Entdeckungen: Neue Stimmen

  • Lieber Alfred!


    Da hast Du wirklich einen ganz wundervollen und wahrhaft vielversprechenden Sänger vorgestellt. Ich habe ihn schon mit zwei Liederabenden gehört! Beide Male war er Einspringer. Beide Male eroberte Benjamin Appl das Publikum im Handstreich mit seinem feinen Liedgesang.


    Die klare helle Baritonstimme ist ungemein jugendlich, weich und sensibel. Er singt klar - mit makelloser Technik - artikuliert und absolut textverständlich - ohne freilich je in Überdeutlichkeit zu verfallen. Besonders einnehmend sind seine innig-lyrischen und empfindsamen Tönen. Er findet je eigene Farben und Schattierungen für die Wehmut und Verzweiflung, für Melancholie und Trostlosigkeit, aber auch für stilles Glück und Verzauberung, ja für "ein heilig Säuseln" (Hölty).


    Aber er hat auch die Kraft und Imagination für den Erlkönig und den Atlas. Seine dramatische Gestaltung vernachlässigt freilich nie die große Gesangslinie, erlaubt sich lediglich kleine Ritardandi oder Accelerandi, markante Farbwechsel oder die Hervorhebungen von Worten. Man könnte sich vielleicht vorstellen, dass er noch etwas mutiger den revolutionären Geist der Romantik aufspürt und davon etwas mitteilt. Aber das soll überhaupt keine Einschränkung sein sondern allenfalls andeuten, welch Potential in diesem außerordentlichen Liedersänger steckt.


    Oper scheint er bisher nicht viel zu singen.
    In der Staatsoper Berlin hat er in Péter Eötvös "Tri Sestri" den Baron Tusenbach gesungen.
    Und beim Brighton Festival den Aeneas and Purcells "Dido and Aeneas".
    Aber ist es nicht schön, dass ein so hoch veranlagter Sänger sich weitgehend auf das Lied konzentriert?



    Herzliche Grüße


    Caruso41


    PS.: Übrigens noch erwähnenwert: Er stammt aus der Sängerschmiede der Regensburger Domspatzen!

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • IMG hat inzwischen ein Dutzend Liedaufnahmen vom Schubert eingestellt.
    Unter anderen:



    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Appl stellt für mich den Idealfall eines Liedinterpreten, aber in weiterer Folge natürlich auch einen idealen Darsteller von Rollen in Mozartopern dar (den Grafen in "le Nozze die Figaro" hat er ja in London bereits gesungen)
    Die Schönheit der Stimme gepaart mit gutem Geschmack und Intelligenz, das ist doch eher rar. Es gibt viele Sänger, die heute als ausgezeichnet gelten, die mir aber persönlich nicht hundertprozentig zusagen, meist ist des der zu dramatische Vortrag, der die Musikalität stört. Bei Appl habe ich den Eindruck, daß hier beinahe nahtlos an den jungen Fischer Dieskau angeschlossen wird, bei aller Wahrung der Eigenpersönlichkeit und der Färbung der Stimme. Dazu kommt nich, daß ich persönlich den Eindruck habe, dass er die Leieder "mitlebt", daß hier mehr als nur ein Sänger, sondern eine Persönlichkeit vor uns steht, und zwar eine die weiß was sie will. Es wird hier nicht eine Pflichtübung absolviert, sondern das eigene ich mit eingebracht. Etwas das selten geworden ist. Auch wenn Appl spricht, sei es in deutsch, sei es in seinem makellosen Englisch ist es ein Vergnügen ihm zuzuhören, sowohl vom Inhalt her, als auch, wie er den Inhalt vermittelt. Bei Sony attestierte man ihm "Charisma" - und ich würde dem vorbehaltlos beipflichten.
    Von der Sängerseite her kann man ja die letzten 4 Jahre seiner Entwicklung verfolgen, die Stimme des jungen Mannes scheint zu halten, was die des Jünglings bereit versprach, bzw ohnedies beinahe erfüllte.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Lieber Caruso,


    "gut Ding will Weile haben" - Nun läuft dieser Thread doch wie geschmiert. Ich habe dadurch eine Reihe von neuen Stimmen neu oder vertiefend kennengelernt. Genau dies ist eine der vornehmsten Aufgaben unseres Tamino-Forums. Weiterbildung und Horizonterweiterung der Mitglieder. Auch ich werde weitere interessante Stimmen vorstellen. Da eines der vorrangigsten Ziele der Gottlob-Frick-Gesellschaft die Förderung junger Sänger durch Auftrittsgelegenheiten ist, bin ich oft an den ganz Jungen dran. Ende des Monats bin ich beim Internationalen Gesangswettbewerb Debut und werde zwei Finalisten aussuchen, denen wir dann Auftrittspreise geben. Vielleicht sind diese schon so reif, dass ich sie als "Neue Stimmen" vorstellen kann. Vorher kommen noch andere von mir. Mit diesem Beitrag wollte ich jedoch diese Initiative anderkennen und zum Weitermachen in dieser Richtung - vielleicht auch mit jungen Instrumentalisten - ermuntern. :jubel:


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich erwähne lediglich, dass Appl zusätzlich zu seiner Gesangsausbildung der letzte Privatschüler von Dietrich Fischer Dieskau war, weil ich das Gefühl habe, daß man das sogar hört...


    und er noch jung genug ist, letzte kleine Macken im Liedvortrag gegenüber Fischer-Dieskau auch noch auszumerzen, sodass man keinen Unterschied mehr gegenüber Fischer-Dieskau hört, von seinem Timbre und seiner ureigenen Sängerpersönlichkeit abgesehen.


