Franz Schreker - Die Gezeichneten - Staatsoper Hannover 11.05.2019

  • Liebe Taminos,


    nachdem ich letztes Jahr spontan zum ersten Mal an der Staatsoper zu einem Tristan zu Gast war, bin ich mittlerweile Stammgast an dem Haus geworden. Soeben komme ich von der bereits zweiten besuchten Vorstellung von Franz Schrekers "Die Gezeichneten" zurück. Schon beim ersten Besuch war ich sehr begeistert, und auch heute erlebte ich einen rundum beglückenden Opernabend.

    Franz Schrekers "Die Gezeichneten" nach einem eigenen Libretto ist ein wahrhaft packender Operthriller, psychologisch höchst interessant zu lesen, dramatisch packend und nicht zuletzt auch textlich mit Poesie und starker Symbolik gespickt! Stark wie das Textbuch ist auch die Musik, die ich ungemein faszinierend finde. Diese schillernden Klangteppiche, die eruptiven Ausbrüche des Orchesters, die feingewebte Motivik aber auch die unmotivierten Harmonierückungen rühren die Affekte des Zuhörers schon sehr stark an. Mir hat es wieder sehr viel Spaß gemacht diesem gewaltigen Farbenreichtum und der leidenschaftlichen Melodik zu folgen. Die enorme Sogwirkung, die schon das geniale Vorspiel mit sich bringt, setzt sich bis zum grausamen letzten Orchesterausbruch fort - Spannung von Anfang bis Ende.

    Dies ist besonders dem sehr versierten Dirigenten Mark Rohde zu verdanken, der das Orchester sehr gut zügeln, genauso aus ausbrechen lassen konnte. Es ist schon erstaunlich, wie transparent teilweise kleinste Motive in der Riesenbesetzung (Holz mind. 3fach + 6 Hörner + 6 Schlagzeuger + Pauke) durchhörbar waren, wie gut die Kommunikation zwischen Bühne und Orchester verlief, wie sehr er auch die Musik im Textbezug zu gestalten wusste. Obgleich die Sänger beste Arbeit lieferten, war es Mark Rohde und das Orchester die den größten Beifall des Publikums erhielten!

    Als Alviano Salvago stand der Haustenor Robert Künzli, den ich schon als Tristan begeistert erleben durfte, zur Verfügung. Seine Darstellung des sich selbsthassenden Krüppels kann nur als genial bezeichnet werden. Wie er mit den Krücken über den als Hügel angelegten Bühnenboden wackelte, wie er seine Mimik ganz der Rolle unterwarf, die Darstellung der Inneren Zerrissenheit - das Rollenportrait war ungemein intensiv und absolut glaubhaft. Gesanglich ist diese eher für Sprechgesang angelegte Rolle natürlich etwas undankbar, jedoch konnte er in den lyrischen Floskeln (z.B. Mein Eiland Elysium...) seine tenorale Glanzkraft bestens entfalten, wie er auch sonst hochexpressiv und höhensicher die Figur geradezu erschreckend authentisch wiedergab.

    Sein Konkurrent Tamare wurde heute von Brian Davis dargestellt. Stark kontrastierend legte er die Figur als agilen Macho an. Auch er war ein Sängerdarsteller wie er im Buche steht. Obwohl Jordan Shanahan, der die Rolle in den ersten beiden Vorstellungen verkörperte, einen noch eindrücklichen Eindruck machte, so strotzte auch Davis von Männlichkeit, posierte wo es nur ging selbstverliebt auf der Bühne umher. Auch er stellte den gesanglichen Schönklang zugunsten der Expressivität etwas zurück, und konnte besonders durch seine exaltierte Darstellung des Schlussauftrittes überzeugen. Manchmal ging sein doch nicht vollends durchdringender Bariton jedoch im Orchester unter, was den anderen Sängern nicht passierte.

