Welche zeitgenössischen Komponisten kennt Ihr und welche schätzt Ihr?

  • Andere Komponisten ihrer Generationen wie Zender, Reimann, Nicolaus A. Huber, Udo Zimmermann oder Bose haben nie einen vergleichbaren Stellenwert erreichen können.

    Wobei Reimann – was die Aufführungshäufigkeit angeht – eigentlich recht gutes Standing im Betrieb hat.

    Mir kommt jedoch sein Werk, im Verhältnis zur gleichen Generation wie z.B. Lachenman, Zender, Wuorinen, Ferneyhough nicht so stark rüber. Musikalisch am interessantesten bisher Lear und Schloss


    (doch Haubenstock-Ramatis vergessene Kafka-Adaption Amerika ziehe ich Reimanns Schloss vor) …

  • In der vorigen Saison habe ich in einem Konzert meines FXR-Abos (Francois Xavier Roth) Philippe Maonury von Ansehen kennenglernt, weil er in einer deutschen Erstaufführung einer ihm gewidmeten Konzertserie persönlich in der Kölner Philharmonie zugegen war und sich hinterher auch beim Publikum für die positive Aufnahme seiner Werke bedankt hat:


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    Die Konzertserie endet nach meiner Information am 21. 5. 2019 mit der Aufführung


    Philippe Manoury


    Lab.Oratorium (2019)


    Lab.Oratorio für Stimmen, Orchester und Live-Elektronik


    Koproduktion von Gürzenich-Orchester Köln, IRCAM, Philharmonie de Paris und Elbphilharmonie Hamburg.


    Wenn sie so gut wird wie die voraufgegangenen, werde ich wieder einige positive Aspekte zeitgenössischer Werke kennenlernen. Ich freue mich schon darauf, zumal diese Konzertreihe wirklich ihr Publikum gefunden hat und jedes Konezrt wieder neue Klangerlebnisse hervorgebracht hat.

    Neben Werlken Philippe Manourys habe ich in den letzten Jahren auch Werke von Markus Lindberg, Violinkonzert (2006) (Renaud Capucon), B.A. Zimmermann, Violinkonzert (Leila Josefowitz), Pierre Boulez, Notations (Khatia Buniatishvili), Jörg Widmann, 11 Humoresken (Elisabeth Leonskaja), Peter Eötvös, Seven für Violine und Orchester (Akiko Suwanei), Arvo Pärt, Fratres, György Ligeti (Lux aeterna), Helmut Lachenmann, Tableau, György Ligeti, Violinkonzert, Richard Dubugnon, Kammersinfonie Nr. 2, Pierre Boulez, Livres pour SO, Jörg Widmann, Violakonzert (Antoine Tamestit), York Höller, Neues Werk für Bratsche (Tabea Zimmermann), B.A. Zimmermann, Musique pour les soupers, Manoury Flötenkonzert, UA (Emmanuel Pahud), Abrahamsen, Liederzyklus, (Barbara Hannigan), Hector Parra, Inscape, und am 21. 5. wartet erneut Manoury auf mich, und schließlich am 16. 6. Jean-Frederic Neuburger mit einem neuen Werk.

    Der geneigte Leser wird schon erraten haben, dass die meisten Konzertprogramme, denen diese Aufzählung zeigtenössische Werk entstammt, von dem seit einigen Jahren in Köln als Gürzenichkapellmeister sehr rührigen Francois-Xavier Roth zusammengestellt und dirigiert wurden bzw. noch werden.

    Seit seinem Dienstantritt habe ich das Dienstagsabo, und ich gehe gerne dorthin, weil er mir wirklich in seiner engagierten Art diese zeitgenössischen Werke nähergebracht hat, und er befindet sich damit, wie die Älteren unter uns noch wissen können, in bester Gesellschaft, hat doch einer seiner Vorgänger als Gürzenichkapellmeister, der jahrzehntelange Gürzenichkapellmeister schlechthin, Günter Wand, Ähnliches vorgelebt und sehr viele der damaligen zeitgenössischen Werke, u. a. seines Freundes Bernd Alois Zimmermann, Wolfgang Fortner und Walter Braunfels uraufgeführt bzw. sich für sie eingesetzt.

    Meine Angaben bziehen auf die Saisons 2014/15 bis 2018/19.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Johannes Maria Staud wurde noch nicht erwähnt - kürzlich erst die Uraufführung von "Die Weiden" an der Wiener Staatsoper


    .. und gehört Ennio Morricone auch in diesen Thread rein?

    Hear Me Roar!

  • .. und nicht zu vergessen - Federico Maria Sardelli (der zwar Barockmusik schreibt, allerdings auch noch lebt und sehr aktiv ist!!!)

    Hear Me Roar!

  • So langsam hat es dann doch wieder mit Musik zu tun


    Morricone ist sicherlich einer der größten Komponisten von Filmmusik, wenn nicht der größte.


    Sardelli ist ziemlich genial!