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • "gut Ding will Weile haben" - Nun läuft dieser Thread doch wie geschmiert. Ich habe dadurch eine Reihe von neuen Stimmen neu oder vertiefend kennengelernt. Genau dies ist eine der vornehmsten Aufgaben unseres Tamino-Forums. Weiterbildung und Horizonterweiterung der Mitglieder. .....


    Schönen Dank Allen, die mitgeholfen haben, dass wir uns hier gegenseitig Neue Stimmen vorstellen!

    Ich mache denn mal weiter!
    Ich stelle heute mal eine Sopranistin vor, die zwar nicht ganz am Anfang steht, bereits in großen Häusern große Partien singt, aber noch immer nicht allzu bekannt ist:
    Maria José Siri



    Der Lebenslauf wird auf der Homepage der Deutschen Staatsoper so dargestellt:



    Ich habe sie in diesem Jahr beim Macerata Opera Festival gehört , wo sie erstmals die Norma sang.
    Vorher hatte sie schon in Berlin und Kopenhagen gehört, aber ich werde mich im wesentlichen auf ihre Norma beziehen, weil ich den Eindruck hatte, damit hätte die Siri einen wesentlichen Schritt vorwärts gemacht zu einer wirklich außerordentlichen Sängerin.


    Ihre Stimme ist ausladend und opulent! Irgendwie majestätisch - manch einer mag sich an dem Vibrato stören, aber ich fand es sicher kontrolliert. Auch der metallische Ton, den sie manchmal im Forte entwickelte, konnte ich goutieren. Das mag aber in einem geschlossenen Haus anders wirken.
    Sie spürt jeder Nuance der Worte mit ausgeprägtem Bewusstsein für Zwischentöne und Farben nach. Ihr Konzept des Schöngesangs ist ganz dem Bemühen um Intensität und Ausdruck verpflichtet. Technisch ist sie sehr versiert, aber eigentlich keine Virtuosa. So klingen denn auch einige wenige - besonders schnelle - Koloraturen nicht wirklich flüssig. Aber was ist das gegen diese Bühnenpräsenz und dramatische Wahrhaftigkeit?? Mit der Siri steht eine vielleicht etwas altmodische Sängerpersönlichkeit auf der Bühne. Schauspielerisch ist sie eher konventionell, aber mehr will man in Macerata auch nicht verlangen.


    Sie singt die schwierige und für sie noch ungewohnte Partie mit einer ungeheuren Courage: sie wagt riskante Pianissimophrasen, sie spannt extrem weite Bögen, sie stürzt sich in die Koloraturen, sie schleudert flammende Spitzentöne.... und sie gewinnt!!! Siris Timbre ist edel, ihr Piano cremig, das Forte hat Wärme und kann die Furor der Wut und Verzeiflung annehmen.
    Dass man mit Sonja Ganassi eine Adalgisa besetzt hatte, die eher herb und unpathetisch, fast nüchtern sang, war einerseits ein guter Kontrast, steigerte andererseits die Wirkung dieser starken Sängerpersönlichkeit Maria José Siri.


    Ich stelle mal nur die Casta Diva ein. Der Ton ist nicht optimal. Aber man bekommt einen Eindruck.
    Vielleicht kommen andere Videos noch hinzu.
    Bestimmt hat sie ja auch jemand anders schon in Berlin, in Stuttgart, in Bregenz oder anderswo gehört und mag darüber berichten.



    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Maria José Siri ist mir als Odabella in Verdis Attila und als Tosca positiv aufgefallen. Wenn man die auf der Bühne agieren sieht, denkt man sie ist in dem Moment wirklich Odabella oder Tosca. Bei der Odabella hatte sie mit den Koleraturen überhaupt keine Probleme.

  • Lieber Rodolfo!
    Die Odabella ist ja wirklich eine irre Partie.
    Man möchte meinen, Verdi hätte das nicht erst gemeint, was er da geschrieben hat.
    Eigentlich habe ich nur eine Odabella gehört, die mich gesanglich wirklich überzeugt hat. Das war Gundula Janowitz. Allerdings: ihrer Stimme hat es nicht gut getan und sie die Partie nach den Aufführungen in Berlin nie wieder gesungen hat - alle Einladungen ausgeschlagen!


    Aber Maria José Siri hält sich wirklich toll. Sie hat den Furor und die Leidenschaft für die Partie. Da nimmt man es nicht übel, wenn mancher Ton nicht ganz in Focus ist, die Tiefe ein wenig schwach klingt und die Koloraturen nicht genau ausgeführt werden:



    Interessant ist das Interview:



    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Andrzej Filończyk


    Wenn man die Namen der künftigen Stars wenigsten korrekt aussprechen könnte – oder sie sich wenigstens merken…
    Meine neueste „Entdeckung „ im Internet ist der 1994 geborene polnische Bariton Andrzej Filonczyk Mir ist der Namre erstmals in Verbindung mit den Salzburger Fastspielen aufgefallen. Wo er am "Young Singers Project" teilnimmt., welches ausgewählten internationalen Nachwuchssängern (Altersobergrenze ist 30) im Rahmen eines Stipendiums Studien in Meisterklassen, aber auch zahlreiche praxisbezogene Entwicklungsmöglichkeiten anbietet, wie beispielsweise die Gestaltung der traditionellen Kinderopern und als Besetzung von kleineren Rollen im normalen Festspielbetrieb neben den etablierten Sängern der jeweiligen Saison. Andrzej Filończyk singt beispielsweise bei den Salzburger Festspielen 2016 die Rolle des Dieners in "Thais."


