Brahms, Johannes - Sinfonien-Gesamtaufnahmen - welche sind empfehlenswert/unverzichtbar

  • Danke dir, lieber Klassikfan1!

    Karajans Brahms 1 aus Tokio kenne ich natürlich, mir gefällt die Londoner Aufnahme aber deutlich lieber, außerdem ist die CD mit der 1. aus Tokio nicht so leicht zu bekommen. Wenn ich sie mal günstig sehe, kaufe ich sie evtl. noch.

    Dass die drei Japan-Discs existieren, wusste ich zwar, der Preis ist mir da allerdings zu hoch, da bin ich glaube ich mit den drei "normalen" GAs schon ausreichend gut bedient.


    Liebe Grüße

    Amdir

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    Wenn ich dieses Photo von Karajan sehe, vergeht mir jede Lust, mir diese Aufnahmen anzuhören <X .



    Lieber Bertarido, wie soll denn nach Deiner Vorstellung ein Dirigent der Brahms-Sinfinie aussehen?

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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    Lieber Bertarido, wie soll denn nach Deiner Vorstellung ein Dirigent der Brahms-Sinfinie aussehen?

    Vielleicht ja wie die optische Wiedergeburt des alten Rauschebartes Johannes selbst (hier namentlich in Gestalt von Leif "Santa Claus" Segerstam)?

    ;)

  • Vielleicht ja wie die optische Wiedergeburt des alten Rauschebartes Johannes selbst (hier namentlich in Gestalt von Leif "Santa Claus" Segerstam)?

    ;)

    Grandios - wobei der eigentliche Witz bei dieser Aufnahme mit der schweren symphonischen Erstgeburt des langsam komponierenden Brahms die ist, dass sie mit Segerstams Symphonie Nr. 288 (!) gekoppelt ist, die auch noch den - man könnte meinen, höhnischen - Titel trägt "Letting the flow go on".


    Nun, nicht alles was fließt ist ein Quell der Freude...

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Preis der deutschen Schallplattenkritik für die Brahms-Integrale unter William Steinberg und den Pittsburgern, eingespielt 1961 bis 1965, wiederveröffentlicht in einer remasterten Version von der Deutschen Grammophon.



    Gutes Hören

    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Karajans Brahms 1 aus Tokio kenne ich natürlich, mir gefällt die Londoner Aufnahme aber deutlich lieber, außerdem ist die CD mit der 1. aus Tokio nicht so leicht zu bekommen.

    So großartig unterscheiden die sich aber gar nicht, oder trügt mich die Erinnerung? ;) Als Hauptunterschied empfand zumindest ich seinerzeit, dass die japanischen Tontechniker ein besseres Klangbild erzielten als jene in London. Künstlerisch aber habe ich keinen Zweifel, dass sie die formvollendetsten Interpretationen Karajans überhaupt darstellen, quasi die Summe des Lebens.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • So großartig unterscheiden die sich aber gar nicht, oder trügt mich die Erinnerung? ;) Als Hauptunterschied empfand zumindest ich seinerzeit, dass die japanischen Tontechniker ein besseres Klangbild erzielten als jene in London. Künstlerisch aber habe ich keinen Zweifel, dass sie die formvollendetsten Interpretationen Karajans überhaupt darstellen, quasi die Summe des Lebens.

    "Deutlich" war bei meinem Zitat vielleicht ein wenig zu viel des Guten :)

    Ich kenne die Tokio-Einspielung nur von Youtube, zumindest mit diesem Vergleich gefällt mir die Londoner Aufnahme (die habe ich auf CD) trotz der schlechteren Klangqualität besser. Für mein Empfinden geben die Berliner in London noch ein bisschen mehr Power und spielen ungezügelter. Das führt zwar auch zu einigen Unsauberheiten, ich mag es aber bei dieser Aufnahme irgendwie, es klingt sehr "ehrlich". In der Londoner Aufnahme kommen außerdem die Pauken besser durch (für mich gerade in der Finalcoda wichtig).

    Einer meiner Hauptgründe für die Londoner Aufnahme ist aber lustigerweise ein Fehler/eine Unsauberheit: Bei der grandiosen Wiederkehr des Chorals am Satzende setzt der Paukist bei den letzten beiden Akkorden des Chorals minimal zu früh ein (wirklich nur eine Kleinigkeit), was aber die Wirkung des Chorals durch diese unbeabsichtigten Minimal-Vorschläge mMn nur noch mehr steigert. Normalerweise wäre eine solche Ungenauigkeit ein klarer Negativpunkt, ich habe diese Aufnahme in den letzten ca. 10 Jahren aber so oft gehört, dass ich gerade diesen Fehler lieben gelernt habe.