    Ansonsten fallen mir spontan ein (die ich alle auch schätze):

    Arvo Pärt

    Morten Lauridsen

    Eric Withacre

    Ola Gjeilo

    Urmas Sisask

    Andrew Lloyd Webber

  • Peter Eötvös

    Seit ich Patricia Kopatchinskaja gehört habe, die "DoReMi" von Peter Eötvös spielte und vor kurzem die Oper "Angels in America" in Freiburg erleben konnte steht er ganz oben auf meiner Liste.

  • Mir fehlt hier Johanna Doderer, die mein Interesse mit ihrer Oper "Liliom" geweckt hat.

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • lieber kurzstueckmeister ,


    ich würde gerne einen Vorschlag machen, um diesen Thread wieder etwas zu beleben. Die anfängliche Frage führte zu einer zum Teil recht umfangreichen Aufzählung von zeitgenössischen Komponisten, von denen ich ehrlich gesagt deutlich mehr als die Hälfte nicht kenne. Die Wissenden unter der Forumsmitgliedern nicken dann weise oder schütteln bei der Aufzählung ebenso wissend den Kopf.


    Ich habe mir zwei einfach zufällig herausgegriffen und angehört. Das ist natürlich eine zulässige Methode, aber angesichts des vorhandenen Wissens könnte man das doch anders gestalten. Wie wäre es, wenn Werke solcher Komponisten mit Aufnahme und kleiner Erklärung, wieso sie gemocht werden, vorgestellt werden.


    Ich bin sehr daran interessiert, meinen Horizont in diese Richtung zu erweitern und würde mich freuen, auf diese Art Vorschläge zum Anhören zu bekommen.

  • Dann greife ich den Vorschlag astewes auf und habe kurze Stücke bzw. Ausschnitte ausgewählt.


    Diese zeitgenössischen Komponisten sind ältere Herren. Arriviert, mit Preisen bedacht und etabliert in der Musiklandschaft.




    Wolfgang Rihm (*1952)


    Bereits vor seiner Erkrankung hat Rihm sich mit dem Thema Tod musikalisch auseinander gesetzt. Er hat sich mit Ledgesang öfters beschäftigt.




    Heinz Holliger (*1932)


    Heinz Holliger ist Schweizer. Lachen musste ich bei dieser Musik. Tröpfli Musig, Jedem Schweizer ist bekannt, weiss was Tröpfli sind. Für diejenigen des Schweizerdeutsch nicht mächtigen, ein kleiner Regentropfen. Es schwingt aber etwas mit, das ich nicht zu beschreiben vermag, wie das bei Mundart Begriffen oft der Fall ist.




    Salvatore Sciarrino (*1947)


    Er erkundet konsequent auf vielfältige Weise die Spielmöglichkeiten eines Instrumentes. Hier diejenige der Flöte. Im Flöten Thread der Solowerke der Moderne und Gegenwart ist er stark vertreten.




    Peter Eötvös (*1944)


    Über die Jahre seines Wirkens hat der Ungar sich an klanglichen Gegebenheiten orientiert. Hier dirigiert der Komponist im Orchestergraben der Wiener Staatsoper.




    Brian Ferneyhough (*1943)


    Der Komponist ist berühmt berüchtigt für seine äusserst genauen Notationen. Es ist phaszinierend im Notentext mitzulesen und zu beobachten, wie die Musiker damit umgehen.




    Pēteris Vasks (*1946)


    Im Vogel Thread bin ich erstmals auf ihn mit diesem Stück aufmerksam geworden: Landscape with Birds


    .

    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

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  • Ich möchte hier gerne Detlev Glanert (*1960) anmerken. Ein deutscher Komponist der doch eine ganz eigene Musiksprache für sich gefunden hat, eine die versucht "...Tradition und Moderne publikumsfreundlich zu versöhnen".

    Das bringt es ziemlich gut auf den Punkt. Seine Musik ist sehr gut anhörbar, ich würde fast sagen für jedermann. Sie hat kraft, ist meist nicht überfordernt, eine gute Mischung wie zeitgenössische Kompositionen heute funktionieren könnten. Anstehend eine Auswahl m.E. guter Einspielungen.






  • Ich muss ein bisschen pfuschen, was das "Zeitgenössische" angeht.


    Ich habe vor jetzt etwa einem Jahr den Rumänen Horatiu Radulescu (*1942 - †2008) entdeckt. Ein rumänisch, französischer Komponist, der mir aber ausnehmend gut gefällt und von dem ich ganz besonders gerne die drei folgenden Einspielungen höre. Seiner Musik fehlt die glatte Oberfläche, wie sie viele moderne Minimalisten aufweisen, aber die Ruhe und das Moment der moderarten Wiederholung geben beim Hören schnell Zugang, wenn man möchte.


    für das Klavierwerk



    zum Teil bei cpo erschienen, aber nun dort nicht mehr erhältlich. Werke für Cello und Klavier (faszinierend!)



    und eine dritte überzeugende Einspielung mit dem JACK Quartett und seinem fünften Streichquartett



    ist noch zu haben.

