• Und noch ein Dirigent der wenig in den Katalogen vertreten ist und in
    der Mozart-Interpretationsgeschichte seinen Platz in der Nähe von Josef Krips hat:




    Fritz Busch ( 1890 - 1951 )


    Fritz Busch gilt als ein großer Interpret der Opern Mozarts, was einige Mitschnitte vom Glyndebourne Festival belegen.
    Zum kennenlernen ist die oben abgebildete Doppel-CD gut geeignet.


    Busch gilt neben Erich Kleiber als einer der "sauberen" deutschen Dirigenten, da er (ohne große Not) Streit mit der (Dresdener Regional-) NSDAP hatte und das dritte Reich und seinen Chefposten in der Semperoper verliess. (nachträglich werden jetzt Stimmen laut, daß Busch gar nicht so "sauber" gewesen sei und alles eine Kurzschlußreaktion Buschs gewesen sei und er durchaus gerne in Deutschland geblieben wäre - aber das ist eine ärgerliche und müssige Diskussion und ich möchte Busch nicht beschmutzen. Das Resultat ist offensichtlich, daß er sich nicht zum Mitläufer gemacht hat.)


    Auf der DVD "The Art of Conducting - (Teil 1)" kann man ihn in einer prähistorischen Aufnahme in der Semperoper das Tannhäuservorspiel dirigieren sehen/hören.


    Ich wüsste gerne von Euch, um welche Aufnahmen ich meine Busch-Sammlung bereichern soll.


    Grüsse, Markus


    (Auf der obigen CD befindet sich: Leonore II - Ouvertüre; Linzer Sinfonie (Mozart Nr. 36); die Italienische Sinfonie (Mendelssohn Nr. 4); Brahms: tragische Ouvertüre und Zweite Sinfonie; Weber: Freischütz-Ouvertüre; Strauss: Don Juan; Haydn: Sinfonia concertante)
    Meiner Meinung nach eine sehr schöne Zusammenstellung hörenswerter Interpretationen mit dem dänischen RSO und dem London Philharmonic Orchestra. Klangqualität ist OK bis gut - je nach Klangqualitätsgeschmack)

  • Hallo Markus,


    Fritz Busch kenne ich vor allem als hervorragenden Operndirigenten - präzise, federnd, nicht zu schwer, den Sängern immer genügend Zeit zum Atmen lassend. Das merkt man besonders, wenn man sich mal die Mühe macht, den Otello Vinays unter Toscanini und Busch zu vergleichen. Obwohl Busch fast noch feuriger dirigiert als Toscanini, singt Vinay hier nicht "an der kurzen Leine", sondern freier und damit auch besser, weil er dadurch mehr in die Tiefe seiner Rolleninterpretation gehen kann.


    "Must Haves" in diesem Bereich:


    - Cosi, Nozze und Don Giovanni (alles Mitschnitte aus Glyndebourne Mitte der 30er Jahre, gibt´s preiswert bei Naxos)


    - Otello ( 1948 ) mit Vinay, Albanese, Warren (momentan preiswert bei einem No-Name-Label zu haben (Klangqualität unbekannt), beim hinsichtlich der Überspielqualität zuverlässigen (Hoch-)Preiser-Label aus Österreich möchte man für den Mitschnitt die vierfache Summe)


    - Maskenball (1951, auf Deutsch, mit Fehenberger, Fischer-Dieskau, u.a., RSO Köln, heute auf "Cantus Classics" verfügbar, früher mal bei "Calig"; auch wenn Verdi auf Deutsch nur selten meine Zustimmung findet, so sollte man an dieser Aufnahme nicht vorbeigehen. Was Busch da vor allem aus dem Orchester an "Italianitá"
    rausholt, ist bemerkenswert, aber letztlich auch kein Wunder, da Busch ja ganz wesentlich für die Wiederentdeckung gerade der früheren Werke Verdis auf deutschen Bühnen in den 20er Jahren mitverantwortlich war)


    Daneben gibt es noch einige Mitschnitte aus Buenos Aires und der "MET", die ich allerdings nicht kenne (hauptsächlich Wagner und Verdi).


