Das Opernhaus ist zu - was stattdessen?

  • Lieber chrissy, die Aufführung hat mir sehr gefallen, so war das ein perferkter Samstag. Bis auf Herrn Berti, fand ich alle Rollen sehr gut besetzt.

    Ich hoffe das ich auch bald am Samtag ab 18 Uhr jubeln kann. :)

    So leben wir also beide in der Hoffnung und es wäre schön, wenn wir am Schluß, jeder für sich und doch gemeinsam, jubeln können!

    In diesem Sinne - Dynamische Grüße

    CHRISSY


    Was den Herrn Berti betrifft, nun, man hat freilich schon bessere gehört. Als Canio fand ich ihn noch akzeptabel, als Turiddu nicht so,

    da habe ich bessere Erinnerungen.

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Das Klassik Open Air des NDR ist ein Lichtblick innerhalb der trüben Soße, die uns in der Regel an Opern im Fernsehen geboten wird. Ich habe die Sendung gestern nicht gesehen, weil ich Besuch von Enkelin mit Urenkel hatte, nehme aber an, dass es eine Wiederholung der Sendung aus 2019 war, die ich kenne. Denn in diesem Jahr wird ja wohl auch die Freilichtaufführung wohl nicht stattfinden können. Cavalleria Rusticana habe ich mir vor wenigen Tagen in einer prächtigen Aufführung aus Wien mit Elina Garanca angesehen.

    Am kommenden Samstag wird um 20.15 Uhr auf 3sat Händels "Ariodante" von 2017 übertragen, die ich bisher noch nicht als Bühnenaufführung gesehen habe. Ich hoffe, dass die Vorstellung kein entstellendes Regisseurstheater ist.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ein Sprachwissenschaftler sollte den Unterschied zwischen "etwas nicht können" und "etwas nicht nach meinem Geschmack machen" eigentlich besser begreifen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ich kann nur darüber lachen, wenn hier einige von "Geschmack" reden, die nicht zwischen wahren und verunstaltetem Werk unterscheiden. Als ob jeder willkürlich ein fertiges Kunstwerk nach seinen abwegigen Ideen, die nichts mehr damit zu tun haben, einrichten und als das Werk eines Fremden herausgeben dürfte! Das alles hat wahrlich nichts mehr mit "Geschmack" zu tun. :hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha:

    Was hier oft als persönliche Meinung abgetan wird und als solche gefordert wird, ist nur die Feststellung von Tatsachen: Ein aus Unkenntnis oder Unvermögen, den Inhalt darstellen zu können, verändertes Werk ist und bleibt (nicht nur in meinen Augen) eine Verunstaltung, da können noch so viele theoretische Reden geschwungen und Belehrungsversuche gemacht werden. Unbelehrbar sind also nicht die, die die Wirklichkeit sehen, sondern die, die die Augen davor bewusst verschließen und dann die Anderen bekehren wollen.

    Im Gegensatz zu Rodolfo sehe ich, dass Herr Professor Lehmann die Tatsachen der Verunstaltung von Werken hier sehr deutlich am Beispiel dargestellt hat.


    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

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  • Der Harlekin war Xavier Anduaga, der Operalia-Gewinner von 2019.

    Danke, kannte ihn bisher nicht. Für meine Begriffe auch ein hervorragender Barinkay, chinesischer Prinz u.a., also auch für Operette mehr als nur Durchschnitt. Ich könnte ihn mir auch gut im Liebestrank, als ital. Sänger im Rosenkavalier, als Steuermann uva. vorstellen und seine Stimme langsam entwickeln. Ich gestehe, ein hoffnungsvoller Tenor.

    Auch der Silvio war ein guter Silvio, mann kann Nedda fast verstehen für ihre Wahl.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Wilfried ein dankeswerter Hinweis. Im "Nach-Corona" Thema informierte ich heute darüber, dass das Opernhaus Zürich im Herbst, wie geplant, mit "Boris Godunow" die Saison 2020/21 eröffnen wird. Unter bemerkenswerten Rahmenbedingungen.

  • Man liest nunmehr zunehmend von Veranstaltungen diverser Opernhäuser mit reduzierter Besetzung oder gar mit Umarbeitungen bekannter Werke vor einer beschränkten Zahl von Besuchern.


    Mich schaudert, wenn ich die Bilder der fast leeren Wiener Staatsoper sehe, in der sich ein paar Hundert Leute verlieren. Ich kann mir auch eine große Oper mit Kammerensemble oder Klavierbegleitung nur schwer als wirklich emotionalen Kunstgenuss vorstellen. Das Grundproblem, dass die Opernhäuser von der Corona-Pandemie und ihrer öffentlichen Wahrnehmung und Behandlung auf längere Zeit grundlegend getroffen sein werden, lösen solche individuellen Veranstaltungen im geschlossenen Raum eines Opernhauses, so respektabel der Ansatz auch sein mag, nach meinem Dafürhalten nicht. Ich sehe mit Sorge, dass in einigen Ländern eine wachsende Zahl von Opernhäusern dieses Jahr bereits abhaken (jetzt anscheinend auch die Scottish Opera in Glasgow). Vielleicht sollten die Verantwortlichen das Thema mal untereinander und als Gemeinschaft Betroffener und dabei öffentlich diskutieren..

