WAGNERSÄNGER - Groß und vergessen

  • Zitat

    Original von Siegfried


    Neu war für mich,daß Jung den Mime auch gesungen hat.


    Manfred Jung ist als Mime sogar auf einer Aufnahme aus Kassel zu hören. Er schlägt sich dabei ganz gut, wobei er selbst für diese Rolle zu viel deklamiert als eigentlich singt.
    Als Siegfried steht ihm übrigens einer der besten aktuellen Rollenvertreter zur Seite: Christian Franz.

  • Ich geb es zu: ich hab nach einem Thread gesucht, wo ich meine Frage unterbringen kann, deshalb bitte ich um Entschuldigung, wenn das "vergessen" nicht ganz stimmt. Kennt jemand von euch diese auf dem deutschen Markt jetzt anscheinend neu vorliegende "Walküre" aus dem Jahr 1959 mit Josef Traxel als Siegmund? Wie ist der Tenor denn so? Ich höre Traxel arg gern und bin an der Aufnahme sehr interessiert (auch, wegen der Beteiligung der vielleicht schon etwas in Vergessenheit geratenen Wiener Sopransitin Liane Synek...).


    Gruss

  • Zitat

    Original von heldenbariton
    (Ein Thread über Sänger, welche der NS-Diktatur zum Opfer fielen, wäre interessant).


    Hallo Guido,


    die Hamburgische Staatsoper macht im Herbst eine Ausstellung unter dem Titel "Verstummte Stimmen" über rassisch und politisch verfolgte Sänger unter der NS-Diktatur. Näheres unter wehwehweh.abendblatt.de/daten/2006/08/11/596688.html.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von Alviano
    Ich geb es zu: ich hab nach einem Thread gesucht, wo ich meine Frage unterbringen kann, deshalb bitte ich um Entschuldigung, wenn das "vergessen" nicht ganz stimmt. Kennt jemand von euch diese auf dem deutschen Markt jetzt anscheinend neu vorliegende "Walküre" aus dem Jahr 1959 mit Josef Traxel als Siegmund? Wie ist der Tenor denn so? Ich höre Traxel arg gern und bin an der Aufnahme sehr interessiert (auch, wegen der Beteiligung der vielleicht schon etwas in Vergessenheit geratenen Wiener Sopransitin Liane Synek...).


    Gruss


    Hallo!
    Erst vor ein paar Wochen hatten wir hier einen Traxelthread. Die Aufnahme sah ich auch erst vor einigen Tagen bei Beck stehen: ein Mitschnitt aus Montevideo (!) unter Alexander Krannhals. Reingehört habe ich noch nicht, wäre vielleicht mal einen Versuch wert. Aber ob das die richtige Partie für ihn war - man bedenke, daß er ansonsten mitunter den Postillon von Longjumeau sang... Jedenfalls werde ich mir bei Gelegenheit einen Eindruck verschaffen und wäre auch an Kommentaren interessiert.

  • Die Aufnahme ist bei Living Stage erschienen ; bei jpc kostet sie 19.99 Euro. Neben Traxel und Synek wirken noch Herta Wilfert und Hans (? Ich kenne in dem Fach eigentlich nur einen Hubert) Hofmann als Wotan mit. Gruß Armin

  • Es ist interessant, dass Sune Manninen einmal auf das Problem des Alleinvertretungsanspruchs von Hans Beirer in Hamburg hinweist. In Berlin hatten wir dieselbe Geschichte, zu der Joseph Metternich in einem Interview einmal Interessantes gesagt hat. Beirer habe eine sehr umtriebige Ehefrau namnes Gerti gehabt, die immer betonte, sie sei als Jüdin benachteiligt worden. Darin schloss sie dann (so O-Ton Metternich) auch Beirer ein, der kein Jude war. Und so schaffte sie es, auch zum Ärger von Metternich, die DOBerlin und offensichtlich auch die Oper Hamburg zu beeinflussen. Wir haben uns in Berlin seinerzeit auch geärgert, dass nie Windgassen etc. kamen, sondern immer Beirer (auch Othello mit der Tebaldi) angesetzt wurde. Was es nicht alles gibt!

  • Hallo Gino,
    erst heute las ich diese Themenübersicht und musste über die Beschreibung von Hannelore Kuhse schmunzeln.


