La Forza del Destino-GP an der WSO

  • Cari Tamini!
    Hier kurz (oder auch nicht ;) ) meine ersten Eindrücke von der gestrigen GP zu Vedis "La Forza del Destino", die morgen PR hat. Gespielt wird die zweite Fassung von 1869, wo der Schluss mit einer Leiche weniger aufwartet, weil Alvaro im Unterschied zur ersten Fassung nicht Selbstmord begeht, sondern ins Kloster zurückkehrt. Leider hat man in der aktuellen Produktion besonders im 2. Akt viel gestrichen, die meisten Genre-Szenen aus dem Lager eliminiert usw.
    Das ist aber nicht der Grund, warum ich mit der Inszenierung von David Pountney gestern nicht glücklich wurde....
    Dem aktuellen Trend folgend, dass Musik alleine offensichtlich fad ist, tut sich schon während der Ouvertüre allerhand auf dem Vorhang: Ein mächtiges Rad (Achtung: Schicksal!) dreht sich als Projektion, kurz nimmt ein schillernder Schmetterling darauf Platz (Das Glück ist etwas Flüchtiges.....), wird dann durch eine rotierende Pistole ersetzt, aus der sich ein Projektil löst, das fatal an eine Bombe erinnert und zunächst ziellos über den Vorhang geistert, bis es schließlich in einer formatfüllenden weiß behemdeten Männerbrust detoniert, worauf sich allmählich die gesamte Fläche rot einfärbt. Nun gut. Da die Forza-Ouvertüre meine Lieblingsouvertüre von Verdi ist, lauschte ich der Musik ohnehin meist mit geschlossenen Augen.
    Der Vorhang öffnet sich und man erblickt eine schräg in den Raum gestellte, weiße L-Konstruktion, nach vorne hin abfallend (Merke: Die Bahn des Schicksals ist abschüssig), im aufragenden kürzeren Teil befindet sich eine schmale Öffnung, gerade breit genug, damit ein Mensch durchschlüpfen kann. Sie dient sowohl als Erker wie in den späteren Szenen als Klosterpforte und Felsenschlucht. Ein weißes Spitalsbett bildet den einzigen Einrichtungsgegenstand, außerdem stecken zwei blutrote Schwerter in der Wand bzw. im Boden. Damit wäre auch schon das Farbspektrum dieser Inszenierung komplett: Schwarz und weiß sind Bühnenbild und Kostüme im quasi privaten (bzw. klösterlichen) Bereich, knallrot hingegen in den Kriegsszenen (Ja, der Krieg ist ein blutiges Geschäft.... :wacky: Eine ziemlich platte Assoziation für meinen Geschmack!)
    Trotzdem - ich liebe bekanntlich reduzierte Bühnenbilder, und die Optik zu Beginn schien mir vielversprechend. Leider wartete ich vegeblich, dass nun die Sänger mit ihrer Persönlichkeit das Vakuum füllen würden. Dies gelang natürlich mühelos Nina Stemme und wenig später Carlos Alvarez (Don Carlo di Vargas), nicht aber Salvatore Licitra als Don Alvaro und Alastair Miles als Marchese/Pater Guardian. Es scheint momentan ein Regietrend zu sein, dass Liebespaare einander möglichst nicht nahe kommen (auch bei der "Cosi" unlängst fiel mir das auf und in vielen anderen Produktionen der neueren Zeit), deshalb findet eine Begrüßung zwischen Leonora und ihrem zur Entführung herbeieilenden Bräutigam vorerst nicht statt. Statt der Geliebten umarmt Alvaro ein Kissen, und man beginnt ein wenig zu verstehen, warum sie ihre Fluchtpläne zu überdenken scheint..... Nur steht das leider in völligem Widerspruch zur leidenschaftlichen Musik Verdis, die ja ein "Sich-in-die-Arme-stürzen" förmlich erzwingt. Vorerst aber steht das Bett zwischen den Liebenden, und während Nina Stemme wenigstens durch ihre Körpersprache glaubhaft ihren inneren Konflikt zum Ausdruck bringt, steht Salvatore Licitra da wie ein Melonenverkäufer und lässt Zubin Mehta nicht eine Sekunde aus den Augen. Offensichtlich hat auch David Pountney es nicht geschafft, diesem Tenor klar zu machen, dass man durchaus auch singen kann, ohne ständig mit weit vom Körper gespreizten Armen da zu stehen bzw. sie vor dem Körper in einer Pose zu vereinigen, als wolle er Wasser schöpfen. (Die dritte Variante in Licitras Ausdrucksrepertoire ist "Faust aufs Herz", damit sind seine Möglichkeiten dann so ziemlich erschöpft.) Aber gut, ich kenne Licitra ja schon von etlichen Produktionen und wusste daher, was mich erwartet.
