• Von Homer stammen die Epen Ilias und Odyssee, die ersten des Abendlandes. Es ist umstritten, ob es Homer als einzigen Autor überhaupt gegeben hat und ob die Werke von demselben Autor stammen (Homerische Frage).


    Persönlich gefällt mir die Ilias etwas besser als die Odyssee, weil sie mehr auf ein einziges Thema (menin Achilleos = Zorn des Achilleus) konzentriert ist und weil mir die Odyssee mehr wie eine Nummernoper vorkommt.


    In der Schule war Griechisch eines meiner Lieblingsfächer und ich kann auch noch das Prooimion der Ilias rezitieren.

  • Ich bin ein großer Fan von Homer, vor allem dann, wenn er sagt: "Hmmm, Bier!" :D


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Es gibt eine neue, 99€ teure Übersetzung der Ilias:


    Ich werde sie mir momentan noch nicht kaufen und bei meiner Reclam-Ausgabe bleiben.


    Zu dieser Neuübersetzung habe ich letzthin eine Rezension im Radio gehört; für alle Interessierten ist sie hier nachzulesen.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Danke, das ist interessant. Ich war schon in der Schule ein Freund von möglichst original-nahen Übersetzungen. Wenn sie nicht so teuer wäre, würde ich sie mir vielleicht kaufen.

  • Wie Siegfried schon sagte, der Hexameter ist schwer zu singen.


    Aber Ilias und Odyssee waren Pflichtstoff zum Abi, und da kam man am Hexameter nicht vorbei. Auf alle Fälle hat es nicht geschadet, sich damit beschäftigt zu haben. Nach fast 60 Jahren ist leider nicht mehr viel im Gedächtnis geblieben, aber diese Zeilen ... aber dem edlen Odysseus erzitterten Herz und Knie, tiefaufseufzend sprach er zu seiner erhabenen Seele usw.... sind noch im Kopf.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Manchmal geht mir so ein Hexameter aus dem Lateinunterricht noch durch den Kopf: Daedalus interea Creten longunque perosus (Ich glaube es war Ovid). Zwar habe ich kein Griechisch gelernt, aber Homers Ilias und Odyssee gehörten trotzdem (auf Deutsch, in Hexametern übersetzt) zur Schullektüre. Die griechischen und römischen Sagen, die auch die Grundlage vieler Schauspiele und Opern bilden, musste jeder Gymnasiast kennen. Dagegen haben wir im Lateinunterricht manchen Hexameter studieren müssen.
    Mir ist vieles davon im Gedächtnis geblieben und ich kann mit den Figuren, wenn sie genannt werden, immer noch Einiges verbinden. Auch im Italienurlaub wurde ich manchmal an Homer erinnert, z.B. in Aci Trezza auf Sizilien, wo die Zyklopen gehaust haben sollen. Unter anderem findet man vor Aci Trezza eine Reihe Felsen im Wasser, die der sage nach der Riese Polyphem den Griechen nach geworfen haben soll. Da er aber von Odysseus geblendet worden war, verfehlte er sein Ziel. Oder in Scilla in Kalabrien, wo die Ungeheuer Scilla und Charyptis hausten. Da ich gerade meine alten Videofilme, die ich in Sizilien, und Kalabrien und im Cilento (ca 100 km südlich von Neapel) gedreht habe, bin ich dieser Tage häufig an Homer und Vergil (Aeneis) erinnert worden. Gerade eben noch habe ich die Szenen aus Velia (ehemals Elia in Cilento)bearbeitet, in dem Aeneas (auch ein Flüchtling aus Troja) gewesen sein soll, und das, als wir 2009 da waren, noch ganz am Anfang der Ausgrabungen stand, als in Reiseführern selten zu finden war und daher kaum vom Touristen besucht wurde. Auch heute ist diese Stadt noch zum größten Teil im Erdboden verborgen.
    Ab und zu krame ich dann noch einmal die antiken Sagen hervor, wozu mich dieses Thema wieder einmal angeregt hat.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Ich habe gerade mal auf amazon die Neuübersetzung probegelesen: Sehr schöne und kraftvolle Sprache! Spricht mich mehr an als Faust. Kann man erwarten, dass das Buch noch billiger wird?

  • Kann man erwarten, dass das Buch noch billiger wird?