    Als Objekt der Begierde, Carlotta, agierte die armenische Sopranistin Karine Babajanyan. Babajanyan verfügt über eine vollmundig-wohlklingende Tiefe, wird jedoch in der Mittellage und Höhe schnell etwas scharf im Klang. Auch ihr gelang ein überzeugendes Rollenporträit, wobei sie gesanglich besonders im zweiten Akt, in der Liebesszene zwischen ihr und Alviano mit sanft-lyrischen Ausdruck überzeugen konnte. Darstellerisch blieb sie jedoch eher statisch, was aber evtl. auch an der Konzentration auf den Konflikt zwischen Alviano und Tamare gelegen haben könnte.

    Als Antonio Adorno war Stefan Adam mit vollem Bariton dabei. Obgleich Adam über eine Stimme verfügt, die einem Herrscher würdig ist, so gilt's hier wie beim Tristan - mir persönlich scheint, dass er sie zu grob und unkultiviert einsetzt. Anders Tobias Schabel als Podesta. Sein sonorer Bass wird sehr differenziert geführt - es ist bedauerlich, dass er dem neuen Ensemble der kommenden Spielzeit weichen muss.

    Alle weiteren Partien waren sehr adäquat aus dem Ensemble und Chor besetzt. Besonders die adligen Herren konnten als gut aufeinander abgestimmtes Ensemble punkten. Der Opernchor für den dritten Akt war bestens disponiert und in der Anklageszene erstaunlich wortklar wie perfekt zusammen!


    Die Inszenierung von Johannes von Matuschka mit Bühnenbild von Christof Hetzer erinnert in seiner Kargheit schon etwas an Neu-Bayreuther-Inszenierungen. Mittelpunkt der Bühne bildet ein Hügel, der je nach Bild mit einer Raumandeutung (Akt 1), einem riesigen Keilrahmen (Akt 2) oder einer Deckenöffnung samt ausströhmenden Nebel und Licht (Akt 3) versehen ist. Die Inszenierung in sich wirkt sehr stimmig. Matuschka konzentriert die Handlung auf das Verhältnis Alviano-Tamare, wobei Tamare als sein Gegenssatz und Idealbild (Hässlich/schön, Selbsthass/Selbstverliebt) als innerer Teil von ihm, ihn in verschiedenen Situationen, so in der Malstube Carlottas stumm begleitet. Besonders der dritte Akt gelingt Matuschka bestens. Aus dem Bühnenraum strömt das Volk Genuas auf das Eiland Elysium, d.h. unter die Öffnung. Sie atmen die betörenden Düfte der Sommernacht, wunderliche Lichter und räkeln sich leicht rhythmisiert zu einem großen Chor zusammen, die Sommernacht preisend. Das Zwischenspiel zum letzten Bild wird als Bühnenorgie und Horrorszenario Alvianos inszeniert. Mehrere stilisierte Carlottas treten auf, alle werden sie von den Adligen misshandelt - ein starkes Bild und gar nicht so aufreizend (wer weiß, was Bieito daraus gemacht hätte witzelt ein Rezensent...). Zum Schluss tanzt Alviano, verrückt den Hügel hinunter.


    Liebe Taminos, ich denke man merkt, dass ich einen sehr beglückenden, intensiven Opernabend hatte. Die Ohrwürmer flimmern noch ein wenig nach, und ich freue mich, dass ich nächsten Sonntag das Werk noch einmal erleben darf! Ich kann einen Besuch nur empfehlen!


    Beste Grüße und gute Nacht!

    Christian

  • Dank für diesen plastischen und ausführlichen Bericht! Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Um dieses Erlebnis beneide ich Dich. Ich habe das Werk in den 90-ern erlebt, auch "Der ferne Klang", da gab es in der DDR eine Art "Schreker- Renaissance".

    Phantastische Musik, an Strauss erinnernd, aber wohl dramatischer.


    Danke für den Bericht.

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Lieber Christian,


    Deinen ausführlichen Bericht habe ich mit großen Aufmerksamkeit gelesen.

    Da ich in der Premiere am 6. April war, habe ich zwar eine andere Aufführung gehört. Trotzdem decken sich Deine Eindrücke und Urteile ganz mit meinen.