    Der 2. Akt ließ mich dann daran zweifeln, ob David Pountney nicht vielleicht im falschen Stück gelandet ist. Zumindest Preziosilla scheint aus "Annie, get your gun!" entliehen zu sein, denn sowohl sie wie auch die Marketenderinnen tragen ein knallrotes Cowboy-Outfit mit Schlapphut, Patronengurt usw. und gebärden sich wie bei einer Wildwest-Show. Da werden Lassos geschwungen, Colts durch die Luft gewirbelt, Beine in engen Stiefeln hoch geschwungen, alles im Stil der Prinzengarde beim Kölner Karneval, fallweise erinnerte mich dieses "Ballett" auch an den Auftritt der Cheerleader. Nadia Krasteva sieht in diesem Cowgirl-Outfit zwar umwerfend sexy aus, verfügt aber insgesamt über zu wenig Persönlichkeit, um die Sogwirkung der Preziosilla glaubhaft zu machen.
    Die Soldaten tragen ebenfalls knallrote Mäntel mit schwarzen Kreuzen, statt einer Waffe präsentieren sie Gebetsbücher. Ich glaube mich zu erinnern, dass Poutney in einem Interview gesagt hat, er wolle die allmächtige Rolle der Religion thematisieren, Preziosilla sei für ihn so etwas wie eine Sektenführerin, der alle blind ergeben sind, deren Parolen sie folgen. Ein interessanter Ansatz, nur in der Realisierung gescheitert. Denn diese Preziosilla und ihre Cherleadertruppe wirken in ihren Kostümen in erster Linie lächerlich und obendrein so harmlos, dass sie wohl keinen einzigen Mann zu anderen als amorösen Abenteuern verleiten könnten.
    Im 3. Akt ist das nun schon bekannte liegende weiße L von einer Art Rundgerüst umgeben, einem ungeordneten System von Treppen, Leitern, Stegen, Plattformen, wo sich bald das Kampfgetümmel abspielen wird. Vorerst aber liegt Alvaro im Bett (Es ist das gleiche wie im 1. Akt) und erlebt in einem Alptraum den Mord am Marchese noch einmal, symbolisiert durch die schon von der Ouvertüre bekannten Projektionen. Warum er - ein Soldat!! - allerdings in weißem Hemd und Krawatte schläft, bleibt eines der Rätsel dieser Inszenierung. (Leider schaffe ich es nicht so wie Alviano, solche Bilder "einfach stehen zu lassen" - ich will die Intention dahinter begreifen! Im konkreten Fall bin ich leider zu doof dazu :O ) Szenisch ist dieser Akt der in meinen Augen gelungenste und eindrucksvollste. Während der Kampfhandlungen beginnt das Rundgerüst zu rotieren, Soldaten erstürmen es von allen Seiten, es herrscht ein lebhaftes Auf und ab, Hin und Her, ohne dass konkrete Einzelaktionen (meist ohnehin ziemlich unbeholfene bis lächerliche Szenarien) erkennbar werden - gleichzeitig wird eine Schwarz-weiß-Projektion einer realen Kriegsberichterstattung über die ganze Bühne gelegt, eines modernen Krieges mit Panzern etc, bis am Schluss das Schlachtfeld mit Leichen übersät ist.
    Der verwundete Alvaro wird auf halber Gerüsthöhe in einer Art Lazarett versorgt, während eine Etage höher Don Carlo mit sich ringt, ob er Beweise für seinen Argwohn im Hab und Gut des Noch-Freundes suchen soll. Auch das eine szenische Lösung, die mir sehr gut gefällt.
    Leider stürmt dann wieder Preziosillas "Prinzengarde" herein, um die Gefallenen hinauszutragen, und meine Stimmung war wieder dahin.
    Das "Se piangete quai ragazzi" (Wenn ihr wie Kinder weint), mit dem die Zigeunerin die jungen Rekruten maßregelt, nimmt Pountney wörtlich, denn bei ihm sind es tatsächlich Kinder, im konkreten Fall die Eleven der Ballettschule, die aus dem Bauch von zwei riesigen Puppe förmlich herausquellen. (Solche Puppen/Marionetten kenne ich schon aus anderen Pountney-Inszenierungen...) Der laut Libretto fröhliche Tanz der Marketenderinnen mit den Soldaten gerät hier zu einem makabren Ballett Kriegsversehrter mit ihren Krankenschwestern, was in meiner unmittelbaren Umgebung empörtes Raunen ausgelöst hat. Mich hat gestört, dass die einzelnen Elemente dieser Szene nicht wirklich zusammengepasst haben, keine durchgehende Idee erkennen ließen. Aber vielleicht sind ja andere schlauer als ich, am Samstag kann sich jeder ein Bild machen. (TV-Übertragung!!)
    Ich habe die Klosterszenen bisher ausgelassen, weil sie für mich auch nichts Spektakuläres enthalten. Dass der Pater Guardian wie ein pedantischer Bürokrat auftritt (In Anzug und Krawatte) vermittelt mir persönlich keine neue Sicht auf diesen Charakter. Falls Pountney damit beabsichtigt hat, die "Seelenlosigkeit" des Molochs Kirche anzuprangern, hätte er dazu eine andere Besetzung als den wie immer brav und bieder agierenden Alastair Miles aufbieten müssen, denn von dem geht wahrlich nichts Autoritäres, Bedrohliches aus. Auch nichts Väterliches - eigentlich geht gar nichts von ihm aus... (wie eigentlich immer :stumm: )


    Bei einer GP vermeide ich es immer über die stimmlichen Leistungen viel zu sagen, obwohl diesmal die Fernsehkameras mitfuhren und daher nicht nur markiert wurde. Trotzdem gibt ein Sänger bei einer GP kaum das Letzte. Nina Stemme und Carlos Alvarez fand ich wunderbar (Den Bariton erst nach einigen Anlaufschwierigkeiten. Am Anfang klang er merkwüdig gepresst, was ich bei ihm gar nicht kenne) Salvatore Licitra macht mich nie wirklich glücklich. Er verfügt eigentlich über ein schönes Stimmmaterial, aber wie er damit umgeht, begeistert mich absolut nicht. Manches gelingt ihm wunderschön, aber in den Überlangslagen klingt es oft sehr inhomogen, brüchig. Sascha könnte das natürlich fachmännischer erklären! Dass Licitra noch nicht akzeptiert hat, dass heutzutage auf der Bühne nicht nur Singen, sondern auch Darstellung gefragt ist, macht mich natürlich auch zu keinem Fan von ihm.
    Zubin Mehta dirigierte einen sehr leidenschaftlichen Verdi, ohne aber auf subtile Zwischentöne zu verzichten, und die Philis erfüllten seine Wünsche bis auf einen schon beinahe obligaten Ausstieg der Bläser sehr klangschön.
    So, jetzt bin ich auf eure Kommentare nach der TV-Übetragung gespannt!
    lg Severina :hello:

  • Severina, ich liebe Dich!!!!!!!!!


