Jean Sibelius als Sinfoniker

  • Zitat

    Original von teleton
    Die Aufnahme mit Blomstedt/ San Francisco SO [/B](DECCA) besticht durch ihre fantastische Tonqualität und den herrlichen Orchesterfarben die Blomstedt wunderbar zu gestalten versteht.


    Leider bleibt er an Spannung so einiges schuldig.


    sachlich-perfekt


    Ganz mein Eindruck! Blomstedt, das Tapfere Schneiderlein der Dirigenten.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Im Thread Was hört Ihr gerade jetzt? (Klassik 2007)
    liest man so einiges über den erlesenen Musikgeschmack der Forianer
    Davidoff und gouercouer (Johannes).


    Beide gehören unzweifelhaft zu der Gruppe die viel mehr in die Breite sammeln und so unheimlich viele neue Werke kennenlernen.


    :hello: So würde ich gerne mal Einführungs-Beiträge zu Werken von Weingartner, Weinberg, Schulhoff, u.va. und bei Davidoff den Ireland und so einigen russischen Komponisten von Euch lesen.


    Man ließt die Mitteilung in Was hört Ihr gerade jetzt? und denkt:
    "Wat ist dat denn - könnte ja interessant sein" - sonst ist keine INFO vorhanden !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    ... die meiner Meinung nach die beiden besten Interpretationen der gesamten Sibelius-Symphonien in der Stereo-Ära ...
    1) Leif Segerstam (auf Chandos): Eine ungeheuer wilde Aufnahme, zerklüftet, mit expressionistischen Farben spielend, extreme Tempo- und Dynamikkontraste, teilweise geradezu aberwitzige Balancen im Orchester. Sibelius als Vorbote der Moderne.


    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Ich bin nach wie vor restlos begeistert - nicht nur von der 5., von allen anderen auch - inklusive des separat veröffentlichten "Kullervo".


    Aber Vorsicht! - Segerstams neue Einspielung bei Ondine ist zwar sehr gut, nämlich genau und mit vernünftiger Tempodramaturgie, aber weit entfernt von diesem wilden Flächenbrand, den er in der Chandos-Einspielung entfesselt. So hat Segerstam weder vorher noch nachher dirigiert!


    Genau die von Edwin empfohlene Chandos-Aufnahme mit Danish National Symphony Orchestra (und nicht die Ondine-Aufnahme) erscheint nun bald bei Brilliant!
    Ist im neuen 2001-Merkheft bereits für 9,99 Euro drin:



    Also ich werde die Box bestimmt kaufen! :D


    Viele Grüße
    Frank

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  • Danke Frank,


    für Deine INFO zur Segerstam-Chandos-GA jetzt auf BRILLANT.

    Zitat

    Also ich werde die Box bestimmt kaufen! :D

    Ich auch !
    Es ist unglaublich was BRILLANT manchmal für Schätze aushebt --- jetzt machen sie sich an Chandos heran !??! :D!??!


    :hello: Nach Edwin´s Empfehlung haben einige für den relativ hohen Preis schon bei amazon zugeschlagen - die werden sich ärgern.
    Waaaaaahnsinn, jetzt für 9,99€.



    OT:
    Leider ist die BRILLANT-Veröffentlichung der
    "Lateinamerikanischen Werke von ASV mit Batiz" auch noch nicht in Deutschland auf dem Markt. Darauf warte ich auch !
    :hello: Guten Rutsch ins Jahr 2008 wünsche ich Dir/Euch und viele neue CD´s, nicht nur von Brillant.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    kurz weiter OT:
    Doch :D - die "Lateinamerikanischen Werke von ASV mit Batiz" - auch bekannt unter dem Titel "MÚSICA MEXICANA" - sind schon in Deutschland auf dem Markt! Habe ich vor fast zwei Monaten schon bei 2001 für 19,99 Euro gekauft und dort sind sie auch jetzt noch im Programm. :)


    Wünsche dir und allen, die dies hier lesen, ebenfalls einen guten Rutsch ins Jahr 2008!
    Frank :hello:

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  • Hallo Sibelius-Freunde,


    am Freitag habe ich die Sibelius-Sinfonien Nr.1-7 in der empfohlenen Chandos-Aufnahme mit Leif Segerstam als meine erste Bestellung 2008 im Briefkasten vorgefunden und war wegen der überschäumenden Empfehlungen natürlich voller Erwartungen.



    Danish National SO, Leif Segerstam
    BRILLANT, Chandos-Aufnahmen 1990-1992, DDD


    Vor Monaten habe ich ja schon in Frage gestellt, ob es für mich überhaupt noch Sinn hat nach Bernstein (SONY) und Ashkenazy (Decca) überhaupt nochmal einen weiteren Sibelius-Sinfonien - Zyklus anzuschaffen.


    Ich machte Ende 2007 einen weiteren Versuch mit Blomstedt (Decca). Hier mußte ich feststellen, das hohe Orchesterkulur und TOP-Klangqualität nicht alles sind und von Bernstein und Ashkenazy bereits ebenfalls geboten wurden.


    Nun 2008 eine weitere Sibelius-Sinfonien -GA mit Segerstam.
    Leider kranken die Chandos-Aufnahmen an unscharfer Klangabbildung durch zu hohen Hallanteil.
    Es wurde ja schon vorab geschrieben, das ausgerechnert die Aufnahme der Sinfonie Nr.2 schlecht sein soll. Das stimmt noch mehr als bei den anderen Aufnahmen - die orchestrale Abbildung ist sehr verhallt und das Orchester wirkt sehr weit entfernt (Konzertsaal: Platz Mitte - hinten). Khampan hat dies zuvor auch schon nach seimen Chandos-Kauf bestätigt.



    Aber nun zur Interpretation mit Segerstam:
    Ich habe gestern und heute die Sinfonien Nr.5,1,2,4,6 in dieser Reihenfolge gehört. Als erstes vergeleiche ich immer gerne die Spielzeiten mit meinen Aufnahmen. da war mir schon aufgefallen, dass Segerstam sehr breite Tempi besonders bei den Ecksätzen, die eigendlich Allegro, Allegro molto, Allegro energico sein sollten, bevorzugt.
    Die populärsten Sinfonien Nr.1 und 2 scheint Segerstam neu erfinden zu wollen.
    Die Interpretationsunterschiede zu Bernstein (SONY und DG(2.), Ashkenazy, Karajan, Blomstedt, C.Davis (2.), Szell(Philips) könnten nicht größer sein.
    Bei der Sinfonie Nr.1 sind die Sätze nur 1-3 ja noch ganz gut disponiert, aber im letzten Satz fällt die Sinfonie ganz auseinander und damit auch die Spannung. Die Sinfonie endet spannungslos im nichts. Wo sind die prägnanten pauken ? Erst im dreitten satz, wo es Thematisch icht mehr anders geht sind sie gut hörbar, vorher sehr in den Orchesterklang integriert oder scheinbar nicht vorhanden.