    Es gibt derzeit keine CDs oder DVD mit diesem Sänger, wohl aber vereinzelt Youtube Clips, von denen ich 2 hier verlinke .
    Die Stimme ist eher strahlend männlich, "russisch" als subltil. Das macht ihn für bestimmte Rollen besonders geeignet.
    Ich bitte zu beachten, daß das Orchester nicht zur Bewertung herangezogen werden sollte - es ist IMO schrecklich !!!
    Der zweite Clip zeigt ihn mit einem ebenfalls polnischen, jungen Sänger, Krzysztof Bączyk (*1990) dem demnächst vermutlich ebenfalls ein Eintrag hier – oder aber – je nach Bedeutung – ein neuer Thread gewidmet werden soll. Ziel ist es in letzter Konsequenz, dass die meisten der hier genannten Sänger – wenn sich ihre Karriere positiv entwickelt – mittel – bis langfristig - einen eigenen Thread bekommen sollen. Im Fall von Filończyk ist das mehr als wahrscheinlich……




    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Die Stimme ist eher strahlend männlich, "russisch" als subltil.


    Ja, lieber Alfred, das kann man sagen!


    Ich habe mir mal ein paar von den Aufnahmen angehört, die es bei Youtube gibt.
    Eine imponierende Stimme. Offensichtlich groß und durchschlagend. Erfreulich, einen Bariton zu hören, der wirklich Mark in der Stimme hat. Glanzvoll seine eherne Höhe. Dafür ist die Tiefe nur mäßig ausgebildet. Subtil wäre in der Tat nicht die erste Vokabel, die einem zu ihm einfällt. Er singt vielmehr zupackend, ein bißchen geradeaus und etwas unbedarft noch, aber man kann ihm nicht vorwerfen, dass er unkultiviert sei. Noch ist sein zentrales Interesse, seine Stimme auszustellen. Ein gestaltender Sänger, gar ein Künstler wird er sicher erst werden müssen.


    In der Oper dürfte er gleichwohl schon gut für manche Partie sein. Aber fürs erste sollte er sich Zeit lassen und noch an sich arbeiten. Scheint er ja auch zu planen. Zumindest ist er in Warschau nur in Komprimarirollen angesetzt. In Posen probiert er offensichtlich die eine oder andere größere Partie.


    Als Liedsänger ist es freilich noch ein weiter Weg. Allenfalls das jüdische Volkslied konnte mich einigermaßen befriedigen. Tschaikowskis Serenade das Don Juan war wie vom Blatt gesungen, die Lieder von Moniuszko und Szymanowski kaum besser.


    Übrigens: Du hattest nichts zu Maria José Siri geschrieben. Hat sie nicht auch schon in Wien gesungen?


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Maria José Siri wird am 16, und 21. Oktober 2016 in Dresden die Tosca und im Mai 2017 in der Deutschen Oper Berlin die Madeleine von Coigny singen.
    Das wäre ja eine günstige Gelegenheit, sie kennen zu lernen und sich eine eigene Meinung zu bilden!



    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso,


    Dein neuer Thread mit neuen jungen Sängern scheint ja, ganz im Gegensatz zu deinen anfänglichen Befürchtungen, auf großes Interesse zu stoßen. Ich gratuliere dir dazu herzlich!


    Dass ich mich noch nicht dazu äußern konnte, hat vor allem zwei Gründe, die ich dem dem Argument "höhere Gewalt" zuordnen muss:
    Einmal: Musstest du damit ausgerechnet damit beginnen, kurz nachdem ich mich auf eine dreiwöchige Reise begeben hatte?!
    Zum anderen: Ich gehöre nicht zu denen, die alle Top-Sänger in ihrem Kasten haben müssen. Ich nehme das auch im Alter etwas gelassener - nach dem Motto: kommt Zeit, kommt Rat. Und wenn ich nicht alles mitbekomme, überlebe ich es meistens.
    Aber im Ernst: Manches davon werde ich auch mitbekommen - und vielleicht auch manchmal Feuer fangen.


    Für den weiteren Fortgang des Unternehmens wünsche ich dir erst mal viel Erfolg!


    Herzliche Grüße von Sixtus

  • Liebe Melomanen!
    Es scheint niemand mehr Lust zu haben, über Benjamin Appl, Andrzej Filończyk oder Maria José Siri zu diskutieren.


    Dann will ich mal eine neue Stimme vorstellen.


    Es ist eine französische Mezzosopranistin die möglicherweise geteilte Reaktionen hervorrufen wird:
    Clémentine Margaine



    Ich habe sie in der Deutschen Oper Berlin kennen gelernt.
    Zunächst war sie Stipendiatin, in der Saison 2012/13 wurde sie festes Ensemblemitglied. Inzwischen ist sie mehr oder weniger viel unterwegs, singt hier und dort!
    Aber offenbar ist die dem Haus an der Bismarchstraße noch weiter verbunden.


    Auch sie kommt mit Erfahrung aus der Alten-Musik-Szene, hat Campra und Händel, Traetta und Gluck gesungen.
    Aber ihr Feld dürfte eindeutig mehr die Oper des 19. Jahrhunderts sein.


    Ich habe sie zunächst in verschiedenen kleineren Partien gehört und wurde schon da auf sie aufmerksam. Inzwischen habe ich sie im Verdi-Requiem (Szenische Aufführung), als Federica in Luisa Miller und als Marguerite in der Damnation de Faust gehört. Zudem habe ich sie in Salzburg in Otto Nicolais "Il Templario" gehört. Sie sang anstelle von Joyce di Donato die Partie der Rebecca neben Juan Diego Florez.
    Ihre Paradepartie scheint die Carmen zu sein, die sie 2017 an derMet singen wird. Leider aber die habe ich sie in der Partie noch nicht erlebt.