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo Markus,


    da planst Du ja ein sehr interessantes Programm mit zahlreichen Dirigenten, die mir alle sehr wichtig sind. Über Fritz Busch hatte ich immer viel gehört, aber kaum Musik von ihm. Inzwischen ist es durch das Internet sehr leicht, viele Informationen zu bekommen. Zu erwähnen ist vielleicht, dass Antal Dorati und Michael Gielen zu seinen Schülern zählten.


    So habe ich nur eine einzige Aufnahme von ihm: Beethovens 9. Sinfonie, live 1950 mit dem Chor und Orchester des Dänischen Rundfunks. Seine Darstellung ist nicht gerade einfach zugänglich. Anders als etwa bei Charles Münch, von dem ich diese Sinfonie am liebsten höre, gibt es nicht den energischen Zug, sondern die Musik wird aufgebaut, bis schließlich einzelne Bilder zum Stehen kommen, die dann jedoch von größter Aussagekraft sind. Das ist schwer in Worten auszudrücken. Diese Aufnahme verlangt intensive Beschäftigung, und dann sind ungeahnte Schönheiten zu entdecken. Auffallend die Pauke im zweiten Satz, die dort extrem gegen das ganze Orchester gestellt ist, und die Vorbereitung des Chaos-Einbruchs vor dem „Freunde, nicht diese Töne“.


    Viele Grüße,
    Walter


  • Ausdrückliche Unterstützung! Busch ist leider kurz vor Einführung der LP mit ca. 60 Jahren verstorben und war eben vorher in Südamerika und Dänemark, so dass es wenig reguläre Plattenaufnahmen gibt


    Zitat


    Busch gilt neben Erich Kleiber als einer der "sauberen" deutschen Dirigenten, da er (ohne große Not) Streit mit der (Dresdener Regional-) NSDAP hatte und das dritte Reich und seinen Chefposten in der Semperoper verliess. (nachträglich werden jetzt Stimmen laut, daß Busch gar nicht so "sauber" gewesen sei und alles eine Kurzschlußreaktion Buschs gewesen sei und er durchaus gerne in Deutschland geblieben wäre - aber das ist eine ärgerliche und müssige Diskussion und ich möchte Busch nicht beschmutzen. Das Resultat ist offensichtlich, daß er sich nicht zum Mitläufer gemacht hat.)


    Zustimmung! Kater äußert hier alle möglichen Vermutungen (hätte Goebbels oder wer immer Busch Furtwänglers Posten verschafft, wäre er geblieben u.ä.), das ist aber Spekulation, Tatsache jedoch, dass Busch Deutschland verlassen hat (wie seine Brüder).


    Zitat


    (Auf der obigen CD befindet sich: Leonore II - Ouvertüre; Linzer Sinfonie (Mozart Nr. 36); die Italienische Sinfonie (Mendelssohn Nr. 4); Brahms: tragische Ouvertüre und Zweite Sinfonie; Weber: Freischütz-Ouvertüre; Strauss: Don Juan; Haydn: Sinfonia concertante)
    Meiner Meinung nach eine sehr schöne Zusammenstellung hörenswerter Interpretationen mit dem dänischen RSO und dem London Philharmonic Orchestra. Klangqualität ist OK bis gut - je nach Klangqualitätsgeschmack)


    Die Brahms 2. ist IMO maßstäblich und ein guter Beleg dafür, dass man Brahms damals nicht in solchem Zeitlupentempo nahm, wie später leider oft.
    Die Klangqualität ist allerdings schon ein wenig schlechter als "Mono-Hifi" (d.h. gute Studio-monoaufnahmen der 50er), aber sehr gut anhörbar.
    Interpretatorisch läßt sich Busch IMO ein wenig mit E. Kleiber vergleichen: straffe Lesarten, oft sehr flotte tempi, dabei aber ein natürlicher Fluß der Musik. Zu Brahms gibt es AFAIK dazu eine direkte Verbindung, da ein Lehrer Buschs ein Brahms-Freund gewesen ist (Namen vergessen)


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • hallo!


    Wollte nur noch seine atemberaubende Einspielung des Idomeneo erwähnen. Sänger sind mir gerade entfallen. Erhältlich auf Cantus Classics.


