Die Berliner Philharmoniker und ihre Chefdirigenten

  • Zitat


    Na ja, das ist ja nicht wirklich eine gute Nachricht. :stumm:


    :no:
    Ja ja, ganz schön deppert, diese Berliner Musikanten. Wählen die sich doch glatt selbst ein weiteres Mal einen Nichtsnutz zum Leiter, so wenig verstehen die von Musik. Eine Demission des gesamten Orchesters wäre da wohl angebracht...


    Zitat


    Nagano, Jansons, Chailly, Slatkin, vielleicht Paavo Järvi...


    Nagano fände ich auch gut, wäre ich nicht einer derjenigen, die Rattle weiterhin noch manche positive Überraschung und Entwicklung zutrauen würden. Noch lieber als Nagano sähe ich Paavo Järvi, allerdings dann ab 2012. Der hat das Potential, sollte aber noch einige Jahre außerhalb des ganz grellen Scheinwerferlichtes (z. B. bei der Deutschen Kammerphilharmonie) wachsen und gedeihen. Und Thielemann? Hübscher als der Kommentator in der WELT kann ich es nicht sagen: Repertoirephimose! Steht den Berlinern nicht wirklich gut zu Gesicht...


    LG
    B.

  • Zitat

    Original von Barbirolli
    Ja ja, ganz schön deppert, diese Berliner Musikanten. Wählen die sich doch glatt selbst ein weiteres Mal einen Nichtsnutz zum Leiter, so wenig verstehen die von Musik. Eine Demission des gesamten Orchesters wäre da wohl angebracht...


    Lieber Barbirolli,


    geht es nicht eigentlich um Kommerz und Vermarktung? Und da ist das (Sich-Selbst-)Vermarktungs-Genie Rattle, doch das (finanziell) beste, was sich die Philharmoniker antun können.


    Gastdirigenten für jeden Geschmack haben's eh mehr als genug ...


    Liebe Grüße Peter

  • Zitat

    Original von pbrixius


    geht es nicht eigentlich um Kommerz und Vermarktung? Und da ist das (Sich-Selbst-)Vermarktungs-Genie Rattle, doch das (finanziell) beste, was sich die Philharmoniker antun können.


    Lieber Peter,


    diesen Vorwurf hört man immer wieder. Und ich finde ihn insofern fragwürdig, als dass man mit ihm einer Gemeinschaft der hochtalentiertesten Musiker per se unterstellt, sich mittels des englischen Wuschelkopfes möglichst viel Geld in die Taschen zu spielen/spülen. Mein Glaube an die künstlerische Integrität dieses geschichtsträchtigen Apparates lässt mich daran zweifeln, dass man das in dieser Absolutheit unterstellen sollte.


    Aber natürlich handelt es sich bei den Berlinern um ein sich selbst verwaltendes Orchester, das seine Einnahmen und seine Vermarktung nicht einer anderen Instanz unterstellt, sondern selbst mitbestimmt. Und natürlich spielen in solch einem Konstrukt auch kommerzielle Aspekte eine Rolle. Alles andere wäre blind und fahrlässig. Nur findet nach meinem Empfinden dieser Verkauf auf integerem Niveau statt. Soziale Projekte: Immer zu, finde ich toll. Vertriebs-Nutzung des Mediums Internet: Nun ja, nicht meine Sache, aber warum nicht? Ein über die Klassik-Kenner hinaus populärer Dirigent als Aushängeschild: War das nicht schon immer so, gar früher noch viel extremer (Ausnahme Abbado)? Messen wir also die künstlerischen Ergebnisse, die unter Rattle zum Teil wirklich Anlass zur Kritik bieten. Wann aber war das je anders? In der Tat wünschte ich mir mal wieder einen richtig großen Wurf, ein wirklich staunenswertes musikalisches Ergebnis der Zusammenarbeit der Berliner mit Rattle. Ich bleibe Optimist und glaube daran...


    LG
    B.

  • Meine Lieben,


    Wäre ich Berliner, würde ich mich um Bertrand de Billy bemühen. Der hat leider bald die Schnauze voll vom ORF, was man ihm nicht verdenken kann. Auf dem Opernsektor gehört er meines Erachtens eindeutig zur Spitzengruppe.