    Trotzdem wage ich, etwas über die Stimme zu sagen, da ich sie doch in recht verschiedenen Rollen gehört habe:


    Ein dunkel timbrierter Mezzosopran von typisch französischem Charakter. Voll und voluminös im Klang aber frappierend beweglich und geschmeidig. Faszinierend ist die reiche dunkle Farbe, oft samtig, dann wieder sinnlich glühend, manchmal gurrend und irgendwie opak und geheimnisvoll. Ich kann mir vorstellen, dass manch ein Melomane so seine Schwierigkeiten hat, sich für das Timbre zu begeistern. Aber wenn man sich darauf einlässt, ist es einfach ein Genuss, eine solch charaktervolle, reich oder üppig sich entfaltende Stimme zu hören.
    Clémentine Margaine kann mit einem prachtvollen Volumen beeindrucken, mit großartig weit gespannten Bögen begeistern, aber mehr noch mit der magischen Fähigkeit, ein Pianissimo über dem Orchester zu projizieren.
    Ihre Romanze "D’amour l’ardente flamme" in der Damnation war atemberaubend in der Dichte und Kraft der Emotionen. Ihr "Liber sciptus" im Verdi Requiem von beängstigender Intensität!
    Es gibt viel zu rühmen an der "Neuen Stimme" aber wenigstens mit einem Wort muss auch gesagt werden, dass sie zudem eine faszinierende Bühnenpersönlichkeit ist: Sie hat eine magnetische Ausstrahlung und eine geerdete Sinnlichkeit, die mich an Juliette Binoche erinnert.
    Aufnahmen hat sie wohl noch keine gemacht.
    Es gibt aber Videos bei Youtube.
    Vielleicht macht es Spaß, mal mit diesen die Entdeckungsreise zu starten:







    Leider werde ich die kommende Woche nicht zu Hause sein, aber ich bin gespannt auf Höreindrücke und Reaktionen


    Beste Grüße


    Caruso41


    P.S.: Wer biografische Informationen sucht, wird auf der Homage der Deutschen Oper Berlin fündig


    [quote]Biographie


    „Ein außergewöhnliches und vielversprechendes Talent auf der internationalen Karriereleiter“, so bezeichnete ein russischer Journalist die junge Mezzosopranistin Clémentine Margaine anlässlich eines Konzerts mit Werken französischer Komponisten, das sie im April 2010 in St. Petersburg gegeben hat. Nach Abschluss des Klavierstudiums am CNR Perpignan und am Konservatorium von Montpellier begann Clémentine Margaine auf vielseitigen Rat 2000 bei Anne-Marie Blanzat ein Gesangstudium. 2003 trat sie in das Konservatorium Paris in die Klasse von Gerda Hartman ein und wurde beim Abschlussexamen einstimmig mit einem „Diplôme Supérieur“ ausgezeichnet.


    2009 wurde die Sängerin zur „révélation classique“ gewählt und erhielt den Spezialpreis der Jury des Concours Internationale de Marmande. In Royaumont absolvierte sie Meisterkurse im Barockstil mit Nicolau de Figuereido, im klassischen Lied mit Anne Grappotte, Jeff Cohen und Ruben Lifschitz.


    2006 wurde sie von William Christie eingeladen, La Discorde und Roxanne in EUROPE GALANTE von André Campra in Versailles, Bilbao und San Sebastian zu singen. Es folgen Bradamante in Händels ALCINA, Annio / LA CLEMENZA DI TITO sowie die 3. Dame / ZAUBERFLÖTE in Avignon, Reims und Vichy. Nach Avignon kehrte Clémentine Margarine später als Opinion Publique in ORPHEE AUX ENFERS zurück.


    In der Abtei von Royaumont präsentierte sich die junge Sängerin mit Mussorgskis „Lieder und Tänze des Todes“. Am Festival von Saint-Céré sang sie die Titelpartie in CARMEN unter der Leitung von Dominique Trottein.


    Oratorien wie Rossinis „Messe Solennelle“ und „Stabat Mater“, das „Requiem“ von Duruflé, Dvoraks „Stabat Mater“ sowie „Das Weihnachtsoratorium“ von Saint-Saëns sind Pfeiler im Konzertrepertoire der Künstlerin.


    In der Saison 2011/2012 war Clémentine Margaine der Deutschen Oper Berlin zunächst als Stipendiatin verbunden, bevor sie mit der Saison 2012/2013 ins feste Ensemble wechselte und u. a. in DIE WALKÜRE, GÖTTERDÄMMERUNG, DIE ZAUBERFLÖTE, CARMEN, TANCREDI, JENUFA sowie LUISA MILLER und dem VERDI-REQUIEM zu erleben war. Seit der Saison 2013/2014 ist sie hier am Hause gerne gesehener Gast.


    Ihre jüngsten Engagements beinhalten Didon / LES TROYENS in Genf sowie die Titelpartie in CARMEN an der Bayerischen Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin, der Washington National Opera, an der Opera Australia, der Canadian Opera Company und dem Teatro San Carlo in Neapel sowie Dalila / SAMSON ET DALILA und Marguerite / FAUSTS VERDAMMNIS an der Bismarckstraße und nicht zuletzt Charlotte / WERTHER am Teatro Colon in Buenos Aires. Zu ihren künftigen Rollenporträts zählen Dulcinée / DON QUICHOTTE an der Lyric Opera of Chicago, Sara / ROBERTO DEVEREUX an der Bayerische Staatsoper und immer wieder ihre Paraderolle Carmen, u. a. an der Metropolitan Opera New York, der Deutschen Oper Berlin, der Semperoper Dresden und der Opéra National de Paris.[/quote]

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  • Dein neuer Thread mit neuen jungen Sängern scheint ja, ganz im Gegensatz zu deinen anfänglichen Befürchtungen, auf großes Interesse zu stoßen.

    Ja, lieber Sixtus, gelesen wir der Thread erfreulich viel. Aber leider fühlen sich nur wenige animiert, etwas über ihre Höreindrücke zu schreiben.