    Zitat: "Die recht blonde Stimme der Kuhse macht aus der Isolde keine matronenhafte Dame, sondern eine junge, reizvolle Frau..."


    Ich habe Hannelore Kuhse viele Male im Staatstheater Schwerin auf der Bühne erlebt, bevor sie nach Leipzig berufen wurde. Sie war schon als junge Frau figürlich groß und matronenhaft (kurz gesagt: Fett) Optisch geradezu eine Zumutung war ihr Fidelio, eine Hosenrolle. Der beste Kostümbildner schaffte es nicht sie "jung und reizvoll" hinzubekommen. Aber ihre Stimme - phantastisch: jung und reizvoll. Und letztlich zählt nur die.
    Gruß aus Meck Pomm
    Lohengrin

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  • Zitat

    Original von sune_manninen


    Wenn in Hamburg ausnahmsweise einmal eine Wagner-Oper ohne Beirer gegeben wurde, durfte Sebastian Feiersinger aus Nürnberg ran. Kennt den noch jemand?


    Meine Lieben,


    Der Tiroler Sebastian Feiersinger (Kirchbichl 1913-1984 Nürnberg) war ein ziemlich universaler Tenor, keine einseitige Heldenstimme, das Metall mit genügend Weichheit versetzt und intelligent im Ausdruck. Ein guter Max und Florestan, wenn auch überwiegend als Wagnersänger (Stolzing) eingesetzt, reüssierte er auch im italienischen Fach (bis zum Othello). Lang nicht so kräftig wie z.B. Hans Hopf, aber angenehmer im Timbre (und heute lägen ihm die Theaterdirektoren wegen der Wagner-Rollen wahrscheinlich auf den Knien vor ihm, durchaus zu Recht). Seine Ausbildung hatte er in Wien erfahren.
    Er trat keineswegs nur in der Provinz auf, sondern auch an großen Häusern in aller Welt, hinterließ aber offenbar keine Solo-Platten auf und geriet daher rasch in Vergessenheit. Doch kann man ihn durch alte Rundfunkaufnahmen wieder entdecken, z.B. als Roberto in Puccinis "Le Villi" (in deutscher Sprache, 1952, erschienen bei Walhall).


    LG


    Waldi

  • Zitat

    Original von Walter Krause


    Der Tiroler Sebastian Feiersinger (Kirchbichl 1913-1984 Nürnberg) war ziemlich universaler Tenor, keine einseitige Heldenstimme, das Metall mit genügend Weichheit versetzt und intelligent im Ausdruck. Ein guter Max und Florestan, wenn auch überwiegend als Wagnersänger (Stolzing) eingesetzt, reüssierte er auch im italienischen Fach (bis zum Othello)


    hierzu als spezielle Empfehlung ein ausgezeichneter "Maskenball", den er für den Bayerischen Rundfunk aufnahm. Seine Partnerin als Amelia ist keine Geringere als Birgit Nilsson.

  • Hat zwar mit Wagner auch nur fast wenig zu tun - ist aber mit Foto:



    Aufnahme: Mai 1953, Studio
    Dirigent: Paul Schmitz
    Symphonie-Orchester des Hessischen Rundfunks Frankfurt
    Chor des Hessischen Rundfunks Frankfurt


    Altgesell: Georg Stern
    Barena: Helena Bindhardt
    Dörflerin: Gustl Kettner-Graepp
    Dorfrichter: Frithjof Sentpaul
    Jano: Maria Madlen Madsen
    Jenufa: Trude Eipperle
    Karolka: Traute Brill-Schierhorn
    Kostelnicka: Aga Joesten
    Laca Klemen: Franz Fehringer
    Magd: Käthe Lindloff
    Richtersfrau: Christa Ludwig
    Starenka Buryjovka: Ingeborg Lasser
    Steva Buryja: Sebastian Feiersinger


    Bei Wagner kenne ich ihn auf Tonträgern nur in so tragenden Rollen wie "Ein Hirt" oder "Kunz Volgelsang".


    LG


    Harald

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Peter Hofmann als Siegmund eine Idealbesetzung,als Lohengrin und als Parsifal in seiner Glanzzeit sicher erste Wahl.


    Also auch noch bei Karajan (1979/80)?