    LG


    Waldi

  • Zitat

    Original von Barbirolli
    Messen wir also die künstlerischen Ergebnisse, die unter Rattle zum Teil wirklich Anlass zur Kritik bieten. Wann aber war das je anders? In der Tat wünschte ich mir mal wieder einen richtig großen Wurf, ein wirklich staunenswertes musikalisches Ergebnis der Zusammenarbeit der Berliner mit Rattle. Ich bleibe Optimist und glaube daran...


    Lieber Barbirolli,


    ich habe in den 90ern eine größere Anzahl von Konzerte mit Simon Rattle in London erlebt, durchweg mit dem CBSO. Diese Konzerte waren elektrisierend und begeisternd. Ich kann mich an einen Vormittag nach einem Konzert mit einer Nielsen-Sinfonie erinnern, wo man in ganz London keinen Nielsen mehr bekommen konnte, mit Szymanowski ging es gleichermaßen. Insoweit waren meine Erwartungen an seine Berufung nach Berlin groß, ja eher sehr groß. Auch wenn ich da ein wenig enttäuscht bin, schätze ich den Dirigenten Rattle durchaus, stimme halt inzwischen weniger mit seinen Dirigaten überein, finde zu viele Schnellschüsse, wo er mit der CBSO eine Repertoireerweiterung auf einem hohen Niveau (geurteilt übrigens mehr nach den Konzerteindrücken als den CDs) erreichte.


    Ich denke, dass Berlin mit ihm nicht schlecht gefahren ist. Vielleicht braucht es nur ein wenig mehr Konzentration auf Berlin und weniger an anderen Verpflichtungen. Oder sehe ich das falsch?


    Liebe Grüße Peter

  • Zitat

    Original von pbrixius
    Vielleicht braucht es nur ein wenig mehr Konzentration auf Berlin und weniger an anderen Verpflichtungen. Oder sehe ich das falsch?


    Das, lieber Peter, kann ich nicht beurteilen, so genau kenne ich Rattles Terminkalender nicht... ;)


    In der Tat: Auch mir geht es so, dass mich unzählige Aufnahmen aus der Zeit in Birmingham faszinieren und begeistern. Deshalb fand ich seine Wahl durchaus folgerichtig. Was in Berlin folgte, finde ich persönlich tatsächlich abfallend hinter jene Zeit. Ist also ein Dirigent bei den Berlinern nicht auf der Höhe seiner Fähigkeiten, sondern zaubert er stattdessen diese vorher oder nachher hervor, ist das in der Tat schade. Allerdings finde ich auch viele Berliner Ergebnisse wunderbar und kraftvoll. So halte ich seinen Sacre für den besseren im Gegensatz zu Birmingham und überhaupt einen der besten, liebe seinen Brahms (u.a. mit Chang) und die Neuheiten wie Turnage oder Adès. Und das Klavierkonzert KV 466 Mozarts mit Uchida ist mir in lebhafter Erinnerung, so sehr waren Solistin und Orchester eine organische Einheit. Wenn es es rhythmisch zupackend sein soll, wie bei Gershwin, finde ich ihn auch in Berlin herausragend. Dagegen steht aber leider auch einiges an musikalischem Mittelmaß, nicht wirklich schlecht, irgendwie aber uninspiriert und fad.


    Nun beurteile ich ihn aber auch an anderen Faktoren, als der reinen Interpretations-Exergese. Die Möglichkeit, ein Orchester - oder besser: Die Musik - für soziale, soziokulturelle, interkulturelle Möglichkeiten zu nutzen, finde ich unbedingt unterstützenswert und wegweisend. Dieses Engagement gepaart mit wieder etwas mehr Fokus auf die zupackende Ausdeutung der Musik: Ich wäre restlos zufrieden.


    LG
    B.

  • Hallo,


    meiner Meinung gehört hier - Chefdirigat der Berliner Philharmoniker - einer (schon wieder) zur engeren Auswahl...; aber bitte keine Verlängerung für Rattle:


    Auch wenn ich seine Interpretationen nicht sehr erbaulich finde (...es 'furtwänglert' mir zu sehr...; obwohl es nur W. Furtwängler wirklich konnte...), aber Barenboim wäre der Richtige (allgemeines Ansehen etc.).


