" ... wer weiß mir das schönste Lied?" Carl Loewe und seine Sänger

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    Die Lieder und Balladen von Carl Loewe (1796 bis 1869) haben Sängerinnen und Sänger beschäftigt, seit die Werke in Druck gegangen sind und Verbreitung fanden. Der Komponist selbst galt als sein bester eigener Interpret. Er begleitete sich selbst am Klavier, das er meisterlich beherrschte. Zeitzeugen äußerten sich tief beeindruckt von seiner Tenorstimme, die einen ungewöhnlichen Umfang besessen haben muss und bis in Tiefen des Basses reichte. Grühmt wird in mehreren Quellen der Vortrag der Ballade "Die nächtliche Heerschau". Aus Wien schrieb er an seine Frau: "Es ist, als ob die Wiener bei meinen Sachen wie in einen Zauberkreis gebannt wären." Mit entsprechenden Programmen reiste er durch Deutschland und angrenzende Länder. Dies war aber nur im Sommer möglich, da Loewe in Stettin als Gymnasiallehrer und städtischer Musikdirektor Residenzpflicht hatte und sich nur für jeweils wenige Wochen im Jahr freimachen konnte. Im Sommer aber kam das Konzertleben in den Ballungszentren fast zum Erliegen, weshalb der fahrende Sängerkomponist auch mit Veranstaltungen im kleinen Kreis vorlieb nehmen musste. Das Stettiner Ämter übte Loewe 46 Jahre lang aus. Nach seinem Tod gab der Theologe Max Runze (1849 bis 1931) mit Unterstützung der Familie die Werke Loewes in siebzehn prachtvollen Bänden heraus und trug so zu deren weiteren Verbreitung bei. Runze unterhielt auch Briefwechsel und persönliche Kontakte zu Sängern.


    Die Zahl der Einspielungen ist Legende. Niemand hat sie bisher gezählt und dokumentiert. Der einem alten schottischen Adelsgeschlecht entstammende Historiker Ian R. Lilburn (1927 bis 2013) hatte eine Tonträger-Sammlung aufgebaut, die als die umfangreichste ihrer Art gilt. Noch zu Lebzeiten vermachte er sie der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft, die ihrer Sitz in Löbejün, dem Geburstort Loewes hat. Eine der ältesten Plattenaufnahmen ist die Ballade "Heinrich der Vogler" mit dem Bassbariton Karl Scheidemantel von 1902, eine der jüngsten Einspielungen sind vier Balladen auf einer Sammel-CD des noch jungen Baritons Kay Stiefermann. In loser Folge sollen in diesem Thread Sängerinnen und Sänger mit ihren Interpretationen von Liedern und Balladen Carl Loewes vorgestellt werden. Das Thema ist offen, Beiträge und Kommentare sind willkommen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

    Einmal editiert, zuletzt von Rheingold1876 ()


  • Als erster Sänger soll der tschechische Bass-Bariton Ladislav Mráz (1923 bis 1962) vorgestellt werden. Mit der ungewöhnlich erscheinenden Auswahl möchte ich zunächst meinen Dank an unser Forumsmitglied Caruso abstatten, der mir die Aufnahmen großzügig zur Verfügung stellte. Es kann - zweitens - nicht verkehrt sein, ein Thema über den immer noch verkannten Loewe von außen her anzugehen und nicht gleich mit den Barden zu beginnen. Letztlich aber ist diese Platzierung durch die Interpretation selbst gerechtfertigt. Auf der Platte des Labels Supraphon singt Mráz, begleitet von Alfred Holecek, vier Titel, die zu den besten und bekanntesten Schöpfungen Loewes gehören: "Der Nöck", "Der Wirtin Töchterlein", "Spirito Santo" und "Archibald Douglas". Die Aufnahmen stammen von 1953. Mráz war damals, man möchte es kaum glauben, erst dreißig Jahre alt. Er klingt viel reifer, hat eine auffallend weiche, ja sanfte Stimme mit gutem Sitz. Sein Vortrag ist außerordentlich musikalisch, nicht deklamatorisch, wie Loewe auch gesungen wurde. Perfekt ist sein Deutsch. Nur bei einigen Ch-Lauten verrät sich der Fremdsprachler. Wer die Texte nicht auswendig und im Geiste mitzusingen weiß, versteht jedes Wort. Für Balladen ist das eine zwingende Voraussetzung, weil ja Geschichten in musikalischer Umrahmung erzählt werden. Am besten gelingt ihm nach meinem Eindruck der "Nöck", die Ballade über jenen Wassergeist, der in vielerlei Gestalt in der europäischen Mythologie sein Unwesen treibt, nicht immer zum Vorteil derer, die ihm begegnen, und den Richard Wagner sogar als Strömkarl im Venusberg seines Pariser "Tannhäuser" hatte auftreten lassen wollen. Es sprudelt und rauscht in diesem Werk. Ein Zustand, den Mráz mit angemessenen stimmlichen Mitteln zu gestalten weiß, indem er Linien wie Wellen bis zu zehn Sekunden und länger hält, ohne Atem zu holen. Die Vorlage stammt von August Kopisch, der auch die von Loewe komponierten "Heinzelmännchen" schuf. In Ermanglung einer dieser Loewe-Balladen stelle ich die Arie des Kaspar "Schweig, damit dich niemand warnt" aus Webers "Freischütz" ein, gesungen von Mráz in Tschechisch.


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Kann ich auch Beiträge mit Sängerinnen und Sängern aus meiner Sammlung vorstellen, lieber Rüdiger?


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Dann will ich mal mit Wilhelm Strienz beginnen.


    Wilhelm Strienz (* 2. September 1900 in Stuttgart; † 10. Mai 1987 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Opernsänger (Bass).