    Das ist natürlich alles sehr subjektiv, objektiv gesehen ist sicher eine andere Einspielung besser. Ich kann allerdings mittlerweile nicht mehr anders, als die Londoner Aufnahme meine Lieblingseinspielung der 1. Sinfonie zu nennen.


    Liebe Grüße

    Amdir

  • Meine bevorzugte Aufnahme der Brahmssinfonien ist diese hier mit der Slovakischen Philharmonie under der Leitung von Ludovit Rajter. Als CD nicht verfügbar, als LP-Box in meiner Sammlung:

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    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Lieber Thomas,


    in der E-Bucht habe ich, neugierig wie ich bin, zumindest eine CD der 2ten und 3ten erstanden. Bin gespannt!


    Beste Grüße

    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Stimmt, Brilliant hatte die Einspielungen von Rajter vor langer Zeit mal im Programm, freilich längst gestrichen. Es gab auch Nr. 1 und 4.


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    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Nach so vielen Brahms-Vergleichsinterpretationen und eingeschworenen Favoriten (von Solti, Klemperer über Karajan bis Levine) frage ich mich, ob ich diese GA mit Steinberg wirklich noch brauche ?????


    Ich bin grosser Steinberg-Fan ... was der anpackt, hat Qualität und Biss ...

    Vor ca 2Jahren hate ich mir auch direkt nach dem Erscheinen die Beethoven-Sinfonien mit Steinberg / Pittsburgh SO (DG) zugelegt ... gute bis sehr gute Interpretationen der Mitte, leider vom Klang nicht so durchsichtig und so richtig durchschlagende Pauken fehlten mir auch (z.Bsp. so berauschend wie bei Norrington).


    In der Kritik über diese GA hatte ich dann noch irgendwo gelesen "Pauken fehlen" ... also quasi ein Totschlagargument für mich.

    :?: Meine Frage an Dich lieber Christian und alle die den Steinberg-Brahms haben:

    Was ist dran an der Kritik ? Wie würdet Ihr das beurteilen ? Hätte ich meine helle Freude an dem Steinberg-Brahms ?

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ich habe sie noch nicht gehört, lieber teleton - aber tatsächlich neulich an dich gedacht: Finde, wir bräuchten hier mal einen Pauken-Thread. Welche Stücke haben die besten Paukenparts? In welchen Interpretationen kommen sie am besten zur Geltung?


    Zu Brahms/Steinberg dann demnächst nach erfolgtem Hören.


    Beste Grüße

    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Lieber Wolfgang,


    da ich ja immerhin auch indirekt angesprochen bin ( ;) ), erlaube ich mir ein paar kurze Anmerkungen: Mir hat die Gesamtaufnahme viel Freude bereitet. In einer zeitgenössischen Kritik aus der "New York Times" heißt es "above all, Steinberg makes his Brahms sing."


    Und das ist es, was diese Gesamtaufnahme zu einer sehr gelungenen macht. Steinbergs großes Verdienst (vielleicht sein größtes), Tempi absolut organisch wirken zu lassen. Es wird nichts "hineingeheimnist", verschleppt oder tempomäßig "aufgeheizt" "Sein Brahms" ist nicht "erdenschwer-norddeutsch", sondern hat Leidenschaft, Schwung, Sensibilität, Gelassenheit, Klangschönheit und Transparenz.


    Wenn's denn alleine oder hauptsächlich an den Pauken liegen soll, dann habe ich keinen speziellen Ratschlag. Ich habe die Pauken als gut integriert empfunden, aber natürlich kein Vergleich zu Norrington. Alleine schon deswegen nicht, weil in den 60ern die historisch informierte Aufführungspraxis u.a. mit reinen Holzschlägeln und kleineren Pauken noch weit entfernt war.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Nach so vielen Brahms-Vergleichsinterpretationen und eingeschworenen Favoriten (von Solti, Klemperer über Karajan bis Levine) frage ich mich, ob ich diese GA mit Steinberg wirklich noch brauche ?

    Die Frage ist schwer zu beantworten, lieber teleton, mit Solti, Klemperer etc. bist Du bestens bestückt.

    Ich besitze aus dem Steinberg-Zyklus nur die Vierte, in dieser Ausgabe von "Everest Records":

    Sinfonie 4


    und die ist ganz fantastisch! Klanglich für ihr Alter super, und Steinberg erweist sich als ein großartiger Brahms-Interpret. Da ich aber außer den oben genannten noch die Zyklen von Szell (CBS), Barbirolli (EMI, Wiener Ph.), Wand (RCA), Karajan (1964 & 1978, DGG) und jede Menge Einzelaufnahmen habe, möchte ich mir nun nicht noch den kompletten Steinberg-Brahms zulegen. Von der Vierten ausgehend, ist er aber ganz sicher eine Empfehlung wert.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).