Lieben Sie Brahms? - Die Sinfonien

  • Ja, ich liebe Brahms, ganz besonders seine Sinfonien.
    Müsste ich sie nach Beliebtheit reihen, würde ich 3-4-2-1 schreiben (jetzt hab ich's sogar schon getan...). Zwar habe ich zur Ersten noch keinen rechten Zugang gefunden (mir scheint, hier hat sich Brahms tatsächlich Beethoven von der Seele geschrieben), aber die restlichen drei gehören zu meinen Lieblingswerken. Vor allem die Dritte, die so geheimnisvoll wie nur wenige Sinfonien ist...


    Ungeachtet der bisherigen schlechten Kritik halte ich sehr viel auf die Einspielung mit Harnoncourt:



    Außerdem kann ich jedem, der etwas tiefer in die Werke eindringen will, folgendes Buch wärmstens empfehlen:


    "Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
    Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
    (Hans Pfitzner)

    2 Mal editiert, zuletzt von Gerald ()

  • Allen, die mir Tips für die Brahms`sche Kammermusik gegeben haben, möchte ich Danke sagen.


    Zur Zeit höre ich mich durch die Brilliant-Box, habe die Piano-Quartette, Streichquintette und das Klarinetten-Quartett gehört und bin völlig begeistert.


    Das ist Musik, wie sie mir gefällt, ich kann natürlich - nur einmal gehört - nichts dazu sagen, aber, wenn ich beim Hören konzentriert bleibe und meine Gedanken nicht spazieren gehen, dann ist es spannend, zuzuhören.


    Im Anschluß kommt noch die Box mit der Klaviermusik, gespielt von Oppitz. Dann habe ich vermutlich schon einmal einen Überblick.


    Beethoven bekommt Konkurrenz, aber, wenn die beiden kauzigen Männer sich gekannt hätten - wer weiß- ob sie nicht gute Kollegen gewesen wären. Beethoven hat jedenfalls Brüder im Geiste immer geschätzt.


    Mit Gruß aus Bonn :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • Hallo Brahms-Freunde,


    mir ist aufgefallen, das der Name Sanderling mit Brahms, auch hier in anderen Brahms-Sinfonien-Threads sehr oft gefallen ist.
    Die Sanderlings haben sie mehrfach eingespielt.


    :hello: Welche ist nun wirlich empfehlenswert ?


    Zudem sind die Brahms-Sanderling-Boxen zum Teil spottbillig:
    1. Cappriccio mit dem Berliner SO


    2.Eurodisc mit der Staatskapelle Dresden


    3.RCA(BMG) mit der Staatskapelle Dresden


    4.Nun auch als Einzel-CD´s in der neuen Esprit-Reihe mit der Staatskapelle Dresden


    5.Auf DENON gab es die Aufnahme mit der Staatskapelle Dresden auch - klingen diese besser ?


    6. --- ohne Bild ---
    Mit Thomas Sanderling / Philharmonia Orchestra gibt es die 4CD-Box gar für 3,89EURO beim Label DarpoDDD, 1995,
    (Bei jpc kostet diese Box allerdings unverschämte 45,99EURO)
    Wer kennt diese Aufnahme ?

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo teleton,


    ich habe die Esprit-Reihe und bin sehr zufrieden damit. Vor allem hat sie mein CD Budget nicht allzustark belastet.


    Über Aufnahmequalitäten kann ich nicht urteilen, da ich davon keine Ahnung habe. Ich bilde mir ein das die CD's sehr gut sind. Jedenfalls höre ich nichts Nachteiliges. :wacky:





    Ich zitiere jetzt einmal die Methode von Hayate um meine Rangfolge der Sinfonien darzustellen. Obwohl diese Rangfolge Schwankungen unterlegen und eigentlich dazu noch ungerecht ist.


    Sinfonie Nr. 1 - :jubel::jubel::jubel::jubel:


    Sinfonie Nr. 2 - :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:


    Sinfonie Nr. 3 - :jubel::jubel::jubel::jubel:


    Sinfonie Nr. 4 - :jubel::jubel::jubel:



    LG


    Maggie

  • Hallo maggie und Alle,


    dann möchte ich auch mal meine Rangfolge, die andere Schwerpunkte setzt, kundtun.
    :D Diese Jubel-Methode hat sich maik ja ausgedacht und wurde von hayate aufgegriffen.


