Wolfgang Amadeus Mozart: Klaviersonate Nr 10 in C-dur KV 330

  • Liebe Mozartfreunde,


    die Klaviersonate Nr 10 KV 330 wurde mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit 1783 geschrieben.Ihre Bewertungist schwierig, teilweise wurde sie sogar als "Hausmusik für Schüler" abqualifiziert.


    Mir persönlkich fällt es schwierig ihr eine Stimmung zuzuordenen, nachdem ich mehrerer Interpretationen gehört habe.


    Zunächst habe ich mich entschlossen, Alfred Brendels Einspielungenen mal beiseite zu lassen und zu sehen, was es denn hier sonst noch gibt.


    Jenö Jandö beginnt die Sonate forsch und fröhlich, relativ schnell, perlend, den Diskant ein wenig stakkatoartig, dabei betont er auch das Rhythmische. Unproblematisch und leicht- vielleicht ein wenig zuuu leicht, werden Beckmesser sagen. (?)



    Dem Interpretationsansatz gemäß liegen Jandó die Ecksätze mehr als das Andante cantabile.


    Völlig anders bietet sich das Werk unter den Händen von Michael Endres in seiner Einspielung für OEHMS Classics dar. Ich persönlich muß mich immer erst einhören, bis ich mich auf ihn eingestellt habe, um dann festzustellen, daß er ganz wunderbar ist, allerdings sehr schwer zu beschreiben.
    Sein Beginn der Sonate ist noch schneller als jener von Jandö, zugleich fehlt aber das forsche fröhliche, wo andere Pianisten Brillanz auskosten spielt Endres scheinbar belanglos drüber hinweg, oder besser gesagt er untertreibt, der Diskant ist hingetupft aber eher weich als auftrumpfend, dazwischen immer wieder Ausbrüche der tiefen Lagen hörbar. Dennoch leicht melancholisch oder besser gesagt nachdenklich (bei allem Tempo). Folgerichtig gelingt Endres der Mittelsatz besonders gut, er klingt überirdisch schön.Alles in allem ein grüblerischer eher dunkler Mozart of hohem Niveau.



    Und wieder eine andere Lesart: Der österreichische Pianist Gilbert Schuchter wiederum spielt sehr diskantbetont, entspannt und langsam, aber nicht temperamentlos. (Label :Tudor)
    Die kürzere Spieldauer trügt: Er lässt Wiederholungen weg.
    Hier ist nicht forsches, nichts leichtes, kein Revolutionär, sondern nur eine selbstverständliche Musikalität, wie ich sie auch von Wilhelm Backhaus (in den späten Jahren) in Erinnerung habe.
    Fast hätte ichs vergessen: Schuchter spielt auf einem Bösendorfer-Flügel. (Die Firma ist seit 2 Jahren wieder in österreichischem Besitz ,-)




    Natürlich sind die Beschreibungen subjektiv und werden, ja sollen sogar auf Widerspruch stoßen.


    Mehr als 3 Interpretation kann man iMO nicht sinvoll vergleichen, daher freue ich mich auf "Rezensionen " anderer Interpretationen dieses Werks.


    Immer wieder wird gelächelt, wie man sich doch mehrere Aufnahmen ein und desselben Werkes kaufen und anhören kann. Ich muß dazu sagen: Mir erschließt sich ein Werk erst, nachdem ich es mehrfach gehört habe, vorzugsweise in verschiedenen Interpretationen...



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred


    .

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Salut, Sigr. Alfredo (und alle anderen natürlich!),


    ich quäle mich eigentlich nie mit irgendwelchen Aufnahmen, weil mir sowieso (fast) keine ausnahmslos gefällt... selber kann ich's aber auch nicht besser.


    Wenn Du mich aber schon so fragst: Ich höre Mozartsonaten - wenn überhaupt - dann von LP (Clara Haskil oder Walter Gieseking).


    Am liebsten höre ich gar keine Musik, sondern lese die Partituren. Das reicht mir völlig - und ich habe einen vollkommen unbeeinflussten Genuß!


    Doofe Antwort, gell?