    Herzlichst

    Otello 50

  • Lieber Otello50 , vielleicht hast Du meinen Beitrag in "NACH der Corona Krise - Was kommt danach?" über das Opernhaus Zürich gelesen. Auch dort spielte man mit dem Gedanken einer reduzierenden Bearbeitung von „Boris Godunow“. Entschied sich stattdessen für eine Lösung mit technischen Mitteln. Ein Weg, der nicht allen Bühnen offen steht. Jeder Intendant ist gefordert, mit seinem Team die gegebenen Rahmenbedingungen auf Chancen auszuloten.


    Unlösbar bleibt allerdings, dass auf mittlere Sicht nur vor extrem reduziertem Publikum gespielt werden kann. Mir geht es damit wie Dir, Otello50: diese verloren wirkende Hundertschaft, verteilt im Parkett der Wiener Staatsoper, wirkte gespenstisch, anachronistisch. Gleichzeitig ertappte ich mich gestern, für den Bruchteil einer Sekunde, beim Gedanken „mein Gott, sitzen die dicht beieinander“, als ich eine Aufzeichnung aus dem Opernhaus Zürich von 2013 sah. Der Virus ist offensichtlich schon in meine Wahrnehmung eingedrungen, wenn ich ihn spontan zurück projiziere. Traurig, aber wahr.





  • Lieber udohasso,


    da sind wir uns wohl einig: das Publikum ist grundlegend wichtig. das ist om Grunde nicht anders als beim Fussball: als Fan des 1. FC Köln (der hoffentlich die Liga hält) schätze ich die Emotion des Stadions, die Gesänge, die Jubelorkane bei Toren und die Trauer bei Niederlagen. Geisterspiele sind wohl finanziell nötig, aber sie schaffen keine Atmosphäre. Würde die Lage andauern, wäre der Profifußball am Ende.


    Ein Beispiel nur noch: habe mir gerade eine DVD des phantastischen Konzerts der Wiener Philharmoniker unter Christian Thielemann mit Beethovens VII. Symphonie aus dem Musikvereinssaal von 2010 angeschaut. Da wird man regelrecht gebannt, der Jubel nach der aufführung ist unglaublich und überträgt sich noch am Fernseher.


    Herzlichst

    Otello 50

  • Ich bin Fußball-Analphabet, verstehe aber gut was Du meinst, mit Deinem Vergleich Stadion-Opernhaus. Oft bedauere ich, dass dem Publikum seine immense Bedeutung für Opern- oder Konzertereignisse nicht ausreichend bewußt ist. Der kleinen Zuhörerschar solcher "Corona-Abende" ist bewußt, an einer spektakulären Ausnahme teilzunehmen. Diese 10 Prozente Belegung als Regelfall auf Monate oder gar Jahre? Eine Schreckensvision, undenkbar für mich.

  • da sind wir uns wohl einig: das Publikum ist grundlegend wichtig. das ist om Grunde nicht anders als beim Fussball


    Oft bedauere ich, dass dem Publikum seine immense Bedeutung für Opern- oder Konzertereignisse nicht ausreichend bewußt ist.

    Parallelen zwischen Theater und Fußball offenbaren sich in Corona-Zeiten!!

    Fußballer haben kein Publikum, Schauspieleinlagen werden seltener, der Spielfluß wird schneller. Ich habe sogar den Eindruck, daß Spiele attraktiver geworden sind, vermisse aber die Reaktion der Zuschauer doch sehr. Es fehlt an Atmosphäre, trotz meiner Meinung nach attraktiverem Fußball!


    Welchem Schauspieler macht seine Leistung Spaß ohne Applaus? Da ist es egal, ob er auf der Bühne oder im Stadion auftritt.


    Das jeweils interessierte Publikum vermißt genauso seine Darsteller, im Stadion wie auf der Bühne.


    Gott, warum hast Du gehäuft dies Elend?? Wenn das schon ein Atheist (wie ich) sagt, dann hilft weder Othello noch Gott! Hoffen wir auf ein Wunder!!!


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Hallo und guten Tag,

    Noch ein Beispiel wie ein Operhaus diese Zeit überbrückt. Der Bariton Björn Bürger ist vieleicht dem einen oder anderen ehrenwerten Mitglied bekannt.

    Als Oper für Oma, mit viel Schwung und Elan vorgetragen, aber sehen und hören Sie selbst:


    MfG Wilfried

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  • Hallo und guten Tag,

    Mit viel Genuss habe ich mir den Liederabend von Camilla Nylund und Helmut Deutsch angeschaut.

    Gesungen hat sie Lieder von Jean Sibelius, Robert Schumann und Richard Strauss.

    https://www.wiener-staatsoper.…la-nylund-helmut-deutsch/


    Gedanken meinerseits

    Zu Beginn zeigt der Kameraschwenk die bescheidene Anzahl der Besucher. Auf der einen Seite bin unendlich dankbar, dass es möglichist, so etwas zu sehen und zu hören. Aber es beschleicht mich auch etwas Wehmut und Sehnsucht, verbunden mit Hoffnungen.