    Auch sehr interessant, wenn auch keine Einspielung, sein Buch : "Der Dirigent" wo er die wichtigsten Eigenschaften und Voraussetzungen fürs Dirigieren beschriebt, aber auch über Musik im Allgemeinen schreibt. Besonders erwähnenswert hier seine äusserst bissige Abrechnung mit den Tenören seiner Zeit.


    mfg Raphael


    P.S.: Nikolaus Harnoncourt (sinngemäss) über Fritz Busch: "Ich kann gar nicht verstehen, dass sich die Leute so über meine Mozart-Interpretation beschweren. All das, was bei mir als gegen den Strich gebürstet bezeichnet wird, hat Fritz Busch doch schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts getan"

  • Sieht man sich die Beiträge dieses Threads an, könnte man meinen, Fritz Busch sei so gut wie vergessen. Und es scheint eine Frage der Zeit zu sein, den Thread einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen...


    "Fritz Busch in Dresden": Diese Verbindung lässt aufhorchen, denn die Dresdner Jahre von 1922 bis 1933 gehören zu den musikalisch produktivsten und bedeutendsten des genialen, wegweisenden Dirigenten.


    In der Edition Profil Hänssler sind jetzt alle verfügbaren Aufnahmen aus Fritz Buschs Dresdner Jahren greifbar zusammen mit einer DVD (u.a. mit der "Tannhäuser"-Ouvertüre und der Filmdokumentation "Ich verließ das Pult") sowie einem 192seitigem außerordentlich informativen Booklet. Auf 3 CD's sind viele Raritäten dokumentiert: u.a. Auszüge aus TURANDOT, DIE MACHT DES SCHICKSALS mit Anne Roselle, Paul Schöffler, Heinrich Tessmer, Otto Siegmund..........


    All diese einzigartigen Dokumente wurden jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt im Oberen Schloss zu Siegen unter Anwesenheit von Bürgermeister Steffen Mues, Dr. Jürgen Schaarwächter vom Reger-Institut Karlsruhe, Dr. Jens-Uwe Völmecke von MDR-Figaro sowie Holger Siedler vom THS-Studio Dormagen.


    39 Jahre lang hat die Brüder-Busch-Gesellschaft e.V. (Hilchenbach) bis zum 18.10.2003 unter der langjährigen Präsidentschaft von Sena Jurinac und der umtriebig-selbstlosen Geschäftsführung von Wolfgang Burbach die Erinnerung an die Busch-Brüder wachgehalten.
    Heute tritt die Nachfolgeorganisation "Freundeskreis der Busch-Brüder e.V." mit Sitz in Siegen dafür ein, das Vermächtnis der Künstlerfamilie dem Vergessen zu entreißen und unterhält im Siegener "Krönchen-Center" eine sehens- und hörenswerte Dokumentation mit Führung nach Anmeldung.


    Wer sind die Busch-Brüder?


    Fritz Busch (geb.1890 in Siegen-gest.1951 in London) war Dirigent. Von 1922-1933 leitete er die Dresdner Staatskapelle an der Semperoper. Er ging ins Exil nach Buenos Aires, arbeitete in Kopenhagen, Stockholm und New York, leitete die Festspiele in Glyndebourne. 1951 kehrte er nach Deutschland zurück.


    Adolf Busch (geb.1891 in Siegen-gest. 1952 in Guildford/Vermont)war Geiger und Konzertmeister, gründete das Busch-Quartett, lebte seit 1927 in der Schweiz und emigrierte 1939 in die USA. Yehudi Menuhin war einer seiner bedeutendsten Schüler.


    Hermann Busch (geb. 1897 in Siegen-gest. 1975 in Bryn Mawr/USA) war Cellist. Er lebte seit 1933 in Basel und emigrierte 1940 in die USA.


    Heinrich Busch (geb. 1900-gest. 1929 in Duisburg) war Pianist und Komponist.


    Willi Busch (geb. 1893 in Siegen-gest. 1951 in Köln) war Schauspieler in Köln, Berlin und Bochum. In Bochum leitete er auch die Schauspielschule.