    Ähnlich bei der Sinfonie Nr.2. Wollte Segerstam die Werke von einem Schwulst befreien, den sie gar nicht haben ? Gerade die Sinfonie Nr.2 sollte das bieten, was Edwin so empfohen hatte - "Eine ungeheuer wilde Aufnahme, zerklüftet, mit expressionistischen Farben spielend, extreme Tempo- und Dynamikkontraste, teilweise geradezu aberwitzige Balancen im Orchester. Sibelius als Vorbote der Moderne." Wo ist diese Wildheit - bei den Sinfonien Nr.1 und 2 mit Segerstam sucht man diese veregebens !??!
    Neben der schlechten Orchesterabbildung (der Frequanzgang der Aufnahme ist OK) bleibt die Spannung auch hier auf der Strecke. Vieles bleibt ungehört und muß dazugedacht werden, weil es man es ja aus anderen Aufnahmen her kennt. Es tut mir leid dies schreiben zu müssen: Diese Aufnahme ist die schlechteste und lahmste Interpretation der Sinfonie Nr.2 die ich jemals gehört habe.
    Ich habe heute noch mehrere Ausschnitte gegengehört - so Szell (Philips), Ashkenazy (Decca), C.Davis(Philips), Blomstedt(Decca), Bernstein (DG - fantastisch), Bernstein (SONY-ohnehin mein Favorit für die Nr.2).


    Der Rest scheint mit Segherstam ganz in Ordnung zu sein und Ewins o.g.Zitat ist nachvollziehbar.
    Die Sinfonie Nr.4 mit Segerstam (hat mir wirklich gut gefallen) verträgt auch die langsamen Tempi sehr gut. Ich hatte den Eindruck hier eine der besten Interpreationen dieses Werkes unter Segerstam zu hören.


    Bei der Sinfonie Nr.5 wollte ich gerne hier und da mal anschieben und der Schluß hatte mir auch zu wenig Bernstein-Emphase, aber sonst ganz gut.
    Leider bleibt auch hier vieles ungehört und muß dazuzgedacht werden.


    Von Segerstams Sinfonie Nr.6 hattge ich nun wieder einen sehr guten Eindruck. Mir scheint das gerade die weniger gespielten Sibelius-Sinfonien Segerstam noch mehr liegen.


    In den nächsten Tagen werde ich mir noch die Sinfonien Nr.3 und 7 anhören und auch die Suite Nr.1 zu Der STURM. Warum ist nicht auch die Suite Nr.2 mit drauf ?


    :hello: Fazit:
    Meine Favoriten Bernstein und Ashkenazy konnten insgesamt als GA nicht "abgehängt" werden.
    Die Sinfonien Nr.4 und 6 sind mit Segerstam eine sehr schöne Bereicherung für 9,99€.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Danke Wolfgang für deine umfassenden Eindrücke.
    Auch die kritischen Anmerkungen sind für mich durchaus nachvollziehbar, wenngleich ich vieles anders gewichte (zugunsten Segerstam).
    Der Schluß der 1. ist schon speziell, zugegeben. Und die 6. bietet auch für mich die stärkste Interpretation innerhalb dieses Zyklus (neben der 3., mal sehen ob du damit einverstanden bist).


    Nicht einverstanden bin ich dagegen mit deiner klanglichen Bewertung.
    Was in der 2. passiert ist, ist m.E. schlicht ein technischer Unfall und hat mit der Interpretation (die man hier gar nicht bewerten kann weil man vieles nicht hört) nichts zu tun.
    Ansonsten finde ich den Klang sehr gut, meilenweit besser als etwa Davis/Boston. Der Grund ist daß die Dänen einen (ziemlich guten, natürlichen) Raumklang eingefangen habden, der für mich unbedingt zur Musik dazugehört. Die Davis-Aufnahme ist genau das andere Extrem, Mikrofone dicht an den Instrumenten, was zwar die Deutlichkeit, Präsenz, Durchhörbarkeit massiv erhöht, für mich aber die Musik nur noch als Gerippe erscheinen läßt. Die anderen Aufnahmen bewegen sich zumeist irgendwo dazwischen (Ashkenazy etwa in einer sehr guten Kombination von beidem).


    Der Nachteil von weniger deutlich gestützten Aufnahmen (wie Segerstam/Chandos) liegt darin, daß man nur dann die Details hören kann, wenn die Wiedergabeanlage gut genug ist und v.a. wenn man laut hört.


    Der Nachteil einer stark gestützten Aufnahme ist u.a. der, daß man sie nicht laut hören kann, daß einem ständig Bogengeräusche um die Ohren fliegen, nebst Flötenfiepsen, Dirigentengebrumm und was sonst noch alles.


    Wenn du mal einen Hörvergleich mit Kopfhörer machst, verstehst du was ich meine. Nur nicht den Fehler machen, den Lautstärkeregler auf gleicher Stufe stehen zu lassen. Jede Aufnahme hat ihre Ideallautstärke.
    Ich hab's gern so laut, daß ich das Gefühl haben kann, im Konzert zu sitzen.


    Gruß,
    Khampan

  • Hallo Khampan,


    Danke für deine Antwort.
    Meine schlechte Klangbewertung bezieht sich ja auch hauptsächlich auf die "verunfallte" Sinfonie Nr.2.


    Aber Du wirst lachen.
    Da ich letztes Wochenende nicht immer über meine Anlage hören konnte /die Familienmitglieder wären sonst genervt gewesen (zumal ich auch Ausschnitte aus anderen Aufnahmen zum Vergleich hörte - sowas kann man keinem Mithörer zumuten) habe ich sehr vieles aus der Segerstam - Box über Kopfhörer gehört.
    Ich wollte auch die Empfehlung schreiben, dass wegen des hohen Hallanteils der Segerstam-Aufnahmen insgesamt ein Hören über Kopfhörer besser ist, da dann die Details besser rüberkommen; dies hatte ich dann später beim Schreiben des Beitrages wieder vergessen.


    Auch Zustimmung, das man diese Musik laut über die Boxen hören sollte um alle Details zu erfassen. Aber das konnte ich dieses Wochenende nicht immer. Die Sinfonie Nr.2 habe ich aber auch über die Boxen gehört.
    ich höre eigendlich nie leise, weil ich genau wie Du empfinde:

    Zitat

    Ich hab's gern so laut, daß ich das Gefühl haben kann, im Konzert zu sitzen.


    Ich meine schon das man eine Aussage zur Interpretation der Sinfonie Nr.2 machen kann und da fehlte mir eindeutig die Emphase. Das ganze klang für mich von Segerstam gewollt gesoftet und mit einem serenadenhaften Ton versehen, der das Klische "Nordische Landschaft im Nebel" bedienen sollte.


