Widerstand gegen das Regietheater wächst unaufhörlich - ist das Ende nah?

  • Geht mir ganz genauso: Da spricht eine Begeisterung aus den Zeilen, die das Ganze erfahrbar macht. Dagegen sei exemplarisch ein Rezensent der FAZ genannt, der anlässlich der letzten Zefferelli-Aida in Mailand, behauptete, dass dieses Stück ja auch nicht das Beste von Verdi sei und erhebliche Längen aufweise. Die Inszenierung fand er natürlich auch grauenhaft.

  • Zitat

    Original von der Lullist
    ja aber wer Kritiker ernst nimmt ist selbst Schuld :D


    sie können selbst nix, wissen aber immer ganz genau wie es gemacht wird - :kotz:


    Naja, drum machen wir es ihnen ja auch hier nach ...
    :D

  • Lieber Lullist :


    Du schreibst mir aus dem Munde !


    Habe ein Büchlein von RICORDI , Milano , worin steht wie es immerhin noch zu Gaetano Donizettis Zeiten wahr war .


    Welche Verrohung der Sitten heute ...


    Damals gab es übrigens keine Kritiker . Das ist eine dumme Neueinführung von Danton , Robespiere & anderen kuturlosen . Die haben auch die Monate umbenannt .


    Das Parterre - Parkett gehört dem höheren Adel zum Tanze . Wozu erlesene Jahrgangkastraten zu singen haben .


    Riccardo Muti hat das ja in Bella Ialia in La Scala 1997 durchzusetzen versucht , in dem er die oberste Etage , damals der Plebs noch zugänglich , hat schliessen lassen ( der Pöbel war einfach viel zu sehr gemästet ; es ging ihm einfach unter Re Silvi Primo so gut , dass Baufälligkeit wegen stattlicher Überlastung drohte . ) .


    Heute stimmt die Statik wieder , Pöbel entfernt , aber die Aufführungen sind grauenvoll . Neulich sind die i "Alcine" in Jeans un T-Shirts auf der Bühne wie auf einem Kasernenhof umhergeschritten .


    "Kritiker" , bestellte natürlich , waren zugegen und haben Herrn Rolanski höchst gelobt .


    Zu unserer frühen Zeit hatten doch nur Höchste Herrschaften das Recht über die Darbietungen ( so heisst das heute noch im Deutschen Rundfunkgesetz !!! ) zu parlieren .


    Du siehst , welche verbale Keuschheit wir hier uns auferlegen .


    Wir wollen doch wohl keine kulturellen Hugenots hier zulassen .....


    Dein obiger Leitartikel wird in "Neue Bahnen" im nächsten Sonderblatt erscheinen .


    Stets Ihr zutiefst ergebener ,


    Francois XVI . - RAI UNO - Spettacolo Musicale


    PS.: Heute Abend ist Geheimtreffen in Fontainbleau mit Rameau und Daquin .


    F r a n k

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Verfremdungs- und Verballhornungstheater


    naja ich glaube, dass jeder opernschreiber und -komponist entscheiden kann, wie sein werk aufgeführt werden soll.
    verfremdungs- (wie auch gestisches) theater sind ja bekanntlich die grundeffekte der brechtschen (und nicht nur dessen) theorie des epischen theaters. sie sind inzwischen über 80 jahre alt und fügen sich sehr harmonisch in die großen werke des musiktheaters des zweiten viertels des zwanzigsten jahrhunderts.
    ich wüsste nicht, warum man darauf rumhacken sollte...
    grade wenn man die intention des opernschreibers und -komponist achten möchte, darf man dann auf diese methoden nicht verzichten!
    ich empfinde dabei verfremdung nicht per se als abschreckend - warum auch?

  • Zitat

    Original von Zwischenrufer2
    Ich bin dann mal weg!


    :hello: :hello: :hello:


    Gerd


    Was soll das heißen? Ziehst du aus den Beiträgen die Konsequenz wie früher Knusperhexe?
    Das wäre aber wirklich schade.


    :boese2:

  • sorry, ja - den satz hatte ich eigentlich wieder gelöscht.
    wüsste aber trotzdem nicht, was am verfremdungeffekt so auszusetzen ist? (damit gibt man ihm nur insgeheim recht)

  • gar nicht, seit wann überlässt man Domestiken so wichtige Entscheidungen, dafür gibt es schließlich den Impressario.


    Wär ja noch schöner wenn ein Musicus einem Künstler, dessen Werk schon immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, hineinreden würde.


    Tsss

  • Nun, ich verlange nicht, daß ein Werk so aufgeführt wird, wie zu Mozarts, Wagners odere Verdis Zeiten - obwohl das natürlich auch seinen Reiz hat.
    Und wenn man heute eine Barockoper aufführt, dann sollte sie natürlich mehr glitzern als vor 300 Jahren.
    Wenn heute auf der Bühne, im Film, oder sogar live ein gotischer Dom nachts gezeigt wird, dann ist er effektvoll schummrig beleuchtet, daß er wirkt als wäre er aus einer anderen Welt. Im Mittelalter waren die gotischen Dome des Nachts vor allem dunkel.
    Aber wir haben eine andere Vorstellung wie sowas auszusehen hat - daher biegen wir uns eine Märchenwelt zurecht.