    Grüße, Ulli

  • Hallo Alfred


    Auch für mich ist die KV 330 etwas ganz besonderes, da sie die einzige Sonate ist, von der ich wenigstens den langsamen Satz einigermaßen anständig aus dem Klavier zaubern kann.
    Ich besitze unteranderem diese Aufnahme des greisen Horowitz

    Die Akkustik ist schlecht, da die Aufnahme in Horowitz New Yorker Haus entstand. Zur Qualität der Interpretation vermag ich wenig zu sagen, da ich sie durchaus ungewöhnlich finde. Was im Mittelsatz so kautzig und unmozartisch klingt, die Phrasierung im ersten Takt, ist durchaus berechtigt, da Mozart hier seltsame Bindebögen und ein überraschenden Akzent auf das C nach dem Schnörkel setzt.
    Die Texte im Booklet sind von Horowitz selbst und lesenswert.


    Werde später vielleicht noch andere Aufnahmen vorstellen und die "Analyse" dieser Horowitz-Aufnahme fortsetzen.


    Freut mich aber, daß Jandö einen Mozartzyklus macht, wußte ich bisher nicht. Dann werde ich mit Jandö endlich meine fehlenden Mozartsonaten vervollständigen.
    Gruß, Markus

  • Salut,


    ich habe neulich Probenaufnahmen mit anschliessendem Konzert des A-Dur Klavierkonzertes KV 414 mit Horowitz gesehen... das war ein echter Horror-Witz, also nichts für mich... bin da leider SEHR eigen, aber dies hatte mit Mozart rein garnichts zu tun...


    Grüße, Ulli

  • Salut, Alfred,


    nun aber auch zu Deiner heiß geliebten C-Dur-Klaviersonate, KV 330 – Paris 1778. Meiner Meinung nach – hm, da steht’s ja auch – also, ich wollte gerade sagen, die Sonate ist nach der a-moll-Sonate KV 310 eher ein kompositorischer Rückschritt, als ich entdecke, dass in Klammern KV 300h steht. War also jemand vor mir genauso schlau…


    Interpretatorisch: Ich spiele diese Sonate, obwohl ich sie eigentlich stilistisch nicht so gerne habe, weil sie auffallend viele Einzelheiten hat. Ich meine die extremen dynamischen Anweisungen, die häufiger als sonst wechselnden Anschläge der selben Themen (mal staccato, mal legato) und die ein gewisses Maß an Technik erfordernde Brillanz des letzten Satzes. Der erste Satz ist für mich ein blubberndes Bächlein, elegant dahinplätschernd… ähnlich eigentlich Schubert’s „Forelle“ oder dem gleichnamigen Quintett. Beginnend Takt 19 Mozart’s Lieblingsthema. Ab und an „a bisserl a Aufregung“ und dann verläuft das Bächlein unauffällig im Sande… Die Anweisungen Mozart’s sind so explizit, dass er kaum (außer dem Anschlag und der Wahl des Instrumentes) Freiheit für Interpretation lässt. Nach dem quirligen ersten Satz ein Ruhemoment in F-Dur mit dem schönen f-moll-Mittelteil, der – zumindest für die damalige Zeit – einiges an „Dissonanzen“ und kühnen Wendungen parat hat. Der letzte Satz ist wenig musikalisch in meinen Ohren, dafür etwas für schnelle Hände, ein Bravour-Stück also, wie es in Paris gebraucht wurde.


    Meine liebste Solo-Klaviermusik vom WAM sind das Adagio B-Dur aus der Sonate KV 332 (300k), die gesamte Sonate B-Dur KV 333 (315c – die mit der Kadenz im letzten Satz, einmalig!), die c-moll-Sonate mit Fantasie, die „zusammengestückelte“ Sonate F-Dur KV 533 u. 494 (da besonders auch der zweite Satz) und die Jagd-Sonate (letzte) in D-Dur wegen der Kühnheiten im 1. und 2. Satz und als Krönung das a-moll-Rondo KV 511 vom 11. März 1787…


    Viele Grüße, Ulli

  • Hallo,


    Zu der Klaviersonate Nr.10 in C-dur, KV 330, von W.A. Mozart muss folgendes noch angefügt werden.
    Die Entstehung kann nur vermutet werden. Einige behaupten gar, sie sei um 1778 komponiert worden,
    da im 2. Satz: Andante cantabilie dass im leisen f-moll Mittelteil Mozarts Schmerz über den Tod seiner
    Mutter beinhalten soll.