    Interessant, dass Du auch die Segerstam-Interpretation der Sinfonie Nr.6 als herausragend bezeichnest. Hier macht er auch keine tempomäßigen Mätzchen und bleibt im Rahmen meiner zahlreichen Vergleichsaufnahmen.


    Auch die Sinfonie Nr.3 gefällt mir gut (heute morgen über KH ) :D im Bett)), damit ebenfalls Zustimmung. Auch hier ist kein tempomäßiges Auswalzen vorhanden.



    Aus anderen Threads kann man erkennen, dass ich immer Probleme mit Interpretationen habe, die zu ausgewalzt und langgezogen sind.
    So bin ich auch mit einigen Nielsen-Sinfonien unter Roshdestwensky (Chandos) nicht 100% glücklich, da mir der straffe Zugriff fehlt. :D Das war auch eine Edwin-Empfehlung.


    Doch gibt es Ausnahmen:
    Sibelius: Sinfonie Nr.2 mit Bernstein / Wiener PH (DG)
    da zelebriert Bernstein genau so lange wie Segerstam; den 2.Satz sogar noch 2,5Minuten länger als Segerstam. Doch welch ein Ergebnis, welch eine Spannung und es liegt als Ergebnis eine packende Wahnsinnsaufnahme mit Bernstein vor. Gänsehaut pur bis zum genialen Finale - bei Segerstam von all dem keine Spur (was natürlich auch noch durch die klanglichen Umstände verstärkt wird).

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von teleton
    Leider ist die BRILLANT-Veröffentlichung der
    "Lateinamerikanischen Werke von ASV mit Batiz" auch noch nicht in Deutschland auf dem Markt. Darauf warte ich auch !
    :hello: Guten Rutsch ins Jahr 2008 wünsche ich Dir/Euch und viele neue CD´s, nicht nur von Brillant.


    Ich denke, die ist bei Zweitausendeins im Progarmm!? ?(

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hallo Wolfgang,


    vielen Dank für deine so ausführlich beschriebenen Höreindrücke zu der Segerstam-Box! :jubel:


    Obwohl schon bei 2001 zurückgelegt, überlege ich nun doch wieder den Kauf sein zu lassen. Wenn alle Sinfonien (also nicht nur Nr. 2) ihre Details aufgrund der Klangtechnik erst bei lauterem Hören offenbaren, dann ist dies für mich schon ein KO-Kriterium. Ich höre nämlich vorzugsweise nur bei moderater Lautstärke über Kopfhörer und liebe das Hören vieler Details. Dann sollte ich vielleicht lieber meinen Ashkenazy erneut durchhören und mich Richtung Bernstein weiter orientieren. Schätze an anderer Stelle auch Bernsteins spannungsgeladenen Herangehensweise und glaube herausgelesen zu haben, dass mein Geschmack beim Orchesterspiel gut mit deinem übereinstimmt.


    @ab: Hatte ich Wolfgang weiter oben schon drauf hingewiesen und er schrieb an anderer Stelle auch schon, dass er die Box bereits in der Post hatte! :)


    Viele Grüße
    Frank

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  • Zitat

    Original von Frank1970
    Wenn alle Sinfonien (also nicht nur Nr. 2) ihre Details aufgrund der Klangtechnik erst bei lauterem Hören offenbaren, dann ist dies für mich schon ein KO-Kriterium. Ich höre nämlich vorzugsweise nur bei moderater Lautstärke über Kopfhörer und liebe das Hören vieler Details. Dann sollte ich vielleicht lieber meinen Ashkenazy erneut durchhören und mich Richtung Bernstein weiter orientieren. Schätze an anderer Stelle auch Bernsteins spannungsgeladenen Herangehensweise und glaube herausgelesen zu haben, dass mein Geschmack beim Orchesterspiel gut mit deinem übereinstimmt.


    in deinem Fall könnte ich mir gut vorstellen, daß du mit Bernstein besser bedient bist.
    Jeder hat so seine eigenen k.o.-Kriterien. In meinem Fall ist es - ich bin sicher daß die allermeisten darüber nur den Kopf schütteln können - die irrsinnig hohe Stimmung der Wiener Philharmoniker, die mir den Spaß an den meisten Aufnahmen der 70er und 80er Jahre vermasselt. Darunter fallen leider auch die Bernstein-Aufnahmen (Sibelius, Beethoven, Brahms... ein Jammer, ich weiß).


    Gruß,
    Khampan

  • Lieber Wolfgang -- kurze Anmerkung zu den Formen in der Vierten. Es handelt sich um Überlagerungen aus Barform (Stollen-Stollen-Abgesang), Liedform und Sonatenform. Die Barform dominiert die gesamte Sinfonie.

  • Hallo Sibelius-Freunde,


    ich habe seit ein paar Tagen die Sibelius-Järvi-BIS-GA zuHause und bisher die Sinfonien Nr.1, 2, 4, 5 gehört.
    Das Ergebnis ist sehr uneinheitlich, sodass man bei diese GA nicht einheitlich als gut oder schlecht bezeichnen könnte.


    Hier ganz kurz meine Eindrücke zu Järvi / Gothenburg SO (BIS 1982-1985, DDD), ohne auf Einzelheiten einzugehen:
    Alles in allem habe ich einen besseren Eindruck von Järvi und BIS als bei Segerstam (die ich genau vor einem Jahr 01/2008 als Vergleich kaufte).
    Die Spielzeiten lassen keine Ungewöhnlichkeiten vermuten und bewegen sich in normalem Rahmen, ohne auf eine besonders auszelebrierte, langatmige Sicht schließen zu lassen.
    Die BIS-Klangqualität ist gut-sehr gut und sehr detailreich mit einem kleinen Hang in den Höhen etwas spitz zu klingen (wie oft bei DDD-Aufnahmen aus den 80ern). Ein hervorragendes Durchhören der Strukturen ist voll gegeben und damit nicht breiig und desolat wie einige Segerstam-Sibelius-Aufnahmen aus der Brillant-, ursprünglich Chandos-Box.
    Die klanglich audiophile Blomstedt-GA (Decca), die ich auch 2008 kaufte, hat allerdings klanglich noch mehr zu bieten, als BIS; aber die ist bei einigen Werken zu sachlich "auf dem Teppich bleibend".


    Sinfonie Nr.1
    Es fehlt mir hier der frische jugendliche Überschwang, wie ich ihn lobenswert bei Ashkenazy höre. Blöcke stehen bei Järvi wie aneinandergereiht nebeneinander ohne einen Verbindungs- und Spannungsbogen zu haben. Der Dritte Satz (Scherzo) muß vor Lebensfreude nur so sprühen - bei Järvi plätschert er dahin.
    Man hölre meinene absolute Favotenaufnahnme mit Ashkenazy (Decca) dagegen, dann wird einem klar wie unbedeutend hier Järvi rüber kommt. Verpatzt !