    Robert Künzlis Leistung kann man gar nicht genug rühmen. Auch ich schätze ihn in vielen Rollen vom Peter Grimes über die beiden Siegfriede und den Tristan bis zu dem Luka Kusmič (Totenhaus) und Dionysos (Bassariden). Aber der Alviano war denn doch so vielschichtig, stark und intensiv gestaltet, wie ich das doch nicht erwartet hatte: sängerisch und schauspielerisch! Eine echte Spitzenleistung!


    Ich habe nicht Brian Davis als Tamare gehört sondern Jordan Shanahan, einen jungen Sänger (aus Hawaii) mit einer attraktiven Erscheinung, ein echter Kerl, wie gemalt für die Partie, und zudem ein ungemein charismatischer Darsteller. Er sang mit einem kernigen Bariton, der noch nicht wirklich groß und ausladend ist aber gut trägt und in der Höhe den heldischen Strahl hat, den man in der Partie erwartet. Er singt wohl auch schon Holländer und Scarpia an mittleren Häusern. Wenn ich ihn noch in der einen oder anderen Partie gehört habe, würde ich ihn gern als NEUE STIMME vorstellen.


    Nicht mehr so ganz jung ist Karine Babajanyan, die ich in Puccini und Verdi-Partien seit vielen Jahren sehr schätze, deren Repertoireausdehnung auf das Wagner-Fach mich aber noch nicht überzeugen konnte. Für die Carlotta freilich war sie passend besetzt und nahm vor allem in den innig und glühend gesungenen lyrischen Momenten der Partie sehr für sich ein. Die Schärfen, von denen Du sprichst, waren nicht zu überhören. Sie haben mich aber hier nicht sonderlich gestört.


    Dass es bei diesen großartigen Sängerleistungen dennoch das Orchester unter Mark Rohde waren, die diese Aufführung zu einer Sternstunde machten, spricht für die eindrucksvolle Leistungsfähigkeit des Hauses. Allem was Du über ihn geschrieben hast, kann ich nur zustimmen.

    Ich habe vor, mir die Produktion am 30. April noch mal anzuhören!


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Wir haben uns auch die Premiere richtig live reingezogen. Trotz mir schmerzlicher Cuts (allerdings gewann andererseits die Chose damit an dramatische Dichte) schließe ich mich dem Feedback Christians (herzlichen Dank für deine Mühe !) und Carusos an.

    Hannover braucht sich überhaupt nicht hinter der Münchner Premiere vom 01.07.17 zu verstecken. Im Gegentum. Orchestral, weil oft viel transparenter und feiner im Klang und auch solistisch sind mir die Gezeichneten aus Hannover näher als München (dort ohne Cuts, allerdings lediglich via BR-Klassik-Mitschnitt). Bin gespant auf Amsterdam, falls Mitschnitt funzt.

  • Franz Schrekers "Die Gezeichneten" nach einem eigenen Libretto ist ein wahrhaft packender Operthriller, psychologisch höchst interessant zu lesen, dramatisch packend und nicht zuletzt auch textlich mit Poesie und starker Symbolik gespickt! Stark wie das Textbuch ist auch die Musik, die ich ungemein faszinierend finde. Diese schillernden Klangteppiche, die eruptiven Ausbrüche des Orchesters, die feingewebte Motivik aber auch die unmotivierten Harmonierückungen rühren die Affekte des Zuhörers schon sehr stark an. Mir hat es wieder sehr viel Spaß gemacht diesem gewaltigen Farbenreichtum und der leidenschaftlichen Melodik zu folgen. Die enorme Sogwirkung, die schon das geniale Vorspiel mit sich bringt, setzt sich bis zum grausamen letzten Orchesterausbruch fort - Spannung von Anfang bis Ende.