    Ich gehöre nicht zu denen, die alle Top-Sänger in ihrem Kasten haben müssen.

    Darum sollte es auch gar nicht gehen.
    Ich wollte vielmehr dazu einladen, Sänger vorzustellen, denen man gerade in der Oper begegnet ist und die einem gefallen haben. Es geht also gerade nicht um die Sänger, die eh schon jeder kennt und zu denen eigentlich alles gesagt ist, sondern um Entdeckungen. Und macht nicht jeder solche Entdeckungen, der in die Oper geht? Manchmal in großen Opernhäuser, wie Clémentine Margaine, die ich gerade vorgestellt habe. Oft aber auch in Weimar oder Saarbrücken, Kiel oder Freiburg.

    Solche Entdeckungen machst Du doch sicher auch immer wieder? Warum darüber nicht berichten?


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso,


    ich folge deiner Ermunterung gern, gebe aber zu bedenken, dass ich hier in Saarbrücken in einer ziemlich toten Ecke sitze.


    Die erste Premiere der Saison ist (kein Scherz!) West Side Story. Die Besetzung wird bestritten von Opernsängern (was selten gut geht) - und Tänzern.
    So hoffe ich auf die zweite Produktion: Freischütz im November. Die Besetzung ist noch streng geheim. Man will sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Das sind die Mühen der Ebene in der Provinz, wo junge Sänger oft entnervt abwandern (wegen Unterbeschäftigung) und altgediente "bewährte Kräfte" in Ehren ergrauen.


    So ist denn geduldiges Warten angesagt, ob dem düsteren Schweigen wie Phönix aus der Asche ein paar vielversprechende junge Talente entsteigen. Anderenfalls hilft für unsere Talentsuche nur Fremdgehen. Vielleicht bietet Operus´ Gottlob-Frick-Schmiede in Ölbronn eine verblüffende Lösung...


    Bis auf Weiteres werde ich mich an den Trouvaillen meiner schnüffelnden Kollegen erfreuen!


    Herzlich grüßt die Schnüffler ein zuversichtlicher Sixtus

  • Ich bin mir nicht ganz sicher ob er hier zu den „neuen“ Stimmen gehört, denn vermutlich hat der die 30 schon erreicht, bzw überschritten und konnte sich schon einige Sporen verdienen. Für einen eigenen Thread reicht das Angebot an Tonträgern (noch) nicht*. Es gibt bislang eine einzige Videoaufzeichnung mit ihm, Nämlich Peter von Winters „Das Labyrinth“ einem zweiten Teil der „Zauberflöte“, oder besser gesagt deren Wiederholung in schwacher Qualität. Man lasse sich nicht durch einige Youtube Clips in die irre führen, das sind einige nette Stückchen, das Werk als solches indes ist in jeder Hinsicht öde. Thomas Tatzl als Papageno und Regula Mühlemann als Papagena sind hier die Lichtblicke der Produktion,
    *Inzwischen bin ich draufgekommen, dass es doch schon einen Thread zu Thomas Tatzl gibt, aber ich werde momentan hier vollenden, da ich davon ausgehe, dass dieser Thread hier der frequentiertere ist.
    Ich erspare Euch die übliche Aufzählung aller Lehrer , Spielstätten , Dirigenten und Preisen und begnüge mich mit ein paar Tonbeispielen, die meiner Meinung nach aussagekräftiger sind als jeder Lebenslauf. Wenn wir schon bei der Kritik sind; Es ist mir völlig Klar, dass ein Sänger seine Website AUCH in englisch zur Verfügung stellen muß. Warum es aber keine deutschsprachige Version gibt ist eher nicht zu durchschauen, Tatzl ist schliesslich Österreicher.


    Hier ein Ausschnitt aus „Das Labyrinth“ von Winter Tatzl in der Rolle des Papageno



    hier ebenso mit Regula Mühleman als Partnerin (Papagena)



    "Echter" Mozart gefällig ?
    Dazu müssen wir uns allerdings nach China begeben - hier erleben wir Thomas Tatzl als Figaro in "Le Nozze di Figaro" in einer "traditionellen" Aufführung. Glückliches China, wo das Publikum von Trends in Europa noch verschont bleibt, und es sogar wagt ins Ende der Szene hineinzuapplaudieren, wie es eins auch bei uns üblich war...



    Nun noch ein Sprung in den Konzertsaal (Haydn: Die Schöpfung)



    Liebe Plattenproduzenten, wach auf aus Eurem Tiefschlaf, hört Euch die Stimme an und schliesst einen Exklusivvertrag mit diesem Sänger ab, bevor es die Konkurrenz tut und sich dann ein ein wehleidiges Gejammer erhebt, daß es heutzutage keine guten Sänger mehr gäbe....


    mfg aus Wien
    Alfred



    *) Thomas Tatzl – ein junger Bassbariton aus der Steiermark

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Liebe Plattenproduzenten, wach auf aus Eurem Tiefschlaf, hört Euch die Stimme an und schliesst einen Exklusivvertrag mit diesem Sänger ab, bevor es die Konkurrenz tut und sich dann ein ein wehleidiges Gejammer erhebt, daß es heutzutage keine guten Sänger mehr gäbe....


    Lieber Alfred, wie kannst du die Plattenproduzenten schelten, dass sie nicht aus ihrem Tiefschlaf erwachen, wo doch selbst die Taminos so gar nicht reagieren auf deine Vorstellung?