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Gino_Poosch
    Als Tannhäuser übertrifft er für mich hierdurch alle (sic!) auf Tonträgern dokumentierten Kollegen. Mit Max Lorenz teilt der Sänger das Schicksal auf keiner Gesamtaufnahme als Tannhäuser vertreten zu sein. Lediglich eine Leipziger Rundfunkaufnahme aus 1955 unter Herbert Kegel ist erhalten (u.a. der komplette 2. Akt).


    Es war dieser Thread, an dem ich vor nunmehr fast zwei Jahren als Gast mitlesend hängenblieb - und der mich so interessierte, dass ich nach anderen, für mich spannenden Themen im Forum suchte. Eine kurze Zeit später wollte ich hier aktiv mitmachen - und bin auch jetzt (zwei Jahre später) noch eifrig dabei.


    Ernst Gruber, ein Name, den ich nicht kannte, ein Tenor von dem ich noch nie gehört hatte. Zwischenzeitlich gibt es den gesamten "Tannhäuser" mit Ernst Gruber aus dem Jahr 1954 - für kleines Geld bei "Walhall"



    Ernst Gruber hat mich wirklich beeindruckt! Ein Tenor, der zu modulieren versteht, dessen Stimme in allen Lagen gut anspricht, der bemerkenswerte Kraftreserven besitzt, der mitgeht, der sich nicht schonen muss - hörenswert! Mich stört einzig die etwas antiquierte Vortragsweise und der deutlich hörbare S-Fehler des Sängers.


    Auch die Elisabeth, Brünnhild Friedland, gefällt mir in dieser Aufnahme gut - teilweise runde, wohlklingende mädchenhafte Töne und eine Gestaltung, die stark für die Sopranistin einnimmt.


    Insgesamt sicher keine grosse Aufnahme des "Tannhäuser", aber ein tolles Dokument in Bezug auf Ernst Gruber.

  • Freut mich, dass Ernst Gruber hier positive Erwähnung findet. Eigentlich hätte er einen eigenen Thread verdient!


    Ein ausführliches Sängerportrait gibt es hier:



    Ernst Gruber - A Portrait


    3 CDs
    Arien & Lieder von Beethoven, Verdi, Wolf-Ferrari, Smetana,
    Albert, Wagner


    Ernst Gruber, Tenor
    Opernorchester Dessau,
    RSO Leipzig,
    Orchester der Deutschen Staatsoper Berlin,
    Dir.: Pflüger, Kegel, Fricke
    Label: Ponto , ADD/m, 1955-62


    Vom selben Label gibt es auch eine 4-CD-Box mit Hanne-Loer Kuhse. Als häufiger Duett-Partner der Kuhse ist er dort auch zu hören, ebenso wie in der "Tristan & Isolde" - Aufnahme aus Philadelphia von 1967!


    Prof. Gottfried Cerwenka hat vor ca 2 Jahren dem gebürtigen Wiener eine "Apropos.... Oper" Sendung in ORF1 gewidmet.



    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Gino_Poosch
    Mit welchem Sänger (oder welcher Sängerin) im Wagnerfach außerhalb der ausgetretenen Pfade verbindet ihr das Adjektiv „Groß“? Und: Muß es immer Windgassen oder Nilsson sein?


    Viele Grüße


    Gino


    Wenn du mir bessere nennen kannst ...


    Nilsson und Windgassen waren Künstler, die vor allem in Live-Erlebnissen ihre nicht nur für mich singuläre Bedeutung unterstrichen. Da konnte man ungemein aufregende und spannende Interpretationen von höchster Eindringlichkeit erleben, die auch vom stimmlichen Ausdruck Maßstäbe gesetzt haben.


    Ich muss noch einmal darauf hinweisen, dass eine Beurteilung gerade dieser beiden Sänger allein von Studioaufnahmen (und das war auch bei Hotter ähnlich) diesen Ausnahme-Künstlern keineswegs gerecht werden kann.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Zitat

    Original von Gino_Poosch
    Hans Beirer ist sicher ein guter Vorschlag. Ich halte ihn für ziemlich unterschätzt, obwohl er bestimmt keiner der ganz großen ist. Auch er bekam nie die Gelegenheit in seinen großen Rollen dokumentiert zu werden. Am meisten dürfte er heute bekannt sein, durch die unsägliche Diskussion, ob er der unbekannte Sänger des Parsifal ("Africo Baldelli") neben Maria Callas' Kundry 1950 in Rom ist.


    Gino


    Ich weiss nicht, wer diesen Unsinn aufgebracht hat, der sich aber recht hartnäckig hält.


    Wahrscheinlich weil das Timbre von Baldelli einige Ähnlichkeit mit dem des jungen Beirer aufweist. Jedoch kann man leicht erkennen, dass Baldellis Stimme gut fokussiert ist, was bei Beirer nicht der Fall war. Weiters ist Baldellis Itlienisch makellos - wer Beirer als Otello erlebte, na, diesen Unterschied möchte ich Klavier spielen können!


    Ein weiteres stringentes Argument ist der Hinweis, dass der junge und damals fast unbekannte Beirer nicht nur keinen Grund gehabt haben konnte, ein Pseudonym zu wählen, wenn er die Chance hatte, ins internationale Rampenlicht zu kommen. Es sei denn, er hätte einen Exklusivvertrag mit einer konkurrierenden Firma gehabt - hatte er aber nicht.


    Ganz zu schweigen davon, dass Vittorio Gui einen italienisch radebrechenden Sänger mit Sicherheit abgelehnt hätte.


    In Italien gab es ausserdem in den 50er-Jahren LPs mit Africo Baldelli mit Wagner-Szenen und Arien aus italienischen Opern. Wer annehmen sollte, es hätte sich dabei um Beirer gehandelt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Ein großer "vergessener" Wagnertenor, den sicherlich kaum jemand mehr kennt, ist der 1895 in Solingen geborene Carl Hartmann. Neben großen Erfolgen an deutschen Opernhäusern wurde er von 1937 -1940
    in Wagnerpartien an der MET New York gefeiert. Für viele war er damals ein echter Konkurrent des großen Lauritz Melchior. Gerühmt wird auch seine Mitwirkung bei den Festspielen von Zoppot und sein Tristan bei den Bayreuther Festspielen. Leider gibt es kaum Tondokumente von diesem Sänger. Deshalb sind wir wie bei zahlreichen Größen seiner Zeit auf Kritiken und Überlieferungen angewiesen. Tamino ist auch deshalb so wertvoll, weil es manchmal unerwartete Funde gibt und ein Tamino doch noch eine Quelle für verschollene Aufzeichnungen weiß. Vielleicht gibt es auch in diesem Fall ein solches Wunder.
    Übrigens wird Michael Seil in der Matinee am Sonntag, 18. Oktober 2009, 11.00 Uhr im Rahmen des Künstlertreffens der Gottlob-Frick-Gesellschaft unter dem Titel: "Im tiefen Brunner der Vergessenheit" einen Vortrag über große Bassisten der Vergangenheit u. a. Wilhelm Hesch, Pol Blancon, Mark Reisen und den Bassisten Tisch mit seltenen Tonbeispielen halten. Michael Seil schuf übrigens die große Wagner-Edition "100 Jahre Bayreuth auf Schallplatte". Darin werden über 300 Aufnahmen mit 93 Sängern der Festspiele von 1876 - 1906
    präsentiert. Es tut sich also doch etwas in der Einnerung an vergangene Größen. Wir Taminos wirken bei dieser musikhistorisch wichtigen Arbeit aktiv mit.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

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  • Nicht nur in seiner Heimatstadt Solingen unvergessen:



    (Carl Hartmann 1930 als Siegfried an der Wuppertaler Oper)


    Auch in München werden sich die Älteren vielleicht noch an ihn erinnern. Er betrieb das angesehene Geschäft "Solinger Stahl- und Haushaltswaren".
    Als Knabe bin ich sehnsüchtig um die Auslagen herumgeschlichen.... es gab da so schöne Taschenmesser, Fahrtenmesser, Pfadfindermesser usw.


    Hier ist er als Parsifal zu hören:



    Hartmann, Lacren, Weber,
    Orchester des Deutschen Opernhauses Berlin,
    Knappertsbusch



    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ein großartiger Tenor, den ich zu den besten Parsifal-Sängern zählen würde, war Warren Ellsworth. Man findet leider wenig über ihn. Habe soeben festgestellt, daß er leider gar nicht mehr lebt.


    "Warren Aldrich Ellsworth 3d, an opera singer known for dramatic tenor roles, died on Thursday at Methodist Hospital in Houston. He was 42.


