Der Ring des Nibelungen, Staatsoper Berlin, Oktober 2022

  • Den zweiten Durchlauf des neuen Berliner Rings habe ich in der Staatsoper gesehen. Ein paar Splitter und Stimmen - auch meine eigene - dazu will ich in diesem Thread sammeln.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Die Rezension von Matthias Nikolaidis im publicomag hat mir zugesagt und trifft es ganz gut:


    Thielemann unter russischer Regie: aufklärendes Schwarz und tönende Stille


    Zitat

    Der neue „Ring“ an der Berliner Staatsoper, eigentlich ein Geschenk zu Daniel Barenboims 80. Geburtstag, fand unter der Leitung von Christian Thielemann statt. Gelingt die Tetralogie? Musikkritiker Matthias Nikolaidis entdeckte durchaus Schönheiten – und vermisste trotzdem die Seele des Werks.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Modernes Theater muss nicht notwendigerweise eine ästhetische Zumutung für das Publikum und sechs Wochen handwerklicher Dilettantismus für die Mitwirkenden sein.


    Dieses Zitat aus der o.g. Kritik bedarf keines Kommentars.

    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich war gestern im Siegfried und bin immer noch völlig überwältigt von den überragenden musikalischen Darbietungen. Das war der beste Siegfried, den ich in 36 Jahren erlebt habe. Das war in erster Linie Christian Thielemann zu verdanken, der die Partitur wie eine riesige symphonische Dichtung zum Blühen gebracht hat und jede einzelne Note zu einem Ereignis gemacht hat. Die Männer-Riege war exemplarisch besetzt, wobei Michael Volle als Wanderer an erster Stelle zu nennen ist. Ich bin ja seit meinem ersten Ring ein großer Fan von Robert Hale. Auch Volle schätze ich seit vielen Jahren, war aber dennoch angenehm überrascht von dieser großartigen Leistung. Ebenfalls hervorragend fand ich Andreas Schager als Siegfried, der die Partie scheinbar mühelos lässig im Trainingsanzug gesungen hat. Johannes Martin Kränze war der erwartet starke Alberich. Stephan Rügamer, als lyrischer Tenor früher nicht mein Fall, hat als Mime durchaus internationales Format ebenso wie Peter Rose als Fafner. Da hätten es die Damen schwer mitzuhalten. Mit Anja Kampe als Brünnhilde war ich durchaus zufrieden, wenn ich sie auch nicht überragend fand. Anna Kissjudit fand ich als Erda eher belanglos. Victoria Randem ist auch nicht unbedingt ein Waldvogel von höchstem Format. Zur Inszenierung können sich andere äußern. Immerhin passiert soviel auf der Bühne, dass keine Langeweile aufkommt. Ich freue mich schon sehr auf die Götterdämmerung.

  • Ebenfalls hervorragend fand ich Andreas Schager als Siegfried, der die Partie scheinbar mühelos lässig im Trainingsanzug gesungen hat

    Man hätte ihm aber doch sicherlich Zeit geben können, sich nach dem Training umziehen zu können.

    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Man hätte ihm aber doch sicherlich Zeit geben können, sich nach dem Training umziehen zu können.

    La Roche

    Alles eine Frage des richtigen Zeitmanagements. In der Götterdämmerung duscht er auf der Bühne und hat dann genug Zeit sich anzukleiden.

  • In der Götterdämmerung duscht er auf der Bühne

    So richtig geduscht, nackt, ohne alles? Donnerwetter.

    Nun höre ich auf zu lästern. Wem´s gefällt. Meine Frau guckt mir beim Duschen schon lange nicht mehr zu.

    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • So richtig geduscht, nackt, ohne alles? Donnerwetter.


    Nein, es gab einen Duschvorhang. Aber das ist nicht so wichtig, Wichtiger - und ärgerlicher - war der vergeigte erste Akt. Die Schmiedelieder, zu denen die Einrichtung des Kinderzimmers zertrümmert wird, beispielsweise. Oder die schon erwähnte blaue Adidas-Trainingshose, die auch schon Graham Vick seinem Siegfried 2015 in Mailand anzog.

    Dafür war die Szene vor der Neidhöhle ein reines Theatervergnügen, dem ich atemlos gefolgt bin.


    Sängerisch waren die Herren das reinste Vergnügen, wenn auch Hr. Schager (ich war im zweiten Durchlauf) es vielleicht gelegentlich ein bißchen sehr lässig angehen ließ.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Selige Öde auf sonniger Höh'!


    Siegfried findet Brünnhilde im Schlaflabor. Lange hat sie dort nicht gelegen, denn Wotan gibt ihr noch stumm ein paar Instruktionen, bevor Siegfried auf seiner Suche durch die Korridore des Forschungsinstituts das Schlaflabor erreicht.


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    Wenn ich den Tristan (Kleiber/Kollo/Price) gehört habe, zieht es mich weiterhörend danach oft direkt auf den Brünnhildenstein, und ich setze direkt mit dem Dresdner Siegfried (Janowski/Kollo/Altmeyer) fort. "Tristanesker, als das Original!" möchte ich augenzwinkernd sagen.

    Dmitri Tcherniakov verfährt ähnlich. Das Paar, das sich hier findet, gleicht dem, das sich in seiner Tristan-Inszenierung im zweiten Akt erkennt. Bis in Gestik und Mimik der beiden Protagonisten wird die Analogie verfolgt. Es sind dieselben Sänger. Radikal ist die Zeit der leuchtenden Liebe verkürzt. Das Paar sieht dem lachenden Tod entgegen.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*