    Ich hatte von Thomas Tatzl bisher noch nichts gehört, aber inzwischen habe ich mir mal die Ausschnitte, zu denen Du verlinkt hast, genau angehört. Zudem auch noch ein paar weitere, die ich im Internet befunden habe.
    Ganz ohne Zweifel ist der junge Mann eine erfreuliche Entdeckung: er hat eine schöne, runde und warme Stimme, die er technisch gut beherrscht und mit hoher Musikalität und Geschmack einsetzt. Man müsste mal technisch bessere Aufnahmen hören, um mehr sagen zu können. Ich hatte den Einduck, dass er als Papageno gut besetzt ist, auch schon als Figaro. Aber die Stimme ist wohl nicht sehr groß. In der Tiefe fehlt auch noch Fülle und es gelingt ihm nicht recht, den tiefen Tönen Farbe zu geben. Besonders fällt das in Beethovens 9. Sinfonie auf. Dafür würde man sich auch mehr Charisma und Autorität wünschen.



    Aber auf jeden Fall ist der Mann auf dem Weg zu einer vielversprechenden Karriere. Immerhin wird er schon von Muti, Pappano und Heras-Casado herangezogen. Bisher singt er ja wohl vornehmlich das Mozart-Fach. Für den nächsten Monat ist allerdings der Ford in Falstaff angekündigt. Ich werde seinen weiteren Weg sicher mit Spannung verfolgen.
    Übrigens habe ich einen ORF-Bericht über Thomas Tatzls Auftritt in Madrid gefunden:



    In den letzten Wochen bin in viel unterwegs gewesen und habe in den diversen Opernhäusern einige Sänger hören können, die hier vorzustellen sich lohnen würde.
    Aber ich warte erst mal ab, ob nicht doch noch Reaktionen auf die bereits vorgestellten Sänger kommen.
    Zu Piero Pretti, Elliot Madore, Benjamin Appl, Andrzej Filończyk, Maria José Siri oder Clémentine Margaine gäbe es doch wohl einiges zu sagen?
    Oder sind die Taminos wirklich im Tiefschlaf?


    - -


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Piero Pretti habe ich vor kurzem in einer Liveübertragung aus der Wiener Staatsoper als Pinkerton erlebt. Sein Vorteil ist natürlich das er gut aussieht, aber er singt dazu noch sehr gut. Ich habe lange nicht mehr ein so schönes Schlussduett des ersten Aktes bei Madama Butterfly gehört, wo beide Sopran und Tenor die hohen Töne gesungen haben. Manchmal wird dort ja gerne geschummelt, das nur der Sopran den hohen Schlusston singt.
    Da das leider bei mir mit den Links einstellen immer noch nicht klappt, möchte ich trotzdem noch eine junge Sängerin vorstellen, die mich ebenfalls aus der Wiener Staatsoper als Regiementstochter begeistert hat: Julie Fuchs. Man vergleicht sie jetzt schon mit Nathalie Dessay, was ich aber nicht sehr förderlich finde. Sie ist eine begnadete Darstellerin, sieht gut aus und kann die lyrischen Stellen sehr gut singen, hat aber für die hohen Töne auch genügend Stimmvolumen.

  • Da das leider bei mir mit den Links einstellen imme noch nicht klappt, möchte ich trotzdem noch eine junge Sängerin vorstellen, die mich ebenfalls aus der Wiener Staatsoper als Regiementstochter begeistert hat: Julie Fuchs.

    Hallo rodolfo39,


    gibt es davon einen Mitschnitt?



    Gruß Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Zitat

    Lieber Alfred, wie kannst du die Plattenproduzenten schelten, dass sie nicht aus ihrem Tiefschlaf erwachen, wo doch selbst die Taminos so gar nicht reagieren auf deine Vorstellung?


    Lieber Caruso 41. Das sehe ich recht locker - und ich werde hier kurz aber detailliert erklären warum.


    Zuerst die oberflächlichste Antwort auf deine Frage:
    Weil man von Plattenproduzenten erwarten sollte, dass sie Talente erkennen und fördern - nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Eigenvorsorge für die Zukunft. Aber das war schon immer so. Caruso war der Columbia zu teuer, so griff der vorausblickende Fred Gaisberg in die eigene Tasche und erwirtschaftete in Kürze ein Vermögen, das er als loyaler Angestellter der Columbia zufliessen liess. Man hat es ihm überraschenderweise sogar gedankt und ihm den Weg in die Unternehmensspitze gebahnt. Aber bedauerlicherweise sind die Gaisbergs, die Legges und die Culshaws ausgestorben. Allenfalls könnte man hier noch Klaus Haymann nennen, dem man einen eigenen Thread widmen sollte.


    Von Tamino Mitgliedern - die meisten sind keine reinen Opernfreunde oder Melomanen - sondern "Allgemein-Klassikhörer" kann man indes nicht verlangen, daß sie von allen Sängern CDs parat haben oder Aufführungen in Inszenierungen die ihnen zuwider sind, besuchen, nur um eine "neue" noch unbekannte Stimme zu hören. Man lebt lieber in der Vergangenheit.


    Über Stimmen zu SCHREIBEN ist eine Herausforderung - vor allem - wenn man hier nicht wirklich versiert ist.
    Auch große Dirigenten versagten oft in der Beurteilung - aber ihnen hat es nicht geschadet - zu berühmt waren sie.


    Ein weiteres Problem ist das vorhandene Tonmaterial. Youtube-Clips eignen sich nur bedingt zur Beurteilung, weil hier oft unter akustisch katastrophalen Bedingungen aufgenommen wurde. Statt sie in die Tonne zu werfen stellt man sie in Internet - meist zum Schaden des Künstlers. Oft stellen Sänger selbst ihre mißlungenen Clips ins WeB - mangels besseren Materials.