    Die Oper ist auch solch eine Märchenwelt- und es war von Anbeginn eine Herausforderung für die Ausstatter realistischer als die Realität zu sein, bzw auch "überirdisches" darzustellen.
    Wer würde heute ein Computer-Strategiespiel kaufen, wo die Soldaten durch schwarze und die Offiziere durch rote Kästchen angedeutet wären ?
    Wohl niemand. Der Mensch liebt das Spektakel, den Aufwand, das Besondere.
    Schon in vergangenen Jahrhunderten haben Librettisten ihre Stücke gerne in Zeiten spielen lassen, die für Pomp und Effekte viele Möglichkeiten boten, man denke nur an die zahlreichen "Türkenopern" des 18. Jahrhunderts.


    Aber eigentlich habe ich jetzt das gemacht, was ich bei anderen oft beanstande - ich bin im Eifer des Gefechts vom eigentlichen Thema abgekommen (Natürlich unschuldig und durch andere verfüher :P )


    Hier sollten ja nicht die immer wiederkehrenden alten Argumente beider Seiten aufgewärmt werden - dafür haben wir andere Threads zu diesem Theme - sondern analysiert werden inwieweit die letzten Stunden (von mir aus noch ein oder zwei Jahre ?) des Regietheaters tatsächlich gekommen sind.


    Die teilweise doch recht heftigen Reaktionen auf diesen Thread, scheinen zu zeigen, daß ich einmal mehr voll ins Schwarze getroffen habe, denn nur wenn ich (zumindest in groben Zügen) Recht habe, dann kann mein Thread soooo verletzen - was sicher in dieser Form nicht meine Absicht war.
    Schon Kehlmann und der hämische Beifall des Salzburger Publikums hat ja in den Medien, In Internet allgemein und hier im Forum für Aufregung gesorgt, die Buhrufe des Wiener Publikums neulich in der Staatsoper, einem der führendn Häuser der Welt - (ich ahne schon wer da widersprechen wird) haben der Geschichte noch zusätzlich Brisanz verliehen - und vermutlich wird es so weitergehen. Wir bewegen uns auf eine Renaissance des Konservativen zu, die kaum aufzuhalten sein wird. Wie lautet doch der neue Werbespruch der Bank Austria so treffend ? "Konservativ liegt voll im Trend"


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Original von musica


    Was soll das heißen? Ziehst du aus den Beiträgen die Konsequenz wie früher Knusperhexe?
    Das wäre aber wirklich schade.


    :boese2:


    Ich habe mich damals auf meinen Besen geschwungen, weil ich zufällig mitbekam, wie einige nicht mehr hier anwesende Mitglieder in Threads, in denen ich nie geschrieben hatte, über mich herzogen und sich verbrüderten bzw. verschwesterten. Mit denen hatte ich dann keine Lust mehr meine Liebe zur und mein Wissen über die Oper zu teilen. Gegen eine lebhafte und manchmal auch hitzige Diskussion habe ich persönlich nichts.

  • Zitat

    Original von Knusperhexe


    Ich habe mich damals auf meinen Besen geschwungen, weil ich zufällig mitbekam, wie einige nicht mehr hier anwesende Mitglieder in Threads, in denen ich nie geschrieben hatte, über mich herzogen und sich verbrüderten bzw. verschwesterten. Mit denen hatte ich dann keine Lust mehr meine Liebe zur und mein Wissen über die Oper zu teilen. Gegen eine lebhafte und manchmal auch hitzige Diskussion habe ich persönlich nichts.


    Du bist ja wieder hier und das ist gut so. :hello:

  • Ja, finde ich auch liebe musica :hello:


    Sehe gerade "Die Walküre" aus valencia: Traditionelles Geschichtenerzählen mit gewaltigen Bildern. Nicht alles ist gelungen, aber es sit eine Wohltat, die Geschichte mal ohne Regietheatermonstrositäten zu sehen. Ein schritt in die richtige Richtung und der gefällt mir echt gut.

  • Zitat

    Hier sollten ja nicht die immer wiederkehrenden alten Argumente beider Seiten aufgewärmt werden - dafür haben wir andere Threads zu diesem Theme - sondern analysiert werden inwieweit die letzten Stunden (von mir aus noch ein oder zwei Jahre ?) des Regietheaters tatsächlich gekommen sind.




    Ich denke nicht das es dazu kommen wird, warum auch.
    Warum sollte man sich als ausführender Künstler dermaßen selbst einschränken ?
    Inszenierungen werden von Künstlern der Zeit gemacht, das war schon immer so und das wird auch so bleiben - wer sollte es denn sonst machen ?