    Persönlich kenne ich die 'musikalischen Vorlieben', das Repertoire von Metzmacher nicht ausreichend, aber vielleicht wäre er es?


    Ggfs. wäre es ratsam, keinen Chefdirigenten zu ernennen und sich 1-2 Jahre Zeit zu nehmen und Gastdirigenten sich beweisen zu lassen.


    Bis dann.


  • Hallo,
    hallo Walter,


    der "Opernsektor" ist - wie Du selbst weißt - für die Berliner Philharmoniker nicht primäres Auswahlkriterium, wenn es dazu käme.


    Warum nicht ich, ich habe auch "...bald die Schnauze voll..." ;)


    Bis dann.

  • Hallo,


    eines vorweg: Leonard Slatkin sollte (wie von E.B. vorgeschlagen) auf gar keinen Fall Chefdirigent der BP werden. Dieser Dirigent ist ein dermaßen uninspirierter Schwachmat, der mir eines der schlimmsten Konzerte mit dem RSO Frankfurt beschert hat. Er sollte sich lieber freiwillig in ein Altersheim einliefern lassen.


    Ansonsten kann ich nur sagen, dass Simon Rattle schon an der richtigen Stelle ist. Er ist in der Tat ein perfekter Selbstvermarkter, und die Leute fahren doch voll auf ihn ab. Was wollen die BP denn mehr? Die Platten verkaufen sich super, die Konzerte sind ausverkauft, es wird kontrovers diskutiert. Welcher andere Chefdirigent bietet all das?


    Ein Hornist des Orchesters sagt in Gramophone 12/08, dass er ein "Dirigent für das 21. Jahrhundert" sei. Auf der einen Seite ist es das übliche Marketinggelabere, auf der anderen Seite trifft es auch den Kern. Im 21. Jahrhundert geht es ja offensichtlich nur noch ums Verkaufen, Konsumieren und um das Image. Qualität ist nicht mehr wirklich gefragt. Die BP und Rattle verstehen sich eben perfekt aufs Verkaufen. Das war unter Karajan schon so und setzt sich eben jetzt fort. Und wenn die Kasse stimmt, nimmt dieses Orchester eben fast Alles in Kauf. Aber wer will es ihnen verdenken - wir leben doch im 21. Jahrhundert...


    Und bitte: Mariss Jansons hatte schon zwei Herzinfarkte - man verschone diesen grundehrlichen Musiker mit der Chefposition der BP!


    Da können doch wirklich mal ein paar Jüngere verheizt werden: Daniel Harding, Andris Nelsons, Sebastian Weigle, Bertrand de Billy, Gustavo Dudamel etcpp.



    :hello:Agon

  • Hallo.


    Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann Jansons als Chefdirigenten der BPhil. Ich habe noch kein Konzert von ihm mit den Berlinern erlebt, dass mich nicht begeistert hätte. Allerdings müsste ich mir dann aber auch eine Zeitmaschine wünschen, da diese Entscheidung meines Erachtens hätte getroffen werden müssen, als sie tatsächlich zugunsten Rattles fiel. So freue ich mich an Jansons bei seinen hiesigen Gastdirigaten (in dieser Saison gibt's allerdings keins).
    Der allseits gescholtene Thielemann? Kaum. Bei seinem letzten hiesigen Gastdirigat war zwar die gute Stimmung zwischen ihm und dem Orchester zu spüren, aber ich schätze, dass ihm so ein Engagement neben Bayreuth schlicht zu stressig wäre. Dass sein Repertoire schmal ist, nun ja - dafür würde er vermutlich genau den "deutschen Orchesterklang" herstellen können, der manchem Rezensenten und Abonnenten unter Rattle abhanden gekommen scheint.
    Realistischer muten mir Nagano oder vielleicht sogar Metzmacher an (wobei letzterer schon genug zu kämpfen hatte, mit dem DSO einen beiderseits genehmen Modus zu finden, ich denke, die BPhil sind doch noch ein anderes Kaliber). Nagano wäre vermutlich am wünschenswertesten.
    Und Rattle? Er kann mich immer weniger mitreißen. Meines Erachtens ist da (zu) häufig Effekthascherei im Spiel, Überbetonungen plustern die Oberfläche teilweise grotesk auf. Der Orchesterklang wird da zum Selbstzweck; das kann ein Publikum begeistern - allerdings für mein Empfingen nicht auf Dauer. Auch eine echte inhaltliche Programm-Ausrichtung ist kaum zu erkennen. Die Frage, wofür Rattle eigentlich steht, kann ich immer weniger beantworten. Das ist sehr bedauerlich. Vielleicht hatte die jüngste Nachfolge-Debatte doch schwerere Erschütterungen zufolge, als man hat denken können.


