Balakirew - 1. und 2. Sinfonie

  • Hallo,


    ich höre gerade die 2. Sinfonie von Balakirev unter Golovschin. Sie gefällt mir so gut, dass ich mir die erste auch noch gern zulegen würde.



    Die Kritik für die andere Naxos-Aufnahme (1. Sinfonie, auch Golovschin) klingt so euphorisch, dass ich es kaum glauben mag.


    Zitat: Classic CD 7 / 94:"Es gibt andere Interpretationen dieser Werke, aber keine besseren und schon gar nicht zu diesem Preis!"


    Hat jemand von Euch noch eine andere Empfehlung? Oder kennt jemand womöglich die zwei Naxos-Aufnahmen?


    Dank & Gruß,
    Cosima


    P.S.: Ich spare mir das Drumherum, weil dieser Thread wahrscheinlich eh nicht viel Anklang finden wird.


    TAMRUSINFO

  • Hallo Cosima,


    hier meine Empfehlungen für die beiden Balakirev-Sinfonien :


    Nr. 1
    Sir Thomas Beecham / Royal Philharmonic Orchestra (EMI)
    Neeme Järvi / City of Birmingham Symphony Orchestra (EMI)
    Yevgeny Svetlanov / USSR Symphony Orchestra (Melodya)
    dto. / Philharmonia Orchestra (Hyperion)


    Nr. 2
    Gennady Rozhdestvensky / Great Symphony Orchestra of Radio and Television (Yedang Classics)


    Kennst Du auch die beiden Tondichtungen Russia und Tamara?


    Liebe Grüße aus Finnland


    Sune

  • Hallo Cosima,
    bei der ersten rate ich zu Svetlanov mit dem USSR-Symphonieorchester. Gibt's bei jpc zusammen mit der von Sune genannten Roschdestwenskijs Aufnahme der Zweiten um 4,99 Euro. Ich kenne keine andere Aufnahme, die das herrliche Werk ähnlich aufregend auslotet wie diese von Svetlanov.
    Bei Hyperion gibts zwar eine Doppel-CD mit so ziemlich allem, was Balakirew für Orchester geschrieben hat, ebenfalls unter Svetlanov, aber das Philharmonia Orchestra spielt gepflegter, weniger körnig als das USSR-Symphonieorchester.

    ...

  • Hallo Cosima,


    Edwin hat vollkommen Recht, wenn er im Falle Balakiriew auf den großen Swetlanow verweist. Zu LP-Zeiten hatte ich diese Aufnahmen der Sinfonie Nr.1 (Swetlanow) und Sinfonie Nr.2 (Roshdestwensky) auch. Swetlanow ist für die eher unbekannteren Russen die erste Adresse, denn er hat diese Werke als einer der Ersten bekannt gemacht und aufgenommen.


    Doch sind die NAXOS - Golovschin - Aufnahmen beider Balakiriew-Sinfonien so perfekt, sodaß ich mir den Kauf weiterer CD´s von Melodia-Eurodisc (Melodia ist die russ.Aufnahmefirma) verkneifen konnte, weil diese wirklich zufriedenstellen. Das ist mal ein weiteres Beispiel für einen lohnenden NAXOS-Kauf - das ist ja bei weitem nicht immer so bei NAXOS.




    Zudem werden die NAXOS - Aufnahmen noch von den Hörenswerten Sinf.Dichtungen Islamey, Tamara und Russia erweitert.
    Wer die Naxos-Aufnahmen noch nicht hat, ist allerdings mit der ersten CD für lasche 4,99€ bestens bedient.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Ihr bisherigen Poster und -innen,


    könnt Ihr die Musik evtl. etwas beschreiben?


    Balakirev fehlt bislang in meiner Sammlung und ich kenne seine Musik auch nicht. Wie kann man ihn, unter den russischen Komponisten etwa, aber auch sonst, einordnen?

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Zitat

    Original von achim.cremerius
    könnt Ihr die Musik evtl. etwas beschreiben?
    Balakirev fehlt bislang in meiner Sammlung und ich kenne seine Musik auch nicht. Wie kann man ihn, unter den russischen Komponisten etwa, aber auch sonst, einordnen?