    Aus meiner zahlreichen Sammlung von LPs nenne ich die Aufnahme von Elly Ney, (1882-1968 ) eingespielt von 1961 im 80. Lebensjahr...



    Foto: Elly Ney + Wilhelm Kempff


    Elly Ney berühmt als Beethoveninterpretin überzeugte auch in der Darstellung der Mozartschen
    Klavierkonzerte. Sie spielt das Klavierkonzert Nr.10 von herber Schönheit bis zu einer gewissen
    Ingnoranz der Interpretation, wie Mozart musikalisch umzusetzen ist. Ein Tribut ihres Alters?
    Eine neuzeitliche CD ist erschienen bei jpc...


    Colosseum
    ADD, 61-64
    Veröffentlichung geplant
    zum 20.8.2002


    Bestell-Nr.: 6207605



    Eine weitere Einspielung als LP aus den 50er Jahren in meinem Besitz:
    Als ihre große Konkurrentin und Gegenwartspianistin ist hier Clara Haskil (1895-1960) zu nennen.


    Ihre Musikinterpretation der Mozart-Klavierwerke aus den 50er Jahren haben Geschichte geschrieben, Man wird von ihrem Spiel und musizieren sofort eingenommen. Sie versteht es hervorragend, Mozart
    zu interpretieren und zu verinnerlichen. Kritiker sagen: Aufgrund ihrer Erkrankungen (Gehirnoperation,
    Rückenleiden, Vereinsamt) blüht sie in ihrem Klavierspiel, was zu ihrer Heimat wurde, förmlich auf.
    Ihr musikalischer Ton spricht und teilt mit, ihr Anschlag ist unvergleichlich, die Musik beginnt zu atmen
    und zu klingen, sie versteht es, ihrem Spiel Glanz und natürliche Einfachheit mitzugeben.
    Sie ist als eine der grössten Mozart-Pianistinnen des 20. Jahrhunderts anzusehen, die das Klavierkonzert
    nachstehend von WAM Nr. 10, fantastisch umsetzt und musikalisch und Anschlagstechnisch perfekt interpretiert.
    Leider verstarb sie durch einen Unglücksfall im 60. Lebensjahr zu früh!!!
    Aus der Historie heraus gesehen ein Muss, diese neu eingespielte CD zu besitzen und wärmstens zu empfehlen....





    Erschienen bei Philips (028945682921)
    Veröffentlicht: 9. März 1999


    Neuzeitlichere Aufnahmen der Klaviersonate.Nr.10 besitze ich leider nicht...



    Herzliche Grüsse
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Ein weiteres pikantes Häppchen für diesen Thread:



    Glenn Gould, 11.8.1970 - An einem EINZIGEN Tag aufgenommen...!? wie untypisch für Gould! :P


    Ich habe großes Verständnis für diejenigen, die diese Aufnahme als Verbrechen an Mozart bezeichnen. Für eine Aufnahme auf den vorderen Plätzen der Interpretationsgeschichte halte ich sie auch nicht. Goulds Steinway klingt hier wieder besonders widerlich und abgenudelt, wie ein billiges Klavierflittchen :lips:
    Doch was ist an Goulds Spiel, daß ich doch irgendwie gebannt dem Geschehen lausche??? Ich weiß nicht!!!

  • Thomas Bernhard fragte sich


    Zitat

    Doch was ist an Goulds Spiel, daß ich doch irgendwie gebannt dem Geschehen lausche???



