Welche Arie von welchem Tenor?

  • Tragisch ist Kozubs Karriere umweht, weil sich viele große Pläne nicht erfüllten. Er war bekanntlich Soltis Wunschkandidat als Siegfried in der Wiener Ring-Produktion der Decca. Kozub scheiterte,


    Warum denn haben sich die vielen großen Pläne nicht erfüllt?
    Warum haben Solti und Culshaw ihn in ihrem Ring-Projekt vor die Tür gesetzt?


    Ist es berechtigt, da von Tragik zu sprechen?


    Oder wäre es nicht vielmehr nötig, von Defiziten und Mängeln zu sprechen, die dem Mann, der ohne Zweifel mit einer guten Stimme gesegnet war, schließlich den entscheidenden Schritt zu einem bedeutenden Künstler verwehrt haben?
    Ich habe oben dazu schon einige Bemerkungen gemacht, die ich hier nicht wiederholen möchte.


    Die Welt ist so um den womöglich besten Siegfried gekommen, der sich in seiner Zeit denken lässt.


    Eine kühne Behauptung, für die ich wenig Anhalt in den von Kozub hinterlassenen Tondokumenten finde!
    Vielleicht hätte er - im glücklichsten Fall - den Siegfried so gesungen, dass eingefleischte Material-Fetischsiten glücklich geworden wäre, aber zu einem guten Siegfried braucht es mehr! Mehr als Kozub zu bieten hatte!


    Leider!




    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Hmm, was Kozubs Timbre betrifft, diese verschwenderische, volle, dunkle Bronze, so empfinde ich diese Stimme gerade für Wagner als ideal. Solti hat ihn nicht vor "Tür gesetzt", lieber Caruso, sondern war sehr traurig, dass er die Aufnahme mit Kozub nicht realisieren konnte, weil diesem die Nerven fehlten. Sowas soll es geben. Insofern ist es wohl eine Binsenweisheit, dass zu einer Weltkarriere eben mehr als nur gutes Material gehört. Ganz genau so ist es.



    Aber führen wir den Thread weiter und bleiben mal beim deutschen Fach. Wer ist der beste Max? Neben Kozub ( auf den ich überhaupt erst durch Erwerb der DVD mit der 68-er Hamburger Produktion des Freischütz aufmerksam wurde!) hier mein Favorit:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Beim Sichten meiner CD fiel mir gestern abend eine CD in die Hand "Welterfolge der Oper - Rudolf Schock". Ich hatte sie lange nicht gehört und gleich aufgelegt, Mich hat es fast umgehauen. In Erinnerung hatte ich den guten Rudolf als hervorragenden Sänger in div. Filmen und als Operettentenor, auch als Opernsänger, der aber nicht an andere deutschsprachige Tenöre wie Wunderlich, Rosvaenge oder Anders herankam.


    Da hörte ich "Wie eiskalt ist dies Händchen" und "O Du süßestes Mädchen" in einer Aufnahme mit dem Rundfung-Sinfonieorchester Berlin unter Felix Lederer aus dem Jahre 1946. Bisher war in dieser Arie Björling mein Favorit, aber auf einmal kommt der blutjunge Rudolf Schock fast heran! Und im Duett (mit Sigrid Ekkehard - noch nie gehört) macht er beim Abgang sogar das hohe C, und strahlend wie kaum ein anderer. Vor diesem C haben viele kapituliert, auch Villazon.


    Auf dieser CD sind auch Aufnahmen aus 1955. Da ist der Glanz und die strahlende Höhe etwas weniger ausgeprägt.


    La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • Gestern habe ich noch etwas gefunden, auf einer MP3-Sammlung mit 167 Arien ca 10 Aufnahmen mit Ferruccio Tagliavini. Ich habe mal reingehört, ich glaube zum ersten Mal.


    Es war "Oh paradiso" aus der Afrikanerin. Bei den ersten Tönen dachte ich, was soll denn das werden. Die Stimme klang seltsam weich, fast wie ein Altus, verhalten. Aber eine Steigerung, die einem den Atem anhalten lies. Mit Pomp und Glanz, mit Kraft und einem metallischen Timbre endete die Arie, die in den 40-er Jahren aufgenommen sein dürfte. Ein leichtes Rauschen hat den Eindruck dabei noch leicht getrübt, aber die Begeiserung über eine neue Erkenntnis nicht genommen.


    Weiß jemand mehr über diesen tollen Tenor?


