Wer kann Rachmaninoff am besten ?

  • Hallo Forum,


    zu meinen erklärten Lieblingen gehört Rachmaninoff, auch wenn ich jetzt Haue beziehe ! Lange Zeit kannte ich nur seine Klavierkonzerte, die zweite Sinfonie und ein paar sonstige Schmankerln. Nun hatte ich schon längere Zeit eine sowjetische Originalpressung mit einer Auswahl seiner Preludes, gespielt von S. Richter zuhause, die ist von 1985, die Aufnahmen sind wohl aus den 70ern. Erst Horowitzens Darstellung zweier Preludes in seiner Moskauer Aufnahme haben mich dann auf den Geschmack gebracht und ich kaufte die Gesamtaufnahme mit Dmitrij Alexejev. Die ist auch nicht übel, ihm fehlt aber, ..wie soll ich das sagen ? Ein Kavallerioffizier würde es wohl die "Fähigkeit, eine Attacke zu reiten" genannt haben. Das kann Richter einfach besser.


    Von Horowitz gibt es gar nicht so viel Rachmaninoff, wie man vielleicht glauben könnte, immerhin waren die beiden in den USA dicke Freunde.


    Wer hat Rachmaninoff noch so richtig gut gespielt, mit der Fähigeit zu lyrischer Zartheit einerseits und der nötigen "Pranke" andererseits. Was habt Ihr im Regal stehen ?


    Holger

  • Hallo,


    Ich finde die Einspielungen mit Hélène Grimaud gar nicht schlecht! (Jetzt beziehe ICH Haue... :D)
    Es ist neben Brahms ihr Lieblingskomponist und sie findet ihn "einfach zu spielen" sie meint damit, dass Rachmaninovs Klavierkompositionen wiklich auf das Instrument abgestimmt sind...
    Ich kann z.B. die CD aus dem Teldec-Ausverkauf mit dem 2.Klavierkonzert, einigen Preludes und den Corelli-Variationen empfehlen.
    Orchester und Dirigent beim Konzert sind das Philharmonia Orchestra unter Ashkenazy. Der Klavierpart ist schön deutlich Artikuliert...die typische und komplizierte Synthese von Klavier und ORchester geht dabei aber nicht verloren!


    Viele Grüße,


    Raphael

  • Wenn wir nicht von den toten Heroen reden, fallen mir spontan drei Pianisten und eine Pianistin ein:


    Boris Berezovsky



    Seine Einspielung der Klaiverkonzerte gehört für mich zu den Neuerscheinungen auf diesem Sektor.


    Bernd Glemser




    Glemser ist zwar längst kein Geheimtipp mehr, für mein Empfinden aber immer noch viel zu sehr im Schatten arrivierterer Kollegen.


    Yevgeni Sudbin:




    Martha Argerich



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Zitat

    Original von Holger66
    Wer hat Rachmaninoff noch so richtig gut gespielt, mit der Fähigeit zu lyrischer Zartheit einerseits und der nötigen "Pranke" andererseits. Was habt Ihr im Regal stehen ?
    Holger


    Hallo,


    Deine Formulierung, lyrische Zartheit einerseits und nötige "Pranke" andererseits trifft IMO 100% auf den georgischen Pianisten Alexander Toradze zu, den ich im vergangenen Sommer mit Rachmaninovs 3. Klavierkonzert hörte (der Mitschnitt dieses Konzertes wurde auch in Österreich gesendet). Dieser Mitschnitt (Dirigent war Valeri Gergijev) hätte es verdient, auf CD herauszukommen.


    Mikko

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner


    Hält dieser Eindruck auch bei geschlossenen Augen an? :pfeif:
    :hello:


    Wenn Du Deine Russen immer mit geschlossenen Augen erkennst...


    :hello:

    Ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück...

  • Eine Pranke, dass es einem schier in den Sessel drückt (ohne - selbstverständlich für diesen Pianisten - wie ein Tastendonnerer zu wirken), hat Emil Gilels bei jenen Préludes, die einst bei Russian Revelation erscheinen sind und inzwischen auch in der Brilliant-Box enthalten sind. Auch hier zu sehen und hören.


    Sonst schätze ich bei den Préludes, überraschenderweise, mehr die Interpretinnen, sogar mehr als den von mir so überaus geschätzten Richter: Zum einen Dame Moura Lympany (Erato; nun billig bei Apex)

    und die wunderbare Marta Deyanova (Nimbus).

    Leider ist letztere Aufnahme mit einer Saal-Akustik aufgenommen worden, also die Mikrophone wenig nahe am Instrument positioniert worden.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Na ja, für mich ist das Klavier-Stöhnchen eher nichts, seit ich sie live schnaufen hörte und auch optisch wenig beeindruckt war... :D


    Ich würde von den lebenden ebenfalls am ehesten für Berezowskij votieren, der mir mit seiner perfekten Verbindung von Intellekt und Emotion sehr entgegenkommt. Und Glemser ist ebenfalls wert, gehört zu werden.