    Sinfonie Nr. 1 :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Sinfonie Nr. 2 :jubel: :jubel:


    Sinfonie Nr. 3 :jubel: :jubel: :jubel:


    Sinfonie Nr. 4 :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Die "richtigen" Aufnahmen mit Sanderling sind die mit der Staatskapelle Dresden auf RCA, also am einfachsten wohl in der von Maggie abgebildeten Version erhältlich. Sie lohnen m.E. durchaus, eines der besten Orchester für Musik dieser Zeit ist ein Bonus. Sanderling ist (mit einigen Ausnahmen wie dem Finale der ersten) eher auf der lyrisch-entspannten Seite. Ich habe sie jetzt eine Weile nicht gehört, aber der 3. fehlt es vielleicht etwas an Feuer (das ist aber häufig so, kaum jemand läßt den Kopfsatz "con brio" musizieren, im Finale wachen die meisten glücklicherweise auf).


    Ich weiß nicht, ob sie schon genannt wurde, aber Bruno Walters Mono-Aufnahmen mit dem NYPO sind inzwischen wieder erhältlich. Die sind m.E. außerordentlich gut. Um 1950 war Walter noch ein wesentlich spannungsreicherer Dirigent als einige Jahre später.


    Von einem Ranking der Sinfonien muß ich absehen; ich mag die 1. und 4. vielleicht ein wenig mehr als die beiden mittleren, aber das sind eher Nuancen. Die Finali in 2 und 3 gehören wiederum klar zu meinen Favoriten.


    Khampan : keine der Kopfsatzwdh. in 1-3 wird gespielt (das ist freilich nicht gerade eine Besonderheit von Sanderling ;))


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von teleton
    Auf DENON gab es die Aufnahme mit der Staatskapelle Dresden auch - klingen diese besser ?


    Zur Labelverwirrung:
    RCA=BMG, Eurodisc=BMG
    Ich kenne die Aufnahmen nicht, es ist aber zu vermuten daß es die gleichen Aufnahmen sind, evtl. mehrfach digitalisiert.
    Denon hat ca 1995 die gleichen Aufnahmen von BMG lizensiert und neu mit 20-bit-Technologie digitalisiert. Sie sind also auf jeden Fall nicht ganz identisch, aber ob der Unterschied relevant ist (oder ob sie überhaupt besser klingen, Analogbänder werden im Lauf der Zeit ja nicht besser), entzieht sich meiner Kenntnis.


    Spielt Kurt Sanderling denn überhaupt eine der Wiederholungen?
    Wie ich nicht müder werden zu betonen, ist es ja ein Unding, wenn die Wiederholungen in den 1. Sätzen der Sinfonien 1-3 gestrichen sind, aber in der 4. plötzlich eine Wiederholung auftaucht: die ausgeschriebene Scheinwiederholung (8 Takte lang wird eine reguläre Whg angedeutet, ein beliebtes Mittel um die ganze Whg zu umgehen) kann man ja schlecht streichen. Ich fordere die wiederholungshassenden Exegeten hiermit auf, für Nr. 1-3 entsprechende Wiederholungsabkürzungen nachzukomponieren. Irgendwie paßt das nämlich sonst nicht zusammen :no:


    Mit Wiederholungen und antiphonischer Violinenaufstellung, empfehle ich ebenso wie Gerald die Harnoncourt-Aufnahme. Nur die 1. Sinfonie ist klanglich verpfuscht, die Teldec-Leute haben nachträglich die Höhen zu weit aufgedreht :motz:, mein originaler Digitalradio-Mitschnitt des Konzerts klingt viel besser.


    Gruß,
    Khampan

  • Maggie, teleton, wie unterschiedlich euer Geschmack doch ist, vorallem bei der Zweiten.


    Ich würde so werten:


    1. Symphonie :jubel::jubel::jubel:
    2. Symphonie :jubel::jubel::jubel:
    3. Symphonie :jubel::jubel::jubel::jubel:
    4. Symphonie :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:


    Die 1. und 2. haben für mich wirklich schöne Stellen aber auch einige Längen, dafür gefällt mir die Vierte wirklich rundum ausgezeichnet.
    Maggie, du musst dir die Vierte unbedingt noch ein bisschen öfter anhören, vorallem erster Satz und Scherzo :D
    Mit der Zeit wird diese in deiner Gunst bestimmt steigen.

