Beliebteste Fugen der Taminos

  • Die Reihe "Beliebteste ..." gibt es ja schon in vielfältiger Hinsicht.


    Hier sollen die Fugen im Mittelpunkt stehen, auch, oder gerade dann, wenn man vielleicht gar nicht so viel Barock hört. Was kommt bei Euch an? Eventuell auch: warum ist das jeweilige Stück beliebt?


    Pro Mitglied bitte max. 5 Nennungen.

  • Contrapunctus 8 aus der Kunst der Fuge. Während das Haupthema (und die ersten vier Fugen) der KdF ein bißchen trocken sein können, finde ich die Themen dieser Fuge großartig und ebenso die Energie des Stücks.


    Ich verlinke einfach mal den ersten Treffer, weil da auch die Noten dabei sind. Man findet leicht alternative Interpretationen (wobei die Contrapuncti manchmal unterschiedlich numeriert werden).


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Beethoven, Sonate op.110. Die wohl lyrischste Fuge Beethovens beginnnt kurz nach 13 min, wird ca. 16 von einer "Reprise" eines vorhergehenden langsamen Satzes unterbrochen und beginnt ca. 18:50 wieder mit der "Umkehrung". Hier in einer romantisch-flexiblen Interpretation des beinahe vergessenen Schweizer Komponisten und Pianisten Ernst Levy (wiederum gibt es leicht findbare andere Optionen bei ytube).
    Idealerweise solllte man auch den Rest der Sonate vorher hören. In jedem Falle ist das hier ein vielleicht deutlicheres Beispiel als die Extremfälle in op.106 und op.130/133 dafür wie sich Beethoven eine poetische Aneignung der "akademischen" Fugenform vorgestellt hat.


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Wie wäre es mit etwas (groß-)orchestralem? - Ich liebe z.B. die Schlussfuge aus Brittens The Young Person's Guide to the Orchestra op.34; besonders wenn sich ganz am Schluß das Purcell-Thema über die Fuge "schiebt":



    (Fuge ab 16'14'')

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • R-8586862-1540288665-9281.jpeg.jpg


    Hallo MSchenk,
    dem stimme ich voll zu; ich habe diese Aufnahme noch als Decca-LP. Als meine Kinder älter wurden, war es tatsächlich ein guter Instrumentenführer.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Zitat

    Ist es nicht toll, wie unterschiedlich Fugen sein können? m-mueller


    Da hast Du völlig recht, lieber m-mueller! Und da ich nicht sooo viel Barockmusik höre, stelle ich hier mal eine Fuge vor, die mir geradezu tadellos zu sein scheint:


    Einen schönen Nikolaus-Samstag und volle Stiefel wünscht euch
    der Cartman
    :D

  • Ja Wahnsinn, wenn die Dübel in den Löchern verschwunden sind, gibt es sogar ´ne Doppelfuge. Hat sich Bach da mit seiner Art der Fugen nicht einfach zuviel Arbeit gemacht??

  • Zwar steht der Thread im "Barockforum", aber Beethoven und Britten wurden auch schon angeführt. Außer Bach sind die interessanteren Fugen eher nicht aus dem Barock :untertauch:
    Eines der berühmtesten Werke des 20. Jhds. beginnt mit einer Fuge; vielleicht eine Hommage an die Kirchensonate. Bartoks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta.
    Hierzu existiert bereits ein längerer Thread mit vielen Eindrücken und Kommentaren.


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

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  • Und da ich nicht sooo viel Barockmusik höre, stelle ich hier mal eine Fuge vor, die mir geradezu tadellos zu sein scheint:


    Hallo Cartmann,


    Deine Skizze enthält keine Fuge - wenn Du mir nicht glauben solltest, dann bitte frag' doch mal einen Schreiner, was er unter einer Nut- und Federverbindung versteht - die Nut könnte eine Laie als Fuge bezeichnen, aber nicht die Bohrung für eine Dübelverbindung.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Die zweite Fuge, die ich benennen möchte, ist die aus BWV 538, Toccata und Fuge d-moll (Dorische).


    , Fuge ab 5:40,


    hier zur Zeit gebraucht für 1 Cent (+ 3 € Versandgebühren) zu erhalten



    Die BWV 538 wird auf dieser CD von Miklos Spanyi gespielt (Pseudonym: Otto Winter), die weitaus beste mir bekannte Version.