    Nach Gesangsstudien bei Theodor Scheidl und Luise Reuss-Belce debütierte der gelernte kaufmännische Angestellte Strienz 1922 im Deutschen Opernhaus Berlin als Eremit in Webers Der Freischütz. In den Folgejahren profilierte er sich an den Opernhäusern von Wiesbaden, Kaiserslautern und Stuttgart. Zu seinen Rollen gehörten der Mephisto aus Gounods Margarete und Van Bett in Lortzings Zar und Zimmermann, aber auch zahlreiche Wagner-Partien.
    Zwischen 1926 und 1933 arbeitete Strienz für den neu gegründeten Westdeutschen Rundfunk in Köln. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 wurde der Rundfunkintendant Ernst Hardt entlassen, Strienz trat der SA bei und wurde an die Berliner Staatsoper verpflichtet. 1935 sang er in einer Schallplatteneinspielung der Electrola Deutsch sein, heißt treu sein und Flieg, deutsche Fahne flieg![1] Anschließend entwickelte sich Strienz zu einem beliebten Interpreten volkstümlicher Musik im Rundfunk. 1936 sang er in der von der Nationalsozialistischen Kulturgemeinde bestellten Propagandafilm Ewiger Wald. Daneben nahm er weiterhin Opern-Engagements wahr und gastierte auch am Londoner Royal Opera House Covent Garden. 1937/38 sang er den Sarastro in der legendären Schallplatten-Einspielung von Mozarts Oper Die Zauberflöte mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Thomas Beecham.
    Bekannt sind auch seine Interpretationen der von Carl Loewe vertonten Balladen Der Nöck von August Kopisch und Die Uhr von Johann Gabriel Seidl.
    Wegen seiner großen Popularität forderte ihn das NS-Regime nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zur Teilnahme an der Rundfunksendung „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ auf. Darin wurde er unter anderem mit Gute Nacht, Mutter von Werner Bochmann bekannt. Ab 1940 trat er auch als Solist in verschiedenen Kriegsliedern wie Soldat in Polen hervor, die auf Schallplatten eingespielt wurden. Daneben trat er in den Propagandafilmen Wunschkonzert (1940) und Fronttheater (1942) auf. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Adolf Hitler im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der neun wichtigsten Konzertsänger auf, was ihn von einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront befreite.
    In der unmittelbaren Nachkriegszeit boykottierten ihn die deutschen Rundfunkanstalten vor allem in der SBZ, da sein Name in Verbindung mit der NS-Propaganda der Kriegsjahre gebracht wurde. Strienz setzte seine Gesangstätigkeit jedoch fort: Er machte erfolgreiche Tourneen und erhielt einen Vertrag der Schallplattengesellschaft Decca. 1963 beendete Strienz seine Sängerlaufbahn und zog sich ins Privatleben zurück.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Strienz
    Ich möchte hier ein Lied vorstellen, das nach meinen Unterlagen das erste von Carl Loewe komponierte ist und das er 1944 mit Michael Raucheisen aufnahm und das im obigen Text nicht genannt wird, mich aber beim ersten Hören bereits faszinierte:


    "Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot, op. 1 Nr. 1" (Edward) (Text: Johann Gottfried Herder)


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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  • Vermutlich ist er manchem zu glatt und geschönt, aber für mich ist Hermann Prey der ideale Interpret. Das mag zum einen an der Prägung liegen, zum andern an meinen favorisierten Balladen. Hermann Prey hat ja etliche Aufnahmen bei verschiedenen Schallplattenfirman gemacht (ebendso wie Dietrich Fischer Dieskau, den ich auch sehr schätze) Interessant ist übrigens daß die meisten Loewe Interpreten Baritone sind, wogegen Loewe selbst ja ein Tenor war, dessen Stummunfang indes auch sehr weitreichend nach unten hin war, was vermutlich einen Teil des Reizes seines Vortrags ausmachte.
    Mein Lieblingsaufnahmen mit Prey waren jene mit Karl Engel als Begleiter (für Philips) Meine Lieblingsballade ist "Graf Eberstein" von Ludwig Uhland, dicht gefolgt vom "Hochzeitslied" von Johann Wolfgang Goethe. An dritter Stelle "Prinz Eugen" nach einem Text von Ferdinand Freilingrath.
    Von der Melodie benützt Loewe hier Teile des Themas des "Prinz Eugen Lieds", dessen Texttichter unbekannt ist und das 1717 erstmals aufgezeichnet wurde. Die bekannte Melodie, die dann auch Loewe mitverarbeittete stamt von einem unbekannten Komponisten und wurde erstmal 1683 zum Text: „Als Chursachsen das vernommen, dass der Turk vor Wien was kommen“ nachweislich verwendet. Was Loewe indes draus macht, ist ein Kunstwerk, das angeblich schon Richard Wagner bewundert haben soll.



    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Lieber Rheingold!


    Als erster Sänger soll der tschechische Bass-Bariton Ladislav Mráz (1923 bis 1962) vorgestellt werden. Mit der ungewöhnlich erscheinenden Auswahl möchte ich zunächst meinen Dank an unser Forumsmitglied Caruso abstatten, der mir die Aufnahmen großzügig zur Verfügung stellte.


    Das ist ja ein tolles Geschenk: Du nimmst die Überspielung und Zusendung einer alten LP gleich zum Anlaß, einen eigenen Thread über Sänger von Carl Loewe zu starten. Und dann beginnst Du sogar diesen Thread mit dem tschechische Bass-Bariton Ladislav Mráz. Darüber habe ich mich sehr gefreut; und ich möchte Dir ganz herzlich dafür danken!


    Gefreut hat mich auch, dass Du so treffende Worte für die Würdigung des außergewöhnlichen Sängers gefunden hast.
    Für mich ist der so früh verstorbene Mráz einer der eindrucksvollsten Bass-Baritone der Nachkriegszeit - mit Sicherheit der musikalischste, vielleicht auch der, der mich mit seiner natürlichen Humanität am tiefsten berührt hat. Was hätten wir von ihm noch alles erwarten können?


    Schön, dass wir gar nicht so wenige Aufnahmen von ihn haben. Eben auch seine Loewe- Balladen.
    Die schätze ich ganz besonders, weil er jeden Bardenton und alle Äußerlichkeit meidet.


    Am besten gelingt ihm nach meinem Eindruck der "Nöck", die Ballade über jenen Wassergeist, der in vielerlei Gestalt in der europäischen Mythologie sein Unwesen treibt, nicht immer zum Vorteil derer, die ihm begegnen, und den Richard Wagner sogar als Strömkarl im Venusberg seines Pariser "Tannhäuser" hatte auftreten lassen wollen. Es sprudelt und rauscht in diesem Werk. Ein Zustand, den Mráz mit angemessenen stimmlichen Mitteln zu gestalten weiß, indem er Linien wie Wellen bis zu zehn Sekunden und länger hält, ohne Atem zu holen.


    Das Ausspinnen der melismatischen Phrase über etliche Takte ist in der Tat eine Meisterleistung der Atem- und Gesangstechnik! Sie ist aber - Du deutet das an - ein interpretatorischer Geniestreich! Wie er die Töne gleichsam auf den Kronen der Wellen schaukeln läßt, das ist absolut magisch. Das hat selbst ein Werner Hollweg nicht erreicht. Von anderen Sängern zu schweigen.
    Aber auch die verschiedenen Stimmungen des Nöck - von unbefangen Heiterkeit in der ersten Strophe über die Betrübtheit nach der bösen Rede der Knaben bis zu der behaglichen Glückseligkeit des Schlusses - werden sehr fein und ungemein eindrücklich im Klang der Stimme gespiegelt! Das ist einfach große Gesangs- und Gestaltungskunst.


    Allerdings finde ich den "Edward" nicht weniger eindrücklich. Wie er die Balance zwischen epischem Erzählen und auffahrender Dramatik trifft, scheint mir singulär. Vor allem realisiert er die Gemütszustände und Erregungen der handelnden Personen ohne alle äusserliche Theatralik. Aber das im Detail zu beschreiben, macht nicht viel Sinn, da kaum jemand die Möglichkeit hat, das hörend nachzuvollziehen!
    L e i d e r ! ! !


    Supraphon sollte der Aufnahmen wirklich wieder veröffentlichen!


    Dir, lieber Rheingold, erst mal mein Kompliment und meinen allerbesten Dank!


    Mit herzlichen Grüßen


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Das ist ein hochinteressanter, vielversprechender und das Tamino-Kunstliedforum gewiss hochgradig bereichernder Thread, den Du da gestartet hast, lieber Rheingold. Er verdient die von Caruso emphatisch ausgebrachte Begrüßung: „Das ist ja ein tolles Geschenk“.
    Die auf der Stelle spontan erfolgten Beiträge dazu und die über hundertsechzig Zugriffe, die am ersten Tag bereits zu registrieren sind, zeigen, auf welches großes Interesse ein Thread, der sich dem gesanglich-interpretatorischen Aspekt von Liedmusik, in diesem Fall speziell von Loewes Balladen und Liedern, widmet, hier im Forum stößt.


    Bitte hab´ Verständnis dafür, dass ich zwar ein eifriger Leser dessen sein werde, was sich hier in diesem Thread ereignen wird, mich selbst aber, wenn überhaupt, nur wenig aktiv daran beteiligen kann. Meine Sammlung an Aufnahmen von Loewe-Kompositionen ist kümmerlich, und mir fehlt es vor allem an einschlägigen Kenntnissen und an Urteilsvermögen zu all den Fragen, die sich um die Themen „Stimme“ und „Gesangliche Interpretation von Liedmusik“ ranken.
    Bezeichnend ist ja doch: Der Bass-Bariton Ladislav Mráz ist mir völlig unbekannt. Ich wusste gar nicht, dass es den gibt und kann infolgedessen das Entzücken von Caruso über die "Würdigung des außergewöhnlichen Sängers" durch Dich schlicht nicht nachvollziehen.

  • Der Bass-Bariton Ladislav Mráz ist mir völlig unbekannt. Ich wusste gar nicht,


    Lieber Helmut, ja leider kennen auch passionierte Melomanen den Namen oft nicht.
    Mráz sollte 1963 in der Neuinszenierung der Meistersinger (Wieland Wagner/Thomas Schippers) den Hans Sachs singen. Das ließ sich leider wegen seines frühen Todes nicht realisieren. An seiner Stelle sangen dann Otto Wiener und Joseph Greindl.


    Aber es gibt glücklicherweise etliche Aufnahmen von ihm.
    Unter anderem wirkt er in den meisten Opern-Gesamtaufnahmen mit, die Supraphon in den fünfziger Jahren gemacht hat. Meist Smetana und Dvorak, Fibich, Souchon, Janacek und Martinu! Aber er hat auch Messen und Oratorien eingespielt!
    Zudem hat der Prager Rundfunk noch Live-Mitschnitte - etwa von Freischütz (Tschechisch gesungen!)


    Er war aber auch ein begnadeter Liedersänger. Eine seiner frühesten Aufnahmen ist die 25 cm LP mit Loewe-Balladen (Archibald Douglas, Der Nöck, Der Wirtin Töchterlein und Spirito santo).
    Zudem gibt es Lieder bon Poulenc und Debussy, Glinka und Dargomirschky! Hoch gerühmt wird eine Aufnahme der "Lieder und Tanze des Todes" Unter Karel Ancerl. Leider kenne ich die nicht wie ich auch sein Verdi-Requiem bis heute nicht besorgen konnte.


    Er hat auch Schumann und Brahms eingesungen:




    In unserem Forum hat er nicht mal einen eigenen Thread.


    Beste Grüße
    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Im ersten Beitrag hatte ich bereits des schottischen Historikers Ian Lilburn gedacht, der seine umfangreiche Tonträgersammlung der Carl-Loewe-Gesellschaft in Löbejün, dem Geburtsort des Komponisten, vermacht hat. Dort kann sie auch in Augenschein genommen werden. Eine Auswahl auf zwei CDs ist von der Gesellschaft als so genannten Lilburn Collection aufgelegt worden, die nur im Museumsshop gekauft und bestellt werden kann. Sie macht sowohl äußerlich als inhaltlich sehr viel her, ist die denkbar beste Ehrung des freigiebigen Spenders aus dem fernen London. Für mich zählt sie letztlich noch mehr als die Benennung des Museumsvorplatzes nach Lilburn. Tontechnisch wurde die Edition von Christian Zwarg betreut, den jeder Sammler kennt, der sich mit historischen Aufnahmen beschäftigt. Zwarg lässt das originale Klangbild unangetastet, befreit die Quellen bei der Übertragung auf CD lediglich von starkem Knistern oder Verzerrungen. Aufnahmen, die durch seine Hände gehen, dürften eine ziemlich genaue Vorstellung vom künstlerischen Impetus eines Sängers in seiner Zeit vermitteln. Die älteste Aufnahme der Collection entstand 1904. Am Klavier begleitet von Bruno Seidler-Winkler, der auch als Dirigent wirkte, singt der Bariton Hermann Gura die Ballade "Der Edelfalk". Er ist der Sohn von Eugen Gura, dem ersten Gunther in Richard Wagners Götterdämmerung 1876 in Bayreuth. Von ihm wird noch die Rede sein. Versammelt sind dreißig Sängerinnen und Sänger, die sich in der Schelllackära mit Loewe beschäftigt haben, darunter Paul Bender, Robert Büssel, Carl Rost, Paul Knüpfer, Arthur van Eweyk, Martin Abendroth, Cornelius Bronsgeest, Heinrich Schlusnus, Gerhard Hüsch, Wilhelm Rode, Sigrid Onegin und Lula Mysz-Gmeiner, die Schwiegermutter von Peter Anders, in dessen Repertoire Loewe nur eine nebensächliche Rolle spielte.



    Bei der Auswahl wurde auf Vielseitigkeit Wert gelegt. Nicht nur die Selbstläufer wie "Die Uhr" (gesungen von Franz Völker) oder "Archibald Douglas", sondern auch "Die Dorfkirche" oder "Die Mutter an der Wiege". Im Schelllackzeitalter war die Loewe-Interpretation stark durch Wagner geprägt, wie er im Bayreuth der Cosima-Ära zelebriert wurde. Deklamatorisch, getragen, mitunter schleppend. Balladen gerieten in vielen Einspielungen zu Musikdramen en miniature, zumal sie gern in Orchesterfassungen geboten werden, deren Herkunft oft unbestimmt ist. Zwischentöne oder ironische Anspielungen, wie sie sich bei Loewe zuhauf finden, gehen zu oft in der Bedeutungsschwere unter. Historische Aufnahmen können historischer nicht klingen, wie eingehüllt in einem Schwall von Mottenpulver. Dass Loewe zeitweise fast dem Vergessen anheimfiel, erklärt sich für mich auch aus der Art, wie er jahrzehntelang vorgetragen wurde und auf Schallplatten in die bürgerlichen Wohnstuben der Kaiserzeit Einzug hielt. Es gibt sogar Platten, auf denen nur der Klavierpart eingespielt wurde – sozusagen zum Mitsingen für jedermann.