    Was aber ganz sicher hinzukommt, ist eine Art zweiter "Historismus" falls man das so bezeichnen will, ganz stark beeinflusst durch die historisch informierte Aufführungspraxis.
    Das betrifft aber nicht nur das Theater sondern alle Bereiche der Kunst.



    Nicht Konservativ liegt im Trend, sonder die Historie liegt im Trend.


    Und das wird auch ganz anders aussehen, als sich das die Konservativen wünschen.


    Und das hat etwas mit Identitätsfindung bestimmter Generationen zu tun. Das hat auch etwas damit zu tun, dass für einen Teil der Menschen die Gesellschaft so wie sie jetzt ist, immer mehr an Reiz verliert.
    So bilden sich "historische Kommunen" in denen man wie im Mittelalter, oder zu anderen Jahrhundert miteinander lebt und den alten Handwerken und Tätigkeiten nachgeht, soweit dies eben möglich ist, manchmal für Monate.
    Der Kreis dieser Leute die sich daran beteiligen wird immer größer, denn irgendwann ist es langweilig nur zuzusehen - man will ein Teil davon werden.
    Warum macht man das ? Ganz einfach weil man mit den konventionellen Möglichkeiten die einem diese Zeit, diese Gesellschaft bietet nicht glücklich wird.


    Meist werden solche Personen die im Rokokokostümen die Oper besuchen belächelt, oder auch eine Persönlichkeitsstörung unterstellt. Aber jeder der das selbst versucht wird die gleiche Erfahrungen machen, die man schwer in Wote fassen kann und fast nichts mehr anderes tragen wollen....aber ich schweife ab.



    Aber genau davon wird auch schon unterschwellig das Theater beeinflusst, aber ich bin mir sogar sehr sicher, das die "Konservativen" historisch informierte Aufführungen genauso ablehnen werden, wie sie das Regietheater ablehnen.
    Denn in den meisten Fällen ist es doch nur die mangelnde Bereitschaft sich auf eine andere Sichtweise einzulassen. Wahrscheinlich findet man jene Verurteiler auch niemals in modernen Kunstgalerien oder bei Performancese etc.
    Da hilft es auch nichts mit Parolen um sich zu werfen / zu rechtfertigen, denn die meisten Beiträge in dieser Richtung sind da eher selbstdisqualifizierend.


    Zudem kann man etwas erst dann beurteilen NACHDEM man es gesehen oder erlebt hat.
    Von ein paar Photos im Internet oder einer Kritik in der Zeitung sollte man seine Meinung wohl kaum bestimmen lassen.
    Denn wer so was tut, der kann wirklich die B***zeitung lesen.


    Als intellektueller und kultivierter Mensch sollte man wissen was ein „Vorurteil“ ist und eigentlich wissen, das es vielleicht „gut“ und „schlecht“ gibt, aber kein „richtig“ und „falsch“ in der Kunst.


    Hier wird etwas verurteilt was nichts weiter als dem persönlichen Geschmack zuwiderläuft und vielleicht auch den eigenen Horizont übersteigt.
    Es gibt in kaum einem Libretto so detaillierte Angaben, wie ein Werk auf die Bühne gebracht werden soll. Ein „idyllischer Garten“ sah im 16. Jh. ganz anders aus als im 19. Jh., bei uns wäre vielleicht ein Industriepark passend.



    Natürlich begrüße ich es aber auch, wenn man Opern so umsetzen würde, wie sich das ein bestimmtes Publikum wünschen würde – warum auch nicht ?
    Ich habe da auch kein Problem eine Zauberflöte zu sehen, die sich an den Figurinen und Bühnenbildern der Entstehungszeit orientiert.
    Kann man doch alles machen.
    Auch eine Oper als Fantasystück mit großem Aufwand ist doch was schönes.
    Ich finde man sollte die verschiedenen Möglichkeiten nicht gegeneinander ausspielen, sondern sich vielmehr darüber freuen, dass es das überhaupt gibt.


    Ich bestreite auch gar nicht, das es einen Teil von Künstlern ganz allein auf den Schockeffekt ankommt um sich in die Presse zu katapultieren.
    Aber daran ist eben auch die Gesellschaft selbst Schuld, Heute gilt nur wer in der Presse ist - und dazu ist jedes Mittel recht.


    Ich lehne es aber dass nur eine Sicht die richtige sein kann, darin bin ich dogmatisch :D
    Ich lehne es ab, mich auf eine Seite zu stellen, denn beide Ansätze haben ihren Reiz.
    Die Dogmatiker beider Seiten sind für mich an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten – kein Künstler könnte diesen fundamentalen „Religionskrieg“ ernst nehmen.
    In früheren Jahrhunderten ging es wenigstens noch um die Musik – jetzt nur noch, ob der Baum naturalistisch oder blau gestrichen ist (...)


