Die MET im Kino

  • Lieber Harald,


    vielen Dank für den Hinweis! Das freut mich sehr. Ich werde mich gleich mal auf die Suche begeben!


    Liebe Grüße,


    Marnie


    Edit:
    Bislang suche ich auf der HP vergeblich :S

    Viele Grüße,


    Marnie

  • Nach dem enttäuschenden und wenig belcantesken Don Pasquale gelang der Metropolitan Opera wieder eine ausgezeichnete Übertragung in die weltweiten Kinos. :) Die Inszenierung von Nicolas Hytner hatte bereits 2008 Premiere an der Royal Opera Covent Garden (eine DVD in ähnlicher Besetzung ist bereits erschienen).


    Ich war nie ein großer Fan von Roberto Alagna, aber in der Titelrolle dieser Verdi-Oper klang er frischer als sonst in letzter Zeit. Nach etwas unsicherem Beginn konnte er sich schnell steigern und sang letztendlich einen sehr guten Don Carlo. Doch auch das restliche Ensemble sang auf höchstem Niveau.
    Ferruccio Furlanetto brillierte erneut in einer seiner Paraderollen und er gab einen gesanglich souveränen König. Immer noch sehr gut bei Stimme und mit viel Charisma.
    Simon Keenlyside verlieh dem Rodrigo die notwendige Noblesse, die sich auch in seinem schönen Bariton bzw. dessen Vortrag wiederspiegelte. Auch darstellerisch war er wie immer sehr überzeugend und seine Sterbeszene war schlichtweg packend. Ein weiterer Höhepunkt der Aufführung war die große Szene zwischen Philipp und Rodrigo. Das war schon Musiktheater vom Feinsten. :)


    Bei den Damen konnte vor allem Marina Poplavskaya als Elisabeth überzeugen. Diese Sängerin befindet sich derzeit ja auf dem Sprung zum Star und nach gelungenen Darbietungen vor allem am Royal Opera House (Amelia Grimaldi, Donna Anna, beides auch auf DVD) scheint sie auch das New Yorker Publikum im Sturm erobert zu haben. Die Stimme ist eher herb und die Höhen kommen nicht so leicht wie bei anderen bekannten Rolleninterpretinnen, dafür fehlt es ihrer Stimme an Leichtigkeit. Die Russin, die darstellerisch überzeugen konnte, sang aber mit guter Technik und bewältigte ihre große Arie im letzten Akt sehr gut.
    Die Eboli der Anna Smirnova konnte zwar phasenweise überzeugen und die Sängerin verfügt auch über einen mächtigen Mezzo, doch manchmal ließ sie ihrer Stimme doch zu sehr freien Lauf und wirkte dadurch etwas wilder und unkontrollierter als eine Eboli vielleicht sein sollte. Immerhin lebt die Dame ja am Spanischen Königshof. Manchmal wäre weniger an vokaler und darstellerischer Wucht einfach mehr gewesen. Doch auch wenn sie nicht die Klasse ihrer Sangeskollegen erreichen konnte, fügte sich die Sängerin gut ins Ensemble ein. Sie ist ja noch eine Newcomerin und wird sich sicher noch weiterentwickeln.


    Für die Rolle des Großinquisitors wurde Eric Halfvarson verpflichtet und diesen Bass kann man schon als Luxusinterpreten für diese Rolle bezeichnen. Er spielte die Rolle nicht nur ganz hervorragend sondern es war zudem eine Freude endlich wieder mal einen Sänger in dieser Rolle zu erleben, der nicht ausgesungen ist und dessen Stimme von einem Tremolo beherrscht wird. ;) Auch wenn das beim Großinquisitor ja weniger ausmacht und sogar zur Rolle paßt, da er ja ein hundertjähriger Mann sein soll. Aber trotzdem.


    Auch das restliche Ensemble war überzeugend und auch das Dirigat von Yannick Nezet-Seguin war sehr gut. Ein wirklich schöner Don Carlo aus New York. :) Hoffentlich geht es bei den Übertragungen aus New York in dieser Qualität weiter.


    In Wien wird 2012 ja auch ein neuer Don Carlo präsentiert. Für die Titelrolle ist ja Jonas Kaufmann im Gespräch gewesen. Weiß aber nicht, ob es wirklich so kommen wird. Da weiß Jolanthe vielleicht mehr. Stoyanova und Keenlyside werden ja Elisabeth und Rodrigo sein. Wenn tatsächlich all diese großen Namen dann auf dem Besetzungszettel erscheinen, wird dieser Don Carlo wohl zum "hottest ticket" der Saison. :)


  • In Wien wird 2012 ja auch ein neuer Don Carlo präsentiert. Für die Titelrolle ist ja Jonas Kaufmann im Gespräch gewesen. Weiß aber nicht, ob es wirklich so kommen wird. Da weiß Jolanthe vielleicht mehr. Stoyanova und Keenlyside werden ja Elisabeth und Rodrigo sein. Wenn tatsächlich all diese großen Namen dann auf dem Besetzungszettel erscheinen, wird dieser Don Carlo wohl zum "hottest ticket" der Saison. :)


    Hallo Gregor,


    leider weiß ich noch nicht, ob Jonas Kaufmann in Wien den Don Carlos singen wird.



    Nach dem enttäuschenden und wenig belcantesken Don Pasquale gelang der Metropolitan Opera wieder eine ausgezeichnete Übertragung in die weltweiten Kinos.


    Für mich war dieser Don Pasquale alles andere als enttäuschend. Ich hatte dazu in diesem Thread auch etwas geschrieben.


    :hello:


    Jolanthe

  • Zitat von »Gregor«
    Nach dem enttäuschenden und wenig belcantesken Don Pasquale gelang der Metropolitan Opera wieder eine ausgezeichnete Übertragung in die weltweiten Kinos.



    Für mich war dieser Don Pasquale alles andere als enttäuschend. Ich hatte dazu in diesem Thread auch etwas geschrieben.


    Auch für mich war dieser Don Pasquale alles andere als enttäuschend.


    Harald hatte geschrieben, dass man ihn auf der HP der Metopera mittlerweile herunterladen könne. Ich habe schon mehrfach auf der HP gesucht - ich kann den Download aber nicht finden. Kann mir irgendjemand sagen, wo genau ich da suchen muss?

    Viele Grüße,


    Marnie




  • In welchen Netz, wie funktioniert das? Konnten Sie mich ein
    bisschen Belehren?? Danke. ?( :)

    Pourqoi me reveiller....

  • Harald hatte geschrieben, dass man ihn auf der HP der Metopera mittlerweile herunterladen könne. Ich habe schon mehrfach auf der HP gesucht - ich kann den Download aber nicht finden. Kann mir irgendjemand sagen, wo genau ich da suchen muss?


    Den Download gibt es bei "operashare". Dazu muss man allerdings dort Mitglied sein.


    :hello:


    Jolanthe

  • Liebe Marnie,


    ich habe nirgendwo geschrieben, dass es sich um eine offizielle MET-Aufnahme zum download von deren HP handelt.


    Ich habe nur "im Netz" geschrieben.


    Es gibt da mehrere Tauschbörsen, Jolanthe hat eine davon oben genannt.


    LG


    8)

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Hallo Gregor,


    leider weiß ich noch nicht, ob Jonas Kaufmann in Wien den Don Carlos singen wird.


    Ich könnte ihn mir gut in dieser Rolle vorstellen. Wenn du genaueres weißt, wäre es nett, wenn du darüber berichten würdest. Bin auf diesen Don Carlo schon sehr gespannt.



    Zitat von Jolanthe


    Für mich war dieser Don Pasquale alles andere als enttäuschend. Ich hatte dazu in diesem Thread auch etwas geschrieben.


    Ich habe deinen Beitrag dazu gelesen und es freut mich, dass es dir gefallen hat. Ich habe mir weitaus mehr erwartet. Zum einen fehlte mir einfach der Elan in dieser Aufführung. Das habe ich schon spritziger und lebendiger gehört. Gerade der Don Pasquale kann wirklich schnell und lebhaft sein. Das war die MET-Aufführung für mich gar nicht. Dazu haben mich auch die Sängerleistungen nicht gerade begeistert. Anna Netrebko ist für mich einfach keine Belcanto-Sängerin. Ihre Stimme ist mir für die Norina viel zu schwer. Es fehlte ihr an Leichtigkeit für die Partie und andere Sängerinnen boten da gerade im höheren Register viel mehr und was man ja auch erwarten darf. Man denke nur an ihre Adina. Die war zwar auch gut, aber an eine Katherine Battle darf man da nicht denken, die in den Höhen immer noch mehr draufzusetzen hatte.
    Bei den Herren hat mich einzig Matthew Polenzani überzeugt, der vom Stimmtypus her gut besetzt war.


    Ein Don Pasquale kann so witzig und musikalisch so fulminant sein - das fehlte mir hier leider eindeutig.


    Gregor

  • Gestern Abend stellte die Met ihren neuen Spielplan vor und besonders interessant waren natürlich die im Kino übertragenen Opern. So beginnt die Übertragungsreihe mit einem 3fachen Paukenschlag und ich habe jetzt schon Angst, dass die deutschen Kinos nicht alle der zeitnahen Events mitnehmen.


    Es beginnt am 15.10. mit Donizettis Anna Bolena, als Team werden Armiliato; Netrebko, Garanca, Mumford, Costello, Abdrazakov genannt. Es folgt unmittelbar am 29.10. - und darauf freue ich mich wie ein kleines Kind - Mozarts "Don Giovanni". Auch hier macht die Besetzung neugierig: Levine; Rebeka, Frittoli, Erdmann, Vargas, Kwiecien, Pisaroni, Bloom, Kocán. Regisseur Michael Grandage kündigte an, die Oper so inszenieren zu wollen, dass auch diejenigen sie verstehen, die sie zum ersten Mal sehen. Wiederum kurz darauf (05.11) wird Siegfried (mit Levine; Voigt, Bardon, Lehman, Siegel, Terfel, Owens) übertragen. Meine größte Sorge ist nun, dass wegen der zeitnahen Termine nicht alle Termine in Deutschland zu sehen sein werden.


    Weitere Vorstellungen:
    19.11.: Satyagraha von Phillip Glass (mit: Anzolini; Durkin, Croft, Josephson, Walker)
    10.12.: Faust (mit Nézet-Séguin; Gheorghiu, Losier, Kaufmann, Braun, Pape)
    21.01.: The enchantend Island (diverse Barock-Komponisten) (mit Christie; de Niese, Oropesa, DiDonato, Daniels, Costanzo, Domingo, Pisaroni)
    11.02.: Götterdämmerung (mit Levine; Voigt, Harmer, Meier, Lehman, Paterson, Owens, König)
    25.02.: Ernani (mit Armiliato; Meade, Licitra, Hvorostovsky, Furlanetto)
    07.04.: Manon (mit Luisi; Netrebko, Beczala, Szot, Pittsinger)
    14.04.: La Traviata (mit Luisi; Netrebko, Beczala, Szot, Pittsinger)


    Insgesamt also wieder eine spannende Saison, die uns da erwartet.

  • Lieber Wotan CB,


    vielen Dank für die Übersicht der kommenden Saison.


    Ich freue mich wirklich sehr auf die Anna Bolena von Donizetti!


    Auch Ernani, La Traviata, Manon und Don Giovanni werde ich mir auch jeden Fall ansehen.
    Ich höre Luca Pisaroni sehr gerne (leider habe ich die Radioübertragung des Don Giovanni gestern Abend aus Wien verpasst, aber ich habe heute Deine Kommentierungen gelesen).


    Etwas enttäuscht war ich festzustellen, dass in der aktuellen Saison nicht alle Aufführungen der Metopera in Deutschland ausgestrahlt werden.
    Die Lucia di Lammermoor oder auch Fanciulla di West gehören dazu - beide hätte ich gerne gesehen.
    Wollen wir hoffen, dass in der kommenden Saison möglichst viel übertragen wird.

    Viele Grüße,


    Marnie

  • Irgendjemand schrieb hier: "Eine Leinwand beklatsche ich nicht!". Ich würde noch weiter gehen: für 18 € kriege ich fast (es sind 21 €) drei Live- Vorstellungen in der DOR in Düsseldorf und im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Eine Frage an die MET-Seher: wie ist der Chor der MET inzwischen (letztes Jahr in der Zauberflöte war er unter allem Borstentier!)

    Der Rausch ist Gefühl, leibendes Gestimmtsein, das Leben einbehalten in die Gestimmtheit, die Gestimmtheit verwoben in das Leben (Charlie Brown, nein doch Heidegger)

  • Aber auf der anderen Seite spare ich mir die Reisekosten und die Übernachtungen. Und Aufführungen aus der Met live zu erleben immer etwas besonderes. Dafür gebe ich gerne etwas mehr Geld aus. Zumal ich auch live in der MEt war und die Atmosphäre ist mit keinem anderen Opernhaus zu vergleichen. Natürlich gibt es auch an der MEt wie auch an anderen Opernhäusern Aufführungen die nicht so gelungen sind, wo ich gedacht habe das hättest du an der DOR aber besser gehört.