    The cause of death was lymphoma, said his wife, Caroline.


    [...]


    Mr. Ellsworth was born in Worcester, Mass., and studied at the Juilliard School. His European career began at the Welsh National Opera, where he sang the title role in Wagner's 'Parsifal' under the direction of Sir Reginald Goodall in a production later recorded for EMI. His roles included Samson in 'Samson et Dalila', Don Jose in 'Carmen', Boris in 'Katya Kabanova' and Jimmy Mahoney in 'The Rise and Fall of the City of Mahagonny'."


    (New York Times, Wednesday, March 3, 1993)


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Milletre
    Wer annehmen sollte, es hätte sich dabei um Beirer gehandelt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.


    Wer ist denn dann bitteschön dieser ominöse Herr Baldelli? Wenn man mit einer solchen Sicherheit sagen kann, daß es nicht Beirer ist, dann müßte man doch auch etwas mehr über Baldelli sagen können (außer daß es mit ihm mal eine LP gegeben haben soll). Da es in Italien in dieser Zeit nicht gerade viele Heldentenöre gab, müßte er doch eigentlich relativ bekannt sein, oder?


    Wenn es ihn denn gab, den Africo Baldelli...


    M.

  • Zitat

    Original von Mengelberg


    Wenn es ihn denn gab, den Africo Baldelli...


    M.


    Die Frage wurde schon früher mal gestellt. Und es wurde recherchiert. Hier das Ergebnis:


    Zitat

    Baldelli, Africo, Bariton/Tenor, * 2.4.1914 Castelfidardo bei Ancona, † 12.3.1998 Carpi bei Modena; er debütierte als Bariton 1938 in Pesaro, doch konnte seine Karriere sich während des Zweiten Weltkrieges nicht entwickeln. 1948 begann er eine zweite Karriere, jetzt als Tenor, und sang an den großen italienischen Opernhäusern Partien wie den Herzog im »Rigoletto«, den Alfredo in »La Traviata«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, auch den Othello von Verdi und den Parsifal. Er trat als Gast in Nordamerika und im Rahmen einer Fernost-Tournee auf. Häufig war er in Opernsendungen des italienischen Rundfunks RAI zu hören, wobei er namentlich Partien in modernen italienischen Opern zum Vortrag brachte (»Doktor Faust« von Busoni, »Le Baccanti« von G. Ghedini, »Margherita da Cortona« von L. Refice, »Torneo notturno« von G.F. Malipiero, »La campana sommersa« von O. Respighi).


    Schallplatten: Vollständige »Parsifal«-Aufnahme mit ihm in der Titelrolle und Maria Callas als Kundry (in italienischer Sprache)


    Quelle: Hansjörg Rost (vgl. Sängerlex. Bd. 6, S. 14 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Sehr interessant ! Vielen Dank, Harald Kral ! Jürgen Kesting meinte, daß es sich bei Africo Baldelli um Hans Beirer handelte. Der Gesangs-Papst weiß anscheinend doch nicht alles !


    Gruß,


    Antalwin

  • Hallo,


    da fallen mir noch 3 Sopranistinnen ein, die unter den großen Wagnernamen nicht fehlen dürfen.



    Paula Buchner: Ihre Isolde von 1943 neben Max Lorenz ist wirklich sehr hörenswert.


    Ingrid Bjoner: Ich habe sie auf der Bühne "nur" als Elektra erlebt, aber ich habe Großartiges über ihre Brünnhilde gehört.


    Margaret Price: Sie ist zugegeben keine ausgesprochene Wagner-Sängerin, aber ihre Isolde ist eine der besten Leistungen in dieser Partie überhaupt.


    Auch die Waliserin Linda Esther Gray verdient erwähnt zu werden. Ich habe sie als Isolde gehört, sehr achtbar.Außerdem kenne ich sie als Ada im Frühwerk "Die Feen".


    Um auch mal eine Mezzosopranistin zu erwähnen: Anneliese Burmeister war in den 60er Jahren eine beeindruckende Fricka in Bayreuth.


    Und als Ergänzung zu den Heldentenören: Erwin Wohlfahrts Mime ist wohl auch unvergesslich, wenn man ihn einmal erlebt hat.



    Schöne Grüße


    Wega