    Mit Lachen unter Tränen habe ich Deinen Bericht, Dein Kunstwerk über die "Macht des Regieschicksals" gelesen und werde es wieder und wieder lesen.
    Lese ich so Deine Kritik zu Licitra, hätte man getrost auch die erste Fassung spielen können.
    Was war der Fra Melitone (ich schäme mich, er ist fast meine Lieblingsfigur in dieser Oper) in der Inszenierung?


    Fazit aus Deinem Kunstwerk:
    Wir werden es wohl bei der TV-Übertragung bewenden lassen, für zu bezahlenden Ärger sorgt ohnehin "mein" Fußballverein.


    Frage:
    Wie kommt man in die Generalprobe?


    Abschließend nochmals: Die Welle

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • @ Severina
    Das mit Licitra war ja vorauszusehen.Ich habe ihn noch nie spielen gesehen umd
    hatte immer den Eindruck er braucht etwas zum festhalten.
    Nun werde ich mir morgen die TV Übertragung ansehen,ich kann ja immer den
    Fernseher ausschalten.


    Dein Bericht ist sehr aufschlussreich!


    Rita

  • auch v. mir dank f. severina´s vorbericht.
    ich bin ja schon sehr gespant. sehe es aber erst im juni.
    ev. vorher auch im TV
    lg yago

  • habe soeben nach Severinas Bericht die Programmierung für meinen Recorder gelöscht. So einen Mist muss ich mir nicht antun!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Vor Jahren habe ich eine sehr spannende Inszenierung von "Rusalka" (Dvorak) von David Pountney gesehen, so als böser Kindertraum inszeniert, die Gouvernante war die Hexe, das passte gut.


    Seitdem habe ich keine Inszenierung mehr gesehen, bestenfalls mal Bilder aus Bregenz sind mir da erinnerlich, da ist ja schon so der Hang zur Show erkennbar, der möglicherweise auch die "Forza" auszumachen scheint.


    Eine Klarstellung: grob logische Fehler meine ich eigentlich nicht, wenn ich sage, man soll Bilder die sich nicht auf Anhieb erschliessen, einfach mal stehen lassen. Nur wenn man an einem Bild hängen bleibt, mit dem man nichts anzufangen weiss, kann man möglicherweise andere Szenen nicht mehr geniessen, die sich sofort erschliessen.


    Ist immer wieder schön: da hat man eine Inszenierung noch gar nicht gesehen, ist aber mit einem abwertenden Urteil sehr schnell bei der Hand. Wenn ich mit den den Aufführungen, die ich tatsächlich gesehen habe, die mir aber nicht so richtig gefallen wollen, so umgehen würde, wenn ich mir also noch nicht mal die Mühe machen würde, länger als fünf Minuten drüber nachzudenken, bräuchte ich eigentlich gar nicht ins Theater gehen - oder könnte mich hier drauf beschränken "gut", "nicht ganz so gut", "gefällig", "Mist" zu posten - ging schneller und könnte dann auch von allen anderen problemlos überlesen werden.


    Auch vor diesem Hintergrund ein herzliches Dankeschön an severina, die sich die beachtliche Mühe gemacht hat, dezidiert zu schildern, was in Wien zu sehen ist und wie es ihr gefallen hat - das Lesen hat auch mir viel Freude bereitet.