    Ooooch da wür ich mir an Deiner Stelle gar keine besonderen Gedanken drüber machen. James Dean beispielsweise liebte es beispielsweise, wenn auf seinem Körper glühende Zigarettenstummel ausgedrückt wurden, daher auch der Spitzname in Insiderkreisen " The Human Ashtray"..... ;)


    Viel Spaß noch


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Sagitt meint:


    Darf man hoffen, dass Gould in irgendeiner Hölle sitzt und pausenlos die sonate facile KV 545 spielen muss ? Schön wäre die Strafe für seine Verbrechen an Mozart.


    Was macht die Sonate KV 330 so schwierig ? Sicher, dass sie jeder spielen kann, der sich halbwegs auf dem Klavier zurechtfindet. Es gibt keine Noten, hinter denen man sich verstecken kann.


    Die Rückkehr zur Schlichtheit ist eine der schwierigsten Rückwege.


    Haskil hat es gekonnt. Auf eine vertracktere Weise können es Zacharias und Pires auch.

  • Zitat

    Original von Ulli
    ... C-Dur-Klaviersonate, KV 330 – Paris 1778. ....Der letzte Satz ist wenig musikalisch in meinen Ohren, dafür etwas für schnelle Hände, ein Bravour-Stück also, wie es in Paris gebraucht wurde.


    Das sehe ich doch etwas anders.
    Die Sonate wird - dem heutigen Forschungsstand zufolge - nicht der Pariser Zeit zugeordnet, sondern gehört eher zur Trias KV 330-332 der Salzburger/Wiener Zeit ab 1783. Höchstwahrscheinlich sogar als Unterrichtsstück geschrieben, da Mozart dadurch Geld verdienen und mit neuen, noch spielbaren Stücken aufwarten mußte.
    Der vielfach erwähnte - aus meiner Sicht mißinterpretierte - Bezug zum Tode der Mutter (Juli 1778 ) im Andante cantabile (f-moll Passagen) wäre wohl eher in der großen a-dur Sonate KV 310 zu suchen, wenn überhaupt.


    Viele Notenausgaben sind noch "korrupt" und entsprechen nicht (mehr) dem aktuellen Stand, so auch mein Wiener Urtext aus den Anfängen der 1970er Jahre - auch wenn ich mir diese Ausgabe erst 1996 zugelegt habe - und selbstverständlich auch die Edition Peters von 1921.


    Gerade die kaum spürbare Spannung zwischen den beiden Themen des Finalsatzes bewirkt eine Geschlossenheit, die durch Melodie-Einfälle aufgelockert wird.


    Was mich im Allegretto immer wieder verwundert wie auch bezaubert ist die anfängliche Melodie, die mich irgendwie an das Italienische Konzert von Bach erinnert, wobei nicht der Eindruck erweckt werden soll, das Mozart und Bach musikalisch Gemeinsamkeiten hätten.


    Einstein hatte gerade diese Sonate als Meisterwerk bezeichnet, in dem jede Note sitzt....eins der liebenswertesten , die Mozart je geschrieben hat...
    Vielleicht etwas übertrieben, aber seine weitere Bezeichnung "Anmut" trifft hier eher den Ausdruck der Sonate.
    Schlicht und arabeskenhaft (insbesonders 1. Satz) dürfte es auch treffen.


    Zahlreiche Aufnahmen befinden sich in meiner Sammlung, jedoch stört mich bei den unterschiedlichen Interpretationen immer die Wahl des Pianisten, ob und welche Wiederholungen er spielt.
    Nicht immer erachte ich es für angebracht - gerade bei Mozart - den Voschlägen des Komponisten zu folgen.


    Meine Wahl fällt somit auf zwei Damen der Pianisten-Garde:


    Maria Joao Pires (Denon 1974)


    und die großartige Gitti Pirner (Farao, Aufnahmedatum nicht angegeben)


    Beide Einspielung, auch die frühe Pires, sind DDD aufgenommen, allerdings ist das Klangbild nicht tadellos. Die Denon-Aufnahme ist recht steril, bei Pirner stört extrem der stumpfe, hohl wirkende Klang der Bassnoten.
    Da ich jedoch beide Künstlerinnen auch live mit dieser Sonate gehört habe, war der Klangaspekt bei meiner Wahl hier von untergeordneter Bedeutung.
    Trotzdem ist die Interpretation bei beiden Pianistinnen ausgezeichnet, wobei Pires nicht immer die Flüssigkeit des Spiels aufweist, für die sie in der späteren Gesamteinspielung für die DGG geradewegs gefürchtet ist, mich jedoch da durch das Spielen aller Wiederholungen in einigen Sonaten enorm langweilt oder zur Weissglut bringt....