    Ich finde es auch schade das nicht alle Aufführungen gezeigt werden. Die Lucia und La Fanciualla hätte ich auch gerne gesehen. Dafür werde ich mir heute abend an der DOR Lucia di Lammermoor ansehen.

  • Ich finde, dass bei den Metopera Aufführunge einige ganz hervorragende Aufführungen dabei sind, die ich nicht gerne verpassen würde.
    Der Don Pasquale hat mir sehr gefallen und ich freue mich außerordernlich auf die Anna Bolena, ich wüsste z.B. nicht, wo bei uns in der Gegend ich mir solche Aufführungen sonst ansehen könnte.


    Auch ich werde mir heute Abend die Lucia in DU ansehen und freue mich schon sehr!
    Ich habe vorhin die erste Kritik der Aufführung vom 16.02.2011 gesehen und die war sehr gut.

    Viele Grüße,


    Marnie

  • Hallo Marnie,


    wo hast du denn die Kritik gelesen ? Ich hab bislang erfolglos im Internet nach einer Kritik gesucht .Singen denn auch alle Sänger die auf der Besetungsliste stehen ?

  • Die Anna Bolena werde ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen. Den Don Giovanni werde ich nicht sehen können (Urlaub) und ansonsten natürlich auf jeden Fall den Faust.


    @ dr.Pringel


    Der Chor ist leider immer noch nicht so besonders, da gefällt mir der Chor der DOR in Duisburg erheblich besser.


    Im Kino in Oberhausen wurde übrigens noch nie geklatscht. Das ist wohl nur in manchen Häusern üblich.


    :hello:


    Jolanthe

  • Es werden wohl - so wie bisher - nicht alle Opern übertragen.
    Ich fürchte, dass der Don Giovanni auf der Strecke bleiben könnte, denn drei Übertragungen in nur vier Wochen wird es eher nicht geben.
    Anna Bolena wird sicher im Kino übertragen, schon alleine wegen Netrebko und Garanca. Der Siegfried ist auch zu erwarten, da ja der komplette Ring im Kino gezeigt werden soll. Da könnte es für den Don Giovanni dazwischen schwer werden.
    Noch dazu hat es ja bereits eine Kino-Übertragung des Don Giovanni vor nicht allzu langer Zeit gegeben - wenn auch aus London.


    Vor der New Yorker-Anna Bolena kann man ja Netrebko und Garanca bereits im April in Wien in dieser Donizetti-Oper sehen. Eine Karte für die Premiere habe ich mir sichern können. :)


    Gregor

  • So bevor ich zur gestrigen "Iphigenie" komme, zunächst die Info, dass es für den Don Giovanni nächste Saison gar nicht so schlecht aussieht wie befürchtet. Nioch ist nichts unter Dach und Fach, aber auch das Management für die deutsche Übertragung scheint zu sehen, dass der "Don Giovanni" sehr wichtig für unser Publikum ist. Zumal ja bislang auch keine Mozart-Oper aus der Met übertragen wurde.


    Doch nun zur "Iphigenie". Es war das erste Mal, dass ich diese Oper live sah und war sehr angetan von der musikalsichen Stringenz dieser Oper. Gluck hat viele Emotionen sehr kompakt gebündelt, ohne zu ausufernd zu werden oder banal darüber hinweg zu huschen. Wirklich eine tolle, faszinierende Patitur, mit der ich mich gerne noch weiter beschäftigen werde.


    Zum Glück war auch die Produktion von Stephen Wadsworth sehr auf die Originalität der Szene gerichtet. in dem zweiräumigen Tempel von Thomas Lynch konnten sich auch Geister in den Wänden manifestieren. Neben dem großen Tempelraum mit Fackeln, Altar und Götterstatue gab es auch eine Nebenkammer, so dass man schnell zwischen intimen Gesprächen und großen Szenen wechseln konnte. Eine intelligente Chorführung, eine fesselnde Personenregie machten die Szene sehr lebendig. Leicht verschenkt fand ich nur den "Deus ex machina"-Auftritt der Diana/Artemis, den ich mir weniger plastisch gewünscht hätte. Das wirkte mir im Rahmen der Mythologie zu menschlich, auch wenn sie schön aus derm Bühnenboden herein schwebte.