    Lieber Christian,


    genauso habe ich das damals an der Düsseldorfer Rheinoper erlebt und bis heute in Erinnerung! Ich muss mal meinen in diesem Sommer leider ziemlich ausgebuchten Terminkalender durchschauen. Es reizt mich ja schon sehr, nach Hannover zu kommen! :) :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Liebe Taminos,


    vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten auf meine Rezension! Vielen Dank besonders an Caruso, Deine ausführliche Antwort hat mich gefreut. Deine Meinung schätze ich stets sehr und es freut mich, dass wir zu dem gleichen Eindruck gekommen sind. Zu Karine Babajanyan - ob mich die Schärfen der Stimme wirklich störten, kann ich nicht mal sagen, weshalb ich dies auch oben unkommentiert gelassen habe. Der Gesamteindruck war ja besonders durch die durchgehend wirklich hoch zu wertenden Sängerleistungen und dem Orchester geprägt, weshalb es mir fern lag sie in irgendeiner Weise musikalisch zu kritisieren. Da es meine bereits zweite besuchte Vorstellung war, habe ich auch den Bariton aus Hawaii gehört. Deine Erleben seiner Gestaltung kann ich auch nur zustimmung - er strotzte wahrlich vor Männlichkeit, darstellerisch als auch stimmlich.

    @ Amfortas - was wurde den außer dem Chorauftritt des 3. Akten gestrichen? Mehr ist mir nicht aufgefallen...aber so gut kenne ich das Werk nun auch nicht.

    Holger - wenn Du es einrichten kannst, besuche diese Vorstellung. Ich habe ein paar Aufnahmen vom Werk und kein Alviano kommt an die Darstellung Künzlis ran!


    Vielen Dank auch an die anderen Schreiber und beste Grüße! Ich freue mich auf die nächste Aufführung am kommenden Sonntag!
    LG
    Christian

  • Lieber Christian,

    lieber Caruso,


    vielen Dank für Bericht und Ergänzung. Ich habe mir nun kurzentschlossen eine Karte für die Vorstellung am kommenden Sonntag 19.5. gekauft, da komme ich hinterher auch noch mit dem Zug nach Hause. :hello:

  • was wurde den außer dem Chorauftritt des 3. Akten gestrichen?

    z.B. auch im 2. Akt wurde im Dialog Tamare - Adorno gekürzt..

    Dennoch war es uns gleichfalls eine höchst beeindruckende und lohnende Premiere !


    Also, ich vermute einfach mal, generell die Mehrzahl der Gezeichneten-Wiedergaben versehen mit Cuts...

    Was Aufnahmen/Mitschnitte betrifft.

    Ohne Cuts:

    Zillig, Zagrosek, Gielen, Metzmacher (München) vielleicht auch Conlon (hab ich momentan nicht auf Schirm).

    Mit Cuts: Perez, Nagano, Albrecht, de Waart, Rohde (Hannover)..

    Von den ungekürzten Mitschnitten ist Gielen (HR), von den gekürzten Rohde (NDR-Kultur) und Nagano (Oe1) bisher Favorit.


    Und sehr erfreulich, dass jetzt hier weitere Forianer Interesse an der Schrekerei in Hannover haben.

    Ja. Es lohnt sich !!!!!


    Und gleichfalls erfreulich, dass während der letzten Jahrzehnten das Standing Schrekers (auch Zemlinskys) im Opernbetrieb merklich anstieg. Keinen Schimmer, ob legendäre Frankfurter Produktion unter Gielen/Neuenfels vom 19.10.80 sowas wie Initialzündung dafür bildete...

  • Lieber Bertario!

    Das ist ja eine erfreuliche Nachricht! Wenn Du magst treffen wir uns mal in der Pause! Die Lage des Hauses direkt am Bahnhof ist für mich als Wolfsburger auch ideal. Den Zug um 22.48 schaffte ich bisher immer!

    Auch Dir Amfortas vielen Dank für die Antwort! Das Stück an sich ist ja auch nicht kurz, allerdings wirkten die Cuts doch sehr organisch, zumindest ist mir kein harter Schnitt aufgefallen. Ist der Mitschnitt aus dem Opernhaus noch irgendwo abrufbar?


    Beste Grüße

    Christian

  • Lieber Christian!

