, aber in vielen anderen Werken schon.


    Ich habe gerade hier


    "http://imslp.org/wiki/Category:Hasse,_Johann_Adolph"


    In die Partitur von "Arminio" (1747) geschaut.
    Es sind die da-capo-Teile nicht nochmals notiert, das wird wohl auch für die Cleofide (1731) gelten (die nicht auf der Web-Seite zu finden ist). Die virtuosen Passagen (an den Enden der Arien) auf der Cleofide-Aufnahme sind also improvisiert. Im Arminio geht es offenbar tatsächlich virtuoser zu.


    Wenn sich Hasse von einem "natürlicheren" zu einem "virtuoseren" Gesangsstil entwickelt hat, wäre das auch ganz entgegen der Modeströmung des 18. Jahrhunderts. Also vom modernen (Cleofide) zum altmodischen Komponisten.
    :hello:

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Ich kenne halt auch mehr Opern von Hasse, und erstaunlich ist wie er mit fast jedem Werk moderner wurde.


    eines seiner ersten Werke (ich glaube noch in Italien entstanden) Marc Antonio e Cleopatra ist noch ganz im Stile des alten Scarlatti geschrieben. Er war ja dessen letzter Schüler..einen Monat lang oder so, bevor dieser ins Gras biss :hahahaha:


    Allein da glaubt man schon nicht, das Cleofide, Olimpiade, Artemisia etc. vom gleichen Komponisten stammen - dann mit Pirame e Tisbe ( 1768 ) folgt er dem neuen Ansatz vo Gluck unt entfernt sich nochmal komplett von seinem eigenem Resort.


    Wenn man von den ersten Gehversuchen auf dem Opernpflaster mal absieht (das ist ja, bis auf Beethoven :D bei jedem Komponisten so), finde ich durchaus, daß Hasse seinem rein musikalischen Stil treu blieb, um nicht zu sagen, daß ich ihn als unverkennbar empfinde (ohne das detailreicher präzisieren zu können), egal aus welchem Jahr sein jeweiliges Werk stammt (Mozart zu 'erkennen', wenn man z.B. seine La finta semplice hört, erscheint mir da durchaus schwieriger, weil man mit 'reifen' Werken wie z.B. den da-Ponte-Opern vergleicht).


    Aber derart krasse Stilerneuerungen hat es bei Hasse für mein Empfinden nicht gegeben, wenn ich auch eine gewisse Modernisierung herauszuhören vermag.


    :hello: