Ungeliebtes Repertoire kennenlernen - Wie macht ihr das ?

  • Schon der Titel ist holprig gewählt, er sollte eher heissen:
    MUTMASSLICH ungeliebtes Repertoire kennenlernen - Wie macht ihr das ?
    oder
    DUBIOSES Repertoire kennenlernen - Wie macht ihr das ?


    Aber das list sich dann noch grauenhafter.... :D


    Die einfachste Antwort auf diese Frage wäre übrigens:
    ÜBERHAUPT NICHT !


    Aber das ist nicht der Sinn der Frage.Gemeint ist vielmehr,wie geht ihr vor, wenn ihr Werke kennenlernen wollte, von denen ihr auf Grund Eurer bisherigen Erfahrungen eher annehmen müsst, daß sie euch kaltlassen, oder sogar abstoßen werden, euch spröde oder unmusikalisch erscheinen werden, bzw ihr (wie man neuerdings so diplomatisch und mit Selbstkritik im Unterton sagt) "keinen Zugang " dazu bekommmen könntet....


    Wie schon gesagt ist EIN Weg solchem R84.187.224.23pertoire generell großräumig auszuweichen, Irgendjemand hat es mal so gesagt:
    "Das Leben ist zu kurz um schlechte Musik zu hören"


    Der andere Weg ist, eine möglichst preisgünstige Aufnahm des Werkes zu erstehen, Mittelmaß zum Budgetpreis - das sollte zum Kennenlernen reichen.


    In diesem Fall bleiben bei mir jedoch immer einige Zweifel im Raum stehen, ob meine Abneigung durch eine mittelmäßige Aufnahme nicht noch zusätzliche Nahrung erhalten habe....


    Der andere Weg ist, man kaufe sich eine "Referenzaufnahme", welche schon seit Jahren von vielen Kritikern (selbst solchen die einander ansonst spinnefeind sind) einhellig gelobt wurde.
    Hier ist (zumeist) ein gewisser finanzieller Einsatz nötig, aber wenn es dann auch nicht gefällt, dann kann man sagen; Ich habe es wenigstens versucht, habe alles mögliche unternommen um mich dem Werk zu nähern...ist nix draus geworden - Schade ums Geld....


    Oder habt ihr vielleicht sogar ein anderes Patentrezept ?



    mfg aus Wien



    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Ich persönlich habe in zwei Bereichen ungelieibtes Repertoire: Musik vor 1750, also Barock, Frühbarock und alte Musik und Musik ab 1900.
    Da ich nun in Sachen Barock- und Alte Musik auch das geliebte Repertoire nur noch sehr selten und dann ausgeprägt werkspezifisch höre, habe ich keinerlei Probleme damit, Sachen, die ich nicht mag, links liegen zu lassen.
    Schwieriger dagegen wird es im 20. Jhdt., welches z.Z. mein bevorzugtes ist.
    Natürlich sind da Sachen dabei, die schlicht weg grässlich sind, die einem Ohrenschmerzen verursachen und seine Hunde zum Ausrasten bringen, aber da man seine Pappenheimer ja kennt, muss man nicht alles von ihnen haben, sondern es reicht exemplarisch und außerdem ist ja da noch die ganz andere Seite des 20. Jhdts da, deren Modernität sich nicht in der Liquidation der Tonalität erschöpft, sondern die Bestehendes einfach weiter entwickelt, variiert, umdenkt, mit neuen Inhalten versieht und was man sonst noch alles anstellen kann, ohne die Grenzen der Tonalität zu überschreiten.
    Das Problem dabei ist nun das, dass ein Großteil dieser Sachen auf das 20. Jhdt. gesamt bezogen nur in wenigen oder einzigen Einspielungen erhältlich ist und man nehmen muss, was man bekommt, weswegen sich die Frage Referenz oder nicht gar nicht so oft stellt, genausowenig, wie die Frage nach dem Preis, denn eher früher als später landet das meiste eh auf dem Marketplace.
    Außerdem ist da dann auch noch das ehrenwerte Label Naxos da, das gerade im Hinblick auf die Musik des 20. Jhdt., immer bedeutender wird, weil es sich eben nicht scheut, auch unbekannte Künstler in zwischenzeitlich guter bis sehr guter Interpretation einzuspielen.


    Fazit:
    Ich persönlich schaue, für mich grenzwertige Musik in möglichster guter Interpretation zu möglichst günstigem Preis zu bekommen. Dank des Second Hand Marktes, dem niedrigen Pfund und experimentierfreudigen Billiglabels geht das in der Regel auch.
    Sollte es wirklich mal der Fall sein, dass ich meine, in so einem Werk sei mehr drin, als die mir zur Verfügung stehende Aufnahme bietet, und sollte ich der Meinung, ich brauche das noch, dann besorge ich mir halt eine bessere Aufnahme.


    Viele Grüße
    John Doe
    :hello:

  • Die Deutsche Oper am Rhein bietet vor Premieren immer eine sogenannte "Opernwerkstatt" an. Hierbei kann man sich kostenlos eine Orchesterprobe anhören, oft die gesamte Oper. Die Sänger tragen aber keine Kostüme und es kann passieren, dass der Dirigent zwischendurch abbricht und Stellen noch einmal spielen lässt. Hier höre ich mir auch ab und zu Opern an, die für mich zum ungeliebten Repertoire gehören. Leider ist es bei mir oft so, dass mir die Opern dann hinterher auch nicht besser gefallen als vorher. Aber das einem diese kostenlose Möglichkeit geboten wird, finde ich sehr gut.

    Viele Grüße,


    Marnie

  • Guten Tag, liebe Forianer!


    Es ist noch nicht einmal so lange her, da hätte ich John Doe in einem Punkt beigepflichtet: Die Musik des 20. Jahrhunderts war bei mir nicht nur ungeliebt, entsprechende Platten oder CD's geb es demzufolge auch nicht! Und dazu gehörten auch Komponisten, die noch im 19. Jahrhundert geboren wurden.


    Irgendwann habe ich mich aber dann doch auf eine "Reise ins Ungewisse" aufgemacht. Und ich fand auf dieser "Reise" durchaus viel hörenswertes: Pfitzner, Richard Strauss, Korngold - beispielsweise. Aber auch Gustav Mahler, dessen Sinfonien ich mir gerade zu erschließen beginne.


    Alle genannten, ich weiß es, sind noch im 19. Jahrhundert geboren worden, aber viele ihrer Werke, wenn nicht sogar die meisten, entstanden nach 1900. Und die "Reise" wird für mich auch noch nicht zu Ende sein: Ich habe noch keinen Strawinsky, keinen Schostakowitsch, Schönberg - um nur drei so aus dem ff zu nennen.


    Und gerade beim letztgenannten stocke ich: Interessant könnte ich die "Gurre-Lieder" finden, zumindest, nach dem, was ich hier im Forum oder auch in entsprechenden Werkeinführungen gelesen habe. Aber jede Form von atonaler Musik ist mir keinen Cent wert.


    Alfreds Frage an die Forenmitglieder, wie sie sich ungeliebtem Repertoire nähern, wäre für mich aus dem hier geschilderten so zu beantworten, daß ich die Finger davon lasse! Wenn ich aber mal, egal wo und bei welcher Gelegenheit, ein Musikstück höre, das mir gefällt, dann habe ich es bisher immer so gehalten, daß ich eine billige Platte oder CD erstanden habe - und die hat es oft lange bei mir aushalten müssen!


    Ob wir ein Patentrezept hätten, fragt Alfred abschließend in die Runde. Ich kann mir, das als Antwort auf diese Frage, nicht vorstellen.

    .


    MUSIKWANDERER

  • Das Rezept, wennn auch nicht patent, hat hauptsächlich mit einer gewissen Offenheit zu tun, Vielfältiges überhaupt lieben zu wollen. Mit der Einstellung "wahrscheinlich gefällt mir das eh nicht" schafft man nachvollziehbarerweise keine guten Voraussetzungen.


    Einerseits ist es gar nicht schlecht, unbekannte Musik, live im Konzert kennenzulernen, weil man dort eher gezwungen wird, sich ganz auf sie zu konzentrieren und weniger abgelenkt wird. Andererseits kann es auch hilfreich sein, sich ein Stück abschnittsweise vorzunehmen.


    Wer befürchtet, sich zu ärgern, weil er gutes Geld für etwas ausgegeben hat, was ihm dann nicht gefällt, dem ist die kostenlose und risikoarme Möglichkeit nahezulegen, CDs aus öffentlichen Bibliotheken auszuleihen. Das funktioniert nicht für abseitiges, gewiss aber für Standardrepertoire, auch vor 1750 und nach 1900. Vielleicht kann mancher dann entspannter an die Sache herangehen.


    Meine persönliche Hauptschwierigkeit mit einem großen Bereich mir bislang weitgehend unbekannten potentiell ungeliebtem Repertoires, italienischer (u.a.) Oper des 19. Jhds., z.B. Rossini oder Donizetti, besteht darin, dass die Stücke so lang sind, dass ich keine Lust habe, einen ganzen Abend dem ersten Hören und entsprechend viel Zeit dem Kennenlernen zu opfern. Dazu will ich Opern eigentlich auf der Bühne sehen, aber natürlich nicht entsprechend Geld und Zeit für Karten und ggf. Anreise investieren.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Zitat von Johannes:
    Wer befürchtet, sich zu ärgern, weil er gutes Geld für etwas ausgegeben hat, was ihm dann nicht gefällt, dem ist die kostenlose und risikoarme Möglichkeit nahezulegen, CDs aus öffentlichen Bibliotheken auszuleihen. Das funktioniert nicht für abseitiges, gewiss aber für Standardrepertoire, auch vor 1750 und 1900. Vielleicht kann mancher dann entspannter an die Sache herangehen.


    Danke, Johannes! Diese Möglichkeit hatte ich ins Auge gefaßt, weil das für mich, mir Gustav Mahlers Musik zu erschließen, eine günstige Variante ist. Zwar hat unsere Stadtbibliothek nicht mehrere Gesamteinspielungen, aber zumindest liegen die Sinfonien, wie ich schon ermittelt habe, in mehreren Einzelaufnahmen verschiedener Dirigenten vor.


    Auf Alfreds Fragestellung bezogen ist das Verfahren jedenfalls auch eine Möglichkeit, sich unbekanntes bzw. auch ungeliebtes Repertoire zu erarbeiten!

    .


    MUSIKWANDERER

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Einerseits ist es gar nicht schlecht, unbekannte Musik, live im Konzert kennenzulernen, weil man dort eher gezwungen wird, sich ganz auf sie zu konzentrieren und weniger abgelenkt wird. Andererseits kann es auch hilfreich sein, sich ein Stück abschnittsweise vorzunehmen.


    Ich habe mir ja eher angewöhnt, Unbekanntes erst mal nach dem Abendessen als Begleitung zum Eindösen einzunehmen, also als Schlaftablette, funktioniert auch bei den wildesten atonalen Sachen ganz gut.


    Im Gegensatz zu früher wird mir aber wichtiger, bei Opern/Kantaten die Texte mitzulesen. Aber das ist dann auch oftmals erst der zweite Durchgang. Und ganze Opern mit mehr als einer Stunde Spielzeit höre ich fast nie komplett auf einen Zug.
    :hello:

  • Wenn es ungeliebt ist, warum dann anhören? Anders wäre es bei aktiven Musikern, die das Repertoire notfalls spielen müssen.


    Alles andere ist ja Repertoire, bei dem man sich unsicher ist, ob es einem gefällt. Aber dann ist da ja schon die notwendige Neugier, um sich diesen Werken zu nähern.
    Entscheidend ist sicher, möglichst vorurteilsfrei zu sein. Und nichts zu erwarten. Letztlich ist doch alles Musik und wird auf Instrumenten erzeugt. Die können höchstens schräg klingen, aber nicht falsch. Es ist das individuelle Musikverständnis, das einen bremst. Braucht man Stockhausens Helikopter? Nein. Muss man sie gehört haben? Vermutlich auch nicht. Aber das gilt auch für Mozarts Quintett für Bläser und Klavier oder Scarlattis Sonaten. Man sollte sich die Frage stellen, ob man den Horizont erweitern möchte oder wie der sprichwörtliche Schuster bei seinen Leisten bleibt. Die CD verschwindet zur Not einfach in der Sammlung.


    Ungeliebt wird das Repertoire erst, wenn man es kennt. Und dann nähert man sich diesem ohnehin nicht mehr, sondern stellt es in die zweite Reihe oder verkauft es 2nd hand.

  • Zitat

    Wenn es ungeliebt ist, warum dann anhören? Anders wäre es bei aktiven Musikern, die das Repertoire notfalls spielen müssen.


    Ungeliebt wird das Repertoire erst, wenn man es kennt. Und dann nähert man sich diesem ohnehin nicht mehr, sondern stellt es in die zweite Reihe oder verkauft es 2nd hand.


    Es ist sicher richtig. daß man Repertoire erst kennen muß um es abzulehnen. Aber Das Umfeld eines Komponisten sagt doch schon viel über ihn aus. Wenn ich (nur als Beispiel !!!) lese, "gehört zum Kreis der zweiten Wiener Schule" - oder "ließ sich von Stockhausen beeinflussen", "war Schüler von Webern " etc etc... dann weiß ich in der Regel schon was mich erwartet.....


    In meiner frühen Jugend - als mein Klassikwissen sehr eingeschränkt war - da schaute ich bei den Kpmponisten aufs Todesjahr. Alles was vor 1850 gestorben war wurde von mir damals als "vermutlich anhörbar" eingestuft.


    Aber es gibt gewisse Werke, die quasi zur Geschichte des 20. Jahrhunderts gehören - man sollte sie kennen - und sei es nur um sie zu verdammen - oder zumindest zu verstehen was andere Leute an ihnen faszinierend finden.


    An sich verbleiben Werke auch dann in meiner Sammlung, wenn ich sie nicht als "musikalisch" empfinde -in den meisten Fällen war mir das schon vorher bekannt....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Zitat

    Es ist sicher richtig. daß man Repertoire erst kennen muß um es abzulehnen. Aber Das Umfeld eines Komponisten sagt doch schon viel über ihn aus. Wenn ich (nur als Beispiel !!!) lese, "gehört zum Kreis der zweiten Wiener Schule" - oder "ließ sich von Stockhausen beeinflussen", "war Schüler von Webern " etc etc... dann weiß ich in der Regel schon was mich erwartet.....


    Das begründet sich dann aber auf Vorurteilen und nicht auf Musikkenntnis.
    Es ist Teil der musikalischen Entwicklung, sich mit einem wachsenden Repertoire zu beschäftigen, andernfalls bleibt man doch stehen.


    Es soll ja Zeiten gegeben haben und heute auch noch Leute, die sagen, die Bibel sei das einzige Buch, das man kennen müsse. Da stehe alles drin. Diesen Ausschließlichkeitsanspruch kann ich nicht verstehen, völlig unabhängig von der religiösen Idee dahinter.
    Kunst erschließt sich mit dem Leben und den eigenen Entwicklungen. Musik, die man in der Kindheit gehört hat, findet man heute vielleicht nicht mehr interessant oder ist entsetzt über die eigenen Geschmacksverirrungen in der Pubertät. Es ist deshalb unzutreffend, a priori Musikstile abzulehnen. Manches entdeckt man durch Zufall, manches aus Interesse (und sei es Interesse am Grusel). Es gibt dabei sicher Unterschiede zwischen live und CD, dennoch ist es aus meiner Sicht wenig hilfreich, sich auf dem Boden von Hörensagen, unglücklicher Repertoirewahl oder schlichter Voreingenommenheit von Teilen der Musik fernzuhalten.


    Ehrlich gesagt, ist es gar nicht so leicht, eine Grenze zu ziehen. Musikentwicklung fließt. Inventionen wie die Zwölftontechnik bewegen sich trotz allem auf dem Boden der Musiklehre und sind nach wie vor eingebunden in ein westliches Musik- und Aufführungsverständnis. Und selbst der Name des Komponisten sagt wenig darüber aus, wie das Werk klingt. Verklärte Nacht ist sicher weniger "schräg" als Elektra, zwischen Puccini, Mahler und Schostakowitsch sind die Unterschiede nicht groß, ganz im Gegenteil traut sich Puccini oftmals viel mehr als Schostakowitsch. Und Bergs Lulu-Suite würde als Begleitung eines Stummfilms überhaupt nicht negativ auffallen. Was ist außerdem mit Bartok oder Martinu?
    Lassen wir uns nicht viel zu oft von den Interpretennamen leiten, als wirklich die Musik zu hören? Denken wir nicht: Wenn Böhm Elektra eingespielt hat, ist es Musik und wenn Solti Moses und Aron einspielt, dann auch? Wenn aber Gielen oder Boulez beteiligt sind, dann wird es schon so nuemodisches Zeug sein?

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  • Zitat

    Original von Luis.Keuco


    Das begründet sich dann aber auf Vorurteilen und nicht auf Musikkenntnis.
    Es ist Teil der musikalischen Entwicklung, sich mit einem wachsenden Repertoire zu beschäftigen, andernfalls bleibt man doch stehen.
    [...]
    Ehrlich gesagt, ist es gar nicht so leicht, eine Grenze zu ziehen. Musikentwicklung fließt.


    Ich muss ja eine Weile nachdenken, bis ich "ungeliebtes Repertoire" im Sinne des Threads innerhalb der klassischen Musik finde. Es geht also um Musik, bei der sich unmittelbar Mißfallen einstellt - nicht um Musik, bei der man nicht lange aufmerksam dabei bleiben kann oder die einen nicht besonders emotional berührt (was bei mir in der Regel der Fall ist, wenn ich etwas zum ersten Mal höre, unabhängig von der Stilrichtung und Epoche).


    Ich glaube, dass sich das bei mir dann auch auf das 20. Jahrhundert beschränkt (die älteren Epochen sind einfach zu gut durch die Musikgeschichte gesiebt worden). Bei mir wäre das Musik, die sich an den "einfachen Hörer" heranschmeißt, Filmmusik zählt bei mir ohnehin tendenziell nicht zur "klassischen Musik" aber im Bereich der "klassischen Musik" gibt es ja einiges, das der normalen Filmmusik nahekommt. Ich habe aber tatsächlich Goreckis 3. Sinfonie inzwischen angeschafft (allerdings nur, weil sie billig war) und bin durchaus neugierig, freue mich darauf, dass sie mir "trotzdem" gefallen könnte. Wieviele Chancen ich ihr bei Mißfallen gebe, kann ich aber nicht abschätzen.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Aber es gibt gewisse Werke, die quasi zur Geschichte des 20. Jahrhunderts gehören - man sollte sie kennen - und sei es nur um sie zu verdammen - oder zumindest zu verstehen was andere Leute an ihnen faszinierend finden.


    Das kann man aber ganz sicher nicht nach ein oder zweimaligem vorurteilsgeprägtem Hören... :rolleyes:
    Man wird nur sehr schwer verstehen, was andere Leute an Musik, die einem selbst nichts sagt oder bei der man gar Schwierigkeiten hat, sie überhaupt als Musik zu akzeptieren, faszinierend finden.


    Kannst Du bei irgendeinem beliebigen Stück, dass Du "verdammst", ansatzweise verstehen, was jemanden daran begeistert? Nimm irgendeines und versuch es zu beschreiben, das würde mich wirklich interessieren...


    Ich selbst kann die Begeisterung anderer kaum bei sperriger moderner Musik, die ich selbst nicht verstehe, nachvollziehen, sondern höchstens bei solcher, die ich als flach und abgeschmackt, aber effektiv empfinde (sagen wir Violinkonzerte von Paganini, Tschaikowsky).


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Also bei mir habe ich ziemlich grosse Berührungs- (oder sollte ich sagen Hör- ) Aengste mit den Opern, den Choralen Werken und generell mit dem gesungenen Werken. Meine musikalische Heimat ist immer noch die Klassik und die Romantik, obwohl ich nun auch langsam neue Komponisten und Werke in der Moderne oder auch im Barock entdecke z.B. dank Tamino Empfehlung auch erste Bartok's Klavierwerke oder persönliche Horizonterweiterungen mit Rameau und anderen Barockgrössen usw. Wie alle bin auch ich ein Gewohnheitsmensch und dazu ein ziemlich langsam Lernender in dieser Welt. Was heute Gültigkeit oder Präferenz bei mir hat, ist nicht so schnell veränderbar und Wandel braucht halt' seine Zeit. Um ungeliebtes Repertoire zugänglich zu machen, gibt es für mich nur ein Rezept - wiederholtes, bewusstes Hineinhören und dabei versuchen, das für einem positive, verbindende Elemente und Nuancen in der neuen Musik zu finden. Und das für mich am besten durch Internet Downloads, interessante musikalische Berichte am Fernseher z.b. bei ARTE/ZDF Kultur, ausgeliehene CDs oder besser sogar bei aktiven Konzertbesuchen. Natürlich braucht es dazu genügend Zeit, Neugier und gelebte Toleranz. Vielleicht gelingt einem der Zugang ja eher früher als später. Vielleicht findet man auch einfach keinen Zugang zu dieser für einem fremde Musik... etwas neues zu entdecken ist zwar furchtbar aufregend und unter Umständen auch schön, gleichzeitig kann diese Reise aber auch wahnsinnig anstrengend und zeitraubend sein. Solange man neues entdecken möchte, geht einem der Musiklernstoff auch während einer ganzen langen Lebenszeit beileibe nicht aus ;) .


    Viele Grüsse
    Pianomania

    "Die Welt ward ihm Klavier. In Terzen, Quinten, Oktaven sprang sein Denken, Dur und Moll spannte sein Herz."
    Carl Sternheim

  • Das Internet-Radio bietet genug Möglichkeiten,ungeliebtes Repertoire kennen zu lernen.Und nicht nur ungeliebtes sondern auch unbekanntes.Ob das Unbekannte dann unbeliebt wird,wenn man es kennen gelernt hat,sei dahin gestellt.
    Entweder man hört Internet-Radio am PC oder man hat ein Internetradio an der Stereoanlage.
    Mit dem Phonostar-Player hat man die Möglichkeit des mp3-Mitschnitts einer Radiosendung,die man sich später auf CD brennen kann.Einige Rundfunkanstalten bieten dafür spezielle Player an .
    Neben den aktuellen Rundfunksendungen bieten einige Rundfunkanstalten auch Downloads an.
    Meine Lieblingssender sind WDR3,SWR2 (Download-Das Musikstück der Woche),BR-Klassik,Deutschlandradio Kultur,Ö1,DRS2(Download-Diskothek im Zwei).
    Hat man ein interessantes Werk gefunden,das man auf CD besitzen will,kann man bei entsprechenden Versendern probehören.
    Wer sich auf unbeliebtes Repertoire eingestellt hat,sollte nach einigen Jahren überprüfen,ob sich seine Ansicht geändert hat.Der eigene Musikgeschmack ändert sich mit der Zeit.
    Ich habe mich seit einiger Zeit auch der Musik von 1950 bis heute zugewandt und einige schöne Werke für mich gefunden.
    Zum Beispiel höre ich gerne das Konzert für Piano und Streicher von Schnittke.Wenn man das Klavierkonzert von Tchaikovsky oft genug gehört hat und sich auf neue Klänge einlassen will,kann man mal zu Schnittke greifen.Man sollte es zumindest mal gehört haben.