    Die Lage des Hauses direkt am Bahnhof ist für mich als Wolfsburger auch ideal. Den Zug um 22.48 schaffte ich bisher immer!

    Ich habe es etwas weiter als Du, ich muss zurück ins Ruhrgebiet. Bei den Abendvorstellungen wäre das zwar noch möglich, aber mit mehrmaligem Umsteigen und Ankunft mitten in der Nacht kein Vergnügen mehr gewesen. So war ich froh, dass es eine Nachmittagsaufführung am Sonntag gibt. Aber ich will mich nicht beschweren, ich habe hier eine große Zahl von Opernhäusern in der Nähe.

    Wenn Du magst treffen wir uns mal in der Pause!

    Sehr gerne! Dann müssen wir nur noch einen Treffpunkt und ein Erkennungszeichen vereinbaren. Ich werde Alfred auch bitten, Dir meine Email-Adresse zu geben.

    Lieber Bertario!

    Der Name ist Bertarido, eine Figur aus einer meiner Lieblingsopern von Händel. ;)

  • Lieber Bertarido (sorry, Barockoper ist leider gar nicht meine Ecke!),


    Du kannst ja mal nach "Christian Biskup" + Ludolf Nielsen in der Bildersuche googeln. Der junge Mann bin ich :-)

    Es freut mich, mal einen Tamino kennenzulernen!

    LG
    Christian

  • Hannover braucht sich überhaupt nicht hinter der Münchner Premiere vom 01.07.17 zu verstecken. Im Gegentum. Orchestral, weil oft viel transparenter und feiner im Klang und auch solistisch sind mir die Gezeichneten aus Hannover näher als München (dort ohne Cuts, allerdings lediglich via BR-Klassik-Mitschnitt)

    Der Meinung stimme ich voll und ganz zu.


    Vielleicht noch Lust auf weitere Meinungen?


    http://www.omm.de/veranstaltun…9/H-die-gezeichneten.html

    Leider ist online nur eine Kurzfassung der Rezension aus der HAZ zu lesen.

    https://www.haz.de/Nachrichten…hneten-von-Franz-Schreker


    Übrigens möchte ich noch auf die sehr gut gesungene Aufführung von 1960 hinweisen:


  • Zitat von Caruso41

    Übrigens möchte ich noch auf die sehr gut gesungene Aufführung von 1960 hinweisen:


    Mit Link !!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Liebe Taminos, ich denke man merkt, dass ich einen sehr beglückenden, intensiven Opernabend hatte.

    Hannover braucht sich überhaupt nicht hinter der Münchner Premiere vom 01.07.17 zu verstecken. Im Gegentum. Orchestral, weil oft viel transparenter und feiner im Klang und auch solistisch sind mir die Gezeichneten aus Hannover näher als München...

    Dass es bei diesen großartigen Sängerleistungen dennoch das Orchester unter Mark Rohde waren, die diese Aufführung zu einer Sternstunde machten, spricht für die eindrucksvolle Leistungsfähigkeit des Hauses.


    Ich denke, dass es sehr lohnend ist, für Franz Schrekers "Die Gezeichneten" die Reise nach Hannover zu machen.

    Es gibt noch zwei Aufführungen:

    30. Mai 2019 um 18:30 Uhr

    18. Juni 2019 um 19:30


    Hier der Trailer der Staatsoper



    Ich werde auf jeden Fall am 30. Mai die Produktion noch mal besuchen.

    Vielleicht haben ja die Berichte von Christian Biskup, Amfortas und mir dazu Lust gemacht?


    Zum Abschied bietet die scheidende Intendanz in der Aktion DANKE HANNOVER zwei Karten für den Preis einer Karte.

    Da es nächste Saison eine neue Intendanz in Hannover gibt, wird die Produktion nicht übernommen werden.


    Caruso41

  • Da es nächste Saison eine neue Intendanz in Hannover gibt, wird die Produktion nicht übernommen werden.