    Hallo Achim,


    da ich mich auf das Beschreiben von Musik weniger verstehe, nehme ich Zuflucht zu einem Konzertführer aus der ehemaligen DDR (Konzertbuch Orchestermusik A-F von 1972), in dem er heißt :


    "Balakirews Werke sind klare Beispiele einer volkstümlichen Sinfonik. Sie nehmen in manchem die Orchesterwerke Rimski-Korsakows und Borodins voraus."


    Andere Forumsmitglieder werden Dir sicherlich kompetenter antworten können, aber vielleicht reicht diese Beschreibung als (winziger) Einstieg.


    Sune

  • Es ist immer schwer, Musik zu beschreiben.
    Balakirew klingt "typisch russisch", seine Melodien sind aus Kurzthemen zusammengesetzt. Interessant ist ein Gegensatz zwischen opulenter Instrumentierung, die etwa in "Islamey" ausgelebt wird, und einer funktionellen Instrumentierung, die dazu dient, die musikalischen Gedanken so präzise wie möglich vor Ohren zu führen.
    Balakirew ist dabei weder so brillant wie Rimskij-Korsakow noch so genial wie Mussorgskij, ist aber mit beiden Komponisten stilistisch verwandt. Der Hinweis auf Borodin ist berechtigt, nur, dass Balakirew technisch wesentlich virtuoser ist.
    Balakirew hat das sogenannte Mächtige Häuflein begründet und die stilistischen Grundlagen geliefert. Zumindest die beiden Symphonien und "Islamey" zeigen aber, dass Balakirew seine Theorien einer von westlichen Stileinflüssen freien russischen Nationalmusik selbst sehr gut umzusetzen wusste.
    Es gibt übrigens von ihm auch ein wirklich sehr merkwürdiges erstes Klavierkonzert, das echte Kalt-Warm-Duschen bereithält: Farberuptionen, dann wieder diffuse Verläufe, dann wieder wüste Klavierkaskaden. Eines der seltsamesten romantischen Klavierkonzerte, das ich kenne.

    ...

  • Hallo, kurze Zwischenfrage, ist denn die Instrumentierung der Islamey wirklich von Balakirev selber? Ich hatte da was anderes im Hinterkopf...


    Gruß, flo

    "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"


    Wise Guys 2000

  • Zitat

    Original von pianoflo
    Hallo, kurze Zwischenfrage, ist denn die Instrumentierung der Islamey wirklich von Balakirev selber? Ich hatte da was anderes im Hinterkopf...


    Bei Wikipedia fand ich, daß Alfredo Casella kurz vor Balakirevs Tod dessen Islamey orchestriert hat.


    Sune

  • Stimmt natürlich - das erklärt (fast) alles.
    Allerdings: "Tamara" ist meines Wissens nach von Balakirew selbst instrumentiert und das genannte Klavierkonzert auch: In diesen Stücken fallen auch Abschnitte auf, die extrem farbenprächtig sind und andere, die Mussorgskijs Original-Instrumentierung des "Boris" mit ihrem eigentümlich stumpfen, auf das Notwendigste beschränkten Farbauftrag vorwegzunehmen scheinen. Casella also dürfte ganz im Stil Balakirews gearbeitet haben, während Rimskij-Korsakow die klanglichen Eigentümlichkeiten zumindest bei Mussorgskij extrem veränderte.

    ...

  • Hallo!


    Ich habe auch diese Naxos-Aufnahme der 2. Symphonie und bin ebenfalls sehr von ihr begeistert. Sie gefällt mir persönlich sowohl tontechnisch als auch von der Interpretation. Leider habe ich aber keinen vergleich zu anderen Aufnahmen der 2. Symphonie.


    Die 1. habe ich vor einer Woche mit dem Royal Philharmony Orchestra unter Beecham, erschienen bei EMI um einen Pappenstiel bei einem Flohmarkt gekauft - leider bin ich noch nicht zum Anhören gekommen.


    Viele Grüße,
    Andi

  • Hallo,


    inzwischen habe ich mir die Aufnahme mit Svetlanov/Rozhdestvensky (wie schreibt der sich eigentlich korrekt?) angehört. Die 1. Sinfonie kannte ich noch nicht, also kein Vergleich möglich.


    Von der 2. besitze ich ja bereits die Golovschin-Aufnahme. Ohne den Rozhdestvensky vorher gehört zu haben, gefiel sie mir richtig gut, das ist schon ein echtes Naxos-Highlight. Im direkten Vergleich schneidet sie für meinen Geschmack jedoch etwas schlechter ab. Während ich im 2. Satz (Scherzo alla cosacca) bei Rozhdestvensky direkt zur Wodka-Flasche greifen und meine Pelzmütze rausholen möchte, klingt mir der Golovschin doch etwas bemüht. Rozhdestvensky erzeugt mehr Drive, mehr russische Seele, und eine tief russische Klangfärbung (was immer das genau bedeuten mag) braucht IMO diese Sinfonie, sonst wirkt sie etwas langweilig.


    Wegen dieser Eindrücke schenke ich mir einstweilen die Aufnahme der 1. Sinfonie unter Golovschin.


    Gruß, Cosima

  • Zitat von Cosima

    inzwischen habe ich mir die Aufnahme mit Svetlanov/Rozhdestvensky (wie schreibt der sich eigentlich korrekt?) angehört.


    Hallo Cosima,


    zur korrekten Schreibweise wäre eigentlich Edwin der Berufenere, aber ich denke, daß Rozhdestvensky in anglophoner Transliteration korrekt ist, während es in deutscher Transliteration wohl Roschdestwenskij heißen würde, oder, Edwin? Ich erspare mir an dieser Stelle die finnische Umschreibung seines Namens.


    Liebe Grüße


    Sune

  • hallo,


    sehr interessant fände ich die Cd, wo Erich und Carlos Kleiber jeweils die 2. Sinfonie von Borodin dirigieren, erschienen bei hänssler classics...


    Kennt diese Scheibe irgend jemand, und rentiert sich der hohe Preis?


    Gruß, flo

    "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"


    Wise Guys 2000

  • Zitat

    Original von pianoflo
    sehr interessant fände ich die Cd, wo Erich und Carlos Kleiber jeweils die 2. Sinfonie von Borodin dirigieren, erschienen bei hänssler classics...


    Kennt diese Scheibe irgend jemand, und rentiert sich der hohe Preis?


    Ja, unbedingt! Die ist grandios! Unbedingt kaufen! In der aktuellen FF (= Musikzeitschrift) findest Du eine längere Besprechung der CD.


    Gruß, Cosima


    P.S.: Aber wie kommst Du jetzt eigentlich von Balakirev auf Borodin?

  • :O :O :O :O


    :stumm:


    hab ich wohl was verwechselt, war eine lange nacht...


    trotzdem danke für den tipp, kann ja ein moderator bei gelegenheit verschieben oder löschen


    gruß, flo

    "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"


    Wise Guys 2000

  • Zitat

    Original von Cosima
    Hallo,


    inzwischen habe ich mir die Aufnahme mit Svetlanov/Rozhdestvensky (wie schreibt der sich eigentlich korrekt?) angehört. Die 1. Sinfonie kannte ich noch nicht, also kein Vergleich möglich.


    Wie ist denn die Klangqualität dieser Aufnahme? (Habe mit dieser Reihe nämlich gemischte Erfahrung gemacht, manches klingt ordentlich, je eine Richter dun Oistrakh-CD habe ich wieder verschrerblet, weil der Klang dann doch zu schlecht war..)


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat von Johannes Roehl

    Wie ist denn die Klangqualität dieser Aufnahme?


    Ich finde die Klangqualität in Ordnung, vergleichbar mit der Miaskowskij-CD auch unter Swetlanow vom gleichen Label (vielleicht kennst Du die ja). Die Aufnahmen sind aus 1973 und 1974, es steht drauf: Studioremastering 1997 – was immer das zu bedeuten hat. Die Naxos-CD ist wie üblich, halt direkter und klarer als die andere.