    Herzliche Grüße aus der Brüder-Busch-Stadt Siegen
    Klaus

  • Wie in der Rubrik "heute im Radio" schon erwähnt, findet heute abend in Siegen ein Konzert zum 120. Geburtstag von Fritz Busch statt (Fritz Busch (* 13. März 1890 in Siegen; † 14. September 1951 in London); deutscher Dirigent).


    Zitat

    An diesem Märzwochenende dreht sich im Siegener Kulturleben alles um den wohl berühmtesten Sohn der Stadt: den Dirigenten Fritz Busch, dessen 120. Geburtstag am 13. März gefeiert wird. Die Philharmonie Südwestfalen begeht diesen Tag mit Konzerten und Veranstaltungen rund um Fritz Busch. Das Programm des heutigen Abends ist daher eine Reminiszenz an die musikalischen Vorlieben dieses Ausnahme-Dirigenten, zu dessen Favoriten Max Reger und Richard Wagner zählten und für dessen Bruder Adolf die Musik Robert Schumanns in seiner Laufbahn als Geiger eine große Rolle spielte. Heute hören Sie den schwedischen Geiger Ulf Wallin als Solisten des erst im 20. Jahrhundert uraufgeführten Schumannschen Violinkonzertes.


    Freitag, 12.03.10 um 20:05 Uhr WDR 3:


    Philharmonie Südwestfalen
    Live aus dem Apollo-Theater Siegen


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Dieser Tage fanden Veranstaltungen in Siegen statt, die an den großen Sohn der Stadt, Fritz Busch, erinnerten:


    1. Am 11. März widmete die Veranstaltungsreihe "Siegener Forum" in Kooperation mit dem Freundeskreis der Busch-Brüder einen Vortragsabend im Krönchen-Center. Referent Wolfgang Burbach würdigte insbesondere anhand von musikalischen Beispielen aus Glyndebourne-Aufnahmen (Le nozze di Figarao) und dem Film der Tannhäuser-Ouvertüre (Dresden, 1932) Leben und Werk des großen Siegerländer Dirigenten mit Weltgeltung. Außerdem wurde ein akustisches Dokument präsentiert, in dem eine Altersgenossin und Zeitzeugin der Familie Busch berichtete, wie sie die Busch-Brüder (Fritz, Adolf und Hermann) im Kindesalter erlebt hat (um 1900!), als sie eine fahrende Schauspieltruppe (incl. Drahtseilakt) vor dem Siegener Rathaus mit ihren Geigen künstlerisch begleitet und unterstützt haben. Des weiteren berichtete Regisseur Carl Ebert in einem beeindruckenden Tondokumnet über seine langjährige enge Zusammenarbeit mit seinem Freund Fritz Busch.
    Burbachs Vortrag gründet auf einer nahezu lebenslangen Auseinandersetzung mit der Siegener Musiker-Familie. Neben seinem Engagement für den Gebrüder-Busch-Kreis begründete er im Jahre 1964 die Brüder-Busch-Gesellschaft, deren Geschäftsführer er 39 Jahre lang war. Ebenfalls unter seiner Mitwirkung wurde 1971 der Brüder-Busch-Preis ins Leben gerufen, der seither an junge, talentierte Künstler vergeben wird.


    2. Die Philharmonie Südwestfalen gestaltete am 12. und 13. März im Apollo-Theater ein Festkonzert (Programm: Reger: Eine Lustspielouvertüre, Schumann: Violinkonzert, Wagner: Waldweben und Sibelius: 5. Sinfonie), das beide Male ausverkauft war.


    Leider wurde das Konzert am 12.03. vom WDR - entgegen der Ankündigung - nicht übertragen, da ein Beteiligter seine Zustimmung verweigert hatte.


    Klaus Schreiber

  • Ich habe die Biografie seiner Frau Grete (?) gelesen. War nicht nur eine interessante Biografie, sondern ein ganz hervorragendes Buch über eine großen Menschen. Daß es hier und da vielleicht etwas schöngefärbt oder ein wenig zurecht gebogen ist kann ich mir schin vorstellen. Da gíbt es bei Bruno Walter auch einige persönliche Details die nicht so ganz sympathisch sind.


  • Lieber Klaus Schreiber,
    Vielen Dank für den informativen Bericht.
    Ich bin immer wieder erstaunt und traurig zugleich, wie sehr Fritz Busch (fast nur) zum Geheimtip für Musikfans avanciert ist. Eigentlich kommt niemand an ihm vorbei, egal ob er sich für die 2. Brahms, 4. Schumann, 9. Beethoven, die Da Ponte Opern von Mozart, den Maskenball, den Tristan, die Haffner-Serenade, Othello,etc interessiert....denn es sind alles durchweg Referenz-Aufnahmen.
    Ich wollte vor ca einem Dutzend Jahren Mitglied in der Brüder-Busch-Gesellschaft werden, die sich damals aber gerade auflöste und von das Archiv damals nach Marbach(?) verlegt wurde. Bis heute gehört Fritz Busch für mich zu meinen absoluten Lieblingsdirigenten und zu den wichtigsten Dirigenten überhaupt. Ich bin erst seit dem 31.12.09 bei Tamino und schrieb gleich zu Beginn über Fritz Busch im nachfolgenden Artikel.


    Danke und viele Grüße..................."Titan"


    P.S. neben dem Buch der Ehefrau Grete Busch >> Fritz Busch << gibt es von ihm selbst geschrieben >> Aus dem Leben eines Musikers<<, welches mir persönlich noch besser gefällt. (antiquarisch Henschelverlag, Berlin)


    > Dirigenten im Spannungsfeld zwischen Zeitgeist und Individualität <


    --------------------------------------------------------------------------------
    Ein interessantes Thema, aber eben auch eins , dass die eigenen gesellschaftspoltischen und kulturellen Wurzeln anspricht und ähnlich fordert wie z.B. die Diskussion über das Musiktheater. Ich denke in erster Linie an die große Zeit der Dresdener Oper seit Ende der Zwanziger unter Fritz Busch. Der Zeitgeist wurde zunehmend ein "BRAUNER". Furtwängler hat damals zwar auch gegen den Zeitgeist, als Individualist in seiner teils naiv-unpolitischen, wie auch seiner humanistischen Gesinnung folgend, drauf bestanden mit jüdischen Künstlern aufzutreten. Ich gehe davon aus, dass er das kalkulierende politische Kalkül der Nazis dies lange Zeit mitzutragen, nicht durchschaut hat. Fritz Busch war nicht nur ein durch und durch humanistisch gesinnter freiheitlicher Geist, sondern auch einer mit politischem Durchblick und dem typischen Dickschädel des Siegerländers. Als es ab ca 1932 immer öfter Opernaufführungen von braunen Horden organisiert gestört wurden, da etliche jüdische Künstler an der Semper Oper sangen, stellte er sich eindeutig vor seine Künstler. Er hat tatsächlich dem Zeitgeist getrotzt und ist dann letztendlich emigriert obwohl er kein Jude war und Goering ihn unbedingt halten wollte. Richard Strauss hatte ihm die Uraufführung seiner Daphne anvertraut, sie dann aber relativ kleinlaut Clemens Krauss übergeben, was Busch sehr gekränkt hat.


    Gruss..................."Titan"

    04.01.2010 22:50

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Hallo zusammen,


    erfreulich, dass der Thread nicht völlig in der Versenkung verschwunden ist und wieder ein wenig an Fahrt gewonnen hat.
    Auf Giocondas und Titans Anmerkungen und Fragen seien folgende Hinweise gestattet:


    "Aus dem Lebens eines Musikers" nannte Fritz Busch seine Aufzeichnungen, die er Anfang der 1940er Jahre in der Emigration geschrieben hat. Dass das Buch 1949 überhaupt erschien, war Buschs Frau Grete (Sie hat keine Biografie geschrieben!) zu verdanken. Er sah seine Erinnerungen, die er nach zwei Herzinfarkten verfasst hatte, als reine Privatsache an. Sie aber schickte zwei Kapitel an Thomas Mann. Der war begeistert, riet zur Veröffentlichung, half bei der Kontaktaufnahme mit dem Züricher Rascher-Verlag. Das Buch erschien auch in Dänisch, Englisch, Russisch und Ungarisch.
    Zum 50. Todestag von Fritz Busch erfolgte eine Neuauflage des längst vergriffenen Buches im August 2001 im Fischer-Verlag Frankfurt. Es enthält neuere Fotos aus dem Busch-Archiv und ein überarbeitetes Nachwort von Buschs zeitweiligem Privatsekretär J. Hellmut Freund.


    Am 18. Oktober 2003 wurde die Brüder-Busch-Gesellschaft aufgelöst, nachdem es ihr gelungen war, über einen Zeitraum vom 39 Jahren die Erinnerung an die Siegerländer Künstlerfamilie Busch wachzurufen, wachzuhalten und ihren über die ganze Welt verstreuten künstlerischen Nachlass zu sammeln und zu archivieren. Entstanden ist ein bedeutendes Musikarchiv, das dem Max-Reger-Institut in Karlsruhe zur Betreuung und wissenschaftlichen Auswertung anvertraut wurde.


    Nachfolgeorganisation der Brüder-Busch-Gesellschaft ist seit November 2003 der "Freundeskreis der Busch-Brüder e.V." mit Sitz in Siegen.


    Hier noch eine Frage an Gioconda: Was meinst du konkret mit deiner Äußerung über die Busch-Biografie, wenn du schreibst: "Dass es hier und da etwas schöngefärbt oder zurecht gebogen ist, kann ich mir schon vorstellen"?


    Liebe Grüße aus der Brüder-Busch-Stadt Siegen
    Klaus


  • In die aktuelle Reihe "Verblassender Ruhm von Interpreten" würde er wohl gut passen. Seit Jahren wurde hier nichts geschrieben. Dabei hat der hier behandelte Fritz Busch eine der frühesten Tonfilm-Aufnahmen hinterlassen: Die "Tannhäuser"-Ouvertüre mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden, aufgenommen im Jahre 1932. Hier kann man mal ein Orchester der Weimarer Republik in Ton und Bild miterleben und erahnen, wieso die Staatskapelle einst "Wunderharfe" genannt wurde. Wenig ist von diesem einzigartigen Klang erhalten geblieben. Es spricht nicht für die heutigen Interpreten, wenn in einer nunmehr 82 Jahre alten Aufnahme mehr Details gehört werden können als heutzutage mit modernster Technik.



    Interessant ist Buschs standhafte Weigerung, sich den Nationalsozialisten anzudienen, was zu seiner Emigration führte.


    Zitat

    Hitler, Goebbels und Goering wollten diesen berühmten Dirigenten in Berlin haben. Busch schilderte das Gespräch mit Göring wie folgt:


    Ich sagte, dass ich keinem jüdischen Kollegen den Platz wegnehmen würde. – Göring: „Na, lieber Freund, wir haben ja auch Mittel in der Hand, Sie dazu zu zwingen!“ – „Versuchen Sie das nur“, platzte ich heraus. „An einem erzwungenen 'Tannhäuser' unter meiner Leitung werden Sie keine Freude haben. So etwas Stinklangweiliges haben Sie in Ihrem Leben noch nicht gehört“.


    Damit war die Werbung der Nazis beendet. Am 7. März 1933, vor Beginn einer Rigoletto-Vorstellung, wurde Busch von SA-Männern vom Pult gebrüllt und musste sein Amt als Generalmusikdirektor an der Semperoper aufgeben.


    Dass sein "Tannhäuser" alles andere als "stinklangweilig" klingen konnte, kann man an obigem Video ersehen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • In die aktuelle Reihe "Verblassender Ruhm von Interpreten" würde er wohl gut passen. Seit Jahren wurde hier nichts geschrieben. Dabei hat der hier behandelte Fritz Busch eine der frühesten Tonfilm-Aufnahmen hinterlassen: Die "Tannhäuser"-Ouvertüre mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden, aufgenommen im Jahre 1932. Hier kann man mal ein Orchester der Weimarer Republik in Ton und Bild miterleben und erahnen, wieso die Staatskapelle einst "Wunderharfe" genannt wurde. Wenig ist von diesem einzigartigen Klang erhalten geblieben. Es spricht nicht für die heutigen Interpreten, wenn in einer nunmehr 82 Jahre alten Aufnahme mehr Details gehört werden können als heutzutage mit modernster Technik.