    Ich mag weder Jazz, noch Pop, noch Rock noch Volksmusik und Schlager – aber stelle ich mich hier her und posaune „das ist eine Fehlentwicklung der Musikgeschichte, das gehört alles verboten“ – das ist genau das was hier gemacht wird und ich würde mich mal etwas am Riemen reißen, denn man wird von außen auch mitgelesen.


    Seit dem es diese Threads übers Regietheater gibt kenne ich die Bedeutung des Begriffes „Fremdschämen“

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Was aber ganz sicher hinzukommt, ist eine Art zweiter "Historismus" falls man das so bezeichnen will, ganz stark beeinflusst durch die historisch informierte Aufführungspraxis.
    Das betrifft aber nicht nur das Theater sondern alle Bereiche der Kunst.


    Nicht Konservativ liegt im Trend, sonder die Historie liegt im Trend.


    Hallo Lullist,


    merkwürdigerweise findet aber in den Museen die Umorientierung statt weg von historisch (also nach Epochen, Schulen) hin zu thematisch (ich finde das natürlich mühsam, verwirrend und störend ...


    Man versucht, möglichst wenig Bildung beim Publikum vorauszusetzen und die Kunst "trotzdem" an den Besucher zu bringen.


    In Stuttgart führt das vor allem zu Schockerlebnissen bei Museumsbesuchern, die sich vor Beuys-Installationen mitten in der Gotik erschrecken.


    :hahahaha:


    In der Oper hatten wir ja auch parallel HIP im Orchestergraben und moderne Kunst auf der Bühne, ich bin also skeptisch, dass unsere Zeit da eine klar erkennbare Zielrichtung hat.



    Zitat

    So bilden sich "historische Kommunen" in denen man wie im Mittelalter, oder zu anderen Jahrhundert miteinander lebt und den alten Handwerken und Tätigkeiten nachgeht, soweit dies eben möglich ist, manchmal für Monate.


    Das habe ich bislang nur aus Amerika gehört, dort gibt es das aber schon lang (Amish People).


    Zitat

    Seit dem es diese Threads übers Regietheater gibt kenne ich die Bedeutung des Begriffes „Fremdschämen“


    Hm, das solltest Du Dir besser wieder abgewöhnen, jeder ist für seinen Quatsch hier selbst verantwortlich.
    :D

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Meist werden solche Personen die im Rokokokostümen die Oper besuchen belächelt, oder auch eine Persönlichkeitsstörung unterstellt. Aber jeder der das selbst versucht wird die gleiche Erfahrungen machen, die man schwer in Wote fassen kann und fast nichts mehr anderes tragen wollen....aber ich schweife ab.


    Machst Du das echt?

  • Hallo KSM,



    ja das ist wohl von Museum zu Museum unterschiedlich.


    Manche versuchen eben ständig für alte Meister einen aktuellen Bezug zu finden, andere versuchen die Bilder in einem historischen Kontext zu zeigen.


    Hier in Kassel hat man z.B. versucht das Haus eines holländischen Kaufmanns nachzustellen. Ist nicht ganz gelungen, aber die Idee fand ich sehr spannend.


    Das Problem gerade bei Alten Meistern ist eben, dass sie nicht für moderne Galerierräume gemacht wurden - das kann zwar auch eine starke Wirkung erzielen, aber man sollte zwischendurch auch mal das Bild / Skulptur etc. einfach mal wieder entsprechend inszenieren.
    Ich mag das ganz gerne.



    Bei der Documenta hatte man auch das Experiment gemacht, neuere Werke neben Rubens und Rembrandt zu hängen.
    Nun ja.... ich würde mich das nicht trauen :pfeif:
    Leider waren das auch solche Werke die daneben nicht wirklich bestehn konnten.
    Da hätte man schon was anderes aufbieten müssen, gute Malerei gab es ja einiges.
    Aber wenn sich die letzte Documenta durch eines auszeichnete dann durch ein sehr strittiges Konzept und extrem schwache Werke.


    Wären wir mit solchem Zeugs zu unseren Professoren gegangen, die hätten uns hochkant aus der Klasse geschmissen.... aber das ist ein anderes Thema.





    Nein diese "Zusammenkünfte" gibt es Weltweit.
    In Amerika gibt es allerdings noch ein großes Vorbild, eine kleine Stadt in der man das Leben wie zurzeit des Unabhängigkeitskrieges führt.


    Aber da ist es natürlich so, dass die Leute da nicht mehr unter sich sind, sondern eine absolute Touristenattraktion sind.
    Ganz einfach weil so Geschichte ihre Abstraktion verliert und erlebbar wird.
    In der BRD ist das noch ziemlich unbekannt, aber das wird kommen.
    In Frankreich gibt es z.B. eine ganze Gruppe die mit den damaligen Mitteln eine ganze Burg errichten.
    Bei uns sind es vor allem die Mittelaltermärkte / Ritterspiele, Renaissancefeste und Barokokofeste die man eventuell kennt.