    Gruß, Cosima

  • Hallo,


    jetzt habe ich in diesem Forum so viel über Svetlanov gelesen, nun dieses Thema Balakirev und dachte, vielleicht ist an dieser Musik ja etwas dran, obwohl so viel geschwärmt wird. ich habe mir die bereits erwähnte Doppel-Cd der Orchesterwerke Balakirevs unter Svetlanov besorgt und gestern und heute intensiv gehört.


    Auch ohne Vergleichseinspielung: der Klang des Orchesters ist toll.


    Zur ersten Sinfonie: Ich bin positiv überrascht. Nach der schönen, weichen largo-Einleitung im ersten Satz folgt ein allegro-Hauptthema, das mir zwar nicht gut gefällt, das aber durch das schöne Zusammenspiel der Orchestergruppen etwas ausgeglichen wird. Dem Ende zu sagt der Komponist in seinen scharfen und etwas heroischen Zeilen für mich: das ist unser Russland. Das Scherzo im zweiten Satz ist sehr angenehm, hat für ein Scherzo einen verhältnismäßig großen Atem, für mich angenehm zu hören. Das andante im dritten Satz gefällt mir gut: Melancholie-Stolz-Sehnsucht. Aus den Harfenklängen am Ende dieses Satzes entspringt dann der vierte Satz, der mein "altes" Problem mit Finalsätzen aus dieser Zeit offenlegt: kann mit den anderen Sätzen qualitativ nicht mithalten; fast den ganzen Satz werden hetzige "achtelgefühle" erzeugt, die besagen: "eigentlich ist jetzt Schluss, aber der Finalsatz kann doch nicht nach 30 Sekunden aufhören, als ziehen wir noch etwas".


    Aber insgesamt ist die Sinfonie, zumindest in dieser Einspielung, ziemlich kraft- und klangvoll. Ich bereue den Kauf keineswegs.


    Zur zweiten Sinfonie schreibe ich nichts, da sie für mich mit der ersten nicht mithalten kann.


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Ohne lästig werden zu wollen - könnt Ihr noch etwas zur Klangqualität der Svetlanov/Rozhdestvensky-Aufnahme und zu deren Aufnahmedatum sagen? Vielen Dank!

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • hallo, ich möchte ja nicht die naxos-euphorie brechen, aber ich finde, daß die golovchin-aufnahmen sowohl bei balakirev als auch bei skrijabin sehr zu wünschen übrig lassen, sowohl was die interpretation (lasch) als vor allem die aufnahmequalität (klangbrei) anbelangt. da geht unglaublich viel von der farbigkeit des werkes unter - und das lebt ja davon.


    die alte svetlanov-aufnahme ist bei weitem die beste, dennoch denke ich, daß hier noch ganz schön viel rausgeholt werden könnte, so daß die qualität des werkes noch steigt. da spielt sich m.e. doch so einiges im verborgenen ab....

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Der Vor-Beitrag 22 von klingsor besagt alles in Kurzform, was zu den verfügbaren Aufnahmen zu sagen ist !


    Ich habe mir damals 2006 die Naxos-Aufnahmen mit Golovschin auch mehr schöngeredet.
    Bereits vor einigen Jahren nach dem Kauf der Swetlanow-10CD-Brillant-Box habe ich erlebt, wie die Sinfonie Nr.1 des Tschaikowsky-Freudes Balakiriew wirklich klingen muss ! Dort ist die Sinfonie Nr.1 in der gut klinegnden LIVE-Aufnahme von 1974 enthalten.


    :thumbsup: Jetzt habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und die NAXOS, CD´s werden gegen Swetlanow entgültig ausgetauscht.
    In der Tat wird bei Swetlanow die Farbigkeit der Werke viel besser herausgestellt und das mit Spannung und Feuer. Erst jetzt sehe und höre ich im Vergleich wie NAXOS-typisch der Klang bei Golovschin rüber kommt.


    :thumbup: Meine neuen Swetlanow-Aufnahmen sind klanglich und interpretatorisch aus ganz anderem Holz geschnitz und sogar Digitalaufnahmen:



    Hyperion, 1999, DDD


    Sinfonie Nr.2, Russia, Tamara in der aufgewühlteren russischen Aufnahme mit dem Akademischen SO der UDSSR:
    -->
    Melodiya, 1987, DDD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ja, der Mily Balakirew dümpelt auch immer so am äußersten Rande des Repertoires entlang. Die Zeiten, wo ein Sir Thomas Beecham oder Herbert von Karajan eine Symphonie von ihm eingespielt haben, sind lange vorbei. Ab und zu muss man aber an ihn erinnern. Ich habe gerade heute morgen die 1. Symphonie in der 74er Svetlanow-Aufnahme gehört. Der Anfang des ersten Satzes gehört für mich zu einem der vielversprechendsten Anfänge einer romantischen Symphonie überhaupt, leider geht es dann nicht mehr ganz so überirdisch weiter. Trotzdem, kann man die Symphonie immer wieder mal gut hören.


    Die oben abgebildete Hyperion Doppel-CD kenne ich gar nicht, die ist ja schon aufgrund der zusätzlich Tondichtungen höchstinteressant.

  • Der Vollständikeit halber liefere ich hier die Abb der starken 1974-er-Melodiya-Aufnahme der Sinfonie Nr.1 als Einzel-CD, die Swetlanows oben abgebildete Aufnahme mit dem Philharmonia Orchstra an Ausdrucksgehalt deutlich übertrift.


    -->
    Melodiya/Gramzapis Company, 1974, ADD



    Bei mir steckt diese Aufnahme in der "wichtigen" empfehlenswerten Swetlanow-Brillant-10CD-Box, die nur wenig mehr kostet, als die Einzel-CD-Veröffentlichung:



    Brillant, 1954-1992, ADD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Im Rahmen meiner Aufarbeitung bislang ungehörter Einspielungen meiner Sammlung und deren Eintragung in die Datenbank war heute die Sinfonie Nr 1 von Mili Balakirev an der Reihe und zwar in der hier gezeigten Einspielung von "The Philharmonia" unter Yvgeny Svetlanov (Ich verwende die originale Schreibweise des Namens am Cover)für Hyperion.
    Die Aufnahme entstand am 15. und 16. März 1991 in Digitaltechnik. Die Spieldauer in dieser Version beträgt 44 Minuten und 32 Sekunden.
    Es ist weitgehend bekannt, daß Balakirev sich mit der Komposition viel Zeit ließ - euphemistisch gesagt. Allein für den Großteil des ersten Satzes brauchte er etwa 3 Jahre (1864-1866) dann "ruhte" die begonnene Sinfonie bis ca 1893. Balakirev vollendete sie 1897. Das ursprüngliche Scherzo wurde verworfen (es wurde in der 2. Sinfonie verwendet) und durch ein anderes ersetzt. Ich finde, dass der erste Satz ein wenig unübersichtlich ist, allerdings stellenweise sehr effektiv. Der nunmehr eingesetzte 2. Satz steht in wirkungsvollem Kontrast zum ersten, ich höre stellenweise sogar einen Hauch Mendelssohn heraus, ein flüchtiger Schimmer, der der aber schnell wieder durch kraftvollere Sequenzen verdrängt, um nicht zu sagen "erschlagen" wird. Wenn es dann wieder in moderatere Gefilde geht, ist dieser Schimmer verschwunden. Im Finale bedient sich Balakirev dreier russischer Volkslieder, das erste "Scharlataria aus Paflarla" lernte er durch Rimsky-Korsakoff kennen, ein weiteres durch einen singenden Bettler (Quelle: Booklet der Hyperion CD . Edward Garden) De Sinfonie wurde am 11. April 1898 in St. Petersburg unter Balakirevs persönlicher Leitung mit großem Erfolg uraufgeführt. Indes können sie die "Experten" bis heute nicht einigen ob diese Sinfonie durch ihre lange Entwicklungszeit an Geschlossenheit eingebüßt hat oder nicht....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred



    PS: Die gezeigte Aufnahme ist inzwischen gestrichen, also neu nicht mehr verfügbar....

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......