    Gruß, Ekkehard.

  • Um Gottes Willen, bloß nicht Paavo Järvi!!


    Warum? Der ist viel zu talentiert. Mir drängt sich langsam der Eindruck auf, daß einst sehr talentierte Dirigenten, die mit anderen Orchestern Spitzenleistungen erbracht haben (so auch Rattle) mit den Berlinern an Renomee verlieren.
    Es ist wie mit deutschem Fussball. Ist einmal zu Ruhm und Ehre erlangt, kann es lange davon zehren, auch wenn die Betriebsblindheit und Schwerfälligkeit die Leiter und Agierenden lähmen. Etwas polemisch, aber nicht ganz unwahr, oder??
    Es ist, als wäre es eine Riesenkrake, die eher in die Tiefe zieht als daß der Dirigent ziehen kann.


    Jansons wäre vielleicht geeignet, der ist solide, aber scheint mir - Mund jetzt sehr voll genommen, da auf wenigen Eindrücken fussend - seine beste bzw. inspirierteste Zeit überschritten zu haben. Vielleicht kann er sich mit den Berlinern zusammen aufraffen und führt zu neuen Ufern, wünschen würde ich ihm das.


    Thielemann?? Um Gottes Willen - wird der Chef, wars das mit meinen Besuchen der Philharmonie. Das deckt sich überhaupt kein bisschen mit meiner Vorstellung von Kunst.


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Agon
    Dieser Dirigent ist ein dermaßen uninspirierter Schwachmat...


    :no:
    Irgendwie ballt es sich gerade: Ist der Februar etwa der Monat der verbalen Tiefschläge? Winterdepressionen allerorten?

  • Ich hätte gerne Bertrand de Billy als Chefdirigent der Berliner gesehen (als Chef des RSO Wien geht er uns ja leider demnächst verloren)


    Aber andrerseits ist Treue eine Tugend die man pflegen sollte - sonst wird man am Ende bestraft.


    Ich weiß den Namen jenes Mangers der EMI nicht mehr (und wahrscheinlich ist er auch längst vergessen) der dereinst meinte, Karajan sei längst ausgebrannt, mit dem könne man kein Geld mehr machen - und so Karajen den Weg zur Deutschen Grammophon ebnete.


    Die mir zur Verfügung stehenden Aufnahmen Rattles mit den Berlinern sind nicht schlecht - aber bei weitem nicht so gut wie uns die PR weismachen wollte. Ist es nicht vielleicht so, daß Rattle lediglich der allgemeinen Erwartungshaltung nicht entspricht ("Retter der klassischen Musik") Wenn er nicht über die Strahlkraft eines Karajan oder Furtwängler verfügt, so liegt das vieleicht weniger an seiner Person, als am Publikum, das gar nicht mehr bereit ist charismatisch-dogmatische Dirigenten (und aus dieser Attitüde bezogen die gro0en Maestri der Vergangenheit ihr Image) anzunehmen. Was übrig bleibt, sind "gute Orchestererzieher" und "gute Dirigenten" - und das genügt vielen einfach nicht: Sie warten auf ein Wunder, das einerseits nicht passieren wird - und andrerseits nicht erkannt würde - so es denn passierte.


    So gesehen ist die Aufrechterhaltung der Kontinuität sicher nicht der schlechteste Weg. Weder Karajans Abgang, noch jener von Abbado war wirklich "würdevoll" - und wenn ich mich recht entsinne haben die Berliner selbst Furtwängler nicht nachgeweint, sondern schnellstens Karajan zum Nachfolger bestellt.
    Ein Orchester, das als "Schleudersitz" für Weltklassedirigenten in Verruf geräte hätte bald Probleme einen solchen zu bekommen...