  • Lieber m-mueller,
    Du bist ja ein rechter Fugen-Narr! Bist Du etwa mit Constanze Weber verwandt?!?


    Scherz beiseite: meine liebsten Fugen finden sich hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=Uuj5uzgmB5A


    Warum? Sie müssen nicht gelehrig klingen, sie dürfen ganz entspannt daherkommen und Emotionen auslösen ohne Selbstzweck.


    Zum Tischlerhandwerk: statt zu dübeln kann man auch zahnen.
    Hält besser und ist der musikalischen Fuge noch näher.


    Herzliche Grüße,
    Mike

  • Lieber Melante,


    macht einen "vernarrt in..." zum Narren?


    "Constanze Weber" sagt mir bedauerlicherweise nichts, muß ich mal googlen.


    Die Shostakovich-Fuge ist gut, in der Reihe gibt es aber eine (m. E. nach) wirklich überragende Fuge, über die mich Deine Meinung interessieren würde:

  • Lieber m-mueller,
    nein, "vernarrt sein" heißt sicher nicht automatisch, ein Narr zu sein.


    Hast Du Mme. Weber unterdessen gefunden? Mozarts Gattin, die sie war, war auch ganz verliebt in Fugen.


    Auf Deinen link kann ich zur Zeit nicht zugreifen, YT gibt eine Fehlermeldung aus- ich hole es aber nach!


    Bis dahin für Dich vielleicht noch von Interesse, dass nun gerade Maler wie Ciurlionis oder Lyonel Feininger sehr schöne Fugen verfasst haben:
    https://www.youtube.com/watch?v=t99lh3fPSzQ



    Bei Feininger passt das, dessen Bilder ja auch mit dieser fugenähnlichen Verzahnung arbeiten.


    Herzliche Grüße,
    Mike

  • Lieber Melante,


    Asche auf mein Haupt, daß ich das "Stanzerl" nicht erkannt habe.


    Erstaunlicherweise gefallen mir Feiningers Werke ganz ausgezeichnet, auch wenn ich mit dem sonstigen Bauhaus-Umfeld nicht viel anfangen kann. Die beiden Fugen, die auf youtube zu finden sind, sind vielversprechend, die Hörschnipsel sind jedenfalls ein Tease.


    Der Link funktioniert hier, probier es doch nochmal.


    Grüße zurück
    Noch´n "Mike"

  • Lieber m-mueller,
    bitte entschuldige, dass ich nur so sporadisch antworte.
    Liegt an meinen Arbeitszeiten.
    Wie versprochen: das Anhören Deines links hole ich nach.
    Hab bitte etwas Geduld.


    Ständig Nachtdienste, das bringt mich manchmal etwas "aus den Fugen".


    Eigentlich sollte ich jetzt schlafen und eigentlich gehört das auch nicht hierher: befasse Dich mal intensiver mit dem Bauhaus-Umfeld, vor allem der Herkunft. Und stoße dabei auf anthroposophische Architektur. Das "erklärt" Feiningers Fugen und Bilder besser.
    Treppen, die sich geschwunden nach oben hin verjüngen um quasi als Sog zum Eintritt einzuladen.
    Oder aber Schränke, die wie ihren Inhalt behütend gebaut sind, beinah umarmend.
    Sinn und Sinnlichkeit vereinend.


    Herzliche Grüße von "noch'n Mike"

  • Lieber Melante,


    die antroposophische Architektur kenne ich aus eigener Anschauung ein wenig (wir haben hier in der Nähe ein solches Krankenhaus, wo zwei unserer Kinder zur Welt gekommen sind);


    Expressionisten sagen mir manchmal was, der Blaue Reiter aber z.B. eher nicht.


    Aus meiner Sicht ist Feiningers bestes (und vielleicht fugenartigstes) Bild Gelmeroda 9.
    Wenn man sieht, was für eine Kathedrale Feininger aus der unscheinbaren Dorfkirche gezaubert hat, kann man nur staunen.