    Wie Wagner selbst ihn gesungen haben wollte und selbst gesungen hat, ist nur mittelbar nachzuvollziehen. Er schätze vornehmlich den dramatischen Gehalt. Im Januar 1881 vermerkt Frau Cosima in ihrem Tagebuch: "R. trägt einige Balladen von Loewe vor, wie er sagt, um zu zeigen, was an uns Germanen verlorengegangen ist." Loewe galt etwas in Wahnfried. Noch in Venedig, drei Monate vor seinem Tod, fantasierte er auf einem neuen Flügel und ließ dabei auch – wie es Cosima ausdrückt – den „Jüngling von Elvershöh“ mit einfließen. Gemeint ist die frühe Ballade Elvershöh, die noch an anderer Stelle des umfangreichen Tagesbuchs erwähnt wird wie auch "Herr Oluf", "Der Wirtin Töchterlein" und der in seiner Dramatik an Shakespeare erinnernde Edward nach einer Übersetzung von Herder aus dem Schottischen. Ein unheimliches Dialogstück zwischen Mutter und Sohn, ähnlich der Ballade "Walpurgisnacht", die bei Cosima den Titel "Hexen" trägt. So wird sie – diesmal ein Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter – auch in einigen älteren Ausgaben bezeichnet. Loewe selbst soll diesen Namen auch gebraucht haben.


    Eine wichtige Quelle in diesem Zusammenhang ist die Autobiographie "Mein Leben" von Lilli Lehmann, die bei der ersten geschlossenen Aufführung des "Ring des Nibelungen" 1876 in Bayreuth die Woglinde sang: "Bei Wagner kamen wir … allabendlich zusammen … nur Liszt nebst den nächsten Bayreuther Freunden waren diesem Kreise zugestellt. Gura sang viel Löw’sche Balladen, die Wagner ganz besonders liebte. Hier war es auch, wo er mir Löwes Ballade Walpurgisnacht vorsang, deren Bedeutung er besonders hervorhob und Jos. Rubinstein aufstehen hieß, um sie selbst zu begleiten, weil er (gemeint ist Rubinstein) den Geist des Gedichts resp. der Komposition nicht richtig erfasste.“ Wagner habe sich verwundert gezeigt, dass die Ballade „nie gesungen würde, die doch mächtig sei, und legte sie mir besonders ans Herz." Obwohl die Lehmann mehr als zehn Lieder aufgenommen hat, Loewe ist leider nicht dabei.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."


  • Im Radiomitschnitt eines Liederabends der kanandischen Altistin Maureen Forrester (1930 - 2010) vom 18. Januar 1961 in Montreal, der sich in privaten Sammlungen erhalten hat, bildet Carl Loewe eine der Gruppen. Das fand ich immer bemerkenswert. Loewe im fernen Kanada. Wie kommt er dorthin? Anstöße dazu dürften bereits vom begleitenden Pianisten John Newmark ausgegangen sein, der eine interessante Lebensgeschichte hatte. Newmark, eigentlich Hans Joseph Neumark, ist gebürtiger Deutscher und stammt aus Bremen. Ihm wurde eine große Zukunft als Pianist vorausgesagt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten durfte er nicht mehr auftreten. 1942 fand er in Kanada eine neue Heimat, wo er von 1953 an eng mit der Forrester zusammenarbeitete. Gemeinsam bereisten sie mit ihren gründlich vorbereiteten Konzertprogrammen die Welt. Nach ihrer ersten Europa-Tournee ließ sich die Sängerin 1955 vorübergehend in Berlin nieder.


    Wie im Booklet der oben abgebildeten Liededition bei Audite berichtet wird, nutzte sie diese Zeit, um sich im Liedgesang bei Michael Raucheisen (1889 - 1984) zu perfektionieren. Nach einem vorübergehenden Berufsverbot "wegen seiner Nähe zu den nationalsozialistischen Machthabern" hatte Raucheisen "am RIAS schon bald wieder seine Tätigkeit aufgenommen, und so konnte er Forrester spontan nach dem Unterricht ins Tonstudio einladen", heißt es weiter. Raucheisen hatte im Rahmen seiner bis heute einzigartigen Edition beim Reichsrundfunk Berlin auch mehr als hundert Lieder von Loewe eingespielt. "Meine Ruh ist hin", "Ach neige, du Schmerzensreiche", "Die Lotusblume" und "Das Ständchen", die von der Forrester gesungen werden, sind nicht darunter. Es handelt sich um klassische Lieder. Loewe erscheint hier als feinsinniger Lyriker, eine Gabe, die viel zu selten mit seinem Namen in Verbindung gebracht wird. Noch heute gilt er als der Balladen-Komponist schlechthin – nicht nur verehrt, sondern auch belächelt. Er wird seine "Uhr" und die "Heinzelmännchen" einfach nicht los. Erst die Gesamtausgabe der Lieder und Balladen Loewes bei cpo, hat diese einseitige Sicht auf sein Werk gründlich relativiert. Nun trägt auch Maureen Forrester mit ihren frühen Aufnahmen dazu bei, den anderen Loewe besser kennenzulernen.


    Ihr äußerst flexibler Alt wird nicht nur als natürliche Stimmlage wahrgenommen. Es entsteht der Eindruck, als würde sie nur deshalb so singen, wie sie singt, um den Liedern zu einer tieferen Aussage zu verhelfen. Nicht Selbstzweck ist die Stimme, sondern Mittel zum künstlerischen Zweck. Der Booklet-Autor Heribert Henrich tritt es mit seiner Einschätzung, dass sich diese Stimme "durch einen vollen Bronzeton“ auszeichnet, „der – besonders im Forte – durch ein schnelles, absolut kontrolliertes Vibrato Wärme und Samt gewinnt. Klangliche Homogenität durch alle Tonlagen und alle dynamischen Graduierungen hindurch ist ein Hauptcharakteristikum". Gewisse Ähnlichkeiten mit Kathleen Ferrier stellen sich ein. Die Forrester aber hat ihre natürliche Begabung technisch stärker unter Kontrolle und damit perfektioniert. Sie kann als die geborene Liedgestalterin gelten, auch wenn sie ihren internationalen Ruhm in erster Linie mit Kantaten, Oratorien und Opern errungen hat. Sie ist genau auf dem Wort. Ihre Betonungen, Steigerungen oder Zurücknahmen, die als Verinnerlichung besser beschrieben sind, haben stets den richtigen inhaltlichen Bezug. Mit seinen mehr als drei Stunden ist das Album ein einziger Triumph der Gattung.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Forrester, die ich vor allem als Haendelinterpretin außerordentlich schätze, mit Loewe - das klingt spannend.
    Danke, lieber Rheingold für den Tipp!