    Sinfonie Nr.2
    Diese Interpretation ist ganz anders geartet als die Sinfonie Nr.1. Beim Blick auf die Spielzeit stelle ich fest, dass dies die flotteste Interpretation meiner 10 Aufnahmen dieses Werkes ist: 8:48 - 13:54 - 5:57 - 12:59.
    Das Hörergebnus ist dann auch packend und gut. Das Finale gestaltet Järvi zu kontrolliert, sodaß etliche Gänsehautstellen verloren erscheinen.
    Es wird bei weitem nicht diese große Emphase der beiden Bernstein-Aufnahmen (SONY und DG) erreicht und ist damit auch von meinem Favorit Bernstein (SONY) weit entfernt.


    Sinfonie Nr.4
    Dieses Werk scheint Järvi sehr zu liegen und paßt auch zu seinem Interpretationskonzept, da hier seine sachliche Kontrolliertkeit zu einer intensiven, tiefgehenden Interpretatioin führt.
    *** Es ist eine der besten Aufnahmen der Nr.4, die mir vorliegen und sie kann sich guten Gewissens zu meinen Favoriten Bernstein (SONY) und Karajan (DG und EMI) einreihen.
    Aus bisheriger Sicht hat sich wenigstens wegen der Sinfonie Nr.4 der BIS-Kauf gelohnt (3,6,7 stehen ja noch aus).


    Sinfonie Nr.5
    Järvi gibt sich alle Mühe. Langsam vermute ich, das das Orchester nicht immer die Leistung bringt. Kann aber auch nicht sein, denn bei Grieg (DG) und Rimsky _ K (DG) ist das Orchester herzhaft dabei.
    Es fehkt besonders beim letzten Satz so einiges an zupackendem Gestus. Das zeigt sich in Aufnahmen mit Karajan (DG und EMI); Blomstedt (Decca) und meinen Favoriten Askkenazy (Decca) und Bernstein (SONY) wesentlich angemessener.


    ----------------------


    8) Um jetzt wieder neue packendere Sibelius-Aufnahmen hören zu können, brauchte ich ja nur ins CD-Regal zu greifen.
    :D Aber ich will den Bernstein-Wahnsinn mit den Wiener PH auf DG hören. Daraus habe ich nur die absolut überbordenst mögliche Aufnahme der Sinfonie Nr.2, bei der selbst die ausgewalzten Tempi nicht stören.
    Diese DG-Box mit den Sinfonien Nr.1,2,5,7 habe ich bestellt - ich brauche jetzt nach Järvi wieder einen Sibelius, der mich wirklich weghaut.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Die anderen Symphonien mit Bernstein sind ähnlich. Vor allem die Erste klingt verdammt nach Mahler (und endlich mal im Kopfsatz nicht belanglos :untertauch:). Nicht unbedingt Sibelius in Reinkultur, dafür Bernstein at his best!

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Liebe Sibelius-Freunde,


    ich habe jetzt nach der Sibelius-BIS-GA auch die Sibelius-DG-GA mit Neeme Järvi weitestgehend durchgehört.
    Ich möchte jetzt aus Zeitgründen nicht so weit ausholen, wie letztens, aber meine Eindrücke kurz wiedergeben.


    Von der DG-Aufnahme habe ich den Eindruck als wenn Järvi Schwächen die bei der BIS-GA vorliegen vermeiden wollte.
    Vielleicht liegt darin der Grund eine weitere GA mit dem gleichen Orchester innerhalb so kurzer Zeit vorzulegen.
    Beim ungefähr gleichen Interpretationkonzept, aber durchweg breiten Tempi als bei BIS gestaltet er einen Sibelius der sich insgesamt auch hier sehen lassen kann.
    Die Klangqaulität bei BIS schon sehr gut und ausgewogen ist bei DG sogar noch etwas besser.
    Die Sinfonie Nr.1 hat hier mehr Aussagekraft, aber beleibt nach wie vor zu unterbelichtet.
    Die Sinfonie Nr.2 ist noch eindrucksvoller und größer wirkend; die Sinfonie Nr.4 hat die gleiche Größe und Farmat wie bei BIS - für mich eine der besten Aufnahmen dieses Werkes. Die Fünfte ist wieder zu harmlos, zu normal geraten. Gut auch die Sinfonie Nr.7 - aber da habe ich Karajan (DG und EMI) im Ohr und kann auch hier nichts herausragendes feststellen, das diese Aufnahme empfehlenswert machen würde.


    **** Sehr erfreulich bei der DG-7CD-Box ist die Zugabe der wichtigsten Tondichtungen auf 3CD, die fabelhaft von Järvi interpretiert werden und sogar eine Karajan (EMI) - Aufnahmen der Tondichtungen übertreffen.
    Dafür hat sich die DG-Anschaffung gelohnt.



    7 Sinfonien und Tondichtungen
    DG, 1996 - 2005, DDD


    Insgesamt gefällt mir die DG-GA schon wegen der gebotenen Tondichtungen und der TOP-Zeitgemäßen Klangtechnik bei DG besser als die BIS-GA.
    8) Da kann man mal wider sehen, wie Aussagekräftig Kritiken sind, die größtenteils BIS bevorzugen.
    :hello: Für Klingsor interessant. Er hatte ja auch gesagt, dass die DG-GA einen besseren Eindruck macht als die BIS-GA.


    :yes: **** Als Fazit kann aber auch diese Järvi-DG-GA meine Favoriten Bernstein (SONY) und Ashkenazy (Decca) nicht ankratzen, die Beide einen ungleich emotionaleren und folgerichtig spannenderen Sibelius zu bieten haben.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von georgius1988
    Die anderen Symphonien mit Bernstein sind ähnlich. Vor allem die Erste klingt verdammt nach Mahler (und endlich mal im Kopfsatz nicht belanglos :untertauch:). Nicht unbedingt Sibelius in Reinkultur, dafür Bernstein at his best!


    Lieber gregorius und Sibelius-Freunde,


    nach langer Erwartung habe ich gestern mitten im Karneval 2009 endlich die heiß erwartete Sibelius - DG - Bernstein - Box mit den Sinfonien Nr.1,2,5,7 erhalten.
    :faint: Die wurde in größster Erwartung dann gleich gehört.



    Sibelus: Sinfonien Nr.1,2,5,7
    Wiener PH / Leoanrd Bernstein
    DG, 1982-1990, DDD



    Von der Sinfonie Nr.2 wuste ich ja schon das es "die Wahnssinnsaufnahme" ist, denn die habe ich seit mind.10Jahren als Favorit zusammen mit Bernstein (SONY) und Ashkenazy (Decca) im Schrank stehen.