    Zitat

    Machst Du das echt?


    ja klar.
    Nächstes Jahr in Schwetzingen zu Gretrys "Andromaque" werd ich in Hofrobe anwesend sein, und ich bin mit Sicherheit nicht der einzige.
    Vorher wird noch im Park des Schlosses flaniert - warum nicht.


    Es ist einfach ein ganz faszinierendes Erlebnis in Hofrobe die passende Musik, im passenden Theater zu erleben. Die Inszenierung wird wahrscheinlich, wie in Scwetzingen üblich modern sein, aber na und, ich bin sehr gespannt.


    In Bayreuth im markgräflichen Theater ist das schon lange üblich, da gibts eine ganze Gesellschaft die dort jedesmal anweend ist.

  • Historismus und "konservatives" Operntheater sind - man sagte es schon - zwei paar Schuhe.
    Aber genauso wie der Begriff "Regietheater" falsch gewählt wurde ist es es beim "konservativen" Theater, bzw Oper.


    Es geht nicht darum eine bestehende Renaissancearchitektur nachzubauen wenn ein Stück in der Renaissance spielt, sondern ein Bühnenbild zu schaffen, welches im Stile der Renaissance eingerichtet ist, Renaissance, die in unserem Jahrhundert erdacht wurde. Das finde ich besonders reizvoll.
    Librettisten aller Herren Länder waren stets bemüht interessante Kostüme, und Effekte auf die Bühne zu bringen, letzteres oft mit aus heutiger Sicht untauglichen Mitteln


    Sehen wir uns als Beispiel folgende Anweisung aus der Zauberfköte an:


    2. AUFZUG: 7. Szene - Zwei hohe felsige Berge , dazwischen ein Wasserfall


    Hier ist weder die Rede von einem Badezimmer, noch von einem Zirkuszelt etc etc..


    Ein Wasserfall auf der Bühne ? Kaum realisierbar. Zumindest in jener Zeit als fas Libreetto verfasst wurde. HEUTE ist das durchaus machbar.
    Und die Realisation schwieriger Effekt, wie sie im Libretto stehen, aber zur Zeit der Komposition nicht machbar waren, das halte ich für eine der wichtigsten Errungenschaften in der Geschicht der Oper.


    Zeffirelli war hier ein Musterbeispiel, er realisierte verlangte Effekte, die zur Zeit des Enstehens der Oper zwar verlangt, aber nicht bis zur letzten Konsequenz verwirklichbar waren...


    Der sogenannte "konservative" Operngeher möchte nicht immer wieder das gleiche Bühnenbild sehen, sondern immer wieder neues . das allerdings im Rahmen der "Spielregeln"


    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ein Wasserfall auf der Bühne ? Kaum realisierbar. Zumindest in jener Zeit als fas Libreetto verfasst wurde. HEUTE ist das durchaus machbar.


    Hm. Also das Freihaustheater hatte, wie Drottningholm und Ludwigsburg, selbstverständlich einen mobilen Wasserfall (mit echtem Wasser, nicht gemalt). So kompliziert war das nun nicht...


    Und so gesehen - Schikaneder würde keine Anweisungen geben, die nicht umsetzbar (gewesen) wären... zur Not kann man soetwas malen, fotografieren oder filmen...


    Für die Königliche Oper Stockholm wurde sogar ein Fluß umgeleitet, quer über die Bühne...


    :beatnik:


    Ein bisschen Fantasie und Größenwahn muß schon sein...


    :hello:

  • In der Hitze des Gefechts kommen wir - ich schliesse mich da nicht aus - leider immer wieder vom Thema ab.
    Es ist HIER NICHT gefragt, ob das Regietheater eine "Bereicherung" der Opernszene ist oder nicht, ebensowenig wie andere Einzelheiten.
    Es geht hier einzig und allein um die Frage inwieweit das bereits schwer angeschlagene Regietheater auf längere Sicht gesehen noch überlebe kann, oder ob es vom Publikum den endgültigen Todesstoß bekommt.


    Der einzige, der daruf seriös eingegangen ist, war der Lullist, der da meinte:


    Zitat

    Ich denke nicht das es dazu kommen wird, warum auch.


    Weil man ihnen den Geldhahn abdrehen wird.


    Warum sollte man sich als ausführender Künstler dermaßen selbst einschränken ?


    Im gegensatz zu Malern, Dichtern und Komponisten, die für sich im Stimmen Kämmerlein arbeiten und dann auf Zustimmung oder Ablehnung warten können, sind Architekten und auch Regisseure von Auftraggebern abhängig, da solche Projrekte jede Menge Geld verschlingen. Dieses muß entweder vom Staat oder Privaten gesponsert werden - oder aber - im Idealfall - durch die Nutztung, im Fall der Oper: durch das Publikum - eingespielt werden. Letztere Möglichkeit sehe ich allerdings derzeit nicht real gegeben....