    Im 1. Satz wird nur die 1. Wiederholung gespielt, im 2. Satz spielt Pires nur die 1., Pirner dagegen alle Wiederholungen, beide lassen die Wiederholungen des 3. Satzes außer acht.


    Allegro moderato: Pirner 6:38 - Pires 6:25
    Andante cantabile: Pirner 7:11 - Pires 4:59
    Allegretto: Pirner 4:16 - Pires 3:55


    Ein "Schmankerl" technischer Art soll nicht unerwähnt bleiben: Denon hat in vorbildlicher Weise die einzelnen Sätze/Tracks mit bis zu 8 Indexen versehen (wie schon das Label Amadeo bei den Gulda-Beethoven-Sonaten).
    So kann man - sieht das der CD-Player vor - zwischen den einzelnen thematischen Bereichen der jeweiligen Sätze vor- und zurück springen, was sowohl einen Vergleich vereinfacht wie auch bei Wiederholungen das ungenaue "Vorspulen" nicht indexierter CDs verbessert.


    Michal Endres' Interpretationen haben es mir darüber hinaus auch angetan, er wurde jedoch bereits hier erwähnt.


    Glenn Gould spreche ich - genauso wie dem heutigen Alfred Brendel - jegliches Urteilungsvermögen in puncto Mozart-Sonaten ab. Was der eine zu schnell und unbeherrscht ist und sich klangtechnisch mehr an Bach und Haydn orientiert, verhunzt der andere durch seine enorme Kitschigkeit und unpassenden Verzierungen wie Ausführungen.

    Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, den Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen. [frei nach George Orwell]

  • Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:


    Darf man hoffen, dass Gould in irgendeiner Hölle sitzt und pausenlso die sonate facile KV 545 spielen muss ? Schön wäre die Strafe für seine Verbrechen an Mozart.


    Sollte genussvolles Hören der Interpretation als Beihilfe zu diesem "Verbrechen" gelten, bekenne ich mich gern als vollkommen schuldig.

    Gruß,
    Gerrit

  • Zitat

    Original von jpsa
    Das sehe ich doch etwas anders.
    Die Sonate wird - dem heutigen Forschungsstand zufolge - nicht der Pariser Zeit zugeordnet, sondern gehört eher zur Trias KV 330-332 der Salzburger/Wiener Zeit ab 1783. Höchstwahrscheinlich sogar als Unterrichtsstück geschrieben, da Mozart dadurch Geld verdienen und mit neuen, noch spielbaren Stücken aufwarten mußte.


    Salut,


    NEIN! Ich widerspreche und wiederhole mich - Mozartforschung hin oder her - Diese Sonate ist eindeutig vor der a-moll-Sonate entstanden, und zwar einiges an Zeit. 1783 kommt überhaupt nicht in Frage! Den Bezug zum Tode Mutter halte ich auch für Quatsch, dafür muss ja die a-moll-Sonate bzw. die e-moll-Sonate für Klavier und Violine KV 304 herhalten. Der f-moll-Mittelteil ist gar nicht sooo tragisch, dass man dabei an Tod denken muss... dafür gibt es ganz andere Klavierwerke Mozart's.


    Zitat

    Original von Thorsten_Mueller


    Sollte genussvolles Hören der Interpretation als Beihilfe zu diesem "Verbrechen" gelten, bekenne ich mich gern als vollkommen schuldig.


    Ich kenne zwar (leider!) die Mozart-Einspielungen Glenn Gould's nicht, aber kann mir vorstellen - in Anlehung an sein Bach-Oeuvre - dass die Interpretation einfach saumäßig geil ist, wenn auch nicht authentisch... muss mir das wohl mal kaufen und zum Mitschuldigen werden.



