Maurice Ravel: Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur

  • Ravel ist auch nicht unbedingt Bernsteins Sache ! Aber allein die Spielfreude, die er an dem Werk hat überzeugt auch schon und macht seine Interpretation zumindest hörenswert.

    Hallo, Wolfgang!


    Das kann ich mir gut vorstellen, bin mir mittlerweile auch recht sicher, dass ich die Einspielung schon gehört und als wahrscheinlich schwungvoll in Erinnerung habe.


    Es war für mich dennoch interessant, aus der Sendung zu erfahren, dass der rasche Finalsatz im Pianissimo beginnt, französisch elegant eben, bevor es dann wie im ersten zu ungenierten, aber stets spielerischen Steigerungen kommt. Dem Klangbeispiel konnte man anschließend entnehmen, dass Bernstein sofort losdonnert.


    Es wird wohl so sein, wie auch Du andeutest: Einem derart expressiven Musiker wie Bernstein dürfte die distanzierte Grundhaltung Ravels nicht wirklich liegen.


    Besten Gruß aus Mittelfranken vom Namensvetter! :)

  • Bernstein wiederum am Klavier und als Dirigent der Wiener Philharmoniker (1971) entstellt wider alle Dynamikvorschriften über seine sonstige Subjektivität hinaus den Finalsatz zu einer Shownummer.

    Leonard Bernstein hat das Ravel-Klavierkonzert viermal als Pianist und Dirigent in Personalunion eingespielt:
    - Philharmonia Orchestra; Leonard Bernstein, rec. live 1.7.1946 in London
    - Columbia Symphony Orchestra; Leonard Bernstein, rec. 7.4.1958 in New York City
    - Wiener Philharmoniker; Leonard Bernstein, rec. 21.2.1971 in Wien
    - Orchestre National de France; Leonard Bernstein, rec. 20.9.1975 in Paris
    Quelle: http://www.leonardbernstein.com/disc_other.php


    Ob Einwände gegen die beiden 70er Jahre-Aufnahmen berechtigt sind, vermag ich nicht zu beurteilen (ich kenne sie nicht). Zur Anschaffung des Live-Mitschnitts von 1946

    habe ich mich nach einem Probehören in einem CD-Geschäft nicht durchringen können - sie erschien mir zu "mager", zu wenig das Werk auskostend. Aber die 1958er Einspielung mit dem Columbia Symphony Orchestra

    gefällt mir durchaus. Ich würde also nicht sagen, dass Lennie mit Ravel nicht zurechtkam. Natürlich ist sein Ravel nicht von der Güteklasse eines Arturo Benedetti Michelangeli, einer Monique Haas oder einer Martha Argerich - aber diese Ausnahmepianisten hatten ja auch nicht das "Problem", nebenher noch ein Orchester dirigieren zu müssen :D


    Einen kleinen "Geheimtipp" in Sachen Ravel-Klavierkonzert G-Dur habe ich noch: die Aufnahme von Yundi Li mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Seiji Ozawa ist richtig, richtig gut.

  • Eine Aufnahme, die in diesem Thread bisher nicht genannt wurde, stammt aus den frühen 50er Jahren des letzten Jahrhunderts: Vlado Perlemuter hat dieses wunderschöne Konzert mit dem Concerts Colonne Orchestre Paris unter Jascha Horenstein eingespielt. Die Aufnahme hat Noblesse und Esprit.
    Perlemuter hatte im Alter von 88 Jahren Ravels Soloklavierwerke beim englischen Label Nimbus veröffentlicht. Hier ist die Quintessenz des französischen Klavierspiels zu bewundern. Für mich ein besonderer Schatz der Schallplattengeschichte.



    Ein Zitat aus dem Nachruf von Perlemuter, der in der "Zeit" 2002 erschienen ist, als der Pianist 98jährig verstarb.
    "Lange war der Pianist nur bei Freunden und Schülern ein Star. Sie wussten, dass der gebürtige Pole, der als Kind durch einen Unfall sein linkes Auge eingebüßt hatte, Student bei Moritz Moszkowski gewesen war, bevor der große Alfred Cortot sein Lehrer wurde. Sie wussten, dass Perlemuter die Stücke Maurice Ravels noch vom Komponisten selbst erklärt bekommen hatte – 1929 spielte er in Paris als Erster Ravels gesamtes Klavierwerk. Vor allem aber bewunderten sie den sanften, vollen Anschlag des uneitlen, zu Späßen aufgelegten Chopin-Experten, der am Pariser Konservatorium lehrte, bis er, dank der Hilfe britischer Freunde, doch noch sein musikalisches Vermächtnis auf Platten einspielen konnte. Vlado Perlemuter starb am 4. September in Paris."


    Svjatoslav danke ich für den Hinweis zur Einspielung mit Yundi Li und Seiji Ozawa und den Berliner Philharmonikern. Ravels Klavierkonzert ist mit dem Zweiten Klavierkonzert von Prokofiew gekoppelt, das in der gleichen Tonart steht.


    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • hallo,


    ich besitze von beiden ravel konzerten nur die aufnahme mit entremont - das g-dur konzert unter ormandy und d-dur unter boulez.
    gebraucht gibt es sie schon für unter einem euro :
    https://www.amazon.de/GERSHWIN…F8&qid=1304525507&sr=1-10
    die aufnahme qualität ist meines erachtens sehr gut ( 1971 und 1975 )
    larrocha gibt es in einer interessanten zusammenstellung :
    http://www.amazon.de/Ravel-Pia…sic&qid=1304524952&sr=8-1
    ich habe sie mir für unter 10 euro ( gebraucht - wie neu ) bestellt.
    die darauf auch noch enthaltenen Symphonischen Variationen für Klavier & Orchester von Franck + Faure: Fantasie für Klavier & Orch. hören sich interessant an.


    gruss


    kalli

  • Hallo Kali,


    ich halte die Decca-Aufnahmen mit Larrocha/Burgos und Foster beide für eine der interessantesten und perfektesten Interpretationen der Ravel-KK. Das rhythmische Gefühl und das spanische Temprament von Alicia Larrocha ist Spitzenklasse und den Ravel-KK höchst angemessen.
    :thumbup: Vom KK für die linke Hand lenne ich wirklich keine bessere Aufnahme. Die Klangtechnik bietet alles messerscharf von den abgrundtiefesten Tiefen bis in den feinsten Diskant - beste Analogtechnik.
    Bereits in Beitrag 5 (von 2005) berichtete ich erstmals von diesen Aufnahmen ( :D und bekam von einem User der schon lange nicht mehr aktiv ist und damals für ABM schwärmte gleich eins rübergebraten).


    Ich habe noch die ursprüngliche Decca-Erstausgabe mit einem anderen Cover als Dein Link. Die sieht so aus:



    Decca, 70er, ADD

  • Unter den bislang hier genannten Aufmnahmen ist die mit Samson Francois mein absouter Favorit. Ich ziehe sie auch der von ABM vor. Erwähnt wurde noch die Aufnahme der Moniquue Haas mit Paul Paray, eine Platte, die mittlerweile auch Kultstatus hat. Faszinierender, pulsierender und temeperamentvoller ist allerdings die früher mono-Aufnahme der Haas zusammen mit Hans Schmidt-Isserstedt. Sie ist zu greifen in dieser Box:




    Die Ciccolini-Einspielung ist mir selbverständlich bekannt. Doch hat sie es bei aller meiner Verehrung für diesen Pianisten nicht geschafft, den guten Samson Francois von Platz eins zu verdrängen. Bei Francois scheint ein Gespür für die Musik vorzuliegen, das sich aus seiner Begeisterung für den Jazz speist. Ciccolini hingegen ist nie durch überbordendes Temperament aufgefallen. Die Aufnahme ist gewiss tadellos und für mich als Fan auch liebens und schätzenswert; den sprühenden Funkenflug von Francoois oder der frühen Haas erreicht sie indes nicht. Aber möglicherweise ist es dieser Duktus, den Holger Kaletha als "exzentrisch" empfindet?


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Neu im Forum möchte ich die Diskussion um Ravels G-Dur-Konzert (und das in D-Dur für die linke Hand gleichermaßen) mit dem Hinweis auf eine Interpretation ergänzen, die für mich nach wie vor Referenz-Status besitzt. Ernest Ansermet hat beide Konzerte 1953 mit dem Orchester de la Suisse Romane und der Jacqueline Blancard als Solistin auf genommen.
    Hier die alte LP-Hülle:



    Auf eine Wiederveröffentlichung auf CD ließ die DECCA lange warten. 2008 endlich erschien sie zusammen mit der Tzigane, 1960 eingespielt von Ruggiero Ricci mit Ansermet und dem OSR in Australien!



    Wer auf Virtuosität, instrumentalen Glanz und Klangeffekte aus ist, der suche anderswo. Dort wird er aber schwerlich diese wundervolle Musik in ihrem Kern finden – nicht bei den Damen Argerich und Grimaud, dem manirierten Benedetti-Michelangeli, nicht bei dem brillanten Zimmermann und nicht einmal bei Larrocha, deren Albeniz ich sehr schätze. Ravels Musik ist nämlich mehr als oberflächlicher Glanz. Der scheu verborgenen Wahrheit seiner Musik kommen Blancard und Ansermet durch Zurücknahme aller Äußerlichkeiten auf die Spur.