    Das ich jemals eine Aufnahme der Sinfonie Nr.1 hören würde, die an Ashkenazy (Decca) auch nur annähernd herankommt, das hätte ich nie erwartet.
    :yes: Hier mit Bernstein DG ist sie. Emotional überbordend, tiefgehend mit größter Emphase - man ist das ein Sibelius :jubel:
    Der Erste Satz hat hier die Größe die ihm Zusteht.
    Einzig der dritte Satz hat nicht den lebensbejahenden Ausdruck wie bei Ashkenazy, dafür geht es dann bei Bernstein mit allem was die Wiener aufzubieten haben in den fabelhaften Finalsatz.
    Bernstein übertrift seine CBS/Sony -Aufnahme bei weitem !



    Von ähnlicher Größe gekennzeichnet sind auch die Bernstein-Aufnahmen der Sinfonien Nr.5 und 7. Doch verträgt sich das ausufernde und ausladende Interpretationskonzept nicht so gut, sodaß besonders die Sinfonie Nr.5 einen ganz anderen neuen Schwerpunkt erhält.
    Es ist auf jeden Fall ergreifend Bernstein hier zu hören - ich werde diese DG-CD noch oft anhören. Aber hier bei der Nr.5 bin ich durch Karajan (DG) geprägt, der es "richtig" und somit spannender macht. Die Tempi zerfließen nicht in dem Maße. Den goldenen Mittelweg mit allem was die Sinfonie Nr.5 hörenswert macht, findet sich für mich bei Ashkenazy (Decca) und ja - Bernstein (SONY) in seiner alten Aufnahme, die wiederum hier die neuere DG-Aufnahme übertrifft.


    :yes: Aber der Bernstein-DG-Kauf hat erwartungsgemäß voll gelohnt und mich sehr zufrieden gestellt.
    Hier liegt bei den Sinfonien ein ganz anderer, sehr hoher Stellenwert vor; als der bei den beiden Järvi-GA (BIS und DG) .

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von teleton :hello: Für Klingsor interessant. Er hatte ja auch gesagt, dass die DG-GA einen besseren Eindruck macht als die BIS-GA.


    mir wurde ja nicht geglaubt :D :lips:


    aber da hatte ich wohl in allen punkten recht. :angel: dg besser als bis; die 4. symphonie als beste des zyklus und daß es weit bessere aufnahmen als die von järvi gibt. bernstein hätte ich gedacht httest du schon längst. sonst hätte ich dir gesagt, daß es die beste sei.


    schade, ein drama, daß er nicht alls einspielen kinnte.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    bernstein hätte ich gedacht hättest du schon längst. sonst hätte ich dir gesagt, daß es die beste sei.


    Hallo Jörg,


    ja, den Bernstein habe ich schon lange - aber in seiner CBS-GA (SONY). Und das ist auch als GA mein Favorit (zusammen mit Ashkenazy).


    :yes: Man sollte aber die Sinfonien doch einzeln betrachten um zum wirklichen End-Ergebnis zu kommen.


    So ist Bernstein bei den Sinfonien Nr.1 bei DG der alten CBS haushoch überlegen - mein neuer Favorit.


    Bei der Sinfonie Nr.2 kann es nichts umwerfenderes geben als seine DG-Aufnahme. Aber meine Lieblingsaufnahme der 2 bleibt seine ebenso emotionale aber auch tempomäßig forschere und damit noch schlüssigere CBS-Aufnahme.


    Die Sinfonie Nr.5 ist hier auf DG riesig, aber höre mal seine fabelhafte CBS-Aufnahme. Sind die Tempi dort nicht absolut stimmig ? So das es einen anspricht ? Ich brauche und höre bei der 5 mehr Lebensmut


    Die Sinfonie Nr.7 auf DG, ja - auch eine Rieseninterpretation - mehr Gefühl geht nicht.


    *** Was ich noch nicht erwähnt hatte, ist das fabelhafte engagierte Spiel der Wiener Philharmoniker bei diesen LIVE-Aufnahmen, die gar nicht LIVE wirken.
    Zuschauergehuste und Klatschen sind nicht vorhanden.
    ((Nur bei dem Filler der Boston SO - Aufnahme der Britten: 4Seebilder, die ich als Überflüssig in der DG-Box ansehe, denn das hat Lenny in NewYork auf CBS/SONY wesentlich besser gemacht.))
    Die Klangqaulität dieser Sibelius-Aufnahmen ist vorzüglich gelungen und hat nicht den leisesten Anklang an LIVE-Aufnahmequalität (die nach Meinung einiger bei DG nie so toll ist - hier TOP).



    Du schreibst: "Schade, das er nicht alles einspielen konnte."
    Da hast Du Recht. Die Sinfonien Nr.3,4,6 hätte ich auch noch gerne auf DG gehört.
    :angel: Aber dafür haben wir Bernstein´s fabelhafte CBS-Aufnahmen (SONY) mit den New Yorker Philharmonikern !


    Ich hoffe die kennst Du auch ?

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ich erlaube mir mal, diesen Thread wiederzubeleben.
    Nach ausführlichen Debatten über die verschiedenen Aufnahmen würde ich gerne zum Werk selbst zurückkommen, und zwar aus dem nicht ganz ungewöhnlichen Grund, dass ich eigentlich Adorno u.Co. Recht geben muss, Sibelius aber tief im Magen drin sehr liebe.


    Um mal etwas Konkretes zu äußern: Ich hatte einst schon einmal in einem anderen Thread ("schöne Pausen") gefragt, ob mir jemand die Schlussakkorde der 5. erklären kann.
    Außerdem interessiert mich, ob außer mir noch jemand die mit Spannung erwartete Sibelius-Monographie vonTomi Mäkelä so belanglos findet wie ich.


    :untertauch:

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Hallo,


    gerade habe ich zum ersten Mal "Tapiola" gehört, und zwar in einer Einspielung von 1954 mit dem Philharmonia Orchestra unter Karajan.


    Ich empfand die Musik als ziemlich leblos und dadurch langweilig, vielleicht wie ein einsames Segelboot auf dem Meer, das auf der Stelle steht, da kein Wind aufkommt.


    Da ich das Stück nicht kenne, weiß ich nicht, ob es immer so wirkt oder ob die Karajaneinspielung im speziellen so ist; vielleicht war diese Einspielung ja nicht gerade eine Sternstunde von Karajan? In dem Thread "Karajan - meine liebste Aufnahmen" taucht diese, wenn ich recht gesehen habe, schließlich nicht auf. Deshalb meine Frage: Gibt es lebendigere und dynamischere Einspielungen oder ist das Stück absichtlich auf Windstille angelegt?