    Toradze ist tatsächlich fabelhaft, richtige russische Pranke, aber doch auch wieder sehr differenziert - allerdings gibt's von ihm noch keinen Rachmaninow.


    :hello:

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Na ja, für mich ist das Klavier-Stöhnchen eher nichts, seit ich sie live schnaufen hörte und auch optisch wenig beeindruckt war... :D


    Welches?

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • @Raphael: Die Aufnahmen kenn ich nicht, leider. Die schöne Helene aber schon.


    @ Edwin: Ja, Grimaud ist eine schöne Frau, aber das hätte ich nicht erwartet, tststs ! Im Prinzip teile ich Deine Meinung aber, daß Rachmaninoff von russischen Pianisten (und Pianistinnen, da gibt es sicher auch welche, die so gut aussehen, wie sie spielen: Pfui wir Chauvis !) am ehesten so vorgetragen wird, wie er sich das wohl vorstellte.


    @Christian: Berezovsky habe ich mal im Fernsehen gesehen/gehört, leider nicht mit SR: kraftvoll und unprätentiös.


    Mikko : Toradze werde ich mir merken. Gehört habe ich diese Aufnahme nicht.


    klaus : Dieser Tage konnte ich ein Schellack-Album mit dem 2.KK von ´29 kaufen. Man merkt an diesen Aufnahmen sehr wohl, daß SR vermeiden wollte, den Kitsch zu vermeiden, den andere damals mit seinen Werken schon servierten. Sehr nobel und zurückhaltend, distinguiert eben.


    @Alle: Und wer bekennt sich jetzt dazu, so wie ich, SR ernsthaft zu mögen, epigonaler Ewiggestriger, der er nach der Ansicht so vieler ja war ?


    Holger

  • Hallo,


    Ich liebe Rachmaninov sehr!...mir ist progrssivität in der Musik relativ egal - Hauptsache, es gefällt...! :D
    Highlights sind für mich natürlich die Klavierkonzerte, Paganini-Variationen Etudes-Tableaux, und vor allem die Toteninsel!!!


    Viele Grüße,


    Raphael


    PS: Ich weiss, meine Auflistung zeugt von konventionellem Geschmack..obschon es ja bei Rachmaninov auch nicht sooooo viel auswahl gibt... :D

  • Raphael,


    das ist ja gerade das Problem an ihm: die meisten Musikliebhaber kennen nur relativ wenig von ihm, ich schließe mich da durchaus ein. Er hat aber auch ganz viel Chormusik für sakrale Zwecke geschrieben, die noch heute in Rußland hochgehalten wird, wovon man aber hier nichts kennt.


    Holger

  • Hallo zusammen,


    ich habe mir die hp der Deyanova eben angesehen: viel Musik drauf. Nicht immer optimal aufgenommen, aber sie spielt so, wie es mir gefällt. Sie ist keine Grimaud, insofern schadet es nicht, die Augen zu schließen... ;)


    Holger

  • Zitat

    Original von Holger66


    @Alle: Und wer bekennt sich jetzt dazu, so wie ich, SR ernsthaft zu mögen, epigonaler Ewiggestriger, der er nach der Ansicht so vieler ja war ?


    Ich :D :D :baeh01:


    Das gilt für die Klaviermusik und die symphonische Musik. Was die Klaviermusik angeht: Aber besonders angetan hat es mir seine geistliche Chormusik: Die ganznächtliche Vigil op. 37, beispielsweise.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Ave Caesar!


    Ach, echt? Die Vesper?...Hm..die verstaubt schon siet einem Jahr im CD-Regal, ohne das ich sie je einemal angehört hätte... :untertauch:...hole ich SOFORT nach...!!!


    Viele Grüße,


    Raphael

  • Zwei Pianisten möchte ich hier nennen, von dene ich wunderbare Rachmaninoff Aufnahmen kenne:


    Alexis Weissenberg: Die in meinen Augen besten Rach Sonaten (v.a. wenn man sie mit Aufnahmen junger Pianisten, z.B. Lang Laaang, vergleicht)


    Ashkenazy: wunderbare, sehr ausgewogene preludes; hier ist dieser Meister ganz in seinem Element


    Gerne würde ich mehr über R. Chormusik erfahren.....:)


    Was ich an Rachm. ausserdem sympathisch finde ist, dass er eine (wunderschoene) Cellosonate aber keine Violinsonate geschrieben hat, ha!

  • Hallo Holger!


    Natürlich, ich liebe Rachmaninov auch, so weit ich ihn kenne!! Ich meine...hey...um bei den Klavierkonzerten (völlig unterschätzt IMO das 1.!!)
    reglos zu bleiben muß man entweder taub oder ein kühler Intellektualist sein :P


    Im Ernst: Ich schätze Rach, v.a. seine tolle Paganini-Rhapsodie, bei der ich immer noch nach der für mich idealen Int. suche....


    Und warum solltest Du Haue beziehen?? Ich glaube, hier gibt es viele Rach-Anhänger.


    Einsprüche gäbe es vielleicht nur, wenn Du ihn als den bedeutendsten Komponisten aller Zeiten bezeichnen würdest. Ich glaube, dann wäre ein gewisser JR schnell zur Stelle (nicht wahr, Johannes?? :baeh01: )


    Aber für die Nennung eines Lieblingskomponisten, der über alle Zweifel zu den Großen seines Fachs gehört, was soll daran falsch sein??


    Wenn Du wirklich Mißmut erzeugen möchtest, dann tu doch mal dem Herrn Baumgartner kund wie sehr du Chrennikow schätzt und für was für eine liebenswerte Person Du ihn hältst :P


    :hello:
    Wulf

  • Ich möchte wie Flotan auf die Aufnahme der Preludes mit Ashkenazy hinweisen:



    Sehr nobles Klavierspiel, Ashkenazy paukt nie, bleibt immer im Rahmen gesunder dynamischer Extreme, spielt die lyrischen Stellen mit großartig singendem Ton. Vielleicht ist das manchem eine Spur zu beherscht, ich finde es gerade in dieser Ausgewogenheit großartig.


    Weiterhin möchte ich auf die Aufnahme des ersten Klavierkonzerts mit Krystian Zimerman hinweisen:



    Eine großartige Aufnahme und auch, wenn die Aufnahme des 2. Klavierkonzerts ebenfalls gut ist, erscheint mir die des ersten zwingender. Darüberhinaus gibt es ja eine Menge berühmter Referenzen für die Konzerte 2. und 3., das ist eine für die 1.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Wulf


    Im Ernst: Ich schätze Rach, v.a. seine tolle Paganini-Rhapsodie, bei der ich immer noch nach der für mich idealen Int. suche....


    Und warum solltest Du Haue beziehen?? Ich glaube, hier gibt es viele Rach-Anhänger.


    Lieber Wulf,


    kennst Du die Aufnahme der Paganini-Rhapsodie? Ein ganz heißer Kandidat- wenn Du mich fragst :D Übrigens bekommst Du auf der CD auch als Dreingabe die Klavierkonzerte 1 & 4 geboten.



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Lieber Christian,


    danke für den Tip. Na ja, mit Bernd Glemser bin ich ja schon sehr zufrieden. Aber reinhören werde ich dann mal schon. :yes:


    Ich habe letztens einen Film über Boris B. gesehen. Sonderlich sympathisch war mir der Mensch jetzt nicht, aber davon laß ich mich nicht beeinflussen.


    Ich finde es beachtlich, daß er das bei Interpreten völlig links liegen gelassene Werk "Ludus tonalis" von Hindemith eingespielt hat und daß er sich ohnehin für selten gespieltes Repertoire stark macht....


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Wulf


    Ich finde es beachtlich, daß er das bei Interpreten völlig links liegen gelassene Werk "Ludus tonalis" von Hindemith eingespielt hat und daß er sich ohnehin für selten gespieltes Repertoire stark macht....


    :hello:


    Finde ich auch! Und auch wenn ich nicht der gerade Hindemith-Experte bin: Mich hat Berezowskys Ludus fasziniert, so gar nicht mit der großen Pranke des Mega-Virtuosen.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Da melde ich mich laaanger Zeit doch auch mal wieder kurz zu Wort.


    Rachmaninov ist einer meiner Favoriten, vor allem was seine Klavierkonzerte und die Soloklaviermusik angeht.


    Am besten gefällt mir, vor allem bei den Preludes, auch Berezovsky. Ich habe gerade nochmal in diese Aufnahme hier reingelauscht - sehr empfehlenswert:


  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Hallo a.b.,
    die mit den Wölfen keucht.


    Ich dachte schon verwundert, Du meinst Deyanova oder Lympany...


    Ich konnte Grimaud leider nie im Konzert erleben, kann also über ihre Ausstrahlung gar nichts sagen. Wohl aber weiß ich ihre DENON-Brahms-Sonaten sehr zu schätzen. Sonst hat mich bislang nichts überzeug (auch nicht ihr ERATO-Brahms) - schon gar nicht das neue Zeugs bei der DGG. Mir ist einfach schleierhaft, wie man mit Wölfen zusammenleben kann (denen man ja völlig offen begegnen muss, um nicht angefallen zu werden), jedoch bei Kammermusikpartner wie Mörk oder Otter so vernagelt uneinfühlsam sein kann, um mich Deiner Ausdruckweise anzunähern.
    ?(

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

    Einmal editiert, zuletzt von a.b. ()

  • Zitat

    Original von Holger66
    ich habe mir die hp der Deyanova eben angesehen: viel Musik drauf. Nicht immer optimal aufgenommen, aber sie spielt so, wie es mir gefällt.


    Sehr empfehlenswert neben den Rach. Préludes insbesondere die Schumann-CD. Der Mozart gefiel mir aber kaum.


    Eine stark unterschätzte Musikerin (als Gegensatz zu "Intrumentalistin" gemeint) - zumindet von den Aufnahmen her beurteilt.

    Gruß ab


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    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Wer kennt die Einspielung der Klavierkonzerte durch Kun Woo Paik (RCA) und weiß diese zu schätzen?


    Gruß ab


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    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke