Bayreuther Festspiele 2011 – Übertragungen im BR

  • Montag | 25.07.2011 | 15.57 Uhr Bayreuther Festspiele - Live : Tannhäuser


    Tannhäuser (Regie: Sebastian Baumgarten)
    Besetzung


    Landgraf Herrmann - Günther Groissböck
    Tannhäuser - Lars Cleveman
    Wolfram von Eschenbach - Michael Nagy
    Walther von der Vogelweide - Lothar Odinius
    Biterolf - Thomas Jesatko
    Heinrich der Schreiber - Arnold Bezuyen
    Reinmar von Zweter - Martin Snell
    Elisabeth, Nichte des Landgrafen - Camilla Nylund
    Venus - Stephanie Friede
    Ein junger Hirt - Katja Stuber


    Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele
    Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock



    Freitag | 29.07.2011 | 15.57 Uhr Bayreuther Festspiele - Live : Tristan und Isolde


    Tristan und Isolde (Regie: Christoph Marthaler)
    Besetzung


    Tristan - Robert Dean Smith
    Marke - Robert Holl
    Isolde - Iréne Theorin
    Kurwenal - Jukka Rasilainen
    Melot - Ralf Lukas
    Brangäne - Michelle Breedt
    Junger Seemann - Clemens Bieber
    Ein Hirt - Arnold Bezuyen
    Ein Steuermann - Martin Snell


    Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele
    Musikalische Leitung: Peter Schneider



    Dienstag | 02.08.2011 | 18.05 Uhr Bayreuther Festspiele : Die Meistersinger von Nürnberg


    Die Meistersinger von Nürnberg (Regie: Katharina Wagner)
    Besetzung


    Hans Sachs, Schuster - James Rutherford
    Veit Pogner, Goldschmied - Georg Zeppenfeld
    Kunz Vogelgesang, Kürschner - Charles Reid
    Konrad Nachtigal, Spengler - Rainer Zaun
    Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber - Adrian Eröd
    Fritz Kothner, Bäcker - Markus Eiche
    Balthasar Zorn, Zinngießer - Edward Randall
    Ulrich Eisslinger, Würzkrämer - Florian Hoffmann
    Augustin Moser, Schneider - Stefan Heibach
    Hermann Ortel, Seifensieder - Martin Snell
    Hans Schwarz, Strumpfwirker - Mario Klein
    Hans Foltz, Kupferschmied - Diógenes Randes
    Walther von Stolzing - Burkhard Fritz
    David, Sachsens Lehrbube - Norbert Ernst
    Eva, Pogners Tochter - Michaela Kaune
    Magdalene, Evas Amme - Carola Guber
    Ein Nachtwächter - Friedemann Röhlig


    Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele
    Musikalische Leitung: Sebastian Weigle



    Freitag | 05.08.2011 | 18.05 Uhr Bayreuther Festspiele : Lohengrin


    Lohengrin (Regie: Hans Neuenfels)
    Besetzung


    Lohengrin - Klaus Florian Vogt
    Heinrich der Vogler - Georg Zeppenfeld
    Elsa von Brabant - Annette Dasch
    Friedrich von Telramund - Tómas Tómasson
    Ortrud - Petra Lang
    Der Heerrufer des Königs - Samuel Youn
    1. Edler - Stefan Heibach
    2. Edler - Willem Van der Heyden
    3. Edler - Rainer Zaun
    4. Edler - Christian Tschelebiew


    Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele
    Musikalische Leitung: Andris Nelsons



    Dienstag | 09.08.2011 | 18.05 Uhr Bayreuther Festspiele : Parsifal


    Parsifal (Regie: Stefan Herheim)
    Besetzung


    Amfortas - Detlef Roth
    Titurel - Diógenes Randes
    Gurnemanz - Kwangchul Youn
    Parsifal - Simon O'Neill
    Klingsor - Thomas Jesatko
    Kundry - Susan Maclean
    1. Gralsritter - Arnold Bezuyen
    2. Gralsritter - Friedemann Röhlig
    1. Knappe - Julia Borchert
    2. Knappe - Ulrike Helzel
    3. Knappe - Clemens Bieber
    4. Knappe - Willem Van der Heyden
    Klingsors Zaubermädchen - Julia Borchert
    Klingsors Zaubermädchen - Martina Rüping
    Klingsors Zaubermädchen - Carola Guber
    Klingsors Zaubermädchen - Christiane Kohl
    Klingsors Zaubermädchen - Jutta Maria Böhnert
    Klingsors Zaubermädchen - Ulrike Helzel
    Altsolo - Simone Schröder


    Orchester und Chor der Bayreuther Festspiele
    Musikalische Leitung: Daniele Gatti

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Bayreuther Festspiele : Lohengrin


    Ich möchte aus aktuellem Anlaß daran erinnern: heute vor 53 Jahren, am 23. Juli 1958, war in Bayreuth die legendäre Aufführung des Lohengrin mit "Sandor Konya", die in die musikalischen Geschichtsbücher einging und die Konya schlagartig weltberühmt machte. Er muß an diesem Abend eine absolute und einmalige Sternstunde gehabt haben.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • am 23. Juli 1958, war in Bayreuth die legendäre Aufführung des Lohengrin mit "Sandor Konya", die in die musikalischen Geschichtsbücher einging und die Konya schlagartig weltberühmt machte. Er muß an diesem Abend eine absolute und einmalige Sternstunde gehabt haben.


    Ja, lieber Chrissy, das stimmt. Kónya sang einen überirdisch guten Lohengrin, wie der Livemitschnitt (u. a. erschienen bei Walhall) zeigt. Ein Jahr später war er meines Erachtens noch besser (gleiche Wirkungsstätte, 04.08.1959).


    Ich bin gespannt, was uns Bayreuth 2011 bringen wird. Joseph II hat uns die Termine ja schon genannt.


    LG
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Allora, cari amici!


    Am Freitagabend, 22. Juli, habe ich mir gegen 23.30 Uhr im ZDF in "aspekte" einen vollkommen wirren, mit Null Deutungs-Aussagen behafteten Feature-Beitrag über den neuen Bayreuther "Tannhäuser" reingezogen. Das Elend, das inzwischen selbst angesehenste Kultur-Magazine erfasst hat, offenbarte sich bereits in der Anmoderation der m.W. bisher als kenntnisreich & souverän besprochen gewesenen Studiodame Luzia Braun. Die sagte an:


    "Wagners Tannhäuser präsentiert einen Sängerwettstreit auf der Wartburg, der darum geht, wer von den Minnesängern die Fürstin Elisabeth heiraten darf“ – Aha! Man war also fundiert auf Schlimmes vorbereitet.


    Dann kam ein "Interview" mit dem so apostrophierten Regisseur S. Baumgarten (als "Tannhäuser"-kompetent lt. Off-Stimme schon dadurch ausgewiesen, dass sein Vater oder Opa oder Onkel mal eine Rolle – Dramaturg, Inspizient o.ä. – an der Berliner Lindenoper innegehabt habe): jung noch, schnöselig, reichlich zerstreut, inkonsistent und fahrig wirkend. Er hatte zum Interview in die Berliner Akademie der Künste (Pariser Platz am Brandenburger Tor) geladen, weil "die Architektur so neu, clean, perfektionistisch-transparent" sei, und weil sich "hinter einer so glatten, sterilen Architektur immer Haufen von Dreck verstecken". Diesen "Dreck wegzufegen", sei "die Aufgabe der Kunst". Sonstiges Gerede war inhaltlich nicht zu verstehen; noch weniger: was das mit "Tannhäuser" zu tun haben könnte.


    Dann Überblendung nach Bayreuth. Nach dem Vorjahres-"Lohengrin" von Neuenfels mit brabandtischen Damen & Mannen im Laborratten-Outfit und -Ambiente, spielt der dortige neue "Tannhäuser" nun in oder auf oder an einer Art Müllkraftwerk-Binnenszenerie (Die Zeit: "Ramstein in Bayreuth ... grob gesagt eine Art Recyclingzentrum mit Alkoholaufbereitungsanlage"). Die hat eine Seiteneingangstür, kann also betreten werden, was Elisabeth gern nutzt, wenn sie "sich aus Leid oder Bedrängtsein von der Szene zurückziehen will". Das KW-Interieur ist blau, matt lackiert, die Szene taghell, auch im 3. Aufzug, wenn Wolfram sein "Lied an den Abendstern" nicht etwa an denselben, sondern an eine mürrische hochschwangere Matrone richtet. Vor dem KW-Zylinder tun die Wartburg-Edlen was? Klar doch: Mit Riesenbesen fegen sie die Bühne – s. oben (weil die Festspielhaus-Architektur von 1875 so glatt, steril und transparent ist ??).


    Man sieht noch, dass im 3. Akt-Finale, wenn Tannhäusers Erlösung durch die Himmelfahrt der "Jungfrau, deren Blüte ..." von Chören mitgeteilt und gepriesen wird, die zuvor schwangerleibig gepolsterte Matrone (= Elisabeth?) einen Käthe-Kruse-Säugling präsentiert: "Heilige Elisabeth, bitte für ..." – die Wagner-Sisters? den Wieder-mal-PKW-Regisseur? Doch wohl für PR-Success und Feuilleton-Geschwurbel. Ich freue mich schon auf den (lt. Selbstanzeige) „Experten für Kunstgesang“ Dr. Brembeck im SZ-Feuilleton , der uns doch nicht etwa mit dem Kollegen Egbert Tholl im Juliregen stehen lassen wird?


    Die Ausschnitt-Fetzen sind natürlich nur Voraus-Hinweise, ergeben kein Gesamtbild, lassen aber ahnen, was sich da wieder begibt. Eine Deutung, wenigstens ein paar eine Denkrichtung andeutendende Stichworte, gab es im gesamten ZDF-Beitrag so wenig wie im einleitenden "Interview". Offen bleibt darum zunächst auch die Frage, wer vom Minnesänger-Team denn nun die Fürstin "heiraten darf" (erotisch oder karrieristisch oder gar religiös motiviert kann er angesichts dieses Preises in dieser Zurichtung kaum sein).


    Bleibt nachzutragen, dass der Dirigier-"Spezialist für historische Musik-Aufführungspraxis" Hengelbrock sein Hügel-Debüt gibt. Ob er schon mal Wagner dirigiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis: Falls JA, wäre das natürlich angesichts heutiger Berufungs-Moden ein erheblicher Malus für ein Bayreuth-Debüt. Soweit man Sängerstimmen hören konnte, lässt sich ein solides Klangbild und anständige Rollenbewältigung erwarten – mehr wohl nicht, doch selbst das ist ja schon lange-lange keine Normalität mehr im Urenkelinnen-Bayreuth.


    Wieland mag im Grabe rotieren, WoWa hat's durch jahrelanges charakterloses liebedienerisches Wurst-nach-der-Boulevardspeckseite-Werfen vorbereitet. Eine auf den Hund gekommene "Fach"-Kritik sorgt für Jubelsteigerungen des Unverdaulichen ins Unendliche. Und da sagt mir mein ältester Herzensfreund, Dr. Detlef Krumme in Berlin, im Kosmos der Musikbühnenarbeit weltweit seit über vier Jahrzehnten so ubiquitär wie universell be- und gelehrt: Das Elend des sog. "zeitgenössischen Regietheaters" sei doch seit Langem out, längst im Abseits, auf dem Weg in den Orkus, eigentlich schon beendet. Anderswo sehe man es doch nur noch als Lächerlichkeit an. Tja, vielleicht ist's das! Buhstürme gelten als Erfolg. Zweck der rotzfrechen Dummbeutel-Szenikerei ist es, ein Publikum ordentlich zu verarschen und ins Gemächt zu treten und sich über etwaigen Jubel auszuschütten, hingegen allfällige lautstarke Ablehnung als Bestätigung zu genießen. Nun, in Bayreuth ging es damit vor etwa 10 Jahren trendkrönend los, in München steht es jetzt erst richtig bevor – opportunistisch, peinlich, ekelhaft, meist überdies sinn- und erkenntnisfrei. Wann kommt das Kind, das diese Kaiser als nackt deklariert, aus dem Winkel der Verzweifung in die Feuilletons?


    Merkel ist wieder dabei. Und Westerwelle. Und Margot Werner, Gloria von Tumb und Texas, Th. Gottschalk, "Kaiser Franz", Markwort+Riekel – die ganze Blase.


    Auf impressives Grauen grüßt Euch


    Euer KUS

    Gilt es des Lebens höchsten Preis um Sang mir einzutauschen ...

  • Lieber Kus,


    ein leider treffender, herrlich ironisch-sarkastischer Beitrag. Ich meine auch, dass das Maß voll ist, bestimmte Tendenzen überstrapaziert sind. Der Bogen ist überspannt, vor dem Brechen oder vielleicht bereits gebrochen. " Und neues Leben blüht aus den Ruinen". Frei nach Wagners "Götterdämmerung": Erst aus der Katastrophe heraus kann das neue Walhall entstehen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Wunderbar beschrieben, was derzeit am Grünen Hügel abläuft!
    Sehr schön auch der Verweis auf die größten heutigen Wagnerianer am Ende.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • spielt der dortige neue "Tannhäuser" nun in oder auf oder an einer Art Müllkraftwerk-Binnenszenerie (Die Zeit: "Ramstein in Bayreuth ... grob gesagt eine Art Recyclingzentrum mit Alkoholaufbereitungsanlage"


    Auch wenn ich nicht der große Wagner- Fan und Kenner bin, war der Bericht von KUS auch für mich hochinteressant. Zeigt es doch ganz klar, in welche Richtung die Opernregie- und Inszenierung tendiert, nämlich den Bach runter, noch besser ins Dixi- oder Toi Toi Klo. Natürlich kenne ich den Tannhäuser, aber das würde ich mir wahrlich nicht antun, nicht mal geschenkt. Ich frage mich nur immer, warum machen gestandene und namhafte Künstler solch einen Schwachsinn mit?!?! Haben die überhaupt keinen Stolz, keine Berufsehre mehr? Zählt nur noch der schnöde Mammon?

    Merkel ist wieder dabei. Und Westerwelle. Und Margot Werner, Gloria von Tumb und Texas, Th. Gottschalk, "Kaiser Franz", Markwort+Riekel – die ganze Blase.

    Nachdem diese sich auf dem roten Teppich haben begaffen, bejubeln und beklatschen lassen, werden bestimmt einige dieser " Wagner- Liebhaber " beim Betreten des Opernhauses denken, hoffentlich ist bald der Schlußakkord.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Die Präzisierung vorweg:


    Zwei fachkundige Korrespondenz-Freunde machen mich darauf aufmerksam, dass der Bayreuther „Tannhäuser“-Zurichter Sebastian Baumgarten ein Enkel des bedeutenden Cembalisten, lehrenden Musikwissenschaftlers und zeitweiligen Intendanten der Berliner Staatsoper zu DDR-Zeiten – Hans Pischner – sei. Dem gilt meine Reverenza, und ich bedauere die in Unkenntnis gewählten schnoddrigen Bemerkungen in diesem Detailpunkt – sie galten dem weit vom Stamm gerollten Äpfelchen und keineswegs dem Stamm, von dem es gefallen. Von dem aber ist zu sagen, dass er ein Musiker der traditionellen Maßstäbe und Wertsetzungen war. Ist es nicht bezeichnend, dass er zwar als Vorfahr des wichtigen Jung-Regisseurs und „an der Lindenoper tätig gewesen“ erwähnt, aber ungeachtet seiner tatsächlichen Bedeutung und Prominenz nicht mal mit Namen genannt wird, wenn öffentlich-rechtliche Kulturfeaturisten auf die Mattscheibe gehen? Pischner soll, über 90jährig, noch unter dem Lebenden sein. Möge ihm die Karriere des Nachkommen keine allzu schwere Last sein!


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    Spannend fand ich eine Zuschrift des mir sehr lieben und vielrespektierten älteren Compagno-Kommunikators Einhard Luther – Zeit- und Heroenbiograph der dahingegangenen Epoche großer Wagnertenöre, Kenner der Opern- und Gesangsgeschichte im Allgemeinen und Spezialist wie auch ressourcenstarker Archivar der Berliner Opern und ihrer Macher im 20. Jahrhundert im Besonderen – zur Causa „Zeitgenössisches Regietheater“ bzw. was dafür gilt. Mit seiner Genehmigung ein Textauszug, pointiert-subjektiv (er weiß, dass ich durch Wieland überhaupt opern-sozialisiert worden bin) und darum diskurs-animativ. Ecco:


    ..... Um im Tannhäuser-Stil zu bleiben: Auch ich muss mich so glücklos nennen, zu schaun, was, Guter, du geschaut! ... Schon seit Jahrzehnten bei Wagner-Inszenierungen: Für mich läuft das alles unter "Sachbeschädigung". Ich will zugeben, schon vom heiligen Wieland an. Dem geschieht eigentlich recht, wenn er jetzt im Grabe rotiert. Wenn das nicht nur eine Redensart wäre, dann würden wir schon seit einem halben Jahrhundert in einem gefährlichen Erdbeben-Gebiet leben, wegen der vielen Grab-Rotierer, angefangen vom Meister selbst, über Sohn Siegfried bis zu Tietjen, Furtwängler und Knappertsbusch und vielen anderen mehr. Wer von den Alten schlau ist, dreht sich nur auf die andere Seite und brummt: Ich lieg und besitz (eine schöne Plattensammlung), lasst mich schlafen!


    Allerdings hat der frivole Theaterwitz sich des Tannhäuser seit je weidlich angenommen - und offenbar schon früher die genialen Ideen des Regisseurs von 2011 vorweg genommen. Ludwig Suthaus hat bei dem schwierigen Chorfinale des 2. Aktes – er sang es noch gewissenhaft, was seit Windgassen und Jess Thomas ja schon lange nicht mehr Mode ist - einige Änderungen.


    Original: Dich wird dies Schwert dennoch erreichen!
    Suthaus: Das ist zu schwer, das muss man streichen!


    ... Sollte Herr Sarrazin auf die Idee kommen, ein Buch zu schreiben mit dem Titel Bayreuth schafft sich ab, dann kann man nur abwinken und sagen: "Das hatten wir schon vor Jahrzehnten". Und dem Bayreuth-Pilger kann man Wagners Worte zurufen: "Wahnsinniger, entweihe nicht mein Ohr! Treibt es dich dahin? Grausen fasst mich, hör ich dich!" Das trifft übrigens auch auf die aktuellen vokalen Geräuschproduzenten zu - das Wort Sänger will mir dafür nicht über die Lippen. Was der (kurz zu hörende) unsägliche Wolfram-Darsteller als Lied an den Abendstern anbot, kann nur Wagner selbst wieder kommentieren: "Wer nennt das Gesang, es ward einem bang, eitel Ohrengeschinder, auch gar nichts dahinter ..." "Versungen und vertan" trifft es nicht einmal mehr.


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    Soweit Einhard Luther. Übrigens, wie man dem Bayreuth-Aviso des ORF Österreichischen Rundfunks entnehmen kann, hat die Bayreuther Frau Ko-Direktorin Eva Wagner-Pasquier für diesmal die Festlegung getroffen: „ W i r . w o l l e n . w e l t w e i t . d a s . B e s t e . b i e t e n ! “.


    Fassungs-, wenn auch (hoffentlich) nicht sprachlos, also sagen wir: gefasst grüßt


    Euer KUS

    Gilt es des Lebens höchsten Preis um Sang mir einzutauschen ...

  • Hans Pischner – Dem gilt meine Reverenza

    Hallo, KUS
    Schön, daß Du Prof. Pischner lobend erwähnst. Aus eigenem dankbaren Erleben von -zig tollen und wunderschönen Opernabenden/Aufführungen in der Berliner Staatsoper behaupte ich mal, einen solchen Sch..., wie er heute leider üblich ist, gab es unter seiner Leitung nicht und wäre mit ihm wohl auch nicht zu machen gewesen.

    zeitweiligen Intendanten der Berliner Staatsoper zu DDR-Zeiten – Hans Pischner

    Kleine Korrektur. Das "zeitweilig" stimmt nicht ganz. Prof. Pischner leitete die Deutsche Staatsoper als Intendant immerhin von 1963 bis 1984, das sind also gut 20 Jahre.

    Pischner soll, über 90jährig, noch unter dem Lebenden sein

    Ja, mir ist auch nichts anderes bekannt. Er ist immerhin Jahrgang 1914 !


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Hallo Kus,


    Ein so gutes Bild, das die derzeitige Situation in Bayreuth trifft, habe ich noch nicht gelesen. Herzlichen Glückwunsch!!
    Ich habe mich schon länger gefragt, warum die Enkel und Urenkel ihren Großvater so hassen, dass sie ihn total demontieren und demolieren lassen. Wie ich erfahren habe, hat der Häuslebauer Lohengrin aus München seine Frau schon am Tag nach der Hochzeit verlassen und hat nun eine Beschäftigung in der neuen Oper "Der Rattenfänger von Bayreuth" gefunden. Ob er die Ratten wohl auch "Mein lieber Schwan" nennt, wie in so vielen dieser Schundstücke Bild und Text geistig überhaupt nicht zu vereinbaren sind? Und anscheinend sind nun soviel Abfälle im Rattenlabor enstanden, dass Tannhäuser als Müllkraftwerker einspringen muss, um die Fäkalien zu entsorgen.
    Und die Zuschauer dieser Verunstaltung: Alles Leute, die sich auf Steuerzahlers Kosten präsentieren müssen, denn - wie man inzwischen weiß - werden zur Premiere 84 %, sonst 60 % der Karten verschenkt. Ob die wohl alle etwas davon verstehen, was sie dort an Ergüssen wirrer Gehirne vorgesetzt bekommen oder ob man die Karten, die aus unseren Portemonnaie bezahlt werden, an diese Leute verschenkt, um genügend Akklamateure für solch einen Unsinn zu haben?
    Ich würde mir so etwas - auch geschenkt - nicht antun wollen!!!


    Liebe Grüße
    Gerhard


    Liebe Grüße

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • zeitweiligen Intendanten der Berliner Staatsoper zu DDR-Zeiten – Hans Pischner


    Zu Hans Pischner fällt mir eine Begebenheit ein, die David Oistrach erzählte: Oistrach wurde während eines DDR-Engagements zu Plattenaufnahmen mit dem bedeutenden Cembalisten Hans Pischner für Bach, Tartini usw. in Ost-Berlin engagiert. Wie staunte der große Oistrach, als er diese Aufnahmen mit Cembalo-Begleitung machen mußte. Er sagte, in der UdSSR spielte man diese Werke ausschließlich mit Klavierbegleitung. Also mußte er sich gehörig umstellen, und dennoch: Diese Platten wurden ein großer Erfolg und überdies wunderschön!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • (Auch als Ergänzung zu Überlegungen von Alfred Schmidt zur waltenden Musikkritik - in anderem Tamino-Spazio):


    In meinen Bemerkungen zu TV-Featurereien aus Anlass der Bayreuth-Eröffnung 2011 hatte ich beiläufig den Namen Dr. Brembeck eingeflochten. Daraufhin fragen zwei Forum-Nutzer bei mir an, was es mit diesem auf sich habe. - Nun, jener ist eine der Verkörperungen meines Leidens an der großen, hierorts (im deutschen Süden und überregonal) unverzichtbaren, ruhmbedeckten und ansehensbekränzten Süddeutschen Zeitung, mit der ich als ehem. Leitender im Hause und jetziger Redakteurin-Ehegatte seit über 40 Jahren schmerzvoll verbunden bin. Näheres mögen die Anfrager aus meiner Spontanreaktion auf eine Analyse-Suada des Besagten zum Thema Pavarotti-Nachfolgesuche im Januar dieses Jahres entnehmen. Scusi für den Platzbedarf. Also dann:


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    Doktor Brembeck beim Italiener


    "Immer wenn Du meinst,
    dümmer und dreister geht's nicht mehr -
    kommt im SZ-Feuilleton der Brembeck her!"


    Heute hat er wieder ein Stück über Gesang bzw. Sänger veröffentlicht. Nämlich über den Tenor als solchen und den italienischen Tenor im Allgemeinen, doch namentlich einen "Pavarotti-Nachfolger" im Besonderen. Die Liebste warnte: "Lies es nicht, Du wirst wieder nur wüten!" - Ich konnte es aber nicht lassen – ed io tremo.


    Das Lesewerk steht am 13. Januar 2011, auf Feuilleton-Seite 3 = S. 11 des SZ-Hauptteils, vierspaltig unter der feinen Titel-Head


    Immer wieder zum Italiener



    Im Untertitel wird behauptet: "Tenöre sind Italiensehnsucht pur". Und: "Seit dem Tod Luciano Pavarottis sucht die Welt nach einem Nachfolger".


    Wusstet Ihr das? Ich nicht. Weiß allerdings auch nicht, wer oder was mit "die Welt" gemeint ist. Brembeck schon. Er ist ja - unlängst in der SZ doppelseitig in ca. 30 Punkt Head-Größe ausgelobt:


    Experte für Kunstgesang „


    Und darum weiß er:
    "Und es ist mehr als befremdlich, sich Ian Bostridge als Verdi-Tenor vorzustellen. Dem steht nicht nur die Stimme, sondern auch die Intelligenz entgegegen."


    Nun können wir raten:
    Ist Bostridge zu intelligent - oder umgekehrt nicht intelligent genug für Verdi? Wer hingegen auf die Idee käme, den Epheben Liricissimo Bostridge, im Stimmtypus ein Orpheus Britannicus, allenfalls als stimmlicher & sängerischer Verwandter von Sir Peter Pears o.ä. besetzbar, mit Verdi zu verbinden, der - ja?: Der müsste eben ein "Experte für Kunstgesang" sein, für Intelligenz sowieso.
    Aber das ist noch gar nichts. Über eine Spalte lang befasst sich der Gesangsexperte damit, welche Beziehungen der Mann und Phänotypus Silvio Berlusconi zum Phänomen "Tenore Italiano" verkörpert, und dass der Mafioso-Ministerpäsident „sich wahrscheinlich Abend für Abend grämt, dass es bei ihm nicht zum Tenor gereicht hat". Wahrscheinlich.


    Verbindungen von Berlusconi zu Pavarotti zu halluzinieren – das erfordert die Kompetenz eines "Experten für Kunstgesang", ganz unbestreitbar. Und bis hierher könnte das ja auch alles als Jokus durchgehen.


    Doch Experte Brembeck meint es ernst. Er erklärt es uns in atemberaubenden Analysen – wörtlich so:


    1.


    "Neben Paraotti konnte kein anderer italienischer Tenor bestehen" –
    (in was? nach welchem Maßstab? in welchem Fach? mit welchem Repertoire?)
    "Aber auch kein Nicht-Italiener". Also kein Viñas, Lazaro-Cortis-Fleta, Esacalais-vanDyk-Clément, Slezak, Piccaver, Sobinov-Smirnov-Koslowski, Thill, Bjoerling, Tucker?
    Demnach also überhaupt keiner. (D e n n - jetzt kommt Experten-Knowhow):


    "Domingo war zu dunkel timbriert, zu unversell"
    (Was ja bekanntlich ein schwerer Malus ist!)


    "Alfredo Kraus, Carlo Bergonzi und Nicolai Gedda waren zu feinsinnige und zu strenge Musiker"
    (Das wusste auch die Fachwelt noch nicht, musste drum die Welt endlich erfahren!)


    "Roberto Alagna war (er singt bekanntlich aktuell auf allen Weltbühnen) ein zu großer Leidensmann". (Non capisco niente).


    "José Carreras zumindest in seiner Anfangszeit zu lyrisch-belcanistisch". (lyrisch = belcantistisch. Aha!)


    “Und die Vielzahl der lateinamerikanischen Sänger" (er meint: Tenöre) "von Rolando Villazón bis Ramon Vargas, von José Cura bis Francisco Araiza, Juan Diego Flórez oder Marcelo Alvarez waren" (Ihr glaubt es nicht): "teilweise zu grob, teilweise zu sehr nach Frankreich oder auf traditionellen Belcanto ausgerichtet" .....


    "zu" und "zu sehr" - Fachbegriffe der Gesangskritik.
    So klar, dass Erläuterungen, Verständlichmachungsbemühungen von vornherein entbehrlich scheinen.


    Was der Mensch meinen könnte, erschließt sich von selbst:
    Er meint n i c h t s , denn er weiß nichts. Er will bloß Experte spielen.


    2.


    "Also ist seit Pavarottis Tod kein Nachfolger als italienischer Spitzentenor auszumachen".
    "Andererseits aber ist die Sehnsucht (!) nach solch (!!) einem singenden Erlöser (!!!) ungebrochen".
    "Umso" (er meint: „Je“) "schlimmer Berlusconi sich geriert, umso dringender wird ein Pavarotti-Erbe erwartet, um das Italien-Bild (!) wieder (!) ins Lot (!!!) zu bringen".
    Brillante veramente – wer hätte die italienische Politik je so gesehen!

    Aber:
    "Das sollte ja nicht so schwer sein. Italien hat Enrico Caruso, Alessandro Bonci und Fernando de Lucia hervorgebracht, Giovanni Martinelli, Aureliano Pertile, Beniamino Gigli, Tito Schipa, Cesare Valletti, Giuseppe di Stefano, Mario del Monaco ... Doch wo sind die Enkel?"


    Doch, irgendwo und irgendwann hat er mal irgendwelche Namen gehört. Ob er auch die Stimmen, gar sängerischen Spezifica dazu kennt, bleibt offen. Oder eigentlich doch nicht: Dass er Weiteres, Konkreteres, Fachlicheres weder weiß noch in Betracht zieht – Stimmfarben, -typologien, -gewichte, Timbres, Fachzuordnungen, Stile, Techniken, Eignungen, Bewährungen, Hinterlassenschaften: Alles ohne Belang.


    Natürlich stimmen auch die Zeitebenen nicht: Er hangelt sich von den jüngeren zu den früheren und wieder zurück oder auch überkreuz. Epochen- und Generationsunterschiede, Partien, Repertoires, Profile – alles geht bunt durcheinander, ohne irgendeinen Ordnungsraster oder Zusammenhang oder Kenntnishintergrund.


    Die 1930er bis ca. 1945 kommen nicht vor. Er stellt neben di Stefano und del Monaco (als wären die vom gleichen Holze) den Leggiero Valletti – hat aber offenbar von Tagliavini noch nix gehört.


    Er schwafelt von einem Werte+Wirkungs-Gegensatz Pavarotti versus Berlusconi – und weiß offenkundig nichts von den Verbandelungen einiger ihm maßgeblicherJahrhundert-Tenöre zum Franco- und Mussolini-Faschismus, so Lauri-Volpi, Pertile und vor allem Gigli.


    Der Mann hat keine blasse Ahnung. Was er über Bergonzi und Gedda absondert und Kraus gleich mit verfrühstückt, ist genauso abstrus neben jeder Realität wie die Zusammenordnung von Caruso und Bonci (von De Lucia nicht zu reden!), von Martinelli und Schipa, Pertile und Gigli bis hin zu Cura und Flórez.


    Keiner der Genannten hat irgendwas mit dem jeweils anderen zu tun, nicht mal die Zeit oder die direkte Konkurrenz oder eine Stil-Identität bzw. wenigstens Fachnähe. Alles reiner Quatsch und Quirl. Italiener und Spanier sind ihm eins – aber ein Bjoerling oder Thill sind ihm keine Silbe wert.


    Dennoch wird das Name-Dropping wird fortgesetzt, von Licitra bis (ja wirklich): Andrea Bocelli. - Rasenmäher! - Corelli und Bonisolli sind ihm ausgekommen.


    Das Ganze geht noch zwei Spalten weiter, kommt final natürlich auf den angesagten Nachwuchs Grigolo zu sprechen. Dass dieser ein Simpatico im Marketing-Design, aber im dramatischen Repertoire ein weitgehend gefährdeter allenfalls Lirico ist, früh verschlissen werden könnte, weil er (noch?) nicht über das sängerische Können etwa eines Blake oder Flórez verfügt: Was weiß dieser Experte davon?


    Zum Schluss ermutigt er uns zu warten. Worauf? Auf einen - klar doch:


    " T e n o r - M e s s i a s ".


    Benedetto! Erlöser! Drunter geht's nicht auf dem Billig-Boulevard.


    Merke: "Das einzig Wahre an der Erlösung ist nur der Erlös daraus".
    (Ihr wisst schon, von wem das stammt).


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    Sollen wir lachen? Vielleicht. Doch ich denke an den hanebüchenen Multiquatsch der "Rezension" desselben Experten zum 2010er Bayreuther Laborratten-"Lohengrin", die in der Frage "Ist es Hitler?" nur gipfelte, aber auch sonst vor Dummbeutelei, dreister Inkompetenz und GaGa-Gedankenführung durchgängig strotzte. Nein, sowas hat längst Kontinuität.


    Und das sollte peinlich sein für das - immer noch - angesehene Blatt, in dem einer wie dieser sich austoben darf, das aber mal einen Ruppel und einen Panofsky zu seinen Kompetenzfedern zählte, die sich niemals als "Experten für Kunstgesang" ausschreien ließen, sich hingegen angesichts eines solchen Erben abwenden müssten.


    Für mich ist derlei ein Ausweis des allgemeinen, für die SZ speziell bedrückenden, im Falle des SZ-Feuilletons nahezu skandalösen Niedergangs einer einst großen, auch kulturell bedeutenden publizistischen Erscheinung - ab ins parterreste Boulevardige.


    Man wird bescheidener. Aber alles muss man nicht schlucken!


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    Soweit die Kostprobe. Wer mehr möchte, kann sich heute in der Süddeutschen an Neuem delektieren: Dr. Brembeck enttäuscht uns nicht. Er ist bereits in Bayreuth, hat im Festspielhaus herumgeschnuppert, sich von den Sisters einen lieben Gruß zuwinken lassen, mit Akteuren über Orchestergraben und Szenik geplaudert. Er bringt uns nahezu ganzseitig ganz neue Wissensinhalte über die Bayreuth-Architektur, -Akustik und -Dirigierproblematik zur Kenntnis (das erspart dem Noch-nicht-Informierten unter den SZ-Feuilletonkonsumenten die Lektüre ganzer Fachbücher) - und macht sich Gedanken darüber, wo im Zuschauerraum Frau Merkel Platz nehmen und welche Impressionen sie auf welche Weise meinend-fühlend wohl umsetzen werde (er schreibt "würde"). Wir dürfen uns also auf neue schöne Stücke fachkompetenter Beurteilungsschreibe freuen. Ab morgen. Videant Musici!

    Gilt es des Lebens höchsten Preis um Sang mir einzutauschen ...

  • Aus eigenem dankbaren Erleben von -zig tollen und wunderschönen Opernabenden/Aufführungen in der Berliner Staatsoper behaupte ich mal, einen solchen Sch..., wie er heute leider üblich ist, gab es unter seiner Leitung nicht und wäre mit ihm wohl auch nicht zu machen gewesen.


    In der Tat, Chrissy! In der Ära von Hans Pischner an der Staatsoper Unter den Linden wurde neben anerkannt solider künstlerischer Arbeit auch gern die radikale sozialistische Lösung gepflegt - wurde nämlich ohne Begründung kurzenhand abgesetzt, was nicht genehm war. Erinnert sei an zwei Inszenierungen von Ruth Berghaus, die sich in der einschlägigen Literatur und bei denen, die noch dabei waren, als Denkmäler aufgebaut haben: Elektra (1967) und Rheingold (1979). Rheingold verschwand nach nur zwei Aufführungen im Giftschrank, womit auch das ganze Ring-Projekt gestorben war.


    Ansonsten: Mir ist inzwischen völlig egal, wer da was in Bayreuth auf die Bühne wuchtet. Lasst doch den Leuten ihren zweifelhaften Spaß, die sich durch diese endlosen Vorstellungen sitzen und - wenn sie die Karten nicht geschenkt bekommen - dafür noch Unsummen hinblättern. Wer zahlt schon gern freiwillig für etwas, was er anschließend als Fehlkauf erkennen muss. Das kann man nun wirklich nicht erwarten. Inzwischen glaubt doch auch das Publikum in Bayreuth, was ihm vorgesetzt wird, müsste so sein. Deshalb möchte ich nie wieder nach Bayreuth! Wenn ich Bayreuth haben will, nehme ich mir die alten Aufnahmen vor. Den Ring unter Keilberth, sogar in echtem Stereo (!) von 1955, in betörendem Klang bei Testament herausgekommen, einen frühen Parsifal unter Knappertsbusch, den ebenfalls von Knappertsbusch dirigierten gespenstischen Holländer mit dem unerreichten Uhde, den Tristan unter Karajan mit der hinreißenden Mödl, die singt, als ginge es wirklich um Leben oder Tod, den rauschhaften und prächtigen Lohengrin von Varviso. In diesen Mitschnitten ist auch viel vom Bühnengeschehen. Es ist, als ob das Ohr plötzlich sehen kann.


    Grüße von Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Am meisten bin ich heuer eigentlich auf Hengelbrocks Dirigat gespannt ("HIP" in Bayreuth?). Die Inszenierung interessiert mich nicht. Glücklicherweise muß man sich diese im Radio ja nicht antun.


    Die übrigen Opern sind gegenüber dem Vorjahr wenig verändert worden. Da dürften uns also grundsolide Mitschnitte erwarten.


    Wie sich der im letzten Jahr sehr gute James Rutherford als Sachs weiterentwickelt hat, interessiert mich allerdings, genauso, ob Weigle dieses Jahr noch mehr rausholt (er hat sich ja durchaus gesteigert seit 2007).

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • "http://www.welt.de/kultur/article13501520/In-Bayreuth-ist-man-wie-auf-Droge.html"


    Der einzige, der auf Droge ist, ist scheinbar der Regisseur ... :no:


    Welt Online: Wo sind die Festspiele gerade? Wir haben 100-jähriges Jubiläum…


    Baumgarten: Auf dem richtigen Dampfer. Schauen Sie sich doch die Inszenierungen der letzten Jahre an. Ob gelungen oder nicht, sie sind wagemutig. Aber auch hier gilt: Gerade wenn etwas riskant gedacht ist, dann muss es wirklich zu Ende inszeniert sein. Und deshalb darf die Politik Bayreuth auf keinen Fall etwas wegnehmen. Ich möchte, dass die Leute auf 100 Prozent laufen können. Das muss keine Hollywood-Dimensionen annehmen, aber wir wollen alle zeigen, was wir wirklich können.


    Welches Jubiläum? Das 100jährige war doch 1976, und 2013 ist der 200. Geburtstag von Wagner. Mannomann ...

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Meine Frau und ich gehören zu den Wahnsinnigen, die sich den von Euch geschilderten und in dieser Art beurteilten Wagner in Bayreuth ansehen, Tannhäuser und Lohengrin mit sündhaft teuren Bezahlkarten. Ersten sind wir halt unverbesserliche, treue Wagnerianer. Zum anderen müssen wir, wenn wir weiterhin mitreden und ich ab und an auch noch schreiben will uns unser persönliches Urteil durch möglichst viel eigenes Erleben bilden.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Welches Jubiläum? Das 100jährige war doch 1976, und 2013 ist der 200. Geburtstag von Wagner. Mannomann ...

    Aber es ist heuer 200. Geburtstag von Wagners Schwiegervater Liszt Ferencz und außerdem 50. Jahrestag der ersten Nachkriegsfestspiele (30. Juli 1951), im gewichteten Drittelmix also 100. Jubiläum.

  • Stimmt, lieber Ullrich, mit etwas Phantasie kann man sich das zurecht drehen. ;)


    P.S.: 1951 ist aber 60 Jahre her.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber(r) Rheingold - da muss ich widersprechen:


    Gerade weil ich die Erlebnisbeispiele, die Sie anführen, nur aus tiefem Eigenerinnern bestätigen kann, ist mir's nicht egal. was die nackten Kaiser machen, in Bayreuth noch weniger als flächendeckend auf deutschen Opern- und Theaterbühnen - und vor allem dort, dass wir uns nur verstehen, denn in Frankreich, Italien, auch England, von Übersee nicht zu reden, da würden solche Hochstapler und Nichtswisser nicht rangelassen, an ausgewählt-bestimmten Plätzen der Kulturpflege gar von der Rampe gefegt, wie in Montpellier, Rom, Ednburgh, NYC geschehen. Ich möchte einerseits daran erinnern, dass sich mit den Werken, die ihnen unter die Finger kommen. eine große wunderbare nicht nur Werk-, sondern auch Rezeptions- und Erkenntnisgeschichte verbindet, mitgetragen von bedeutenden Dirigenten, Szenikern, Sängerinnen und Sängern, die uns Maßstäbe vermittelt haben und ein Vermächtnis hinterließen. Zum anderen gebe ich zu bedenken: Bayreuth wie alle anderen Theater in öffentlicher Trägerschaft genießen (und vertobaken) Jahr um Jahr Millionen-Zuschüsse, wären ohne die Bürgergelder, verteilt über Kultusbehörden, Volksvertretungen und Finanzbürokratien überhaupt nicht lebensfähig, da sollte es uns schon interessieren, was mit diesen Ressourcen geschieht. Um mich keinem Falschverdacht auszusetzen: Ich bin entschiedener Anhänger des deutsch-europäischen Trägersystems und seiner demokratisch fundierten Strukturen, halte gar nichts davon, Bankern, Industriellen und anderen Großgeldpropriateuren die Finanzierung und damit Ermöglichung der öffentlichen Kultur zu überlassen und in ein (natürlich wiederum steuerlich absetzbares, also im Effekt dann doch vom allgemeinen Steuerzahler getragenes) "Sponsoring"-Wesen münden bzw. fallen zu lassen - in dem dann subjektiv ermessensbefugt, also nach Einstellung, Laune und Lust entscheidende Kapitalbesitzer verfügen können, was in der Kunst- und Kulturpflege/-interpretation/-produktion geht und was nicht - mir steht das in weithin ungute, lang erlebte Beispiel Dussmann vor erinnernden Sinnen.


    A b e r : Ein engagiertes Publikum, durch Kenntnis, Erfahrung und - ja auch: Liebe zum Kunstwerk so motiviert wie legitimiert, sollte sich nicht wehrlos, nicht ohnmächtig, nicht resignativ den heftig normierenden Kräften des Faktischen (faktisch? Nein: Durch Hinnahme, Trotzdem-Hinfahren, "sündhaft teuer" Bezahlen und Gleichmutzyne zeigen erst auf Dauer ermöglicht!) ergeben, sondern so lautstark wie möglich dagegen aufbegehren. Ein erster Ansatz ist artikulierter Widerspruch an die käuflich-opportunistischen Medien und ihre Lohnschreibe-Brembecks, ein anderer der Protest an Ort und Stelle, ein dritter die Kündigung von Abonnements, wenn schon gezielte Steuerverweigerung nicht möglich ist (wie zumindest teilweise bem Protest gegen die subventionierten Aberglaubenshüter per Kirchenaustritt), vor allem aber die nichtteilnehmende Verweigerung. Natürlich bleiben das zunächst mal die in der Geld- und Mediengesellschaft negier- und verhöhnbaren Spuren im Sand. Aber hier könnte gelten und wirksam werden, was noch die Arbeiterbewegung der Vorjahrhundertwende wusste: Enen Finger kann man brechen, fünf Finger sind eine Faust. Auf unser Thema bezogen: Eine Stimme kann man niedertönen, Tausende Stimmen sind ein Sturm.


    Drum kann ich - auch so etwas wie ein "Wagnerianer" (wenn auch vielleicht in anderer Bedeutung des Begriffs, aber doch vom Nachkriegsbayreuth als Studiosus und Stipendiat u.a. bei Wieland nachhaltig geprägt) - mich unserem Operus diesmal nicht anschließen: Gerade weil ich dem Werk treu verbunden bin, nehme ich an seiner allsommerlichen (und im Anschluss alltäglichen) Verramschung und Zertrümerung durch angemaßte Nichtwisser, Nichtskönner, dreiste Ausbeuter, widerwärtige Abkocher ... und ihre Hofschranzen nicht teil. Ich wünsche mir viele mit gleicher Motivation und ähnlichen Folgerungen. Nur dann nämlich wäre - vielleicht - der Trend irgendwann zu brechen oder doch zu dämmen. Leider bin ich kein Stets-Heiter-Gestimmter - denn die Preisgabe des Erbärmlichen an homerische Lächerlichkeit wäre natürlich die effizienteste Strategie gegen die Übermächte des Verdummungsboulevards.


    Saluti cordiali all'amici de la musica scenica vera - vom KUS

    Gilt es des Lebens höchsten Preis um Sang mir einzutauschen ...

  • Auch von mir, lieber KUS, herzlichen Dank für deine (wie üblich) profunden letzten zwei Beiträge.


    "Alte", wie wir, die noch die Blütejahre der Wieland-Epoche miterlebt haben, können ob dieser sich immer mehr ansammelnde Abstrusitäten nur noch den Kopf schütteln.


    Allerdings verstehe ich "Rheingold" absolut. Es ist das erste Jahr, dass ich für Bayreuth nicht mehr vorbestellt habe und ich gedenke dies auch weiterhin nicht zu tun. Nachdem man nun auch noch erfahren konnte, dass vermutlich Castorf den Ring verhunzen wird, besteht wahrlich kein Grund mehr, sich für Bayreuth zu interessieren; auch die Sängerbesetzungen sind auf einer indiskutablen "Schwundstufe" angelangt (man höre sich nur den momentan laufenden Tannhäuser an!) und allein die Magie des Ortes vermag es für mich nicht mehr zu rechtfertigen. Die einzige Hoffnung, die ich noch habe, ist, dass Konsequenzen für die momentane Leitung folgen werden, wenn nach Meistersingern, Lohengrin und Tannhäuser auch noch der Ring in den Sand gesetzt wird.


    Mit freundlichem Gruss

  • Unser sprachgewaltiger ungemein präzise pointierender KUS - allein deshalb sind seine Beiträge lesenswert - empfiehlt einen Kurs der totalen Negation und Ablehnung bestimmter "moderner" Inzenierungen. Richtig, das ist sicherlich ein Weg und eine Strategie, die Strömungen auslösen kann, die zu einem Richtungswechsel führen könnten.
    Allerdings finde ich es notwendig , sich mit der Deutung, die man ablehnt, zunächst einmal gründlich zu befassen, sie zu analysieren,zu hinterfragen, um dann mit noch besseren Argumenten eine eventuelle Ablehnung begründen zu können. Anhören heißt also keinesfalls annehmen, gutheißen oder tolerieren. Nur das Urteil wird später mit größerem Erkenntnisstand gefällt.
    Als Präsident der Gottlob-Frick-Geselllschaft, die bei ihrem Künstlertreffen in erster Linie Sängerlegenden zu ihren Gästen zählen darf und die Zielsetzung hat, die Erinnerung an diese Größen wachzuhalten, gehöre ich nahezu selbstverständlich zu den Traditionalisten. In unserer Matinee wurde zumindest einer der modernen "Heilsbringer" so zerpflückt, dass er samt seinen skurrilen Ansichten restlos am Boden zerstört war. Niemand kann besser, lebensechter und begründeter über Regieunsinn berichten und Alternativen aufzeigen als unsere alten Sängerinnen und Sänger. Die wissen aus eigenem oft leidvollem Erleben von und über was sie sprechen.
    Ich selbst mache dennoch keine Fundamental-Opposition, sondern formuliere gezielt und möglichst differenziert.
    Im Wollen meine ich, z. B. mit KUS weitgehende Überinstimmung zu haben. Wahrscheinlich unterscheiden sich unsere Vorgehensweisen. Und dies ist auch gut so!
    Also, liebe Brüder, im Geiste lasst uns an verschiedenen Fronten für unser Ideal kämpfen: Opern entsprechemd ihrem Geist, dem Wollen ihrer Schöpfer und der dem Stück inne wohnenden Idee werkgetreu zu inszenieren.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    da würden solche Hochstapler und Nichtswisser nicht rangelassen, an ausgewählt-bestimmten Plätzen der Kulturpflege gar von der Rampe gefegt, wie in Montpellier, Rom, Ednburgh, NYC geschehen.

    Tatsächlich ? Der NYC-Ring der stümperhafte Schenk-Regie - an dem nicht mal die NY-Times ein gutes Haar am Ende fand - wird durch die mindestens gleichfalls stümperhafte Regie von Robert Lepage abglöst... das schrumpft bloß auf die Frage zusammen, welche Arbeit sich als qualitativ miserabler ausweisen wird. In der nächsten Saison wird mans erfahren...
    :hello:

  • Buuuuuuuuuuuh!


    Aus! Aus! Aus! Der Unsinn ist aus!


    Gott sei Dank.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Der NYC-Ring der stümperhafte Schenk-Regie

    Diese Aussage hat inzwischen einen meterlangen Bart. Sie ist durch das ständige Wiederkauen öde und langweilig geworden. Inzwischen benötigen wir die Werbung für den Schenk-Ring nicht mehr, die Leute sind genügend informiert, dass der Schenk-Ring der einzige noch ansehenswerte Gesamtring ist!


    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Du hast völlig recht, über den Schenk-Ring lohnts sich nicht zu debattiernen, ob seines qualitativen GAUs.
    Es war auch gar vom Schenk-Ring die Rede, sondern um die falsche Behauptung, es würden solche Hochstapler und Nichtswisser nicht rangelassen, an ausgewählt-bestimmten Plätzen der Kulturpflege gar von der Rampe gefegt, wie in Montpellier, Rom, Ednburgh, NYC geschehen.
    In NYC wurde kein Regie-Team „weggefegt“ weder nach dem Fidelio, den neuen Lepage-Ring (2010/11), Parsifal. Im Gegentum. In der MET wird zuweilen stümperhafte Regie vom Auditorium anscheinend frenetisch gefeiert, obwohl diesen aufgezählten Arbeiten nicht mal choreographische Mindestanforderungen erfüllen, auf die auch ein sog. „konservatives“ Publikum Anspruch haben sollte.


    die Leute sind genügend informiert, dass der Schenk-Ring der einzige noch ansehenswerte Gesamtring ist!
    Meinst du das etwa ernst ? Sprichst du etwas erneut für das gesamte Forum ?
    Besser der Realität sich zu stellen, nicht mal in Tamino findet sich eine Mehrheit für den aufgeblähten Dilletantismus a la Schenk, Lepage, Sellner & Co. sondern genügt möglicherweise einem Teil der Besucher, die es bevorzugen, ihr Gehirn vor Beginn der Vorstellung in der Garderobe abzugeben.
    :hello:

  • Amfortas, mein Lieber,


    nach so vielen gebetsmühlenhaften Behauptungen, der Schenk-"Ring" wäre so unsäglich dilettant, wäre es hoch an der Zeit, dass du endlich begründest, was daran so schrecklich sei.


    Ich hoffe auf eine ausführliche Antwort.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Meine Gratulation für die wunderbaren Artikel von KUS ! Habe mich selten so über hier eingestellte Berichte gefreut !


    Aber ich muss gestehen, dass ich trotz allem Ärger immer wieder den Versuch mache, Karten für Bayreuth zu erhalten. Ich kann zwar die "alten, guten Zeiten" von 1951 bis 1980 nicht beurteilen (durch eigenes Ereleben), da ich erst ab 1980 häufig nach Bayreuth gefahren bin, aber es hat doch in dieser immer wieder Inszenierungen gegeben, die mir - zumindest nach mehrmaligem Betrachten - durchaus gefallen haben (Götz Friedrich, H. Müller, H. Kupfer, D. Dorn). Daher gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass auch in Zukunft mal wieder ein wirklich grosser Wurf gelingt. Leider ist es richtig, wie viele hier schreiben, dass man sich auch nicht mehr auf das musikalische Niveau verlassen kann und damit die Enttäuschung über die Szene vergessen kann. Ich habe leider gestern abend nur kleine Stücke der Übertragung hören können, muss aber sagen, dass mir die Elisabeth (Nylund), der Landgraf (Groisböck) und auch Wolfram (Nagy - allerdings ohne Abendstern) nicht schlecht gefallen hat. Da gabs schon schlechtere. Es ist nunmal so, dass weder Wagner noch Richard Strauss heute wirklich gut besetzt werden können, nirgendwo auf der Welt. Und die Zeiten, wo in Bayreuth bis in die kleinsten Rollen mit absoluten Weltstars besetzt wurde sind lange vorbei. Aber trotz allem, das Festspielhaus, die Chöre und (meistens) auch das Orchester sind immer noch eine Reise wert und ich gebe die Hoffnung nicht auf, irgendwann mal wieder total beglückt nach Hause fahren zu können !