    DAß dieses Szenarium auch von der Gegenseite so gesehen wird, darauf deuten die Reaktionen der letztn Tage eindeutig hin....


    mfg aus Wien


    Alfred



    Inszenierungen werden von Künstlern der Zeit gemacht, das war schon immer so und das wird auch so bleiben - wer sollte es denn sonst machen ?

    Interpreten SIND Sklaven !


  • aber schön, dass Du mir abschließend doch noch Recht gibst :lips:

  • Ich finde das doch ganz einfach: wenn´s gut gemacht ist, dann setzt es sich
    durch und wird auch goutiert. Ich nehme als Beispiel das Regietheater nach
    1990 (ich gehe nicht in die Oper): Castorf seinerzeit toll, Kriegenburger
    seinerzeit schnarchig. Kressnik bombastisch, Marthaler gottgleich.
    Schlingensief hingegen hat massenhaft Schrott inszeniert. Mittlerweile hat sich
    Castorf totgelaufen, und das hippe Geschrei von Pollesch ist unerträglich. Ich
    würde sagen, es gibt solche und solche - und jedes hat seine Zeit.
    Problematisch wird es erst, wenn Pappnasen wie Pollesch von einer
    Kritikerbagage in den Himmel gelobt werden, und Krimskram dann zum
    Selbstläufer wird. --- Also doch nicht so einfach: auch Krimskram setzt sich
    manchmal durch.


    Ich weiß ja nicht, wie das in der Oper ist, aber die Theater in der Hauptstadt
    sind voll, sehr voll, und eine Karte für eine Pollesch-Inszenierung zu
    bekommen, ist recht schwierig. Will sagen: solange die Billets verkauft
    werden...


    Ich persönlich hätte auch nicht dagegen, z.B den Kaufmann von Venedig im
    Stile des Spät-Renaissance zu sehen, aber ich fand auch den
    Sommersnachtstraum von Neuenfels großartig (mit echtem Wasserfall).


    Und was die Künstler der Zeit im Allgemeinen angeht. Sie inszenieren, das
    heißt aber noch nicht, dass sie gut inszenieren, und man sie das ungestraft
    machen lassen sollte. Das gilt auch für´s Schreiben, Komponieren, Malen - ich
    glaube nicht, dass sich z.B. Lüpertz historisch durchsetzen wird, mehr als
    zeitgenössische Salonkunst ist das nicht. Ebenso verhält es sich mit Bisky.
    Baselitz und Rauch hingegen, das sind schon andere Hausnummern.


    .

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Im gegensatz zu Malern, Dichtern und Komponisten, die für sich im Stimmen Kämmerlein arbeiten und dann auf Zustimmung oder Ablehnung warten können, sind Architekten und auch Regisseure von Auftraggebern abhängig, da solche Projrekte jede Menge Geld verschlingen. Dieses muß entweder vom Staat oder Privaten gesponsert werden - oder aber - im Idealfall - durch die Nutztung, im Fall der Oper: durch das Publikum - eingespielt werden. Letztere Möglichkeit sehe ich allerdings derzeit nicht real gegeben....


    Also grundsätzlich glaube ich nicht unbedingt, daß sogenannte "Regietheater-Inszenierungen" unbedingt teurer sind als "traditionelle". Da sie aber insgesamt doch wesentlich kurzlebiger sind und dann die nächste bald nachfolgt wird es insgesamt wahrscheinlich doch wieder teurer. Die Frage: Subventionen und wieviel? ist gerechtfertigt ist für mich schon auch ein Thema. Warum soll in Produktionen, die keiner sehen will, derart Geld hineingepumpt werden? Und warum verwendet Regisseure, die beispielsweise groß verkünden, Oper interessiere sie eigentlich gar nicht, immer wieder? Geht es um die Aufmerksamkeit der Medien und darum in aller Munde zu sein? Ich möchte die Opernhäuser sehen, die ohne Subventionen von solchen Produktionen leben müssen.
    "Ein Opernhaus soll voll sein." hat Verdi sinngemäß einmal gesagt. Das heißt nicht, daß man es ausschließlich dem Publikum Recht machen muß, aber wenn man davon leben will, sind Besucherzahlen nicht unwesentlich und ich halte es für Wahnsinn, Geld in Opernhäuser zu pumpen, wenn ich mir dann (nicht alles, aber) so viel unerträglichen Schwachsinn ansehen muß...
    Ich glaube nicht, daß sich das Ganze bereits ad absurdum geführt hat, die Grenzen nach unten sind weiter offen. Nicht nur was Regietheater betrifft, auch die elektronische Verstärkung der Sänger in vielen Häusern, die immer wieder ein Thema ist, zum Beispiel. Das führt in eine ganz falsche Richtung.