    Beste Grüße
    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Moll und Stamm singen Balladen mit verteilten Rollen


    Einige Balladen bieten sich an, mit verteilten Rollen vorgetragen zu werden. Egal, ob sie nun vertont sind oder nicht. Das ist nach meiner Überzeugung ein Irrweg. Denn das dramatische Geschehen findet sich in dem Genre selbst angelegt und verlangt nicht nach formalen Erweiterungen. Balladen sind weder Schauspiele noch Opern. Dennoch gab und gibt es noch immer Versuche, den Handelnden eigenen Stimmen zu geben. Mitte der achtziger Jahre sind die Bässe Kurt Moll und Harald Stamm in den Kleinen Sendesaal des damaligen SFB gegangen und haben sich mit Wilhelm von Grunelius am Klavier in Schuberts "Erkönig" geteilt. Moll übernahm den Part des Vaters, Schramm den Rest. Nötig war das nicht. Dem berühmten Stück wird kein zusätzlicher Aspekt zuteil, es gerät auch in dieser prominenten Interpretation zum Gag, ohne aber zur Klamotte zu verkommen. Es macht sogar Freude, den beiden gleichaltrigen Herren mit Jahrgang 1938 zuzuhören. Moll, der 2017 gestorben ist, fällt durch sein unverwechselbares samtiges Timbre auf und setzt sich gut gegen den etwas sachlichen Stamm ab. Sie haben hörbar Spaß an ihrer ungewöhnlichen Herausforderung, die sie in "Der Tod und das Mädchen" – ebenfalls von Schubert – noch auf die Spitze treiben, indem sich Stamm stimmlich ins weibliche Geschlecht verwandelt.


    Die putzigen Aufnahmen waren 2001 zunächst bei Koch / Schwann in einer Zusammenstellung als Romantic Bass Duets herausgekommen. Nun sind sie bei Profil Edition Günter Hänssler zu haben. Ganz so verwegen wie der Schubert sind die Balladen "Odins Meeresritt", "Archibald Douglas" und "Tom der Reimer" von Carl Loewe nicht ausgefallen, wenngleich auch sie nur für eine Solostimme komponiert wurden. Moll gilt als einer der besten Loewe-Interpreten der Neuzeit und hat die drei Stücke auch nach allen Regeln dieser Kunst separat eingespielt. In "Odins Meeresritt" übernimmt er diesmal den größeren Part als Erzähler und als Meister Oluf, Schmied von Helgoland, der den Amboss um Mitternacht verlässt, als es plötzlich mit Macht an seine Tür pocht. Draußen steht kein Geringerer als Odin, der mitunter auch unter dem Namen Wodan (Wotan) in den verschiedensten Mythen unterwegs ist. Der verlangt nun, dass sein schwarzer Rappe, der ungeduldig mit dem Huf scharrt, neu beschlagen werde. Schließlich müsse er, der Gott, vor der Sonne zur "blutigen Schlacht" in Norwegen sein. Oluf, von Angst befallen, staunt nicht schlecht: "Hättet Ihr Flügel, so glaubt' ich's gern!" Gesagt getan, der Schmied nimmt das Eisen zur Hand. Doch es erweist sich als zu klein für den gewaltigen Huf des Tieres, das "mit dem Wind" läuft wie die Luftrösser der Walküren bei Wagner. "Da dehnt es sich aus."


    In dieses Wunder nun fallen Moll und Stamm gemeinsam ein. Sie verstärken es, indem sie ihre Bässe zusammenlegen. Das ist von starker Wirkung, die sich erst beim Hören einstellt und sich nicht beschreibend vermitteln lässt. Für mich, der viel übrig hat für die Balladen von Loewe, wäre allein diese Stelle die Anschaffung der CD wert. Wenngleich mir die Ballade in der traditionellen Interpretation durch eine Singstimme letztlich doch lieber ist, bestätigen beide Bassprofis mit der kühnen Ausnahme die Regel. Die Delikatesse von "Odins Meeresritt" nach einem Text des aus dem Badischen stammenden Gelehrten und Schriftstellers Aloys Wilhelm Schreiber kann in den anderen beiden Loewe-Titeln nicht wiederholt werden.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Ich habe mal reingehört und werde das am Nachmittag mal bei Amazon prime streamen. Aber das klingt alles sehr eindrucksvoll und auch sehr transparent. Ich habe zwar Kurt Moll in der Complete Edition von Loewe solo mit, ich meine, zwei CD's, aber dies ist ja noch mal eine andere Nummer.


    Schönen Dank für den tollen Tipp, lieber Rüdiger.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • ich konnte es nicht lassen und habe schn mal Schuberts "Tod und das Mädchen", D.531 und "Erlkönig" D.328 angehört- grandios. Bemerkenswert, wie traumwandlerisch und eindringlich Kurt Moll den Vater und den Erlkönig singt und dabei banz fließend von der einen Gestalt in die andere schlüpft, aber sehr überzeugend auch Harald Stamm in den Rollen als Erzähler und als Sohn.

    Ich glaube, die Scheibe werde ich mir nicht nur streamen, sondern auch kaufen.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich glaube, die Scheibe werde ich mir nicht nur streamen, sondern auch kaufen.

    Lieber Willi, den Kauf wirst Du nicht bereuen. Trotz einiger kritischer Anmerkungen meinerseits, die aber auch verkaufsfördernd wirken können. Mir geht es oft so: Wenn jemand etwas bemängelt, will ich es erst recht selbst hören - und beurteilen. Kritik ist anregend. Loewe hat sich bei mir als eine Art Sammelgebiet entwickelt. Da muss ich einfach alles haben, auch wenn es künstlerisch nicht weit her ist. Es ist ja nicht unwichtig, zu wissen, wie es nicht klingen soll. Das schärft das eigene Urteilsvermögen. Moll aber ist eine ganz sichere Bank und für mich auch einer der allerbesten Interpreten dieses Komponisten.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Auch wenn in der Regel die LOEWE Balladen von einem Bariton gesungen werden - in den 50er Jahren war es neben DIETRICH FISCHER-DIESKAU vor allem HERMANN PREY, der mit einigen LOEWE-Balladen auch im TV häufig zu sehen und hören war, und diese auch sehr gut - wenn auch immer etwas sehr larmoyant - vortrug, so sollte man sich einige Balladen doch auch einmal von einem Tenor gesungen anhören. JOSEF TRAXEL hatte schon relativ frühzeitig 11 dieser Balladen mit dem ausgezeichneten Pianisten ERICH APPEL aufgenommen. TRAXEL, der leider zu spät seine Fähigkeiten und sein Potential auch als Liedinterpret erkannte - siehe z. B. seine Aufnahme von 8 Liedern aus "DIE SCHÖNE MÜLLERIN", oder seine Aufnahme von BEETHOVEN-Liedern, fand offenbar Gefallen an einigen der LOEWE-Balladen und nahm diese bei COLOSSEUM auf. Zu hören sind auf dieser LP:


    Heinrich der Vogler, Erlkönig, Fridericus Rex, Das Erkennen, Süßes Beträbnis, Der Nöck, Hochzeitslied, Der Wirthin Töchterlein, Hinkende Jamben, Prinz Eugen und Archibald Douglas


    CLEMENS HÖSLINGER, der bekannte Musikpublizist und -kritiker würdigte in INGO HARDEN's "Musik Report 71" diese Aufnahme, und wies auf die hohe Musikalität dieses oft unterschätzten Sängers, und seine hochinteressante Leistung auch als Liedinterpret hin. Und es ist in der Tat beeindruckend, wie TRAXEL die so schwierige Ballade "Der Nöck" mit langem Atem großartig meistert, und wie einfühlsam er die etwas rührselig angelegten Balladen "Süßes Begräbnis, "Der Wirtin Töchterlein" oder "DAS ERKENNEN" interpretiert, und was er daraus macht!