  • Hallo Liebestraum!
    Nicht so voreilig, vielleicht gefällt's dir ja! :D Meine subjektive Meinung ist schließlich nicht das Maß aller Dinge, ich habe einfach nur aus dem Bauch heraus meine ersten Eindrücke wiedergegeben. Oft passiert es mir, dass ich bei der zweiten oder dritten Vorstellungen plötzlich Sinn im scheinbaren Unsinn entdecke oder auch Teilaspekte ganz anders bewerte. Also nur Mut, und mich würde deine/eure Meinung danach interessieren! :D :D
    lg Severina :hello:

  • Hallo Alviano,
    auch ich habe von David Pountney schon sehr gelungene Produktionen gesehen, Janaceks "Osud" z.B. Auch seinen "Hoffmann" bei uns finde ich OK, gemischt sind meine Eindrücke vom "Guglielmo Tell", wo er an sich gute Ideen überstrapaziert und damit zu Tode geritten hat. Die "Forza" allerdings ist ihm in meinen Augen ziemlich missglückt, ich kann vor allem nicht erkennen, worauf er eigentlich hinaus will. Auf den brennend aktuellen Aspekt - die Diskriminierung Alvaros aufgrund seiner Herkunft/Abstammung - geht er z.B. überhaupt nicht ein, was mich doch sehr verwundert.
    lg Severina :hello:

  • Hallo Alviano,


    ich meinerseits werde mit diese Inszenierung anschauen, aber nicht konservieren (d.h. auf DVD brennen). Zur Kenntnisnahme ist es gut, aber nicht zum bewahren.



    Herzliche GRüße
    von LT :hello:

  • Hallo zusammen,


    ich gehe einen Mittelweg: heute abend verfolge ich - quasi auf dem Hörplatz - die musikalische Gestaltung und die durchaus interessanten Stimmen.


    Das Videoband läuft mit - die Inszenierung sehe ich mir dann zu einem späteren Zeitpunkt an.


    LG, Elisabeth

  • Zitat

    Original von Elisabeth
    Hallo zusammen,


    ich gehe einen Mittelweg: heute abend verfolge ich - quasi auf dem Hörplatz - die musikalische Gestaltung und die durchaus interessanten Stimmen.
    Das Videoband läuft mit - die Inszenierung sehe ich mir dann zu einem späteren Zeitpunkt an.


    LG, Elisabeth


    Hallo Elisabeth,
    da tust du gut daran..... Ich finde die Inszenierung am Bildschirm nämlich noch langweiliger als live bei der GP. :wacky: :no: Schade um die verschenkten Möglichkeiten :(
    lg Severina :hello:

  • Jetzt bin ich gerade ziemlich baff, wie wir in Wien zu sagen pflegen, denn Pountney meinte gerade im Pauseninterview, der Umstand, dass Alvaro ein Mestize ist, spiele in der Oper keine besondere Rolle. ?( ?( Da frage ich mich schon, ob er das Libretto genau gelesen hat........
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    jetzt bin ich gerade ziemlich baff,


    Ja, das bin ich auch - und ich frage mich was geschehen muß, daß man diesen Leuten die Subventionen ersatzlos streicht und sie in die Wüste schickt.


    Das ist Verhöhnung Verdis !!
    Das ist Verhöhnung der Oper schlechthin
    Das ist Verhöhnung des Steuerzahlers


    Man halte mich zurück, damit ich nicht etwas schreibe, was morgen durch die Weltpresse geht ........


    Gruß
    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Hallo


    Die Inszenierung war im ersten Teil sehr abstrakt und überraschend neutral. Sie stellte sich dem musikalischen Ablauf nicht nennenswert in den Weg, was von der Fernsehregie unterstrichen wurde, die sich in vielen Großaufnahmen den Protagonisten widmete. Musikalisch konnte es aber gut gefallen, insgesamt bislang recht lyrisch...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!




  • Caro Alfred,
    Verdis "Rächer" scharren schon in den Startlöchern, die ersten Zwischenrufe sind da.... :no: ...Ich bin über die Inszenierung auch nicht glücklich, aber aus anderen Gründen als du ;) Für mich ist Pountney auf halbem Weg stehen geblieben, denn was Theo mit "neutrale Inszenierung" bezeichnet, ist für mich schlicht nichtssagend. Wobei der 3. Akt zumindest gute Ansätze enthält. Nadia Krasteva ist heute übrigens viel schlechter als bei der GP, sie zeigt deutlich Nerven.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    ..., wird dann durch eine rotierende Pistole ersetzt, aus der sich ein Projektil löst, das fatal an eine Bombe erinnert und zunächst ziellos über den Vorhang geistert, bis es schließlich in einer formatfüllenden weiß behemdeten Männerbrust detoniert, worauf sich allmählich die gesamte Fläche rot einfärbt.


