Welche Musik kann am ehesten Trance verursachen?

  • Um einen Trancezustand zu erreichen, muß die Musik m.E. höchst einfach strukturiert sein. Im Prinzip keine Melodie bzw. Rhythmus. Dies finde ich im klassischen Bereich eigentlich nicht.


    Es gibt da Beispiele im Abient-bereich (hier eigentlich OFF-Topic):



    Das ist Sufi-Trance Musik . EL-hadra von Klaus Wiese.


    Ein anderes Beispiel ist auch von Klaus Wiese ist "Mercurius".



    Dies ist eigentlich keine Musik mehr im eigentlichen Sinne, sondern mehr
    eine unstrukturierte Klangwolke.


    Ich muß sagen, ich mag diese Musik ganz gern. Es gibt auf diesem Gebiet natürlich auch sehr viel seichte Klänge, aber die obigen sind m.E. besser.

    Gruß
    Rüdiger


    ________________________
    Lärm ist ... nur eines der Übel unserer Zeit, wenn auch vielleicht das auffälligste. Die anderen sind Grammophon, Radio und neuerdings die verheerende Television.


    C.G. Jung


  • Hallo Thomas,


    ich wollte besagte Musik schon gerade selbst nennen, bevor ich deinen Beitrag gelesen habe. Vor einiger Zeit habe ich mal gelesen (Diether de la Motte: Kontrapunkt), dass die Notre-Dame-Schule ihrerzeit wegen der damals wohl als "wild" empfundenen Stilistik und den Körperbewegungen, mit denen die Sänger die Musik begleiteten (was wohl damals mehr oder weniger unerhört war) einiges an Aufsehen erregte. Mich hat diese dankenswerterweise inzwischen neu aufgelegte Aufnahme mit dem Early Music Consort London sehr begeistert:



    Diese Musik geht mir immer lange im Kopf herum, wenn ich sie gehört habe und erweckt auch viele Bildassoziationen, z. B. muss ich mir oft dabei vorstellen, durch einen hohen, lichten Wald zu gehen und hinauf in die Baumkronen zu schauen. Wie die Musik das macht, weiß ich auch nicht.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Hallo Draugur,


    es gibt in dieser Musik ein Stilmittel, welches Hoquetus heißt. Man kann das mit zerschneiden übersetzten, manchmal wird auch Schluckauf-Technik dazu gesagt. Das ist in der Tat ziemlich wild. Bei dieser Technik wird eine Stimme aufgeteilt (zerschnitten) auf zwei Sänger (es gibt selten auch die Aufteilung auf drei), die sich - oftmals in schneller Folge - abwechseln.


    Aber auch die ausgezierte Gesangslinie über den langen Haltetönen bei "normalen" Sätzen kann schon recht wild sein.



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Steve Reich wurde ja schon genannt. Inzwischen lausche ich den meisten seiner Werke mit mit möglichst hoher Konzentration.


    Ein Stück bei dem mir das nicht gelingen will, ist "Music for 18 Musicians" - da schaltet sich die Konzentration irgendwann ab. Dann gerate ich in so eine Art - Zwischenzustand - bevor ich einschlafe :stumm::D

  • etwas spät (aber ich muss 289 beiträge seit meinem letzten dasein aufarbeiten)


    mit ziemlicher trancegarantie:
    terry riley: persian surgery dervishes
    beim (erfolglosen) suchen einem bildl davon, bin ich draufgekommen, dass sein ca. 40 jahre alter urhadern "in c" inzwischen recht oft aufgenommen worden ist:
    (neben dem vom hamburgergiselher gezeigten)







    sonst natürlich die trance profis (neben den auch schon erwähnten sufi):


    eindeutig taminokompatibel wäre morton feldman
    eine für viele:

  • "Ha! Diese Stimme! Seine Stimme!"


    "O bleib, bei uns sollst du verweilen,
    wir lassen dich nicht von uns gehn.
    Du suchtest uns, warum enteilen
    nach solchem kurzen Wiedersehn?"