    Viele Grüße, Ulli

  • Also zur Ehrenrettung dieser Mozart CD von Glenn Gould muß ich sagen, daß ich seine Aufnahme der Sonate Nr.8 a-moll KV 310 wirklich ganz optimal finde, hierbei dürfte eher ein Konsenz zu finden sein.
    Die KV 330 ist da wie gesagt schon eigenartiger. "Saumäßig geil" (Ulli) ist tatsächlich die KV 310 - die KV 330 ist eher subotimal IMO.
    Gruß, Markus (ehemaliges Mitglied der Gouldianer-Sekte)

  • Und mal was Neues:

    Gustav Leonhardt, Seon/Sony, 1971
    Ich mag Gustav Leonhardt als Bachinterpret sehr, aber sein Mozart ist nix für mich. Er spielt auf dem Hammerklavier - da kann ich auch gleich bei Goulds Flügel bleiben :P
    Seine Interpretation ist "gewichtig" bis bleischwer - nein, so will ich Mozarts Sonaten nicht hören.
    Gruß, Markus

  • Salut,


    damit ich hier nicht als blödsinnfaselnd abgestempelt werde: ich habe soeben in der NMA nachgeschaut und muss jpsa Recht geben in dem, was da behauptet wird... die NMA gibt an, die Sonate stammt aus dem Jahre 1783; zusammen mit der A-Dur und F-Dur-Sonate.


    Abgedruckt ist ein Faksimile des 2. Satzes der C-Dur-Sonate KV 330. Die Schrift passt schon zu 1783 und der "türkische Marsch" sollte ja vielleicht auch in der Nähe der "Entführung" sein (1784).


    Trotzdem klingen der erste und letzte Satz für mich so, als gehörten sie zu den ersten Sonaten Mozart's KV 284ff. Vielleicht hat er doch zumindest die C-Dur-Sonate für den Artaria-Druck abgeschrieben und den 2. Satz neukomponiert... dies Sonate passt nicht in dieses Jahr! Dafür spricht jedenfalls, dass die letzten Takte des 2. Satzes von Mozart nicht geschrieben wurden, sondern lediglich im Druck erschienen sind... vermutlich in "größter Eyle".


    [bescheuertes CD-Cover über mir...]


    Gute Nacht!


    Ulli

  • Die Sonate KV 330 wurde früher tatsächlich anders eingereiht. Die Zuordnung ins Jahr 1783 stammt erst aus Forschungsergebnissen der letzten Jahre.


    Gruß
    aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Liebe Forianer,


    das Mozartjahr ist eine gute Gelegenheit um diesen Thread "wiederzubeleben", in jüngerer Zeit sind mehrere Neuaufnahmen der Sonate erschienen, spontan fallen mir da zwei ein:


    Mikhail Pletnev:



    und:



    Lang Lang:




    Kennt Ihr die Einspielungen?



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hallo,


    ich bin immer noch zwiegespalten ob der Pletnev-Aufnahme (Lang Lang kenne ich nicht). Einerseits gefällt sie mir schon gut, andererseits hinterlässt sie bei mir ein mulmiges Gefühl von: Das ist nicht Mozart. Etwas zu dick aufgetragen, eher romantisch als klassisch.


    Ich würde gerne mal die 'Gulda-Mozart-tapes' hören. Kennt die inzwischen jemand?


    Gruß, Cosima

  • Zitat

    Original von Cosima



    Ich würde gerne mal die 'Gulda-Mozart-tapes' hören. Kennt die inzwischen jemand?


    Salut,


    die Gulda-Tapes werden ja derzeit recht günstig angeboten:



    24,99 € für 3 CDs bei jpc, vielleicht irgendwo noch günstiger.


    Vor ein paar Tagen kam Gulda im TV mit KV 397, 494, 475 und 457. Ich weiß nicht, ob diese Aufzeichnung mit den 'Tapes' identisch ist - es war gigantisch schnell in den Hauptsätzen, aber eben auch: gigantisch. Ein paar verschmerzliche Verspieler, die langsamen bzw. Mittelsätze rührend!


    Ich würde zugreifen. Wenn's Dir nicht gefällt, kaufe ich sie Dir ab. Ist das ein Angebot?