    Danke und Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Hallo Uwe,


    ich kenne Karajan´s 1954-EMI-Aufnahme nicht.
    Tapiola (1925) ist die bedeutenste alle Sibelius-Tondichtungen !
    Das Programm von Sibelius, das er aus der finnischen Mythologie entnommen hat:
    Da dehnen sich des Nordlands düstere Wälder.
    Uralt-geheimnisvoll in wilden Träumen.
    In ihnen wohnt der Wälder großer Gott.
    Waldgeister weben heimlich in dem Dunklen.


    Aber ich denke Du gehst bei dem Werk von einer ganz und gar falschen Voraussetzung aus.
    Das Werk ist in der ersten Hälfte relativ ruhig angelegt um dann mit mehreren Höhepunkten in der zweiten Hälfte aufzuwarten.
    Die Erwartungshaltung auf diese Höhepunkte macht das Werk aber auch schon von Anfang an spannend und malt in düsteren Farben sehr ansprechend die düsternis der finnischen Wälder.


    Ich finde das Werk von den ersten Takten an schon spannend und ergreifend.
    *** Das Karajan 1954 eine langweilge Aufnahme machte, kann ich mir nicht vorstellen, weil seine Aufnahme von EMI, 1976, ADD sehr gut gelungen ist. Die EMI-CD von 1977 enthält mehrere Tondichtungen, die Karajan als TOP-Sibelius-Dirigenten ausweisen.


    *** Noch düsterer und geheimnisvoller und mit brachialen Ausbrüchen ist
    Segerstam/Helinki PO (Ondine, 1996, DDD), aber nicht immer so klar durchzeichnet wie die Folgende.


    **** Ein audiophiler Leckerbissen mit viel Gefühl und ergreifenden Fortestellen mit TOP-Pauken ist die zu meinen Favoriten gehörende Aufnahme mit
    Ashkenazy/Philharmonia Orchestra (Decca, 1981-83, DDD).
    Die CD mit verschiedenen Tondichtungen ist ein MUSS für Sibelius-Fans und enthält die stärkste Aufnahme von Finlandia.


    ** Lupenrein, aber vom Tempo zu schnell über die schönen Stellen hinweggehend ist
    Berglund/Helsinki PO (EMI, 1994, DDD).
    14:53 ist einfach zu schnell für dieses Werk (auch wenn ich ansonsten schnelle Tempi bevorzuge) - normal und angemessen sind 19-20Minuten.
    Die EMI-CD ist mit den Vier Legenden aus Kalevala op.22 unter Ormandy gekoppelt - höchst empfehlenswert wegen Ormandy.


    *** Die Järvi-Aufnahme/ Gothenburg SO (DG, DDD), die in der Sinfonien GA mit mehreren Tondichtungen vertreten ist, ist auch stimmig und sehr gut. Besser als so manche Sibelius-Sinfonie mit Järvi.


    **** Mein absoluter Favorit, zusammen mit Ashkenazy, bei dem alles stimmt - Ausdrucksgehalt - Stimmung - Detailarbeit - Paukensound - Klangqualität ist
    Blomstedt / San Francisco SO (Decca, 1992, DDD).
    Die Aufnahme ist zusammen mit Valse Triste in der Sinfonien-GA enthalten.





    PS.: Ich habe neben den Sinfonien-GA alle Bernstein-Einspielungen von Sibelius-Werken auf SONY und DG.
    Schade das er Tapiola nie eingespielt hat, denn das wäre auch ein "Fest" geworden.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Tapiola wird unter Sibelius-Anhängern mitunter als "8. Sinfonie" gehandelt, jedenfalls als sehr bedeutendes Werk angesehen. Ich fand es bisher auch immer eher langweilig (so daß ich auch wenig Lust hatte, mich näher damit zu befassen). Ich glaube nicht, daß es an der Karajan-Aufnahme liegt, wenn es Dir nicht gefällt. (Ich habe Ashkenazy und Rosbaud.)


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Symphonien von Sibelius bisher noch nicht kennengelernt habe.
    Die Gründe hierfür zu benennen, würde jetzt zu weit führen.
    Jedenfalls soll es sich jetzt aber ändern, weshalb ich mir diesen Thread ( auch den Parallelthread mit Karajan Emi vs.DG ) genau durchgelesen und vor allem bei JPC lange online verglichen habe.


    Natürlich muss man bei der Bewertung dieser Eindrücke sehr vorsichtig und skeptisch sein, da ich die Werke ja nicht komplett kenne, aber einige wichtige musikalischen Parameter meine ich schon erkennen zu können, auch im Vergleich.


    Vielleicht können meine frischen und unbefangenen Eindrücke für den einen oder anderen Tamino/Mitleser ja gerade deshalb interessant sein, weil ich eben nicht durch alle mögliche Einspielungen, Detailwissen aus der Partitur oder sonstige Hörerfahrungen/Gewohnheiten sozusagen vorprogrammiert bin.


    Für mich haben sich also zwei Einspielungen als die heissesten Kandidaten herauskristalisiert:



    Diese hier genannte SACD mit Davis und dem LSO sei stellvertretend für die übrigen SACD-Einspielungen dieses Dirigenten genannt.


    Für mich klingt es zunächst einmal handwerklich grundsolide und trotzdem sehr inspiriert, ausgewogene Tempi und ein vom Orchester sehr gekonnt in die klangliche Realität umgesetzter, Ausdruckswille, der durch Erfahrung gereift zu sein scheint.


    Ein grosses Plus dieser Aufnahme ist wohl die SACD-Mehrkanaltechnik. Diese grossorchestrale Musik in Surround geniessen zu können ( ich denke jetzt gerade an den zweiten Satz der Ersten) wird wohl ein besonderes Erlebnis sein.
    Auch die im Vergleich zu anderen Aufnahmen anscheinend sehr natürlich getroffenen Klangfarben sprechen für diese SACD.


    Musikalisch fast immer noch fesselnder und ausdrucksstärker fand ich jedoch diese erstaunlich günstige Gesamteinspielung:



    Meinen Eindruck nach wurde hier mit wenigeren Mikros gearbeitet, was meinen Wünschen nach dem "Konzertsaal im Wohnzimmer" sehr entgegenkommt.
    Ich war z.B. über die Ortungsschärfe etwa der Bläser in der ersten Symphonie sowohl in der räumlichen Tiefe als auch horizontal sehr überrascht.


    Wenn JPC bei allen Aufnahmen einen vergleichbaren mp3-Standard anbietet, dann finde ich schon, dass man gewisse Unterschiede heraushören kann.
    Ich höre diese JPC-Schnipsel mit einer externen, professionellen Tascam-Soundkarte und Tannoy-Studiomonitoren ab und meine schon, hier einiges erkannt zu haben, wenn auch mit Vorbehalt.
    So ist mir weder das vernehmbare Rauschen der Karajanschen EMI-Aufnahme (z.B. bei der Ersten) noch das häufige, mich in diesem Fall störende Mitgrummeln des Dirigenten Colin Davis entgangen....
    Trotzdem weiss ich auch, dass alles über die grosse Anlage noch anders wirken wird.