  • Leider hat mir der aktuelle Tod von Frederic Rzewski (13. April 1938 - 26. Juni 2021) auch hier mit dem Zeitgenössischen einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, aber das Klavierwerk "The people united will never be defeated!" ist ein Stück von Klaviervariationen, dass nach meiner Ansicht in den CD-Schrank jedes Liebhabers von Klaviermusik gehört. Auch hier ist die Schwelle zum anfänglichen Verständnis eher niedrig anzusiedeln, was nicht bedeuten soll, dass dieses Stück nicht "auch dem Kenner" etwas zu bieten hat ;)


    Ich empfehle hier mehrere Einspielungen, einmal eine neuere von Igor Levit



    eine schon etwas betagtere von Marc-André Hamelin




    und nicht zuletzt auch eine Einspielung der Widmungsträgerin aus dem Jahre 1978



    R-1488586-1227038843.jpeg.jpg

  • Lieber astewes


    Es ist zu begrüssen, wenn du diesen Variationszyklus aus dem Jahr 1975 erwähnst.


    Das Thema von The people united will never be defeated! ist ein chilenisches Protestlied El pueblo unido.


    2016 kam diese CD mit weiteren Liedern des Aufstandes, des Protestes, Songs of Insurrection heraus, die Frederic Rzewski weltweit gesammelt hatte und auf die er musikalisch reagierte.


    .

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  • Diesmal ein Zeitgenosse. Peter Ruzicka (*3. Juli 1948) mit einem Frühwerk, der Sonate für Violoncello aus dem Jahre 1969. Ein wunderschönes Stück für Cello solo. Eine Art Trauergesang.



    Leider war ich nicht in der Lage auf youtube das Stück zu finden :(

  • Noch ein Zeitgenosse: Siegfried Matthus (*1934)


    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Dann machen wir hier mal weiter. Der englische Komponist und Pianist Thomas Adès (*1. März 1971) mit zwei Kompositionen


    Powder Her Face, eine Konzertparaphrase für Klavier nach seiner gleichnamigen Oper, aus dem Jahre 2010. Die methodische Erinnerung an Franz Liszt ist nicht zufällig. Das Stück erfordert einen ausgewachsenen Pianisten.... hier der taiwanesische Pianist Han Chen.



    Vom großen Konzert weg zur Kammermusik, noch aus den neunziger Jahren. Sein erstes Streichquartett Arcadania (1994) hat mittlerweile schon eine recht große Anzahl von Einspielungen erfahren.


    Hier eine Einspielung des Danish String Quartet aus dem jahre 2015


  • Ein herzliches Willkommen an Waldlaeufer !. Gerade diese Rubrik könnte etwas Zuwachs gebrauchen. :) Ich schätze von Lera Auerbach noch ihre Preludes (sie hat ein leichten Hang zu dieser Form) für Violine und Klavier aus dem Jahre 1999. Ich habe sie in einer Einspielung mit Vadim Gluzman an der Geige und Angela Yoffe am Piano




    Sie lassen sich auch im Internet finden. Das erste Prelude in C-Dur zum Einstimmen :)



    und das fünfte mit dem schicksalhaften Anfang ...



    auch Paganineskes lässt sich finden, allerdings verhindert die russische Seele (die auch bei der amerikanisierten Auerbach durchhörbar ist) die italienische Leichtigkeit ( um ein paar Phrasen zu dreschen ;)..)



    Man sollte die Stücke aber als Zyklus hören. Das Potpourri mit Daniel Hope würde ich nicht empfehlen.

  • Hallo astewes , die Stücke für Klavier und Geige kenne ich noch nicht. Die Melodie aus dem tänzerischen Nr.8 in fis-Moll kommt mir bekannt vor, aus einem anderen Stück in variierter Form, das mir gerade nicht einfällt. Die Stücke sind jedenfalls interessant und von Gluzman/Yoffe schön interpretiert.

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  • Edgar Meyer (*1960) fehlt auch noch.


    In Folgendem ein paar Zeilen zum Violinkonzert. Im Beilageheft der CD (S. 9) schreibt die Interpretin und Widmungsträgerin Hahn: „1996 hatte ich Gelegenheit, Edgar Meyer kennenzulernen, als wir beide bei einer Konzertreihe in New York mit Bachs Brandenburgischen Konzerten auftraten. Im Anschluss an diese Begegnung entstand dann sein Violinkonzert, das hier seine CD-Premiere erlebt. Es ist das allererste Stück, das speziell für mich komponiert wurde, dass ich als erste aufführen und auf CD aufnehmen durfte. Dass ich auf diese Weise zur Widmungsträgerin eines Stückes geworden bin, das durch so viel Schwung, Esprit, Kraft und lyrische Schönheit besticht, ist mir eine ganz besondere Ehre.“