    Danke, lieber Joseph, dass Du den Busch-Thread wieder aufgenommen hast. Auch sein Ruhm ist nie verblasst, wie wir nur zu gut wissen. :) Die Tatsache, dass hier lange nichts geschrieben wurde, ist dafür kein Beleg. Wer sich für Mozart und seine Opern interessiert, ist nie an ihm vorüber gekommen. Die Aufnahmen aus Glyndebourne sind auch nach so langer Zeit nie altmodisch geworden. In ihnen wird der Ensemblegeist bei Mozart entdeckt. Sie sind mitreißend wie eh und je. Kein Dirigent nach ihm ist daran vorbei gekommen. Man kann mit Fug und Recht sagen, Busch lebt in ihnen fort, ohne dass das immer wieder gesagt wird. Nur ein Beispiel, das vielleicht zwingendste, nämlich "Idomeneo" sei hier ebenso angeführt wie die "Cosi" und "Figaro" aus dem früheren Zyklus:



    Buschs Beitrag zur Verdi-Renaissance ist auch erheblich. Er hat an der Met beispielhafte Aufführungen geleitet, von denen sich einige auf Tonträgern erhalten haben. Diese sei genannt:

    Aber auch der New Yorker "Rosenkavalier" darf nicht fehlen:

    Die Labels Guild und Arlecchino hatten sich sehr eingesetzt für Busch. Davon zeugen CDs wie diese:

    Eine der schönsten CDs, die ich kenne, ist mit dem Namen von Busch verknüpft:

    Aus dem Colon haben sich hinreißende Wagner- und Strauss-Mitschnitte erhalten. Im Moment schient nur der "Lohengrin" greifbar, die selbe Oper auch noch aus der Met:

    Das Wirken von Fritz Busch in Dresden ist in dieser lobenswerten, genau recherchierten und bestens bebilderten Edition des Labels Hänssler dokumentiert, die auch die filmische Version der Tannhäuser-Ouvertüre enthält:

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Mir sei noch ein Hinweis auf die Brüder des Dirigenten Fritz Busch gestattet, die es alle zu einer gewissen Berühmtheit brachten:


    - Adolf Busch (1891—1952) war Violinist und Komponist. U. a. arbeitete er mit Furtwängler, Toscanini, Walter, Barbirolli und Boult zusammen.
    - Willi Busch (1893—1951) war Schauspieler, zuletzt an den Städtischen Bühnen in Köln.
    - Hermann Busch (1897—1975) war Cellist und brachte es bis zum Professor in Miami.
    - Heinrich Busch (1900—1929) war Pianist und Komponist.


    Bis auf Hermann war leider keinem ein sonderlich langes Leben beschieden. Bedauerlicherweise fand ich nichts zum besonders frühen Ableben Heinrichs heraus. Sie alle waren Söhne des Instrumentenbauers Wilhelm Busch (1861—1929) und seiner Frau Henriette Busch, geb. Schmidt (1865—1932).

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • - Adolf Busch (1891—1952) war Violinist und Komponist. U. a. arbeitete er mit Furtwängler, Toscanini, Walter, Barbirolli und Boult zusammen.

    Vielleicht ist es erwähnenswert, dass Adolf Busch Namensgeber und Primarius eines der berühmtesten Streichquartette der Epoche vor dem 2. Weltkrieg war, nämlich des Busch Quartetts, dessen Beethoveneinspielungen für viele ältere Hörer bis heute Referenzcharakter besitzen. Auch Hermann war zeitweise Mitglied in dieser Formation.






  • Fritz Busch, zu dessen Geburtstag ich eine Aufnahme mitgebracht habe:



    auf der sein Bruder Adolf Busch das Solo in Beethovens Violinkzert spielt, wurde am 13. März 1890 geboren.


    Heute ist sein 125. Geburtstag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Und heute ist sein Todestag, zu dem ich dies ausgesucht habe:





    Fritz Busch starb vor 64 Jahren.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).