    Die über JPC angebotene Stereospur der Davis-Aufnahme fand ich von der holografischen Räumlichkeit und Ortungsschärfe her nicht so begeisternd wie die bei Brilliant erschienenen Gesamtaufnahmen unter Segerstams Leitung, schlecht jedoch keinesfalls.
    Vielleicht wird ja die online nicht hörbare 5.1-Schicht besser sein.


    Musikalisch ab und an weniger ansprechend fand ich die Interpretationsansätze von Rattle (Einiges klang mir hier zu brutal, zu gewollt) und noch weniger Ashkenazy ( im Vergleich mir öfter einfach zu schnell und zudem aufnahmetechnisch zu dicht multi-mikrofoniert)
    Bei Järvi hörte ich viele interessante Details, fast zu viele. Der im Vergleich eher zupackende Zugriff überzeugte mich indes nicht derart, dass ich den Kauf dieser CDs in Erwägung gezogen hätte.


    Karajans dahingegen sehr grosse, zusammenhängende Linien und der einfach irgendwie grösser besetzt klingende Streichersound der Berliner Philharmoniker herauszuhören, fiel nicht schwer, und ich finde auch, dass es zu dieser Musik gut passen kann.
    Aufnahmetechnisch können diese Einspielungen m.E. aber nicht mit den von mir oben gezeigten Versionen mithalten, wie z.B. digitale Härte und Rauschen (!) bei EMI und auch Rauschen und nicht so natürlich klingende Klangfarben bei DG ( allerdings eine schönere Räumlichkeit als bei EMI)


    Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob ich mir nun die musikalisch, stereo-aufnahmetechnisch und preislich am überzeugendste Brillant-Sammlung holen, oder mir die Werke von Colin Davis im Surround-Klanggewand zum Kennenlernen vorspielen lassen soll.
    Wahrscheinlich wird es beides werden müssen... :rolleyes:
    Später werde ich mir ggf. auch noch diese preisgünstige Karajan-Einspielung zulegen:



    Das ist übrigens für mich eine faszinierende Reise in eine neue Klangwelt :yes:
    Nur die Zeit, die muss man sich zum Hören wirklich nehmen...


    Gruss :hello:
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Hallo Glockenton,


    es ist immer sehr schön, wenn man sich neuen musikalischen Komponisten öffnet. bei Sibelius wirst Du Deine Freude haben.


    :no: Nur eines steht fest: An jpc-mp3-Klangschnipsel, die alle sehr unterschiedlich ausfallen, kannst Du Deine Wahl nicht so recht festmachen.



    !!! Die von Dir angesprochenen LSO-Live-Aufnahmen sind nicht alle klanglich immer astrein. Wie Sibelius geraten ist --- ? Colin Davis ist bestimmt keine schlechte Wahl.
    Mit Colin Davis habe ich die Sinfonie Nr.2 mit dem Boston SO (Philips) - eine sehr gute und spannende Aufnahme und nebenbei meine erste Sibelius-CD.
    Aber Colin Davis ist beim restlichen Programm dieser Philips-CD Finlandia, Valse triste und Der Schwan von Tuonella ein rechter Langweiler. Wer weis wie er die anderen Sinfonien sieht ???
    (OT: C.Davis finde ich bei den Berlioz-Sinfonien nur Mittelmaß, bei den Berlioz-Ouvertüren dann wieder absolute Spitze.)
    Ich finde mit allen Karajan-Stereo-Aufnahmen DG - Nr.4-7 und EMI - Nr.1,2,4-7 liegst Du auf der sichereren Seite.



    ** Die Brillant-Aufnahme mit Segerstam war meine erster Kauf 01/2008 als Interpretationsvergleich - siehe auch meinen Beitrag zu dieser Aufnahme im gleichen Monat hier im Thread.
    Die Aufnahme ist nicht nur klanglich sehr uneinheitlich, sonderen bietet ausgerechnet die gerade für den Neuling höchst ansprechenden Sinfonien Nr.1 und 2 in klanglich misereabler, aber auch von der Interpretation langweiliger Qualität. Weit besser sind Nr.3, sehr gut Nr.4, ganz gut und einigermaßen angemessen Nr.5, sehr gut dann wieder Nr.6 und 7.


    **** Eine Sibelius-Sinfonien-GA die unbedingt ganz glücklich macht ist die mit Bernstein (SONY). Die ist zudem klanglich durchweg gut für die 60er-70er-Jahre Aufnahmezeit. Kauft man dann noch seine späteren DG-Aufnahmen der Nr.1,2,5,7 dazu, dann hat man Emotion pur.


    **** Will man eine GA, die auch das klanglich audiophile Element mit großem Gefühl verbindet, so kommt man an der fabelhaften GA Ashkenazy (Decca) auch nicht vorbei.
    Die Sinfonie Nr.1 wird man kaum besser und detailreicher hören - vieleicht noch vergleichbar die hochemotionale Bernstein-DG-Aufnahme mit den Wienern.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo teleton,


    danke für die Antwort und Deine Einschätzungen als Sibelius-Kenner.


    Noch eine Bemerkung hierzu:

    Zitat


    Original von teleton
    Nur eines steht fest: An jpc-mp3-Klangschnipsel, die alle sehr unterschiedlich ausfallen, kannst Du Deine Wahl nicht so recht festmachen.


    Sicher kann man sich da nicht sein, völlig klar.
    Bisher habe ich aber meinen Eindrücken vertraut (blieb mir ja auch nichts anderes übrig...) und bin dabei eigentlich noch nicht hereingefallen.
    Das kann aber auch nur Zufall sein, zugegeben.


    Ich kann eben nur darüber etwas berichten, was ich über meine Studiomonis beim Onlinevergleich hier zu Hause hörte, und das ist zwar naturgemäss nicht so gut wie WAV oder gar SACD, aber hat auch nichts mehr mit dem früheren, indiskutablen Telefonklang zu tun.
    Die Frage ist eben, ob jpc für alle Schnipsel den gleichen mp3-Standard benutzt oder immer jeweils einen unterschiedlichen, wodurch man das mit den Klangvergleichen dann in der Tat vergessen könnte.


    Die CDs von Segerstam und einzeln gesehen auch die mit Herbert von Karajan sind ja im günstigen Bereich angesiedelt.
    Sollten mir diese Einspielungen zukünftig vorliegen, werde ich mich hinsichtlich der musikalischen und klanglichen Eindrücke noch einmal melden...


    Gruss :hello:
    Glockenton


    PS.: Ich gehe fest davon aus, dass ich an Sibelius meine Freude haben werde. Alles was ich bisher kenne, gefällt mir sehr.

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Der Vollständigkeit halber möchte ich auch hier noch erwähnen, dass ich mir nun beide Aufnahmen bestellt habe, erst nur Segerstam, dann heute zusätzlich doch noch Karajan.