    Wenn über einen Sänger hier geschrieben wird - und es handelt sich um eine unbekannte Stimme - was IMO in der Natur der Sache dieses Threads liegt, dann muß ich mich entscheiden ob ich mir eine Aufnahme mit dem Künstler besorge. Diese Frage wird oft negativ ausfallen, oder aber erst nach einigen Monaten positiv entschieden sein. Letztlich kosten CDs Geld und man hat oft schon einen Kaufplan der auf Monate hinaus überzogen ist.


    In Bezug auf Langzeitwirkung sehe ich diesen Thread daher als erfolgversprechend an.


    Ich bin davon überzeugt, dass bei entsprechend konsequenter Fortsetzung dieses Threads - aber auch der Eröffnung von Einzelthreads in Bezug auf Sängerstimmen irgendwann neue Melomanen zu uns stossen werden. Ein steiniger Weg, weil Opernliebhaber sich gerne in die Haare geraten und dann schneller das Forum verlassen als ich für Nachschub sorgen kann.


    Ich nehme gerne noch Bezug auf Thomas Tatzl, wobei das nun Gesagte auf viele Nachwuchssänger zutreffen wird:
    Im Kernbereich seiner DERZEITIGEN Möglichkeiten liegen der Papageno, Leporello und ähnliche Rollen (Wenngleich Tatzl bereits auch den Don Giovanni singt). Junge Sänger sollten - können aber meist nicht - wählerisch sein bei der Auswahl ihrer Rollen - so werden sie gelegentlich als Einspringer engagiert - und in seltenen Fällen ist das der Beginn einer Weltkarriere.


    Melomanen werden vermutlich abwinken, aber als "Allrounder" fühle ich mich verpflichtet auch Sänger vorzustellen, der Vorzüge eher darstellerischer als stimmlicher Art sind.


    Auch wenn es so scheint. Ich glaube nicht, daß ich vom Thema abgewichen bin - denn auch Betrachtungen darüber, unter welchen Bedingungen dieser Thread als "erfolgreich" zu bewerten ist, gehören zum Thema...


    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Lieber Alfred! Das ist alles schön und einleuchtend.


    Ich habe aber k e i n Interesse daran, gleichsam in das weite Dunkel des Weltalls hineinzuschreiben.
    Das habe ich von Berufs wegen reichlich getan!
    Wenn ich die Mühe und die Zeit (!!!) aufwende, hier Sänger vorzustellen, dann tue ich das allein, weil ich ein dezidiertes Interesse daran habe, mich a u s z u t a u s c h e n ! Mich interessiert, wie anderen Opernliebhabern und Melomanen die Stimme gefällt, was sie zu der Technik und Gesangskunst sagen, zur Persönlichkeit und Darstellung. Das ist doch bei jungen Sängern spannender als bei denen, über die schon viel geredet und geschrieben wurde und wo sich die Marketingphrasen längst in die Meinungsbildung eingefressen haben. Über z.B. Benjamin Appl und Clémentine Margaine kann man doch diskutieren. Da gibt es nicht die abgewetzten und ausgewalzten Formeln, Schablonen und Rituale, schon gar nicht die leidigen eingefahrenen Kontroversen.


    Beste Grüße
    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso, ich will dir wenigstens sagen, warum ich hier nicht schreibe. Ich höre nämlich praktisch keine Opernmusik des 19. Jahrhunderts. Sobald einer von den jungen Sängern mal bei YouTube mit Monteverdi, Cavalli, Rameau, Lully, Händel, Prokofiew und Janacek (und noch ein paar mehr) auftaucht, wird sich das ändern. Ich glaube aber nicht dran, denn die jungen Sänger wissen genau wie die Taminos, was man gefällig zu singen hat.
    Nachwort: es ist nicht so, dass ich die Vorstellungen nicht anklicke und auch mal reinhöre, aber meine Kenntnis der Oper des 19. Jahrhunderts ist sehr lückenhaft; vor allem kenne ich kaum die Opernsänger. D.h.: ich kann hier lesen, aber mangels Qualifikation nicht schreiben.
    Ansonsten empfehle ich das Pentagon-Prinzip, wenn eine neue Waffe entwickelt wird: "Fire and forget"!

    Johannes Kahrs (SPD) tritt zurück. Die Lücke, die er hinterlässt, wird ihn vollständig ersetzen (anon.)

  • Lieber Dottore Pingel!
    Dann kannst Du ja zumindest zu den drei Sängern etwas sagen, die in der Alten-Musik-Szene groß geworden sind.
    Elliot Madore habe ich sogar mit einem Video von Rameau eingestellt.
    Sabine Devieilhe habe ich zwar mit Mozart und Bach vorgestellt, aber sie sang in diesem Sommer in Aix en Provence "Il trionfo del tempo e del disinganno" und hat auch eine Rameau-CD vorgelegt. Zudem gibt es im Internet Porpora und Purcell von ihr.
    Und Clémentine Margaine kommt mit Erfahrung aus der Alten-Musik-Szene, hat Campra und Händel, Traetta und Gluck gesungen. Ist damit teilweise auch in Aufnahmen dokumentiert!


    Und wir freuen uns natürlich ganz besonders, wenn du eine Stimme vorstellst, die Du in Aufführungen von Monteverdi, Cavalli, Rameau, Lully, Händel, Prokofiew und Janacek (das waren doch deine Referenzgrößen?) gehört und "entdeckt" hast! Es müssen ja Stimmen vorgestellt werden, die sich primär in Musik des 19. Jahrhunderts aussingen.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • und als Marguerite in der Damnation de Faust gehört.


    Lieber "Caruso41",


    in dieser Rolle habe ich Frau Margaine auch 2x an der Deutschen Oper Berlin gehört: in der Premiere im Februar 2014 (neben Vogt als Faust) und dann in der zweiten Serie im Mai 2014, wo eigentlich Garanca singen sollte und dann absagte.
    Die Stimme hat mir schon ziemlich gut gefallen, obwohl ich beim zweiten Mal natürlich gerne Garanca zum Vergleich gehabt hätte.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • in dieser Rolle habe ich Frau Margaine auch 2x an der Deutschen Oper Berlin gehört.......Die Stimme hat mir schon ziemlich gut gefallen,......