    Dankenswerterweise hatte das HAMBURGER ARCHIV FÜR GESANGSKUNST u. a. auch diese 11 LOEWE-Balladen mit TRAXEL und ERICH APPEL als CD neu aufgelegt, wobei ich allerdings nicht weiß, ob diese CD noch lieferbar ist. Auch wenn man die Interpretation dieser Balladen durch einen Bariton wie FISCHER-DIESKAU oder HERMANN PREY - aiuch LADISLAV MRÁZ singt die Balladen mit wunderbarem Legato und Belkanto - gewohnt sein und vorziehen mag, so sind diese Aufnahme durch einen Tenor, und dazu einen noch so befähigten wie JOSEF TRAXEL, doch eine echte und interessante Alternative.


    wok

  • Auch wenn in der Regel die LOEWE Balladen von einem Bariton gesungen werden

    Mein lieber Wok,

    es ist eben so, dass die Stimmlage »Bariton« bei den Männerstimmen am weitesten verbreitet ist.


    DIETRICH FISCHER-DIESKAU vor allem HERMANN PREY, der mit einigen LOEWE-Balladen auch im TV häufig zu sehen und hören war, und diese auch sehr gut - wenn auch immer etwas sehr larmoyant - vortrug, so sollte man sich einige Balladen doch auch einmal von einem Tenor gesungen anhören.

    Dieses »larmoyant« bemängelte zum Beispiel Dietrich Fischer-Dieskau im Nachhinein mitunter auch bei seinen eigenen Aufnahmen; und um das klarzustellen: Hermann Prey war ein ausgezeichneter Balladensänger, ich beziehe mich da auf lebenslange Live-Erlebnisse.


    CLEMENS HÖSLINGER, der bekannte Musikpublizist und -kritiker würdigte in INGO HARDEN's "Musik Report 71" diese Aufnahme, und wies auf die hohe Musikalität dieses oft unterschätzten Sängers, und seine hochinteressante Leistung auch als Liedinterpret hin.

    Wenn Du mal Traxels Lied-CD vom Hamburger Archiv heraus kramst, dann ist da im Booklet folgendes zu lesen:


    »Die von EMI herausgebrachte LP mit Beethoven-Liedern und Schuberts Heine-Vertonungen aus D 957 fand als einzige Beachtung bei der Fachkritik, allerdings keine positive. In den beiden damals führenden Fachblättern erschienen abfällige Rezensionen. Man warf dem in Oper, Konzert, Oratorium hochgelobten Sänger "wenig interpretativen Ausdruck" und "bemühtes Vomblattsingen", sogar "gelangweilte Distanz" vor. Die LP mit Loewe-Balladen wurde vertiefter Besprechung gar nicht erst für wert empfunden«.


    Mit diesen »Fachkritiken« ist das eben so eine Sache, da wird - mit Verlaub - oft auch Blödsinn verzapft. Am besten ist es, wenn man nicht auf Gutsherrenart hören lässt, sondern selber hört ...


    Aber wen wenn Du noch Tenöre mit Werken von Carl Loewe, der ja seine Lieder mit eigener Tenorstimme vortrug, hören möchtest - da gibt es in der Raucheisen-Edition »Des Glockentürmers Töchterlein«, von Peter Anders gesungen und in der cpo-Edition »Carl Loewe - Lieder & Balladen« findest Du noch vier Tenöre, nämlich Christian Elsner, Jan Kobow, Christoph Prégardien und Robert Wörle.





  • Es gibt eine Reihe von Tenöre, die in Aufnahmen jüngeren Datums Loewe gesungen haben, in dieser Box z. B.:

    Christoph Prégardien mit Cord Garben, Christian Elsner mit Cord Garben, Jan Kobow mit Cord Garben und Robert Wöhrle mit Cord Garben. Cord Garben hat für das Zustandekommen dieser Box und für die Begleitung aller Sängerinnen und Sänger gesorgt, und ich finde, es ist eine feine Liedsammlung dabei herausgekommen. Außer den bereits genannten Tenören waren noch die

    Sopranistinnen Julie Kaufmann, Edith Mathis, Gabriele Rossmanith, und Ruth Ziesak,

    Mezzos/Altistinnen Monika Groop, Yvi Jänicke, Rszula Kryger und Iris Vermillion,

    Baritone Thomas Mohr, Roman Trekel, Andreas Schmidt und die

    Bässe Kurt Moll und Morton E. Lassen beteiligt.

    Ich habe von Christoph Prégardien, den ich schon in mehreren Livekonzerten erlebt habe, eine Ballade bei Youtube gefunden, leider nicht mit Cord Garben, sondern mit seinem langjährigen Begleiter Michael Gees, wie ich finde, mehr als ein Ersatz:


    Allerdings ist die complette CD gebraucht bei Amazon zu haben:



    und auch die CD von Christian Elsner:



    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Übrigens habe ich gerade entdeckt, dass die gesamte Box (21 CD's) noch zum gleich Preis bei JPC zu haben ist, den ich damals auch bezahlt habe:


    49,99 € (Ein Schnäppchen!)


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Mein lieber Wok,

    es ist eben so, dass die Stimmlage »Bariton« bei den Männerstimmen am weitesten verbreitet ist.


    Dieses »larmoyant« bemängelte zum Beispiel Dietrich Fischer-Dieskau im Nachhinein mitunter auch bei seinen eigenen Aufnahmen; und um das klarzustellen: Hermann Prey war ein ausgezeichneter Balladensänger, ich

    beziehe mich da auf lebenslange Live-Erlebnisse.

    Lieber hart,


    Ja, ja, ich schrieb ja auch, daß auch PREY die LOEWE-Balladen gut sang, diese kamen seiner Stimme und seinem Vortrag sogar sehr entgegen, aber bezüglich der Larmoyanz bin ich schon der Meinung, daß diese mitunter schon etwas mehr ausgeprägt war als bei FISCHER-DIESKAU, dessen Stimme für mich im allgemeinen doch etwas maskuliner klingt. Daß dieser immer äußerst selbstkritisch mit seiner eigenen Leistung war, ist bekannt. Daß er sich aber selbst der Larmoyanz bezichtigte, ist mir neu und überrascht mich.l

    Wenn Du mal Traxels Lied-CD vom Hamburger Archiv heraus kramst, dann ist da im Booklet folgendes zu lesen:


    »Die von EMI herausgebrachte LP mit Beethoven-Liedern und Schuberts Heine-Vertonungen aus D 957 fand als einzige Beachtung bei der Fachkritik, allerdings keine positive. In den beiden damals führenden Fachblättern erschienen abfällige Rezensionen. Man warf dem in Oper, Konzert, Oratorium hochgelobten Sänger "wenig interpretativen Ausdruck" und "bemühtes Vomblattsingen", sogar "gelangweilte Distanz" vor. Die LP mit Loewe-Balladen wurde vertiefter Besprechung gar nicht erst für wert empfunden«.

    Ich kenne diese Kritik, kann diese aber nicht teilen. Vom "bemühten Vomblattsingen" kann bei TRAXEL niemals die Rede sein. Er bereitete sich auf jede Aufführung gewissenhaft vor und war zudem hochmusikalisch. Ich frage mich, ob Du wirklich seine Lied-Aufnahmen kennst, denn sonst würdest vielleicht auch Du dieses Urteil nicht unbedingt teilen. TRAXEL hatte natürlich mit dem Liedgesang nicht annähernd soviel Erfahrung wie mit Oper und Konzert, und vieles mußte er mit HUBERT GIESEN auch erst einmal proben und sich an die einzelnen Lieder herantasten. In den 50rer Jahren war natürlich FISCHER-DIESKAU absolut dominierend im Liedgesang, und alle anderen - sieht man einmal von PREY ab - hatten gegen ihn einen schweren Stand, schon gar der Opernsänger TRAXEL. Das betont Deklamatorische im Liedgesang eines FISCHER-DIESKAU war die Sache TRAXEL's nicht. Ihm ging es mehr darum, die Komposition selbst in den Vordergrund zu stellen und er vermied es, Gefühlsausbrüche zu sehr zu betonen. Für ihn waren klangliche Ästhetik und Poesie wichtiger, womit man gewiß einigen Liedern und deren Texten und Inhalt nicht ganz gerecht werden kann. Dagegen singt er meines Erachtens Lieder wie BEETHOVEN's "Adelaide", "Andenken", Abendlied unter dem gestirnten Himmel" oder SCHUBERT's "Das Fischermädchen" oder "Der Musensohn" wunderbar natürlich, schlicht und mit schönem Ton, was m. E. diesen Liedern besser steht als übertriebene Expressivität.


    Mit diesen »Fachkritiken« ist das eben so eine Sache, da wird - mit Verlaub - oft auch Blödsinn verzapft. Am besten ist es, wenn man nicht auf Gutsherrenart hören lässt, sondern selber hört ...

    Ja, es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Kritiken ausfallen können. Ich habe auch positive ritiken über TRAXEL als Liedsänger gelesen. und die Meinung von CLEMENS HÖSLINGER, der ja jahrelang in der fonoforum Gesamgsaufnahmen kommentierte, und z. B. auch einen sehr ausführlichen und sehr klugen und informativen Artikel über LAURITZ MELCHIOR schrieb, ist für mich schon sehr wichtig und deckt sich sehr oft auch mit meinen Ansichten, und er stellte explizit die Qualitäten von TRAXEL als Interpret der LOEWE-Balladen heraus. Ich habe mich beim Kauf dieser LP aber nicht nach seinem Urteil gerichtet, sondern ich besaß die Aufnahme schon zuvor.


    Aber wen wenn Du noch Tenöre mit Werken von Carl Loewe, der ja seine Lieder mit eigener Tenorstimme vortrug, hören möchtest - da gibt es in der Raucheisen-Edition »Des Glockentürmers Töchterlein«, von Peter Anders gesungen und in der cpo-Edition »Carl Loewe - Lieder & Balladen« findest Du noch vier Tenöre, nämlich Christian Elsner, Jan Kobow, Christoph Prégardien und Robert Wörle.

    In der TRAXEL-Aufnahme der LOEWE-Balladen sind sicher einige Titel, die ihm auf Grund ihrer Dramatik und Skurillität nicht so gut liegen, doch so sensitiv wie er die Balladen "Süßes Begräbnis", "Der Wirtin Töcherlein" oder "Das Erkennen" singt, ist aller Ehren wert. Auch mit der Wiedergabe der Ballade "Prinz Eugen" gefällt er mir sehr gut. Und auch seine stimmliche Bewältigung der schwierigen Ballade "Der Nöck" ist eindrucksvoll.


    wok

  • Daß dieser immer äußerst selbstkritisch mit seiner eigenen Leistung war, ist bekannt. Daß er sich aber selbst der Larmoyanz bezichtigte, ist mir neu und überrascht mich.

    Das hatte ich schon öfter gelesen; Du findest das zum Beispiel unter ZEIT ONLINE in einem Beitrag von Volker Hagedorn, ich füge das fragliche Stück Text hier ein:


    »Doch er selbst geht mit dem jungen Sänger, der er war, nicht ungern ins Gericht. Seine erste Aufnahme der Winterreise, für den Rundfunk, habe "eine larmoyante Note, die Schubert peinlichst vermieden hat". Überhaupt habe er den Zyklus "zwei, drei Mal zu dramatisch gesungen". Auch wenn Fischer-Dieskau so selbstkritisch wird, hat das nichts von Vertraulichkeit oder gar gerührtem "Ja, das bin ich auch". Es ist dann eher, als blicke er auf seine Sängerlaufbahn wie auf ein Werk, einen Gegenstand, einen Vorgang in der Welt.«


    Ich frage mich, ob Du wirklich seine Lied-Aufnahmen kennst, denn sonst würdest vielleicht auch Du dieses Urteil nicht unbedingt teilen

    Lieber wok,
    ich habe lediglich zitiert, aber an keiner Stelle zum Ausdruck gebracht, dass ich diese Beurteilung teile; genau das Gegenteil ist der Fall! Ansonsten darfst Du getrost davon ausgehen, dass ich Traxels Liedaufnahmen in- und auswendig kenne. Schon vor vielen Jahren habe ich mir seine Loewe-Balladen nämlich von der LP auf CD übertragen, da waren die im Hamburger Archiv noch nicht erschienen.