    Darauf würde ich nicht warten. Qualität hat immer noch ihren Preis. Und das ist gut so. Für die Anschaffung eines Buches, das mir wichtig ist, verzichte ich gern auf vieles andere. Wir leben aber in einer Zeit, in der Geiz angeblich geil sein soll. Was für ein abscheulicher, die ökonomischen Realitäten leugnender Spruch. ?( Manche Dinge gehören nicht auf den Wühltisch - ob in Buchhandlungen oder im Netz. Erst voriges Jahr habe ich für eine Publikation über die archäologischen Denkmäler des Antinoos von Hugo Meyer mehr als 200 Euro ausgegeben. Und ich habe es nicht bereut. Es gibt nämlich keine Alternative. Es sei denn, man verzichtet auf ein Buch. Versuche es doch zunächst in einer Bibliothek. Dort bekommst Du womöglich ein Gefühl für das Buch, das die Ausgabe erleichtert. Es ist offenbar sehr schön gestaltet und steckt in einem Schuber. Ich fühle mich immer ungemein wohl, wenn ich mir ein wertvolles Buch gegönnt habe - und ich bin wahrlich kein Millionär. ;)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hallo!


    Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, Sachbücher in hohen Preisklassen über die Bücherei zu bestellen. Je nachdem wie die Entleihregelungen sind, kann ich mit Verlängerungen ein Buch durchaus bis zu 2 Monate ausleihen - und ggf.nach einer Pause wieder.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Kann man erwarten, dass das Buch noch billiger wird?


    Zu deiner Frage, siehe ab ca. 42:35. Die gesamte Besprechung beginnt ca. bei Minute 27.

    "Geduld und Gelassenheit des Gemüts tragen mehr zur Heilung unserer Krankheiten bei, als alle Kunst der Medizin." (W.A. Mozart)

  • Bzgl. Singen: Brahms' Vertonung von Schillers Nänie (Elegische Distichen) zeigt, dass es schwierig ist, aber funktionieren kann.


    Das "Klappern" der Hexameter liegt m.E. zum einen an dem oft geleierten Vortrag und zum anderen an den großen Unterschieden der Sprachen. Die deutschen Klassiker des 18. Jhds. waren so begeistert von den antiken Epen, dass sie meinten, auch auf deutsch Hexameter u.ä. schreiben zu sollen. Das ist o.k. für ein paar Distichen, vielleicht auch für ein mittellanges Gedicht, aber bei längeren Stücken wirkt es schnell hölzern und klappernd, selbst bei großen Dichtern.
    Deutsch ist nämlich nicht so vokalreich und nicht so flexibel in der Wortstellung wie Latein oder Griechisch. Außerdem waren diese Verse auch nicht auf Betonungen, sondern auf Quantitäten (Vokal/Silbenlängen) gegründet, während man im Deutschen versucht, das Metrum mit Betonungen herzustellen, was wieder zur "Klappergefahr" führt. Schließlich war Griechisch (ich weiß nicht genau bis wann, aber jedenfalls bei Homer und in der Klassik, vermutlich ging es irgendwann in der Koinê-Phase verloren?) eine tonale Sprache (so ähnlich wie Chinesisch). D.h. die Wort- und entsprechende die Versakzente waren nicht Betonungen, sondern Längen und Kürzen in Kombination mit einem steigenden oder fallenden Ton. Die altgriechische Sprache muss wie eine Art Singsang geklungen haben und für den Vortrag der Epen wurde dieses Merkmal genutzt und verstärkt.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • Zu deiner Frage, siehe ab ca. 42:35. Die gesamte Besprechung beginnt ca. bei Minute 27.

    Vielen Dank! Dann werde ich auf die Taschenbuchausgabe warten. Wenn die erscheint und jemand sieht sie, wäre ich ihm sehr dankbar, wenn er hier nochmals posten würde!

  • Inhaltlich inspiriert, aber keine Hexameter, deswegen klingt es besser :D Durchweg Hexameter haben meines Wissens Goethes "Reineke Fuchs" und "Hermann und Dorothea", sowie einiges des Homer-Übersetzers Voss.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Das ist vermutlich Voss. Das ist die mit Abstand verbreitetste und, da über 200 Jahre alt, drohen auch keine rechtlichen Probleme. Die Reclam-Ausgabe ist eine neuere Übersetzung (70er Jahre oder so) von Roland Hampe, allerdings auch in Hexametern, wovon ja einige andere Übersetzer abgewichen sind.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)