    La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • Da hörte ich "Wie eiskalt ist dies Händchen" und "O Du süßestes Mädchen" in einer Aufnahme mit dem Rundfung-Sinfonieorchester Berlin unter Felix Lederer aus dem Jahre 1946. Bisher war in dieser Arie Björling mein Favorit, aber auf einmal kommt der blutjunge Rudolf Schock fast heran! Und im Duett (mit Sigrid Ekkehard - noch nie gehört) macht er beim Abgang sogar das hohe C, und strahlend wie kaum ein anderer. Vor diesem C haben viele kapituliert, auch Villazon.


    Ja, lieber La Roche, das ist wirklich eine sehr schöne Aufnahme. Den jungen Schock finde ich auch hinreißend. Es gibt übrigens beim Label Relief eine ganze Sammlung von Aufnahmen aus seiner frühen zeit, die ich Dir nur wärmstens empfehlen kann - allerding ohne die Bohéme. Aber die haben wir ja schon. Hier der Link zu Amazon:


    http://www.amazon.de/Early-Rec…d=1342882580&sr=8-1-fkmr1


    Sigrid Ekkehard - nie gehört? Habe ich das so richtig verstanden? Das war eine Berliner Jugendlich-Dramatische, ins Hochdramatische gehend. Bei Eterna hab es mal einen Turandot-Querschnitt mit ihr, der es aber leider nie auf CD geschafft hat. Oder irre ich mich? In einem weiteren Querschnitt - auch bei Eterna erschienen - sang sie eine der Damen in der Zauberflöte. Sie hat auch Elektra von Strauss gesungen, die Aufnahme mit der Klose als Klytämnestra ist erhalten. Im Deutschen Rundfunkarchiv gibt es eine Euryanthe mit ihr als Eglantine. Was noch? Ah, perfido. In einer teilweise überlieferten Walküre von 1956 aus der Berliner Staatsoper ist sie unter Franz Konwitschny die Sieglinde. Der Zufall brachte mich neulich mit der Witwe des Baritons Kurt Rehm zusammen, der ebenfalls an der Staatsoper wirkte. Sie, die Frau Rehm hat noch einen Wozzek-Mitschnitt mit Sigrid Ekkehard als Marie. Darauf bin ich sehr gespannt. Die Sängerin ist noch nicht sehr lange tot. Sie starb um 2000 herum in Berlin.


    Liebe Grüße nach Thüringen von Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Danke, lieber Rheingold,


    wieder etwas dazugelernt. Ich kannte den Namen Sigrid Ekkehard bisher tatsächlich nicht!


    Auf meiner MP3 habe ich weiter gestöbert. Ich habe eine Aufnahme mit dem Duett aus der Cavalleria gefunden, mit der Callas und di Stefano, dirigiert von Erede. So schwungvoll, dramatisch, mit Schauerwirkung habe ich dieses Duett (ich habe ca. 6 Aufnahmen davon und die Oper auch schon 7-8 mal live gesehen) noch nie erlebt. Gibt es mit diesen Sängern eine ganze CD oder noch besser DVD? Ich hab nichts gefunden - aber es war verdammt gut!


    La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • Ich habe eine Aufnahme mit dem Duett aus der Cavalleria gefunden, mit der Callas und di Stefano, dirigiert von Erede. So schwungvoll, dramatisch, mit Schauerwirkung habe ich dieses Duett (ich habe ca. 6 Aufnahmen davon und die Oper auch schon 7-8 mal live gesehen) noch nie erlebt. Gibt es mit diesen Sängern eine ganze CD oder noch besser DVD? Ich hab nichts gefunden - aber es war verdammt gut!

    Hallo La Roche,


    die Gesamtaufnahme von "Cavalleria Rusticana" mit Callas und Di Stefano gibt's:



    Es dirigiert sogar Tullio Serafin.


    Gruß
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Ich habe eine Aufnahme mit dem Duett aus der Cavalleria gefunden, mit der Callas und di Stefano, dirigiert von Erede. So schwungvoll, dramatisch, mit Schauerwirkung habe ich dieses Duett noch nie erlebt.