    Frau Nylund hat den Auftritt , so schien es mir, sichtlich genossen. Der Beifall war halt nicht der von 1000 Menschen, die total aus dem Häuschen sind, sondern Beifall eines rundherum zufriedenem Publikums . Geendet hat es mit drei Zugabe "Wer hat dies Liedlein erdacht", dann ein mir völlig unbekanntes Lied. Beim letzten Lied, war ich dann völlig aus dem Häuschen, denn dies habe ich, Dank Helmut Hofmann, bereits beim dritten Takt erkannt,:) aus dem Italienischen Liederbuch: "Auch kleine Dinge..."

    Sichtlich beeindruckt habe ich den Fernseher und die Stereoanlage abgeschaltet, mich zufrieden im Bett herumgedreht und bin eingeschlafen.

    MfG Wilfried

  • Hallo und guten Tag,

    OPERAVISION bietet eine musikalische Reise über 8 europäischen Bühnen mit Live-Musik und herausragenden Interpreten: https://operavision.eu/de/bibl…e/operavision-summer-gala

    Dutch National Opera Eva-Maria Westbroek (Sopran), Thomas Oliemans (Bariton),
    Berlin, Komische Oper Alma Sadé (Sopran), Barrie Kosky (Klavier)
    Glyndebourne Danielle de Niese (Sopran), Allan Clayton (Tenor)
    Madrid, Teatro Real Damián del Castillo (Bariton), Gerardo López (Tenor), Ruth Iniesta (Sopran)
    Paris, Opéra-Comique Jodie Devos (Sopran), Cyrille Dubois (Tenor),
    Roma, Teatro dell’Opera Rosa Feola (Sopran), Roberto Frontali
    Stockholm, Royal Swedish Opera Nina Stemme (Sopran), Alan Gilbert (Dirigent), Inese Klotina (Klavier), The Royal Swedish O.
    Warschau, Polish NatOp. Andrzej Filończyk (Bariton), Katarzyna Sienkiewicz (Klavier



    MfG Wilfried

  • Vielleicht passt der Beitrag ja hierhin:


    Ich möchte kurz hinweisen auf ein Opernkonzert unter dem Titel "Liebe, Tod und Leidenschaft", welches der verdienstvolle MDR gestern spätabends ausgestrahlt hat.

    Es handelt sich um die Aufzeichnung eines Open-Air -Konzert zur Eröffnung des MDR Musiksommers 2005 aus dem Hof des Weimarer Schlosses mit Ausschnitten aus den Verdi-Opern Nabucco, Trovatore, Vespri Siciliani und Aida mit dem Chor und Orchester des MDR unter Fabio Luisi und Rossella Ragatzu (Sopran), Dennis O'Neill (Tenor) und Alexandru Agache (Bariton) als Solisten.

    Gesungen wird sehr gut, zum Teil hervorragend. Gefallen hat mir auch, dass Szenen zusammenhängend dargeboten wurden (Trovatore - Finale des 1. und des 3. Akts mit einer beachtlichen Stretta!). Fabio Luisi ist ein großartiger Verdi-Dirigent, Chor und Orchester gewohnt souverän, das Bild ist altersgemäß, aber okay, der Ton ausgezeichnet.

    Dennis O'Neill und Alexandru Agache kannte ich, den damals bereits 56-jährigen walisischen Tenor schätze ich seit fast Jahrzehnten nicht nur als Verdi- und Puccini-Interpreten sehr; die Sopranistin kannte ich nicht, sie dürfte Opernfreunden in und um Kiel aber wohlvertraut sein.

    Alles in allem ein mit allen Unwägbarkeiten un d gelegentlichen Mängeln eines Live-Vortrags blutvoller Verdi-Abend, der mich selbst als Konserve begeistert hat.

    Das Konzert ist in der Mediathek des MDR zu finden. Für mich hat sich das Anschauen gelohnt.


    VG

    Otello50

  • und Alexandru Agache (Bariton)

    Komisch, ich hatte extra in den MDR-Videotext geschaut und las als Bariton-Solisten "Lado Atanel" (mit vergessenem "i"), weshalb ich mich dann gestern Abend auch schnell wieder ausgeklinkt habe...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Das Konzert ist in der Mediathek des MDR zu finden. Für mich hat sich das Anschauen gelohnt.


    VG

    Otello50

    Eigentlich hatte ich mir das Konzert vorgemerkt und dann doch vergessen. Ich mag Dennis O´Neill sehr und er hat mich in diesem Konzert nicht enttäuscht. Das gesamte Konzert war wunderbar und ich kann es nur empfehlen.

    :hello:

    Jolanthe

  • Leider habe ich O´Neill nie live erleben dürfen. Aber in der besten DVD/Blu-ray von Mefistofele ist er neben Samuel Ramay ein hervorragender Faust!! Glückwunsch an alle, die ihn live erleben durften. Die Blu-ray liegt mindestens einmal im Jahr auf meinem Player. Auch wenn die Opernhäuser wieder öffnen sollten wird diese Oper mehr als nur Ersatz sein.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.