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Zitat

    Mir drängt sich langsam der Eindruck auf, daß einst sehr talentierte Dirigenten, die mit anderen Orchestern Spitzenleistungen erbracht haben (so auch Rattle) mit den Berlinern an Renomee verlieren.


    Lieber Wulf,


    das ist genau mein Eindruck.
    Es war mit Claudio Abbado so, und jetzt ist es mit Rattle so.


    Ich habe dafür zwar keine Erklärung, aber es ist Tatsache.


    Auch ich habe den Amtsantritt Rattles mit Spannung erwartet und war mir sicher, dass er der richtige Mann an der Spitze der BP ist. Ich hatte seine CBSO Aufnahmen im Ohr und dachte, er würde seinen inspirierten Kurs hier fortsetzen.
    Aber schon seine erste BP-Aufnahme (Mahlers Zehnte Sinfonie) war für mich eine Enttäuschung: klanglich mittelprächtig, das Orchester unpräzise und schlampig, interpretatorisch nichts Neues.


    Es folgten haufenweise CDs, allesamt schlampig produziert und aufgenommen, flüchtige Livemitschnitte aus der Philharmonie, schnell auf den Markt geworfen, Rattles Antlitz aufs Cover gepappt, Anzeigen in allen möglichen Zeitschriften geschaltet...so ist es bis heute geblieben.


    Den dokumentarischen Wert seiner CBSO-Aufnahmen hat er mit den BP nicht mehr erreicht. Er hat massiv an Profil und Charakteristik eingebüßt. Im Grunde ist es ein Trauerspiel...der Abstieg in den Ruhm.


    Vielleicht wird er auch einfach nur von EMI ausgebeutet und gemolken und dann irgendwann weggeschmissen, spätestens wenn er keinen Profit mehr bringt. Vielleicht erlebt er dann ja im Alter nochmal eine Blütezeit, wenn er sich wirklich auf die Musik konzentrieren kann.



    :hello:Agon

  • Zitat

    Mir drängt sich langsam der Eindruck auf, daß einst sehr talentierte Dirigenten, die mit anderen Orchestern Spitzenleistungen erbracht haben (so auch Rattle) mit den Berlinern an Renomee verlieren.


    Also es gibt mindestens zwei Gegenbeispiele: Furtwängler und v. Karajan.


    Und hat Abbado mit dem BPO wirklich so sehr an Qualität verloren? Ich kenne m. W. keine Abbado-Aufnahme aus den Jahren nach 1989, von daher kann ich das nicht beurteilen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Joseph II.


    Also es gibt mindestens zwei Gegenbeispiele: Furtwängler und v. Karajan.


    Und hat Abbado mit dem BPO wirklich so sehr an Qualität verloren? Ich kenne m. W. keine Abbado-Aufnahme aus den Jahren nach 1989, von daher kann ich das nicht beurteilen.


    Karajan?? :rolleyes:

  • Zitat

    Original von Wulf
    Karajan?? :rolleyes:


    Bitte nicht, lieber Wulf!! Ich hatte es auch auf der Zunge oder in den Fingern. Aber nicht schon wieder das Unvermeidliche provozieren! Du öffnest sonst die Büchse der Pandora... :hello:


    LG
    B.

  • Zynisch formuliert könnte man sagen:


    Mit dem Abgang Karajans war auch die Ausnahmestellung der Berliner Philharmoniker dahin.


    Abbado hatte nicht die Ausstrahlung - und Rattle - (die zahlreichen Diskussionen darüber, ob er eine gute Wahl war oder nicht, sind ein Indiz dafür ) - offenbar auch nicht.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Man mag zu Karajan stehen, wie man will, aber seinen Weltruhm verdankt dieses Orchester doch wohl eindeutig ihm und seine Glanzzeit lag ja auch unter seinem Dirigat, wenn man so will, die 60er und 70er Jahre.


    Von daher würde ich doch meinen, daß die Berliner Philharmoniker Karajan einiges zu verdanken haben, auch wenn sie am Ende froh waren, ihn los zu sein.