    Dieser Kausalzusammenhang leuchtet mir nicht ein. Richtig ist, dass es ab der kommenden Spielzeit in Hannover eine neue Intendanz gibt. Richtig ist auch, dass diese Produktion in der kommenden Spielzeit nicht zu sehen ist. Manch andere Produktion wird von der neuen Intendanz hingegen schon übernommen. Das kann also nicht der Grund sein. Auch vor dem Intendanzwechsel wurden nicht alle Neuproduktionen einer Spielzeit in der darauffolgenden automatisch wiederaufgenommen. Manchmal ruhten sie auch ein Jahr, bevor sie wiederkamen. Gibt es offizielle Verlautbarungen, die ausschließen, das diese Produktion vielleicht in der übernächsten Spielzeit doch wiederaufgenommen werden könnte?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

  • Ohne Wechsel der Indendanz wäre es durchaus wahrscheinlich, dass diese Schrekerei, die auf Opernbühnen viel größeres Standing als den ebenfalls mal in Hannover gespielten Traumgörge aufweist, nach dem - zuweilen - "üblichen" Sabbat-Jahr selbst in Hannover wieder aufgenommen werden würde.

    Das scheint durch den Intendanzwechsel leider ausgeschlossen.

    => ist der Kausalzusammmenhang in Carusos Aussage gegeben.

  • Traumgörge

    Habe ich gesehen und fand's sehr enttäuschend.

    nach dem - zuweilen - "üblichen" Sabbat-Jahr

    Eben.

    => ist der Kausalzusammmenhang in Carusos Aussage gegeben.

    Eben nicht. Es sei denn, die neue Intendanz hätte bereits angekündigt, dass diese Produktion nach dieser Spielzeit abgespielt ist, also keinesfalls zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen wird. Dass die Bühenbilder zur Verschrottung freigegeben sind usw.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

  • Eben doch. Selbst wenn Carusos „wird“ zum „wird aller Wahrscheinlichkeit nach“ mutieren würde. Ob du das als Privatperson einsiehst oder nicht, mindert keinesfalls das Vorhandensein von Kausalität in Carusos Posting.

  • Sorry, aber das ist einfach nur Blödsinn, weil die neue Intendanz ja andere Stücke auch wiederaufnimmt. Deswegen kann man die Nichtwiederaufnahme dieser Produktion in der neuen Spielzeit eben nicht damit begründen, dass es einen Intendanzwechsel gibt. Der "Traumgörge" ist in der Spielzeit drauf ja auch nicht wiederaufgenommen worden, und das, obwohl es keinen Intendanzwechsel gab.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

  • Sorry, aber das ist einfach nur Blödsinn,

    Im Gegentum. Die Kausalität in Carusos Posting bzw. Argumentation ist gegeben, unabhängig, ob die Schrekerei wieder aufgenommen wird oder nicht; sowie völlig gleichgültig vom Umstand, ob du das als Einzelner einsehen möchtest oder nicht..

    Der "Traumgörge" ist in der Spielzeit drauf ja auch nicht wiederaufgenommen worden, und das, obwohl es keinen Intendanzwechsel gab.

    Unter der Intendanz Puhlmans wurde Nonos Al gran sole nach der Premiere 09.05.04 auch wieder aufgenommen und erst am 20.05.06 (ausverkauftes Auditorium:thumbup:) zum letzten Mal gespielt.


    Selbstverständlich lässt sich die Nichtwiederaufnahme der Schrekerei mit einem Intendanzwechsel (und möglicherweise anderen Prioritäten als beim Vorgänger) begründen. Ob das dann eintrifft oder nicht, ist dabei eine ganz andere Frage.

  • Ob die von Stimmenliebhaber inkriminierte Formulierung in meinem Beitrag #15 nun begründet ist oder nicht, ist mir eigentlich nicht wichtig.

    Mir war wichtig, auf die Tatsache hinzuweisen, dass es 'nach Stand jetzt' nur noch zwei Aufführungen geben wird, in denen man die äußerst lohnende Produktion hören und sehen kann. Und noch dazu zu einem sehr günstigen Preis!


    Macht Euch auf den Weg nach Hannover! Ihr werdet es nicht bereuen.


    Caruso41