    Musikalisch entwickelte sich der Abend besser, als man angesichts der Indisposition von Placido Domingo und Susan Graham erwarten konnte. Wie angeschlagen beide waren hörte man gut im Pauseninterview mit der (zu) quirrligen Natalie Dessay. Auf der Szene agierten beide mit höchster Konzentration in Sachen Stimmkontrolle. Von Susan Grahams intensiver Iphigenie hatte ich bislang nur gelesen, jetzt konnte ich mich selbst davon überzeugen. Diese Rolle ist ihr wirklich auf Leib und Stimme geschrieben. Auch Placido Domingo, den ich ja in Bariton-Partien sonst nicht ganz so überzeugend finde, fand ich als Orest passend besetzt. Die hohe Lage kombiniert mit seinem dunklen Timbre bewirkte einen doch passenden Klang und seine Rollengesatltung lies ebenfalls keine Wünsche offen. Eher unprofessionell von dem sonst so beherrschtem Tenor wirkte, dass er kopfschüttelnd das Pauseninterview auf der Bühne mit Paul Groves unmittelbar vor dem dritten Akt quittierte, als er seinen Platz schon einnehmen wollte und sich so noch gedulden musste.
    Paul Groves komplettierte als erstkalssiger Pylades das vokale Glück. Zu erwähnen ist aber noch, dass sich Domingo und Groves wegen ihrer beiden dunklen Färbung etwas zu wenig voneinaner abhoben, aber das nur am Rande.


    Sehr schön pulsierend spielte das Orchester der Met, etwas mehr Akzente hätte ich mir von Dirigent Patrick Summer schon gewünscht, aber ich hatte halt auch noch Mark Minkowski im Ohr. Nicht ganz auf dem Niveau (wie so oft): Der Chor der Met, wo besonders der Frauen doch nicht ganz so attraktiv singen, wie sie sollten zudem gab es einige Wackler.


    Insgesamt aber ein wirklich schöner Opernabend, der zudem auch zeigte, dass die Met nicht nur auf Mainstream-Klassik setzt sondern auch neue Winkel der Oper erkundet. Bevor 2007 diese Produktion aus der Taufe gehoben wurde, war die "Iphigene" das letzte Mal 1917 auf dem Spielplan der Met.

  • Habe die Iphigenie nur im Radio gehört. Da war sie nicht eben ein Genuss. Vielleicht wäre mein Urteil weniger streng, hätte ich die Aufführung auch gesehen. Keiner von den Protagonisten war stimmlich in der Form, die man bei einem solchen Werk erwarten muss. Und stilistisch konnte mich nur die Graham. Im letzten Jahr habe ich das Werk in Hamburg, in Brüssel und an der Komischen Oper Berlin erlebt. Alle drei Einstudierungen waren deutlich sorgfältiger einstudiert und trafen die aus dem Sprachgestus erwachsende Dramatik und das spezifisch glucksche Pathos genauer, vor allem die in Hamburg (Stoyanova, Maltman, Spence und Mayer unter Alessandro de Marchi)! Ein Mitschnitt davon kursiert inzwischen ja auf dem Piratenmarkt!

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Der Don Pasquale, der im Herbst als Übertragung aus der MET im Kino lief, wird im Mai auf DVD herauskommen. Amazon hat ihn bisher noch nicht im Katalog.


    :hello:


    Jolanthe

  • Hallo Jolanthe,


    vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mich sehr gefreut, das zu lesen.
    Ich schaue ja regelmäßig bei amazon, aber bislang war / ist ja noch nichts zu sehen.
    Aber nach Deinem Hinweis werde ich jetzt wieder verstärkt suchen gehen.


    Ich freue mich schon sehr auf diese DVD!


    :hello: :jubel:

    Viele Grüße,


    Marnie

  • 09.04.2011, 19.00 Uhr - in ausgewählten Kinos


    LE COMTE ORY,
    von Gioachino Rossini

    Opéra comique in zwei Akten
    Libretto: Eugène Scribe
    Charles Gaspard Delestre-Poirson


    Dirigent:
    Maurizio Benini


    Produktion:
    Bartlett Sher


    Le Comte Ory - Juan Diego Flórez, Tenor
    Isolier - Joyce Di Donato, Mezzosopran
    Raimbaud - Stéphane Degout, Bariton
    Alice - Monica Yunus, Sopran
    Dame Ragonde - Susanne Resmark, Mezzosopran
    Le Gouverneur - Michele Pertusi, Bariton
    La Comtesse Adèle de Formoutiers - Diana Damrau, Sopran
    Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York


    ca. 3h 15min - zwei Pausen


    Zitat

    Zu Zeiten der Kreuzzüge nutzt Graf Ory die Gunst der Stunde. Während die tapferen Ritter aufgebrochen sind, das Heilige Land zurückzugewinnen, geht er seinerseits auf Eroberung. Als Eremit verkleidet, erschleicht er sich das Vertrauen der einsamen Damen. Dass er dabei auch seinem als Burgfräulein verkleideten Pagen Unterricht in Liebeskünsten erteilt, gibt dem Ganzen die nötige Frivolität, die dem französischen Zeitgeschmack entsprach.