    mfG
    Michael

  • Mein Weg zu ungeliebtem Repertoire: Herausfinden ob es von Musikern aufgeführt wird, die ich mag oder ob es an einem Ort gespielt wird, an dem ich mich gerne aufhalte. Karte kaufen, hingehen, anhören.
    Erzielt für eine erste Berührung mit der Materie meist positive Wirkung.

  • Ich mochte früher nichts, was aus dem 20. Jahrhundert stammte, bis ich L'Oiseau de Feu und Le Sacre du Printemps von Strawinsky kennenlernte, dann Prokoffief und Schostakowitsch, Messiaen und Orff. Von Prokofieff beispielsweise und von Schostakowitsch habe ich ein für meine Verhältnisse schon erkleckliches Repertoire, nur habe ich das auch solchen Größen wie den Pianisten Sviatoslav Richter und Martha Argerich oder den Dirigenten Rudolf Barschai und Gennady Rozdestvensky, Lorin Maazel und Mariss Jansons oder dem Geiger Frank Peter Zimmermann und natürlich meinem Freund Swiatoslaw zu verdanken, der mich des öfteren auf die richtige Spur gesetzt hat.
    Jedoch gibt es bis heute noch Komponisten wie Karl Heinz Stockhausen und Anton Webern, von denen ich nur den Namen kenne. Und von dem Repertoire, das ich liebe, muss ich noch so viel kennenlernen, dass mir gar keine Zeit bleibt, Ungeliebtes kennzulernen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Eine wirklich grosse Möglichkeit habe ich hier in Hannover an der Musikhochschule. Studierende geben immer Montags Konzerte und da kann man schon einiges sich zu gemüte führen. :jubel:


    Gruß, Dirk

    Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie. Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben.

  • Hallo,


    ein ungeliebtes Repertoire ist ja eines, welches man zumindest einmal gehört hat. Sonst hätte man die Abneigung nicht. Aber vielleicht ist ein ganz kleiner Funke übergesprungen, und man legt die Musik im Gedächtnis ab und kommt später auf sie zurück, wenn man bereit dafür ist. Eines morgens aufzustehen und zu sagen: Jetzt will ich das hören! Das ist ein geistiger Prozess, den man durch keine Materialschlacht erzwingen kann.


    Wenn der "Funke" nicht da ist, kann man sich auf einer intellektuellen Ebene der ungeliebten Musik nähern. Versuchen, sie zu erbeuten.


    Viele Grüße,
    Olli

  • Aber vielleicht ist ein ganz kleiner Funke übergesprungen, und man legt die Musik im Gedächtnis ab und kommt später auf sie zurück, wenn man bereit dafür ist. Eines morgens aufzustehen und zu sagen: Jetzt will ich das hören! Das ist ein geistiger Prozess, den man durch keine Materialschlacht erzwingen kann.


    Das ging mir manchmal ähnlich.
    Ich habe nie geziehlt versucht "ungeliebtes" kennenzulernen, wozu auch? Kommt Zeit, kommt Rat!


    Mein Horizont hat sich einfach automatisch immer wieder erweitert, z.B. bei der alten Musik, um die ich vor vielen Jahren einen großen Bogen gemacht habe. Aber mal habe ich beispielsweise was im Radio gehört was mir doch gefiel und dann ging das nach dem Motto: alte Musik mag ich eigentlich nicht so, mit Ausnahme von .... Mit der Zeit werden die Ausnahmen immer mehr und manche Werke, die ich schonmal sozusagen Beiseite gelegt hatte, kommen mir plötzlich doch interessant vor und ich will sie plötzlich wieder hören - und empfinde sie dann auch anders früher.


    Ähnlich ging's mir auch mit dem 20. Jahrhundert, es fing mit Ausnahmen an und die wurden immer mehr.


    Gruß aus Freiburg
    Byron

    non confundar in aeternum

  • Das Internet-Radio bietet genug Möglichkeiten,ungeliebtes Repertoire kennen zu lernen.Und nicht nur ungeliebtes sondern auch unbekanntes … Entweder man hört Internet-Radio am PC … Mit dem Phonostar-Player hat man die Möglichkeit des mp3-Mitschnitts einer Radiosendung, die man sich später auf CD brennen kann … Neben den aktuellen Rundfunksendungen bieten einige Rundfunkanstalten auch Downloads an.
    Meine Lieblingssender sind WDR3,SWR2 (Download-Das Musikstück der Woche),BR-Klassik,Deutschlandradio Kultur,Ö1,DRS2(Download-Diskothek im Zwei).

    Halte das genau so. Außerdem Sound-Schnipsel bei JPC bzw. Amazon.
    Für MAC-User: RadioRecorder – funktioniert!


    Höre gerne bei »France Musique« sowie »MDR Kultur« rein – interessantes Programm. :)
    Für rund um die Uhr gibt es »Swiss Klassik Radio«

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

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  • Ich habe meine Taktik auch schon dahingehend geändert das ich nicht einfach auf gut Glück Blindkäufe rein des Kennenlernens wegen tätige (bzgl. sollte man gehört haben, finden ja gewisse Andere auch gut,...)
    Wie hier geschrieben (Internet)Radio, jpc/Amazon-Hörbeispiele oder auch Youtube in einem etwas optimistischen, neugierigen Gefühlszustand. So hab ich schon einige Sachen aus dem scheinbaren "Nichts" entdeckt, aber genausogut
    wurde ich, zugegebenermaßen wahrscheinlich großteils, auch davon abgehalten mir dieses Werk doch nicht auf CD zuzulegen. Mittlerweile nimmt meine Klassik-Sammlung nicht wenig Platz ein und jeder Kauf sollte (abseits dessen das man natürlich nicht umsonst Geld ausgeben möchte) dahingehend überlegt sein um keine unnötigen Staubfänger hier rumliegen zu haben die man dann (da ja kaum einer in meinem realen Leben Klassik hört :( ) nur mühsam wieder an den Mann bringen kann.
    Was gewisse Vorbehalte anbelangt so habe ich zuerst wenn ich vom Komponisten kaum bis nichts kenne gar keine. Schwer wird es immer nur dann wenn ich schon einige Werke des Komponisten kenne die meinen Geschmack überhaupt nicht treffen. Da gehe ich dann meist garnicht in dieses Konzert wenn etwas von diesem auf dem Programm steht (auch wenn ich speziell dieses Werk nicht kenne) Ich denke mir immer das klassische Gebiet ist so groß und man kann und muß ja auch nicht Alles und Jeden davon mögen. Aber zum. gebe ich jedem Komponisten mal die Chance und höre mir paar Werke an oder zum. hinein, auch wenn ich vorher weiß das er ähnliche Stilistik hat oder zu haben scheint wie einer seiner Kollegen mit dem ich bislang auch nicht sonderlich viel angenehme Erfahrungen hatte. Die Hoffnung das mir Werke die mir beim erstmaligen Hören nicht gefielen, irgendwann mal gefallen werden, habe ich kaum - manche mir nicht so geliebten Werke in meiner CD-Sammlung sind mir auch nach einigen Jahren nicht lieber geworden (auch wenn ich doch in- und wieder reinhöre um mich selbst zu testen ob sich was an meiner Hörgewohnheit und Geschmack geändert hat). Und die Taktik die Oliver vorgeschlagen hat wäre nichts für mich denn Musik muß mich immer zum. auch emotional fessen, rein intelektuell bzw. rational ist nichts für mich - da kann ich mich gleich mit Mathematik beschäftigen. ;)
    lg
    Thomas

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)