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Also, ich bezweifle stark, daß man sich mit klassischer Musik 'in Trance hören' kann. Wenn mich nicht alles täuscht haben sich die Menschen seit Urzeiten mittels Tanz zu gleichbleibenden, monotonen Rhythmen in Trance versetzt - eben diese Konzentration auf das ewig Wiederkehrende versetzt einen m. E. in Trance. Am ehesten wird man das entweder in alter Trommelmusik finden, oder in modernem Techno oder anderer elektronischer Musik. Ich verbringe im Sommer gern das eine oder andere Wochenende auf Goa-Festivals - Goa (eine Abart vom Psy-Trance - am Namen sieht man schon, daß diese Musik dafür gedacht ist, "tanzend zu meditieren") ist elektronische Musik mit starkem, hämmerndem Rhythmus, der sich immer so zwischen 120 und 130 bpm herumtreibt. Wenn ich eine Weile dazu tanze kann ich durchaus in Trancezustände verfallen - was manchmal dazu führt, daß ich etliche Stunden ununterbrochen tanze ohne zu merken, daß meine Beine eigentlich nicht mehr so recht wollen. Bei klassischer Musik kann ich mir das nicht vorstellen...

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Dann hör mal den Bolero in Dauerschleife ... :D


    Das hat nichts mit der Musikart zu tun, sondern, wie ich oben bereits erwähnte, damit, wie man die Musik macht. Ich denke, dass es möglich ist, mit einem einzigen Instrumente solch eine Musik zu machen (Klarinette, Gitarre - akustisch).

    29.08.1958 - 25.06.2009
    gone too soon

  • Hi,
    am ehesten in Trance: da fällt mir natrülich auch P. Glass als erstes ein, vor allem A Descent into the Maelstrom, oder ca. 50 % seines restlichen Werks.


    Bei anderen Komponisten wirds schwieriger, aber fast jeder hat meiner Meinung nach was geschrieben, was geeignet ist. Sogar z.B. Mahler 10. Sinfonie, wo man dann mit dem Paukenschlag wieder aufgeweckt wird, oder der Schluß der 6., wo ich regelmäßig aus der "Trance" geweckt werde. An solchen Stellen merke ich am deutlichsten, wie abgedriftet ich war.


    Ned Rorem, den ich mir grad anhöre, ist allerdings für Trance nicht geeignet, zumindet nicht bei mir.

    mit vielen Grüßen
    J.

  • Zitat

    Original von Masetto
    Dann hör mal den Bolero in Dauerschleife ... :D


    Das hat nichts mit der Musikart zu tun, sondern, wie ich oben bereits erwähnte, damit, wie man die Musik macht. Ich denke, dass es möglich ist, mit einem einzigen Instrumente solch eine Musik zu machen (Klarinette, Gitarre - akustisch).


    Hmm, für mich gehört irgendwie ein starker, betonter Rhythmus dazu, und den mit Klarinette oder Gitarre zu erzeugen wird schwierig... ;)


    Vielleicht rühren unsere unterschiedlichen Ansichten auch daher, daß ich einen Unterschied zwischen Meditation und Trance ziehen würde - beide wirken zwar sehr ähnlich, werden aber auf unterschiedlichem Weg erreicht. Meditative Musik kann man dann aber sehr wohl auf so ziemlich allen Instrumenten erzeugen - ich habe vor kurzem beispielsweise gern Arvo Pärts 'Für Alina' auf dem Klavier gespielt, was ich für sehr geniale Meditationsmusik halte. Aber eben nicht für Trance-Musik. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur durch meine sommerlichen Bumm-Bumm-Musik-Exzesse vorbelastet. :D

  • Was ich auch noch richtig gut zu dem zweck finde, ist Liszt Fantasie und Fuge über B-A-C-H.
    Ich weiß nicht warum, denn eigentlich ist es ja nicht wirklich dafür geeignet. Aber irgendwie bin ich, wenn ich das höre manchmal ganz weg.

  • Gibt es auch einen emotionalen Trancezustand? Dann könnte die Liste hier nach Belieben weiter geführt werden? :D

    29.08.1958 - 25.06.2009
    gone too soon