    So beginnen seit den frühen 60er Jahren im Vorspann immer die James Bond Filme!!! - Britischer Regisseur? - Wenn ja, passt's.


    Loge

  • ... warum, bitte, wurde gerade Alastair Miles ausgebuht?


    Es mag je vielleicht Geschmackssache sein, ob Guardian nicht doch mit einer deutlich schwärzeren Stimme besser besetzt ist - die Buhs kann ich trotzdem nicht nachvollziehen.


    :hello:


    Elisabeth



    PS ich habe ihn in München an einem Tag gehört, wo er als Raimondo in der LUCIA wirklich mit einer Stimmen kämpfte, die bis zur Pause nicht richtig ansprechen wollte - davon war heute aber nichts zu merken.


  • Für Licitra gab's auch deutliche Buhs, allerdings auch Bravos. Die einhellige Ablehnung von Alastair Miles verstehe ich auch nicht, erklärt sich aber vielleicht durch die Optik. Wobei ich jetzt nicht sein Aussehen meine, aber er schafft es eigentlich nie, seinen Rollen wirklich Profil zu verleihen. Stimmlich war er sicher nicht schlechter als Licitra, der agierte heute einige Male hart an meiner Schmerzgrenze. War aber vielleicht auch PR-Nervosität, denn "La vita e l'inferno all'infelice" hat er bei der GP deutlich besser gesungen.
    lg Severina :hello:

  • Vielleicht ist es angebracht hier anzumerken, daß das Regie- Ausstattungsteam vom Wiener Publikum EINHELLIG und LAUTSTARK AUSGEBUHT wurde. Als ich das freche Grinsen der so abgelehnten sah habe ich der alten historischen Tradition nachgetrauert, wo man solche Leute mit faulen Eiern oder überreifen Tomaten bewarf. Tempi passati......


    mfg aus Wien


    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Auffallend an dieser Inszenierung was für mich die Kälte, mit der die Personen agieren mussten. Liebe und Hass immer sehr auf Distanz. Die Western-Musical-Einlage für mich völlig indiskutabel. Einzig der dritte Akt hob sich hervor (ohne Gewalt und Schändung kann man vermutlich nicht mehr inszenieren), jedoch gab es dort auch Szenen, die unter die Haut gingen. Dass für Pountey die Vita von Alvaro nicht relevant ist, erklärt natürlich so einiges.


    Enttäuschend für mich war Nadia Krasteva, über die ich viel Vorschusslorbeeren las. Vielleicht fühlte sich sich auch in der ihr zugeordneten Rolle mehr als unwohl. So schlecht fand ich Licitra nicht, dass sich über ihn ein solches Buhgewitter entladen musste. Dass er kein Schauspieler ist, weiß man ja wohl in Wien. Überzeugend fand ich eigentlich nur Mehta, Stemme und Alvarez.


    Die Moderatorin im Fernsehen hoffte darauf, dass die Inszenierung künftig noch ein Erfolg wird. Man kenne das von früheren Inszenierungen, die zunächst vom Publikum abgelehnt wurden. Gespannt bin ich nur auf die Kritiken, die vermutlich wieder hymnisch ausfallen.


    LG


    Emotione

  • Nachdem ich gestern diesen Thread gelesen habe, wollte ich mit meiner Frau einen genussvollen Opernabend erleben.


    Unser Dilemma fing schon an, dass die Tonübertragung via DVB-T auf 3SAT schlichtweg eine Katastrophe war. Wir mussten die Anlage ganz laut stellen, damit überhaupt etwas aus den Boxen kam. Die Mikrophone waren auf der Bühne omnipräsent, wobei aus dem Orchestergraben ein Gemulche kam. Die Tontechniker sollte man zum Mond schießen.