    Das Libretto schrieb der äußerst produktive Pariser Schriftsteller Eugène Scribe gemeinsam mit Charles-Gaspard Delestre-Poirson. Rossini sah in dem seichten komischen Stück eine Chance, die wichtigsten Musiken aus seiner Gelegenheitsoper "Die Reise nach Reims" weiter zu verwenden. Er nahm selbst erhebliche Retuschen am Libretto vor, die zwar in Klavierauszug und Partitur vermerkt sind, jedoch bei der Veröffentlichung des Textbuches nicht berücksichtigt wurden. Nach zwei Opern in französischer Sprache, "Die Belagerung von Corinth" und "Moses in Ägypten", hatte Rossini Gefallen gefunden an der speziellen Art der Rezitativ- und Ensemblebehandlung, wie sie an den Pariser Bühnen erwartet wurde. Die Uraufführung am 20. August 1828 wurde enthusiastisch umjubelt. Hector Berlioz war einer der ersten Komponistenkollegen Rossinis, die Anmut, Leichtigkeit, Erfindungsreichtum und subtilen Witz dieser Oper zu würdigen wussten.


    Bartlett Sher, der Regisseur der Neuproduktion an der MET, interpretiert das Umfeld, in dem die Handlung stattfindet, als "einen Platz, an dem die Liebe gefährlich ist. Menschen werden verletzt. Das kann lustig, aber auch sehr schmerzvoll sein. Rossini erfasst beides - mit der wunderschönsten Musik, die er je geschrieben hat."


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo Opernfreunde,
    ich freue mich schon auf heute Abend! Meine Begleiterin hat leider kurzfristig abgesagt, ich hätte also eine Karte zu verkaufen! Hat jemand Lust heute Abend in Stuttgart ins Opernkino gehen? Ich weiß es, das gehört nicht hierher, wußte aber nicht wohin mit meiner Frage...
    LG
    nina

  • Also, ich gehe jetzt von positiven Eindrücken überrollt ins Bett und schlafe nochmal ne Nacht über diese tolle Vorstellung vom "Comte Ory", die ich gerade in gesanglicher Sicht sehr geglückt fand. Juan Diego Florez war 35 Minuten vor der Vorstellung noch Vater geworden und rannte quasi von seiner Frau aus direkt auf die Bühne. Die ersten Minuten brauchte er noch, um sich richtig warm zu singen, dann wurde es richtig super.


    Gute Nacht. :)


    Bevor ich es vergesse: Mittlerweile stehen auch die Termine für die nächste Saison fest:


    15. Oktober 2011: Donizetti: ANNA BOLENA
    Mit Anna Netrebko, Elīna Garanča, Ildar Abdrazakov
    Dirgent: Marco Armiliato, Produktion: David McVicar
    29. October 2011: Mozart: DON GIOVANNI
    Mit Mariusz Kwiecien, Barbara Frittoli, Ramón Vargas
    Dirigent: James Levine, Produktion: Michaael Grandage
    5. November 2011: Wagner: SIEGFRIED
    Mit Deborah Voigt, Gary Lehman, Bryn Terfel
    Dirigent: James Levine, Produktion: Robert Lepage
    10. December 2011: Gounod’s FAUST
    Mit Jonas Kaufmann, René Pape, Marina Poplavskaya
    Dirigent: Yannick Nézet-Séguin, Produktion: Des McAnuff
    21. Januar 2012: Händel/Rameau/Vivaldi u.a.: THE ENCHANTED ISLAND
    Mit Joyce DiDonato, Plácido Domingo, David Daniels
    Dirigent: William Christie, Produktion: Phelim McDermott
    11. Februar 2012: Wagner’s GÖTTERDÄMMERUNG
    Mit Deborah Voigt, Gary Lehman, Waltraud Meier
    Dirigent: James Levine, Produktion: Robert Lepage
    7. April 2012: Massenet’s MANON
    Mit Anna Netrebko, Piotr Beczala, Paulo Szot
    Dirigent: Fabio Luisi, Produktion: Laurent Pelly
    14. April 14 2012: Verdi’s LA TRAVIATA
    Mit Natalie Dessay, Matthew Polenzani, Dmitri Hvorostovsky
    Dirigent: Fabio Luisi, Produktion: Willy Decker