  • Lieber Hayate,


    ich muss dich enttäuschen, ich habe mir die 4. Sinfonie heute drei mal angehört, aber sie kommt bei mir weder an die 1. geschweige denn an die 2. ran. Sorry!


    Aber im Grunde ist das egal, da mir alle vier wirklich sehr gut gefallen.


    Ich habe nur immer noch nicht begriffen, warum Brahms Musik für Erwachsene sein soll. :wacky: Seltsamer Weise konnte mir das auch keiner von Euch Brahms Experten wirklich erklären.


    LG


    Maggie

  • Zitat

    Ich habe nur immer noch nicht begriffen, warum Brahms Musik für Erwachsene sein soll. Seltsamer Weise konnte mir das auch keiner von Euch Brahms Experten wirklich erklären.


    Nun ja, die Melodien sind nicht so offensichtlich und werden nicht so oft wiederholt wie bei einem Tchaikowsky, auch ist die Instrumentierung nicht so klar wie bei Dvoraks Symphonie "Aus der Neuen Welt" die auch vielen Klassik-Laien zusagt.
    Brahms ist im Großen einfach irgendwie anders, er ist ernster, es steckt viel in den Details auf die man sich wirklich mehr konzentrieren muss als auf zB. Mendelssohns leichtfüßige, heitere, kurze "Ialienische".
    Es ist einfach schwer zu beschreiben, mich wundert dass dir die Zweite so schnell zugesagt hat, war es schon nach dem ersten mal hören?


    Zurück zur Vierten.
    Also dreimal hintereinander an einem einzigen Tag ist nicht besonders zielführend da das Verarbeiten der Musik Zeit braucht.
    Gib deinem Kopf Zeit die Musik verdauen zu können und höre sie dir dann in ein paar Tagen wieder an, wenn es dann auch nicht funkt, dann ist es nuneinmal so. :)
    Bei mir hats auch gedauert.

  • Lieber Hayate,


    Zitat


    mich wundert dass dir die Zweite so schnell zugesagt hat, war es schon nach dem ersten mal hören?


    Ganz kurze Antwort: JA und es ist dabei geblieben.


    Vielen Dank für Deine Erklärungen. Dann bin ich als Anfänger wohl ziemlich schnell erwachsen geworden, zumindestens in Bezug auf Brahms. :]


    Ich habe mir die vierte absichtlich dreimal, mit Pausen, angehört, um mich wirklich auf Einzelheiten konzentrieren zu können, außerdem habe ich, da Urlaub, gerade die Zeit dafür.


    Die vierte gefällt mir schon, aber ich finde zu ihr nicht den gleichen Zugang wie zur zweiten. Ich denke das ist halt so. Anhören werde ich sie sicher noch oft.


    LG


    Maggie

  • Zitat

    Original von Maggie
    Ich habe nur immer noch nicht begriffen, warum Brahms Musik für Erwachsene sein soll. :wacky: Seltsamer Weise konnte mir das auch keiner von Euch Brahms Experten wirklich erklären.


    Im Prinzip hat Hayate schon recht, was den Vergleich mit Dvorak, Mendelssohn, Tschaikowsky betrifft, aber... wann man mit der ernsteren Beschäftigung mit Brahms anfängt ist IMO vom Alter unabhängig.
    Als Brahms-Liebhaber seit meinem 16. Lebensjahr kann ich mit derlei Klassifizierung jedenfalls nichts anfangen. Meine Kinder hören Brahms auch ganz gern, allerdings z.B. lieber die 3. als die 4., bei mir war es von anfang an umgekehrt (es war Liebe auf den ersten Takt).


    Wenns irgendwo häufig länger dauert bis der Groschen fällt, dann vielleicht eher bei Schumann und Bruckner, aber auch da habe ich schon das Gegenteil gesehen.


    Ist doch gut wenn jeder seine persönlichen Vorlieben hat, denen er frönen kann.