  • Zu Regie sage ich jetzt mal nichts, der wird sich schon irgendetwas dabei gedacht haben, was wir, das einfache, konsumierende Publikum, nur nicht verstehen können. Den Anfang bei der Ouvertüre fand ich ja noch schlüssig, doch die visualisierten Kriegsszenen beim Rataplan Chor fand ich fad. So etwas hat sich doch schon vor etlichen Jahren überlebt.

  • zunächst muss ich sagen, dass ich mich gefreut habe, endlich mal wieder eine Live-Übertragung aus einem renomierten Opernhaus zu sehen. Daher habe ich mich auch auf ein schönes Opernerlebnis eingestellt. Das war hierbei sicherlich mein großer Fehler.


    Die Enttäuschung ist bei mir jedenfalls groß. Mit dieser Inszenierung kann ich mich gar nicht anfreunden.


    Am schlimmsten fand ich ja die Cougirl-Truppe, die hat ja die ganze Oper veralbert. Was sich der Regisseur dabei gedacht hat, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen.


    Ich muss das jetzt alles erst einmal verdauen. - Gute Nacht

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Vielleicht ist es angebracht hier anzumerken, daß das Regie- Ausstattungsteam vom Wiener Publikum EINHELLIG und LAUTSTARK AUSGEBUHT wurde. Als ich das freche Grinsen der so abgelehnten sah habe ich der alten historischen Tradition nachgetrauert, wo man solche Leute mit faulen Eiern oder überreifen Tomaten bewarf. Tempi passati......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred


    Auch wenn du's nicht gerne hörst, aber einhellig war die Ablehnung nicht - es gab sehr wohl auch Bravos. Von mir hätte Pountney keines bekommen, aber auch kein Buh.
    lg Severina :hello:

  • Die sängerische Qualität war schwierig zu beurteilen, da es sich im Opernhaus mit Sicherheit anders angehört hat, als am Bildschirm.


    Da die Mikrophone allerdings sehr bühnenlastig waren, traten für mich eklatante Schwächen auf. Nach meinem Dafürhalten waren etliche Buhrufe durchaus berechtigt.


    Ich gehe davon aus, dass so eine Premierenkarte einiges kostet, und die Besucher etwas besonderes erwarten.


    Selten habe ich einen so schlechten Marchese und Padre Guardian gehört. Der hat kaum einen Ton richtig getroffen, so kam es wenigstens aus unseren Lautsprechern. Die Gestaltung beider Rollen war einfach zu eindimensional.


    Nina Stemme hat gesagt, dass sie auch gerne italienisches Fach singen will. Nach dem heutigen Abend, ich habe sie schon als Wagnersängerin erlebt, muss ich einfach sagen: Bleib bitte beim Wagner. Ich habe mich gefragt, ob man es noch Vibrato nennen kann oder schon Tremolo. Ganz eklatant kam es bei der "Pace, Pace" Arie zum Vorschein.


    Bei der Preciosilla konnte ich, bei gutem Material, die Nervosität förmlich heraushören.


    Alvaro, nicht der geborene Schauspieler, und Don Carlos würde ich gerne zur "Olympiade der Phonartisten" schicken. Es gibt auch Passagen, die Piano gesungen werden müssen.



    Es war für mich ein zwiespältiger, dennoch interessanter Abend, bei dem allerdings Verdi das Nachsehen hatte.