    Die Gründe hierfür habe ich im Thread für die Aufnahmen beschrieben, zu deren Kauf man durch die Existenz des Tamino-Klassikforums inspiriert wurde ( hier klicken)


    Ab August kann ich die CDs dann in Ruhe und in voller Länge zu Hause hören und werde dann ggf. berichten.


    Gruss :hello:
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Hallo Sibelius - Freunde,


    bisher in diesem Thread wenig betrachtet wurde Sibelius - Kullervo-Symphonie op. 7.
    Das Werk aus dem Jahre 1892 hat ein seltsames Schicksal. Es wurde 1892-1893 nur fünf mal aufgeführt und dann von Sibelius zurückgezogen und Sibelius untersagte weiter Aufführungen (einzig noch einmal 1935 anlasslich des 100.Jahrestages der Erstausgabe des Kalevala).
    Nach Sibelius Tod hat sich Kullervo nach und nach einen Platz im internationalen Repertoire gesichert.


    **** Meine erneute Beschäftigung mit diesem Werk beruht auf der herausragenden Paavo Järvi - Aufnahme mit dem Royal Stockholm PO. Diese Aufnahme ist ein Ohrenschmaus, der durch Tiefe und Kenntnis des Werkes durch den Dirigenten gekennzeichnet ist - P.Järvi wiedermal auf höchstem Niveau.


    Paavo benötigt etwas längere Spielzeiten, als andere Vergleichsaufnahmen und läßt das Werk dort atmen, wo es nötig ist. Es ist im Prizip eine fünfsätzige Sinfonische Dichtung:
    1. Introduktion 14:00
    2. Kullervos Jugend 15:56
    3. Kullervo und seine Schwester 24:19
    4. Kullervo geht in den Krieg 09:38
    5. Kullervos Tod 14:32


    Diese dürfe zu den besten Aufnahmen der Kullervo - Sinfonie gehören.



    VIRGIN, 1996, DDD



    Meine bisherige BIS-Aufnahme der Kullervo-Sinfonie mit Neeme Järvi (in der Sibelius-Sinfonien - GA), die ich bis dato noch als Vergleich zur Verfügung hatte, habe ich nach intensivem Vergleichshören verkauft. (Auch wegen des weitaus besseren Abschneidens der GA bei DG.)
    Paavo Järvi weiss dem Werk wesentlich mehr Innenspannung und Tiefe abzugewinnen, als sein Vater Neeme Järvi. Meine weitere Vergleichsaufnahme mit E.P.Salonnen (SONY) kommt P.Järvi qualitativ schon näher und bleibt als Ergänzung meiner Sammlung erhalten.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    besagte Aufnahme unter Paavo Järvi besitze ich seit gestern auch. Natürlich habe ich sie mir gleich angehört, war doch die Erwartungshaltung sehr hoch – und man kann sagen: sie wurde nicht enttäuscht. :yes:



    Ein wirklich äußerst gelungenes Frühwerk, das ich persönlich durchaus zu den ganz großen symphonischen Dichtungen zählen würde. Sehr prägnante Stellen mit hohem Wiedererkennungswert findet man bereits in diesem Werk von 1892, das Sibelius, aus welchen Gründen auch immer, selbst nicht besonders geschätzt haben zu scheint.


    Ich habe das Werk bereits (youtube sei Dank) mit Esa-Pekka Salonen kennengelernt (Live-Mitschnitt mit dem Schwedischen Radio-Sinfonieorchester von 1995), der mir ebenfalls sehr zusagte. Die von Dir erwähnte CD-Aufnahme scheint eine andere zu sein, wohl folgende aus L.A.:



    Mir gefallen insbesondere die Chorstellen in diesem Werk, die für eine zusätzliche düstere Stimmung sorgen. Überhaupt ist es Sibelius vortrefflich gelungen, diese nordische Legende zu vertonen. Dem ganzen Opus haftet ein mythologischer Beigeschmack an, es klingt sehr "mittelalterlich".

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Kaum ein Werk der Klassik hat mich je so beschäftigt, wie Sibelius - Sinfonie Nr.2.


    Dienstlich in Dordmund unterwegs, habe ich für einen Geschenktpreis gestern die frühe Karajan-Aufnahme mit dem Philharmonia Orchestra der Sinfonien Nr.2 und 5 auf einem Krabbeltisch erwerben können, die ich schon lange im Auge hatte. Die Aufnahmen stammen aus dem Jahre 1960 und sind in guter präsenter Stereotechnik aufgenommen. (Dies trifft leider nicht auf die weiteren Karajan-EMI-Aufnahmen der Sibelius Sinfonien mit dem Philharmonia Orchestra zu, denn die stammen aus 1954/7. )



    EMI, 1960 Stereo, ADD


    Zunächst mußte ich feststellen, dass es sich um formibable Interpretationen beider Sinfonien handelt, die eine durchsichtige Klarheit und einen Detailreichtum bieten, wie ich es zuletzt bei der Leibowitz-Beethoven-Sinfonien-GA erlebt habe. Karajan läßt den Hörer die Werke erleben und fühlen. Man kann die Sibelius Worte "Er versteht mich besser als jeder Andere" nachvollziehen.


    Zeitlich bewegt Karajan sich im gleichen Zeitrahmen, wie seine 21/17Jahre später gemachte EMI-Aufnahmen von 1981(Sinfonie Nr.2) und 1977 (Sinfonie Nr.5) mit den Berliner PH, die beide bei EMI ungestümer und grober wirken, aber nicht minder begeistern. Nur der 4.Satz der Sinfonie Nr.2 ist mit 16:27 in der 1977er EMI-Aufnahme etwas ausgewalzter. Die etwas kompaktere Spielzeit von 15:19 bekommt dem Satz für das Herausarbeiten der Spannung hier IMO besser.
    *** Was Karajan an Herausarbeiten der Details bei EMI 1960 bietet ist einmalig, dafür bietet er bei EMI 1977/1981 gerade bei der Fünften für meinen Geschmack noch mehr Emotion .... beides auf höchstem Niveau.


    Im Falle der Sinfonie Nr.5 liegt mir dann auch noch die zweite Karajan-Aufnahme (von insgesamt drei) der Sinfonie Nr.5 bei DG von 1964 mit den Berliner PH vor. Dies ist auch meine Erstaufnahme, die ich schon auf LP hatte. Von den Dreien wirkt diese bei DG, 1964, ADD am kultiviertesten, was ich nicht mit am Besten gleichsetze. Unkultivierter wie bei EMI 1977 oder so Eingebungsvoll wie EMI 1960 kommt es bei mir besser an.
    Fazit:
    :yes: Letztendlich sind alle drei große Aufnahmen des großen Sibelius-Dirigenten Karajan !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

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