    Cordialement
    Ulli

  • Hallo Ulli,


    danke für das Angebot, aber ich bin ziemlich sicher, dass sie nicht mehr hergeben werde, wenn ich erst einmal besitze. ;)


    Was mich noch abhält ist die angeblich schlechte Klangqualität. Die Aufnahmen sind aus 1981, stammen von Tonbandkassettenaufnahmen, da die Originalbänder wohl nicht zu gebrauchen waren (was war da eigentlich genau passiert?). Normalerweise hält mich eine miese Qualität nicht vom Kauf ab, aber in diesem Falle gäbe es alternativ noch andere Mozart-Sonaten von Gulda, die ich auch noch nicht kenne.


    Vielleicht höre ich im Geschäft mal rein und entscheide dann.


    Gruß, Cosima

  • Zitat

    Original von Cosima



    Vielleicht höre ich im Geschäft mal rein und entscheide dann.


    ...und dann berichtest Du... bitte!


    Wenn das wirklich so ist - mit den Tonbandaufnahmen - wie Du es beschreibst, dann handelt es sich ja eher um ein Zeitdokument, als um Mozart-Einspielungen.


    :hello:


    LG
    Ulli

  • Zitat

    Vor ein paar Tagen kam Gulda im TV mit KV 397, 494, 475 und 457. Ich weiß nicht, ob diese Aufzeichnung mit den 'Tapes' identisch ist


    Das kann nur dann der Fall sein, wenn jemand ein Verfahren entwickelt hat, um aus Musikcassetten Bildinformation herauszuholen. 8)


    (Und sie sollte noch Ähnlichkeit mit Gulda besitzen... :stumm: )

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Liebe Cosima, lieber Ulli,


    schaut doch mal auf der Internetseite der DG vorbei, dort gibt´s einige Hörbeispiele der Aufnahme.


    Herzliche Grüße.:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Zitat

    Original von Caesar73
    schaut doch mal auf der Internetseite der DG vorbei, dort gibt´s einige Hörbeispiele der Aufnahme.


    Klingt ein bisschen rauschig und über meine PC-Lautsprecher sowieso nicht so toll, aber insgesamt nicht so schlecht wie ich befürchtet hatte. Aus der 6. Beethoven-Symphonie unter Carlos Kleiber haben Tontechniker ja seinerzeit auch noch richtig Ordentliches herausholen können. Die hatte doch auch nur auf einer Musikkassette überlebt.


    Ich habe ja bald Geburtstag; vielleicht schenke ich sie mir. :)


    LG, Cosima


    P.S.: Ich war vor kurzem übrigens schon mal im jpc-Laden, um in die Gulda-CD reinzuhören. Da fiel mir aber die Richter-Aufnahme in die Hand, die neu veröffentlicht worden war, und sofort hatte ich vergessen, warum ich mich überhaupt auf den Weg gemacht hatte. :)

  • Zitat

    Original von AcomA
    hallo Cosima,


    unverbesserlicher richter-fundamentalist !


    gruß, :)


    Wie ich - nur nicht [nur] im musischen, sondern [vor allem] im malerischen Metier!


    ;)


    Ulli


  • Nein, kaum Überschneidung; die "Mozart-tapes" enthalten von diesen Stücken nur die c-moll-Fantasie.


    Ich habe die Box seit einiger Zeit, kann aber noch nicht viel dazu sagen. Der Klang ist extrem direkt und trocken, das dürfte aber Absicht sein und nicht auf die Tatsache, dass es private Kopien der eigentlichen Aufnahmen waren. Mir kam die Klangqualität sonst nicht so kritisch vor, wie die Amazon-Rezensenten meinen, ich bin da aber auch nicht penibel.
    Gulda scheint alle denkbaren Wiederholungen zu machen, einige Sonaten werden dadurch recht lang. Ich muß gestehen, die Mozart-Sonaten nicht besonders gut zu kennen (bzw. die die ich einigermaßen kenne wie die A-Dur, a-moll, c-moll und D-Dur KV 576 sind alle nicht drauf..), aber ich bin recht angetan. Man muß die Lautstärke ziemlich runterregeln, aber dann ist der Klang o.k. und die Energie in den schnellen Sätzen unglaublich. Die langsamen Sätze werden in der Tat liebevoll ausgespielt.
    Enthalten sind KV 330, 332, 333, 279-283, 545, 311, 475
    Ich habe jetzt gerade noch dazu die bei der DG veröfffentlichte mit KV 570 und 576 dazubestellt.
    Dennoch ist es ein Jammer, dass diese Aufnahmen nicht seinerzeit komplett vernünftig produziert und veröfffentlicht wurden...