  • Hallo Emotione,
    das glaube ich gar nicht, denn auch die Anhänger des Regietheaters kamen bei dieser "Nicht-Fisch-nicht-Fleisch"-Inszenierung nicht auf ihre Kosten, dazu war alles zu konzeptlos, zu wenig stringent. Einige gute Ideen, die aber im luftleeren Raum hängen blieben und durch die lächerliche Wildwestshow wieder relativiert wurden, dazu so gut wie keine Personenführung, die vor allem Licitra und Miles dringend gebraucht hätten. Nina Stemme und Carlos Alvarez sind starke Persönlichkeiten, die können eine Rolle auch ohne Regisseur formen. Nasdia Krasteva habe ich ehrlich gesagt noch nie so schwach erlebt, die muss heute einen rabenschwarzen Tag erwischt haben.
    lg Severina :hello:

  • Die Nacht des Schicks als Selbstbedienungsladen.


    Leider hatte sich Severinas GP-Bericht in allen Punkten als nur zu richtig, eigentlich sogar als viel zu rücksichtsvoll erwiesen. Nach der überdeutlichen Symbolik des Vorspanns und des Bühnenbildes waren die Kostüme und darstellerischen Leistungen an Konzeptionslosigkeit nicht zu übertreffen.


    Anscheinend wird bei der WSO gespart, denn sie musste wohl die Kostüme mehrerer alter Inszenierungen aufbrauchen. Warum auch eine, wohl abgebrochene, Inszenierung von ANNIE GET YOUR GUN mit brandneuen Kostümen aus Buffalo Bills Zirkusrevue dabei war, entzieht sich meinem Urteilsvermögen. Vielleicht hat Poutney gedacht, in der Geschichte eines Mestizen müsse man auch den amerikanischen Kontinent einbringen, und es gab nichts Passenderes auf Lager, weil MONTEZUMA schon lange nicht mehr im Repertoire war.


    Immerhin: etwas Groteskeres als Zirkuscowboys und -girls, die EVVIVA LA GUERRA singen, habe ich wohl noch nie gesehen, und wenn damit der Text ironisiert werden sollte, dann gebe ich gerne zu, dass, damit verglichen, die während der Ouvertüre ablaufende Kreuzung aus alten "Carmina Burana" - Motiven und, wie schon richtig beobachtet, James-Bond-Direktheit nachgerade subtil war.


    Leider fand ich das Ganze nicht einmal musikalisch sonderlich berauschend, denn irgendwie schien sich jeder seinen Opernstil nach dem Motto der Inszenierung nach Belieben herauszusuchen. Nina Stemme setzte alles daran, ihrem Namen alle Ehre zu machen und sich Wolfgang Wagner empfehlen zu wollen, solange der noch das Sagen hat, Carlos Alvarez hatte wohl gesagt bekommen, dass der Ton nicht in Ordnung ist und wollte permanent live das gesamte 3SAT-Gebiet beschallen, und Zubin Mehta hatte wohl zuviel damit zu tun, die gellenden Holzbläser im Zaum zu halten. Nur Verdi gab es in diesem Selbstbedienungsladen fast so selten wie bei der Regie. Das hatte die Tontechnik wohl schon vorher mitbekommen, denn ihr war heute abend anscheinend alles egal.


    Ich habe nach einer Stunde einen Hitchcock-Film eingelegt, aber das Band sicherheitshalber mitlaufen lassen, werde also den teilweise gelobten dritten Akt bei Gelegenheit halbherzig nachholen. Da die Oper für mich von allen Werken Verdis ohnehin diejenige ist, die ich am liebsten nur in einer guten Aufnahme höre, weil es in mener Wahrnehmung bislang noch niemand geschafft hat, ihre Geschichte vernünftig zu erzählen (ist ja auch schwer bei dem hirnrissigen Libretto), kann ich es gut verschmerzen.


    Wohl wahr: Schade um die verpasste Chance.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    es gab sehr wohl auch Bravos.


    Ja ich habs gehört:


    Eins sechsköpfige Familie oder ebensoviele bezahlte Claqueure (??) :baeh01:


    Auch die abstrusesten Dinge finden ihre Befürworter - Dennoch stehe ich zu meiner Einschätzung:


    Weitgehend einhellige Ablehnung durch das Premierenpublikum
    Wien bleibt Wien


    mfg
    von ebenda
    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)