    :hello: Khampan

  • Zitat

    Original von Maggie
    Ich habe nur immer noch nicht begriffen, warum Brahms Musik für Erwachsene sein soll. Seltsamer Weise konnte mir das auch keiner von Euch Brahms Experten wirklich erklären.


    Weil seine Musik insgesamt und im besten Sinne (!) spröder, ernster, gekünstelter, verstiegener und nüchterner ist, als die der anderen genannten Sinfoniker. Auf eine gewisse Weise "norddeutsch-evangelisch", und das spricht das kindliche Gemüt weniger an.


    Loge

  • Zitat

    Meine Kinder hören Brahms auch ganz gern, allerdings z.B. lieber die 3. als die 4., bei mir war es von anfang an umgekehrt (es war Liebe auf den ersten Takt).


    Stelle mir gerade vor wie ich einem Zwölfjährigen den 1. Satz der Zweiten vorspiele.
    Ich glaube er würde schon nach nur wenigen Sekunden angenervt von dem vielen Gefiepe und Getröte der Holzbläser das Zimmer fluchtartig verlassen wollen.
    Wenn ich ihm dann auch noch sage, dass der Satz über fünfzehn Minuten dauert, würde er es dann auch sicher in die Tat umsetzen. :D
    Oder er bleibt und ............ schläft einfach ein. :untertauch::D

  • Was Kinder gern hören und was nicht, ist sicher einen eigenen Thread wert. Ganz entschieden bin ich der Überzeugung, daß Hörerfahrung schon mit 0 und früher anfangen darf/soll. Meine sind zugegeben ziemlich trainiert und inzwischen hart im nehmen ("Indianatschek" kennen sie schon, neulich wurde der Wunsch geäußert, mit Bartoks Tanz-Suite geweckt zu werden).


    Und von wegen über 15 Minuten - der erste Satz der 2. dauert über 20! Gekürzte Versionen kommen mir nicht ins Haus.


    Gruß, Khampan

  • Zitat

    Original von Maggie
    Ich habe nur immer noch nicht begriffen, warum Brahms Musik für Erwachsene sein soll. :wacky: Seltsamer Weise konnte mir das auch keiner von Euch Brahms Experten wirklich erklären.


    Versuch Dir mal das Hauptthema des Kopfsatzes der ersten vorzusingen. Oder das Seitenthema.
    Und dann mach dasselbe mit Dvoraks 7, 8 oder 9; Tschaikowskys 4, 5 oder 6 Merkste was?


    Der Geiger Sarasate weigerte sich angeblich Brahms' Violinkonzert zu spielen, denn "wenn endlich eine Melodie auftaucht, hat sie die Oboe" (im 2. Satz). Hugo Wolf sang spottend auf das Hauptthema am Anfang der Vierten "es fiel ihm wie - der mal nichts ein"
    Das ist freilich nur ein oberflächliches Merkmal (und bei der 2. sind viele Themen sehr sanglich und leicht einprägsam).


    Aber davon abgesehen gehört Brahms' Musik zu der handwerklich kunstvollsten und ausgefeiltesten überhaupt. Alles ist voll mit motivischen Zusammenhängen (mitunter schwer hörbar), kleinen kontrapunktischen Finessen usw.
    Im Kopfsatz der vierten gibt es eine Stelle, wo die Holzbläser so eine melancholische Ausspinnung eines Seitenmotivs in Triolen blubbern. Das wird von den Streichern pizzicato "begleitet". Was man zunächst kaum hört, weil man die Aufmerksamkeit auf die Bläser richtet, ist, dass dieses Pizzicato das Hauptmotiv, mit dem der Satz beginnt, ist.
    Und das war noch kein besonders subtiles Bsp. (nur eins, was mich frappiert, weil ich es jahrelang nicht gehört habe).
    Die eigentliche Kunst besteht natürlich darin (das ist ein wesentlicher Unterschied zu zB Reger oder auch zu einigen demonstrativen Kontrapunktkunststückchen bei Bruckner), dass man das meistens kaum merkt, gar nicht merken muß, es aber den Stücken eine außerordentliche Schlüssigkeit und Geschlossenheit verleiht. Und es ist eine zusätzliche Ebene. Wenn in der Coda im Hauptsatz der vierten die Hörner einen Kanon auf das Hauptmotiv anstimmen, wird der Eindruck einer düsteren, unvermeidlichen tragischen Zuspitzung vermutlich unterschwellig durch die strenge Form unterstützt (gleichzeitig ein Beispiel, wie der Ausdruck eines Motivs sich hauptsächlich durch Instrumentation, Artikulation, Dynamik änder kann: aus dem beiläufig-melancholischen Beginn wird eine Katastrophe). Ebenso in der Passacaglia des Finales. Sowas gibts bei Bach natürlich auch schon, oder bei Beethoven das Fugato im Trauermarsch der Eroica.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Wo wir dann eigentlich bei einem der Hauptkritikpunkte der sogenannten "U-Musik-Hörer" an die Klassische Musik wären, die da lautet, dass weite Teile der klassischen Musik nur von Leuten mit großem musikalischem Hintergrund - und Fachwissen gehört werden kann, also von Leuten die gerne Partituren auf ihre technischen Raffinessen prüfen und zerlegen, und vom Laien ohne diesem Detail-Wissen garnicht richtig genossen werden können.