  • Ich habe diesen Ory im Radio gehört und muss sagen, dass es für mich eine positive Überraschung gewesen ist. Florez ist, wie immer, ein Profi und kennt sein Handwerk. Eine große Stimme und ein Phänomen ist er nicht, aber heute ist Florez bestimmt einer der wenigen, die den Beruf namens "Sänger" ehren anstatt ihn zu diskreditieren. Von der Damrau hatte ich eher dessay-artige Clownaden erwartet, aber fand sie besonders im ersten Akt, weniger im Duett des zweiten Aktes, sehr spontan und immer bereit, virtuos zu experimentieren. Gerade nach einer Anna Bolena ohne jegliche Variation, Ornament und Spontaneität, war es, trotz gewißer Probleme und Unschönheiten bei der Damrau, eine Freude, Belcanto so frisch und virtuos gesungen bekommen zu haben. Die DiDonato fand ich blaß und ziemlich unsicher. Pertusi ist nie ein großer Künstler gewesen, nunmehr ist er am Ende der Karriere und singt Gott weiß wie. Das Dirigat fand ich ziemlich uninspiriert und langweilig. Man hörte im Radio, dass das Publikum sich recht amüsiert hat. Anscheinend war die Inszenierung sehr lustig. Würde gerne die Meinungen unserer Forianer dazu hören.

    Ecouter, c'est écouter la différence.

  • Leider konnte ich den Comte Ory nur im Radio verfolgen. Florez ist einer der wenigen Sänger die nur das singen was seine Stimmbänder hergeben. Gestern abend war er weder mal in hochform. Frau Damrau und Frau Donato waren ebenfalls klasse, obwohl ich sagen muss das ich mehr ein Fan von Frau Donato als von Frau Damrau bin. Sehr gut fand ich noch Stefan Degout. Vielleicht war es ja auch nur die Premierennervosität das Frau Donato so unsicher wirkte. Das Dirigat war wirklich langweilg , obwohl ich Herrn Bennini schon als hervorragenden Dirigenten von La Cenerentola live erlebt habe. Vielleicht kann jemand noch etwas über die Inszenierung sagen, der die Oper live im Kino gesehen hat.