    Karajan und Berliner Philharmoniker, das sind noch heute aufs engste miteinander verbundene Schlagworte, wie etwa auch Mercedes und S-Klasse.


    Jedenfalls pflichte ich Alfred bei, wenn er meint, die Ausnahmestellung der Berliner wäre seit zwanzig Jahren zumindest in Frage gestellt, wenn nicht verlorengegangen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Abbado hatte nicht die Ausstrahlung


    Ja klar, deshalb spielt auch beim Luzerner Festival-Orchester ein großer Teil der Philharmoniker mit.


    Denn der Abbado hat ja keine Ausstrahlung. :stumm:


    Zitat

    Mit dem Abgang Karajans war auch die Ausnahmestellung der Berliner Philharmoniker dahin.

    :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:


    :no:


  • Wenn dem so wäre, wäre das ein absolutes Armutszeugnis für das Publikum und die Rezeption des Orchesters. Es geht weniger um musikalisch-inhaltliches als um visuell beglückendes und Beeindruckendes. Ich versuche möglichst nicht in Schubladen zu denken, aber wenn dem so ist, nährt es meinen Verdacht:


    Karajan und Zefirelli ist irgendwie ein und dieselbe Sache: Glanz und Glorie, gülden schimmernd, gemacht für ein Publikum, das mit der Mercedes S-Klasse (danke an Joseph II für den durchaus peinlich passenden Vergleich) vorfährt, aussteigend mit Nerz-Mantel, geldspendend gegen das schlechte Gewissen und abends als Event sich berieseln lassend mit Schönklang und Schönoptik.


    Zerstreung erbeten, intellektuelle Durchdringung unerwünscht. Ist ja anstrengend.

  • Zitat

    Karajan und Zefirelli ist irgendwie ein und dieselbe Sache: Glanz und Glorie, gülden schimmernd, gemacht für ein Publikum, das mit der Mercedes S-Klasse


    D´accord.
    Und genau dieses Publikum fehlt jetzt der Tonträgerindustrie.
    Und deshalb heulen und wehklagen sie.


    (das mit dem schlechten Gewissen habe ich nicht ganz verstanden - soweit ich weiß ist es derzeit chic das Gewissen generell über Bord zu werfen und "ganz Ohne" zu gehen)


    "Gülden schimmernd" ist letztlich auch der große Saal des Wiener Musikvereins (ebenso wie der Brahms-Saal) - und man weiß hier sehr gut, warum man es in der Werbung immer wieder betont.


    "Es ist ein mächtig Ding das Gold"


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Zitat

    Original von Barbirolli



    Bitte nicht, lieber Wulf!! Ich hatte es auch auf der Zunge oder in den Fingern. Aber nicht schon wieder das Unvermeidliche provozieren! Du öffnest sonst die Büchse der Pandora... :hello:


    Das wäre doch auch wirklich zu schön, wenn die Büchse mit dem Etikett "Karajan" geschlossen bliebe- aber die Botschaft hör ich wohl .... :D :stumm:


    Aber vielleicht irre ich mich ja. :pfeif:



    Einige Fragen an die Fachleute:


    1. Wo liegen Eurer Meinung nach die Meriten beziehungsweise Defizite Rattles als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker?


    2. Hat sich die Klangkultur, das Repertoire der Philharmoniker unter Ratte spürbar verändert, erweitert, entwickelt etc. etc.


    3. Was qualifiziert die beispielsweise von Edwin genannten Kandidaten besonders als Chefdirigent der Berliner?



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hallo.


    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Zynisch formuliert könnte man sagen:


    Mit dem Abgang Karajans war auch die Ausnahmestellung der Berliner Philharmoniker dahin.
    ...


    Nüchtern betrachtet muss man aber doch konstatieren, dass es dem größten Klassikforum des deutschsprachigen Raums in steter Regelmäßigkeit ein Bedürfnis ist, sich mit einer Frage zu befassen, die eigentlich gar nicht steht: Wer ist geeignet, Chefdirigent der BPhil zu sein? (Sie haben ja einen, und mit dem sogar den Vertrag verlängert.)
    Die Ausnahmestellung, um die es hier tatsächlich gehen soll, ist die von Karajans, weniger die des Orchesters, nicht wahr?