    Also, vorallem bei Brahms trifft das doch tatsächlich teilweise zu, man mag das nun selbst positiv oder negativ sehen.

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für Eure ausführlichen Erklärungen.


    @Johannes - Das die Sinfonien von Brahms große Musik sind, steht für mich selbstverständlich außer Frage, aber das sie derart kompliziert sind, habe ich bis jetzt noch nicht erkannt.


    Ich denke, dass die zweite am einfachsten zu erfassen und weil sanglich einprägsam, am schnellsten im Gedächnis bleibt. Möglicherweise mögen Kenner sie darum weniger, im Verhältnis zu den anderen Drein weil sie sie eventuell zu einfach, zu langweilig empfinden?
    Kann das sein?


    Zitat

    Versuch Dir mal das Hauptthema des Kopfsatzes der ersten vorzusingen. Oder das Seitenthema.
    Und dann mach dasselbe mit Dvoraks 7, 8 oder 9; Tschaikowskys 4, 5 oder 6 Merkste was?


    Damit überforderst Du mich. Schon aus dem einen Grund, da ich mich viel zu kurze Zeit erst mit der Klassik überhaupt beschäftige. Ich hatte noch gar nicht die Möglichkeit mich mit den Werken auseinanderzusetzen.


    Deine Ausführungen sind sehr interessant und ich brauche sicher noch eine ganze Weile um sie wirklich zu verstehen. Zumindestens habe ich nun eine vage Ahnung was ihr mit der Bezeichnung "Musik für Erwachsene" meint.


    Vielen Dank


    LG


    Maggie

  • Zitat

    Original von Maggie
    @Johannes - Das die Sinfonien von Brahms große Musik sind, steht für mich selbstverständlich außer Frage, aber das sie derart kompliziert sind, habe ich bis jetzt noch nicht erkannt.


    Wie gesagt, das soll deine Freude daran nicht schmälern. ;)
    Ich selbst habe das Thema in der pizzicato-Stelle erst gehört, nachdem ich es in einem Kommentar gelesen hatte...
    Aber sie sind wirklich noch viel komplexer. Eine weitere Dimension ist der vielfältige Bezug auf die Tradition, besonders die Wiener Klassik, aber auch Bach und Schütz.


    Zitat


    Ich denke, dass die zweite am einfachsten zu erfassen und weil sanglich einprägsam, am schnellsten im Gedächnis bleibt. Möglicherweise mögen Kenner sie darum weniger, im Verhältnis zu den anderen Drein weil sie sie eventuell zu einfach, zu langweilig empfinden?
    Kann das sein?


    Sie ist vielleicht die melodienreichste, aber nicht weniger kunstvoll.
    Ein ganz leicht auch für Anfänger hörbare Thementransformation ist im eingängigen 3. Satz. Die schnellen Teile sind einfach Varianten der anfänglichen Oboenmelodie. Damit verbindet Brahms gleichzeitig die Satztypen Menuett (langsamer Anfang) und Scherzo (die schnellen Zwischenteile).