    Ja, lieber Stimmenliebhaber, das ist schon eine außergewöhnliche Stimme. Allerdings sicher nicht nach jedermanns Geschmack, weil sie ein 'Depot' ( französisch: Décomposition) hat: wie ein schwerer spanischer Rotwein.
    Da das Depot wesentlich zur Aromagebung und dem Gehalt des Weines beiträgt, ist es als Geschmacksträger voll akzeptiert, und man betrachtet es in positiver Art und Weise als Gütezeichen. Aber manche mögen halt lieber Stimmen, die glatt und klar sind, also keinen Bodensatz haben.


    Aber ich will den Vergleich mit Weinen gar nicht weiterführen. Da ich keinen trinke, bin ich auch dafür nicht kompetent.



    Beste Grüße und Prost


    Caruso41


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    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso, du hast mit deiner Kritik so unrecht nicht. Das liegt daran, dass ich meine Einstellung nicht genau genug beschrieben habe. Es geht um etwas ganz Einfaches: es gibt hier eine Reihe von Themen, die ich mitlese und mithöre, zu denen ich aber nichts Erhellendes beitragen kann. Das gilt für Themen über Schönberg, das ging über den Mahler-thread von Helmut Hofmann und für diesen gilt es auch. Auch lese ich immer gerne die Artikel über die Gräber und die wichtigen Orte der Musiker. Es gibt also eine Reihe von threads hier, die werden nur von einem Mitglied betrieben, was nicht heißt, dass sie erfolglos sind!

    Johannes Kahrs (SPD) tritt zurück. Die Lücke, die er hinterlässt, wird ihn vollständig ersetzen (anon.)

  • Auch ich bin eher vorsichtig, bevor ich mich zu Stimmen äussere. Vor allem berherrsche ich nicht die termini technici die imo erforderlich sind Stimmen zu beschreiben, zu klassifizieren und zu rezensieren.
    Dennoch in aller Kürze: Als reiner Konservenhörer kann ich natürlich verschieden Sänger gar nicht kennen. Dazu gehört(e) auch Piero Pretti. Ich habe mir nun die Mühe und Freude gemacht mich ein wenig mit ihm zu befassen. Bedauerlicherweise gibt es weder Einträge bei WIKIPEDIA noch hat er - soweit ich in der Eile recherchieren konnte - CDs aufgenommen, von einem Stimmportrait ganz zu schweigen. ich war also auf die diversen Video- und Audioclips bei youtube angewiesen, deren Tonqualität sehr unterschiedlich ist.
    Ich hatte den Eindruck einer klangschönen, sehr ausgewogenen Stimme von höchster Qualität. Als Eigenart würde ich vielleicht ein sehr kontrolliertes Singen mit besonderer Affinität zum klangschönen "lyrischen" Vortrag sehen, die mit persönlich sehr liegt, vielleicht aber mancher Operngeher mehr darstellerische Aggressivität vermisst.


    Hier: "La Donna e mobile" gesungen von Piero Pretti (ab Minute 2:20)


    Und hier gesungen von Luciano Pavarottii

    Der Auffassungsunterschied der Rolle ist evident. Während Pavarotti die Arie als Demonstration seiner stimmlichen Möglichkeiten nutzt und sie extrem brilliant interpretiert, klingt das bei Piero Pretti verhaltener. An sich die richtigere Interpretation, wenn man den Text genauer ansieht, denn eigentlich ist diese Arie eine Art philosophischer Betrachtung. Sie muß nicht mit "Attacke" vorgetragen werden - wenngleich das oft so praktiziert wurde.


    Hier zwei weitere Klangbeispiele




    So - nun sollte sich jeder sein Bild machen können....


    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !


  • Hier möchte auch ich mal eine Stimme vorstellen, die mir in einer Aufnahme des Oratoriums "La Passione di Gesù Cristo" von Johann Gottlieb Naumann mehr als angenehm aufgefallen ist: Der Tenor Makoto Sakurada ist Absolvent der Nationalen Universität für Schöne Künste in Tokio, hat aber auch am Staatlichen Konservatorium "Giovanni Battista Martini" in Bologna studiert und errang 2002 in Brügge den zweiten Preis beim Wettbewerb für alte Musik.
    Ich habe von diesem Tenor bis zu dem Moment, als die CD-Ausgabe des Oratoriums bei mir eintraf, noch nie etwas gehört, aber die Stimme hat mich sofort überzeugt, weil sie angenehm ins Ohr geht. Ich kann aber, wie Alfred es in seinem Beitrag 58 geschrieben hat, auch Stimmen nicht klassifizieren und nur angeben, ob mir das Gehörte gefällt - oder eben nicht. Und die Stimme des Japaners sagt mir zu.
    Leider ist auch dieser Youtube-Clip nicht das Gelbe vom Ei, aber es wird zumindest deutlich, dass Sakurada mit Leichtigkeit die Koloraturen meistert...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Dennoch in aller Kürze: Als reiner Konservenhörer kann ich natürlich verschieden Sänger gar nicht kennen. Dazu gehört(e) auch Piero Pretti.


    Lieber Alfred,


    Piero Pretti hat Rudolfo schon in dem zweiten Beitrag dieses Threads vorgestellt. Ich habe mich auch kurz zu seiner Stimme geäussert.
    Biografische Notizen zu ihm findet man auf der Internet-Seite des ROH und der Wiener Staatsoper.



    Beste Grüße
    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!