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  • Ich nenne mal fünf Instrumentalfugen, alle von Bach:


    BWV 1000 g-Moll Laute


    BWV 1080, unvollendeter Contrapunctus, d-Moll


    BWV 1079, Ricercar a 6, c-Moll


    BWV 578, kleine Fuge g-Moll


    BWV 542, große Fuge g-Moll (mit Fantasia)


    Der Grund, warum mir diese so gut gefallen, ist hauptsächlich das Thema (die Themen bei BWV 1080).


    Chorfugen bringe ich in einem späteren Beitrag.

  • Hallo


    JS Bach: Chromatische Fantasie und Fuge d-moll BWV


    B Bartok: 1.Satz aus der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta


    LG Siamak

  • Viele meiner Favoriten wurden bereits genannt. Ich stelle eine Aufnahme vor, die ich wegen der Breite des Repertoires schätze.


    Diese beim Werbepartner vergriffenene SACD, antiquarisch findet man sie noch, enthält Fugen aus allen Epochen der Musikgeschichte, von einem Anonymus aus dem 14. Jahrhundert bis zu Schostakowitsch.


    Es sind Bearbeitungen, die für Blockflötenensemble notiert wurden. Das Amsterdam Loeki Stardust Ensemble spielt Fugen Around the Clock, deshalb dieses Coverbild.


    Fugen von Scheidt, Muffat, Händel, Palestrina, Schubert, Bach, Schumann, Brahms, Mendelssohn, CPE Bach, Julien, Corelli, Pohlit, Schostakowitsch & einem Anonymus



    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Max Regers Op. 81 Variationen und Fuge über ein Thema von J.S.Bach enthält eine, wie ich finde, wundervolle Schlussfuge. Anders als zum Beispiel in Busonis Fantasia hat sie noch spielerischen Charakter, der einem beim Hören Mut gibt. (Vorsicht Schwafelgefahr :))


    Hier live gespielt von Rudolf Serkin (Fuge etwa bei 22'10'')


  • Die deprimierendste Fuge, die ich kenne (ich glaube, es handelt sich nicht um eine Fuge im Schulbuchsinne) ist der erste Satz von Schostakowitschs letzten fünfzehntem Streichquartett Op. 144


    Das ganze Quartett ist ein mehrsätziges Adagio mit allen Sätzen in es-Moll. Der erste Satz trägt den Titel Elegie. Hier eingespielt vom Rubio Quartett


  • Das war mir gänzlich unbekannt, was das inaktive Mitglied Melante in Beitrag 15 erwähnt hat: Der Maler Lyonel Feininger (1871-1956) hatte sein Leben lang enge Beziehungen zur Musik. Bachs Fugenstruktur spürte er als Maler wie als Musiker nach.


    Das ist seine Fuge I aus dem Jahr 1921.


    .

    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


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    Hans Winking

  • Auch wenn moderne Musik dazu neigt, häufig depressiven Charakter zu haben - wo sollte die gute Stimmung auch immer herkommen ;)-, darf man das nicht zur Regel machen. Der große Dmitri Schostakowitsch schrieb als Nr. 7 seiner Präludien und Fugen Op. 87 aus dem Jahre 1951 eine solche dreistimmige, unbeschwerte in A-Dur und eine ebensolche als Nr. 5 in D-Dur. Wer es nicht glauben will (bei Schostakowitsch !) kann es hier hören oder im Notfall im Gesicht des Pianisten ablesen.


    es spielt Daniil Trifonov.


    Präludium und Fuge Nr. 7 in A-Dur bei 10'

    Präludium und Fuge Nr. 5 in D-Dur 16'30''


  • Was das Leben so schreibt:


    Gerade kam ein Päckchen mit der Post und aus dem Zimmer klang eine Fuge aus Schostakowitschs Präludien und Fugen, allerdings gespielt von Tatjana Nikolajewa. Der Briefträger fragte, was das für schöne Musik sei. Ich nannte kurz den Komponisten und er sagte, dass er ja eigentlich keine klassische Musik mag, aber das hier sei wirklich gut!


    Es gibt halt mehr Dinge zwischen ...



    Um dem Thread Titel gerecht zu werden. Dem Postboten gefiel Fuge Nr. 9 in E-Dur. Jetzt eingespielt von Vladimir Ashkenazy


  • Diese Fuge werden wenige kennen.


    Franz Schubert ist ihr Schöpfer. Sie hat die Deutsch Nummer 952 und steht in e-Moll.



    .

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    John Cage


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