    Zitat

    Damit überforderst Du mich. Schon aus dem einen Grund, da ich mich viel zu kurze Zeit erst mit der Klassik überhaupt beschäftige.


    o.k. Du kennst die anderen Stücke nicht. Aber für jedermann ist es schwierig (das war der Witz ;)) sich die Themen aus dem Kopfsatz der Ersten vorzusingen, weil sie nicht sangbar und einprägsam nicht. Die Melodien aus Dvoraks 9. hörst Du einmal und erkennst sie immer wieder.


    Die beiden Stellen, die ich aus der Vierten erwähnt habe, sind in Sanderlings Aufnahme
    ungefähr bei 6:25- 35 (Streicher zupfen das Hauptthema als "Begleitung"


    Die Reprise setzt bei ca. 7:47 ein (nach dem berühmten "Nebelvorhang")


    Die Coda mit "Hörnern gegen Streicher" bei 11:38


    Hayate : Maggies Brahms-Begeisterung zeigt aber, dass dieses Wissen nicht nötig ist. Ich weiß nicht, wieviel davon man hören soll und wieviel unterschwellig zum Eindruck der Einheit und Geschlossenheit der Sätze beiträgt. Ich habe gewiß auch eine Zeitlang die Vierte gehört bis ich anhand der Noten (ungläubig) sehen konnte, dass das Finale wirklich 30 x 8 Takte dasselbe Bass/Harmonieschema durchspielt (+ eine etwas freiere Coda)
    (es wird übrigens von diversen Dirigenten berichtet, dass sie das Finale aus dem Stegreif auswendig auf dem Klavier vorspielten, um Leuten zu erklären, was eine Passacaglia ist :jubel: )


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich würde sagen, Brahms war in der Tat melodisch relativ einfallslos (der Hugo hat schon recht, Anfang der 4., was ist das bitte für ein Thema?!), war allerdings dafür in allem anderen GOTT ;-)
    Nein, mal ernsthaft, man könnte manchmal meinen, Brahms hätte seine Themen absichtlich so gewählt. Wahrscheinlich ist es sogar so. Denn dass ihm auch sehr viele wunderbare Themen, die auch alleine bestehen können, eingefallen sind, beweist er in seinen Ungarischen Tänzen (jeder Tanz hat mind. 3 unabhängige Themen... = 63!)


    P.S.: mittlerweile denke ich sogar, dass das Seitenthema des Kopfsatzes der 4. eines der geilsten Themen überhaupt ist :yes:

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Hallo Johannes,


    Zitat

    o.k. Du kennst die anderen Stücke nicht. Aber für jedermann ist es schwierig (das war der Witz ;) )


    Das war mir schon klar. Ich wollte Dir damit nur schreiben das es für mich unmöglich ist.


    Was mich an Brahms fasziniert, ist das alles was ich bisher gehört habe mir gefällt. Ist das jetzt Vorurteil oder bin ich einfach noch zu unerfahren (liest sich lustig, wenn man mein Alter bedenkt) um objektive Urteile zu fällen.


    Auf alle Fälle habe ich jetzt die Möglichkeit mich nocheinmal der 4. anzunehmen und auf die von Dir angesprochenen Details zu achten. Finde ich richtig gut, meinen Urlaub so zu verbringen.


    rappy - Die ungarischen Tänze mag ich auch, ebenso wie die Klaviersonaten.


    LG


    Maggie

  • Hallo Brahms-Freunde, Maggie, Hayate, Johannes, rappy,


    mit dem Rangking bei Brahms in Form der Jubel-Methode, sieht krasser aus als es gemeint ist. Irgendwie will man ja damit ein Reihenfolge hinbekommen.
    Im Grunde ist es bei mir so wie bei Johannes:

    Zitat

    ich mag die 1. und 4. vielleicht ein wenig mehr als die beiden mittleren, aber das sind eher Nuancen


    Zum Zitat von rappy:

    Zitat

    Ich würde sagen, Brahms war in der Tat melodisch relativ einfallslos


    Es scheint wirklich starke Unterschiede in der Wahrnehmung und Auffassung von Melodik zu geben. Ich habe diese IMO unsinnigen Worte von "Brahms sei Musik für Erwachsene" auch schon gelesen.