    Im Übrigen ad caesarem:


    Ich glaube, dass die Meriten Rattles in der Öffnung des Orchesters zu neuen Aktionen (Education-Projekten, Digital Concert Hall), aber auch zu kontemporärer Musik (ja, dies taten schon Vorgänger, genauer: Abbado) liegen. Insofern sehe ich in ihm tatsächlich einen Dirigenten des 21. Jahrhunderts. Seine Defizite erkenne ich - derzeit - vor allem darin, dass die Zahl der Sternstunden in der Philharmonie mit Rattle abgenommen hat. Es gab eigentlich zuletzt kaum ein Konzert mit Rattle, welches ich nicht im Nachgang in einer anderen Einspielung als weit beeindruckender empfand (Eclairs..., Paradies und die Peri, Strawinsky, Brahms usf.).
    Letztlich hat dies auch mit der folgenden Frage zu tun: Mir fehlt ein wenig die Linie. Ich weiß nicht wirklich, wo die Reise hingehen soll, wo die Schwerpunkte liegen, oder ob man eben irgendwie alles und dies dann auch irgendwie ähnlich darbringen will.


    Es wurde ja bekrittelt, dass die BPhil unter Rattle ihren spezifisch deutschen, also romantischen, leicht verdunkelten Klang, geprägt von weichen Streichern, verloren hätten. Die Streicher seien so ausgedünnt, dass es nur noch fahl klinge. Namentlich in jüngster Zeit kann ich das nicht erkennen; mir scheint es vielmehr, als ob ein gewisser, häufig eher dicklicher, als strahlender Breitwand-Sound fröhliche Urständ feierte. Als Fortentwicklung empfinde ich das nicht.


    :hello:


    Gruß, Ekkehard.

  • Zitat

    Zitat Joseph II
    Jedenfalls pflichte ich Alfred bei, wenn er meint, die Ausnahmestellung der Berliner wäre seit zwanzig Jahren zumindest in Frage gestellt, wenn nicht verlorengegangen.


    :yes: Ja, richtig !


    Lassen wir das Thema mal von einer anderen Seite betrachten:
    Sehe ich mir meine CD-Sammlung an, so zeichnet sich nach Karajan kein großes Interesse mehr an Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern ab.
    * Jedenfalls ist keine einzige CD von den nachfolgenden Chefdirigenten mit dem BPO dabei.
    .....davon abgesehen besitze ich sehr viele CD´s mit den Berliner PH.....


    Von daher kann ich auch aus meiner Sicht nur bestätigen, das die Ausnahmestellung der Berliner Philharmoniler derzeit unterbrochen ist.



    :angel: Last uns mal ein paar Jahre weiter sein, dann wird dieser Name eine große Rolle spielen:


    *** Gustavo Dudamel ***


    Was qualifiziert ihn ?
    Seine Ausstrahlung und seine umwerfende Musikalität.
    Habt ihr das Waldbühne - Konzert 2008 in Berlin mit den BPO mit ihm gesehen ?
    Das sind Aufnahmen (bei mir auf FP) die auch heute zeigen, welches Potential in den Berliner PH steckt.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang


  • Da melde ich mal Zweifel an, die allerdings nur auf Kenntnis dieser CD beruhen:


    [jpc]1853029 [/jpc]


    Nichtssagender und langweiliger habe ich das selten gehört.


    LG
    calaf

    Without deviation from the norm, progress is not possible.
    (Frank Zappa)

  • Hallo calaf,


    ich habe allerdings gute Kritiken von dieser Beethoven-Aufnahme gelesen !?!


    Du solltest aber berücksichtigen, dass sein derzeitiges Jugend-Orchester das Simon Bolivar Youth Orchestra bei dieser Aufnahme natürlich nicht mit den Spitzenorchestern der Welt vergleichbar ist.
    Nur dadurch kann Deine Unzufriedenheit ausgelöst sein ....... :D........ klar, wenn man Karajans Beethoven gewohnt ist. :stumm:

    Gruß aus Bonn, Wolfgang