  • Ohne jetzt auf die infantile Terminologie "Regietheater" und die leider beinahe immer wieder falschen Behauptungen zum angeblichen Besucherschwund durch "Regietheater" (empirisch belegt sind andere Fakten) eingehen zu wollen: Wer macht sich denn lautstark Luft? Die Premierenbesucher. Die sind, das sage ich wertfrei, etwas Besonderes.
    Oft genug wird aber die Premiere ausgebuht und die dritte Vorstellung frenetisch beklatscht.
    Wer hockt in Salzburg? Die Society-Toten und die Geldadeligen, die nun wirklich beim besten Willen kein künstlerisvcher Gradmesser sein können.
    DAS ist, was im Radio und im TV gehört wird. Wie begeistert Schulklassen, "normale" Menschen und sogar bildungsfernes Arbeiterklientel von "Regietheater"-Vorstellungen sprechen, wird leider nie medial verbreitet.
    Insofern rate ich zu größter Vorsicht, wenn man bestimmte Premieren als Kronzeuge aufführt.


    Erinnert sich noch jemand an 1976? Der Ring in Bayreuth? :D

  • Zitat

    Wer hockt in Salzburg? Die Society-Toten und die Geldadeligen, die nun wirklich beim besten Willen kein künstlerisvcher Gradmesser sein können.


    Das würde ich mal kritisch anzweifeln, denn schliesslich war es immer diese Gesellschaft die Opernhäuser bauen liess und Musiker förderte, nachdem der Adel abgedankt hatte. Zynisch wie ich nun mal bin, könnte ich Dir aber auch beipflichten, und in Erinnerung rufen, wie frenetisch der Jubel in Salzburg in Bezug auf die Traviata mit Netrebkow/Villazon war. Es war mir als eingefleischtem Sadist ein Hochgenuss, zu sehen, wie die Prominenten in der Pause ihre Statements abgegeben haben, immer wieder versuchend, zu kaschieren, daß sie in Wahrheit überhaupt keinen blassen Schimmer hatten....


    Einige Wenige äusserten sich, versteckt ablehnend, aber so, daß es nur Insider erkennen konnten...


    Zu Besucherschwund im "Regietheater" und "empirische Fakten"


    Wenn wir vom Besucherschwund reden, dann meinen wir ZAHLENDE Besucher, mit Freikartenempfängern lässt sich viel ausgleichen


    Zitat

    Wie begeistert Schulklassen, "normale" Menschen und sogar bildungsfernes Arbeiterklientel von "Regietheater"-Vorstellungen sprechen, wird leider nie medial verbreitet


    Dumme und unterprivilegierte Leute sind schnell zu begeistern, die sollte man in diesem Zusammenhang nicht als Maßstab nehmen. Sie waren nie die Zielgruppe als Opernpublikum - und werden es auch in Zukunft nie sein.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Dumme und unterprivilegierte Leute sind schnell zu begeistern, die sollte man in diesem Zusammenhang nicht als Maßstab nehmen. Sie waren nie die Zielgruppe als Opernpublikum - und werden es auch in Zukunft nie sein.


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred


    Nun ja, über Nachwuchsschwund jammern, dem Regietheater die Schuld geben und dann diejenigen, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden oder noch im Bildungsprozess sind nicht willkommen heißen. Nicht in der Zielgruppe, weil jung oder proletarisch. So ist Oper.
    Ist das richtig zusammengefasst?


    Aber unpolemisch: Wir stellen fest, dass Maßstäbe nicht so leicht zu ermitteln sind, wie es die Krawallklaque, egal welcher Couleur, gerne vermittelt. Verkaufszahlen sind auch nicht alles, denn wie du richtig bemerkst, wird da viel "Gedreht".
    Nur: Was ist denn verwerflich an der Nachwuchsacquise? Wie soll denn die Oper überleben, ohne junge Leute zu begeistern? Warum nicht Freikarten an Schulen geben? Auch wenn dann "Unterprivilegierte" die Opernsitze besudeln?
    Ich wüsste gerne einmal eine echte Zukunftsperspektive.
    Fürs Schauspiel ist mir da nicht bange - da operiert man aber schon lange nicht mehr mit den kindischen Dualismen "Regietheater" - "Wasauchimmer".

  • Zitat

    Wie begeistert Schulklassen, "normale" Menschen und sogar bildungsfernes Arbeiterklientel von "Regietheater"-Vorstellungen sprechen, wird leider nie medial verbreitet.