  • So, nachdem ich ein paar Stunden die musikalische Euphorie habe sacken lassen, kann ich mit ruhigem Gewissen sagen, dass der Abend wohl ein voller muskalischer Triumph war. Angeführt wurde die Besetzung von Florez, den ich auch szenisch noch nie so gelöst gesehen habe wie hier. Doch zur optischen Seite später. Bei seinem ersten Auftritt merkte man, dass er noch nicht warm gesungen war und sich noch merklich zurückhielt. DA gab es noch große Zurückhaltungen in Punkte Verziehrungen im Vergleich zur Premiere. Doch immer mehr legte er stimmlich nach, wurde freier und freier, schonte sich nur in den großen Ensembles, um dann an deren Ende noch Kraft für die strahlenden Töne über dieses zu legen. Das war schon große Kunst. So souverän und doch hoch emotional zu singen, nach so einer bestimmt auch für ihn nicht ruhigen Nacht, das verdient hochachtung und zeigt die technische Beherrschung des Instrumentes, weil man genau merkte, dass er ganz intuitiv sich auf den Weg seiner Stimme verlies.
    Diana Damrau spielte und sang wunderbar affektiert die Gräfin Adele. Die Rolle kommt ihrer gesamten Erscheinung, ihre sehr luftig-explosiven Stimme sehr entgegen. Sicher waren hier und da ein paar etwas schärfere Töne in der Höhe zu hören, aber die bruchlos geführte Stimme und deren Agilität machten die nur ganz kleinen Unsicherheiten mehr als wett.
    Joyce DiDonato war den beiden ein wahnsinnig faszinierender Gegenpart. Ihre Koloraturen klingen im gegensatz zur Bartoli sehr robust, sie liegen komplett auf der Atmung und auf dem Körper. Ihr sattes Timbre ist wie geschaffen für die Pagenrolle, den sie auch sehr viril-zupackend und vital spielte. Das Duett mit Florez war wirklich ein harmonsiches Aufeinandertreffen von zwei Ausnahme-Stimmen, man merkte, dass die beiden schon oft zusammen auf der Bühne standen. Ihre Stimme hat nichts an ihrer schönen Mezzo-Farbe verloren, während die Höhe noch sicherer und strahlender erscheint. Ich freue mich sehr darauf, beide Damen in Baden Baden beim Don Giovanni wieder zu sehen.
    Daneben gab es ein Wiedersehen mit Michele Pertusi, längst ein gestandener Künstler an der Met. Man erinnere sich nur an den Alidoro: Nach seinem "La del ciel" gab es gewaltige Ovationen. Heute bzw gestern war er wohl der schwächste Sänger in einem insgesamt tollen Ensemble, die Tiefe des "Erziehers" war doch etwas sehr dünn, die Beweglichkeit nicht mehr die alte. Darstellerisch kam er vor allem im zweiten Akt voll aus sich heraus. Bariton Stephane Degout konnte sich nach einigen überzeugenden Guglielmos (Aix und Salzburg), Dandini (Paris und London) sowie Mercutio (London) noch einen weiteren Erfolg ersingen. sein Raimbaud schloss an die Leistungen der anderen an, hatte den typischen baritonalen Schalk und er nutzte seine große Arie im zweiten Akt (die des Don Profondo aus die Reise nach Reims) um ganz im Mittelpunkt zu stehen. Auch uin den Ensembles wusste er markante Akzente zu setzen, wobei das auch an der Tontechnik liegen könnte.
    Das Dirigat von Benin fand ich nicht so blaß, wenngleich da noch mehr Möglichkeiten gewesen wären. Aber dennoch sorgten seine zügigen Tempi, das wundervoll filigran aufspielende Orchester für ordentlich Schwung, das große Terzett des zweiten Aktes für einen athmospährischen Stillstand. Und selbst der Chor der Met, sonst oft ein inhomogener Schwachpunkt der Aufführung, präsentierte sich wesentlich geschlossener.


    Die Inszenierung von Bartlett Sher erinnerte leicht an seinen Babier an der Met und spielte in einem alten Theater. Ganz toll wurde hier mit viel Charme der Geschichte pralles Leben eingehaucht. Ein alter Inspizient regelt die Auftritte, zeigt dem jungen Personal wie man den Donner ganz effektvoll einsetzt. Sher kann viel Komik erzeugen, ohne je platt zu sein, kann auch mal einfach nur die Figuren auf der Bühne aneinander vorbei laufen lassen, ohne dass es langweilig und uninspiriert erscheint. Dazu nutzt er die Fähigkeiten und Erscheinung jedes Sängers aus, so dass die Figuren sehr lebendig sind und die sehen in den Kostümen von Catherine Zuber auch noch hinreißend aus. Gerade Florez spielt die große verkleidungsszene im zweiten Akt hinreißend komisch. Im Travestie-Terzett im hydraulischen Bett macht sich zeitgleich auch unterschwellige Erotik bemerkbar, wenn DiDonato, Damrau und Florez doch sehr innig aneinander und miteinander kuscheln. DAs Spiel auf dem Theater sorgt dafür, dass die Inszenierung völlig unverkrampft und locker daher kommt - jeder weiß ja, es ist nur Theater. Und das Publikum amüsierte sich sowohl in New York als auch in Münster hörbar.


    Insgesamt also ein Opernabend, der vollauf rechtfertigt, dass der "Comte Ory" zum ersten Mal an der Met gespielt wird, und der es verdient hätte auf DVD veröffentlicht zu werden, wo der Comte Ory noch ein sehr trauriges Dasein führt.

  • @ WotanCB


    Besten Dank, lieber Wotan, für den ausfürlichen und sehr informativen Bericht, Ich habe von der Radio-Übertragung nur den zweiten Teil hören können, aber mein Eindruck von der Leistung der Sänger deckt sich ganz mit dem, was Du geschrieben hast!
    Du machst ja auch ein paar Einschänkungen was den Dirigenten betrifft. Da Wäre mehr drin gewesen. Hätte das Orchester mit etwas mehr Esprit und Raffinement gespielt, Rhythmisch pointierter und mit mehr Farbschattierungen, wäre das wohl fast eine ideale Aufführung geworden.


    Gruß


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!