  • Ich möchte auf ein besonderes Live-Ravel-Ereignis hinweisen. Gerhard Oppitz, der ja für monumentale Ereignisse bekannt ist, spielt am 11. November 2012 in dem ihm gewidmeten Zyklus "Welt des Klaviers-Oppitz-Zyklus" In Heilbronn mit dem Heilbronner Sinfonie Orchester unter Peter Braschkat das "Klavierkonzert für die linke Hand" und das "Klavierkonzert G-Dur" an einem Konzertabend. Ach - unter anderem erklingt daneben auch noch der " Bolero". Heilbronn ist eine Reise wert. :jubel:
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Leider ist die erste Aufnahme des G-Dur Konzertes von 1932 mit Margerite Long als Solistin und Maurice Ravel selbst als Dirigenten des London Symphony Orchestra nur noch in einer MP3-Fassung greifbar. Ich habe sie mir besorgt und war erstaunt über die Stringenz und das Tempo mit der der Komponist sein Werk angeht.
    Hier die Zeiten:
    I. Allegramente - Andante: 7:23
    II. Adagio Assai: 8:34
    III. Presto: 3:55
    Keine andere Aufnahme ist mit Abstand so schnell!
    Allerdings stellte ich auch fest, dass die Stimmhöhe einem Kammerton von etwa a¹ = 444 Hz entspricht. War so ein hoher Kammerton bereits 1932 üblich?
    Oder ist die Schellackplatte zu schnell überspielt worden.
    Ich habe die Aufnahme dann etwas verlangsamt, so dass sie nun dem a¹ = 440 Hz entspricht. Damit verlängern sich die Sätze etwas (7:29; 8:41; 3:57), aber das ist immer noch extrem schnell.
    In Frankreich war der Kammerton lange Zeit auf a¹ = 432 Hz normiert (Meyers Taschenlexikon Musik 1984); das würde ganz andere Zeitdauern ergeben. Aber mit welchen Kammerton spielte ein Londoner Orchester zu dieser Zeit?
    Wer löst dieses Rätsel?


    Herzliche Grüße
    FidiX

  • Die Aufnahme mit Entermont schätze ich auch sehr!


    Im Thread zum Gershwin-KK berichtete ich bereits über Ormandy´s detailgetreuer Orchesterbrillanz, die auch dieser Aufnahme des Klavierkonzertes G-Dur ihren Vorzug verleiht.
    Entremont ebenfalls brillant und besonders im 1. und dem leichtfüssigen 3.Satz Presto virtuos aufspielend, wie es dem Konzert angemessen ist. Der traumhaft gefühlvolle 2.Satz, der den Hörer zeitweise zu Tränen rühren kann, runden den sehr guten Eindruck ab.


    Kurz ein paar Worte zum 2.Satz:
    Ravel hat den Satz nach dem Modell des langsamen Satzes aus Mozarts Klarinettenquintett zusammengestückelt und sei (nach seinen Worten) "fast daran krepiert". Aus heutiger Sicht kann ich als Hörer nur sagen = bestens gelungen. Es gibt nur wenig Beispiele in der Musik, die so einfühlsame rührende Klänge bieten.
    Von Entremont wunderbar dargeboten.


    Klangtechnik: sehr ausgewogen mit vollem Frequenzgang und fast ausdiophilem Anspruch; sehr genaue orchestrale Abbildung.



    SONY, 1972, 1975, ADD





    Vorab zum KK für die linke Hand D-Dur:
    Hier sind Entremont / Boulez mit dem Cleveland Orchestra die Ausführenden. Leider bleibt es beim KK für die linke Hand bei der unglaublichen Detailschärfe … wenn es dabei bliebe und Entremont alle Ecken und Kanten betont ausspielen würde, wäre ich damit zufrieden. Die Interpretation ist für sich gesehen gelungen, aber sein Anschlag wirkt mir im Vergleich mit meinen höher geschätzten Aufnahmen mit Larrocha / Foster (Decca) und Roge /Dutoit (Decca) und Collard / Maazel (EMI) dann doch zu pauschal und zu wenig ausdrucksstark.

  • Da gibt es nun kein Vertun: Wir haben eine neue Referenzaufnahme!
    Jean-Efflam Bavouzet mit dem BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Yan Pscal Tortelier (cHANDOS). Ohren auf und Staunen!
    Gruß aus Hennef
    FidiX



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Da gibt es nun kein Vertun: Wir haben eine neue Referenzaufnahme!
    Jean-Efflam Bavouzet mit dem BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Yan Pscal Tortelier (CHANDOS)


    Hallo Fidix,


    :!: mit der Bezeichnung REFERENZ sollte man vorsichtig sein.
    Drücken wir es so aus:
    Die Aufnahme ist Deine persöniche "referenzwürdige Aufnahme". Mag ja sein, dass die ausserordentlich gut ist.


    :?: Was zeichnet diese Bavouzet-Aufnahme aus, dass Du diese so hervorhebst ?
    Und noch wichtiger:
    Welche Vergleichsaufnahmen hast Du, die Dich zu dieser zitierten Aussage verleitet haben ?

  • :!: mit der Bezeichnung REFERENZ sollte man vorsichtig sein.

    Da triffst Du den Nagel auf den Kopf, lieber Wolfgang. Besonders beim G-Dur-Konzert, denn da gibt es eine "Über"-Referenz, an der man nicht vorbeikommt. (Die zu nennen hieße Eulen nach Athen tragen.) Sicherlich gibt es sehr viele schöne und hörenswerte Aufnahmen des Konzerts und auch einige mit Referenz-Qualitäten - davon habe ich ja auch etliche. Ob Bavouzet dazugehört? Ich habe die Aufnahme nicht. Bei den Hörschnipseln ist mir nur aufgefallen, dass er die Akzente im Presto-Schlussatz etwas glatt poliert. Ansonsten finde ich das Programm auf dieser CD attraktiv und auch die Aufnahmequalität und das Orchesterspiel gefallen mir.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ist für Dich Michelangeli die Überreferenz oder Francois oder noch jemand anderer, Holger? :) (Wolfgang teletons Entremont-Einspielung lässt aber eigentlich auch keine Wünsche offen.)


    Meinerseits halte ich Bavouzet (natürlich neben anderen Sub- und Superreferenzen ( ;) )) mit seinen Bartok-Konzerten für ganz ausgezeichnet, auch bezüglich der klanglichen Durchsichtigkeit. Könnte also gut sein, dass die von FidiX angeführte Einspielung ihre Meriten durchaus hat.


    Trotzdem werde ich, wenn irgend möglich --- :rolleyes: ---, weder ein weiteres Bartok-Klavierkonzert noch ein solches von Ravel erwerben. Jeweils mehr als eine Hand voll, das reicht.


    :hello: Wolfgang

  • Ist für Dich Michelangeli die Überreferenz oder Francois oder noch jemand anderer, Holger?

    Natürlich, lieber Wolfgang, ist die "Überreferenz" ABM! Peter Cossé schrieb, wenn er nur 20 Aufnahmen auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, wäre die auf jeden Fall dabei. Das ist einfach eine "Jahrhundertaufnahme". Meine ersten drei Aufnahmen sind


    1. ABM
    2. Alicia de Larrocha (die ältere Decca-Aufnahme), wirklich auch fabelhaft, man merkt, dass sie ABMs Aufnahme in und auswendig kennt!
    3. Krystian Zimerman (pianistisch absolut perfekt, aber im Vergleich mit ABM auch ein bisschen glatter. Zimermans Sternstunde ist finde ich das D-Dur-Konzert für die linke Hand, das bei ihm Listzsche Dämonie bekommt.)


    Sonst müssten wir in eine interpretationsgeschichtliche Betrachtung einsteigen (Monique Haas, Samson Francois etc.) und es würde lang... :D


    Philippe Entremont war bei mir nie erste Wahl, aber ich habe seine Aufnahme speziell des G-Dur-Konzertes auch nicht mehr im Kopf. Bavouzet ist ein Pianist mit einer wirklich großen Klangkultur. Nur mein Eindruck bei seinen Interpretationen von Debussy/Ravel, in die ich reingehört habe, ist, dass er zur romantisierenden Weichzeichnung neigt. Ob mir sein Bartok liegen würde, weiß ich nicht. Die Aufnahme kenne ich auch nicht.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Krystian Zimerman (pianistisch absolut perfekt, aber im Vergleich mit ABM auch ein bisschen glatter. Zimermans Sternstunde ist finde ich das D-Dur-Konzert für die linke Hand, das bei ihm Listzsche Dämonie bekommt.)


    Interessanter Eindruck von Dir, lieber Holger.


    Was Zimmerman anpackt hat ja ausnahmslos hohes Niveau. :huh: Nur gerade die Ravel - KK habe ich mir mit Zimerman nie zugelegt, weil zahlreiche Kritiken eher durchschnittlich ausfallen (lese mal bei den amazon-Kritiken bei der DG-CD nach).



    Gestern habe ich noch eine weitere Aufnahme der beiden Ravel-KK aus meiner überragenden Ravel-Orchesterwerke-Box mit Dutoit (Decca, DDD). Diese farbigen und alles andere als trockenen Aufnahmen stelle ich ganz klar über die beiden Boulez-Ravel-Aufnahmen (SONY und DG).
    Die Ravel-Klavierkonzerte G-Dur und D-Dur werden hier von Pascal Rogé mega zufriedenstellend mit Feuer (angemessen flotte Tempi) und Hingabe gespielt. Dutoit liefert mit seinem Orchester aus Montreal eine fantastische Orchesterbrillanz dazu.
    Alleine die audiophile Decca-Klangtechnik sorgt schon für den ungebrochenen Hörspass.


    oder die GA =
    Decca, 1981-1984, DDD

  • Interessanter Eindruck von Dir, lieber Holger.


    Was Zimmerman anpackt hat ja ausnahmslos hohes Niveau. :huh: Nur gerade die Ravel - KK habe ich mir mit Zimerman nie zugelegt, weil zahlreiche Kritiken eher durchschnittlich ausfallen (lese mal bei den amazon-Kritiken bei der DG-CD nach).

    Lieber Wolfgang,


    ich habe geschaut - Zimerman wird bei Amazon ja durchweg über den grünen Klee gelobt. Es gibt - was längst nicht die Regel ist, wie wir wissen - ellenlange durchaus niveauvolle Beiträge.



    Zu haben ist die CD im Moment zum Jubiläumspreis der DGG für nur 8.99 Euro. Da sollte man zugreifen! Boulez und das Cleveland Orchestra sind schon Klasse und Zimerman ist es auch. Auch einer bei Amazon schreibt, dass der "Stern" das D-Dur-Konzert ist. Das ist wirklich "schwarz" mit Lisztscher Dämonie, die an den "Totentanz" erinnert. Das wird auch Dir gefallen. :) Die Aufnahmetechnik ist allerdings keinesfalls besser als die von Walter Legges Team aus der Stereo-Frühzeit von 1957. Daran merkt man erst einmal, was für ein sagenhaftes Niveau die bei EMI damals hatten. Das gehört dazu zu einer Jahrhundertaufnahme! Wirklich bedauerlich und eine kaum verständliche Lücke, dass keine Mitschnitte aus ABMs Spätzeit veröffentlicht sind - seine Zusammenarbeit mit Celibidache und den Münchner Philharmonikern. Das ist überfällig, finde ich. Es gibt die Filmaufnahme aus London (leider nur bei Youtube zu sehen) mit Celi, hier:



    (Celi ist guter Laune, allerdings am Ende des 2. Satzes "tötet" sein Blick einen der Musiker ... :D )


    Ausgerechnet eine geplante Filmaufnahme des G-Dur-Konzertes war es übrigens, wodurch die Zusammenarbeit zwischen ABM und Cord Garben als Produzenten abrupt und für immer endete. Sie hatten in München geplant, das G-Dur-Konzert noch einmal nach London live aufzunehmen. Alles lief, aber ein Spotlight war störend weil falsch eingestellt. Während der Live-Aufnahme sollte der Techniker die Beleuchtung richten. Dann passierte der Supergau: Das Licht fiel durch das Werkeln dieses Menschen aus, so dass die Hälfte der Klaviertastatur auf einen Schlag unbeleuchtet blieb. ABM spielte ungerührt das Konzert zuende. Celibidache aber hat nachher richtig getobt - er war außer sich vor Wut. Sein Freund ABM dagegen blieb stoisch ruhig, zog sich auf sein Zimmer zurück und sagte nur lakonisch: "Garben soll sich entschuldigen!" Was aber macht Garben? Er weigert sich! Für mich unverständlich und ein Zeichen von typisch deutscher Sturheit. Wieso weiß Garben nicht: Wie in der Politik trägt der Vorgesetzte die Verantwortung für seine Untergebenen. Er ist schließlich der Aufnahmeleiter und verantwortet somit alles, was passiert. Garben sieht das aber anders und beharrt auf seiner Position: Wieso soll ich mich entschuldigen, das Problem hat dieser Techniker verursacht und nicht ich. Hätte er sich mal entschuldigt - er kennt doch die beiden Mimosen - dann wäre alles "in Butter" gewesen. So war dann die Zusammenarbeit mit ABM zuende. Wirklich kurios und sehr bedauerlich!


    Hier gibt es eine Probe mit dem G-Dur-Konzert, die zeigt, wie charmant, kollegial, humorvoll und so gar nicht unnahbar ABM sein konnte:



    Noch etwas zur Interpretation des Konzertes. Das Problem sind die idiomatischen Anklänge an den Jazz. Die sind bei Ravel aber nur Anklänge, sozusagen transformiert in einen modernen französischen Klassizismus (und im D-Dur-Konzert klingt das Amerikanische spanisch!). Deshalb habe ich in Erinnerung, dass mir die Entremont-Aufnahme (es ist schon lange her, kann auch sein, dass ich sie verwechsle) nicht gefallen hat, weil da die Idiomatik einfach nicht stimmt, das alles sehr "amerikanisch" klingt, der Ravel sich mehr nach Gershwin anhört als nach Ravel. Das Ergebnis ist fürchterlich - statt Ravelscher hintergründiger Poesie wird das Kirmes-Rummel-Musik. :D Um das zu verstehen, lohnt es sich, die wirklich wunderschöne Sonate für Violine und Klavier zu hören - da gibt es im Finale dasselbe Perpetuum mobile wie im G-Dur-Konzert. Empfehlen kann ich nur die Aufnahme des Traumduos Shlomo Mintz und Yefim Bronfman. Die beiden verstehen genau das meisterhaft, den Ravelschen Klassizismus nicht durch eine "Verjazzung" zu zerstören. Die CD gehört in jede Sammlung - einfach eine Referenz, sie gibt es als Billigausgabe inzwischen einzeln oder als Doppel-CD zusammen mit den Faure-Sonaten:



    Das Originalcover:



    :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Wie ich gerade sehe, hatte ich schon in Beitrag 22 - vor 10 Jahren (!!!) - etwas zu dieser Thematik geschrieben:


    Maurice Ravel: Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur


    Damals hatte ich allerdings von Alicia de Larrocha nur die spätere - natürlich auch wunderbare - RCA-Aufnahme mit Slatkin im Blick. Die ältere mit Lawrence Foster ist allerdings wie ich finde noch besser und kommt ABMs olympischem Niveau schon deutlich näher :) :




    Schöne Grüße
    Holger

  • Hallo liebe Ravel-Freunde,


    ABM bleibt natürlich ABM. Aber hier noch einige IMO exzellente Aufnahmen:



    Duchable/Plasson/ Orchestre de Toulouse (EMI)



    Argerich/Abbado/London Symphony Orchestra


    Kun Woo Paik, p
    Gary Bertini, cond
    SWR Sinfonieorchester Stuttgart


    (Orfeo, DDD)


    (Leider das Cover nicht abbildbar)


    LG Siamak



  • Argerich/Abbado/London Symphony Orchestra

    Die Aufnahme habe ich natürlich auch (aber nicht in der Kombination mit Beroff, der damals leider an der "Pianistenkrasnkheit" litt und seinen rechten Arm nicht mehr benutzen konnte). Von der Argerich gibt es ja etliche Aufnahmen des Konzerts, ich habe auch noch:



    Meine Sammlung müsste ich mal systematisch durchforsten. Hier noch eine hörenswerte Aufnahme, die vielleicht weniger bekannt ist:



    Schöne Grüße
    Holger

  • Das G-Dur Klavierkonzert von Ravel


    Ich zitiere:


    Er selbst nannte das G-Dur-Konzert »ein interessantes Experiment« im Hinblick auf seine sehr eigenwillige stilistische Position zwischen Prokofjew und Mozart, zwischen Jazz und baskischer Folklore, zwischen Drive und Divertissement.
    Die mondäne Blues-Stimmung des Kopfsatzes wiederum wird durch surreal anmutende Passagen mit Harfen- und Streicherglissandi verfremdet. Im Gegensatz dazu steht der herrliche lyrische Gesang des kantablen Mittelsatzes, eines der schönsten Lieder ohne Worte der Musikgeschichte.


    Die legendäre Aufnahme Arturo Benedetti Michelangelis bleibt bis heute unerreicht in ihrer noblen und innigen Ausgestaltung insbesondere des zentralen "Adagio assai" und der lyrischen Passagen des Kopfsatzes
    Für die ist vor allem im Mittelsatz des G-Dur-Klavierkonzertes viel Raum, diesem von sehr lebendigen, eher mediterran heiteren, oft auch leicht jazzig angehauchten Sätzen umschlossenen Adagio assai. Es ist eine Art Nocturne, vielleicht auch die Erzählung eines Traums in verschiedenen Wach-Stadien, und von Variation zu Variation entwickelt das Soloklavier seine lang gewundenen, ein wenig entrückten Klanggirlanden, entführt uns in einen Zustand schwerelosen Schwebens und scheinbar unendlichen Dahinfließens... *


    Der erste Satz (Allegramente) beginnt mit einem Peitschenschlag, auf den sofort über wirbelnden Klaviergirlanden die Piccoloflöte mit einem an ein baskisches Volkslied erinnernden Thema einsetzt. Schlag auf Schlag tauchen, enorm kunstvoll und doch mit scheinbar leichter Hand aneinandergefügt, gleich vier weitere Themen auf, die zunehmend von der Sphäre des Jazz beeinflusst sind. Formal wiederum bleibt Ravel im Kopfsatz der klassischen Form verpflichtet, wenn auch durch die abwechslungsreiche Instrumentierung so verschleiert, dass weder die ausgelassene Durchführung, noch die raffiniert sich einschleichende Reprise leicht auszumachen sind. Lauscht man jedoch genau, verrät eine zarte Passage mit glitzernden Harfenglissandi und die bald darauf folgende Klavier-Kadenz mit langen Trillerketten den Eintritt der Coda, die den Satz schließlich launig-lärmend beschließt.


    Der zweite Satz (Adagio assai) bildet dazu den denkbar größten Kontrast: Das Klavier alleine singt eine beinahe unendliche Melodie, «die an Mozart erinnert, den Mozart des Klarinettenquintetts …, das schönste Stück, das er geschrieben hat,» meint Ravel, und fügt noch hinzu: «diese fließende Melodie! Wie habe ich um sie Takt für Takt gerungen! Fast hätte es mich umgebracht.» Das Klavier behält dabei in der linken Hand durch den ganzen Satz eine gleichbleibende Figur bei, über der sich in der Folge nicht nur die rechte Hand mit immer neuen Figurationen erhebt, sondern auch die Holzbläser einige der schönsten Orchestersoli der Musikgeschichte beisteuern.

    Meine Erfahrung damit:


    In den letzten Monaten habe ich mich sehr intensiv mit den 5 Klavierkonzerten von Beethoven beschäftigt, am Schluß war es das Vierte, das mich fast täglich begleitet hat.
    Zufällig habe ich vergangenen Sonntag dann das Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel im Rahmen des Osterfestivals von Aix-en-Provence vom 7. April 2018 aufgezeichnet.


    Zu lesen bei ARTE:
    Unter der Leitung von Michail Pletnjow präsentierten das Russische Nationalorchester und der virtuose Pianist Lucas Debargue eine meisterhafte Interpretation dieses komplexen und technisch anspruchsvollen Werks, das Ravel selbst nicht zu spielen vermochte.


    Ravel G-Dur


    Beim ersten Anschauen ist mir die hohe technische Schwierigkeit aufgefallen, das hat Interesse an der Einspielung von ABM geweckt, die bei mir schon länger im Bestand ist, aber bisher ein Schlummerdasein führte.
    Irgendetwas ist bei diesem Klaviekonzert ganz anders, als ich es so kenne.


    Über die Tage habe ich mehrfach von der ABM Einspielung zur Videoaufzeichnung mit Debargue hin- und hergewechselt. Die Kameraführung hat mir dabei sehr geholfen, die entscheidenden Momente der Komposition in den Gesichtern des Solisten und des Dirigenten zu erkennen.


    Was hat mich bisher abgehalten, dieses Werk von Ravel gerne anzuhören?


    Es ist dieser 1.Satz, der einen Liebhaber der Tondichtungen Mozarts und Beethovens regelrecht verschrecken kann.


    Ein Peitschenknall und danach bis 0.50 (ABM Aufnahme) helles, grellbuntes Tongemisch.
    Gott sei Dank kehrt danach etwas Ruhe ein, ab 04.45 wird es mit dem Einsatz der Harfe sogar angenehm melodisch bis es bei 05.29 lärmend weitergeht und ab 07.25 das Klavier ein wildes Miteinander anstimmt, das bei den letzten Klängen plötzlich an den Bolero erinnert.


    Was soll das? Was ist das?


    Ich würde zwischenzeitlich sagen, das ist die Vorbereitung auf das, was im 2.Satz nun kommt.
    Der 1.Satz spült den Hörsinn durch, mit dem Kreuz und Quer, Auf und Ab wird die Aufmerksamkeit stark angeregt und fokussiert, wenn man sich dieser Hörstrapaze bewußt aussetzt.
    Den 1.Satz so nebenbei hören, nein, das geht nicht. Da schaltet der Musikgeniesser entweder ab oder er stellt sich der Aufgabe.
    Das hatte Ravel für mich hauptsächlich im Sinne, er knetet den Zuhörer regelrecht durch.


    Dann beginnt der 2.Satz.


    Geradezu unspektakulär, ruhig, leise kommen die Töne. Ein Gegensatz der krassesten Art zum bisherigen Bombardement.
    Mediativ fließen die Töne bei ABM bis zum Einsatz der Querflöte bei 03.04.


    Was nun kommt, ist für mich mit das Reinste, virginal Schönste, was in Noten niedergeschieben worden ist.


    Bei 03.44 ein Anschwellen, das den ersten Höhepunkt markiert.
    Ab 04.04 sind die Klavieranschläge von ABM in einer Perfektion gesetzt, die nur noch eine große Dankbarkeit hinterlassen, daß diese Aufnahme der Nachwelt erhalten geblieben ist.
    Der zweite Höhepunkt folgt bei 05.28 mit Einsatz der Streicher, der bis zum erneuten Anschwellen bei 06.11 fortgeführt wird.
    Nach Ende des 2.Satzes schalte ich ab, der 3.Satz ist für mich überflüssig, weil danach für mich nichts mehr kommen kann.


    Aber: was im 2.Satz steckt, ist ohne Vorbereitung durch den 1.Satz für mich nicht in dieser Tiefe und Deutlichkeit heraushörbar.

    Karl

  • Hallo Karl,


    aus deinem Beitrag zählst Du Deine eindeutig grossen Schwierigkeiten auf, die Du mit diesem fabelhaften Meisterwerk des 20.Jhd hast ... :| das ist wirklich schade. ;( Schade auch, dass Du nach dem wunderbar gefühlvollen 2.Satz dann den herrlich fetzigen Schlusssatz (3.Satz) ausklammerst.

    Ich hoffe, dass es Dir im Laufe der Jahre, wenn Du Dich vielleicht mehr mit Werken des 20.Jhd. beschäftigen wirst, noch ans Herz wachsen wird. Das Zeug dazu hat dieses wertvolle Klavierkonzert G-Dur auf jeden Fall.


    :angel: Mir persönlich gefällt es in seiner Kontrastwirkung zwischen den 3 Sätzen genau so wie es ist.

    Mein Fazit lautet kurz und bündig: :saint: Genial !

    Der 1.Satz Allegramente ist sicher für den Ersthörer ein starker Kontrast zum 2. Adagio assai; um dann als Schlussatz ein virtuoses Presto anzufügen, das die launige Fröhlichkeit des Allegramente noch einmal auf einen weiteren fastzinierenden Höhepunkt bringt ! Das ist doch insgesamt ein fröhliches und vom Ausdrucksgehalt positives Werk.


    =O Es kann doch nicht immer nur Mozart und Beethoven sein ... dieser Nachfolger aus Frankreich ist mindestens genau so hörenswert ...



    :?:Kennst Du das ebenso tolle Klavierkonzert für die linke Hand D-Dur ?

    Ebenfalls eines der ganz grossen Meisterstücke des 20.Jdh, dass mich mehr begeistern kann, als so mancher Langeweiler aus der reinen Klassik- oder Vorklassik-Epoche.



    Ich schätze übrigens die Aufnahmen beider Klavierkonzerte

    mit Alicia de Larocha / LSO / Lawrence Foster (G-Dur) und Rafael Frühbeck de Burgos (D-Dur)

    Decca, 1974, ADD

  • Hallo Wolfgang,


    "eindeutige Schwierigkeiten damit" würde ich das nicht gerade nennen, wenn mir ein Musikstück so tiefen Eindruck hinterläßt.


    Warum brauche ich den 3.Satz, wenn er mich stört?


    Esse ich alles, was auf dem Teller ist, nur weil es da ist?


    Es grüßt


    Karl

  • Hallo Wolfgang,


    die CD mit Alicia de Larocha / LSO / Lawrence Foster kam am Freitag über Amazon aus England.


    Der 1.Satz hat mir gut gefallen, de Larocha und das Orchester musizieren in vitaler Frische, die Aufnahme ist von sehr guter Qualität, so daß ich sehr gespannt auf den 2.Satz war.


    Da bemerkte ich dann - leider - überdeutlich, wie unverbindlich diese Einspielung ist.


    Alles was ich über die Faszination des 2.Satzes mit ABM geschrieben habe, bleibt aus.


    Wo es regelrecht magisch ab 4.04 und insbesondere ab 5.08 bei ABM wird, ist es bei de Larocha ein kraftloses Dahingleiten der Musik.


    ABM hat für mich ein ganz anderes Verständnis für dieses Werk.


    Karl

  • Damals hatte ich allerdings von Alicia de Larrocha nur die spätere - natürlich auch wunderbare - RCA-Aufnahme mit Slatkin im Blick. Die ältere mit Lawrence Foster ist allerdings wie ich finde noch besser und kommt ABMs olympischem Niveau schon deutlich näher

    Hallo Karl,


    ja - es mag so sein, dass ABM hier nochmal eine Steigerung im 2.Satz erfährt. Holger ist von der Ausnahmeerscheinung ABM auch absolut begeistert, räumt aber ein, dass Larrocha / Foster (Decca) auch nicht weit von ABM entfernt ist.


    Ich persönlich kenne die ABM-Aufnahme nicht und bleibe auf jeden Fall bei meinen höchst zufriedenstellenden Aufnahmen mit

    Larrocha / Foster (Decca),

    Zimerman / Boulez (DG),

    Róge / Dutoit (Decca) - der der Ravel -Orchesterwerke - Box,

    Entremont / Ormandy (SONY) und

    Collard / Maazel (EMI).


    8) Diese Aufnahmen sollten mir für beide fabelhaften Ravel-KK reichen.

    :);) Da sollte man sich im Griff haben und es nicht (schon wieder) mit noch einer weiteren Aufnahme übertreiben.



    :?: Wie kommt denn das Klavierkonzert für die linke Hand D-Dur bei Dir an ?

  • Ja, lieber Karl, ABMs Aufnahme ist magisch und unerreicht. Schön wäre nur, wenn man einen ganz späten Mitschnitt von ihm mit Celi und den Münchener Philharmonikern bekäme um dann ABM mit ABM zu vergleichen.

    Hallo Karl,


    ja - es mag so sein, dass ABM hier nochmal eine Steigerung im 2.Satz erfährt. Holger ist von der Ausnahmeerscheinung ABM auch absolut begeistert, räumt aber ein, dass Larrocha / Foster (Decca) auch nicht weit von ABM entfernt ist.


    Ich persönlich kenne die ABM-Aufnahme nicht und bleibe auf jeden Fall bei meinen höchst zufriedenstellenden Aufnahmen mit

    Lieber Wolfgang,


    eine Sammlung von Aufnahmen des G-Dur-Konzertes ohne ABM ist so etwas wie die Mona Lisa ohne Kopf! ^^ Bei Alicia de Larrocha - besonders bei der älteren Aufnahme - merkt man, dass sie ABMs Aufnahme genau studiert hat. Ich habe übrigens die Vox-Box mit den Ravel-Aufnahmen von Valdo Perlemuter aus den 50igern bei jpc schon vor dem Jahreswechsel bestellt. Da sind auch die beiden Konzerte drin. Bis heute ist die Lieferung aber noch nicht gekommen, wohl weil ich dazu die Schumann-Kreisleriana bestellt habe. ;(


    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo,


    gestern konnte ich mir die Einspielung mit Aimard/Boulez erstmals anhören.


    aimardraveltgj3a.jpg


    Eine Liveaufnahme von 2010.


    Der 1.Satz profitiert von einer ausgezeichneten Aufnahmetechnik, die verschiedenen Orchesterinstrumente treten deutlich und mit ausgesprochen klarem und schönem Klang (stellvertretend die Harfe oder die Triangel) hervor.


    Boulez und das Cleveland Orchester tragen selbstverständlich nicht unmaßgeblich dazu bei, daß es eine wahre Freude ist, diesen etwas sperrigen 1.Satz genießen zu können.


    Das von Ravel hier so meisterhaft angelegte Spiel mit verschiedensten Klängen, Tempos und Lautstärken ist weniger schroff wie bei der ABM Aufnahme, wirkt dabei für mich aber in sich stimmig und geschlossen. Diese Variante ist damit eine echte Alternative zum Vortrag von ABM, da kann z.B. die de Larrocha Einspielung nicht mithalten.


    Da ist man dann schon gespannt, wie der 2.Satz bei Aimard ausfällt. Hier ist der Solist gefragt, weniger das Orchester.


    Und wieder ist ein Griff ins K...


    Ravel schrieb, daß er sich beim 2.Satz mit jeder einzelnen Note herumgeplagt hat, fast die Nerven dabei verloren hätte.


    Und Aimard spielt es ebenso runter wie de Larrocha. So verdammt unverbindlich.


    Und dabei steckt so viel drin, so viel dahinter, wenn man die ABM Aufnahme kennt.


    Schade.


    Gruß


    Karl