    Bei mir war es anders:
    Als Jugendlicher (fast Kind) waren meine ersten drei Komponisten Beethoven, Tschaikowsky und Liszt. Dann folgte Brahms und ich war fastziniert - seine Themen gingen mir nicht aus dem Kopf. Ich habe diese zwar nicht gesungen, wie Johannes vorschlug, aber auis dem Kopf ganze Passagen aus den Sinfonien auf Wanderungen in den Tiroler Alpen gepfiffen - solche Ohrwürmer sind das bei mir.
    :hello: Also hört mir auf mit "Brahms sei Musik für Erwachsene".
    Meine erste Aufnahme der sinfonischen Werke war damals die Klemperer-Aufnahme (EMI).


    Gutes Gegenbeispiel ist auch die Erkenntnis von rappy mit den 63Themen bei den Ung.Tänzen.
    Wo ist Brahms melodisch einfallslos?
    TOP bei Brahms finde ich auch die thematische Anlehnung an Beethovensche Themen - zum Beispiel in der Sinf. Nr.1.


    :] Erst gestern habe ich mich von Maggie anstecken lassen und habe diese tolleSzell-CD mit den Sinfonien Nr.2 und 3 gehört:

    SONY, 1964/67, ADD


    :jubel: Man sind das Interpretationen !!!

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von Andrew
    Hallo Stabia: Die Kammermusik-Box von Brilliant ist sehr empfehlenswert. Natürlich gibt es von den meisten einzelnen Werken bessere Aufnahmen, aber das ist natürlich auch Geschmackssache und insgesamt ist es eine wirklich gute Zusammenstellung. Es sind auch Spitzenaufnahmen wie die mit dem Klarinettisten Karl Leister dabei.
    Freundliche Grüße von Andrew :pfeif:


    Ich kann das nur bestätigen. Wer Brahms liebt, für den ist der Brillant-Würfel ein Schatzkästlein.
    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Mein Einstieg bei Brahms - seinen Symphonien - war der Zyklus, den Sanderling Anfang der 60iger Jahre mit dem Leipzigen Gewandhaus aufführte.


    Seitdem - lieben Sie Brahms - ja


    Gruß aus Bonn :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu


  • Liebe Maggie,


    die Kammermusikbox ist diese



    und ich empfehle sie ebenfalls.


    :hello:
    Flo

    "Dekonstruktion ist Gerechtigkeit." (Jacques Derrida)

  • Danke Flo,


    jetzt sehe ich auch, dass ich die Winzschrift auf dem Cover übersehen habe. Ich fürchte ich muss mal mein Nasenfahrrad aufsetzen.


    :hello:


    LG
    Maggie

  • Die Kammermusikbox habe ich mir auf Tamino-Empfehlung angeschafft, sie ist sehr gut.
    Ergänzend dazu:


    Gruß aus Bonn :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu


  • Hallo Maggie,


    es gibt von Brillant noch eine aus 40 CDs bestehende Sammlung "Meisterwerke" von Brahms. Die beinhaltet alle Gattungen.
    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo liebe Brahmsfreunde,
    kennt eigentlich jemand die Einspielungen der 4 Sinfonien mit Giulini und den Wienern die bei der DGG erschienen sind? Sie sind meines Wissens nur noch in Asien zu kriegen. Über Amazon gibt es sie für stolze 67,99 Euro.



    Ich habe mal in einem sehr unbedeutenden Klassikforum gelesen dass sie quasi das Non-plus-ultra sein sollen. Seitdem lässt mich diese Einspielung nicht mehr los, obwohl ich bereits einige Gesamteinspielungen habe. (Bernstein Wien, Solti Chicago, Chailly Amsterdam) Letztgenannte ist übrigens als Schnäppchen bei Amazon marketplace für 5,84 erhältlich, als Interpretation eine durchaus gute Alternative besonders was die hervorragende Aufnahmequalität betrifft.
    Aber wer kennt die Giulinieinspielung? Ich denke immer dass ich sie haben muss bin aber angesichts des Preise immer wieder zurückgeschreckt.
    Wenn jetzt hier jemand schreibt dass sie wirklich lohnenswert ist, hab ich nen Grund sie anzuschaffen :yes:

    Günter