    Lieber Alberich!
    Ich glaube, dass ist ein Irrtum. Das "Regietheater" hat normalerweise eine starke Lobby in den Medien und wenn diese von einem "run" der oben angeführten Klientel auf die Opernhäuser berichten könnten, würden sie es auch tun. Im Hamburg lässt sich in den letzten Jahren (nicht erst seit Simone Young) eher das Gegenteil beobachten. Die Jugend, die man meint, mit diesen Inszenierungen anzusprechen, kommt leider nicht. Das liegt, glaube ich daran, dass man nicht über den Kopf, sondern über den Bauch von Oper "angefixt" wird. Das, was ich der Entwicklung der letzten Jahre/Jahrzehnte vorwerfe, (und hier sind es v.a. Hamburger Erfahrungen) ist, dass das Schwergewicht auf einer möglichst radikalen Neudeutung liegt (damit kann man eben in den Medien punkten und seinen Stellenwert erhöhen), etwas, das ich intellektuell bewältigen muss und eben nicht mehr auf einer mindestens gleichbedeutenden musikalischen Deutung, die mich emotional anspricht und mich im besten Fall süchtig macht. Dann und nur dann komme ich wieder und schaue mir auch 27 Repertoirevorstellungen an.


    Dies gilt leider auch für Uraufführungen. Wie soll ein Opernbesucher die Qualität eines neuen Werkes einschätzen können, wenn nicht die allerbesten Kräfte in allen Bereichen am Werke sind und nicht nur im Bereich der Regie. (Gegenbeispiel wie es gemacht werden müsste: Reimanns Lear in München). Aber gerade hier sind die Intendanten sehr spendabel.


    Zur These, dass man mit dem "Regietheater" in den Medien punkten kann: Womit konnte denn der alte Fuchs Wolfgang Wagner den Kritiker wenigstens zeitweise "das Maul stopfen"? Ein wenig mit der Verpflichtung Domingos, sicher, aber doch vor allem mit Lars van Trier, Schlingensief usw. Aber gerade diese einseitige Ausrichtung ist IMO der Totengräber der Oper. Ich erwarte von hochsubventionierten Häusern ein Gesamtpaket. Lanweiliges Rampensingen ist auch nicht mein Fall (wobei dies mir immerhin erlaubt, wenn es gut ist, mir meine eigenen Gedanken zu machen), ich muss aber auch nicht die Analysestunden des Regisseurs subventionieren (und ich kann durchaus mit Beispielen auffahren). Und ich denke, dass spüren viele Opernbesucher, egal aus welchen Schichten, und kommen dann einfach nicht mehr wieder.


    :hello: Gustav


    PS: Anekdote zu den Schülern: Meine, weiß Gott nicht einfachen Schüler, die kaum 5 Minuten stillsitzen können und v.a. MTV geprägt sind, führte ich u.a. in den Barbier in Hamburg (sehr konventionell) und in den Konwitschny-Lohengrin. Rate mal, was kam: "Der Barbier war besser, da gab es auch mal Ruhe und wir konnten genießen." Ebenso übrigens im Theater. Die plüschige Geroldsteinerin im Schauspielhaus kam an, nicht die "moderneren Deutungen.

  • Wir reden wahrscheinlich von verschiedenen Dingen: Ich rede von zeitgemäßem Theater, nicht von Egotrips bekloppter Regisseure.
    Aber dass der Barbier besser ankam als der Lohengrin, liegt wohl eher weniger an Randerscheinungen wie Regie, oder? ;)
    Ich bin kein Verfechter des Skandaltheaters, das nur Randale will. Künstlerisch ist das so tot wie der Begriff "Postmoderne", der sinnvoller war als der Begriff "Regietheater" und trotzdem früher verstarb. :D
    Allerdins: Wenn Oper nur emotional erlebbar ist, dann soll sie sterben. Es ist aber gottseidank nicht so. Denn es handelt sich nun mal um Theater, nicht um Museum. Und das entspricht meiner Erfahrung mit Schülern und den vom Forenbetreiber inkriminierten Proleten.
    Was die mediale Lobby betrifft: Es verhält sich doch eher umgekehrt, oder? Das meinte ich ja: Nur die Premieren, in denen die Ahnungslosen hocken, werden versendet. Keiner redet über die von Alfred Schmidt geschmähten Menschen, die ihr erstes Opernerlebnis inklusive Anforderung ans Hirn erleben - wenn da Erfolg zu verzeichnen ist, kommt der Jungspund eher wieder, als wenn nur der vergängliche Bauch stimuliert wird.
    Ich könnte tausend schöne Beispiele bringen.
    Ich stelle statt dessen mal einen Link ein. Eine Oper (zugegeben, absolut konservativ inszeniert), die "moderne Musik" verwendet. KEINER der jungen Besucher hatte Schwierigkeiten damit!
    http://www.theater-tv.com/?lin…nnover&video=erwinhan.flv
    Zugegeben: Kein Meisterwerk. Aber "moderne" Klänge.
    Diejenigen, die sich jeder noch so plausiblen "Modernisierung" verweigern, sind meiner Erfahrung nach die, die nicht mehr ins Theater gehen müssen, weil sie sich die DVD ihrer Wahl leisten können und im Zuschauerraum keinen mehr kennen.
    Also lasst doch den Jungen ihre Chance. Salzburg darf gerne den Zombies bleiben, aber dann darf doch Lebendiges ran, oder?