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,


    wie bereits von mir hier angekündigt!





    Was ein Glücksfall dass diese Studioaufnahmen aus den 80er Jahren von Gulda aufgefunden wurden und
    seit Januar 2006 von der Deutschen Grammophon auf 3 CDs veröffentlicht wurden.
    Zitat von Gulda: in 1981: er habe Mozart bisher als Einspiel- und Zuspätkomm-Komponist missbraucht.
    Zu Herr Mozart,wie er ihn liebevoll nannte, wurde zu seinem allgegenwärtigen Leitbild. Und in seinen
    letzten Lebensjahren erklärte Gulda dass er, wenn er mal tot sei, sich nichts sehnlicher wünsche, als mit
    Mozart auf einer rosa Wolke vierhändig zu spielen.


    Ein fantastisch zupackender Gulda sehr schöne gelungene Einspielungen, werde sie in den nächsten Tagen bewerten.


    Als Zeitdokument finde ich sie unübertroffen, zumal Gulda zu dieser Zeit den Zugang zu Mozart gefunden
    hat.


    Die Klangqualität wird leider durch kleine Nebengeräusche getrübt, aber Absicht war es von Gulda, die
    Aufnahmemikrophone direkt an den Börserflügel zu plazieren um eine größere dynamische Möglichkeit
    und intimere Atmosphäre zu schaffen.


    Bin bis jetzt von den Einspielungen fasziniert und bereue nicht die Anschaffung.



    Grüsse


    Volker.

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Hallo allerseits,


    heute war jpc-Tag, und er verlief fast wie oben beschrieben: Auf meinem Weg zur Gulda-Box kam ich wieder an einer Richter-Aufnahme vorbei:



    Dieses Mal handelt es sich nicht um eine Wiederveröffentlichung wie bei der o.g. Richter-Mozart-Box, sondern um eine ältere Live-Aufnahme vom 29. März 1989, die mir bislang entgangen war.


    Heute habe ich Gulda jedoch nicht vergessen…und bereits in beide CDs reingehört:


    Ihr glaubt es mir sowieso nicht, aber Richter konnte sehr wohl Mozart spielen! Ich bin selber erstaunt, dass mir seine Sonaten so gut gefallen. Sein Spiel ist anmutiger und inniger als das von Gulda.


    Zu Gulda: Ich habe noch nicht alles gehört, aber sofort eine meiner derzeitigen Lieblings-Sonaten (KV 332) mit der von Pletnev verglichen. Gulda spielt sie faszinierend: Beherzt und sehr energisch, aber ohne diese seltsame Überinterpretation wie Pletnev sie betreibt. (Wobei ich nach wie vor auch die Pletnev-Version sehr spannend finde.)


    Der Klang ist sehr direkt, teilweise hart, das Rauschen stört kaum. Derzeit würde ich sagen: Sehr empfehlenswert für alle, die keinen „verzärtelten“ sondern lieber den kraftvollen, schnörkellosen und „nackten“ Mozart wollen. Für mich ausgesprochen spannend!


    Soweit meine ersten Eindrücke und ein vorläufiges Fazit: Mir gefallen recht unterschiedliche Interpretationen von Mozart-Sonaten, festlegen auf eine favorisierte Sichtweise kann und möchte ich mich derzeit nicht.


    Gruß, Cosima

  • Liebe Cosima,


    dann werde ich mir die Gulda-Tapes schnellstmöglich zulegen- Du hast mich neugierig gemacht! :D :D



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)