    Hallo, lieber La Roche


    Cavalleria Rusticana ist auch eine meiner Lieblingsopern und ich kenne viele Aufnahmen. Angeregt durch Deinen Beitrag habe ich mir soeben auf You tube mit den beiden ein paar ihrer Duette angehört. Aber so unterschiedlich sind nun mal Geschmäcker und Ansichten und ich weiß, daß ich mich jetzt bei einigen unserer Mitglieder sehr weit vor wage betreffs ihrer Denkmäler. Aber um Deine Worte aufzugreifen "schwungvoll, dramatisch, mit Schauerwirkung", füge ich noch hinzu "leidenschaftlich, gefühlvoll, stimmenmäßig klangschön und ausdrucksstark", gibt es für mich nur eine Aufnahme, die in dieser Interpretation nicht zu überbieten ist "Tarres/Orofino". Besonders Enriqueta Tarres gestaltet hier eine Leidenschaft und Hingabe, die nicht zu übertreffen ist.
    So weit ich weiß, hast Du die DVD. Es ist darauf die Nr. 8 und Du solltest sie vielleicht mal wieder zum Vergleich hören. Manchmal sind es eben nicht nur die ganz großen weltbekannten Namen. Selbst der von mir so sehr verehrte Pavarotti erscheint mir als Turiddu nicht ideal besetzt.


    Viel Freude und evtl. vergleichende Erkenntnis beim wieder mal anhören und herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Momentan ist ja, bedingt durch bestimmt Urlaub und dem Genießen des Sommerwetters, nicht allzu viel los im Forum. So habe ich gestern abend wieder mal in alten Threads gestöbert und bin u. a. auch auf diesen gestoßen. Hier haben wir vor einiger Zeit mal vor allem über die wunderschöne Arie " Je crois entendre encore" aus den "Perlenfischern" und den verschiedenen Interpreten diskutiert. Da dies auch eine meiner absoluten Lieblingsarien ist, die man nie überkriegt und sich nie überhört, mußte ich sie natürlich gleich wieder mehrmals von verschiedenen Interpreten auf You Tube hören. Total überrascht war ich da, daß es diese Arie auch von "Franco Bonisolli" gibt. Vom Stimmtyp her hätte ich nicht gedacht, daß diese Arie zu ihm paßt. Aber nein, er macht sie sehr gut, wie ich finde und noch dazu live. Ich gebe auch ehrlich zu, ich hätte ihn vom bloßen Hören wahrscheinlich nicht erkannt, vor allem nicht vermutet.
    Hier für Interessenten der Link mit einem meiner Lieblingstenöre:



    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Hallo,


    ich arbeite einfach mal, ohne Ausschreiben der Arie, Uranus Liste ab:


    1.) Caruso, Martinelli, Domingo


    2.) Bergonzi, Wunderlich, Pavarotti


    3.) Alva, Pavarotti


    4.) Caruso, Martinelli, del Monaco


    5.) Caruso, Martinelli, Domingo


    6.) Corelli, Domingo


    7.) Martinelli, Vinay, del Monaco, Domingo


    8.) Bergonzi, Kraus, Pavarotti


    9.) Caruso, Schock, Wunderlich


    10.) Caruso, Bergonzi, Kraus, Pavarotti


    11.) Joseph Schmidt


    12.) del Monaco, Corelli, Domingo


    13.) Gedda, Kraus


    Ich muß fast schon um Verzeihung bitten, daß das As Jussi Bjoerling nicht in der Liste auftaucht. Man liegt auf den Knien wegen seiner Technik, aber seine Stimme geht mir nicht in den Bauch und nicht in die Seele !


    Antalwin


  • Lieber Antalwin!
    Um ehrlich zu sein: den Beitrag verstehe ich jetzt nicht.


    Es war ja immer die Schwierigkeit bei diesem Thread, dass oft nicht klar war, um welche Arie es sich gerade handelte, wenn Tenöre und ihre Interpretationen gegeneinander abgewogen wurden. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn immer in der Überschrift, die Arie noch mal genannt wurde.
    Aber Du beziehst Dich nun gar nicht mehr auf eine bestimmte Arie. War es nicht der Sinn bei diesem Thread, dass nicht allgemein über Tenöre, ihre Fähigkeiten und Meriten geredet werden sollte, sondern dass der Versuch gemacht werden sollte, welche Fähigkeiten und Vorzüge dieser oder jener Tenor für eine ganz konkrete Arie mitbringt?


    Ich fände gut, den Thread wieder aufzunehmen.
    Aber: Dein Beitrag bietet keinen rechten Anknüpfungspunkt.
    Oder sehe ich den nur nicht?


    Beste Grüße
    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!