  • Das hatte ich schon öfter gelesen; Du findest das zum Beispiel unter ZEIT ONLINE in einem Beitrag von Volker Hagedorn, ich füge das fragliche Stück Text hier ein:


    »Doch er selbst geht mit dem jungen Sänger, der er war, nicht ungern ins Gericht. Seine erste Aufnahme der Winterreise, für den Rundfunk, habe "eine larmoyante Note, die Schubert peinlichst vermieden hat". Überhaupt habe er den Zyklus "zwei, drei Mal zu dramatisch gesungen". Auch wenn Fischer-Dieskau so selbstkritisch wird, hat das nichts von Vertraulichkeit oder gar gerührtem "Ja, das bin ich auch". Es ist dann eher, als blicke er auf seine Sängerlaufbahn wie auf ein Werk, einen Gegenstand, einen Vorgang in der Welt.«

    Lieber hart,


    Gut, das mag auf seine erste Aufnahme der Winterreise zutreffen. Er hat diese dann ja noch öfter mit verschiedenen Pianisten aufgenommen. Aus evtl. Fehlern hat er dann wohl in der Folge gelernt. Jedenfalls würde ich nicht sagen, daß eine larmoyante Interpretation durch FISCHER-DIESKAU typisch für seinen Gesang sei. "Zu dramatisch", das mag schon eher zutreffen. So oder so: Für mich war FISCHER-DIESKAU der größte Liedsänger aller Zeiten. Und daß er mit seinen Leistungen selbstkritisch umging, ehrt ihn.

    Lieber wok,
    ich habe lediglich zitiert, aber an keiner Stelle zum Ausdruck gebracht, dass ich diese Beurteilung teile; genau das Gegenteil ist der Fall! Ansonsten darfst Du getrost davon ausgehen, dass ich Traxels Liedaufnahmen in- und auswendig kenne. Schon vor vielen Jahren habe ich mir seine Loewe-Balladen nämlich von der LP auf CD übertragen, da waren die im Hamburger Archiv noch nicht erschienen.


    Na, da bin ich ja beruhigt. Hätte mich auch gewundert. Daß Du TRAXEL's Liedaufnahmen sogar in- und auswendig kennst, ist schon eine Seltenheit, denn schließlich ist dieser als Lied-Interpret weniger bekannt geworden, und daß Du ihn als solcher offenbar auch schätzt, freut mich, besonders bei jemandem, der von Liedgesang offensichtlich soviel versteht wie Du!

  • Ja, ja, ich schrieb ja auch, daß auch PREY die LOEWE-Balladen gut sang, diese kamen seiner Stimme und seinem Vortrag sogar sehr entgegen, aber bezüglich der Larmoyanz bin ich schon der Meinung, daß diese mitunter schon etwas mehr ausgeprägt war als bei FISCHER-DIESKAU, dessen Stimme für mich im allgemeinen doch etwas maskuliner klingt.

    Für mich, lieber wok, ist Prey ein ganz vorzüglicher Interpret von Loewe. Von Larmoyanz würde ich nicht sprechen wollen, weiß aber, worauf Du hinaus willst. Diese Larmoyanz liegt natürlich zu einem gewissen Teil in einigen Stück selbst begründet. Prey hat aber immer versucht, dagegen anzusteuern mit einer Geschmeidigkeit und Musikalität, wie ich sie bei anderen Sängern, die sich mit Loewe beschäftigt haben, nicht so ausgeprägt finde. "Der getreue Eckart" soll ein Beispiel für meine Beobachtung sein:


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Für mich, lieber wok, ist Prey ein ganz vorzüglicher Interpret von Loewe. Von Larmoyanz würde ich nicht sprechen wollen, weiß aber, worauf Du hinaus willst. Diese Larmoyanz liegt natürlich zu einem gewissen Teil in einigen Stück selbst begründet. Prey hat aber immer versucht, dagegen anzusteuern mit einer Geschmeidigkeit und Musikalität, wie ich sie bei anderen Sängern, die sich mit Loewe beschäftigt haben, nicht so ausgeprägt finde. "Der getreue Eckart" soll ein Beispiel für meine Beobachtung sein:


    Lieber Rheingold,


    Danke für Deinen Beitrag zu diesem Thema. Um jegliches Mißverständnis auszuschließen: Ich finde HERMANN PREY als Interpret der LOEWE-Balladen ebenfalls sehr gut. Als Sänger hat er mir mit diesen Balladen sogar immer mit am besten gefallen, von denen ihm einige davon sogar auf den Leib geschrieben zu sein scheinen, und in den 50er Jahren war es wohl an erster Stelle ihm zu verdanken, daß diese Balladen plötzlich wieder eine interessierte Zuhörerschaft fanden. Das Attribut "Larmoyanz" ist wohl auch als Beschreibung etwas zu stark für seinen Vortrag dieser Balladen. Dieser gelegentliche Eindruck entstand bei mir wohl eher optisch durch seine Physiognomie während des Vortrags dieser Balladen, wenn ich ihn im TV mit diesen Balladen sah und hörte. Aber man sollte natürlich in die Beurteilung eines Sängers nicht optische Gesichtspunkte einfließen lassen, sondern allen stimmliche.

    Übrigens geht es mir umgekehrt bei RUDOLF SCHOCK oft so, daß wenn ich ihn in höheren Tonregionen singen höre, ich fast immer seinen angestrengten Gesichtsausdruck vor mir sehe, denn im Laufe seiner Karriere bekam er doch wohl immer mehr Probleme mit hohen Tönen.

    Aber nochmals: HERMANN PREY ist für mich sogar der beste Interpret, den ich je mit LOEWE-Balladen gehört habe.


    Viele Grüße aus dem heute sehr warmen Málaga!


    wok

  • Das Attribut "Larmoyanz" ist wohl auch als Beschreibung etwas zu stark für seinen Vortrag dieser Balladen. Dieser gelegentliche Eindruck entstand bei mir wohl eher optisch durch seine Physiognomie während des Vortrags dieser Balladen, wenn ich ihn im TV mit diesen Balladen sah und hörte. Aber man sollte natürlich in die Beurteilung eines Sängers nicht optische Gesichtspunkte einfließen lassen, sondern allen stimmliche.

    Lieber wok, das ist eine sehr interessante Feststellung, die mir bisher noch nicht zugekommen ist. Nun, wo ich sie bei Dir lese, geht sie mir auch auf. In der Tat wirkt Prey auf mich immer etwas zu gut gelaunt bei seinen Auftritten, was wohl Rückschlüsse auf den Vertrag selbst ergibt. Wenn ich ihn "nur" höre, kommt es mir manchmal vor, als badete er in den Liedern und Balladen. Das war noch in seinen ganz späten Jahren so als ich ihn hier in Berlin mit der "Müllerin" erlebte. Das alles will auch ich nicht als Kritik verstanden wissen. Es ist eine Beobachtung.

    Übrigens geht es mir umgekehrt bei RUDOLF SCHOCK oft so, daß wenn ich ihn in höheren Tonregionen singen höre, ich fast immer seinen angestrengten Gesichtsausdruck vor mir sehe, denn im Laufe seiner Karriere bekam er doch wohl immer mehr Probleme mit hohen Tönen.

    Kennst Du die Loewe-Platte von Schock?

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Vielen Dank für den Hinweis! Eine hörenswerte Sendung. Ich nehme mir vor, meine gute Handvoll Loewe-CDs (Ridderbusch, Greindl, Fischer-Dieskau auf DG und EMI, dazu drei aus der cpo-Reihe), die ich vermutlich noch nicht alle komplett gehört habe, mal ausführlicher anzuhören.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)